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Original-Protokolle von Hexen- und Hexer-Prozessen in Österreich und Slowenien

 

In dieser Homepage finden Sie die möglichst wortgetreuen Übersetzungen der Originalprotokolle von Prozessen gegen Hexen und Hexer aus dem 17. und 18. Jahrhundert in unsere heutige Sprache. Die Prozess-Protokolle beziehen sich auf den Raum des heutigen Österreich und Slowenien.


Inhaltsverzeichnis

Hexensabbat
Hexensabbat von Hans Baldung Grien


Was wurde den als Hexen und Zauberer Inhaftierten eigentlich vorgeworfen?
Weswegen wurden sie angeklagt

1. Bündnis oder Vertrag mit dem Teufel (Teufelspakt)
2. Geschlechtsverkehr mit dem Teufel (Teufelsbuhlschaft)
3. Hexenflug (Flugzauber)
4. Teilnahme an Hexenversammlungen (Hexensabbat)
5. Andere durch Zauberei schädigen (Schadenzauber)

Wetterzauber (Unwetter, Schnee und Hagel machen)
Kühen die Milch wegzaubern oder verderben lassen (Milchzauber)
Wölfe mit Zauberei dirigieren und das Vieh reissen lassen (Wölfe bannen)
Menschen und Tiere krank zaubern

Hostienfrevel
Andere Arten von Zauberei


Wie ist so ein Prozess abgelaufen?

Allgemeines zum Prozess
Das Verhör

Die Allmacht der Richter und der Schneeballeffekt
Die Folter
Die Verurteilung

Die Hinrichtung

Wer war eigentlich besonders gefährdet, wegen Zauberei verfolgt und verurteilt zuwerden?

Nachbarn und Bekannte
Verwandte
Bettler, Landstreicher und Kleinkriminelle
Außenseiter wie Körperbehinderte, Menschen mit körperlichen Auffälligkeiten, Epileptiker usw.

Frauen
Heilerinnen
Landbewohnerinnen

Wieviele Menschen wurden als Hexen oder Zauberer hingerichtet?

Wann waren diese Hexenprozesse eigentlich?

Gab es keinen Widerstand gegen die grausamen Hexen-Verfolgungen?


Was waren die Hauptursachen dafür, dass so viele unschuldige Menschen als Hexen
und Zauberer verfolgt und hingerichtet wurden?

Grundsätzliches zu möglichen Ursachen
Der Rolle der Religion
Die Rolle der Weltlichen Macht
Fortwährende existentielle Bedrohungen durch Unwetter, Hunger, Kriege und Seuchen

Das magische Denken in der Gesellschaft und die Suche nach dem Sündenbock

Einführung in das Buch "Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer
unter besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse"


Ein wenig Lokalpatriotisches zum Schluss

Verwendete Literatur
Nachwort zur Entstehung dieser Homepage


 

 
 

Was wurde den angeblichen Hexen und Zauberern eigentlich vorgeworfen? Weswegen wurden sie angeklagt?

Die 5 wichtigsten Anklagepunkte der Hexenprozesse waren:
Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, Hexenflug, Hexensabbat, Schadenzauber.

Teufelspakt
F. M. Guazzo - Compendium Maleficarum

 

1. Bündnis oder Vertrag mit dem Teufel (Teufelspakt)
Der zentraler Punkt der Anklage war der Pakt zwischen dem Teufel und der Hexe bzw. dem Hexer. Dieser "Vertrag" war verbunden mit dem Abschwören Gottes.
Dafür gab es  die Fähigkeit zu Zaubern, Geld, Essen, Schätze etc.
Mit dem Teufelspakt waren eine Hexe oder ein Zauberer nicht nur Verbündete des Teufels, sie waren auch sein Besitz. In den Protokollen der Hexenprozesse findet man häufig schon am Beginn, dass die Angeklagten dem Teufel (dem Bösen Geist) die Seele versprochen hätten und Gott (dem Allmächtigen, der Heiligen Dreifaltigkeit, der Jungfrau Maria, allen Heiligen) abgeschworen oder widersagt hätten.
Als Ausdruck und Zeichen dieses Teufelpaktes wurden die Verleugnung des Glaubens, Gotteslästerung und Blasphemie angesehen.
Das Bündnis mit dem Teufel wurde oft mit Blut besigelt.
Der Teufel markierte dann oft seine Leute, mit denen er einen Pakt geschlossen hatte. Er verpasste ihnen ein Teufelsmal: Knoten, Narben, Warzen, Muttermal usw. Aus diesem Grund wurden die Angeklagten am Beginn der Prozesse oft nach Teufelsmalen abgesucht. In das Teufelsmal (z.B. eine Warze) wurde oft mit einer Nadel hineingestochen. Floss kein Blut und hat die Angeklagte keine Zeichen des  Schmerzes von sich gegeben, dann wurde dies ebenfalls als Hinweis auf einen Teufelspakt gewertet.

Ein Beispiel, wie durch Folter das Geständnis eines Teufelspaktes erzwungen wurde, ist der Prozess gegen Marina Schepp.
In diesem Prozessprotokoll wird deutlich, mit welch unerhörter Grausamkeit gegen die Gefangenen vorgegangen worden ist. Obwohl Marina Schepp alles zurückgenommen hatte, was sie zunächst unter Folter gestanden hatte, ließ man nicht von ihr ab und foltert sie weiter. So oft und so lange, bis sie endlich das sagte, was der Richter ihr in den Mund gelegt hatte. Bei der 5. Folterung, nach mehr als 6 Stunden Sitzen auf dem Hexenstuhl, gestand sie, dass sie mit dem Teufel ein Verhältnis gehabt habe.

Das Bild des Teufels in den Schilderungen der Angeklagten variiert sehr oft. Manchmal erschien er als schwarzes kleines Manderl, dann wieder als vornehmer Jäger, der beim Sprechen "näselt" und meist hatte er Hufe oder Krallen statt Füße. Seine Haut war in den Schilderungen häufig dunkel oder schwarz und er hatte oft Hörner am Kopf.
Nicht selten verwandelte er sich in ein Tier (Katze, Hund). Eine beliebte Tarnfigur des Teufels war der Ziegenbock, der schon in der griechischen Mythologie mit dem Dämonischen in Verbindung gebracht wurde. Manchmal wechselt er in den Phantasien (nicht zuletzt auch der Richter) zwischen den Gestalten: Einmal erschien der Teufel in Gestalt eines Hasen. Das nächste Mal in der Gestalt eines Knaben.

Ein Beispiel dafür finden sie im Prozess gegen Elenka Schauberg.

2. Geschlechtsverkehr mit dem Teufel (Teufelsbuhlschaft)

Wenn der Teufel als verführerischer Liebhaber auftrat, tat er das meist als attraktiver Mann (Frau). Die Vereinigung der Männer mit dem Teufel geschah so, dass der Teufel die Gestalt einer Frau annahm. ( Prozess gegen Marx Rueprech, Punkt75).
Ob der Teufel bei der Teufelsbuhlschaft Gewalt gegenüber den Frauen anwandte, spielte für die Richter keine Rolle. Das zeigt der Prozess gegen Margaraetha Keyditsch (Pkt. 13).
Nicht selten drängt der Bannrichter die Verhörte dazu, den Akt der Vereinigung mit dem Hinweis zu beschreiben, dass sich seine “Natur” kalt angefühlt habe. Nachzulesen etwa im Protokoll des Verhörs von Veronika Rauch.

Nicht selten sagen die Gequälten aus, der Böse Geist habe sie mit einem Mal markiert, nachdem er sich mit ihnen vereinigt habe. So wird es zum Beispiel im Protokoll des Prozesses gegen Margareth Jantscher beschrieben .

Der Ausdruck “Sodomie” kommt auch immer wieder in den Prozessakten vor. Sodomie bedeuteten in der damaligen Zeit alle sexuelle Handlungen, die nicht der Kinderzeugung dienten. Dazu gehörte auch Homosexualität, auf die auch die Todesstrafe stand. Und natürlich auch die Kopulation mit dem Teufel und auch mit Tieren.

Hexenflug
Hexe in einem Bühnenbild von Ernst Stern 1912

3. Hexenflug (Flugzauber)
Als Beweis für den Pakt mit dem Teufel galt, dass Hexen auf Besen, Rechen, Ofenschaufeln (auch Ofenschüssel), Wacholder-Ästen oder auf einem Ziegenbock durch die Luft  zu den Versammlungsplätzen fliegen konnten. Der Stiel wurde mit einer Hexensalbe (Hexenfett, Flugsalben) aus Kräutern und Fett eingeschmiert.

Eine genaue Beschreibung von Inkredientien einer Salbe zum Fliegen schildert ein kleines 10 bis 12 Jahre alten Mädchen im Prozess gegen Dionys und seine Helferin: Der Freund ihrer Mutter habe gesagt, für eine Salbe zum Fliegen müsse man einen Knochen von einem toten Menschen nehmen und zu Pulver zerstoßen. Dann soll man faules Holz, das in der Nacht leuchtet, Menschenhaare, Sauborsten, Brunnenwasser, ein wenig Schmalz und eine Hostie dazugeben.

Solche Zauberflug-Erlebnisse finden sich schon in der antiken Literatur bei Römern und Griechen.
Es liegt nahe, dass sie ihren Ursprung in Flug-Halluzinationen haben, wie sie zum Beispiel durch das Gift Atropin aus der Tollkirsche hervorgerufen werden. Der hochgiftige Stechapfel führt auch zu Sinnestäuschungen.

Nicht immer findet sich in den Prozessakten der Hexenflug, um zum Hexensabbat zu kommen. Manchmal findet sich in den Protokollen auch eine Kutsche als Fortbewegungsmittel. Oder der Angeklagten schien es, als wäre sie wie im Schlaf auf den Zauberberg gekommen. So wird das im Strafprozess gegen Christina Posch wegen Zauberei beschrieben.

4. Teilnahme an Hexenversammlungen (Hexensabbat)
Unter dem sogenannte Hexensabbat ist eine Versammlung der Hexen und Zauberer zu verstehen. Dieser Anklagepunkt war besonders entscheidend, weil die Verdächtigen nach Komplizinnen, nach anderen Teilnehmern an den Versammlungen gefragt wurden. Durch die Folter und die Frage nach den Komplizinnen konnte durch den Richter jederzeit eine Prozesslawine ausgelöst werden, die zu immer neuen Verhaftungen führte. Es konnt eine Kettenreaktion in Gang gestezt werden, die zu Massenhinrichtungen führen konnte.

Ein Beispiel für die Folgebefragungen nach mehreren Hinrichtungen unter dem Frauen hassenden Bannrichter Johann Wendtseisen aus Radkersburg, der in der Untersteiermark (heute ein Teil von Slowenien) gewütet hat, finden wir im Protokoll “Verhöre von Personen, die im April 1672 im Schloss Luttenberg wegen Zauberei inhaftiert waren”.

 

 
 

Eine kleine Auffälligkeit aus den Berichten über die Versammlungen der Hexen und Zauberer: Nicht selten beschreiben die verhörten Frauen die Feiern in der Weise, dass sie nicht selbst Essen un Trinken genossen haben, sondern sich ums Kochen, Servieren und Abwaschen kümmern mussten. So ist es auch zu lesen im Geständnis der Gera Kopschitsch .

Die Versammlungen der Hexen und Zauberer fanden an besonderen Orten statt. Zum Beispiel an bekannten Wegkreuzungen, meistens aber auf sogenannten Hexenbergen. Das waren Berge, die durch ihre Form und Lage auffallend waren.   
Die am häufigsten in den Hexenprozessen der Steiermark genannten Berge waren:
Schöckl, Gleichenberger Kogel, Wildoner Kogel, Plesch, Donatiberg (Donacka Gora in Slowenien) etc.

Zur Illustration finden Sie im folgenden eine Auswahl von Ausschnitten aus Prozessen, in denen der Schöckl als Treffpunkt genannt wurde. Die Mehrzahl der Prozess-Ausschnitte stammt aus der Zeit von 1686 bis 1688. In diesen 3 Jahren wurden allein beim Landgericht Rein bei Gratwein 29 Menschen zum Tod verurteilt und hingerichtet: Protokolle von Prozessen mit dem Schöckl als Treffpunkt der Hexen und Zauberer.

Es gab also Gegenden, die einen besonders schlechten Ruf als Brutstädten der Zauberei hatten. Ganz besonders Menschen, die in der Nähe von “Hexenbergen”wohnten, waren von vornherein verdächtig. In den Prozess-Protokollen ist dann z.B. davon die Rede, dass “ein Viertel der Bauern der ganzen Pfarre lauter Zauberer seien” (siehe Prozess gegen den "grindigen" Hans Glaser am 20.3.1659 auf der Streckbank.


5. Andere durch Zauberei schädigen (Schadenzauber)
Hexen und Zauberer richten bei Mensch und Tier Schaden an. Sie machen sie krank und töten sie. Sie verursachen Unwetter, verderben und vernichten die Ernte.


Schöckl
Alte Ansicht vom Hexenberg Schöckl

Wetterzauber (Wetter machen, Gewitter herzaubern, Hagelzauber, Unwetter machen etc.):

Wetterzauber war nach den Prozessakten nach der Anklage wegen Zauberei (im allgemeinen) die häufigste Anschuldigung im Herzogtum Steiermark.
Es gehört zu den Wesenszügen des Menschen, unerklärliches Unglück erklärbar zu machen, eine Ursache für das Unglück zu finden, eine Ursache, die man vielleicht beseitigen kann. Das gilt auch für die vielen Unwetter und Missernten in der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts, die man sich nicht anders erklären konnte, als durch böse Menschen und Mächte verursacht. Die Opfer waren oft Bettler und einfache Viehhirten, die verdächtigt wurden, mit Magie und Zauberei ihre Mitmenschen zu schädigen.
Man stellte sich zum Beispiel vor, dass Hexen in den Wolken flogen und das schlechte Wetter zu den passenden Orten lenkten (“führten”), also zu den Bauern, die es verdient haben.

