Übersicht

 

Pläne

 

Kontakt

 

Links

 

Copyright

 

Home

Original-Protokolle von Hexen- und Hexer-Prozessen in Österreich und Slowenien

 

In dieser Homepage finden Sie die weitgehend wortgetreuen Übersetzungen der Original-Protokolle von Prozessen gegen Hexen und Hexer aus dem 17. und 18. Jahrhundert in unsere heutige Sprache.
Ich habe mich bemüht, sie so verständlich und so authentisch wie möglich zu übertragen.
Die Prozess-Protokolle beziehen sich auf den Raum Österreich und Slowenien.

An den Beginn möchte ich drei Prozesse stellen, die mich besonders berührt und betroffen gemacht haben. Gleichzeitig mit dem Entsetzen darüber, wie Menschen in der Lage sein können, derartige Grausamkeiten anderen Menschen anzutun, sollen sie die Grundlage für die damit verbundenen zentralen Fragen bilden, wie es dazu kommen konnte, dass unschuldige Frauen und Männer in eine irrationale und bestialische Maschinerie des Tötens und Mordens kommen konnten.

Der Prozess gegen Stefan Zechner
Wie der Zufall halt so spielt: In der neuen Ortschronik meines Heimatortes Semriach, einem Marktflecken in der Nähe von Graz und am Fuße des Schöckls gelegen, hatte ich gelesen, dass ein Bauer aus Semriach im Jahr 1660 als Zauberer hingerichtet und verbrannt worden ist. Der Bauer habe auf dem „Zehenthof„ gelebt. Zufällig treff ich ein paar Tage später den Besitzer des Zehenthofes, den „Zehner Ossi“. Auf meine Frage, ob er Unterlagen über diese Sache habe, gab er zur Antwort, dass es ihn freuen würde, wenn ich ihm solche Unterlagen beschaffen könnte. Und damit habe ich begonnen, nach Unterlagen über Prozesse gegen Hexen und Zauberer zu suchen.

goesting

Das Wenige, dass ich vom Prozess gegen den Steffl am Hof, wie er auch genannt wurde, gefunden habe, hat mich stark beeindruckt und nicht mehr losgelasssen.
Dieser einfache Bauer hat eine Unbeugsamkeit gezeigt, die man nur bewundern kann. Im Angesicht des sicheren Todes so eine innere Sicherheit und Stärke zu besitzen, ist etwas ganz Außergewöhnliches.
Aber lesen sie selbst das Protokoll der letzten Stunden dieses außergewöhnlichen steirischen Bauern mit dem Namen Stefan Zechner: Prozess gegen Stefan Zechner.

 


Der Hexen-Prozess gegen Dorothea Wed
Selten wird in einem Schriftstück die Atmosphäre eines Prozesses wegen Zauberei dichter, unmittelbarer und grausamer vermittelt als im Protokoll des Prozesses, den der Bannrichter Johann Georg Franz von Will gegen Dorothea Wed geführt hat. Der Prozess fand im Jahr 1677 in Friedau (heute Ormož in Slowenien), ungefähr 40 km südlich von Radkersburg gelegen, statt. Der „Dialog“ zwischen dem gnadenlosen Verfolger Will und der 70jährigen willensstarken Dorothea Will, der Verlauf des Prozesses und die Folterungen wurden in allen schrecklichen Einzelheiten protokolliert. Es spricht vieles dafür dass der Bannrichter zu anderen als den vorgesehenen Mitteln griff und die Greisin erwürgen ließ. Dafür hat er schließlich wundersame Vorgänge und Deutungen erfunden, um dem Ganzen einen höheren Sinn zu geben (und zu vertuschen). Zu einem ähnlichen Schluss kam Alfred Seebacher-Mesaritsch, der diesem Prozess in seinem Buch „Hexen-Report“ eine eigenes Kapitel widmete.
Wie schon oben erwähnt, fanden einige der hier beschriebenen Prozesse in der früheren Untersteiermark, im heutigen Slowenien statt. Beim Lesen dieser Dokumente ist in mir der Wunsch entstanden, einzelne davon ins Slowenische übersetzen zu lassen. Ich möchte mit einem der erschütterndsten Protokolle den Anfang machen, mit dem Prozesse gegen Dorothea Wed: Postopek proti Dorothei Wed obstaja sedaj tudi v slovenskem jeziku.


Der Prozess gegen Marina Wukinetz
Marina Wukinetz war eine Winzerin in Narvada im heutigen Slowenien. Sie hatte Streit mit ihrer Nachbarin, der Urscha Tschernik. Die hatte ihr vorgeworfen, ihre Kuh hätte ihren Garten verwüstet. Sie hätten sich dann aber wieder versöhnt.

2 Jahre später ist die Urscha Tschernik in Gutenhag gefangen genommen und als Hexe hingerichtet worden. Wie üblich hat man von ihr vor ihrer Hinrichtung unter Folter Namen von „Komplizinnen“ erpresst. Und da hat sie unter anderem den Namen ihrer Nachbarin Marina Wukinetz genannt. Das ihr Todesurteil. Man hat sie verhaftet und „Beweismaterial“ sichergestellt. Häferln mit Salben, die zur Behandlung von Geschwülsten helfen sollen. Und andere, mit denen man Frauen einschmiere, die Kinder kriegen. Eine schwarze abgebrannte Taufkerzen, die beim Sterben helfe. Und dergleichen mehr. Ausreichend jedenfalls für die Anklage wegen Hexerei.

