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Original-Protokolle von Hexen- und Hexer-Prozessen in Österreich und Slowenien

 

In dieser Homepage finden Sie die weitgehend wortgetreuen Übersetzungen der Original-Protokolle von Prozessen gegen Hexen und Hexer aus dem 17. und 18. Jahrhundert in unsere heutige Sprache.
Ich habe mich bemüht, sie so verständlich und so authentisch wie möglich zu übertragen.
Die Prozess-Protokolle beziehen sich auf den Raum Österreich und Slowenien.

In den kommenden Wochen wird die Homepage völlig neu gestaltet. Ich bitte um Eure Geduld.
Graz, 15.8.2017 Siegfried Kramer

Inhaltsverzeichnis

Wer war eigentlich besonders gefährdet, wegen Zauberei verfolgt und verurteilt zuwerden?

  • Nachbarn und Bekannte
  • Verwandte
  • Bettler, Landstreicher und Kleinkriminelle
  • Außenseiter wie Körperbehinderte, Menschen mit körperlichen Auffälligkeiten, Epileptiker usw.
  • Frauen
  • Heilerinnen
  • Land- versus Stadtbewohnerinnen


Was wurde den als Hexen und Zauberer Inhaftierten eigentlich vorgeworfen?
Weswegen wurden sie angeklagt

1.Teufelspakt
2.Teufelsbuhlschaft
3. Hexenflug
4. Hexensabbat
5. Schadenzauber
Wetter machen
Wolfsbanner
Krank zaubern
Hostienfrevel
Andere Arten der Zauberei


Wie ist so ein Prozess abgelaufen?

Das Verhör
Die Allmacht der Richter und der Schneeballeffekt
Das finanzielle Motiv

Das Gerichtswesen
Die Folter
Die häufigsten Folterarten in den Hexenprozessen
Die Haft
Wann wurde jemand wegen Zauberei verurteilt?

Zur Hinrichtung: Wie sind die Verurteilten hingerichtet worden?

Wieviele Menschen wurden als Hexen oder Zauberer hingerichtet?

Wann waren diese Hexenprozesse eigentlich?

Gab es keinen Widerstand gegen die grausamen Hexen-Verfolgungen?


Was waren die Hauptursachen dafür, dass so viele unschuldige Menschen als Hexen und Zauberer verfolgt und hingerichtet wurden?

Grundsätzliches
Der Rolle der Religionen
Die Rolle der Weltlichen Macht
Das magischen Denken in der Gesellschaft
Fortwährende existentielle Bedrohungen durch Unwetter, Hunger, Kriege und Seuchen

Innere und soziale Bewältigungsmechanismen auf die Belastungen und Bedrohungen - Hexen und Zauberer als Sündenböcke

Einführung in das Buch "Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer
unter besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse"


Ein wenig Lokalpatriotisches zum Schluss

Verwendete Literatur
Nachwort zur Entstehung dieser Homepage



Wer war eigentlich besonders gefährdet, wegen Hexerei verfolgt und verurteilt zu werden?


Nachbarn, Bekannte

Wer Nachbarn hatte, die als Hexen oder Zauberer verfolgt wurden, musste selbst damit rechnen angeklagt zu werden.
Es waren oft kleine Auslöser und Anlässe, dass jemand wegen Zauberei angeklagt worden ist. Ein Nachbarschaftsstreit. Grenzstreitigkeiten zum Beispiel. Oder Neid. Manchmal Rache.


Ein Beispiel finden wir in einem seltenen Dokument, einer Bittschrift, die die Ursula Neubauer an den Kaiser geschrieben hat, damit dieser ihre Verbannung aufheben möge.
Ursula Neubauer aus Neudau in der Steiermark hatte Streit mit ihrer Nachbarin. Sie war eine Töpferin und die Nachbarin hatte ihr Geschirr gestohlen. Im darauf folgenden Streit hatte ihr die Nachbarin dann auch noch vorgeworfen, dass sie Hexerei und Zauberei betreibe und hat das dann auch noch bei der Herrschaft angezeigt. Ein ganzes Jahr ist die Ursula Neubauer daraufhin in Burgau im Gefängnis gesessen. Und obwohl sie standhaft geblieben ist und man ihr nichts nachweisen konnte, ist sie schlussendlich des Landes verwiesen worden. Weg von ihren Kindern und ihrem Mann. Nur der Kaiser könnte die Verbannung aufheben. Also hat sie ihm einen Brief geschrieben: Bittschrift der Ursula Neubauer an den Kaiser um Gewährung der Rückkehr.


Nicht selten führte auch Dorf-Getratsche dazu, dass Menschen in die vom Hexenwahn angetriebenen tötlichen Mühlen der Verfolgung wegen Zauberei gerieten. In einer Zeit, in der die Menschen in Mitteleuropa durch die Unterernährung wenig Abwehrkräfte hatten und Krankheiten, Seuchen und Tod den fast alltäglich waren, suchte man nach Erklärungen, Sündenböcke und Zaubermittel. Ohne das Wissen heutiger Zeit war die Versuchung groß, dunkle Mächte oder böse Nachbarinnen als Verursacherinnen von Krankheit und Leid heranzuziehen.

So war es auch im Prozess gegen Dorothea Wed, der im Jahr 1677 in Friedau (heute Ormož in Slowenien), ungefähr 40 km südlich von Radkersburg gelegen, stattfand. Ihr wurde nachgesagt, die Leute im Dorf mit Zauberei krank zu machen. Der „Dialog“ zwischen dem gnadenlosen Richter Will und der 70jährigen willensstarken Dorothea Wed, der Verlauf des Prozesses und die Folterungen wurden in allen schrecklichen Einzelheiten protokolliert. Es spricht vieles dafür dass der Bannrichter zu anderen als den vorgesehenen Mitteln griff und die Greisin erwürgen ließ. Dafür hat er schließlich wundersame Vorgänge und Deutungen erfunden, um dem Ganzen einen “höheren Sinn” zu geben (und zu vertuschen).
Einige der hier beschriebenen Prozesse fanden in der früheren Untersteiermark, im heutigen Slowenien statt. Das Protokoll des Prozesses gegen Dorothea Wed ist für mich eines der erschütterndsten Dokumente der Hexenverfolgung und es ist mir ein Bedürfnis, dieses Protokoll auch in Slowenisch zugänglich zu machen: Postopek proti Dorothei Wed obstaja sedaj tudi v slovenskem jeziku.

Und dann muss man auch eines bedenken: Wer fällt einem ein, wenn man entsetzliche Foltern und Todesangst ausgesetzt ist und vom Richter gefragt wird, mit wem man sich bei diesen Hexenversammlungen denn getroffen hätte. Es sind wohl eher die Namen von Bekannten und Nachbarn, die einem in so einer Ausnahmesituation über die Lippen kommen.

Verwandte

In vielen Prozessen gibt es Hinweise, dass Familienmitglieder verfolgt und hingerichtet wurden.
In erster Linie waren es natürlich die Ehegatten, die besonders gefährdet waren.
Häufig wurden auch die Eltern und Geschwister verfolgt.

So ist es in den Prozessen gegen die Schwestern Marina Hörk und Gera Scherb und im Prozess gegen Helena Glanitschnigg geschehen und nachzulesen ist.

Und natürlich standen die Kinder der Angeklagten von vornherein im Verdacht, der Hexerei nachzugehen. Man ging davon aus, dass die Kinder von Zauberern wieder Zauberer werden. Oder dass die Kinder dem Teufel geschenkt werden.

Derartiges kann man im Protokoll des Prozesses gegen Thomas Heiser nachlesen:
Nach der zweiten brutalen Folterung gestand er, dass er seinen Sohn Gregor schon im Mutterleib dem Teufel (Bösen Geist) versprochen habe. Und als dieser dann 14 Jahre alt gewesen sei, habe er ihn mit der Lucia, der Tochter des Teufels, verheiratet. Bei der Hochzeit, die am Schöckl bei Graz stattgefunden habe, hätten sich die Brautleute vor dem Teufel niedergekniet, ihn angebetet und ihm den Hintern geküsst.

Ein anderes Beispiel dafür ist die Verfolgung von Andreas Zechner, dem Sohn von
Stefan Zechner, einem unbeugsamen Bauern aus Semriach, einem Marktflecken am Fuß des Hexenbergs Schöckl in der Steiermark. Im richterlichen Begleitschreiben steht zur Begründung für die Verhaftung: “Es ist ebenso ein Indiz, dass sein Vater als überzeugter Zauberer hingerichtet worden ist. Denn der Teufel pflegt im allgemeinen von den Eltern zu verlangen, dass sie die Kinder zur Gesellschaft der Zauberer bringen.”

 

Bettler, Landstreichern, und Kleinkriminelle, herumziehende Obdachlose

Die Hexenprozesse dienten oft auch als Mittel zum Zweck. Über die Hexenprozesse hat man versucht,  Disziplin und Ordnung herzustellen. Die Staatsverwaltung verwendete die Prozesse wegen Magie und Zauberei, um sich anderer Probleme zu entledigen. So ging es um die Verfolgung von Bettlern und Kleinkriminellen, die sich gelegentlich zusammen taten. Es gab auch Banden von Kirchendieben. Gegen die wurde mit aller Härte vorgegangen.


Zum Beispiel im Prozess gegen den "grindigen Hans Glaser"
Hans Glaser hatte einen Hausausschlag (Grind), einen Sprachfehler und hinkte. Als man ihn in Rottenmann inhaftierte, konnte er nicht angeben, wie alt er war und wer seine Eltern waren. Er wusste nur, dass sie auch Bettler gewesen sind und im Windischen gelebt haben. Er sei schon als Kind von ihnen weggekommen. Und als Kind habe er sich anderen Bettlern angeschlossen. Da konnte er so einige Details berichten. Zum Beispiel von Kollegen, die sich im Sommer in der Mariazeller Gegend aufhielten, und sich abends in der Kirche  einsperren ließen, um in der Nacht mit Holzspänen das Geld aus den Opferstöcken zu fischen.

In einem anderen Prozess spielt der Anklagepunkt Diebstahl und Raub ebenfalls eine Rolle: Marx Heen gibt unter Folter an, Bauern um den Semmering herum bestohlen und reisende Händler ausgeraubt zu haben. Er habe auch den Philipp Singer, der aus der Kapfenberger Gegend nach Niederösterreich unterwegs war, um ein paar Leintücher zu verkaufen, und zwar nach den Schilderungen ziemlich brutal. Was wirklich geschah, werden wir nie erfahren. Unter Folter sagen die meisten alles, was gewünscht wird: Prozess gegen Marx Heen.

Personen die wegen bestimmter anderer Verbrechen, wie Abtreibung und  Kindstötung angeklagt wurden, mussten damit rechnen, dass sie auch wegen Hexerei angeklagt wurden, weil man diese Handlungen als Folgen eines Paktes mit dem Teufel interpretierte.


Außenseiter wie Körperbehinderte, Menschen mit körperlichen Auffälligkeiten, Epileptiker


Körperliche Auffäligkeiten (z.B. große Warzen) wurden als Zeichen des Paktes mit dem Teufel angesehen. Menschen mit körperlichen Auffälligkeiten waren gewissermaßen vom Teufel markiert worden. Aus diesem Grunde wurden am Beginn eines Prozesses die Angeklagten nach solchen Merkmalen untersucht.

Nachlesen kann man das zum Beispiel im Prozess gegen Marina Schepp.

Menschen mit auffälligen Krankheiten wie Epilepsie, für die man keine Erklärung hatte, waren ebefalls oft Ziel der Hexenhatz und wurden als Zeichen eines Teufelsbundes gesehen.