Eines der Opfer war Hans aus der Metnitz in Kärnten, der unter Folterdrohung angab, jenen Bauern ein schlechtes Wetter gemacht zu haben, bei denen er betteln war und die ihm kein anständiges Brot gegeben haben.

Ein anderes Opfer war  Marx Schöpfer, dem man ebenfalls das Wettermachen vorwarf. Er habe sich mit dem Teufel verbündet, der ihn dafür bezahlte habe, dass er schlechtes Wetter mache. So etwas sagt man, wen man gefoltert wird und Todesangst ausstehen muss.

Wieder ein anderer Wettermacher war  Lorenz Steger, der nach dem Prozessprotokoll seine Wetter hauptsächlich in Kärnten niedergehen ließ. Für das Wettermachen habe er alte Streu oder Erbsen ausgestreut.

Oft findet man die Beschreibung des Wetter-Zauberns im Zusammenhang mit den Hexenversammlungen (Hexensabbat) auf den Hexenbergen. Getreidekörner, Steinchen, Blumen oder dergleichen seien in einen Kübel oder ein anderes Gefäß gegeben und gerührt worden. Dadurch sei dann ein Unwetter ausgelöst worden.
Auch Analogie-Zauber findet sich in den Aufzeichnungen der Prozesse gegen Menschen, denen vorgeworfen wurde, das schlechte Wetter und die zerstörerischen Unwetter mit Zauberei zu verursachen. Analaogie-Zauber bedeutet, dass man zwischen zwei äußerlich ähnlichen Dingen (zum Beispiel der Himmel und die Farbe Blau, oder Regenwasser und Bachwasser) eine innere, tiefere oft kausale Verknüpfung besteht. Wenn man bei einem Ding etwas besonderes mache, bewirke ich auch beim anderen (verknüpften) Ding etwas ähnliches.
Wenn sich jemand in einem bestimmten See (Ossiacher See oder Millstätter See) badet, kann er damit bewirken, dass es regnet (Volkskundliches 44). Nass macht nass. In einem anderen Prozess gaben die Angeklagten an, 3 x barfuß in einem Bach hin und her gegangen zu sein, mit der linken Hand Erde hinter sich geworfen und dazu eine Beschwörung gesprochen zu haben, um einen Regenguss zu erzeugen (Volkskundliches 26). Eine andere Frau hat ausgesagt, sie hätten zu dritt im Fluss Gurk gebadet und Gebeine vergraben. Daraus seien Wetter mit Schnee und Hagel entstanden (Volkskundliches 21). Nach den Verhörprotokollen könne man Regen auch machen, wenn man einen Totenkopf in einen Brunnen legt (Volkskundliches 33) oder sich in ein Schaffel (Bottich) mit Wasser setzt, in das man 3 Laugensteine gegeben hat (Volkskundliches 26).


 
 

Milchzauber
Man muss sich vorstellen: Um 1500 arbeiteten in Mitteleuropa rund drei Viertel der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Heute sind es an die 2 Prozent. Alles hing also von der Landwirtschaft ab und damit vom Wetter.
Vieh und Getreide waren die Lebensgrundlage. War das Vieh bedroht, war das Leben aller am Bauernhof bedroht. Starb das Vieh oder gaben die Kühe keine Milch, dann fand man oft keine andere Erklärung als böse Mächte. Oder die bösen Nachbarn, mit denen man schon seit Generationen im Streit lag oder von denen  man wusste, dass sie ein Zauberbuch besaßen.
Wenn die Kühe keine oder nur blutige Milch gaben, dann steckte vielleicht eine Milch-Hexe dahinter. Wenn der Milchrahm nicht und nicht zur Butter werden wollte, dann schloss man nicht aus, dass das das Werk einer Butterhexe gewesen sein könnte. Was man gegen den Milchzauber tun konnte: z.B. geweihte Palmzweige im Stall anbringen, die Kühe mit Weihwasser besprengen oder eine geweihte Medaille in den Kübel hängen. Aus den Prozessen wegen Zauberei sind auch andere Versuche bekannt, dieses Problem zu bewältigen: Man schlug die Milch im Kübel mit einem glühenden Eisenstab (Volkskundliches Pkt.34), legte einen glühenden Hufnagel hinein oder stach mit einem Messer in die Milch (Volkskundliches Pkt.48).
Mit speziellen Samen, die man mit einer besonderen Formel beschwören muss, kann man die Kühe dazu bringen, dass sie viel fette Milch geben und die Kühe auch leicht zu melken sind. So wird es im Prozess gegen Margaretha Keyditsch (Abschnitt 16) beschrieben.
Wenn die eigenen Kühe wenig Milch gaben, konnte natürlich auch eine böse Nachbarin oder ein Bettler, der mit der milden Gabe unzufrieden war (Volkskundliches Pkt.63), dahinterstecken.
Der Viehhüter Marx Schöpfer hatte von einer Sennerin gelernt, was man dagegen tun konnte. 2 Frösche auf eine Stange hängen und daran melken. Dadurch wird den fremden Kühen die Milch entzogen. Mit dieser Aussage war dann der Bannrichter im Prozess gegen Marx Schöpfer zufrieden.


Wölfe bannen

Weißer wolf
Wolf im Tierpark Herberstein (Steiermark)

Das Ende des 19. Jahrhunderts war auch das Ende für die Wölfe in unserer Gegend. Sie waren ausgerottet. Gelegentlich verirrten sich auch später noch vereinzelt Wölfe in die Steiermark. So wurden zum Beispiel noch im Jahr 1949 in der Gegend von Weiz und Murau 2 Wölfe erlegt. Das blieben aber Aufsehen erregende Einzelereignisse. Heute bemüht man sich eher um eine Wiederansiedlung der Wölfe und sieht sie als Zeichen der Erholung der Natur.
Ganz anders war die Situation in den Jahrhunderten davor.
Die Wölfe waren in früheren Zeiten eine ernste Bedrohung für die Menschen, vor allem für jene, die in der Viehzucht ihre Existenzgrundlage hatten.

Im heutigen Slowenien, in der früheren Untersteiermark, waren Wölfe so häufig und gefährlich, dass etwa die Postkutsche von Laibach nach Cilli im Winter durch eigene Reiter, die nachts brennende Fackeln trugen, geschützt worden ist.
Mit den unterschiedlichsten Methoden hat man versucht, dieser schwer zu berechnende Gefahr zu begegnen:
Man veranstaltete große Treibjagden, deren Ziel die Ausrottung der Wölfe war.
Es gab auch durchaus beachtliche Prämien für das Erlegen von Wölfen und es wurden große Wolfsjagden veranstaltet, bei denen die Untertanen im Rahmen ihrer Robot-Pflicht teilnehmen mussten.
Oder man hob riesige 5 Meter tiefe Wolfsgruben aus und rammte einen Pfahl in die Mitte, an dem ein Köder festgemacht war. Die Gruben wurden mit Ästen und Holz bedeckt.
Man legte "Wolfsangeln" aus, deren Köder innen spitze Widerhaken hatten, sodass der Wolf wie an einer Angel gefangen war.
Man errichtete auch eine Art "Selbstschussanlage", sogenannte "Legbüchsen", die so konstruiert waren, dass die Wölfe einen Schuss auslösen und sich selbst töten sollten. Das alles war natürlich nicht nur für die Wölfe sondern auch für die Menschen gefährlich.
Auch mithilfe von Segenssprüchen, die ihre Wurzel in vorchristlichen Zaubersprüchen hatten, wurde versucht, die Wolfsgefahr in den Griff zu bekommen.

Wolfsjagd alter Stich
Wolfsjagd - Kupferstich von Jan van der Straet 1578

Es entwickelte sich in dieser Zeit der Glaube, dass bestimmte Menschen, beeinflusst vom Teufel, besondere Macht über die Wölfe hätten, die sogenannten Wolfsbanner.
Man glaubte, dass diese Wolfsbanner hinter den Angriffen der Wölfe auf die Herdentiere der Bauern stünden und dass diese auch die Macht hätten, ihre Wölfe so zu beeinflussen, dass sie bestimmte Bauern schonten.
Manche bettelarme Landstreicher fanden in diesem Glauben auch die Möglichkeit, von den Bauern Essen zu erbetteln, indem sie ihnen versprachen, ihre Wölfe so zu beeinflussen, dass sie einen großzügigen Bauern verschonten.

Vor diesem Hintergrund ist jener Prozess gegen den Matthias Hacker und seine Ehefrau Eva  zu sehen, der in der Nähe von Obdach, in Admontbichl, stattgefunden hat. Unter Folter gab er gleich am Beginn des Verhörs an, dass der Teufel ihm im Tausch mit seiner Seele 2 Wölfe mit den Namen Ram und Pez gegeben habe, die ihm zu dienen und zu gehorchen hätten. Mit ihnen habe er Schafe, Kälber und Ochsen totbeißen lassen.

Auch Thomas Heiser, ein 84 Jahre alter Viehhirte aus der Obersteiermark, gestand, dass er als Wolfsbanner Rinder niederreissen habe lassen. Und wenn der Vater ein Wolfsbanner ist, dann muss es wohl auch der Sohn sein. Der hatte das Unglück, von der Mutter losgeschickt zu werden, um den Vater zu suchen und nach Hause zu bringen. Nachzulesen im Protokoll des Prozesses gegen Gregor Heiser.

Die Angst der Bauern vor Unwettern nutzte so mancher am Existenzminimum dahinvegetierende Landstreicher aus und gab vor, das Wetter lenken und steuern zu können. Für eine milde Gabe war dieser dann bereit, den Bauer zu schonen. Sie beteten dann vor dem Bauern den Wolf-Segen (Volkskundliches Pkt.31) oder andere magische Sprüche (Volkskundliches Pkt.32), durch den der Hof dann angeblich vor den Wölfen geschützt war.

Unvorsichtige Angeberei im Wirtshaus, die Wolfsbannerei zu beherrschen, kann auch dazu führen, dass einen der Gerichtsdiener fest nimmt. Ein großes Glück, wenn man dann einem Bannrichter vorgeführt wird, der die Angaben nicht ganz ernst nimmt. Das Urteil lautete daher nur auf 20 Stockschläge und der Gerichtsdiener erhielt einen Verweis. Letzter Satz im Bericht: “Aus diesem Grund ist der Untersuchte ein Jahr und etliche Wochen lang unschuldig im Arrest in Eisen gelegen.” (Volkskundliches Pkt.64)

Krankheiten anzaubern und totzaubern

Bei den Anklagen wegen Anhexen von Krankheiten und Totzaubern finden sich häufig Elemente des Analogiezaubers. Den Angeklagten wird vorgeworfen, mit verschiedenen Materialien ein Bild oder eine Puppe von der Person, die mit Zauberei krank gemacht werden soll, geformt zu haben. Das Bild oder die Puppe  kann aus Haaren oder Kleiderfetzen der betreffenden Person (Volkskundliches Pkt.2) aber auch aus Wachs (Volkskundliches Pkt.13), Lehm (Volkskundliches Pkt.14) und dergleichen gefertigt sein. In das Bild oder die Puppe sei dann mit Nadeln hineingestochen worden oder man habe das Objekt vergraben, oft an einer Stelle, wo die betreffende Person darüberging.

Derartiges wird in den Unterlagen beschrieben, wonach Gera Gregoritsch und Komplizinnen auf teuflische Art und Weise die Frau Gräfin unter die Erde und den Herrn in einen sehr üblen Kranheitszustand gebracht hätten.

Ähnliches findet sich in einem Protokoll, in dem der Vorwurf erhoben wurde, es sei ein Mordanschlag gegen einen Schlossherrn verübt worden, bei dem Nadeln in eine Wachspuppe gesteckt und diese dann vor dem Schloss eingegraben worden sei (Volkskundliches Pkt.14).

Im Prozess gegen Margaraetha Keyditsch wird gleich am Beginn des Protokolls beschrieben, wie man jemand mit Zauberei krank machen kann. Wenn es den Verhexten dann allzu schlecht ging, konnte man sie auch wieder heilen, indem man sie mit einer speziellen Kräutermischung wusch oder badete. Oder man räucherte sie mit einem kleinen Stück von einer Hostie (dem Allerheiligsten in  der Mess-Feier der katholischen Kirche). Das konnte allerdings die Hinrichtung zur Folge haben.

 


Fasst man die Vorgangsweise bei den Hexenprozessen im Hinblick auf die 5 Anklagepunkte zusammen, dann kommt man zu dem Schluss, dass die Richter einem ziemlich einheitlichen, tödlichen Drehbuch gefolgt sind:
Die Angeklagten mussten so lange unter Druck gesetzt werden, bis sie (unter anderem) zugaben, dass sie ein Bündnis mit dem Teufel eingegangen sind,dass sie Gott (die Heilige Dreifaltigkeit, "Unsere liebe Frau" etc.) verleugnet haben, dass sie (aufgesessen auf Besen, Wacholderästen,  Brat-Spießen etc.) durch die Luft geflogen sind, dann an Hexenversammlungen teilgenommen haben (dort mit Gleichgesinnten gegessen, getrunken, getanzt etc.hätten) und selbst Zauberei betrieben haben, um andere zu schädigen (z.B. Unwetter oder Krankheiten verursacht haben).