Von einem Prozess kann man eigentlich nicht reden. Es ist das Protokoll einer grausamen und qualvollen Ermordung mit der Anwendung der Folter. Es gehört zum Schlimmsten, was ich bisher gelesen habe.


 

feuer

Gut 350 Jahre ist es jetzt her, da traf zufällig der Bauer Pistrich aus Seebach in der Steiermark den jungen Burschen Lorenz Pöllinger, der als Bettler und Sänger durch die Lande zog. Er war gerade aus dem Salzburgischen gekommen und auf dem Weg nach Neumarkt in der Steiermark, um dort seine Mutter zu besuchen, die er schon länger nicht mehr gesehen hatte. Was den Bauern Pistrich letztendlich dazu gebracht hat, den jungen Burschen so unter Druck zu setzen, dass dieser sogar zugab, ein Zauberer zu sein und durch die Luft fliegen zu können, ist nur schwer zu verstehen. Jedenfalls brachte der Bauer Pistrich den Lorenz mit ein paar Glaserln Wein im Gasthaus von Seebach und der Drohung, ihn zu erschießen, soweit, alles zu gestehen, was er ihm in den Mund legte.
Lesen sie hier die berührenden Protokolle des Prozesses gegen den singenden Bettler Lorenz Pöllinger.



Michael Hörk, seine Frau und seine Schwester waren ins Gerede gekommen. Die Nachbarn hatten herumgetratscht, dass sie Zauberei betreiben würden. Das wollten sie sich nicht gefallen lassen. Also haben sie die Nachbarn geklagt. Die aber blieben fest bei ihren Behauptungen. Das passte gut in die Absichten des Bannrichters. Auch wenn sich die beiden Frauen lange standhaft weigerten zu gestehen, was ihnen der Richter in den Mund legte. Am Ende erreichte er, was er wollte.
Michael Hörk musste miterleben, wie seine Frau und seine Schwester von jenen, die er um Hilfe ersuchte, in den Tod getrieben wurden. Sie wurden so lange gefoltert und gequält, bis sie zusammenbrachen und alles gestanden, was der Bannrichter wollte. Sie wurden am 23. Jänner 1672 geköpft und verbrannt. Das war 5 Tage, bevor Michael Hörk selbst das Schicksal erlöste.
Nachdem er sich standhaft geweigert hatte, ein Geständnis abzulegen, ließ ihn der Richter auf den Hexenstuhl binden. Nach 4 Stunden auf dem Marterinstrument verlor er das Bewusstsein und starb. Der Richter erklärte, dass dies auf das Wirken des Teufels zurückzuführen war.
In Erinnerung an diese grausame Zeit in Luttenberg (Ljutomer in Slowenien) das Original-Protokoll des Prozesses gegen Marina Hörk.


Im vorigen Monat habe ich ein Verhör-Protokoll ins Netz gestellt, in dem man einen Einblick in die Verhörpraktiken in einer der grausamsten Hexenverfolgungen der Steiermark des 17. Jahrhunderts bekommen konnte.
Den Beginn dieser Verfolgungswelle bildete der Glaube an Recht und Gerechtigkeit. Michael Hörk, seine Frau Marina und deren Schwester Gera Scherb aus Luttenberg (Ljutomer, Slowenien) klagten ihre Nachbarn wegen Verleumdung, weil diese ihnen vorwarfen, Hexerei zu betreiben. Die Nachbarn wurden vom Richter Wendtseisen verhört und blieben bei ihren Vorwürfen. Darauf wendete sich die Verleumdungsklage gegen die Kläger selbst, denn sie wurden so lange gefoltert, bis sie ein entsprechendes Geständnis ablegten. Hier das Protokoll des Prozesses gegen Gera Scherb.


Im Jahr 1671 begann im Gebiet um Luttenberg, einem bekannten Weinbaugebiet in der früheren Untersteiermark (heute Ljutomer in Slowenien), eine der grausamsten Verfolgungen vorwiegend von Frauen, die als Hexen ermordet und verbrannt worden sind.
Die Jagd der Bannrichter Johannes Wendtseisen und Lorenz Lämpertitsch, die sich gegenseitig ein Wettrennen an Unmenschlichkeit und Bestialität lieferten, dauerte mehrere Jahre und kostete mindestens 36 Menschen das Leben. In diesem Wettkampf der Unmenschlichkeit setzte sich schließlich Wendtseisen durch und erreichte eine Art Monopolstellung. Kaiser Leopold erteilte 1684 Wendtseisen den Auftrag, alle zauberischen Personen in den Bezirken Radkersburg, Luttenberg und umliegenden Landgerichten zu verhaften, zu konfrontieren und den Prozess zu machen. Alle Landgerichte wurden angewiesen, ihn bei der Erfüllung dieser Aufgabe zu unterstützen.
Im Gedenken und in Erinnerung an das unbeschreiblich grausame Schicksal dieser Opfer sei das folgende Dokument vorgestellt: Verhöre von Personen, die im April 1672 im Schloss Luttenberg wegen Zauberei inhaftiert waren.