Ein Beispiel dafür ist im Prozess gegen den singenden Bettler Lorenz Pöllinger zu finden:
Gut 350 Jahre ist es her, da traf zufällig der Bauer Pistrich aus Seebach in der Steiermark den jungen Burschen Lorenz Pöllinger, der als Bettler und Sänger durch die Lande zog. Er war gerade aus dem Salzburgischen gekommen und auf dem Weg nach Neumarkt in der Steiermark, um dort seine Mutter zu besuchen, die er schon länger nicht mehr gesehen hatte. Was den Bauern Pistrich letztendlich dazu gebracht hat, dem jungen Burschen mit Erschießen zu drohen, damit dieser zugab, ein Zauberer zu sein und durch die Luft fliegen zu können, ist nur schwer zu ergründen. War es dessen epileptischer Anfall, der ihm so unheimlich vorkam, dass er meinte, der Teufel stecke dahinter. Jedenfalls brachte der Bauer Pistrich den Lorenz mit ein paar Glaserln Wein im Gasthaus von Seebach und der Drohung, ihn zu erschießen, soweit, alles zu gestehen, was er ihm in den Mund legte.


Frauen

Die Mehrzahl der Opfer der Hexenverfolgung waren Frauen. Die diversen Schätzungen und Hochrechnungen liegen zwischen 55 und 80 Prozent der Hingerichteten.
In Österreich lag der Anteil der Frauen im Verhältnis zu den Männern, gegen die ein Prozess stattfand bei etwa 4:3 (58% waren Frauen und 42 % waren Männer). Die Unterschiede in den einzelnen Regionen waren aber erheblich.
Warum so viele Opfer unter den Frauen? Nach der Schöpfungsgeschichte im Alten Testament kam das Böse (der Sündenfall im Paradies) durch die Frau in die Welt. Sie ist der Verführung des Teufels erlegen und hat im Paradies vom Apfel der Sünde gegessen. Die Frau (Eva) wurde aus der Rippe Adams gemacht und ist der schwache Abklatsch des Mannes.
Insbesonders unter Priestern und Mönchen dominierten frauenfeindliche Phantasien und Einstellungenund Hetzpredigten gegen Frauen waren noch die harmlosere Konsequenz.

Heilerinnen,
Wunderheilerinnen, Kräuterweibl, Naturheilerinnen, “Bauernärztinnen”, Viehdoktoren oder wie sonst noch die Bezeichnungen lauten.
Eine Zeitlang wurde Hexerei sehr eng mit Heilerinnen in Verbindung gebracht. Hexen und Hexenwahn betraf Medizinfrauen und Medizinmänner der früheren Zeit. Es gab in dieser Zeit nur eine kleine Zahl von Ärzten und ihre Kompetenz war mit derjenigen der heutigen Zeit nicht vergleichbar. Selbstverständlich wurden bei Unfällen und Krankheiten oder zur Geburtshilfe auch nicht ausgebildete Heilkundige aus der Bevölkerung  aufgesucht. Heilerinnen waren eine Art Ärztinnen-Ersatz.
Sie behandelten die Hilfesuchenden nach altem Erfahrungswissen, verwendeten aber auch magische “Werkzeuge” gegen die verschiedensten Krankheiten wie z.B. Medaillons, geweihtes Wasser, Rosenkränze, geweihte Kerzen, Kräuter etc.

Ein berührendes Beispiel eines Prozesses gegen eine Heilerin ist jener gegen die 104 Jahre alte Martha Mosegger aus Geistthal in der Steiermark: Sie hatte einen Kristall, den sie von der Frau von Waldstein bekommen hatte und der ihr dabei half, die richtigen Wurzeln und Kräuter gegen die Gebrechen von Menschen und vom Vieh zu finden. Sie lege dann die Kräuter und die Wurzeln und einen neunmal geweihten Rosenkranz neben den Stein und bete dann ein besonderes Gebet. Die Wurzel mache sie zu Pulver, gebe sie in ein Sackerl, stecke diesen in einen Palmbuschen und lasse ihn am Palmsonntag bei der Palmweihe weihen. Die Leute kämen zu ihr und bitten sie um Rat und Hilfe. Dafür habe sie Essen und manchmal ein oder zwei Groschen bekommen. So beginnt das Geständnis der Martha Mosegger.

Diese Mischung aus medizinischem Erfahrungswissen, religiösen Ritualen und magischem Denken und Praktiken findet sich auch in den Aufzeichnungen der Anklage Anklage gegen die Hebamme und Heilerin Walpurga Moritz-Bärtl, der vorgeworfen wurde, Zauberei zu betreiben. Wenn die Leute zu ihr gekommen sind, damit sie ihnen bei Krankheiten helfe, hat sie diese oft geräuchert und gebadet und dabei Kräuter (Weinkraut, Inquerkraut, Vipernkraut und dergleichen) und Holzspäne von Bäumen, in die der Blitz eingeschlagen hat, verwendet.

 

Landbewohner

In den großen Städten Europas fanden kaum größere Verfolgungen von Hexen und Zauberern statt. (Kam es nur vereinzelt zu Hinrichtungen). Ähnlich war die Situation in der Steiermark. Die Verfolgung wegen Zaubrei hat überwiegend die ländliche Bevölkerung getroffen. Prominente, Geistliche und Adelige hat es sehr selten erwischt. Und wenn, dann hatten sie Geld und die Unterstützung durch Verteidiger, durch die sie sich meist herauswinden konnten.  

Was wurde den als Hexen und Zauberer gefangen Genommenen eigentlich vorgeworfen? Weswegen wurden sie angeklagt?

Die 5 wichtigsten Anklagepunkte der Hexenprozesse waren:
Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, Hexenflug, Hexensabbat, Schadenzauber.

1. Teufelspakt
Der zentraler Punkt der Anklage war der Pakt (Bund) zwischen dem Teufel und der Hexe bzw. dem Hexer. Dieser "Vertrag" war verbunden mit dem Abschwören Gottes. Das Bündnis mit dem Teufel wurde oft mit Blut besigelt.
Dafür gab es  die Fähigkeit zu Zaubern, Geld, Essen, Schätze etc.
Mit dem Teufelspakt waren eine Hexe oder ein Zauberer nicht nur Verbündete des Teufels, sie waren auch sein Besitz. In den Protokollen der Hexenprozesse findet man häufig schon am Beginn, dass die Angeklagten dem Teufel (dem Bösem Geist) die Seele versprochen hätten und Gott (dem Allmächtigen, der Heiligen Dreifaltigkeit, der Jungfrau Maria, allen Heiligen) abgeschworen oder widersagt hätten. Verleugnung des Glaubens, Gotteslästerung, Blasphemie
Der Teufel markierte dann oft seine Leute, mit denen er einen Pakt geschlossen hatte. Er verpasste ihnen ein Teufelsmal: Knoten, Narben, Warzen, Muttermal usw. Aus diesem Grund wurden die Angeklagten am Beginn der Prozesse oft nach Teufelsmalen abgesucht
In das Teufelsmal (z.B. eine Warze) wurde oft mit einer Nadel hineingestochen. Floss kein Blut und hat die Angeklagte keine Zeichen des  Schmerzes von sich gegeben, dann wurde dies ebenfalls als Hinweis auf einen Teufelspakt gewertet.

Ein Beispiel: Der Prozess gegen Marina Schepp.
In diesem Prozessprotokoll wird deutlich, mit welch unerhörter Grausamkeit gegen die Gefangenen vorgegangen worden ist. Obwohl Marina Schepp alles zurückgenommen hatte, was sie zunächst unter Folter gestanden hatte, ließ man nicht von ihr ab und foltert sie weiter. So oft und so lange, bis sie endlich das sagte, was der Richter ihr in den Mund gelegt hatte. Bei der 5. Folterung, nach mehr als 6 Stunden Sitzen auf dem Hexenstuhl, gestand sie, dass sie mit dem Teufel ein Verhältnis gehabt habe.

Das Bild des Teufels in den Schilderungen der Angeklagten variiert sehr oft. Manchmal erscheint er als Schwarzes kleines Manderl, dann wieder als vornehmer Jäger, der beim Sprechen "näselt" und oft hat er Hufe oder Krallen statt Füße (Kuh- und Pferdefuß). Seine Haut ist häufig hat er eine dunkle oder schwarze.
Sehr häufig kam es auch zum Erscheinen des Teufels: , oft auch , natürlich Hörner am Kopf, usw. usw.
Nicht selten verwandelte er sich in ein Tier (Katze, Hund). Manchmal wechselt er in den Phantasien (nicht zuletzt auch der Richter) zwischen den Gestalten: Einmal erscheint der Teufel in Gestalt eines Hasen. Das nächste Mal in der Gestalt eines Knaben

Ein Beispiel dafür finden sie im Prozess gegen Elenka Schauberg.

2. Teufelsbuhlschaft, was so viel heißt, wie Sex mit dem Teufel.

Wenn der Teufel als verführerischer Liebhaber auftrat, tat er das meist als attraktiver Mann (Frau). Die Vereinigung der Männer mit dem Teufel geschah so, dass der Teufel die Gestalt einer Frau annahm. ( Prozess gegen Marx Rueprecht, Anklagepunkt 75)
Ob der Teufel bei der Teufelsbuhlschaft Gewalt gegenüber den Frauen anwandte, spielte für die Richter keine Rolle. Das zeigt der Prozess gegen Margaraetha Keyditsch.
Nicht selten drängt der Bannrichter die Verhörte dazu, den Akt der Vereinigung mit dem Hinweis zu beschreiben, dass sich sich seine “Natur” kalt angefühlt habe. Nachzulesen etwa im Protokoll des Verhörs von Veronika Rauch.

Wenn “die Scham einen Kratzer” bekommt, kann das verschiedenes bedeuten. Im Zusammenhang mit den Hexenprozessen heißt es, dass der Böse Geist die Angeklagte mit einem Mal markiert hat, nachdem er sich mit ihr vereinigt hat. So wird es im Protokoll des Prozesses gegen Margareth Jantscher geschildert.

Der Ausdruck “Sodomie” kommt auch immer wieder in den Prozessakten vor.
Sodomie bedeuteten in der damaligen Zeit alle sexuelle Handlungen, die nicht der Kinderzeugung dienten. Dazu gehörte auch Hemosexualität, auf die auch die Todesstrafe stand. Und natürlich auch die Kopulation mit dem Teufel. Auch Sex mit Tieren.

3. Hexenflug (Flugzauber)
Als Beweis für den Pakt mit dem Teufel galt, dass Hexen auf Besen, Rechen, Ofenschaufeln (Ofenschiaßer, auch Ofenschüssel) oder Wacholder-Ästen durch die Luft  zu den Versammlungsplätzen fliegen konnten. Der Stiel wurde mit einer Hexensalbe (Hexenfett, Flugsalben) aus Kräutern und Fett eingeschmiert.

Eine genaue Beschreibung von Inkredientien einer Salbe zum Fliegen schildert ein kleines 10 bis 12 Jahre alten Mädchen im Prozess gegen Dionys und seine Helferin: Der Freund ihrer Mutter habe gesagt, für eine Salbe zum Fliegen müsse man einen Knochen von einem toten Menschen nehmen und zu Pulver zerstoßen. Dann soll man faules Holz, das in der Nacht leuchtet, Menschenhaare, Sauborsten, Brunnenwasser, ein wenig Schmalz und eine Hostie dazugeben.