 

Hostienfrevel, Hostiendiebstahl, Hostienschändung


Eine Hostie ist nach der Lehre der römisch-katholischen Kirche ein Stück Weizenbrot (eine Oblate), das in der Eucharistiefeier (Hl. Messe) in den Leib Christi verwandelt und an die Gläubigen verteilt wird. Nach der Kommunion übriggebliebene Hostien werden in eigenen Gefäßen in den Kirchen (im Tabernakel) aufbewahrt.
Der unerlaubte und schändliche Umgang mit Hostien besitzt im Rahmen der Hexenprozesse eine eigene Wertigkeit.
Er muss in Verbindung mit den 5 Hauptanklagen in den Hexenprozessen gesehen werden.

Eine Verwendung, die in den Prozessprotokollen beschrieben wird, ist zum Beispiel die Herstellung von Hexensalben für den Hexenflug. Auch beim Wetter Machen wurden sie verwendet. Oft ging es aber um Schutz vor Verletzungen, Heilen von Krankheiten oder auch um Hilfe gegen soziale Anfeindungen.
Der frevelhafte Umgang mit Hostien war aber primär eine Demonstration des Abfalls vom wahren Glauben und damit für den Pakt mit dem Teufel.
Nach der “Halsgerichtsordnung”, der ersten deutschen Strafprozessordnung  von Kaiser Karl V. stand auf den Diebstahl von Monstranzen (in denen die Hostien aufbewahrt wurden) die Todesstrafe und auf den Diebstahl und die missbräuchliche Verwendung der Hostie nach verschiedenen kirchlichen Gesetzen die Exkommunikation, die nur durch den Papst wieder aufgehoben werden konnte.
In manchen Regionen reichte der Hostienfrevel allein für ein Todesurteil aus. Ein Beispiel dafür ist der Prozess gegen Apollonia.


Hostien galten allgemein als eine Art Wundermittel. Sie übten daher eine magische Anziehung auf gläubige wie zwielichtige Personen aus, die sich mit ihrer Hilfe besondere Fähigkeiten zu erwerben glaubten oder sie gewinnbringend veräußern wollten.
So gab es die Vorstellung, dass man sich mithilfe von Hostien unverwundbar (“fest”, “gefroren”) gegenüber Kugeln und anderen Geschoossen machen kann. Das hatte vor allem in Kreisen der Soldaten, Jäger und Wilderer eine besondere Bedeutung. Unverwundbar wurde man nach dieser Vorstellung durch das “Einheilen” von Hostien: Die Stücke einer zerkleinerten Hostie wurden in selbst zugefügte Wunden gelegt und “eingeheilt” (Volkskundliches53).
Sie war auch ein beliebtes verbotenes Heilmittel gegen Krankheiten von Menschen und Tieren und schützte angeblich vor Unwetter und Armut.

Opferstock
Opferstock aus Stein - Schell-Collection Graz

Wie kam man überhaupt zu den Hostien? Die Angeklagten gestanden oft unter Folter, dass sie die Hostie nach der Kommunion nicht hinuntergeschluckt, sondern wieder aus dem Mund genommen hätten. Außerhalb der Kirche hätten sie die Hostie auf den Boden geworfen (in Extremfällen hinaufgetreten und hinauf uriniert).

Die Verfolgung wegen Hostienschändung war schließlich auch ein Mittel, den wahren (katholischen) Glauben gegenüber den Protestanten abzugrenzen und durchzusetzen. Sie war ein Instrument und Symbol der Gegenreformation, der Rakatholisierung des Landes, ähnlich wie die Marienverehrung.

Für die Richter in den Hexenprozessen waren die Hostien auch eine Art Mittel zum Zweck. Man musste einen gefangenen Opferstockdieb mit Hilfe der Folter dazu bringen, dass er zugab, auch Hostien gestohlen zu haben, um ihn zum Tode verurteilen zu können. Sehr anschaulich ist das im Prozess gegen Sebastian Kügl beschrieben.

 


Andere Zaubereien, die in den Prozessen beschrieben werden


Zauberei, um anderen Schaden zuzufügen, bezeichnet man auch als “Schwarze Magie”. Ihr gegenüber gibt es auch den Bereich der “Weißen Magie”. Darunter versteht man jene zauberischen (magischen) Handlungen, die dazu helfen sollen, Schutz vor den bösen Zauberern und Hexen zu bringen, schlechtes Wetter abzuwehren, Krankheiten zu heilen, Diebstahl zu verhindern, sich unverwundbar zu machen.

Abgesehen von den Hostien, galten die Knochen oder andere Überreste von Hingerichteten und Stücke vom Strick von Erhängten als ganz besonders wirksam. Ihre Verwendung kommt in den Protokollen der Hexenprozesse immer wieder vor. Ketten vom Galgen und Leichenteile seien zum Beispiel verwendet worden, um die Pferde kräftiger und schneller zu machen (Volkskundliches 22 und Volkskundliches 57). Riemen aus der Haut Gehängter seien zur Geburtshilfe verwendet worden (Volkskundliches 62).
Stücke vom Galgenstrick und Holz vom Galgen seien als allgemeines Wundermittel, das bei fast allem helfe, verwendet worden. Sogar beim Verkaufen helfe es, wenn man es neben die Ware lege (Volkskundliches 45).
Ähnliches wird im Prozess  gegen Walburga Moritz-Bärtl berichtet. Eine Kuchenbäckerin vom Lend in Graz habe die Angeklagte aufgesucht, weil sich ihr Kuchen so schlecht verkaufe. Sie habe ihr geraten, ihren Kuchen mit einem Henkerstrick zu  räuchern und für jeden gebackenen Kuchen 72 “Vater unser”, 72 “Ave Maria” und 7 Glaubensbekenntnisse zu beten, dann werde es mit dem Verkaufen schon besser laufen.

fuessen

Verdächtige Personen wurden bei der Gefangennahme hinsichtlich zauberischer Gegenstände durchsucht. Gelegentlich wurden Zettel mit geheimnisvollen Aufzeichnungen gefunden. Zum Beispiel die in der damaligen Zeit beliebten “Passauer Zettel”, mit fremdartigen Zeichen und unverständlichen Sprüchen, die man entweder schlucken oder bei sich tragen musste, um im Kampf geschützt und unverwundbar zu sein (Volkskundliches 61).
Solche “Essbildl” (Schluckbildchen) mit heiligen Darstellungen fanden in dieser Zeit reissenden Absatz und wurden im großen Stil hergestellt. Bei Bedarf wurden sie geschluckt, in Wasser aufgelöst, getrunken oder eingebacken gegessen.
Für das Vieh gab es eigene “Fressbildchen”.
Reisende trugen gerne den “Kolomanisegen” als Amulett um den Hals, dem nachgesagt wurde, gegen Hexen, Diebe, schlechtes Wetter und sogar Gewehrkugeln zu helfen (Volkskundliches 72).
Gelegentlich fand man den “Jakobisegen”, der ebenfalls für eine Vielzahl von Gefahren eine gewisse innere Sicherheit bot (Volkskundliches 61). Auch der Zachariassegen erfreute sich als Mittel gegen Pest, Hexerei und Unwetter großer Beliebtheit.
Der Fraisenbrief hatte den Ruf, gegen Krampfanfälle jeglicher Art zu helfen (Volkskundliches 73).
Der Besitz solcher nicht aprobierter Segenssprüche konnte durchaus dazu führen, wegen des Besitzes abergläubischer Gebete und Gegenstände verhaftet zu werden (Volkskundliches 65).


Zauberei gegen Diebe:


Dabei ging es darum,  Entweder das Gestohlene wieder zurück zu bekommen (durch Kochen bestimmter Kräuter) oder um einen Dieb mithilfe des Diebsegens festhalten (bannen) und dazu zwingen zu können, die Beute wieder zurückzubringen (Volkskundliches 45).
Beispiele finden sich auch  im Protokoll des Prozesses gegen Walburga Moritz Bärtl.


Liebeszauber: Sogar Angaben, die leidenschaftlichen (Liebes-)Gefühle eines Menschen zu lenken, finden sich in den Unterlagen über die von Staat und Kirche verfolgte Zauberei. So etwa, das Bekenntnis, mit dem Herz einer schwarzen Henne die Gefühle der Männer verzaubern zu können (Volkskundliches Pkt.9).

Hilfe bei der Schatzsuche: Mit Hilfe von Wünschelruten oder unter Mithilfe von Schlangen. In den Sagen wird häufig geschildert, dass der Teufel zwar dabei helfe einen Schatz in einer Höhle zu finden, dass sich aber das Gold oder das Geld beim Verlassen der Höhle in wertlose Gegenstände verwandle. So wird es auch im Prozess gegen Marx Heen beschrieben. Der Teufel habe ihn in die “Ganzsteinhöhle” geführt. Aus einem Geldkessel, der von Geißböcken bewacht worden sei, habe ihm der Teufel ein wenig Geld gegeben, das dann plötzlich wieder aus seinen Händen verschwunden sei, nachdem er die Höhle verlassen habe.
Zum Öffnen von Schlössern gab es Zauber-Papierchen, die man essen musste. So erzählt es die kleine Greschl im Prozess gegen Dionys und seine Helferin.


Wie ist so ein Prozess abgelaufen?

Streckleiter
Streckleiter - Constitutio-Criminalis-Theresiana

Allgemeines zum Prozess:
Die Durchführung der Hexenprozesse war Aufgabe der weltlichen Gerichte. Der Ablauf war durch die “Halsgerichtsordnung” von Kaisers Karl V. und die Verordnungen der jeweiligen Länder geregelt.  

Vor dem Prozess gab es natürlich die Denunziation. Irgendjemand konnte konnte ein Gerücht in die Welt setzen. Das reichte für die Festnahme und die Anklage aus.

Die Verhaftungen führten die Gerichtsdiener durch. Manchmal wurden Verdächtige auch eigenmächtig von Privatpersonen festgenommen.  
Die Verhafteten kamen in Verliese ohne Heizung und Einrichtung. Es dauerte oft Wochen und Monate bis zum ersten Verhör. Manchmal ein Jahr und länger.
Zunächst befasste sich der jeweilige Landrichter mit der Angelegenheit. Die Steiermark war damals in rund 130 Landgerichte eingeteilt und  es hing sehr vom Landrichter ab, in welche Richtung sich ein Gerücht oder eine “Anzeige” entwickelt. War der Bannrichter einmal angefordert, nahm das Schicksal seinen Lauf. Sehr oft einen tödlichen.

In der Steiermark wurden die Prozesse wegen Zauberei von sogenanannten Bannrichtern durchgeführt. Sie waren eine Art Reise-Richter, die bei Bedarf (Schwerverbrechen wie Zauberei) ein Landgericht von der Zentralverwaltung anforderte. Der Bannrichter wurde von einem Gerichtsschreiber, einem Ankläger und einem Scharfrichter (Henker) begleitet.  

Das Amt eines Richters war nicht an juristische Kenntnisse oder eine entsprechende Ausbildung gebunden. Richter konnte jeder (Mann) werden, dem diese Aufgabe übertragen wurde. Geldgier, Sadismus, religiöser Eifer und Fanatismus sind aus den Prozessakten in erschreckender Weise sichtbar.

Die Verhöre wurden im Beisein von Beisitzern und eines Protokollführers durchgeführt (alle männlich). Die Beisitzer hatten in der Regel eine Statistenrolle. Sie mischten sich in der Praxis fast nie in kritischer Weise ein.

Die Verfolgung von Hexen und Zauberern ging in der Steiermark von den Verwaltern der Landgerichte und den Bannrichtern aus z.B. Wurm, Wendtseisen).

Oft haben die Bannrichter gegen den Widerstand der Landrichter auf die Fortsetzung der Prozesse und Hinrichtungen gedrängt. Pekuniäre Motive spielten da sehr oft eine Rolle.
Für den Adel und den Klerus waren die “normalen” Gerichte nicht zuständig. Dafür gab es das “oberste Landgericht”, das vom Landesfürsten oder seinem Stellvertreter geleitet wurde.

Streckleiter
Streckleiter - Hexenmuseum auf der Riegersburg

Häufig wurden den Angeklagten alle Haare entfernt, weil sich in ihnen unsichtbar der Teufel versteckt haben könnte. Auf jeden Fall wurden die Haare vor der Hinrichtung abgeschnitten.
Vor oder im Lauf des Verhörs wurden die Verhafteten nach Hexenmalen untersucht, weil diese als sicheres Zeichen für einen Pakt mit dem Teufel  angesehen wurden

Einen kleinen Einblick, wie es zu einer Festnahme und einem Prozess im 17. Jahrhundert in der Steiermark gekommen ist, gibt uns der Bericht über das Das Verfahren gegen Michael Lipp:
Das konnte ja wirklich nicht mit rechten Dingen zu gehen. Schon wieder hat ein Hagel um Riegersburg herum die Felder zerstört. Es mussten wohl böse Mächte oder vielleicht böse Menschen dahinterstecken, die das Wetter beeinflussen konnten. Und “die da oben” hatten wohl auch einen Anteil an diesem miesen Leben. So dachte es sich auch der Bauer Michael Lipp in Fehring in der Steiermark am Jakobitag, als er nach dem Kirchgang im Gasthaus saß und ein wenig darauf los schimpfte. Er hatte nur nicht bedacht, dass jemand mithörte und es weitertrug.