HinrichtungIm Standard vom 12.4.2013 war folgende Meldung zu lesen:
"Port Moresby - Nach einem weiteren Mord an einer vermeintlichen Hexe haben die Vereinten Nationen Papua-Neuguineas Regierung zum Einschreiten aufgerufen. Die Selbstjustiz müsse gestoppt und der Schutz der Menschen, denen Hexerei vorgeworfen werde, dringend verbessert werden, hieß es in einer UN-Erklärung am Freitag. Zuvor waren zwei sogenannte Wunderheilerinnen (Sangumas) in der Region Südbougainville gekidnappt und tagelang gequält worden, eine der älteren Frauen wurde schließlich enthauptet.
Über Ostern waren laut Medienberichten sechs vermeintliche Hexen mit glühenden Eisen als rituelle Opfer gequält worden, im März war eine Frau bei lebendigem Leibe verbrannt worden."
Hexenverfolgung gibt es also auch heute noch.
Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, bei Schicksalsschlägen und Unglücksfällen jemand zu suchen, den man dafür verantwortlich machen kann. (Das kann auch jene treffen, die im allgemeinen für das Heilen zuständig sind.)
Insbesonders bei Krankheit und Tod hadert der Mensch mit dem Schicksal und sucht bisweilen mangels anderer Erklärungen nach einem Sündenbock.
Ein Beispiel dafür ist der Prozess gegen Gera Gregoritsch und Komplizinnen, in dem es um das Krank- und Tod-Zaubern geht.


Ursula Neubauer aus Neudau in der Steiermark hatte Streit mit ihren Nachbarn. Sie war eine Töpferin und die Nachbarin hatte ihr Geschirr gestohlen. Im darauf folgenden Streit hatte ihr die Nachbarin dann auch noch vorgeworfen, dass sie Hexerei und Zauberei betreibe. Und sie hat es dann auch noch bei der Herrschaft angezeigt. Ein ganzes Jahr ist die Ursula Neubauer daraufhin in Burgau im Gefängnis gesessen. Und obwohl sie standhaft geblieben ist und man ihr nichts nachweisen konnte, ist sie schlussendlich des Landes verwiesen worden. Weg von ihren Kindern und ihrem Mann. Nur der Kaiser könnte die Verbannung aufheben. Also hat sie ihm einen Brief geschrieben: Bittschrift der Ursula Neubauer an den Kaiser um Gewährung der Rückkehr.


Es war kein gutes Jahrhundert, das 17. Jahrhunderte in Europa. Der 30-jährige Krieg, der Kampf zwischen Katholiken und Protestanten, tobte auf dem Kontinent, die Türken drängten nach Mitteleuropa und fielen immer wieder an den Grenzen unseres Landes ein, die Bevölkerung veramte und dazu nach das fürchterliche Wetter. Die sogenannte “kleine Eiszeit” hatte das Wetter dramatisch verschlechtert, die kalte Jahrezeit wurde immer länger. Hagel und Unwetter zerstörten die kargen Ernten und ließen die Bevölkerung hungern. Die Menschen, überwiegend in der Landwirtschaft tätig, waren fortwährend existentiell bedroht. Und es gehört zur Natur des Menschen, dass er bei Unglück nach Ursachen sucht. Wenn man die die Ursache kennt, dann kann man eher etwas dagegen unternehmen oder sich zumindest besser darauf einstellen. Aber was war die Ursache für dieses fürchterliche Wetter? Im 17. Jahrhundert konnte man es sich nur durch höhere Mächte erklären. Es mussten wohl böse Mächte oder vielleicht böse Menschen dahinterstecken, die das Wetter beeinflussen konnten. Und “die da oben” hatten wohl auch einen Anteil an diesem miesen Leben. So dachte es sich auch der Bauer Michael Lipp in Fehring in der Steiermark am Jakobitag, als er nach dem Kirchgang im Gasthaus saß und ein wenig darauf los schimpfte. Er hatte nur nicht bedacht, dass jemand mithörte und es weitertrug. Die schriftlichen Aufzeichnungen, die uns erhalten geblieben sind, sind ein gutes Beispiel, wie sich aus ein paar unbedachten Äußerungen ein Hexenprozess entwickelt: Das Verfahren gegen Michael Lipp.

guazzo1
Aus dem Compendium Maleficarum von Guazzo

Wenn man sich zum ersten Mal mit Prozessen gegen Hexen und Zauberer zu beschäftigen beginnt, erwartet man wahrscheinlich die Auseinandersetzung mit geheimen magischen Praktiken, Sprüchen und Ritualen, mit der Herstellung von Salben und Mixturen und ähnliches.
Sehr bald wird man aber - vielleicht ein wenig enttäuscht - feststellen, dass Prozesse mit solchen Inhalten recht selten sind. Ein großer Teil der Prozess-Protokolle entspricht einem ziemlich einheitlichen Schema.
Je größer die Zahl der Opfer, desto ähnlicher und banaler werden die Protokolle der Hexenprozesse. Sie wirken wie voneinander abgeschrieben oder wie nach einem einheitlichen Muster geschrieben.
Ein gutes Beispiel dafür liefern die Aufzeichnungen im Zusammenhang mit der Ermordung von 38 Personen südlich von Bad Gleichenberg im Jahr 1689. Die Prozess-Protokolle sind im Anhang des Buches “Die Gallerin auf der Riegersburg” von Joseph von Hammer-Purgstall aus dem Jahr 1849 gesammelt. Nach dem Protokoll des letzten Monats möchte ich noch ein Protokoll daraus vorstellen, das den Beginn dieser fürchterlichen Mord-Serie mit 38 unschuldigen Opfer gebildet hat: das Protoll des Prozesses gegen Susanne Pindter.


