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VOLKSKUNDLICHES AUS STRAFPROZESSEN DER ÖSTERREICHISCHEN ALPENLÄNDER MIT BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG DER ZAUBEREI- UND HEXENPROZESSE VON 1455 BIS 1850

gesammelt, mit Anmerkungen versehen und herausgegeben von Fritz Byloff im Jahr 1929 - überarbeitet, illustriert und ins Internet gestellt von Siegfried Kramer

Teil 1:

Inhalt
1. BAHRPROBE
2. BILDZAUBER
3. LEICHENTEILE GERICHTETER ALS LIEBESZAUBER
4. LIEBESZAUBER
5. LIEBESZAUBER
6. TÖTUNGS- UND ERBLINDUNGSZAUBER
7. KRANKHEITSZAUBER
8. LIEBES- UND SCHLAFLOSIGKEITSZAUBER
9. LIEBESZAUBER
10. MILCHZAUBER (HEXENBRENNEN)
11. ALRAUNWURZELN ALS PROZESSZAUBER
12. JUDENEXKREMENTE UND LEICHENTEILE NEUGEBORENER KINDER ALS ZAUBERMITTEL
13. BILDZAUBER, GALGENHOLZ ALS ZAUBERMITTEL
14. BILDZAUBER
15. ZAUBERISCHES BLINDMACHEN
16. BILDZAUBER
17. TOTZAUBERN DURCH FRIEDHOFSERDE, LEICHENTEILE UND GRABTÜCHER
18. FALSCHE ALRAUNWURZELN
19. DIE KRÖTE ALS ZAUBER- UND SEELENTIER
20. WETTERZAUBER
21. WETTERZAUBER
22. BESESSENHEITSZAUBER, WETTERBESCHWÖRUNG, DIEBZAUBER, HIMMELBRIEFE, SCHLOSSZAUBER, SCHLAFZAUBER, GALGENMÄNNLEIN, GALGENHOLZ, GALGENKETTE, SCHLANGENBANN
23. ZAUBER GEGEN TRUNKENHEIT
24. VIEHANSRECHEN (VIEHSEGEN)
25. ZUSAMMENSETZUNG DER HEXENSALBE
26. REGENZAUBER
27. UNVERWUNDBAR MACHEN
28. UNVERWUNDBAR MACHEN DURCH BLUTKRAUT UND ERSTES MENSTRUALBLUT
29. BAHRRECHT
30. VIEH- UND MILCHZAUBER
31. WOLFSEGEN
32. AUFLÖSUNG DES WOFBANNES (WOLFSEGEN)
33. REGENZAUBER. SCHLAFLICHT
34. HEXENBRENNEN, WETTERABWEHRZAUBER, LIEBESZAUBER, REGEN- UND WINDZAUBER, TIERVERWANDLUNGSGLAUBE, GLÜCKSTALISMAN, LEICHTEILE GERICHTETER ALS GLÜCKSTALISMAN
35. KUHSCHWÄNZE ALS ZAUBERMITTEL
36. DER "DIERLING" ODER "DÜRNING"
37. BAHRPROBE
38. KOPFWEHKUR, REGENZAUBER
39. BETTEL-AMULETTE UND UNVERWUNDBAR MACHEN

40. KRANKHEITS- UND HEILZAUBER
41. WERWOLFGLAUBE
42. DIE PERCHTL
43. REGENZAUBER
44. REGENZAUBER
45. TEILE VON HENKERGERÄTEN ALS TALISMAN UND ALS HEILZAUBER. DIEBSEGEN
47. ZAUBERISCHE HEIRATSVERHINDERUNG
48. MILCHSTECHEN, MILCHZAUBER, EHEZAUBER, KRANKHEITSZAUBER
49. DER "GLÜHENDE SCHAB"
50. NESTELKNÜPFEN UND –LÖSEN, HEIL- UND KRANKHEITSZAUBER
51. ALRAUNWURZEL, KRAFTWURZ
52. WIEDERVERSCHAFFEN GESTOHLENDER SACHEN, ZUNGENBINDEN
53. SCHLAFZAUBER, WOLFBANNEN, UNVERWUNDBAR MACHEN
54. MILCHABWEHRZAUBER, BACKZAUBER, WINDFÜTTERN, HEILZAUBER
55. LIEBESZAUBER, MENSCHENZURÜCKBRINGEN, ZAUBERÄRZTINNEN
56. BESCHAFFENHEIT DES FOLTERHEMDES
57. LEICHENTEILE HINGERICHTETER ALS ZAUBERMITTEL
58. RÄUCHERN MIT BESENHOLZ ALS ZAUBERMITTEL