Das Verhör


Der Richter konfrontierte den Beschuldigten mit den Vorwürfen.
Das effektivste und brutalste Instrument, beim Gerichtsverfahren rasch ein Ergebnis im Sinne der Anklage und eine Verurteilung zu erreichen, war natürlich die Folter. Es gab aber auch noch weitere feine Mittel und Wege, bei den Prozessen die Ergebnisse im Sinne des Richters zu dirigieren. Eines dieser Hilfsmittel waren die Fragekataloge, die der Richter beim Verhör als Vorlage verwendete.
Diese Fragenkataloge erklären, dass die Protokolle der Hexenprozesse oft so kurz und so ähnlich sind.
Das Ergebnis stand fest, noch bevor die oder der Angeklagte auf die Folterbank kam. Das wird bei diesen Fragenkatalogen ganz deutlich. Es ist eine Sammlung von Vorverurteilungen.
Ein Beispiel ist die “Fragenliste für Hexenprozesse” von Thomas Welz aus dem Jahr 1680.
Solche Fragenlisten haben unterschiedliche Schwerpunkte. So finden sich in den steirischen Protokollen der Hexenprozesse kaum die Vergiftung von Wasser und Weideland oder das Umtaufen von Kindern zu Kindern des Teufels.
Diese Fragenlisten erklären auch die oft sehr detailierten Beschreibungen in den Hexenprozessen. Zum Beispiel, wann genau sie wieviel mit wem zusammen aus einem Opferstock gefischt haben:

Ein Beispiel ist der Prozess gegen den "grindigen Hans Glaser.

Ein anderes Beispiel ist das Verhör von Marx Rueprecht. Im Protokoll gibt er detailliert 50 Ortschaften bzw. Kirchen an, in denen er mit einem mit Pech beschmierten Holzspan Geld aus den Opferstöcken gefischt hat. Und zwar auf den Kreuzer genau. Entweder hat der Bannrichter Aufzeichnungen über Opferstockdiebstahl in der Steiermark und Niederösterreich gehabt und Marx Rueprecht hat in Todesangst alles nur abgenickt, oder er hat gesagt, was ihm gerade eingefallen ist, um den Bannrichter zufriedenzustellen.

Man kann sich jedenfalls vorstellen, dass die Richter mithilfe dieser suggestiven Fragen und der Androhung und dem Einsatz der Folter die Antworten genau in eine bestimmte Richtung lenkten.
Oft kam es beim Verhör auch zu einer Gegenüberstellung mit dem Denunzianten (Beschuldiger). Die Denunzianten waren vielfach Personen, die bereits verhört worden waren und dann unter Folter den Namen der Beschuldigten genannt hatten.

Die Befragung fand zunächst ohne Folter statt. Wenn die oder der Beschuldigte nicht sofort gestand, fand die Befragung unter Anwendung der Folter statt (die sogenannte “peinliche” Befragung). Ein Geständnis musste später ohne Folter wiederholt und bestätigt werden.

Egal was der Angeklage sagte und tat, es wurde als Werk des Satans angesehen. Wenn eine Angeklage konsequent leugnete, wurde dies auch als Werk des Teufels interpretiert.

Wenn man sich zum ersten Mal mit Prozessen gegen Hexen und Zauberer zu beschäftigen beginnt, erwartet man wahrscheinlich die Auseinandersetzung mit geheimen magischen Praktiken, Sprüchen und Ritualen, mit der Herstellung von Salben und Mixturen und ähnliches. Sehr bald aber stellt man fest, dass Prozesse mit solchen Inhalten recht selten sind. Ein großer Teil der Prozess-Protokolle entspricht einem ziemlich einheitlichen Schema.
Je größer die Zahl der Opfer, desto ähnlicher und austauschbarer werden die Protokolle der Hexenprozesse. Sie wirken wie voneinander abgeschrieben oder wie nach einem einheitlichen Muster geschrieben.
Ein Beispiel dafür ist das Protokoll des Prozesses gegen Susanne Pindter aus den Aufzeichnungen im Zusammenhang mit der Hinrichtung von 38 Personen südlich von Bad Gleichenberg im Jahr 1689.



Die Allmacht der Richter und der Schneeballeffekt

 

Ein Richter konnte den Verlauf und Ausgang der Prozesse entscheidend beeinflussen und dirigieren. Mit dem Instrument der Folter ließ sich in den meisten Fällen jede gewünschte Aussage erzwingen. Mit der obligaten Frage nach den Komplizinnen konnte der Prozess nach Belieben ausgeweitet werden (Kettenprozesse).

Die Prozesse waren eine nicht zu unterschätzende Möglichkeit zu Geld zu kommen. Und das Finanzielle war sicher ein Hauptelement, warum die Verfolgung von Hexen und Zauberern solche verheerende Ausmaße annahm. Die Richter verdienten gut am Quälen von Menschen unter dem Titel der Zauberei. In etlichen Prozessen sind die Abrechnungen der Bannrichter angehängt. Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen:

Ein Beispiel ist der Prozess gegen Marina Schepp.
Bei diesem Prozess ist auch die Abrechnung der Prozesskosten beigefügt, die der Bannrichter erstellt hat. Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen. So wird für die Hinrichtung von Marina Schepp wesentlich weniger verrechnet als für das Abschneiden ihrer Haare.

Auch dem Protokoll des  Prozesses gegen Matthias Hacker wegen Wolfsbannerei sind die Kosten für den Bannrichter und seine Mitarbeiter (Gerichtsschreiber, Knecht des Bannrichters, Scharfrichter mit 2 Knechten) beigelegt. Hier fällt auf: Für einen Feuerhaken wird gleich viel in Rechnung gestellt wie für die Hinrichtung der beiden Verurteilten mit dem Schwert.

Helena Glanitschnigg hatte einen Juristen als Richter, der einige Rechtsvorschriften genauer beachtete. Das läßt aber die Grausamkeit des Prozesses nur raffinierter erscheinen. In der Abrechnung des Prozesses wird auch noch die die “Linderung des Urteils” mit 30 Kreuzern in Rechnung gestellt.

In vielen Ländern erhielten die Denunzianten auch Geld für eine Anzeige.
Sofern Vermögen vorhanden war, wurden damit die Prozesskosten abgedeckt. Wenn die Verurteilten mittellos waren, musste die Grundherrschaft die Prozesskosten übernehmen. Ein gutes und sicheres Geschäft also. Das führte nicht selten dazu, dass die Verfahren oft gnadenlos in die Länge gezogen wurden.

Den Richtern waren gewisse rechtliche Regeln vorgegeben. So waren von der Verurteilung ausgeschlossen:
Kinder unter 10 Jahren. Sie wurden “Pflegeeltern” zur christlichen Erziehung übergeben. Vorher mussten sie nicht selten der Hinrichtung ihrer Eltern und Geschwister zusehen. Geisteskranke, Stumme und Menschen mit Behinderungen, die nicht in der Lage waren, ein Geständnis ablegen, durften ebenfalls nicht verurteilt werden.

Wie man mit Kindern unter 14 Jahren umging, macht ein Prozess deutlich, der im Jahr 1602 in St. Lambrecht stattgefunden hat: Prozess gegen Dionys und seine Helferin wegen Zauberei und Wettermacherei. Im Protokoll wird das Alter der kleinen Greschl mit “zwischen 10 und 12 Jahre alt” angegeben. Das Mädchen war mit dem Freund und Weggefährten ihrer Mutter inhaftiert worden. Der Verhör wurde ausnahmsweise ohne Folter durchgeführte. Die war auch gar nicht nötig. Das verängstigte Kind war auch so bereit, dem Richter Dinge zu sagen, die er ihr in den Mund legte: Wie man Wetter machte und was man tun musste, um fliegen zu können. Zur Strafe entschied der Richter, dass sie “in ein Frauen- oder Nonnenkloster gebracht werden soll, … damit sie ihrer bösartigen Mutter nicht wieder in die Hände kommt.”

Auch schwangere Frauen durften nicht verurteilt und hingerichtet werden.

Ein Beispiel, wie man mit einer Frau, die angegeben hat, schwanger zu sein, umging, finden wir im Prozess gegen Helena Glanitschnigg. Der geschäftstüchtige und gnadenlose Bannrichter hat vorausplanend alles getan, um zu beweisen, dass sie nicht schwanger ist.

Ein Todesurteil durfte nur nach einem Geständnis gefällt werden. Daher musste alles unternommen werden, um dieses Geständnis zu erreichen.

Während des Verhörs wurde oft eine Messe gelesen und um Hilfe gegen Teufel und Dämonen gebetet.
Nicht selten begann man schon während des Verhörs und der Folterung mit der Errichtung des Scheiterhaufens.

Wenn die Verfolgung ein sich selbst verstärkender Vorgang war (Schneeballeffekt), wodurch wurde dieser Prozess dann aber beendet oder zumindest vermindert, wenn der Richter den Verlauf nicht selbst einbremste. Es waren Anweisungen “von oben”(die Zentralbehörde), die hier wirksam wurden. Die innerösterreichische Zentralbehörde verzögerte gezielt die Verfahren, übte Druck auf die Richter aus und nahm die Anzeigen nicht mehr an,  und bewirkte dadurch immer höhere Gerichtskosten, die über die Angeklagten und deren Verwandten nicht mehr hereingebracht werden konnten.   


Die Folter


Während in der allgemeinen Rechtsprechung durch die von Kaiser Karl V eingeführte Halsgerichtsordnung die Folter eingegrenzt und geregelt wurde, galt dies bei der “Anklage wegen Zauberei”  nur in Ausnahmefällen und wurde meistens umgangen.
Rechtliche Voraussetzung für die Überschreitung jeglicher Grenzen bei der Folter bot die “crimen-exceptum-Theorie” wonach beim Verbrechen der Zauberei aufgrund der außergewöhnlichen Schwere des Deliktes jedes Mittel zum Herausbringen der Wahrheit erlaubt sei. Mit anderen Worten: Hexerei ist ein Ausnahmeverbrechen und deshalb gelten die normalen Regeln eines Strafprozesses nicht. Ein Richter durfte eine “Verdächtige” so lange quälen, bis sie das sagte und gestand, was er von ihr verlangte.
Erst im Jahr 1776 hat die Kaiserin Maria Theresia die Folter in Österreich abgeschafft.
Nicht wenige der Häftlinge starben aufgrund der grausamen Tortur. Die Bösartigkeit der Richter zeigte sich in den Erklärungen für das vorzeitige Sterben: Der Teufel habe “den Hals umgedreht”.
Wenn jemand außergewöhnliche Willensstärke und überdurchschnittliche Toleranz gegenüber Schmerzen zeigte und trotz Folter nicht gestand, dann wurde das als weiteres Zeichen der Macht des Teufels über die Angeklagte gesehen.

Um die Inhaftierten mürbe zu machen, zeigte man zu Beginn die diversen Folterinstrumente und beschrieb ihre Verwendung und Wirkung.

2 Beispiele für Prozesse, in denen die Begrenzung der Folter einfach übergangen wurde, sind die Verfahren gegen Marina Wukinetz und Stephan Zechner.

Die häufigsten Folterarten in den Hexenprozessen

daumenschraube
Daumenschraube - Schell-Collection Graz

Daumenschraube
Der Daumen oder andere Finger wurden in eine Zwinge gespannt. Die beiden Backen waren mit einem Gewinde verbunden und konnten mit  Schrauben immer weiter zusammengezogen werden, im äußersten Fall, bis die Finger zerquetscht waren und die Knochen brachen.

Ein anschauliches Beispiel, in dem mit Androhung und Einsatz der Daumenschraube gearbeitet wurde, ist der Prozess gegen Lorenz Pöllinger.

 

Strecken auf der Folterbank (auch Streckbank)

ähnlich auch die Streckleiter
Die Verhörte wurde an Armen und Beinen an die Streckbank oder die Streckleiter gefesselt. Das Seil wurde immer stärker angezogen, bis die Arme ausgekegelt waren.

 

Hochziehfolter
Hochzieh-Folter Constitutio_Criminalis_Theresiana-

Hochziehen (auch Zug oder Elevation genannt)
Die Hände wurden am Rücken zusammengebunden und die Verhörten wurden an den zusammengebundenen Händen mit einem Seilzug in die Höhe gezogen. Zur Verschärfung wurden den Hängenden Gewichte an die Füße gebunden. 

Ein anschauliches Beispiel für die Anwendung dieser grausamen Foltermethode findet sich im Protokoll desProzesses gegen Dorothea Wed.

 

Hexenstuhl
Der Stuhl hatte am Sitz und am Rücken lauter scharfe Kanten und Spitzen aus Holz. Er war für eine Art von Dauerfolter gedacht. Diese Folter zielte neben den Schmerzen auch auf Schlafentzug ab. Die Holzkanten bohrten sich bei den fest an den Stuhl Gefesselten tief ins Fleisch.
Wirkung: Halluzinationen, Phantasieren unter Folter, die Gefolterten wurden wahnsinnig.

Ein Beispiel besonderer Grausamkeit mit dieser Folter zeigt das Protokoll des Prozesses gegen Marina Wukinetz.

Ein anderes Beispiel ist der Prozess gegen Elenka Schauberg, bei dem sie nach mehrmaliger Folterung schlussendlich nach 6 Stunden am Hexenstuhl psychisch zusammenbricht und das geforderte Geständnis ablegt.

Andere Folterarten
Es gab noch eine Reihe andere Arten der Folterung. Etwa brennende Kerzen oder Fackeln unter die Fußsohle halten, brennendes Pech oder Wachs auf den Körper tropfen lassen und dergleichen. Die Zungenschraube, bei der die Zunge des Delinquenten langsam immer stärker zusammgeschraubt werden konnte. Die Mundbirne (auch Spreizbirne), die in den Mund gesteckt wurde und so weit aufgespannt wurde, dass Zähne oder auch Kiefer brachen.