Solche Zauberflug-Erlebnisse finden sich schon in der antiken Literatur bei Römern und Griechen.
Es liegt nahe, dass sie ihren Ursprung in Flug-Halluzinationen haben, wie sie zum Beispiel durch das Gift Atropin aus der Tollkirsche hervorgerufen werden. Der hochgiftige Stechapfel führt auch zu Sinnestäuschungen.

Nicht immer findet sich in den Prozessakten der Hexenflug, um zum Hexensabbat zu kommen. Manchmal findet sich in den Protokollen eine Kutsche als Fortbewegungsmittel. Oder der Angeklagten schien es, als wäre sie wie im Schlaf auf den Zauberberg gekommen. So wird das im Strafprozess gegen Christina Posch wegen Zauberei beschrieben.

4. Hexensabbat (Hexenversammlung, Teilnahme an Hexenfesten, Hexentanz)
Unter dem sogenannte Hexensabbat ist eine Versammlung der Hexen und Zauberer zu verstehen. Dieser Anklagepunkt war besonders entscheidend, weil die Verdächtigen nach Komplizen, nach anderen Teilnehmern an den Versammlungen gefragt wurden. Durch die Folter und die Frage nach den Komplizen konnte durch den Richter jederzeit eine Prozesslawine ausgelöst werden, die zu immer neuen Verhaftungen führte. Es konnt eine Kettenreaktion in Gang gestezt werden, die zu Massenhinrichtungen führen konnte.

Ein Beispiel für die Folgebefragungen nach mehreren Hinrichtungen unter dem Frauen hassenden Bannrichter Johann Wendtseisen aus Radkersburg, der in der Untersteiermark (heute ein Teil von Slowenien) gewütet hat, finden wir im Protokoll “Verhöre von Personen, die im April 1672 im Schloss Luttenberg wegen Zauberei inhaftiert waren”.

Die Versammlungen der Hexen und Zauberer fanden an besonderen Orten statt. Zum Beispiel an bekannten Wegkreuzungen, meistens aber auf sogenannten Hexenbergen. Das waren Berge, die durch ihre Form und Lage auffallend waren.   
Die am häufigsten in den Hexenprozessen der Steiermark genannten Berge waren:
Schöckl, Gleichenberger Kogel, Wildoner Kogel, Plesch, Donatiberg (Donacka Gora in Slowenien) etc.

Zur Illustration finden Sie im folgenden eine Auswahl von Ausschnitten aus Prozessen, in denen der Sch öckl als Treffpunkt genannt wurde. Die Mehrzahl der Prozess-Ausschnitte stammt aus der Zeit von 1686 bis 1688. In diesen 3 Jahren wurden allein beim Landgericht Rein bei Gratwein 29 Menschen zum Tod verurteilt und hingerichtet: Protokolle von Prozessen mit dem Schöckl als Treffpunkt der Hexen und Zauberer.

Es gab also Gegenden, die einen besonders schlechten Ruf als Brutstädten der Zauberei hatten. Ganz besonders Menschen, die in der Nähe von “Hexenbergen”wohnten, waren von vornherein verdächtig. In den Prozess-Protokollen ist dann z.B. davon die Rede, dass “ein Viertel der Bauern der ganzen Pfarre lauter Zauberer seien” (siehe Prozess gegen den "grindigen Hans Glaser", am 20.3.1659 auf der Streckbank).

5. Schadenzauber (also die Schädigung von Mensch und Tier durch Zauberei)
Hexen und Zauberer richten bei Mensch und Tier Schaden an. Sie machen sie krank und töten sie. Sie verursachen Unwetter, verderben und vernichten die Ernte.


Wetterzauber (Wetter machen, Gewitter herzaubern, Hagelzauber, Unwetter machen etc.):

Wetterzauber war nach den Prozessakten nach der Anklage wegen Zauberei (im allgemeinen) die häufigste Anschuldigung im Herzogtum Steiermark.
Es gehört zur Natur des Menschen, unerklärliches Unglück erklärbar zu machen, eine Ursache für das Unglück zu finden, eine Ursache, die man vielleicht beseitigen kann. Das gilt auch für die vielen Unwetter und Missernten in der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts, die man sich nicht anders erklären konnte, als durch böse Menschen und Mächte verursacht. Die Opfer waren oft Bettler und einfache Viehhirten, die verdächtigt wurden, mit Magie und Zauberei ihre Mitmenschen zu schädigen.
Man stellte sich zum Beispiel vor, dass Hexen in den Wolken flogen und das schlechte Wetter zu den passenden Orten lenkten (“führten”), also zu den Bauern, die es verdient haben.

Eines der Opfer war Hans aus der Metnitz in Kärnten, der unter Folterdrohung angab, jenen Bauern ein schlechtes Wetter gemacht zu haben, bei denen er betteln war und die ihm kein anständiges Brot gegeben haben.

Ein anderes Opfer war Marx Schöpfer, dem man ebenfalls das Wettermachen vorwarf. Er habe sich mit dem Teufel verbündet, der ihn dafür bezahlte habe, dass er schlechtes Wetter mache. So etwas sagt man, wen man gefoltert wird und Todesangst ausstehen muss.

Wieder ein anderer Wettermacher war Lorenz Steger, der nach dem Prozessprotokoll seine Wetter hauptsächlich in Kärnten niedergehen ließ. Für das Wettermachen habe er alte Streu oder Erbsen ausgestreut.

Oft findet man die Beschreibung des Wetter-Zauberns im Zusammenhang mit den Hexenversammlungen (Hexensabbat) auf den Hexenbergen. Getreidekörnern, Steinchen, Blumen oder dergleichen wurden in einen Kübel oder ein anderes Gefäß gegeben und gerührt. Dadurch sei dann ein Unwetter ausgelöst worden.
Auch Analogie-Zauber findet sich in den Aufzeichnungen der Prozesse gegen Menschen, denen vorgeworfen wurde, das schlechte Wetter und die zerstörerischen Unwetter mit Zauberei zu verursachen. Analaogie-Zauber bedeutet, dass man zwischen zwei äußerlich ähnlichen Dingen (zum Beispiel der Himmel und die Farbe Blau, oder Regenwasser und Bachwasser) eine innere, tiefere oft kausale Verknüpfung besteht. Wenn man bei einem Ding etwas besonderes mache, bewirke ich auch beim anderen (verknüpften) Ding etwas ähnliches.
Wenn sich jemand in einem bestimmten See (Ossiacher See oder Millstätter See) badet, kann er damit bewirken, dass es regnet (Volkskundliches 44). Nass macht nass. In einem anderen Prozess gaben die Angeklagten an, 3 x barfuß in einem Bach hin und her gegangen zu sein, mit der linken Hand Erde hinter sich geworfen und dazu eine Beschwörung gesprochen zu haben, um einen Regenguss zu erzeugen (Volkskundliches 26). Eine andere Frau hat ausgesagt, sie hätten zu dritt im Fluss Gurk gebadet und Gebeine vergraben. Daraus seien Wetter mit Schnee und Hagel entstanden (Volkskundliches 21). Nach den Verhörprotokollen könne man Regen auch machen, wenn man einen Totenkopf in einen Brunnen legt (Volkskundliches 33) oder sich in ein Schaffel (Bottich) mit Wasser setzt, in das man 3 Laugensteine gegeben hat (Volkskundliches 26).


Milchzauber
Man muss sich vorstellen: Um 1500 arbeiteten in Mitteleuropa rund drei Viertel der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Heute sind es an die 2 Prozent. Alles hing also von der Landwirtschaft ab und damit vom Wetter.
Vieh und Getreide waren die Lebensgrundlage. War das Vieh bedroht, war das Leben aller am Bauernhof bedroht. Starb das Vieh oder gaben die Kühe keine Milch, dann fand man oft keine andere Erklärung als böse Mächte. Oder die bösen Nachbarn, mit denen man schon seit Generationen im Streit lag oder von denen  man wusste, dass sie ein Zauberbuch besaßen.
Wenn die Kühe keine oder nur blutige Milch gaben, dann steckte vielleicht eine Milch-Hexe dahinter. Wenn der Milchrahm nicht und nicht zur Butter werden wollte, dann schloss man nicht aus, dass das das Werk einer Butterhexe gewesen sein könnte. Was man gegen den Milchzauber tun konnte: z.B. geweihte Palmzweige im Stall anbringen, die Kühe mit Weihwasser besprengen oder eine geweihte Medaille in den Kübel hängen. Aus den Prozessen wegen Zauberei sind auch andere Versuche bekannt, dieses Problem zu bewältigen: Man schlug die Milch im Kübel mit einem glühenden Eisenstab (Volkskundliches Pkt.34), legte einen glühenden Hufnagel hinein oder stach mit einem Messer in die Milch (Volkskundliches Pkt.48).
Mit speziellen Samen, die man mit einer besonderen Formel beschwören muss, kann man die Kühe dazu bringen, dass sie viel fette Milch geben und die Kühe auch leicht zu melken sind. So wird es im Prozess gegen Margaretha Keyditsch (Abschnitt 16) beschrieben.
Wenn die eigenen Kühe wenig Milch gaben, konnte natürlich auch eine böse Nachbarin oder ein Bettler, der mit der milden Gabe unzufrieden war (Volkskundliches Pkt.63), dahinterstecken.
Der Viehhüter Marx Schöpfer hatte von einer Sennerin gelernt, was man dagegen tun konnte. 2 Frösche auf eine Stange hängen und daran melken. Dadurch wird den fremden Kühen die Milch entzogen. Mit dieser Aussage war dann der Bannrichter im Prozess gegen Marx Schöpfer zufrieden.


Wolfsbanner



Das Ende des 19. Jahrhunderts war auch das Ende für die Wölfe in unserer Gegend. Sie waren ausgerottet. Gelegentlich verirrten sich auch später noch vereinzelt Wölfe in die Steiermark. So wurden zum Beispiel noch im Jahr 1949 in der Gegend von Weiz und Murau 2 Wölfe erlegt. Das blieben aber Aufsehen erregende Einzelereignisse. Heute bemüht man sich eher um eine Wiederansiedlung der Wölfe und sieht sie als Zeichen der Erholung der Natur.
Ganz anders war die Situation in den Jahrhunderten davor.
Die Wölfe waren in früheren Zeiten eine ernste Bedrohung für die Menschen, vor allem für jene, die in der Viehzucht ihre Existenzgrundlage hatten.
Im heutigen Slowenien, in der früheren Untersteiermark, waren Wölfe so häufig und gefährlich, dass etwa die Postkutsche von Laibach nach Cilli im Winter durch eigene Reiter, die nachts brennende Fackeln trugen, geschützt worden ist.
Mit den unterschiedlichsten Methoden hat man versucht, dieser schwer zu berechnende Gefahr zu begegnen:
Man veranstaltete große Treibjagden, deren Ziel die Ausrottung der Wölfe war.
Es gab auch durchaus beachtliche Prämien für das Erlegen von Wölfen und es wurden große Wolfsjagden veranstaltet, bei denen die Untertanen im Rahmen ihrer Robot-Pflicht teilnehmen mussten.
Oder man hob riesige 5 Meter tiefe Wolfsgruben aus und rammte einen Pfahl in die Mitte, an dem ein Köder festgemacht war. Die Gruben wurden mit Ästen und Holz bedeckt.
Man legte "Wolfsangeln" aus, deren Köder innen spitze Widerhaken hatten, sodass der Wolf wie an einer Angel gefangen war.
Man errichtete auch eine Art "Selbstschussanlage", sogenannte "Legbüchsen", die so konstruiert waren, dass die Wölfe einen Schuss auslösen und sich selbst töten sollten. Das alles war natürlich nicht nur für die Wölfe sondern auch für die Menschen gefährlich.
Auch mithilfe von Segenssprüchen, die ihre Wurzel in vorchristlichen Zaubersprüchen hatten, wurde versucht, die Wolfsgefahr in den Griff zu bekommen.