Im letzten Monat haben wir uns die Frage gestellt, welche Personen ein besonderes Risiko hatten, als Zauberer oder Hexe vor dem Richter zu landen. Es waren vor allem die ärmeren Schichten der Bevölkerung, die es traf. Auffallend oft waren es Verwandte und in manchen Gegenden traf es besonders die Frauen.
Überraschenderweise findet man in den Prozessakten eher die ländliche Bevölkerung vertreten und relativ selten die städtische. In Graz gab es nur einen einzigen bedeutsamen Prozess in Sachen Zauberei.
Frauen, die besondere Kenntnisse bei der Heilung von Krankheiten, die um die heilende Wirkung von bestimmten Pflanzen Bescheid wussten, die anderen Frauen bei der Geburt halfen etc., waren eher gefährdet, als Hexe auf dem Scheiterhaufen zu landen. Die Zahl von Prozessen, in denen dies erwähnt wird, ist aber vergleichsweise gering.

Entscheidend konnte auch sein, in welcher Gegend, in welchem Landgerichts-Sprengel man wohnte. Die Steiermark war in rund 130 Landgerichte eingeteilt und  es hing sehr vom Landrichter ab, in welche Richtung sich ein Gerücht oder eine “Anzeige” entwickelt. War der Bannrichter einmal angefordert, nahm das Schicksal seinen Lauf. Meist einen tödlichen.

Das größte Risiko, im 17. Jahrhundert in der Steiermark als Hexe oder Zauberer sein Ende zu finden, hatte man dann, wenn man am Land lebte und in der selben Gegend jemand wegen Zauberei angeklagt wurde.  Denn - wie gesagt - wenn etwas teuflisch war in den Hexenprozessen, dann die Verknüpfung von Folter und dem Ziel, im Verhör die Namen von Mittätern und Komplizinnen herauszubekommen.
Wer fällt einem da unter Schmerzen und Todesangst ein? Die Nachbarn und die Bekannten aus derselben Gegend.
So war das auch damals im Jahr 1689 im Süden von Bad Gleichenberg in der Steiermark, als in wenigen Monaten 38 Menschen ihr Leben lassen mussten. Eine von ihnen war Veronika Rauch:
Der Prozess gegen Veronika Rauch


Wer waren die Menschen, die als Hexen und Zauberer verfolgt, eingekerkert, gefoltert und hingerichtet worden sind. Gab es Personen, die  gewissermaßen ein erhöhtes Risiko hatten, wegen Zauberei verurteilt zu werden und am Scheiterhaufen zu enden. Für das Gebiet von Österreich lassen sich einige Gruppen recht gut identifizieren.
- Da waren es zum einen die Bettler und Landstreicher. Jedenfalls waren es die ärmeren Schichten der Bevölkerung, die von den Mühlen der Hexenverfolgung erfasst wurden.
- In der Untersteiermark (im heutigen Slowenien) und in anderen Teilen Europas waren es in der Mehrheit Frauen, die Opfer wurden.
- Wie ein Schneeball zur Lawine wird, so wurden halbe Ortschaften ausgerottet. Die Verbindung aus Folter und dem "Auftrag", Komplizinnen und Mittäter ausfindig zu machen, war eine tödliche Mischung. Der Bannrichter war Herr über Leben und Tod und konnte steuern, wie es ihm beliebte.
- Oft genügte es, mit einem Angeklagten oder Verurteilten verwandt zu sein: Ehegattin, Ehegatte, Tochter, Sohn, Vater, Mutter. Man findet sie häufig in den Todeslisten.
Ein Beispiel führt uns zurück an den Beginn dieses Projektes. Da  wurde vom schrecklichen Ende jenes unglaublich willensstarken Bauern Stefan Zechner aus Semriach in der Steiermark berichtet.
Durch Zufall fand ich jetzt Unterlagen vom Leidensweg seines Sohnes Andreas Zechner. Er hatte nicht nur die Kosten für den Prozess und die Hinrichtung seines Vaters  zu tragen. Er kam auch selbst unter die Räder. Lesen sie hier das Protokoll zu Andreas Zechner.

 

fuessen

Der Prozess gegen Marina Schepp beschreibt wieder einmal sehr anschaulich, mit welcher unerhörten Grausamkeit gegen die Gefangenen vorgegangen worden ist. Obwohl Marina Schepp alles zurückgenommen hatte, was sie zunächst unter Folter gestanden hatte, ließ man nicht von ihr ab und foltert sie weiter. So oft und so lange, bis sie endlich das sagte, was der Richter ihr in den Mund gelegt hatte. Bei der 5. Folterung, nach mehr als 6 Stunden Sitzen auf dem Hexenstuhl, gestand sie, dass sie mit dem Teufel ein Verhältnis gehabt habe.

Bei diesem Prozess ist auch die Abrechnung der Prozesskosten beigefügt, die der Bannrichter erstellt. Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen. So wird für die Hinrichtung von Marina Schepp wesentlich weniger verlangt als für das Abschneiden ihrer Haare.



Diesmal stelle ich eine Fragenliste für Hexenprozesse vor, ein sogenanntes Interrogatorium.
Das stärkste und brutalste Instrument, beim Gerichtsverfahren rasch ein Ergebnis im Sinne der Anklage und eine Verurteilung zu erreichen, war natürlich die Folter. Es gab aber auch noch weitere feine Mittel und Wege, bei den Prozessen die Ergebnisse im Sinne des Richters zu dirigieren. Eines dieser Hilfsmittel waren die Fragekataloge, die der Richter beim Verhör als Vorlage verwendete.
Es wundert da nicht mehr, dass die Protokolle der Hexenprozesse oft so kurz und so ähnlich sind.
Das Ergebnis stand fest, noch bevor die oder der Angeklagte auf die Folterbank kam. Das wird bei dieses Fragenkatalogen ganz deutlich. Es ist eine Sammlung von Vorverurteilungen.