Die Haft selbst
Meiner Meinung nach muss die Haft selbst ebenfalls als Folter angesehen werden. Die unerträglichen Zustände einer Haft ohne Ende wurden gezielt dazu einegsetzt, den Willen der Inhaftierten zu brechen.   



Wann wurde jemand wegen Zauberei verurteilt?

Elevation
Folter durch Hochziehen - Hexenmuseum auf der Riegersburg


Eine Verurteilung durfte nur erfolgen, wenn jemand ein Geständnis ablegte. Also ging es immer darum, ein Geständnis zu erreichen. Blieb eine Verhörte standhaft und bestritt sie konsequent, dann war es der Teufel, der dahinterstand. Wenn jemand nicht schrie und weinte, dann war es der Beweis für den Packt mit dem Teufel.
Die Menschen wurden so lange gefoltert, bis sie psychisch gebrochen waren und nicht mehr anders konnten, als das zu sagen, was der Richter, der seine Macht und Grausamkeit auslebte, hören wollte, um sie dann für diese Aussagen töten zu lassen.
Wenn die Angeklagten nicht zum Tode verurteilt wurden, wurden sie nicht selten des Landes verwiesen. So wird es beschrieben in den Urteilen der Prozesse gegen Hans Glaser und Ursula Neubauer.




Die Hinrichtung

Die Hinrichtung wurde vom Schrafrichter (Henker) durchgeführt, der auch für die nötigen Vorbereitungsarbeiten (z.B. Errichtung des Scheiterhaufens) zuständig war.
Vor der Vollstreckung des Urteils, musste das Urteil öffentlich und unter freiem Himmel verlesen werden.

Die schlimmste Strafe war sicher die Verbrennung bei lebendigem Leib. War jemand geständig, konnte er/sie damit rechnenen, vor der Verbrennung enthauptet oder erwürgt zu werden. Das wurde als besonderer Gnadenakt dargestellt.
Die Hinrichtung erfolgte an den seit dem Mittelalter üblichen Richtplätzen. Die Hingerichteten wurden am Hinrichtungsort zur allgemeinen Abschreckung  zurückgelassen.
Wir finden oft noch sprachliche Relikte, in denen das Wort “Galgen” vorkommt, die uns auf solche Richtplätze hinweisen.

Gitter
Schmiedeeisernes Gitter im Schloss Eggenberg in Graz

Bei manchen Prozessen war es allzu offensichtlich, dass die ohnehin absurden Regeln der Prozessführung nicht eingehalten

oder die Widersprüche besonders deutlich waren. Bei manchen dieser Prozesse griffen die Richter zu einem Schachzug, der die Glaubwürdigkeit der Verurteilung oder anderer Vorkommnisse  nachdrücklich rechtfertigen sollte.

Das war auch in einem der bekanntesten Prozesse auf steirischem Boden der Fall. Etwas Seltenes und Aussergewöhnliches  war vorgefallen. Ein Pfarrer (Gregor Agricola aus Hatzendorf) war denunziert, angeklagt und inhaftiert worden, weil er der Anführer einer Versammlung von Hexen und Zauberer gewesen sein soll und an die Teilnehmer Hostien zum Wettermachen verteilt habe. Nach langem Hin und Her beim Prozess verstarb der Pfarrer unerwartet im Kerker. Bald kam es zum Gerücht, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Im Prozessprotokoll aber wurde dann festgehalten, dass mehrere Personen einen schwarzen Raben zur Zelle des Agricola fliegen gesehen hätten. Der Rabe habe mit seinem Schnabel an das Fenster gehaut und sei dann über die Gruppe der Leute hinweggeflogen. Es sei offensichtlich, dass der Teufel in einen Raben verwandelt den Pfarrer Agricola geholt habe.

Im Prozess gegen Stefan Zechner wird vom Bannrichter nachträglich vermerkt, dass beim Errichten des Scheiterhaufens von mehreren Personen gesehen wurde, “dass 7 Vögel mit schwarzen und weißen Flügeln, so groß wie Gänse, und ein kohlschwarzer Rabe, in Form eines Tanzes wundersam um den Scheiterhaufen herumgeflogen und 9 Kreise geflogen sind.”

 


Wer war eigentlich besonders gefährdet, wegen Hexerei verfolgt und verurteilt zu werden?

Blick auf Burg
Blick auf die Burg - Hexenmuseum Riegersburg

Nachbarn, Bekannte

Nicht selten führte Dorf-Getratsche dazu, dass Menschen in die vom Hexenwahn angetriebenen tödlichen Mühlen der Verfolgung wegen Zauberei gerieten. In einer Zeit, in der die Menschen in Mitteleuropa durch die Unterernährung geringe Abwehrkräfte hatten und Krankheiten, Seuchen und Tod fast alltäglich waren, suchte man nach Erklärungen, Sündenböcken und Zaubermitteln. Ohne das Wissen heutiger Zeit war die Versuchung groß, dunkle Mächte oder böse Nachbarinnen als Verursacherinnen von Krankheit und Leid heranzuziehen.

 

So war es auch im Prozess gegen Dorothea Wed, der im Jahr 1677 in Friedau (heute Ormož in Slowenien), ungefähr 40 km südlich von Radkersburg gelegen, stattfand. Dorothea Wed wurde nachgesagt, die Leute im Dorf mit Zauberei krank zu machen. Der „Dialog“ zwischen dem gnadenlosen Richter Will und der 70jährigen willensstarken Dorothea Wed, der Verlauf des Prozesses und die Folterungen wurden in allen schrecklichen Einzelheiten protokolliert. Es spricht vieles dafür, dass der Bannrichter zu anderen als den vorgesehenen Mitteln griff und die Greisin erwürgen ließ. Dafür hat er schließlich wundersame Vorgänge und Deutungen erfunden, um dem Ganzen einen “höheren Sinn” zu geben (und zu vertuschen).
Einige der hier beschriebenen Prozesse fanden in der früheren Untersteiermark, im heutigen Slowenien statt. Das Protokoll des Prozesses gegen Dorothea Wed ist für mich eines der erschütterndsten Dokumente der Hexenverfolgung und es ist mir ein Bedürfnis, dieses Protokoll auch in Slowenisch zugänglich zu machen: Postopek proti Dorothei Wed obstaja sedaj tudi v slovenskem jeziku.

Wer Nachbarn hatte, die als Hexen oder Zauberer verfolgt wurden, musste selbst damit rechnen angeklagt zu werden.
Es waren oft kleine Auslöser und Anlässe, dass jemand wegen Zauberei angeklagt worden ist. Ein Nachbarschaftsstreit, Grenzstreitigkeiten, oder Neid, manchmal Rache.

Ein Beispiel finden wir in einem seltenen Dokument, einer Bittschrift, die Ursula Neubauer an den Kaiser geschrieben hat, damit dieser ihre Verbannung aufheben möge.
Ursula Neubauer aus Neudau in der Steiermark hatte Streit mit ihrer Nachbarin. Sie war eine Töpferin und die Nachbarin hatte ihr Geschirr gestohlen. Im darauf folgenden Streit hatte ihr die Nachbarin dann auch noch vorgeworfen, dass sie Hexerei und Zauberei betreibe und hat das dann auch noch bei der Herrschaft angezeigt. Ein ganzes Jahr ist die Ursula Neubauer daraufhin in Burgau im Gefängnis gesessen. Und obwohl sie standhaft geblieben ist und man ihr nichts nachweisen konnte, ist sie schlussendlich des Landes verwiesen worden. Weg von ihren Kindern und ihrem Mann. Nur der Kaiser könnte die Verbannung aufheben. Also hat sie ihm einen Brief geschrieben: Bittschrift der Ursula Neubauer an den Kaiser um Gewährung der Rückkehr.


Und dann muss man auch eines bedenken: Wer fällt einem ein, wenn man entsetzlicher Folter und Todesangst ausgesetzt ist und vom Richter gefragt wird, mit wem man sich bei diesen Hexenversammlungen denn getroffen hätte. Es sind wohl eher die Namen von Bekannten und Nachbarn, die einem in so einer Ausnahmesituation über die Lippen kommen.

 

Verwandte

In vielen Prozessen gibt es Hinweise, dass Familienmitglieder verfolgt und hingerichtet wurden.
In erster Linie waren es natürlich die Ehegatten und Ehegattinnen, die besonders gefährdet waren.
Häufig wurden auch die Eltern und Geschwister verfolgt.

So ist es in den Prozessen gegen die beiden Schwestern Marina Hörk und Gera Scherb. geschehen.

Und natürlich standen die Kinder der Angeklagten von vornherein im Verdacht, der Hexerei nachzugehen. Man ging davon aus, dass die Kinder von Zauberern wieder Zauberer werden, oder dass sie dem Teufel geschenkt werden.

Das kann man zum Beispiel im Protokoll des Prozesses gegen Thomas Heiser Pkt.37 nachlesen:
Nach der zweiten brutalen Folterung gestand er, dass er seinen Sohn Gregor Heiser schon im Mutterleib dem Teufel (Bösen Geist) versprochen habe. Und als dieser dann 14 Jahre alt gewesen sei, habe er ihn mit der Lucia, der Tochter des Teufels, verheiratet. Bei der Hochzeit, die am Schöckl bei Graz stattgefunden habe, hätten sich die Brautleute vor dem Teufel niedergekniet und ihn angebetet.

Ein anderes Beispiel dafür ist die Verfolgung von Andreas Zechner, dem Sohn von
Stefan Zechner, einem unbeugsamen Bauern aus Semriach, einem Marktflecken am Fuß des Hexenbergs Schöckl in der Steiermark. Im richterlichen Begleitschreiben steht zur Begründung für die Verhaftung: “Es ist ebenso ein Indiz, dass sein Vater als überzeugter Zauberer hingerichtet worden ist. Denn der Teufel pflegt im allgemeinen von den Eltern zu verlangen, dass sie die Kinder zur Gesellschaft der Zauberer bringen.”

 

Bettler, Landstreichern, und Kleinkriminelle, herumziehende Obdachlose

Landstreicher
Landstreicher um 1600 - Kupferstich von Heinrich Ullrich

Die Hexenprozesse dienten oft auch als Mittel zum Zweck. Über die Hexenprozesse hat man versucht,  wieder Disziplin und Ordnung herzustellen. Die Staatsverwaltung verwendete die Prozesse wegen Magie und Zauberei, um sich anderer Probleme zu entledigen. So ging es um die Verfolgung von Bettlern und Kleinkriminellen, die sich gelegentlich zusammen taten. Es gab auch Banden von Kirchendieben. Gegen die wurde mit aller Härte vorgegangen.


Zum Beispiel im Prozess gegen den "grindigen Hans Glaser"
Hans Glaser hatte einen Hautausschlag (Grind), einen Sprachfehler und hinkte. Als man ihn in Rottenmann inhaftierte, konnte er nicht angeben, wie alt er war und wer seine Eltern waren. Er wusste nur, dass sie auch Bettler gewesen sind und im Windischen gelebt haben. Er sei schon als Kind von ihnen weggekommen. Und als Kind habe er sich anderen Bettlern angeschlossen. Da konnte er so einige Details berichten. Zum Beispiel von Kollegen, die sich im Sommer in der Mariazeller Gegend aufhielten, und sich abends in der Kirche  einsperren ließen, um in der Nacht mit Holzspänen das Geld aus den Opferstöcken zu fischen.

In einem anderen Prozess spielt der Anklagepunkt Diebstahl und Raub ebenfalls eine Rolle: Marx Heen gab unter Folter an, Bauern um den Semmering herum bestohlen und reisende Händler ausgeraubt zu haben. Er habe auch den Philipp Singer, der unterwegs war, um ein paar Leintücher zu verkaufen, ziemlich brutal niedergeschlagen, bis er sich nicht mehr rührte. Was wirklich geschah, werden wir nie erfahren. Unter Folter sagen die meisten alles, was gewünscht wird: Prozess gegen Marx Heen.

Personen die wegen bestimmter anderer Verbrechen, wie Abtreibung und  Kindstötung angeklagt wurden, mussten damit rechnen, dass sie auch wegen Hexerei angeklagt wurden, weil man diese Handlungen als Folgen eines Paktes mit dem Teufel interpretierte.


Außenseiter wie Körperbehinderte, Menschen mit körperlichen Auffälligkeiten, Epileptiker


Körperliche Auffäligkeiten (z.B. große Warzen) wurden als Zeichen des Paktes mit dem Teufel angesehen. Menschen mit körperlichen Auffälligkeiten waren gewissermaßen vom Teufel markiert worden. Aus diesem Grunde wurden die Angeklagten nach solchen Merkmalen untersucht.

Nachlesen kann man das zum Beispiel im Prozess gegen Marina Schepp.

Menschen mit auffälligen Krankheiten wie Epilepsie, für die man keine Erklärung hatte, waren ebefalls oft Ziel der Hexenhatz und wurden als Zeichen eines Teufelsbundes gesehen.