59. TOTBETEN UND TOTZAUBERN
60. BILDZAUBER
61. JAKOBISEGEN UND PASSAUER ZETTEL
62. RIEMEN AUS DER HAUT ERHÄNGTER ALS ZAUBERMITTEL (KRAMPFSTILLEN, GEBURTSBEFÖRDERUNG)
63. WOLFSBANNEN, HEXENBRENNEN, FERNMISSHANDLUNG, MILCHZAUBERN, VIEHVERSPRENGEN, FUHRMANNVERSPERREN
64. WOLFSBANNEREI
65. GLÜCKSTALISMAN, CHRISTOPHGEBET
66. ABTREIBUNGSMITTEL
67. AMULETT GEGEN RAUBÜBERFÄLLE
68. ABTREIBUNGSMITTEL
69. BLUTSTILLZAUBER
70. MILCHZAUBER
71. DES TEUFELS KAPPE
72. UNVERWUNDBAR MACHEN DURCH DEN KALMANISEGEN
73. HEILZAUBER


 

Schloss Ambras
Schloss Ambras bei Innsbruck

1. BAHRPROBE

Archiv von Wiener-Neustadt Fi 41, S.103, 1455.
Strafprozess des Stadtgerichtes, Wiener-Neustadt gegen Hans Schlögel wegen Tötung des Ulrich Zeller im Raufandel.
Aus dem Schreiben des Beschuldigten an der Rat von Wiener-Neustadt vom 26. November 1455 (zitiert nach Josef Mayer, II. Bd., S.170):
(Der außerhalb der städtischen Gewalt befindliche Beschuldigte bittet die Stadt Wiener-Neustadt um einen Geleitsbrief, um den Unschuldsbeweis zu führen, und verlangt folgendes:)

"Er wolle nach Wiener-Neustadt gehen; der Leichnam des Getöteten soll wieder ausgegraben und in St.Marx vor dem äußeren Wienertor aufgebahrt werden. Dann sollen alle vier Beteiligten zur Bahre treten und einer nach dem anderen zwei Finger auf die Wunde legen und einen Eid sprechen: "Hab ich ... den Ulrich Zeller erschossen, so soll Gottes Marter und sein heiliges rosenfarbenes Blut an mir und meiner Seele ewiglich verloren sein und meine Seele nimmer vor Gottes Angesicht kommen, so mir Gott helfe und alle seine Heiligen. Amen."
Dann werde der Leichnam durch das Wiederbluten der Wunde Zeugnis geben.


2. BILDZAUBER

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt. Sammelarchiv Khünegg G3, 1465.
Strafprozess des Landgerichts Grünburg gegen die Pfarrerschafferin Kathrey und die Katerl, der Andl Partundl Tochter, wegen Anhexen von Krankheiten.
Aus dem Verhör der Katerl am Freitag vor St. Marien. Magdalenentag 1465
(19.Juli):

"Dann gesteht zuerst die erwähnte Katerl (die Tochter der Anndl Partundl), dass sie ihre Mutter und die Katharina, die Haus-Verwalterin des Pfarrers von Hermagor, Leonhart Angermann, nach Grünburg geschickt haben. Als Erkennungs-Zeichen habe ihre Mutter dem Verwalter die "Weysat" (das Geschenk, das eine Wöchnerin von den Nachbarinnen bei der Geburt bekommt) mitgegeben.
Ihre Mutter und die Verwalterin haben ihr befohlen, sie solle dafür einen Fleck vom Gewand des Verwalters mitbringen, Haare von ihm und einen Riemen von seinen Schuhen.
Und wie sie dann mit der Weysat nach Grünburg in das Schloss gekommen sei, da sei die Verwalterin inzwischen in den Wehen gelegen. Sie sei zu ihr in die Stube gekommen und habe dort einen Fleck von einem grünen, aus Haaren gemachten Oberkleid des Verwalters gefunden und in einem Loch in dieser Stube habe sie Haare des Pflegers  gefunden. Und als sie wieder hinausgehen wollte, habe sie vor der Tür des Speisesaals die Schuhe liegen sehen. Davon habe sie einen Riemen abgeschnitten. Sie habe dann diese Dinge ihrer Mutter und der Verwalterin gebracht. Danach hätten diese sie um Lehm geschickt.
Als sie nun alles Notwendige beieinander gehabt hätte, da seien nun die drei: die Katharina Porgatsch, die Katharina, die Verwalterin des Herrn Leonhard Angermann und die Anndl Partundl zum Markt gegangen. Sie hätten dann aus den vorher genannten Dingen ein Bild gemacht. Nachdem sie das Bild gemacht hätten, seien sie eines Nachts, als es schon finster war, die Katharina, des Herrn Leonharts Verwalterin, die Andel Partundl und die Katherl, ihre Tochter, zum Markt nach Grünburg gegangen und hätten dort unter der Brücke das erwähnte Bild einen Daumen tief eingegraben. Die Verwalterin habe dazu eine Haue ausgeliehen."