Eine Frau, die schwanger ist, darf nicht als Hexe hingerichtet werden. Daran muss sich auch ein Bannrichter bei einem Hexenprozess halten. Im Fall der Helena Glanitschnigg hat der geschäftstüchtige und gnadenlose Bannrichter alles getan, um zu beweisen, dass sie nicht schwanger ist.
Lesen Sie selbst das Original-Protokoll des Prozesses gegen Helena Glanitschnigg.


In diesem Monat komme ich wieder zum eigentlichen Ziel dieses Projektes zurück: Zur Wiedergabe des Original-Protokolls eines Prozesses wegen Zauberei und Hexerei.
Ein Mann aus der Obersteiermark, aus dem Mürztal,  wird gefangen genommen und vor Gericht gestellt.
Durch Androhung und Anwendung der Folter erreicht der aus der Hauptstadt angereiste Bann-Richter, dass der Angeklagte alles gesteht, was der Richter hören will. Er hat Bauern um den Semmering herum bestohlen, reisende Händler ausgeraubt und einen davon gar erschlagen. Das Schlimmste aber war, dass er Gott verleugnet und seine Seele dem Teufel vermacht hat. Das hat er ihm sogar mit seinem Blut und drei Strichen unterschrieben. Und er ist mit einer Ofenschüssel, (einem langstieligen Holz-Gerät, das fürs Brotbacken verwendet wird) durch die Luft geflogen und hat Wetter gemacht.
Es ist erschütternd, in welchen Wahnsinn die sogenannten Bann-Richter die Angeklagten mit Folter und Psychoterror getrieben haben. Lesen sie selbst, das Original-Protokoll des Prozesses gegen Marx Heen



Das Protokoll des Prozesses gegen Margareth Jantscher gehört zur Prozessserie, die im Landgericht Rein von 1686 bis 1688 abgehandelt wurde. Betroffen waren vor allem Bewohner des Ortes Stübing, nördlich von Graz. Die Hinrichtungen der Verurteilten, von denen rund 30 Personen namentlich bekannt sind, fand beim "Breiten Kreuz" in Gratwein statt.



Die Wolfsbanner in den Hexenprozessen:

Das Ende des 19. Jahrhunderts war auch das Ende für die Wölfe in unserer Gegend. Sie waren ausgerottet. Gelegentlich verirrten sich auch später noch vereinzelt Wölfe in die Steiermark. So wurden zum Beispiel noch im Jahr 1949 in der Gegend von Weiz und Murau 2 Wölfe erlegt. Das blieben aber Aufsehen erregende Einzelereignisse. Heute bemüht man sich eher um eine Wiederansiedlung der Wölfe und sieht sie als Zeichen der Erholung der Natur.
Ganz anders war die Situation in den Jahrhunderten davor.
Die Wölfe waren in früheren Zeiten eine ernste Bedrohung für die Menschen, vor allem für jene, die in der Viehzucht ihre Existenzgrundlage hatten.
Im heutigen Slowenien, in der früheren Untersteiermark, waren Wölfe so häufig und gefährlich, dass etwa die Postkutsche von Laibach nach Cilli im Winter durch eigene Reiter die nachts brennende Fackeln trugen, geschützt worden ist.

Mit den unterschiedlichsten Methoden hat man versucht, dieser schwer zu berechnende Gefahr zu begegnen:
Man veranstaltete große Treibjagden, deren Ziel die Ausrottung der Wölfe war.
Es gab auch durchaus beachtliche Prämien für das Erlegen von Wölfen und es wurden große Wolfsjagden veranstaltet, bei denen die Untertanen im Rahmen ihrer Robot-Pflicht teilnehmen mussten.
Oder man hob riesige 5 Meter tiefe Wolfsgruben aus und rammte einen Pfahl in die Mitte, an dem ein Köder festgemacht war. Die Gruben wurden mit Ästen und Holz bedeckt.
Man legte "Wolfsangeln" aus, deren Köder innen spitze Widerhaken hatten, sodass der Wolf wie an einer Angel gefangen war.
Man errichtete auch eine Art "Selbstschussanlage", sogenannte "Legbüchsen", die so konstruiert waren, dass die Wölfe einen Schuss auslösen und sich selbst töten sollten. Das alles war natürlich nicht nur für die Wölfe sondern auch für die Menschen gefährlich.

Auch mithilfe von Segenssprüchen, die ihre Wurzel in vorchristlichen Zaubersprüchen hatten, wurde versucht, die Wolfsgefahr zu bannen.
Es entwickelte sich in dieser Zeit der Glaube, dass bestimmte Menschen, beeinflusst vom Teufel, besondere Macht über die Wölfe hätten, die sogenannten Wolfsbanner.
Man glaubte, dass diese Wolfsbanner hinter den Angriffen der Wölfe auf die Herdentiere der Bauern stünden und dass diese auch die Macht hätten, ihre Wölfe so zu beeinflussen, dass sie bestimmte Bauern schonten.
Manche bettelarme Landstreicher fanden in diesem Glauben die Möglichkeit, von den Bauern Essen zu erbetteln, indem sie ihnen versprachen, ihre Wölfe so zu beeinflussen, dass sie einen großzügigen Bauern verschonten.

Vor diesem Hintergrund ist jener Prozess gegen den Matthias Hacker und seine Ehefrau Eva zu sehen, der in der Nähe von Obdach, in Admontbichl, stattgefunden hat.