Ein Beispiel dafür ist im Prozess gegen den singenden Bettler Lorenz Pöllinger zu finden:
Gut 350 Jahre ist es her, da traf zufällig der Bauer Pistrich aus Seebach in der Steiermark den jungen Burschen Lorenz Pöllinger, der als Bettler und Sänger durch die Lande zog. Er war gerade aus dem Salzburgischen gekommen und auf dem Weg nach Neumarkt in der Steiermark, um dort seine Mutter zu besuchen, die er schon länger nicht mehr gesehen hatte. Was den Bauern Pistrich letztendlich dazu gebracht hat, dem jungen Burschen mit Erschießen zu drohen, damit dieser zugab, ein Zauberer zu sein und durch die Luft fliegen zu können, ist nur schwer zu ergründen. War es dessen epileptischer Anfall, der ihm so unheimlich vorkam, dass er meinte, der Teufel stecke dahinter. Jedenfalls brachte der Bauer Pistrich den Lorenz mit ein paar Glaserln Wein im Gasthaus von Seebach und der Drohung, ihn zu erschießen, soweit, alles zu gestehen, was er ihm in den Mund legte.


Paradiesbild
Die Erschaffung der Frau

Frauen

Die Mehrzahl der Opfer der Hexenverfolgung waren Frauen. Die diversen Schätzungen und Hochrechnungen liegen zwischen 55 und 80 Prozent der Hingerichteten.
In Österreich lag der Anteil der Frauen im Verhältnis zu den Männern, gegen die ein Prozess stattfand bei etwa 4:3 (58% waren Frauen und 42 % waren Männer). Die Unterschiede in den einzelnen Regionen waren aber erheblich.
Warum so viele Opfer unter den Frauen? Nach der Schöpfungsgeschichte im Alten Testament kam das Böse (der Sündenfall im Paradies) durch die Frau in die Welt. Sie ist der Verführung des Teufels erlegen und hat im Paradies vom Apfel der Sünde gegessen.
Die Frau (Eva) wurde aus der Rippe Adams gemacht und ist nur der schwache Abklatsch des Mannes.
Insbesonders unter Priestern und Mönchen dominierten frauenfeindliche Phantasien und Einstellungen und Hetzpredigten gegen Frauen waren noch die harmloseren Konsequenzen.

Heilerinnen

Wunderheilerinnen, Medizinfrauen, Kräuterweibl, Naturheilerinnen, “Bauernärztinnen”, Viehdoktoren oder wie sonst noch die Bezeichnungen lauten.
Eine Zeitlang wurde Hexerei sehr eng mit Heilerinnen in Verbindung gebracht. Hexen und Hexenwahn betraf Medizinfrauen und Medizinmänner der früheren Zeit. Es gab in dieser Zeit nur eine kleine Zahl von Ärzten und ihre Kompetenz war mit derjenigen der heutigen Zeit nicht vergleichbar. Selbstverständlich wurden bei Unfällen und Krankheiten oder zur Geburtshilfe auch nicht ausgebildete Heilkundige aus der Bevölkerung  aufgesucht. Heilerinnen waren eine Art Ärztinnen-Ersatz.
Sie behandelten die Hilfesuchenden nach altem Erfahrungswissen, verwendeten aber auch magische “Werkzeuge” gegen die verschiedensten Krankheiten wie z.B. Medaillons, geweihtes Wasser, Rosenkränze, geweihte Kerzen etc.

Frauenbrunnen
Frauenbrunnen von Geistthal - Zur Erinnerung an Martha Mosegger

Ein berührendes Beispiel eines Prozesses gegen eine Heilerin ist jener gegen die 104 Jahre alte Martha Mosegger aus Geistthal in der Steiermark: Sie hatte einen Kristall, den sie von der Frau von Waldstein bekommen hatte und der ihr dabei half, die richtigen Wurzeln und Kräuter gegen die Gebrechen von Menschen und vom Vieh zu finden. Sie lege dann die Kräuter und die Wurzeln und einen neunmal geweihten Rosenkranz neben den Stein und bete dann ein besonderes Gebet. Die Wurzel mache sie zu Pulver, gebe sie in ein Sackerl, stecke diesen in einen Palmbuschen und lasse ihn am Palmsonntag bei der Palmweihe weihen. Die Leute kämen zu ihr und bitten sie um Rat und Hilfe. Dafür habe sie Essen und manchmal ein oder zwei Groschen bekommen. So beginnt das Geständnis der Martha Mosegger.

Diese Mischung aus medizinischem Erfahrungswissen, religiösen Ritualen und magischem Denken und Praktiken findet sich auch in den Aufzeichnungen der Anklage gegen die Hebamme und Heilerin Walpurga Moritz-Bärtl, der vorgeworfen wurde, Zauberei zu betreiben. Wenn die Leute zu ihr gekommen sind, damit sie ihnen bei Krankheiten helfe, hat sie diese oft geräuchert und gebadet und dabei Kräuter (Weinkraut, Inquerkraut, Vipernkraut und dergleichen) und Holzspäne von Bäumen, in die der Blitz eingeschlagen hat, verwendet.

Landbewohnerinnen

In den großen Städten Europas fanden kaum größere Verfolgungen von Hexen und Zauberern statt und kam es nur vereinzelt zu Hinrichtungen. Ähnlich war die Situation in der Steiermark. Die Verfolgung wegen Zaubrei hat überwiegend die ländliche Bevölkerung getroffen. Prominente, Geistliche und Adelige hat es sehr selten erwischt. Und wenn, dann hatten sie Geld und die Unterstützung durch Verteidiger, durch die sie sich meist herauswinden konnten.  

 

 


 

Wieviele Menschen wurden als Hexen oder Zauberer hingerichtet?

Innerhalb von 300 Jahren wurden in Europa zwischen 50.000 und 60.000 Menschen als Hexen oder Zauberer hingerichtet. Mehr als die Hälfte der Hinrichtungen wegen Zauberei und Hexerei fanden im sogenannten “Heiligen Römischen Reich deutscher Nation” statt.

Skelett
Skelett eines Hingerichteten - Hexenmuseum auf der Riegersburg

Auf dem Gebiet der Steiermark wurden in der Zeit vom Spätmittelalter bis ins 18. Jahrhundert an die 800 Personen wegen Zauberei getötet.
Wenn jemand nicht zum Tode verurteilt wurde, bedeutete das nicht den Freispruch. Oft wurde die Person aus dem Land verbannt.

Hans aus der Metnitz war bei seinem ersten Prozess nicht verurteilt worden und hatte als “Strafe” das Versprechen abgeben müssen, dass er diese Gegend nicht mehr betreten werde. Leider hat er sich nicht an dieses Versprechen gehalten. Das wurde ihm dann zum Verhängnis: Prozess gegen Hans von der Metnitz.

Wann waren diese Hexenprozesse?

Hinweise auf den Glauben an Hexerei und Zauberei findet man überall auf der Welt und schon in den ältesten Texten der Menschheit. Aufzeichnungen über die Verfolgung von Menschen wegen Hexerei und Zaberei finden sich ebenfalls in den frühesten Texten. Etwa im Alten Testament im Buch Exodus: “Eine Hexe sollst Du nicht am Leben lassen!”

In Mitteleuropa gibt es im Früh- und Hochmittelalter nur vereinzelt schriftliche  Hinweise über die Verfolgung und Hinrichtung wegen Hexerei. So zum Beispiel den Bericht aus dem Jahr 899 aus Bayern, wo eine Frau solange gefolter wurde, bis sie gestand, hinter dem Tod des deutschen Königs Arnulf zu stehen, der an den Folgen eines Schlaganfalls auf dem Regensburger Reichstag gestorben war.

Interessanterweise findet sich in einer Chronik von Graz (Steiermark) die Aufzeichnung, wonach  im Jahr 1115 30 Frauen an einem Tag verbrannt worden sind. Genaueres ist aber nicht bekannt.  
Sieht man von Letzterem ab, beginnen größere Verfolgungen von Menschen wegen Zauberei und Hexerei erst im Spätmittelalter.
Die ersten Prozesswellen in Europa begannen in Frankreich um etwa 1300. In Mitteleuropa war der Höhepunkt der Verfolgung wegen Hexerei in der Zeit zwischen 1570 und 1690. Der Schwerpunkt der Hexenverfolgungen fand also nicht im finsteren Mittelalter sondern in der Neuzeit statt.
In der Steiermark war der Höhepunkt der Hexenverfolgung deutlich später. Drei Viertel der Verfolgungen fanden hier zwischen 1650 und 1700 statt.

Eines sollte man nicht übersehen: Hexenprozesse gibt es nach wie vor. Aber das ist ein anderes Kapitel.


 


Gab es keinen Widerstand gegen die grausamen Hexen-Verfolgungen?

Bevor wir uns mit dem Widerstand gegen diese grausame Verfolgung von unschuldigen  Frauen und Männern auseinandersetzen, scheint es angebracht, kurz das Thema Flucht vor den Verfolgungen zu erwähnen. Immer wieder stoßt man in den Protokollen der Prozesse auf Passagen, in denen die Flucht vor den Verfolgern erwähnt wird, wenn in der Nachbarschaft oder Verwandtschaft jemand wegen Zauberei gefangen genommen worden ist. Wieviele Menschen es waren, die untergetaucht oder geflüchtet sind, wissen wir nicht. Dazu gibt es leider keine Daten.

Als Widerstand gegen die Hexen-Verfolgung kann wohl auch angesehen werden, wenn Verhaftete trotz der entsetzlichen Folter kein Geständnis ablegten und keine Namen von Komplizen nannten (zum Beispiel Stefan Zechner, Dorothea Wed, Marina Wukinetz).
Natürlich kam es auch vor, dass sich die Verhafteten wehrten und an den Denzianten oder Personen der Obrigkeit insofern rächten, als sie diese bei der Frage nach Komplizen namentlich nannten. Das umgingen die Herrn Richter, indem sie sie schwer folterten, damit sie diese Aussagen wieder zurücknahmen oder indem sie diese Aussagen als Bösartigkeiten oder als frei erfunden abwerteten.

Widerstand kam interessanterweise auffällig oft von den Geistlichen, die die Verurteilten auf ihrem letzten Weg begleiteten. Sie nahmen den zum Tode Verurteilten vor der Hinrichtung die Beichte ab, erlebeten die furchtbaren Marterqualen der ihnen seelisch anvertrauten mit und wurden dadurch von ihrer Unschuld überzeugt.
Einer von ihnen war der Jesuitenpater Friedrich von Spee, den seine tiefe Betroffenheit aus den Erfahrungen als Seelsorger dazu bewegt hat, eine Streitschrift gegen die Hexenverfolgung zu verfassen (“Cautio criminalis”). Er hatte klar erkannt, dass die Folter der entscheidend Faktor im unmenschlichen Ablauf der Hexenprozesse war (“Die Folter macht die Hexen!”).
Aus Sicherheitsgründen gab er sein Werk anonym heraus. Denn es galt ja: Das Leugnen der Hexerei ist Ketzerei und Atheismus.
Auch in der Steiermark gab es mutige Gegner der Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert, etwa die Mönche des Stiftes St. Lambrecht Pater Michael und Pater Christian Jäger.

Auf der anderen Seite muss gesagt werden, dass sich die Bevölkerung nicht wirklich und zumindest nicht organisiert gegen die Hexenverfolgung gewährt hat und es kam zu keinen Aufständen oder ähnlichem. Vielleicht war es die die tief verwurzelte Verbindung aus religiösem und magischen Denken, die das verhindert hat.

Es gab auch Theologen, die in Abhandlungen, Stellungnahmen und Streitschriften gegen die Hexenverfolgung auftraten. Wenngleich es wie gesagt lebensgefährlich war, das öffentlich auszusprechen.

Die volle und geistige Überwindung des Hexenwahns kam erst mit der Aufklärung.

 

Was waren die Hauptursachen dafür, dass so viele unschuldige Menschen als Hexen und Zauberer verfolgt und hingerichtet?

Grundsätzliches zu möglichen Ursachen

Es war nicht eine klar definierbare Ursache, sondernes war ein Zusammenwirken von mehreren sich gegenseitig beeinflussenden Hintergründen, Auslösern und Motiven. Ein entsprechender religiöser, gesellschaftlicher und staatlicher Nährboden und die eigentlichen unmittelbaren Auslöser.
Zauberei spielte im Denken und Erklären von wichtigen Lebensereignissen sowohl in der römischen und griechische Antike als auch bei den Germanen eine nicht unwesentliche Rolle. Man findet in den schriftlichen Überlieferungen vom Wettermachen, Hexenflug, Schadenzauber bis zu den guten und bösen Geistern (Engel und Teufel) alles, was auch in den Hexen-Prozessen der frühen Neuzeit dokumentiert ist. Man kann wohl von einer Tradition des magischen Denkens sprechen.
Auch die Verteilung der Prozesse zeigt, dass kein einheitliches Erklärungsmodell herangezogen werden kann und dass von Region zu Region die ursächlichen Faktoren unterschiedlich wirksam waren. Das gilt sowohl für ganz Europa als auch für das Herzogtum Steiermark.



 
 

Der Rolle der Religion

Teufel und Dämonen spielten in der christlichen Religion von Beginn an eine wichtige Rolle. So war nach dem einflußreichen Kirchenlehrer Augustinus (der im 4. Jahrhundert lebte) jede magische Handlung (Zauberei) mit einen Teufels-Pakt verbunden. Für Augustinus gab es außerdem zwei Staaten: einen Gottesstaat und einen Staat der Welt, der vom Teufel regiert  wird.
Die “heidnischen Götter” wurden in der Zeit um 500 zu Dämonen und Teufeln erklärt.