Es entwickelte sich in dieser Zeit der Glaube, dass bestimmte Menschen, beeinflusst vom Teufel, besondere Macht über die Wölfe hätten, die sogenannten Wolfsbanner.
Man glaubte, dass diese Wolfsbanner hinter den Angriffen der Wölfe auf die Herdentiere der Bauern stünden und dass diese auch die Macht hätten, ihre Wölfe so zu beeinflussen, dass sie bestimmte Bauern schonten.
Manche bettelarme Landstreicher fanden in diesem Glauben auch die Möglichkeit, von den Bauern Essen zu erbetteln, indem sie ihnen versprachen, ihre Wölfe so zu beeinflussen, dass sie einen großzügigen Bauern verschonten.

Vor diesem Hintergrund ist jener Prozess gegen den Matthias Hacker und seine Ehefrau Eva  zu sehen, der in der Nähe von Obdach, in Admontbichl, stattgefunden hat. Unter Folter gab er an, dass der Teufel ihm im Tausch mit seiner Seele 2 Wölfe mit den Namen Ram und Pez gegeben habe, die ihm zu dienen und zu gehorchen hätten. Mit ihnen habe er Schafe, Kälber und Ochsen totbeißen lassen.

Auch Thomas Heiser, ein 84 Jahre alter Viehhirte aus der Obersteiermark, gestand, dass er als Wolfsbanner Rinder niederreissen habe lassen. Und wenn der Vater ein Wolfsbanner ist, dann muss es wohl auch der Sohn sein. Der hatte das Unglück, von der Mutter losgeschickt zu werden, um den Vater zu suchen und nach Hause zu bringen. Nachzulesen im Protokoll des Prozesses gegen Gregor Heiser.

Die Angst der Bauern vor Unwettern nutzte so mancher am Existenzminimum dahinvegetierende Landstreicher aus und gab vor, das Wetter lenken und steuern zu können. Für eine milde Gabe war dieser dann bereit, den Bauer zu schonen. Sie beteten dann vor dem Baueren den Wolf-Segen (Volkskundliches Pkt.31) oder andere magische Sprüche (Volkskundliches Pkt.32), durch den der Hof dann angeblich vor den Wölfen geschützt war.

Unvorsichtige Angeberei im Wirtshaus, die Wolfsbannerei zu beherrschen, kann auch dazu führen, dass einen der Gerichtsdiener fest nimmt. Ein großes Glück, wenn man dann einem Bannrichter vorgeführt wird, der die Angaben nicht ganz ernst nimmt. Das Urteil lautete daher nur auf 20 Stockschläge und der Gerichtsdiener erhielt einen Verweis. Letzter Satz im Bericht: “Aus diesem Grund ist der Untersuchte ein Jahr und etliche Wochen lang unschuldig im Arrest in Eisen gelegen.” (Volkskundliches Pkt.64)

Krankheiten anzaubern und totzaubern

Bei den Anklagen wegen Anhexen von Krankheiten und Totzaubern finden sich häufig Elemente des Analogiezaubers. Den Angeklagten wird vorgeworfen, mit verschiedenen Materialien ein Bild oder eine Puppe von der Person, die mit Zauberei krank gemacht werden soll, geformt zu haben. Das Bild oder die Puppe  kann aus Haaren oder Kleiderfetzen der betreffenden Person (Volkskundliches Pkt.2) aber auch aus Wachs (Volkskundliches Pkt.13), Lehm (Volkskundliches Pkt.14) und dergleichen gefertigt sein. In das Bild oder die Puppe sei dann mit Nadeln hineingestochen worden oder man habe das Objekt vergraben, oft an einer Stelle, wo die betreffende Person darüberging.

Derartiges wird in den Unterlagen beschrieben, wonach Gera Gregoritsch und Komplizinnen auf teuflische Art und Weise die Frau Gräfin unter die Erde und den Herrn in einen sehr üblen Kranheitszustand gebracht hätten.

Ähnliches findet sich in einem Protokoll, in dem der Verwurf erhoben wurde, es sei ein Mordanschlag gegen einen Schlossherrn verübt worden, bei dem Nadeln in eine Wachspuppe gesteckt und diese dann vor dem Schloss eingegraben worden sei (Volkskundliches Pkt.14).

Im Prozess gegen Margaraetha Keyditsch wird gleich am Beginn des Protokolls beschrieben, wie man jemand mit Zauberei krank machen kann. Wenn es den Verhexten dann allzu schlecht ging, konnte man sie auch wieder heilen, indem man sie mit speziellen Kräuter- Mischung wusch oder badete. Oder man räucherte sie mit einem kleinen Stück von einer Hostie (dem Allerheiligsten in  der Mess-Feier der katholischen Kirche). Das konnte allerdings die Hinrichtung zur Folge haben.

 


Fasst man die Vorgangsweise bei den Hexenprozessen im Hinblick auf die 5 Anklagepunkte zusammen, dann kommt man zu dem Schluss, dass die Richter einem ziemlich einheitlichen, tötlichen Drehbuch gefolgt sind:
Die Angeklagten mussten so lange unter Druck gesetzt werden, bis sie (unter anderem) zugaben, dass sie ein Bündnis mit dem Teufel eingegangen sind,dass sie Gott (die Heilige Dreifaltigkeit, "Unsere liebe Frau" etc.) verleugnet haben, dass sie (aufgesessen auf Besen, Wacholderästen,  Brat-Spießen etc.) durch die Luft geflogen sind ,dann an Hexenversammlungen teilgenommen haben (dort mit Gleichgesinnten gegessen, getrunken, getanzt etc.hätten) und selbst Zauberei betrieben haben, um andere zu schädigen (z.B. Unwetter oder Krankheiten verursacht haben).



Hostiendiebstahl, Hostienschändung, Hostienfrevel

Eine Hostie ist nach der Lehre der römisch katholischen Kirche ein Stück Weizenbrot (eine Oblate), das in der Eucharistiefeier (Hl. Messe) in den Leib Christi verwandelt und an die Gläubigen verteilt wird. Nach der Kommunion übriggebliebene Hostien werden in eigenen Gefäßen in den Kirchen (im Tabernakel) aufbewahrt.
Der unerlaubte und schändliche Umgang mit Hostien besitzt im Rahmen der Hexenprozesse eine eigene Wertigkeit.
Er muss in Verbindung mit den 5 Hauptanklagen in den Hexenprozessen gesehen werden.
Eine Verwendung, die in den Prozessprotokollen beschrieben wird, ist zum Beispiel die Herstellung von Hexensalben für den Hexenflug. Auch beim Wetter Machen wurden sie verwendet. Oft ging es aber um Schutz vor Verletzungen, Heilen von Krankheiten oder auch um Hilfe gegen soziale Anfeindungen.
Der frevelhafte Umgang mit Hostien war aber primär eine Demonstration des Abfalls vom wahren Glauben und damit für den Pakt mit dem Teufel.
Nach der “Constitutio Criminalis Carolina”, der ersten deutschen Strafprozessordnung  von Kaiser Karl V. stand auf den Diebstahl von Monstranzen mit Hostien (in denen die Hostien aufbewahrt wurden) die Todesstrafe und auf den Diebstahl und die missbräuchliche Verwendung der Hostie nach verschiedenen kirchlichen Gesetzen die Exkommunikation, die nur durch den Papst wieder aufgehoben werden konnte.
In manchen Regionen reichte der Hostienfrevel allein für ein Todesurteil aus. Ein Beispiel dafür ist der der Prozess gegen Apollonia.


Hostien galten allgemein als eine Art Wundermittel. Sie übten daher eine magische Anziehung auf gläubige wie zwielichtige Personen aus, die sich mit ihrer Hilfe besondere Fähigkeiten zu erwerben glaubten oder sie gewinnbringend veräußern wollten.
So gab es die Vorstellung, dass man sich mithilfe von Hostien unverwundbar (“fest”, “gefroren”) gegenüber Kugeln und anderen Geschoossen machen kann. Das hatte vor allem in Kreisen der Soldaten, Jäger und und Wilderer eine besondere Bedeutung. Unverwundbar wurde man nach dieser Vorstellung durch das “Einheilen” von Hostien: Die Stücke einer zerkleinerten Hostie wurden in selbst zugefügte Wunden gelegt und “eingeheilt” (Volkskundliches53).
Sie war auch ein beliebtes verbotenes Heilmittel gegen Krankheiten von Menschen und Tieren und schützte angeblich vor Unwetter und Armut.

Wie kam man überhaupt zu den Hostien? Die Angeklagten gestanden oft unter Folter, dass sie die Hostie nach der Kommunion nicht hinuntergeschluckt, sondern wieder aus dem Mund genommen hätten. Äußerhalb der Kirche hätten sie die Hostie auf den Boden geworfen (in Extremfällen hinaufgetreten und hinauf uriniert).

Die Verfolgung wegen Hostienschändung war schlieslich auch ein Mittel, den wahren (katholischen) Glauben gegenüber den Protestanten abzugrenzen und durchzusetzen. Sie war ein Instrument und Symbol der Gegenreformation, der Rakatholisierung des Landes, ähnlich wie die Marienverehrung.

Für die Richter in den Hexenprozessen waren die Hostien auch eine Art Mittel zum Zweck. Man musste einen gefangenen Opferstock-Dieb mit Hilfe der Folter dazu bringen, dass er zugab, auch Hostien gestohlen zu haben, um ihn zum Tode verurteilen zu können. Sehr anschaulich ist das im Prozess gegen Sebastian Kügl beschrieben.

Andere Zaubereien, die in den Prozessen beschrieben werden

Zauberei, um anderen Schaden zuzufügen, bezeichnet man auch als “Schwarze Magie”. Ihr gegenüber gibt es auch den Bereich der “Weißen Magie”. Darunter versteht man jene zauberischen (magischen) Handlungen, die dazu helfen sollen, Schutz vor den bösen Zauberern und Hexen zu bringen, schlechtes Wetter abzuwehren, Krankheiten zu heilen, Diebstahl zu verhindern, sich unverwundbar zu machen,

Abgesehen von den Hostien, galten die Knochen oder andere Überreste von Hingerichteten und Stücke vom Strick von Erhängten als ganz besondere wirksam. Ihre Verwendung kommt in den Protokollen der Hexenprozesse immer wieder vor. Ketten vom Galgen und Leichenteile seien zum Beispiel verwendet worden, um die Pferde kräftiger und schneller zu machen (Volkskundliches 22 und Volkskundliches 57). Riemen aus der Haut Gehängter seien zur Geburtshilfe verwendet worden (Volkskundliches 62).
Stücke vom Galgen-Strick und Holz vom Galgen seien als allgemeines Wundermittel, das bei fast allem helfe, verwendet worden. Sogar beim Verkaufen helfe es, wenn man es neben die Ware lege (Volkskundliches 45).
Ähnliches wird im Prozess  gegen Walburga Moritz-Bärtl berichtet. Eine Kuchenbäckerin vom Lend in Graz habe die Angeklagte aufgesucht, weil sich ihr Kuchen so schlecht verkaufe. Sie habe ihr geraten, ihren Kuchen mit einem Henkerstrick zu  räuchern und für jeden gebackenen Kuchen 72 “Vater unser”, 72 “Ave Maria” und 7 Glaubensbekenntnisse zu beten, dann werde es mit dem Verkaufen schon besser laufen.