 

Wie schon angekündigt, wird heute, am 10. Dezember, zur 350. Wiederkehr des Tages der Hinrichtung von Gera Kopschitsch das Prozess-Protokoll ins Netz gestellt.



Wenn man einen Prozess wie jenen gegen Elenka Schauberg liest, kommt man kaum um die Frage, die eher wie eine Klage klingt, herum: Wie ist es möglich, dass ein Mensch einem anderen Menschen solche Dinge antut? Elenka wird so lange gefoltert, bis sie psychisch gebrochen ist, dass sie im Wissen um ihren Tod nicht mehr anders kann, als das zu sagen, was ein sogenannter Richter, der seine Macht und Grausamkeit auslebt, hören will, um sie dann für diese Aussagen töten zu lassen.
In diesem Monat ist es, wie auch beim nächsten Prozess im Dezember, 350 Jahre her, dass diese Hinrichtungen stattgefunden haben. Und wenn es uns beim Lesen dieser Aufzeichnungen fast den Atem raubt, dann sei es in Erinnerung an die ungeheuerlichen seelischen Gräuel, die diese unschuldigen Menschen erlebt haben müssen.
Der Prozess gegen Elenka Schauberg.



Der Prozess gegen Christina Posch gehört (wie jene vom Monat August) zu jener Serie von mörderischen Maßnahmen gegen die "Zauberei", die in Rein bzw. Gratwein allein in den Jahren 1686 bis 1688 mehr als 30 Hinrichtungen zur Folge hatte.
Es fällt auf, dass bei "Hinrichtungswellen" die Prozesse und ihre Protokolle immer einheitlicher und ähnlicher werden. Es wirkt wie am Fließband. Eine Routine des Mordens.
Eines ist sicher: Die Aussagen, die wir in den Protokollen lesen, sind überwiegend davon bestimmt, was der Bannrichter hören, erpressen und erfoltern wollte. Die Protokolle spiegeln die Geistes- und Wahnwelt der Richter wieder.

Wer waren diese Bannrichter eigentlich?
Das war eine Art Richter auf Abruf, ein mobiler Richter. Wenn ein Landgericht (zum Beispiel das Landgericht Kapfenberg oder Rein) keinen eigenen Richter hatte oder bei einem bestimmten Prozess wegen der Art oder der Schwere der Delikte oder aus anderen Gründen einen externen Richter wollte oder benötigte, dann konnte das Landgericht bei der Zentralstelle (Landverweser) in Graz einen Bannrichter anfordern. Für die Steiermark (einschließlich Untersteiermark – heutiges Slowenien) gab es drei solche Bannrichter. Der Bannrichter kam dann nicht allein. Er wurde vom Gerichtsschreiber und vom Scharfrichter begleitet.

Feuer

Und für alle Tätigkeiten und Aufwendungen gab es fixe Taxen, die der Bannrichter in Rechnung stellen konnte. Die Prozesse waren wirtschaftlich nicht unlukrativ. Man konnte als Bannrichter den Verlauf und die Abrechnung für sich schönen, biegen, verzögern, unterbrechen und dergleichen mehr. Je nach Bedarf. Im Fall der Verurteilung mussten die Angehörigen diese Kosten tragen. (Beispielhaft nachzulesen im Prozess gegen Stefan Zechner).
Und noch etwas: Die Bannrichter waren in der Regel keine ausgebildeten Juristen, das waren Laien wie die Beisitzer, die ihnen zur Seite gestellt waren.



Und noch einmal der Schöckl, der Hausberg der Grazer. Wie schon in den Prozessen des vergangenen Monats steht auch diesmal die Gegend nördlich von Graz im Zentrum. Und im Prozess dieses Monats wird jener greise und standhafte Bauer Stefan Zechner (Steffl am Hoff) aus Semriach, dessen Hinrichtung den Start dieses Projektes bildete, zum ersten Mal als Zauberer denunziert und vor Gericht gezerrt.
Aber zurück zum Anfang:
Am 10. Oktober 1657 sind in Spital am Semmering (Steiermark) zwei Landstreicher festgenommen und nach Kapfenberg überstellt worden: Marx Rueprecht und Sebastian Kügl. Die beiden waren ertappt worden, wie sie aus einem Opferstock in einer Kirche Geld herausfischen wollten. Das war bei Gott nicht das erste Mal. Diese Kirchen-Diebstähle hatten in der elenden Zeit nach dem 30-jährigen Krieg derartig zugenommen, dass man den Eindruck bekam, als ob das organisiert wäre, dass dahinter so etwas wie eine Bande stünde. Dagegen musste etwas unternommen werden. Den Vorwurf der Zauberei und des Bundes mit dem Teufel lies sich leicht mit dem Diebstahl an heiligem Ort verknüpfen.
Dann war da noch etwas: Am 2. August 1657 hat es in Graz ein fürchterliches Unwetter gegeben. Die Hagelkörner waren keine Körner, die waren groß wie Steine, wie Gänseeier, ja wie Totenköpfe, wie manche damals behaupteten. Das Unwetter hat jedenfalls in der ganzen Stadt die Dächer und Fenster zertrümmert und schwersten Schaden verursacht.
Viele Grazer waren überzeugt, dass hinter diesem Unwetter nur Zauberer stehen konnten. Und nur die Ausrottung der Zauberer könne dies in Zukunft verhindern.
Die Karten standen sehr schlecht für die beiden Diebe:
Der Prozess gegen Marx Rueprecht.