Thomas von Aquin (er lebte im 13. Jahrhundert) war der bedeutendste Kirchenlehrer des Mittelalters. Er probagierte einen Dämonenstaat. Das war eine Art Gegenreich zum göttlichen Reich, an dessen Spitze stand der Teufel. Der guten Welt mit Gott und den Engeln steht eine Welt des Bösen gegenüber, wobei aber die Letztgewalt bei Gott liegt.
Das Hexenwesen wurde von ihm als eine Art Gegen-Religion gesehen. Der Hexensabbat war für ihn wie eine Art Umkehrung einer Messfeier.

Parallel dazu entwickelte sich im 13. Jahrhundert in der Kirche eine aggressive, Gewalt anwendente Form der Verfolgung von Glaubensabweichungen, die in völligem Gegensatz zu den Grundgedanken des Neuen Testaments stand
Unter dem Papst Inozenz III. begann ein Ausrottungsfeldzug gegen die Katharer (die Reinen, davon das Wort “Ketzer”). Zehntausende mussten zwischen 1209 und 1229 in Südfrankreich ihr Leben lassen, weil sie vom wahren Glauben abgewichen waren. Die Katherer wollten lediglich eine Kirche, die das Ideal der Armut ernst nimmt. Sie stellten aber damit das organisatorische und wirtschaftliche Machtgefüge der Kirche in Frage.
Um die Glaubensabweichler effizienter aufspüren und verfolgen zu können wurde ebenfalls  im 13. Jahrhundert von Papst Gregor IX. die Inquisition eingeführt. Neben der Abweichung vom wahren Glauben (Häresie) befassten sich die Inquistionsgerichte auch mit Verfehlungen wie Gotteslästerung (Blasphemie) und Zauberei (Magie). Gleichzeitig führte der Papst die Todesstrafe für Ketzer ein. Wer einen Ketzer versteckte, wurde exkommuniziert (aus der Kirche ausgeschlossen) und musste mit dem Verlust seines Vermögens rechnen. Wer von Ketzerei  Kenntnis  bekommen hat, war unter Strafe verpflichtet, dies anzuzeigen.
Und: Im 4. Laterankonzil war im Jahr 1215 die Verwendung der Folter in Inquisitionsverfahren gebilligt worden.
Die Bestrafung der Ketzer wurde den weltlichen Gerichten übertragen.
Ein paar Jahre später wurde dem Dominikanerorden die Durchführung Inquisition übertragen.  

1326 gab  Papst Johannes XXII  einen Erlass heraus, wonach Zauberei gleich wie die Ketzerei als Häresie zu verfolgen ist. Die 5 wichtigsten Delikte der Zauberei sind: Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, Hexenflug, Hexensabbat, Schadenszauber. Diese 5 Anklagepunkte spielten bei den späteren Hexenprozessen eine entscheidende Rolle.

1484 erlies Papst Innozenz VIII. die sogenannte  “Hexenbulle”:
In ihr stand, dass gegen folgende Verbrechen mit allen Mitteln vorgegangen werden soll:
Leugnung des christlichen Glaubens.
Zauberei mit dem Ziel, Menschen und Tiere zu töten und Früchte und Getreide zu vernichten. Ebenso Unzucht mit Dämonen.

Votivgabe
Votivgaben - Hexenmuseum auf der Riegersburg

Im selben Jahr machte sich ein religiöser Fanatiker, der aus dem Elsaß stammende Heinrich Kramer (auch Institoris genannt) gemeinsam mit seinem Freund und Ordensbruder Jacob Sprenger auf den Weg nach Rom, um beim Papst Unterstützung für den Kampf gegen Hexen und Zauberer im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zu bekommen. Die beiden waren Mitglieder des Dominikanerordens, der ja die Verfolgung von Glaubensabweichlern einschließlich der Hexen und Zauberer als zentrale Aufgabe ihrer Gemeinschaft ansah und übertragen bekommen hatte. Sie fanden beim Papst ein offenes Ohr. Sie erreichten bei Papst Innozenz VIII., dass dieser sie zu Hexen-Inquisitoren für Deutschland beauftragte (Bulle vom 5.12.1484).

Bei der Rückreise wollte Heinrich Kramer gleich in Tirol die päpstliche Vollmacht demonstrieren und brach in Innsbruck einen Hexenprozess vom Zaun. Die Tiroler spielten aber nicht mit. Von den Bürgern bis zum Adel einschließlich dem Bischof  traf  er auf  Widerstand und er wurde ziemlich unsanft vor die Tür gesetzt. Alle inhaftierten Frauen wurden freigelassen.
Solche Kränkungen beflügeln nicht zuletzt auch fanatische Geister und Heinrich Kramer machte sich daran, eine Kampfschrift und Anleitung der Verfolgung von Hexen zu verfassen, das  Hauptwerk der Hexenverfolgung, den Hexenhammer.
Der Hexenhammer von dem aus  erschien 1487. Detailliert wird beschrieben, wie gegen Zauberer und Ketzer vorgegangen werden soll und wie sie gefoltert werden sollen. Und ausführlichst werden auch die schweren Verfehlungen beschrieben, an denen man Hexen und Zauberer erkennt: Der Bund mit dem Teufel,  die Leugnung Gottes, die Teilnahme an den Hexenversammlungen (Hexensabbat), der Flug durch die Luft, der Sex mit dem Teufel und das Zaubern, um anderen Schaden zuzufügen.
Heinrich Kramer war getrieben von der fixen Idee, dass sich Hexen und Teufel verschworen hätten, um die christliche Welt zu zerstören.
Zur Abschotung seines Ideengebäudes drohte er damit, dass das Leugnen der Hexenexistenz Ketzerei sei.
Um dem Hexenhammer größeres Gewicht zu verleihen, hat Heinrich Kramer die Hexenbulle von Papst Innozenz VIII als Vorwort verwendet,
Auffällig ist bei Heinrich Kramer auch seine extreme Ablehnung von Frauen. Dem Verbrechen der Zauberei gäben sich vor allem die Frauen hin. Ihre Anfälligkeit lasse sich schon aus dem Namen ableiten. Denn das lateinische Wort für Frau “femina” lasse sich aus “fe” und “minus” ableiten. Und “fe” komme von “fides” (also Glaube) und minus heiße weniger, also heiße “femina” wenig Glaube. Das sei nur als kleines Beispiel für seine bizarre und krankhaften Abneigung gegenüber Frauen erwähnt.

 

Lutherbild
 

Fanatiker wie Heinrich Kramer (Institoris) bekamen deshalb einen besonders starken Einfluss weil ihre abstrusen Ideen mit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Buchstaben durch Gutenberg zusammen fielen, und dadurch eine rasche Verbreitung fanden. Unvorstellbare 33 Auflagen gab es in den 150 Jahren nach dem ersten Erscheinen des Hexenhammers.
Dazu kamen die Hexenholzschnitte von den renommierten Künstlern dieser Zeit wie Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Albrecht Altdorfer etc.
Dem Hexenhammer folgten zahlreiche dämonologische Werke ähnlichen Inhalts.
Beim Konzil zu Basel waren die Hexen ein vieldiskutiertes Thema und  durch die  Verteilung  der Informationen über Hexen von den Teilnehmern am Baseler Konzil wird der Hexenglaube in Europa noch zusätzlich gefördert.

Die Macht der katholischen Kirche war durch das Luthertum massiv in Frage gestellt und bedroht.
In der Steiermark kam es zur Gegenreformation. In der Steiermark wurden die Protestanten, die in der 2. Hälfte die des 16. Jahrhunderts die Mehrheit bildeten, gezwungen, wieder den katholischen Glauben anzunehmen oder das Land zu verlassen.
Die Hexenverfolgung war probates Mittel, in der Kirche (den Kirchen) wieder Disziplin und Ordnung herzustellen. Marienverehrung, die Teilnahme an Wallfahrten und ein besonderer Hostienkult wurden zum Prüfstein für die (katholische) Rechtgläubigkeit.
Das heißt aber nicht, dass es Hexenverfolgung nur bei den Katholiken gegeben hätte.
Aber auch bei den Protestanten gab es die Hexenverfolgungen. Luther glaubt auch an den Teufelspakt, Schadenzauber und an Hexen, die auf Besen durch die Luft ritten und rief zur Verfolgung auf.



Die Rolle der Weltlichen Macht

1532 gab Kaiser Karl V. die sogenannte “Halsgerichtsordnung” heraus. Das Strafgesetzbuch diente der Vereinheitlichung des Rechts im "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation".  In ihr war unter anderem geregelt, wann bei einer Befragung die Folter angewandt werden durfte. So war festgelegt, dass in Fragen der Zauberei beim Bestreiten der Anschuldigung die Folter eingesetzt werden konnte. In der Halsgerichtsordnung ist die Todesstrafe für eine Reihe von Rechtsverletzungen vorgesehen, die unter das Verbrechen der Hexerei fallen. Damit ist vor allem Schaden verursachende Zauberei gemeint. Harmlose Zauberei konnte nach dem Bemessen des jeweiligen Richters bestraft werden.

 

steirisches wappen
Steirisches Wappen an der Außenmauer der Frauenkirche in Pernegg

In Anlehnung an die Halsgerichtsordnung erließ Erzherzog Karl von Innerösterreich im Jahr 1574 die Steirische Landgerichtsordnung. In ihr war ebenfalls festgelegt, dass jede Form von Schadenzauber mit dem Tod zu bestrafen ist.
In den österreichischen Landesteilen hatten die Angeklagten nur sehr selten einen Verteidiger.

Die Verbindung zwischen Staat und Kirche: Kirche und Staat waren damals noch nicht getrennt. Religion, staatliche Macht und Verwaltung waren ganz eng miteinander verflochten. Jeder Angriff auf die kirchliche Autorität war auch immer ein Angriff auf die staatliche Autorität und umgekehrt.
Die Kirche überließ (oder übertrug) die gerichtlichen Angelegenheiten in Fragen der Zauberei der staatlichen Macht, und damit auch die Anwendung der Folter und die Hinrichtungen. Falls sich aber ein Richter weigerte, eine Todesstrafe zu exekutieren, musste er mit seiner Exkommunikation rechnen.  


 

Fortwährende existentielle Bedrohungen durch Unwetter, Hunger, Kriege und Seuchen

Die Kleine Eiszeit  -
Das Wetter macht die Weltgeschichte. Aufgrund einer verringerten Sonnen-Aktivität  und eines verstärkten Vulkanismus, der Asche und Gase in die Erdathmosphäre schleuderte,  kam es vom 15. bis  zum 19. Jahrhundert zu einer Abkühlung der Erde. Die kälteste Zeit war zwischen 1570 und 1715. Interessanterweise ist das jene Zeit, in der auch die meisten Hexenverfolgungen stattfanden.
Für die Menschen in Mitteleuropa war die Kleine Eiszeit ein Horror. Frost, ewig lange Winter, verregnete Sommer, Unwetter, heftige Hagelgewitter. Die Ernten wurden vernichtet.  Die Bevölkerung war unterernährt, wurde anfällig gegen Seuchen und andere Krankheiten. Viehseuchen gingen ebenfalls um. Der Tod war allgegenwärtig.


Türkenfigur
Türkenfigur - Symbol der Bedrohung in der Frühen Neuzeit - GrazMuseum

Andauernde Bedrohung durch Türkische Heere, Haiducken und Kuruzen.
Mehrmals fielen im 17. Jahrhundert die Türken und die Haiducken in der Oststeiermark ein. Sie plünderten, zerstören Dörfer und Städte wie Fürstenfeld und Feldbach. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts waren es Aufständische aus Ungarn (Kuruzzen), die viele Dörfer der Steiermark ausraubten und niederbrannten.

Pestepidemien suchten im 17. und 18. Jahrhunderts die Steiermark heim.
Die Abwehrkräfte der Menschen waren durch die Mangelernährung geschwächt und haben die Ausbreitung von Epidemien begünstigt.
Mancherorts wurde die halbe Bevölkerung ausgerottet.
Die Pestepidemien begannen ab Mitte des 14. Jahrhunderts und wurden vielfach als Strafe Gottes für sündiges Leben angesehen. Manche sahen darin aber auch ein Werk des Satans, mit dem sich gottlose Leute verbündet hätten, angesehen. Überall im Land errichtete man Pestsäulen mit Maria, der Mutter Gottes, als Helferin gegen die tödlich Pest.

Besonders einschneidend war auch der 30jährige Krieg (1618-1648), der Kampf zwischen Katholiken und Protestanten. In der Steiermark fanden zwar keine Kampfhandlungen statt, sie war aber indirekt betroffen, weil sie diesen Krieg mitfinanzieren und die wirtschaftlichen Lasten mittragen musste. Es kam zur Inflation ünd 1623 zum Staatsbankrott. Die Bevölkerung verlor ihr ganzes Geld.

 


 

Das magische Denken in der Gesellschaft und die Suche nach dem Sündenbock

Der allgemeine Aberglaube und das magischen Denken saßen tief. Er durchdrang das Denken und Urteilen der Bevölkerung ebenso wie die Gesetzgebung, die Verwaltung und die Religion. Mithilfe magischer Handlungen und  Rituale versuchten sich die Menschen vor Unglück, Krankheit und Tod, die überall lauerten,  zu schützen.
Die Menschen hatten keine Erklärung für die permanenten Bedrohungen durch Seuchen, Krankheiten und Tod. Und so schlossen sie, dass dahinter entweder die Strafe Gottes für sündiges Leben oder dunkle Mächte, Zauberei und Hexenkünste stehen müssten.

So sehr einem beim Lesen der Hexenprozess-Protokolle bewusst sein muss, dass die Aussagen der Angeklagten in den von den Richtern und den von ihn verwendeten Fragenkatalogen bestimmt und erzwungen sind, so unübersehbar sind in den Aufzeichnungen aber auch Abschnitte, in denen magisches Denken und Handeln der damaligen Zeit offenbar wird.