Verdächtige Personen wurden bei der Gefangennahme hinsichtlich zauberischer Gegenstände durchsucht. Gelegentlich wurden Zettel mit geheimnisvollen Aufzeichnungen gefunden. Zum Beispiel die in der damaligen Zeit beliebten “Passauer Zettel”, mit fremdartigen Zeichen und unverständlichen Sprüchen, die man entweder schlucken oder bei sich tragen musste, um im Kampf geschützt und unverwundbar zu sein (Volkskundliches 61).
Solche “Essbildl” (Schluckbildchen) mit heiligen Darstellungen fanden in dieser Zeit reissenden Absatz und wurden im großen Stil hergestellt. Bei Bedarf wurden sie geschluckt, in Wasser aufgelöst, getrunken oder eingebacken gegessen.
Für das Vieh gab es eigene “Fressbildchen”.
Reisende trugen gerne den “Kolomanisegen” als Amulett um den Hals, dem nachgesagt wurde, gegen Hexen, Diebe, schlechtes Wetter und sogar Gewehrkugeln zu helfen (Volkskundliches 72).
Gelegendlich fand man den “Jakobisegen”, der ebenfalls für eine Vielzahl von Gefahren eine gewisse innere Sicherheit bot (Volkskundliches 61).
Der Fraisenbrief hatte den Ruf, gegen Krampfanfälle jeglicher Art helfen (Volkskundliches 73).
Der Besitz solcher nicht aprobierter Segenssprüche konnte durchaus dazu führen, wegen des Besitzes abergläubischer Gebete und Gegenstände verhaftet zu werden (Volkskundliches 65).


Zauberei gegen Diebe:
Dabei ging es darum,  Entweder das Gestohlene wieder zurück zu bekommen (durch Kochen bestimmter Kräuter) oder um einen Dieb mithilfe des Diebsegens festhalten (bannen) und dazu zwingen zu können, die Beute wieder zurückzubringen (Volkskundliches 45).
Beispiele finden sich auch  im Protokoll des Prozesses gegen Walburga Moritz Bärtl.


Liebeszauber: Sogar Angaben, die leidenschaftlichen (Liebes-)Gefühle eines Menschen zu lenken, finden sich in den Unterlagen über die von Staat und Kirche verfolgte Zauberei. So etwa, das Bekenntnis, mit dem Herz einer schwarzen Henne die Gefühle der Männer verzaubern zu können (Volkskundliches Pkt.9).

Hilfe bei der Schatzsuche: Mit Hilfe von Wünschelruten oder unter Mithilfe von Schlangen. In den Sagen wird häufig geschildert, dass der Teufel zwar dabei helfe einen Schatz in einer Höhle zu finden, dass sich aber das Gold oder das Geld beim Verlassen der Höhle in wertlose Gegenstände verwandle. So wird es auch im Prozess gegen Marx Heen beschrieben. Der Teufel habe ihn in die “Ganzsteinhöhle” geführt. Aus einem Geldkessel, der von Geißböcken bewacht worden sei, habe ihm der Teufel ein wenig Geld gegeben, das dann plötzlich wieder aus seinen Händen verschwunden sei, nachdem er die Höhle verlassen habe.
Zum Öffnen von Schlössern gab es Zauber-Papierchen, die man essen musste. So erzählt es die kleine Greschl im Prozess gegen Dionys und seine Helferin.



 

goesting

 

Der Prozess gegen Marina Wukinetz
Marina Wukinetz war eine Winzerin in Narvada im heutigen Slowenien. Sie hatte Streit mit ihrer Nachbarin, der Urscha Tschernik. Die hatte ihr vorgeworfen, ihre Kuh hätte ihren Garten verwüstet. Sie hätten sich dann aber wieder versöhnt.

2 Jahre später ist die Urscha Tschernik in Gutenhag gefangen genommen und als Hexe hingerichtet worden. Wie üblich hat man von ihr vor ihrer Hinrichtung unter Folter Namen von „Komplizinnen“ erpresst. Und da hat sie unter anderem den Namen ihrer Nachbarin Marina Wukinetz genannt. Das ihr Todesurteil. Man hat sie verhaftet und „Beweismaterial“ sichergestellt. Häferln mit Salben, die zur Behandlung von Geschwülsten helfen sollen. Und andere, mit denen man Frauen einschmiere, die Kinder kriegen. Eine schwarze abgebrannte Taufkerzen, die beim Sterben helfe. Und dergleichen mehr. Ausreichend jedenfalls für die Anklage wegen Hexerei.

Von einem Prozess kann man eigentlich nicht reden. Es ist das Protokoll einer grausamen und qualvollen Ermordung mit der Anwendung der Folter. Es gehört zum Schlimmsten, was ich bisher gelesen habe.


 

feuer




Michael Hörk, seine Frau und seine Schwester waren ins Gerede gekommen. Die Nachbarn hatten herumgetratscht, dass sie Zauberei betreiben würden. Das wollten sie sich nicht gefallen lassen. Also haben sie die Nachbarn geklagt. Die aber blieben fest bei ihren Behauptungen. Das passte gut in die Absichten des Bannrichters. Auch wenn sich die beiden Frauen lange standhaft weigerten zu gestehen, was ihnen der Richter in den Mund legte. Am Ende erreichte er, was er wollte.
Michael Hörk musste miterleben, wie seine Frau und seine Schwester von jenen, die er um Hilfe ersuchte, in den Tod getrieben wurden. Sie wurden so lange gefoltert und gequält, bis sie zusammenbrachen und alles gestanden, was der Bannrichter wollte. Sie wurden am 23. Jänner 1672 geköpft und verbrannt. Das war 5 Tage, bevor Michael Hörk selbst das Schicksal erlöste.
Nachdem er sich standhaft geweigert hatte, ein Geständnis abzulegen, ließ ihn der Richter auf den Hexenstuhl binden. Nach 4 Stunden auf dem Marterinstrument verlor er das Bewusstsein und starb. Der Richter erklärte, dass dies auf das Wirken des Teufels zurückzuführen war.
In Erinnerung an diese grausame Zeit in Luttenberg (Ljutomer in Slowenien) das Original-Protokoll des Prozesses gegen Marina Hörk.


Im vorigen Monat habe ich ein Verhör-Protokoll ins Netz gestellt, in dem man einen Einblick in die Verhörpraktiken in einer der grausamsten Hexenverfolgungen der Steiermark des 17. Jahrhunderts bekommen konnte.
Den Beginn dieser Verfolgungswelle bildete der Glaube an Recht und Gerechtigkeit. Michael Hörk, seine Frau Marina und deren Schwester Gera Scherb aus Luttenberg (Ljutomer, Slowenien) klagten ihre Nachbarn wegen Verleumdung, weil diese ihnen vorwarfen, Hexerei zu betreiben. Die Nachbarn wurden vom Richter Wendtseisen verhört und blieben bei ihren Vorwürfen. Darauf wendete sich die Verleumdungsklage gegen die Kläger selbst, denn sie wurden so lange gefoltert, bis sie ein entsprechendes Geständnis ablegten. Hier das Protokoll des Prozesses gegen Gera Scherb.


Im Jahr 1671 begann im Gebiet um Luttenberg, einem bekannten Weinbaugebiet in der früheren Untersteiermark (heute Ljutomer in Slowenien), eine der grausamsten Verfolgungen vorwiegend von Frauen, die als Hexen ermordet und verbrannt worden sind.
Die Jagd der Bannrichter Johannes Wendtseisen und Lorenz Lämpertitsch, die sich gegenseitig ein Wettrennen an Unmenschlichkeit und Bestialität lieferten, dauerte mehrere Jahre und kostete mindestens 36 Menschen das Leben. In diesem Wettkampf der Unmenschlichkeit setzte sich schließlich Wendtseisen durch und erreichte eine Art Monopolstellung. Kaiser Leopold erteilte 1684 Wendtseisen den Auftrag, alle zauberischen Personen in den Bezirken Radkersburg, Luttenberg und umliegenden Landgerichten zu verhaften, zu konfrontieren und den Prozess zu machen. Alle Landgerichte wurden angewiesen, ihn bei der Erfüllung dieser Aufgabe zu unterstützen.
Im Gedenken und in Erinnerung an das unbeschreiblich grausame Schicksal dieser Opfer sei das folgende Dokument vorgestellt: Verhöre von Personen, die im April 1672 im Schloss Luttenberg wegen Zauberei inhaftiert waren.


HinrichtungIm Standard vom 12.4.2013 war folgende Meldung zu lesen:
"Port Moresby - Nach einem weiteren Mord an einer vermeintlichen Hexe haben die Vereinten Nationen Papua-Neuguineas Regierung zum Einschreiten aufgerufen. Die Selbstjustiz müsse gestoppt und der Schutz der Menschen, denen Hexerei vorgeworfen werde, dringend verbessert werden, hieß es in einer UN-Erklärung am Freitag. Zuvor waren zwei sogenannte Wunderheilerinnen (Sangumas) in der Region Südbougainville gekidnappt und tagelang gequält worden, eine der älteren Frauen wurde schließlich enthauptet.
Über Ostern waren laut Medienberichten sechs vermeintliche Hexen mit glühenden Eisen als rituelle Opfer gequält worden, im März war eine Frau bei lebendigem Leibe verbrannt worden."
Hexenverfolgung gibt es also auch heute noch.
Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, bei Schicksalsschlägen und Unglücksfällen jemand zu suchen, den man dafür verantwortlich machen kann. (Das kann auch jene treffen, die im allgemeinen für das Heilen zuständig sind.)
Insbesonders bei Krankheit und Tod hadert der Mensch mit dem Schicksal und sucht bisweilen mangels anderer Erklärungen nach einem Sündenbock.
Ein Beispiel dafür ist der Prozess gegen Gera Gregoritsch und Komplizinnen, in dem es um das Krank- und Tod-Zaubern geht.


Ursula Neubauer aus Neudau in der Steiermark hatte Streit mit ihren Nachbarn. Sie war eine Töpferin und die Nachbarin hatte ihr Geschirr gestohlen. Im darauf folgenden Streit hatte ihr die Nachbarin dann auch noch vorgeworfen, dass sie Hexerei und Zauberei betreibe. Und sie hat es dann auch noch bei der Herrschaft angezeigt. Ein ganzes Jahr ist die Ursula Neubauer daraufhin in Burgau im Gefängnis gesessen. Und obwohl sie standhaft geblieben ist und man ihr nichts nachweisen konnte, ist sie schlussendlich des Landes verwiesen worden. Weg von ihren Kindern und ihrem Mann. Nur der Kaiser könnte die Verbannung aufheben. Also hat sie ihm einen Brief geschrieben: Bittschrift der Ursula Neubauer an den Kaiser um Gewährung der Rückkehr.