Der Prozess gegen den Weggefährten Sebastian Kügl kann hier nachgelesen werden.


Der Schöckl, der Berg der Hexen und der Zauberer.
Am Fuße des Schöckl aufgewachsen war für mich die “Schöckl-Hex” ein vertrauter Begriff. Welche Dramen mit diesem Begriff verknüpft sind, wurde mir erst bewusst, als ich mich mit den Hexenprozessen auseinderzusetzte. Der Schöckl war einer jener Berge (neben Wildoner Kogel, Ram-Kogel und Plesch-Kogel), auf denen sich im Umfeld von Graz die Hexen und Zauberer zu ihren Gelagen trafen. Besser gesagt, die Richter in den Hexenprozessen haben durch Folterungen, Drohung und Einschüchterungen erreicht, dass die Gemarterten so etwas in Todesangst “gestanden”. Dabei sind die Bannrichter einem ziemlich einheitlichen, tödlichen Drehbuch gefolgt:

mauer

Die Angeklagten mussten so lange unter Druck gesetzt werden, bis sie (unter anderem) zugaben,
dass sie ein Bündnis mit dem Teufel eingegangen sind,
dass sie Gott (die Heilige Dreifaltigkeit, "Unsere liebe Frau" etc.) verleugnet haben, dass sie durch die Luft geflogen sind (aufgesessen auf Besen, Wacholderästen,  Brat-Spießen etc.),
dass sie zu einer Hexen- und Zauberergemeinschaft gehörten,
dass sie an Zusammenkünften von gleichgesinnten Zauberern und Hexen teilgenommen haben.
Im folgenden finden sie eine Zusammenstellung von Ausschnitten aus Prozessen, in denen der Schöckl als Treffpunkt genannt wurde.
Die Mehrzahl der Prozess-Ausschnitte stammt aus der Zeit von 1686 bis 1688. In diesen 3 Jahren wurden allein beim Landgericht Rein bei Gratwein 29 Menschen zum Tod verurteilt und hingerichtet:
Protokolle von Prozessen mit dem Schöckl als Treffpunkt der Hexen und Zauberer.



Die Relikte von Menschen, deren Leben am Galgen geendet hat, hatten im 17. Jahrhundert den Ruf, geheimnisvolle und wundersame Dinge zu bewirken. Man nahm zum Beispiel ein Stück von einem Galgenstrick und räucherte damit Waren, um sie besser verkaufen zu können. 
Prozess gegen Walpurga Moritz-Bärtl findet man einige Beispiele für das magische Denken dieser Zeit.

Frauenbrunnen
Frauenbrunnen von Geistthal - Zur Erinnerung an Martha Mosegger - Detail


Es gehört zur Natur des Menschen unerklärliches Unglück erklärbar zu machen, eine Ursache für das Unglück zu finden, eine Ursache, die man vielleicht beseitigen kann. Das galt am Anfang des 17. Jahrhunderts auch für Unwetter und Missernten, die man sich nicht anders erklären konnte, als durch böse Menschen und Mächte verursacht. Die Opfer waren oft Bettler und einfache Viehhirten. Einer war der Hans aus der Metnitz in Kärnten der unter Folterdrohung angab, jenen Bauern, bei denen er betteln war und kein anständiges Brot gegeben haben, aus Verärgerung ein schlechtes Wetter gemacht zu haben. Der andere, der Marx Schöpfer, war ebenfalls ein „Wettermacher“. Er hatte sich mit dem Teufel verbündet, der ihn dafür bezahlte, dass er schlechtes Wetter macht. So etwas sagt man, wen man gefoltert wird und Todesangst ausstehen muss: Der Prozess gegen Hans aus der Metnitz und der Prozess gegen Marx Schöpfer


Der Prozess gegen Margaraetha Keyditsch
Margaretha Keyditsch hatte oft Streit mit ihren Nachbarn und Bekannten. Es kam auch vor, dass sie von Männern verprügelt wurde. Es ist nicht verwunderlich, dass sie denen dann eine Krankheit nachwünschte. Eine Freundin von ihr wusste sogar, wie man jemand mit Zauberei eine Krankheit machen kann. Und wenn es denen zu schlecht ging, dann konnte man sie auch wieder heilen. Indem man sie mit speziellen Kräuter- Mischung wusch oder badete. Oder man räucherte sie mit einem kleinen Stück von einer Hostie (dem Allerheiligsten in  der Mess-Feier der katholischen Kirche). Darauf stand allerdings die Todesstrafe. 


Der Prozess gegen Ursula Kollar
Im August 1661 hat sie dem Druck noch standgehalten. Aber der gnadenlose Richter hat sie weiter im Kerker schmachten lassen und im Dezember hat sie schließlich doch gesagt, was der Bann-Richter hören wollte. Ja, bei diesen Treffen in der Nähe von Marburg, bei denen sie getrunken und getanzt haben, da sei auch der Teufel dabei gewesen. Ja, sie hätten mit ihm gemeinsame Sache gemacht und getan, was er verlangt habe. Ja, schlechtes Wetter hätten sie auch gemacht und sie seien wie die Störche durch die Luft geflogen.


Der Prozess gegen Dionys und seine 2 Helferinnen.
Die eine der "Helferinnen" war zwischen 10 und 12 Jahren alt. Sie wurde geschnappt und in St. Lambrecht vor Gericht gestellt. Ihre Mutter war nämlich die Weggefährtin des Dionys. Und dieser war ein paar Tage vorher, nachdem er beim dritten Verhör unter schwerer Folter "gestanden" hatte, zum Tode verurteilt worden.