Eine große Zahl von magischen Objekten, die in den Protokollen erwähnt werden und die uns auch aus der Zeit der Hexenprozesse erhalten geblieben sind, zeugen von der Verwurzelung des magischen Denkens in der damaligen Gesellschaft: Hasenpfoten, Kröten, Bergkristall, Alraune (die Wurzel der Mandragora) Durch Talismane, Medaillen, Amulette, Zettel mit magischen Segenssprüchen, die man in der Tasche mit sich trägt (z.B. den Colomanissegen), Schutzbriefe (halb christlichen halb magischen Inhalts) und Esszetteln, die verschluckt werden mussten, um besonders wirksam zu sein usw. usw.

Hexenbild
Hexen - von Julius Diez 1915

Auch die Volksfrömmigkeit war durchzogen von magischen Elementen. Die magischen Praktiken im Volk wurden von der Kirche mehr oder weniger geduldet.  Es gab ja durchaus und in vielen Bereichen Überschneidungen zwischen tolerierter weißer Magie und religiösen Praktiken. Man denke etwa an Wetterglocken zum Schutz vor Unwettern, an geweihte Wetterkerzen, Medaillons, Amulette, Kräuter oder an die Praxis, zur Abwehr von Hexen-Wetter mit speziell geweihter Munition auf die Wolken zu schießen. Dazu kam die Verehrung von Heiligen (Schutz-Patronen), die für bestimmte Lebens- und Bittbereiche zuständig waren. So gab es rund 60 Viehheilige und an die 40 Pestheilige (allen voran der Hl. Sebastian).

Der Mensch neigt dazu, Fremdartiges zu vermenschlichen. Er hält es kaum aus, keine kausale Erklärung für ein Unglück zu haben. Wenn wir keine Gesetzmäßigkeit erkennen, neigen wir dazu, einen zuälligen Zusammenhang mit anderen Lebensumständen oder phantasierte Ursachen (z.B. einen üblen Geist, böse Sternenkonstellationen oder anderes) herzustellen.

Nicht zuletzt der geringe Widerstand gegen die Verfolgung wegen Zauberei kann zum Teil seine Ursache darin haben, dass das irrationale magische Denken fester Bestandteil der Problemlösungsstrategien der Bevölkerung war.  

Auch die Grenzen zwischen Heilmitteln und magischen Abwehrmitteln waren fliesend. In der sogenannten Volksmedizin verschwammen die Trennlinien zwischen Magie und Empirie.

Durch die andauernde Bedrohungen entstand ein permanentes Gefühl der Angst, Unsicherheit, Ungewissheit und des Ausgeliefertseins. Die unberechenbaren, die Lebensgrundlagen vernichtenden Wetterverhältnissen und die ständig möglichen Kriege führten zu vermehrten Spannungen in der Bevölkerung. Die Randgruppen der Gesellschaft wurden für das Geschen verantwortlich gemacht.
Irgend etwas oder irgend wer musste ja schuld sein am Unglück, das immer wieder unberechenbar hereinbrach. Hat man einen Sündenbock für sein Elend, konnte man vielleicht irgendetwas tun, war nicht gelähmt und ohnmächtig. Der Glaube an Hexen und Zauberer half bei der Bewältigung von Angst ebenso wie beim Abreagieren von Frustrationen. Und es kam durchaus vor, dass sich die Bauern nach einem Unwetter zusammenrotteten und von der Obrigkeit die Bestrafung der Schuldigen forderten. Es kam sogar zu Fällen von Lynchjustiz wegen vermeintlicher Wettermacherei.

Ein kleines Fenster in die damalige Stimmungslage macht uns das Verfahren gegen Michael Lipp auf.

In einem gewissen Sinn haben die Hexen und Zauberer Juden abgelöst. Zwischen 1420 und 1520 sind Juden in vielen Ländern vertrieben worden und danach kam die Verfolgung der Hexen, die für das Unglück dieser Welt, von den schlechten Ernten bis zu Krankheit und Tod verantwortlich gemacht wurden.  
Druck von unten war durchaus ein wesentlicher Faktor, der die Hexenverfolgung förderte.

Allgemein könnte man sagen: Es kam dann zur Verfolgung von Hexen und Zauberern, wenn sich der Druck von Unten mit den Interessen von Oben traf.


Zum Ende der Internet-Seite mit vielen Beispielen entsetzlicher Verirrungen des menschlichen Zusammenlebens folgt ein kleines Buch mit dem sperrigen Titel:
"Volkskundliches aus den Strafprozessen der österreichischen Alpenländer (unter besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse)" von Fritz Byloff aus dem Jahr 1929.

Fritz Byloff ist der wohl bedeutendste Forscher zu Fragen der Zauberei und derHexenverfolgung in Österreich. Er starb im Jahr 1940 und hinterließ einige sehrbedeutende Werke. So zum Beispiel "Das Verbrechen der Zauberei" (erschienen 1902)und "Hexenglaube und Hexenverfolgung" (erschienen 1934; wieder neu aufgelegt 2011 in Hamburg, Severus Verlag).


Ein kleines Nebenprodukt seiner Arbeit war das erwähnte Buch "Volkskundliches aus den Strafprozessen der österreichischen Alpenländer". Leider ist dieses Buch im Original schwer lesbar, weil der Großteil der Ausschnitte aus den Prozess-Protokollen in früh-neuhochdeutscher Sprache belassen ist. Ich habe daher diese Texte in unsere heutige Sprache zu übertragen und mit Bildern ergänzt.


Zum Inhalt:
Im ersten Teil geht es in erster Linie um Ausschnitte aus dem viel beachteten Innsbrucker Hexenprozess von 1485. An diesem Prozess hat auch ein gewisser Heinrich Kramer (bekannt auch als Heinrich Institoris) teilgenommen. Er war vom Verlauf des Prozesses so frustriert, dass er eine Kampfschrift zur richtigen Verfolgung von Hexenverfasste: den bekannten und einflussreichen „Hexenhammer“.
Die weiteren Zitate aus Zauberei-Prozessen sind zeitlich geordnet und nicht themenmäßig:
Es geht natürlich ums Wetter Machen, Wetter Lenken und ums Wetter Aufhalten und Vertreiben. Es geht um Krankzaubern und Totzaubern aber auch ums Heil- und Gesundzaubern, um Zauber zum Schlösser Aufsperren, ums Unverwundbar-Machen, Zauber gegen Trunkenheit, Ausräuchern als Zaubermittel, Wolfbannen, Schlafzauber, Leichenteile Hingerichteter als Zaubermittel, zauberische Heiratsverhinderung, diverse Zaubersprüche, Liebeszauber und dergleichen mehr.

Klicken Sie einfach im Inhaltsverzeichnis den Abschnitt an, der Sie interessiert:
Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer unter besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse".


Ein wenig Lokalpatriotisches zum Schluss

 
 
Graz 1649 - Kupferstich von Matthäus Merian

Der große Astronom und Mathematiker Johannes Kepler lebte und arbeitete von 1594 bis 1600 in Graz. Er stammte aus Schwaben und wollte ursprünglich evangelischer Pastor werden, entschied sich aber letztendlich in Graz für die Wissenschaft und entwickelte hier wesentliche Grundlagen seiner späteren Berühmtheit als Erforscher der Welt der Planeten.
Leider hat die Rekatholisierung des Landes (Gegenreformation) Kepler gezwungen, die Steiermark zu verlassen und nach Prag zu ziehen.
Keplers Mutter wurde in Württemberg als Hexe angeklagt und musste einen Jahre dauernden Prozess ertragen. Erst nach massiver Intervention von Seiten ihres Sohnes wurde sie schließlich freigesprochen. Die Tante der Mutter Keplers hatte nicht dieses Glück. Sie wurde als Hexe verbrannt.  

Eine nicht unbedeutende Rolle spielte der aus Belgien stammende Jesuit und in Graz von 1601 bis 1603 lehrende Martin Anton Delrio mit seinem Werk “Magische Abhandlungen”. Er war ein Universalgelehrter und einflussreicher Hexentheoretiker. Diese Publikation trug zum Anwachsen der Hexenprozesse am Beginn des 17. Jahrhunderts bei. Mit nach seinem Denkschema logischen Ableitungen kam er zu dem Schluss, dass Zweifel an der Existenz der Hexen mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar seien und den Verdacht der Hexerei nahelegen würden.

Nikolaus Beckmann, ein anderer sehr einflussreicher Jurist seiner Zeit, wirkte ebenfalls in Graz. Er stammte aus Norddeutschland und kam 1680 nach Graz. Er leitete eine Pestkommission, nachdem Graz im Jahr 1680 von der Pest heimgesucht wurde und war mit mehreren Hexenprozessen befasst. Dabei zweifelte er in keiner Weise an der Existenz der Hexen und des Teufels, der in einem von ihm geführten Prozesse als Eichhörnchen erschien.
Beckmann starb als wohlhabender Mann 1687 in Graz.  

In Graz wirkte im 17. Jahrhundert auch der weithin bekannte und wortgewaltige Prediger Abraham a Santa Clara. Auch er hat mit seinen Predigten dazu beigetragen, dass die Hexenverfolgung angefeuert wurde. In einem seiner Predigt-Bücher berichtet er von Angeklagten, die mithilfe von Hostien, die sie in einen Schweinetrog geworfen hätten, Unwetter in der Umgebung von Graz erzeugt hätten.


 
 

Verwendete Literatur:

Isabella Ackerl: Als die Scheiterhaufen brannten. Hexenverfolgung in Österreich. Amalthea Signum Verlag, Wien 2011

Wolfgang Behringer: Hexen (Glaube - Verfolgung - Vermarktung). Verlag C.H.Beck, München 2015

Walter Brunner: Steirische Sagen von Hexen und Zauberei. Eigenverlag, Graz 1987

Clemens M. Hutter: Hexenwahn und Aberglaube. Ecowin Verlag, Salzburg 2007

Reinhard Riepl:
Wörterbuch zur Familien- und Heimatforschung in Bayern und Österreich. Selbstverlag, Pfarrkirchen 200

Hans Sebald: Hexen damals - und heute. Verlag Gondrom, Bindlach 1993

Helfried Valentinitsch und Ileane Schwarzkogler (Hrsg.): Hexen und Zauberer (Katalog der Steirischen Landesausstellung 1987). Leykam-Verlag, Graz-Wien 1987

Helfried Valentinitsch (Hrsg.):
Hexen und Zauberer (Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Ateiermark). Leykam-Verlag, Graz-Wien 1987

Wikipedia:
Stichwort "Hexenverfolgung" und "Johannes Kepler"


Anmerkung 1: Die Informationen über die Bannrichter stammen überwiegend aus dem Artikel "Gerichtsorganisation und Strafrechtspflege im Herzogtum Steiermark in der frühen Neuzeit" von Gernot Kocher (1987).

Anmerkung 2: Die Informationen über die Wölfe stammen aus dem Artikel "Von Wölfen, Wolfsgruben, Wolfsjagden und Wolfsbannern in der Obersteiermark" von Günther Jontes (1983).

Anmerkung 3: Das Schicksal des Lorenz Pöllinger wurde von Heide Stöckl im Roman "Der Bettelbub" beschrieben, der 2008 im Literaris-Verlag erschienen ist (http://www.literarisverlag.at).

Anmerkung 4: Die Hervorhebungen und Strukturierungen sind abgesehen von einzelnen Nummerierungen der Texte in den Original-Protokollen nicht vorhanden und wurden vom Autor dieser Homepage durchgeführt.

Anmerkung 5:
Zum Prozess gegen Dorothea Wed: Alfred Seebacher-Mesaritsch widmet diesem Prozess in seinem Buch „Hexen-Report“ eine eigenes Kapitel.

Anmerkung 6: Die Aufzeichnungen im Zusammenhang mit der Ermordung von 38 Personen südlich von Bad Gleichenberg im Jahr 1689 stammen aus dem Anhang des Buches “Die Gallerin auf der Riegersburg” von Joseph von Hammer-Purgstall aus dem Jahr 1849.


Nachwort zur Entstehung dieser Homepage:
Wie der Zufall halt so spielt: In der neuen Ortschronik meines Heimatortes Semriach, einem Marktflecken in der Nähe von Graz und am Fuße des Schöckls gelegen, hatte ich gelesen, dass ein Bauer aus Semriach im Jahr 1660 als Zauberer hingerichtet und verbrannt worden ist. Der Bauer habe auf dem „Zehenthof„ gelebt. Zufällig treff ich ein paar Tage später den Besitzer des Zehenthofes, den „Zehner Ossi“. Auf meine Frage, ob er Unterlagen über diese Sache habe, gab er zur Antwort, dass es ihn freuen würde, wenn ich ihm solche Unterlagen beschaffen könnte. Und damit habe ich begonnen, nach Unterlagen über Prozesse gegen Hexen und Zauberer zu suchen. Das Wenige, dass ich vom Prozess gegen den Steffl am Hof, wie er auch genannt wurde, gefunden habe, hat mich stark beeindruckt und nicht mehr losgelasssen.

Dieser einfache Bauer hat eine Unbeugsamkeit gezeigt, die man nur staunend bewundern kann. Im Angesicht des sicheren Todes so eine innere Sicherheit und Stärke zu besitzen, ist etwas ganz Außergewöhnliches. Aber lesen sie selbst das Protokoll der letzten Stunden dieses außergewöhnlichen steirischen Bauern mit dem Namen Stefan Zechner: Prozess gegen Stefan Zechner.

 

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