Es war kein gutes Jahrhundert, das 17. Jahrhunderte in Europa. Der 30-jährige Krieg, der Kampf zwischen Katholiken und Protestanten, tobte auf dem Kontinent, die Türken drängten nach Mitteleuropa und fielen immer wieder an den Grenzen unseres Landes ein, die Bevölkerung veramte und dazu nach das fürchterliche Wetter. Die sogenannte “kleine Eiszeit” hatte das Wetter dramatisch verschlechtert, die kalte Jahrezeit wurde immer länger. Hagel und Unwetter zerstörten die kargen Ernten und ließen die Bevölkerung hungern. Die Menschen, überwiegend in der Landwirtschaft tätig, waren fortwährend existentiell bedroht. Und es gehört zur Natur des Menschen, dass er bei Unglück nach Ursachen sucht. Wenn man die die Ursache kennt, dann kann man eher etwas dagegen unternehmen oder sich zumindest besser darauf einstellen. Aber was war die Ursache für dieses fürchterliche Wetter? Im 17. Jahrhundert konnte man es sich nur durch höhere Mächte erklären. Es mussten wohl böse Mächte oder vielleicht böse Menschen dahinterstecken, die das Wetter beeinflussen konnten. Und “die da oben” hatten wohl auch einen Anteil an diesem miesen Leben. So dachte es sich auch der Bauer Michael Lipp in Fehring in der Steiermark am Jakobitag, als er nach dem Kirchgang im Gasthaus saß und ein wenig darauf los schimpfte. Er hatte nur nicht bedacht, dass jemand mithörte und es weitertrug. Die schriftlichen Aufzeichnungen, die uns erhalten geblieben sind, sind ein gutes Beispiel, wie sich aus ein paar unbedachten Äußerungen ein Hexenprozess entwickelt: Das Verfahren gegen Michael Lipp.

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Aus dem Compendium Maleficarum von Guazzo

Wenn man sich zum ersten Mal mit Prozessen gegen Hexen und Zauberer zu beschäftigen beginnt, erwartet man wahrscheinlich die Auseinandersetzung mit geheimen magischen Praktiken, Sprüchen und Ritualen, mit der Herstellung von Salben und Mixturen und ähnliches.
Sehr bald wird man aber - vielleicht ein wenig enttäuscht - feststellen, dass Prozesse mit solchen Inhalten recht selten sind. Ein großer Teil der Prozess-Protokolle entspricht einem ziemlich einheitlichen Schema.
Je größer die Zahl der Opfer, desto ähnlicher und banaler werden die Protokolle der Hexenprozesse. Sie wirken wie voneinander abgeschrieben oder wie nach einem einheitlichen Muster geschrieben.
Ein gutes Beispiel dafür liefern die Aufzeichnungen im Zusammenhang mit der Ermordung von 38 Personen südlich von Bad Gleichenberg im Jahr 1689. Die Prozess-Protokolle sind im Anhang des Buches “Die Gallerin auf der Riegersburg” von Joseph von Hammer-Purgstall aus dem Jahr 1849 gesammelt. Nach dem Protokoll des letzten Monats möchte ich noch ein Protokoll daraus vorstellen, das den Beginn dieser fürchterlichen Mord-Serie mit 38 unschuldigen Opfer gebildet hat: das Protoll des Prozesses gegen Susanne Pindter.


Im letzten Monat haben wir uns die Frage gestellt, welche Personen ein besonderes Risiko hatten, als Zauberer oder Hexe vor dem Richter zu landen. Es waren vor allem die ärmeren Schichten der Bevölkerung, die es traf. Auffallend oft waren es Verwandte und in manchen Gegenden traf es besonders die Frauen.
Überraschenderweise findet man in den Prozessakten eher die ländliche Bevölkerung vertreten und relativ selten die städtische. In Graz gab es nur einen einzigen bedeutsamen Prozess in Sachen Zauberei.
Frauen, die besondere Kenntnisse bei der Heilung von Krankheiten, die um die heilende Wirkung von bestimmten Pflanzen Bescheid wussten, die anderen Frauen bei der Geburt halfen etc., waren eher gefährdet, als Hexe auf dem Scheiterhaufen zu landen. Die Zahl von Prozessen, in denen dies erwähnt wird, ist aber vergleichsweise gering.

Entscheidend konnte auch sein, in welcher Gegend, in welchem Landgerichts-Sprengel man wohnte. Die Steiermark war in rund 130 Landgerichte eingeteilt und  es hing sehr vom Landrichter ab, in welche Richtung sich ein Gerücht oder eine “Anzeige” entwickelt. War der Bannrichter einmal angefordert, nahm das Schicksal seinen Lauf. Meist einen tödlichen.

Das größte Risiko, im 17. Jahrhundert in der Steiermark als Hexe oder Zauberer sein Ende zu finden, hatte man dann, wenn man am Land lebte und in der selben Gegend jemand wegen Zauberei angeklagt wurde.  Denn - wie gesagt - wenn etwas teuflisch war in den Hexenprozessen, dann die Verknüpfung von Folter und dem Ziel, im Verhör die Namen von Mittätern und Komplizinnen herauszubekommen.
Wer fällt einem da unter Schmerzen und Todesangst ein? Die Nachbarn und die Bekannten aus derselben Gegend.
So war das auch damals im Jahr 1689 im Süden von Bad Gleichenberg in der Steiermark, als in wenigen Monaten 38 Menschen ihr Leben lassen mussten. Eine von ihnen war Veronika Rauch:
Der Prozess gegen Veronika Rauch


Wer waren die Menschen, die als Hexen und Zauberer verfolgt, eingekerkert, gefoltert und hingerichtet worden sind. Gab es Personen, die  gewissermaßen ein erhöhtes Risiko hatten, wegen Zauberei verurteilt zu werden und am Scheiterhaufen zu enden. Für das Gebiet von Österreich lassen sich einige Gruppen recht gut identifizieren.
- Da waren es zum einen die Bettler und Landstreicher. Jedenfalls waren es die ärmeren Schichten der Bevölkerung, die von den Mühlen der Hexenverfolgung erfasst wurden.
- In der Untersteiermark (im heutigen Slowenien) und in anderen Teilen Europas waren es in der Mehrheit Frauen, die Opfer wurden.
- Wie ein Schneeball zur Lawine wird, so wurden halbe Ortschaften ausgerottet. Die Verbindung aus Folter und dem "Auftrag", Komplizinnen und Mittäter ausfindig zu machen, war eine tödliche Mischung. Der Bannrichter war Herr über Leben und Tod und konnte steuern, wie es ihm beliebte.
- Oft genügte es, mit einem Angeklagten oder Verurteilten verwandt zu sein: Ehegattin, Ehegatte, Tochter, Sohn, Vater, Mutter. Man findet sie häufig in den Todeslisten.
Ein Beispiel führt uns zurück an den Beginn dieses Projektes. Da  wurde vom schrecklichen Ende jenes unglaublich willensstarken Bauern Stefan Zechner aus Semriach in der Steiermark berichtet.
Durch Zufall fand ich jetzt Unterlagen vom Leidensweg seines Sohnes Andreas Zechner. Er hatte nicht nur die Kosten für den Prozess und die Hinrichtung seines Vaters  zu tragen. Er kam auch selbst unter die Räder. Lesen sie hier das Protokoll zu Andreas Zechner.

 

fuessen

Der Prozess gegen Marina Schepp beschreibt wieder einmal sehr anschaulich, mit welcher unerhörten Grausamkeit gegen die Gefangenen vorgegangen worden ist. Obwohl Marina Schepp alles zurückgenommen hatte, was sie zunächst unter Folter gestanden hatte, ließ man nicht von ihr ab und foltert sie weiter. So oft und so lange, bis sie endlich das sagte, was der Richter ihr in den Mund gelegt hatte. Bei der 5. Folterung, nach mehr als 6 Stunden Sitzen auf dem Hexenstuhl, gestand sie, dass sie mit dem Teufel ein Verhältnis gehabt habe.

Bei diesem Prozess ist auch die Abrechnung der Prozesskosten beigefügt, die der Bannrichter erstellt. Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen. So wird für die Hinrichtung von Marina Schepp wesentlich weniger verlangt als für das Abschneiden ihrer Haare.



Diesmal stelle ich eine Fragenliste für Hexenprozesse vor, ein sogenanntes Interrogatorium.
Das stärkste und brutalste Instrument, beim Gerichtsverfahren rasch ein Ergebnis im Sinne der Anklage und eine Verurteilung zu erreichen, war natürlich die Folter. Es gab aber auch noch weitere feine Mittel und Wege, bei den Prozessen die Ergebnisse im Sinne des Richters zu dirigieren. Eines dieser Hilfsmittel waren die Fragekataloge, die der Richter beim Verhör als Vorlage verwendete.
Es wundert da nicht mehr, dass die Protokolle der Hexenprozesse oft so kurz und so ähnlich sind.
Das Ergebnis stand fest, noch bevor die oder der Angeklagte auf die Folterbank kam. Das wird bei dieses Fragenkatalogen ganz deutlich. Es ist eine Sammlung von Vorverurteilungen.


Eine Frau, die schwanger ist, darf nicht als Hexe hingerichtet werden. Daran muss sich auch ein Bannrichter bei einem Hexenprozess halten. Im Fall der Helena Glanitschnigg hat der geschäftstüchtige und gnadenlose Bannrichter alles getan, um zu beweisen, dass sie nicht schwanger ist.
Lesen Sie selbst das Original-Protokoll des Prozesses gegen Helena Glanitschnigg.


In diesem Monat komme ich wieder zum eigentlichen Ziel dieses Projektes zurück: Zur Wiedergabe des Original-Protokolls eines Prozesses wegen Zauberei und Hexerei.
Ein Mann aus der Obersteiermark, aus dem Mürztal,  wird gefangen genommen und vor Gericht gestellt.
Durch Androhung und Anwendung der Folter erreicht der aus der Hauptstadt angereiste Bann-Richter, dass der Angeklagte alles gesteht, was der Richter hören will. Er hat Bauern um den Semmering herum bestohlen, reisende Händler ausgeraubt und einen davon gar erschlagen. Das Schlimmste aber war, dass er Gott verleugnet und seine Seele dem Teufel vermacht hat. Das hat er ihm sogar mit seinem Blut und drei Strichen unterschrieben. Und er ist mit einer Ofenschüssel, (einem langstieligen Holz-Gerät, das fürs Brotbacken verwendet wird) durch die Luft geflogen und hat Wetter gemacht.
Es ist erschütternd, in welchen Wahnsinn die sogenannten Bann-Richter die Angeklagten mit Folter und Psychoterror getrieben haben. Lesen sie selbst, das Original-Protokoll des Prozesses gegen Marx Heen



Das Protokoll des Prozesses gegen Margareth Jantscher gehört zur Prozessserie, die im Landgericht Rein von 1686 bis 1688 abgehandelt wurde. Betroffen waren vor allem Bewohner des Ortes Stübing, nördlich von Graz. Die Hinrichtungen der Verurteilten, von denen rund 30 Personen namentlich bekannt sind, fand beim "Breiten Kreuz" in Gratwein statt.



Die Wolfsbanner in den Hexenprozessen:

Das Ende des 19. Jahrhunderts war auch das Ende für die Wölfe in unserer Gegend. Sie waren ausgerottet. Gelegentlich verirrten sich auch später noch vereinzelt Wölfe in die Steiermark. So wurden zum Beispiel noch im Jahr 1949 in der Gegend von Weiz und Murau 2 Wölfe erlegt. Das blieben aber Aufsehen erregende Einzelereignisse. Heute bemüht man sich eher um eine Wiederansiedlung der Wölfe und sieht sie als Zeichen der Erholung der Natur.
Ganz anders war die Situation in den Jahrhunderten davor.
Die Wölfe waren in früheren Zeiten eine ernste Bedrohung für die Menschen, vor allem für jene, die in der Viehzucht ihre Existenzgrundlage hatten.
Im heutigen Slowenien, in der früheren Untersteiermark, waren Wölfe so häufig und gefährlich, dass etwa die Postkutsche von Laibach nach Cilli im Winter durch eigene Reiter die nachts brennende Fackeln trugen, geschützt worden ist.