 

Martha Mosegger aus Geistthal war 104 Jahre alt. Ein biblisches Alter. Es hat sie nicht geschützt. Die Verbrechen, die ihr zur Last gelegt worden sind, haben zu schwer gewogen. Sie hat von der Frau von Waldstein einen Kristall geschenkt bekommen. Der hat ihr geholfen, die richtigen Kräuter und Wurzeln zusammenzustellen, wenn die Leute mit Krankheiten zu ihr gekommen sind.


 Der Prozess gegen den "grindigen Hans Glaser", in dem Stefan Zechner als Zauberer angezeigt wird, gibt uns erste Erklärungen.


Aber die ersten Verdächtigungen hinsichtlich Zauberei bei den Bauern rund um den Schöckl bei Graz tauchten schon etliche Jahre vorher auf: 1653 in St. Lambrecht, als man einen Lorenz Steger und einen Thomas Heiser wegen Wetter-Macherei gefangen genommen hatte. Den Sohn vom Heiser namens Gregor der von seiner Mutter nachgeschickt worden, um zu sehen, was mit dem Vater los sei, hat man gleich mit verhaftet.



Zum Ende dieser Internet-Seite mit vielen Beispielen entsetzlicher Verirrungen des menschlichen Zusammenlebens folgt - bewusst etwas abgesetzt - ein kleines Buch mit dem sperrigen Titel :
"Volkskundliches aus den Strafprozessen der österreichischen Alpenländer (unter besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse)" von Fritz Byloff aus dem Jahr 1929.
Ich habe diesen Teil (wie gesagt) bewusst vom Voranstehenden getrennt. Warum? Die Ansammlung der Zitate aus Prozessen, in denen es im weitesten Sinn um Zauberei und Magie geht, ist teilweise so bizarr, dass es in Einzelfällen fast schon komisch wirkt. Ich wollte daher einen Abstand haben zu den anderen Prozess-Protokollen, in denen das unerträgliche Leid von unschuldigen Frauen und Männern unmittelbar nachvollziehbar ist.

Fritz Byloff ist der wohl bedeutendste Forscher zu Fragen der Zauberei und der Hexenverfolgung in Österreich. Er starb im Jahr 1940 und hinterließ einige sehr bedeutende Werke. So zum Beispiel "Das Verbrechen der Zauberei" (erschienen 1902) und "Hexenglaube und Hexenverfolgung" (erschienen 1934; wieder neu aufgelegt 2011 in Hamburg, Severus Verlag).
Ein kleines Nebenprodukt seiner Arbeit war das erwähnte kleine Buch "Volkskundliches aus den Strafprozessen der österreichischen Alpenländer (unter besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse)". Leider ist dieses Buch im Original schwer lesbar, weil fast alle Prozess-Protokolle in früh-neuhochdeutscher Sprache belassen sind. Ich habe mir nun die Mühe gemacht, diese Texte in unsere heutige Sprache zu übertragen und zu illustrieren, um es einigermaßen lesbar zu machen.

Zum Inhalt:
Im ersten Teil geht es in erster Linie um Ausschnitte aus dem viel beachteten Innsbrucker Hexenprozess von 1485. An diesem Prozess hat auch ein gewisser Heinrich Kramer (bekannt auch als Heinrich Institoris) teilgenommen. Er war vom Verlauf des Prozesses so frustriert, dass er eine Kampfschrift zur richtigen Verfolgung von Hexen verfasste: den bekannten und einflussreichen „Hexenhammer“. In ihm verkündete er unter anderem, dass alle, die nicht an Hexen glaubten, Ungläubige und Häretiker seien. Und er gab ausführliche Anweisungen, wie man die Hexen verfolgen müsse. Dieses Buch hatte verheerende Auswirkungen. Es wurde zum Standardwerk der Hexen-Verfolger.
Die weiteren Zitate aus den Zauberei-Prozessen sind zeitlich geordnet und nicht themenmäßig:
Es geht natürlich ums Wetter Machen, Wetter Lenken und ums Wetter Aufhalten und Vertreiben.
Es geht um Krankzaubern und Totzaubern aber auch ums Heil- und Gesundzaubern,
um Zauber zum Schlösser Aufsperren, ums unverwundbar Machen,
Zauber gegen Trunkenheit, Ausräuchern als Zaubermittel,
Wolfbannen, Schlafzauber, Leichenteile Hingerichteter als Zaubermittel, zauberische Heiratsverhinderung,
diverse Zaubersprüche, Liebeszauber und dergleichen mehr.

Klicken Sie einfach im Inhaltsverzeichnis den Abschnitt an, der Sie interessiert: Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer unter besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse".



Anmerkung 1: Die Informationen über die Bannrichter stammen überwiegend aus dem Artikel "Gerichtsorganisation und Strafrechtspflege im Herzogtum Steiermark in der frühen Neuzeit" von Gernot Kocher (1987).

Anmerkung 2: Die Informationen über die Wölfe stammen aus dem Artikel "Von Wölfen, Wolfsgruben, Wolfsjagden und Wolfsbannern in der Obersteiermark" von Günther Jontes (1983).

Anmerkung 3: Das Schicksal des Lorenz Pöllinger wurde von Heide Stöckl im Roman "Der Bettelbub" beschrieben, der 2008 im Literaris-Verlag erschienen ist (http://www.literarisverlag.at).

 

 

 


Copyright: © by Siegfried Kramer 2016