Mit den unterschiedlichsten Methoden hat man versucht, dieser schwer zu berechnende Gefahr zu begegnen:
Man veranstaltete große Treibjagden, deren Ziel die Ausrottung der Wölfe war.
Es gab auch durchaus beachtliche Prämien für das Erlegen von Wölfen und es wurden große Wolfsjagden veranstaltet, bei denen die Untertanen im Rahmen ihrer Robot-Pflicht teilnehmen mussten.
Oder man hob riesige 5 Meter tiefe Wolfsgruben aus und rammte einen Pfahl in die Mitte, an dem ein Köder festgemacht war. Die Gruben wurden mit Ästen und Holz bedeckt.
Man legte "Wolfsangeln" aus, deren Köder innen spitze Widerhaken hatten, sodass der Wolf wie an einer Angel gefangen war.
Man errichtete auch eine Art "Selbstschussanlage", sogenannte "Legbüchsen", die so konstruiert waren, dass die Wölfe einen Schuss auslösen und sich selbst töten sollten. Das alles war natürlich nicht nur für die Wölfe sondern auch für die Menschen gefährlich.

Auch mithilfe von Segenssprüchen, die ihre Wurzel in vorchristlichen Zaubersprüchen hatten, wurde versucht, die Wolfsgefahr zu bannen.
Es entwickelte sich in dieser Zeit der Glaube, dass bestimmte Menschen, beeinflusst vom Teufel, besondere Macht über die Wölfe hätten, die sogenannten Wolfsbanner.
Man glaubte, dass diese Wolfsbanner hinter den Angriffen der Wölfe auf die Herdentiere der Bauern stünden und dass diese auch die Macht hätten, ihre Wölfe so zu beeinflussen, dass sie bestimmte Bauern schonten.
Manche bettelarme Landstreicher fanden in diesem Glauben die Möglichkeit, von den Bauern Essen zu erbetteln, indem sie ihnen versprachen, ihre Wölfe so zu beeinflussen, dass sie einen großzügigen Bauern verschonten.

Vor diesem Hintergrund ist jener Prozess gegen den Matthias Hacker und seine Ehefrau Eva zu sehen, der in der Nähe von Obdach, in Admontbichl, stattgefunden hat.


 

Wie schon angekündigt, wird heute, am 10. Dezember, zur 350. Wiederkehr des Tages der Hinrichtung von Gera Kopschitsch das Prozess-Protokoll ins Netz gestellt.



Wenn man einen Prozess wie jenen gegen Elenka Schauberg liest, kommt man kaum um die Frage, die eher wie eine Klage klingt, herum: Wie ist es möglich, dass ein Mensch einem anderen Menschen solche Dinge antut? Elenka wird so lange gefoltert, bis sie psychisch gebrochen ist, dass sie im Wissen um ihren Tod nicht mehr anders kann, als das zu sagen, was ein sogenannter Richter, der seine Macht und Grausamkeit auslebt, hören will, um sie dann für diese Aussagen töten zu lassen.
In diesem Monat ist es, wie auch beim nächsten Prozess im Dezember, 350 Jahre her, dass diese Hinrichtungen stattgefunden haben. Und wenn es uns beim Lesen dieser Aufzeichnungen fast den Atem raubt, dann sei es in Erinnerung an die ungeheuerlichen seelischen Gräuel, die diese unschuldigen Menschen erlebt haben müssen.
Der Prozess gegen Elenka Schauberg.



Der Prozess gegen Christina Posch gehört (wie jene vom Monat August) zu jener Serie von mörderischen Maßnahmen gegen die "Zauberei", die in Rein bzw. Gratwein allein in den Jahren 1686 bis 1688 mehr als 30 Hinrichtungen zur Folge hatte.
Es fällt auf, dass bei "Hinrichtungswellen" die Prozesse und ihre Protokolle immer einheitlicher und ähnlicher werden. Es wirkt wie am Fließband. Eine Routine des Mordens.
Eines ist sicher: Die Aussagen, die wir in den Protokollen lesen, sind überwiegend davon bestimmt, was der Bannrichter hören, erpressen und erfoltern wollte. Die Protokolle spiegeln die Geistes- und Wahnwelt der Richter wieder.

Wer waren diese Bannrichter eigentlich?
Das war eine Art Richter auf Abruf, ein mobiler Richter. Wenn ein Landgericht (zum Beispiel das Landgericht Kapfenberg oder Rein) keinen eigenen Richter hatte oder bei einem bestimmten Prozess wegen der Art oder der Schwere der Delikte oder aus anderen Gründen einen externen Richter wollte oder benötigte, dann konnte das Landgericht bei der Zentralstelle (Landverweser) in Graz einen Bannrichter anfordern. Für die Steiermark (einschließlich Untersteiermark – heutiges Slowenien) gab es drei solche Bannrichter. Der Bannrichter kam dann nicht allein. Er wurde vom Gerichtsschreiber und vom Scharfrichter begleitet.

Feuer

Und für alle Tätigkeiten und Aufwendungen gab es fixe Taxen, die der Bannrichter in Rechnung stellen konnte. Die Prozesse waren wirtschaftlich nicht unlukrativ. Man konnte als Bannrichter den Verlauf und die Abrechnung für sich schönen, biegen, verzögern, unterbrechen und dergleichen mehr. Je nach Bedarf. Im Fall der Verurteilung mussten die Angehörigen diese Kosten tragen. (Beispielhaft nachzulesen im Prozess gegen Stefan Zechner).
Und noch etwas: Die Bannrichter waren in der Regel keine ausgebildeten Juristen, das waren Laien wie die Beisitzer, die ihnen zur Seite gestellt waren.



Und noch einmal der Schöckl, der Hausberg der Grazer. Wie schon in den Prozessen des vergangenen Monats steht auch diesmal die Gegend nördlich von Graz im Zentrum. Und im Prozess dieses Monats wird jener greise und standhafte Bauer Stefan Zechner (Steffl am Hoff) aus Semriach, dessen Hinrichtung den Start dieses Projektes bildete, zum ersten Mal als Zauberer denunziert und vor Gericht gezerrt.
Aber zurück zum Anfang:
Am 10. Oktober 1657 sind in Spital am Semmering (Steiermark) zwei Landstreicher festgenommen und nach Kapfenberg überstellt worden: Marx Rueprecht und Sebastian Kügl. Die beiden waren ertappt worden, wie sie aus einem Opferstock in einer Kirche Geld herausfischen wollten. Das war bei Gott nicht das erste Mal. Diese Kirchen-Diebstähle hatten in der elenden Zeit nach dem 30-jährigen Krieg derartig zugenommen, dass man den Eindruck bekam, als ob das organisiert wäre, dass dahinter so etwas wie eine Bande stünde. Dagegen musste etwas unternommen werden. Den Vorwurf der Zauberei und des Bundes mit dem Teufel lies sich leicht mit dem Diebstahl an heiligem Ort verknüpfen.
Dann war da noch etwas: Am 2. August 1657 hat es in Graz ein fürchterliches Unwetter gegeben. Die Hagelkörner waren keine Körner, die waren groß wie Steine, wie Gänseeier, ja wie Totenköpfe, wie manche damals behaupteten. Das Unwetter hat jedenfalls in der ganzen Stadt die Dächer und Fenster zertrümmert und schwersten Schaden verursacht.
Viele Grazer waren überzeugt, dass hinter diesem Unwetter nur Zauberer stehen konnten. Und nur die Ausrottung der Zauberer könne dies in Zukunft verhindern.
Die Karten standen sehr schlecht für die beiden Diebe:
Der Prozess gegen Marx Rueprecht.

Der Prozess gegen den Weggefährten Sebastian Kügl kann hier nachgelesen werden.


Der Schöckl, der Berg der Hexen und der Zauberer.
Am Fuße des Schöckl aufgewachsen war für mich die “Schöckl-Hex” ein vertrauter Begriff. Welche Dramen mit diesem Begriff verknüpft sind, wurde mir erst bewusst, als ich mich mit den Hexenprozessen auseinderzusetzte. Der Schöckl war einer jener Berge (neben Wildoner Kogel, Ram-Kogel und Plesch-Kogel), auf denen sich im Umfeld von Graz die Hexen und Zauberer zu ihren Gelagen trafen. Besser gesagt, die Richter in den Hexenprozessen haben durch Folterungen, Drohung und Einschüchterungen erreicht, dass die Gemarterten so etwas in Todesangst “gestanden”. Dabei sind die Bannrichter einem ziemlich einheitlichen, tödlichen Drehbuch gefolgt:

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Die Angeklagten mussten so lange unter Druck gesetzt werden, bis sie (unter anderem) zugaben,
dass sie ein Bündnis mit dem Teufel eingegangen sind,
dass sie Gott (die Heilige Dreifaltigkeit, "Unsere liebe Frau" etc.) verleugnet haben, dass sie durch die Luft geflogen sind (aufgesessen auf Besen, Wacholderästen,  Brat-Spießen etc.),
dass sie zu einer Hexen- und Zauberergemeinschaft gehörten,
dass sie an Zusammenkünften von gleichgesinnten Zauberern und Hexen teilgenommen haben.
Im folgenden finden sie eine Zusammenstellung von Ausschnitten aus Prozessen, in denen der Schöckl als Treffpunkt genannt wurde.
Die Mehrzahl der Prozess-Ausschnitte stammt aus der Zeit von 1686 bis 1688. In diesen 3 Jahren wurden allein beim Landgericht Rein bei Gratwein 29 Menschen zum Tod verurteilt und hingerichtet:
Protokolle von Prozessen mit dem Schöckl als Treffpunkt der Hexen und Zauberer.



Die Relikte von Menschen, deren Leben am Galgen geendet hat, hatten im 17. Jahrhundert den Ruf, geheimnisvolle und wundersame Dinge zu bewirken. Man nahm zum Beispiel ein Stück von einem Galgenstrick und räucherte damit Waren, um sie besser verkaufen zu können. 
Prozess gegen Walpurga Moritz-Bärtl findet man einige Beispiele für das magische Denken dieser Zeit.

Frauenbrunnen
Frauenbrunnen von Geistthal - Zur Erinnerung an Martha Mosegger - Detail


Es gehört zur Natur des Menschen unerklärliches Unglück erklärbar zu machen, eine Ursache für das Unglück zu finden, eine Ursache, die man vielleicht beseitigen kann. Das galt am Anfang des 17. Jahrhunderts auch für Unwetter und Missernten, die man sich nicht anders erklären konnte, als durch böse Menschen und Mächte verursacht. Die Opfer waren oft Bettler und einfache Viehhirten. Einer war der Hans aus der Metnitz in Kärnten der unter Folterdrohung angab, jenen Bauern, bei denen er betteln war und kein anständiges Brot gegeben haben, aus Verärgerung ein schlechtes Wetter gemacht zu haben. Der andere, der Marx Schöpfer, war ebenfalls ein „Wettermacher“. Er hatte sich mit dem Teufel verbündet, der ihn dafür bezahlte, dass er schlechtes Wetter macht. So etwas sagt man, wen man gefoltert wird und Todesangst ausstehen muss: Der Prozess gegen Hans aus der Metnitz und der Prozess gegen Marx Schöpfer


Der Prozess gegen Margaraetha Keyditsch
Margaretha Keyditsch hatte oft Streit mit ihren Nachbarn und Bekannten. Es kam auch vor, dass sie von Männern verprügelt wurde. Es ist nicht verwunderlich, dass sie denen dann eine Krankheit nachwünschte. Eine Freundin von ihr wusste sogar, wie man jemand mit Zauberei eine Krankheit machen kann. Und wenn es denen zu schlecht ging, dann konnte man sie auch wieder heilen. Indem man sie mit speziellen Kräuter- Mischung wusch oder badete. Oder man räucherte sie mit einem kleinen Stück von einer Hostie (dem Allerheiligsten in  der Mess-Feier der katholischen Kirche). Darauf stand allerdings die Todesstrafe. 


Der Prozess gegen Ursula Kollar
Im August 1661 hat sie dem Druck noch standgehalten. Aber der gnadenlose Richter hat sie weiter im Kerker schmachten lassen und im Dezember hat sie schließlich doch gesagt, was der Bann-Richter hören wollte. Ja, bei diesen Treffen in der Nähe von Marburg, bei denen sie getrunken und getanzt haben, da sei auch der Teufel dabei gewesen. Ja, sie hätten mit ihm gemeinsame Sache gemacht und getan, was er verlangt habe. Ja, schlechtes Wetter hätten sie auch gemacht und sie seien wie die Störche durch die Luft geflogen.


Der Prozess gegen Dionys und seine 2 Helferinnen.
Die eine der "Helferinnen" war zwischen 10 und 12 Jahren alt. Sie wurde geschnappt und in St. Lambrecht vor Gericht gestellt. Ihre Mutter war nämlich die Weggefährtin des Dionys. Und dieser war ein paar Tage vorher, nachdem er beim dritten Verhör unter schwerer Folter "gestanden" hatte, zum Tode verurteilt worden.


 

Martha Mosegger aus Geistthal war 104 Jahre alt. Ein biblisches Alter. Es hat sie nicht geschützt. Die Verbrechen, die ihr zur Last gelegt worden sind, haben zu schwer gewogen. Sie hat von der Frau von Waldstein einen Kristall geschenkt bekommen. Der hat ihr geholfen, die richtigen Kräuter und Wurzeln zusammenzustellen, wenn die Leute mit Krankheiten zu ihr gekommen sind.


 Der Prozess gegen den "grindigen Hans Glaser", in dem Stefan Zechner als Zauberer angezeigt wird, gibt uns erste Erklärungen.


Aber die ersten Verdächtigungen hinsichtlich Zauberei bei den Bauern rund um den Schöckl bei Graz tauchten schon etliche Jahre vorher auf: 1653 in St. Lambrecht, als man einen Lorenz Steger und einen Thomas Heiser wegen Wetter-Macherei gefangen genommen hatte. Den Sohn vom Heiser namens Gregor der von seiner Mutter nachgeschickt worden, um zu sehen, was mit dem Vater los sei, hat man gleich mit verhaftet.


Zum Ende dieser Internet-Seite mit vielen Beispielen entsetzlicher Verirrungen des menschlichen Zusammenlebens folgt ein kleines Buch mit dem sperrigen Titel:
"Volkskundliches aus den Strafprozessen der österreichischen Alpenländer (unter besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse)" von Fritz Byloff aus dem Jahr 1929.

Fritz Byloff ist der wohl bedeutendste Forscher zu Fragen der Zauberei und derHexenverfolgung in Österreich. Er starb im Jahr 1940 und hinterließ einige sehrbedeutende Werke. So zum Beispiel "Das Verbrechen der Zauberei" (erschienen 1902)und "Hexenglaube und Hexenverfolgung" (erschienen 1934; wieder neu aufgelegt 2011 in Hamburg, Severus Verlag).


Ein kleines Nebenprodukt seiner Arbeit war das erwähnte Buch "Volkskundliches aus den Strafprozessen der österreichischen Alpenländer". Leider ist dieses Buch im Original schwer lesbar, weil der Großteil der Ausschnitte aus den Prozess-Protokollen in früh-neuhochdeutscher Sprache belassen ist. Ich habe daher diese Texte in unsere heutige Sprache zu übertragen und mit Bildern ergänzt.

Zum Inhalt:
Im ersten Teil geht es in erster Linie um Ausschnitte aus dem viel beachteten Innsbrucker Hexenprozess von 1485. An diesem Prozess hat auch ein gewisser Heinrich Kramer (bekannt auch als Heinrich Institoris) teilgenommen. Er war vom Verlauf des Prozesses so frustriert, dass er eine Kampfschrift zur richtigen Verfolgung von Hexenverfasste: den bekannten und einflussreichen „Hexenhammer“.
Die weiteren Zitate aus Zauberei-Prozessen sind zeitlich geordnet und nicht themenmäßig:
Es geht natürlich ums Wetter Machen, Wetter Lenken und ums Wetter Aufhalten und Vertreiben. Es geht um Krankzaubern und Totzaubern aber auch ums Heil- und Gesundzaubern, um Zauber zum Schlösser Aufsperren, ums Unverwundbar-Machen, Zauber gegen Trunkenheit, Ausräuchern als Zaubermittel, Wolfbannen, Schlafzauber, Leichenteile Hingerichteter als Zaubermittel, zauberische Heiratsverhinderung, diverse Zaubersprüche, Liebeszauber und dergleichen mehr.

Klicken Sie einfach im Inhaltsverzeichnis den Abschnitt an, der Sie interessiert:
Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer unter besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse".


Ein wenig Lokalpatriotisches zum Schluss

 
 
Graz 1649 - Kupferstich von Matthäus Merian

Der große Astronom und Mathematiker Johannes Kepler lebte und arbeitete von 1594 bis 1600 in Graz. Er stammte aus Schwaben und wollte ursprünglich evangelischer Pastor werden, entschied sich aber letztendlich in Graz für die Wissenschaft und entwickelte hier wesentliche Grundlagen seiner späteren Berühmtheit als Erforscher der Welt der Planeten.
Leider hat die Rekatholisierung des Landes (Gegenreformation) Kepler gezwungen, die Steiermark zu verlassen und nach Prag zu ziehen.
Keplers Mutter wurde in Württemberg als Hexe angeklagt und musste einen Jahre dauernden Prozess ertragen. Erst nach massiver Intervention von Seiten ihres Sohnes wurde sie schließlich freigesprochen. Die Tante der Mutter Keplers hatte nicht dieses Glück. Sie wurde als Hexe verbrannt.  

Eine nicht unbedeutende Rolle spielte der aus Belgien stammende Jesuit und in Graz von 1601 bis 1603 lehrende Martin Anton Delrio mit seinem Werk “Magische Abhandlungen”. Er war ein Universalgelehrter und einflussreicher Hexentheoretiker. Diese Publikation trug zum Anwachsen der Hexenprozesse am Beginn des 17. Jahrhunderts bei. Mit pseudologischischen Ableitungen kam er zu dem Schluss, dass Zweifel an der Existenz der Hexen mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar seien und den Verdacht der Hexerei nahelegen würden.

Nikolaus Beckmann, ein anderer sehr einflussreicher Jurist seiner Zeit, wirkte ebenfalls in Graz. Er stammte aus Norddeutschland und kam 1680 nach Graz. Er leitete eine Pestkommission, nachdem Graz im Jahr 1680 von der Pest heimgesucht wurde und war mit mehreren Hexenprozessen befasst. Dabei zweifelte er in keiner Weise an der Existenz der Hexen und des Teufels, der in einem seiner von ihm geführten Prozesse als Eichhörnchen erschien.
Beckmann starb als wohlhabender Mann 1687 in Graz.  

In Graz wirkte im 17. Jahrhundert auch der weithin bekannte und wortgewaltige Prediger Abraham a Santa Clara. Auch er hat mit seinen Predigten dazu beigetragen, dass die Hexenverfolgung angefeuert wurde. In einem seiner Predigt-Bücher berichtet er von Angeklagten, die mithilfe von Hostien, die sie in einen Schweinetrog geworfen hätten, Unwetter in der Umgebung von Graz erzeugt hätten.


Verwendete Literatur:

Isabella Ackerl: Als die Scheiterhaufen brannten. Hexenverfolgung in Österreich. Amalthea Signum Verlag, Wien 2011

Wolfgang Behringer: Hexen (Glaube - Verfolgung - Vermarktung). Verlag C.H.Beck, München 2015

Walter Brunner: Steirische Sagen von Hexen und Zauberei. Eigenverlag, Graz 1987

Clemens M. Hutter: Hexenwahn und Aberglaube. Ecowin Verlag, Salzburg 2007

Reinhard Riepl:
Wörterbuch zur Familien- und Heimatforschung in Bayern und Österreich. Selbstverlag, Pfarrkirchen 200

Hans Sebald: Hexen damals - und heute. Verlag Gondrom, Bindlach 1993

Helfried Valentinitsch und Ileane Schwarzkogler (Hrsg.): Hexen und Zauberer (Katalog der Steirischen Landesausstellung 1987). Leykam-Verlag, Graz-Wien 1987

Helfried Valentinitsch (Hrsg.):
Hexen und Zauberer (Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Ateiermark). Leykam-Verlag, Graz-Wien 1987

Wikipedia:
Stichwort "Hexenverfolgung" und "Johannes Kepler"


Anmerkung 1: Die Informationen über die Bannrichter stammen überwiegend aus dem Artikel "Gerichtsorganisation und Strafrechtspflege im Herzogtum Steiermark in der frühen Neuzeit" von Gernot Kocher (1987).

Anmerkung 2: Die Informationen über die Wölfe stammen aus dem Artikel "Von Wölfen, Wolfsgruben, Wolfsjagden und Wolfsbannern in der Obersteiermark" von Günther Jontes (1983).

Anmerkung 3: Das Schicksal des Lorenz Pöllinger wurde von Heide Stöckl im Roman "Der Bettelbub" beschrieben, der 2008 im Literaris-Verlag erschienen ist (http://www.literarisverlag.at).

Anmerkung 4: Die Hervorhebungen und Strukturierungen sind abgesehen von einzelnen Nummerierungen der Texte in den Original-Protokollen nicht vorhanden und wurden vom Autor dieser Homepage durchgeführt.

Anmerkung 5:
Zum Prozess gegen Dorothea Wed: Alfred Seebacher-Mesaritsch widmet diesem Prozess in seinem Buch „Hexen-Report“ eine eigenes Kapitel.


Nachwort zur Entstehung dieser Homepage:
Wie der Zufall halt so spielt: In der neuen Ortschronik meines Heimatortes Semriach, einem Marktflecken in der Nähe von Graz und am Fuße des Schöckls gelegen, hatte ich gelesen, dass ein Bauer aus Semriach im Jahr 1660 als Zauberer hingerichtet und verbrannt worden ist. Der Bauer habe auf dem „Zehenthof„ gelebt. Zufällig treff ich ein paar Tage später den Besitzer des Zehenthofes, den „Zehner Ossi“. Auf meine Frage, ob er Unterlagen über diese Sache habe, gab er zur Antwort, dass es ihn freuen würde, wenn ich ihm solche Unterlagen beschaffen könnte. Und damit habe ich begonnen, nach Unterlagen über Prozesse gegen Hexen und Zauberer zu suchen.Das Wenige, dass ich vom Prozess gegen den Steffl am Hof, wie er auch genannt wurde, gefunden habe, hat mich stark beeindruckt und nicht mehr losgelasssen.

Dieser einfache Bauer hat eine Unbeugsamkeit gezeigt, die man nur staunend bewundern kann. Im Angesicht des sicheren Todes so eine innere Sicherheit und Stärke zu besitzen, ist etwas ganz Außergewöhnliches. Aber lesen sie selbst das Protokoll der letzten Stunden dieses außergewöhnlichen steirischen Bauern mit dem Namen Stefan Zechner: Prozess gegen Stefan Zechner.

 

 

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