Justitia Darstellung Schloss  Ambras
Justitia Figur in einem alten Ofen im Schloss Ambras bei Innsbruck

Aus dem Verhör der Kathrey, des Herrn Leonharts des Angermann Dirn, vom Freitag vor St. Marien-Magdalenentag 1465 (19. Juli):

"....da habe aber die Porgatsch der Schafferin gesagt, man müsse zum Krankzaubern Haare des Verwalters haben, ein Schuhband, einen Fleck von seinem Gewand und eine Rippe von einem toten Menschen."
"Dann hat sie auch bekannt, dass sie und die Porgatsch und die Partundl aus dem Markt hinaus gegangen seien. Sie seien zwischen dem Kreuz und dem Galgen zusammen gesessen und die vorher genannten Dinge für das Bild habe die Verwalterin selbst hinaus getragen und sie selbst habe auch die Rippe (ungefähr eine Spanne lang) auf dem Friedhof in St. Hermagor genommen und mit hinaus getragen.
Die Schaffer habe aber gesagt, wenn man die Wirkung des Bildes aufheben wolle, dann müsse man eine Haue mit zwei Zinken machen. Damit müsse man es ausgraben. Dann müsse man ein Eisenbild machen, dieses eingraben und den Verwalter darüber gehen lassen. Dann werde er wieder gesund. Und für dieses Bild müsse man für das Schmieden einen Teil vom Eisen von Waffen nehmen."


3. LEICHENTEILE GERICHTETER ALS LIEBESZAUBER

Fürstbischöfl. Hofarchiv Brixen 1485.
"Der Innsbrucker Hexenprozess von 1485." Vom Hartmann Ammann. Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg, III. Heft, S. 347).
Aus dem Zeugenverhör der Clara Lienhart vom 9. August 1485:


"Die alte Fend hat einer Frau, die Reichard heißt und die Frau eines Waren-Aufladers ist, beigebracht, sie solle auf den Galgen steigen und von dem Dieb etwas nehmen. Wenn sie damit jemand berühre, dann müsse dieser sie lieb haben.
Die Ursache dafür, dass sie es lernte, war, dass die Reichard eine Tochter hat, die einer geschwängert hat und nichts mehr für sie tun wollte."

 

4. LIEBESZAUBER

Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Verhör eines Zeugen (Name im Original unterdrückt), vom 15. August 1485:

"Ennli Foster in der Vorstadt ist eine Verwalterin und hat dem Hans Lamp eine große Nuss, halbvergoldet, unter den Kopf gelegt. Seit dieser Zeit ist er zu seiner Frau rücksichtslos und grob und will sie erschlagen und er hängt an der Ennli. -
Diese soll unter Anwendung der Folter befragt werden."
+

 

Justitian Schloss Ambras
Darstellung der Justitia im Schloss Ambras bei Innsbruck

5. LIEBESZAUBER

Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Aus dem Verhör (mehrerer Zeugen) vom 19. August 1485:


"Die alte Rendl ist erstens verklagt worden, dass sie den Christian Engelsperger zuerst verzaubern und ihn danach vergiften wollte. Sie wollte ihn zur Liebe verzaubern, und danach sich ihm hingeben. Sie dachte, er habe eine andere lieber als sie. Da hat sie es zweimal bei ihm versucht. Einmal mit drei Ellritzen-Fischen, die sie in ihrer Scham getötet hat und mit anderem Zutaten zu einem Pulver zusammen gerührt hat, um es ihm einzugeben, damit sie mit dem Gesellen schlafen kann. Und dann hat sie ein Pulver, in dem viel Gebein war, in einem Brieflein eingeschlossen und einer Person, mit Namen Steinil (wohnhaft in Meran) gegeben. Die sollte das Pulver zwischen dem Gesellen und der Magdalena, der Ehefrau des Wolfgang, werfen."


6. TÖTUNGS- UND ERBLINDUNGSZAUBER

Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Aus dem Verhör des Zeugen Ulrich Pogner und seiner Hausfrau Margaret vom 21. August 1485:

"Gegen die Saitennäherin an der Innbrücke. Sie hat einem dem Kläger gedroht, sie wolle machen, dass er innerhalb eines Jahres gehängt wird oder blind werden muss. Den schweren Verdacht und die Kenntnis davon hat er durch seine Frau bekommen, die gesehen hat, wie sie Haare vom Kopf des Klägers, die sie ihm ausgezupft hat, als sie so getan hat, als ob sie ihn lausen wollte, zusammengewickelt, an ein Hölzerl gebunden und in der Küche in der Mauer versteckt hat. Das fand ihre Tochter, die Frau des Klägers und hat es ins Feuer geworfen."

 

7. KRANKHEITSZAUBER

Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Aus dem Verhör mehrerer Zeugen vom 23. August 1485:


"Der Tochter des Wolf, der Frau des Malers in Hötting, die im bösen Ruf steht, wird erstens vorgeworfen, dass sie die zweite Frau des Ludwig Koch mit einem Kopfputz aus Stoff, den sie ihr geschickt habe, verzaubert habe, denn die erste Frau des Ludwig war ihre Schwester gewesen. Sobald die Frau den Kopfputz aufgesetzt habe, hätte sie am Kopf Blasen bekommen und sei ganz wütend und wahnsinnig geworden, über ein halbes Jahr lang. Wie sie ihr das gewundene Tuch aufgetrennt haben, fand man darin Sauborsten, Haare, Kalk, Wachs und anderen Unrat. Nachdem das weggebracht worden war, ging es ihr besser."


8. LIEBES- UND SCHLAFLOSIGKEITSZAUBER

Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Beschworene Zeugenaussage des Martin Graff und seiner Hausfrau vom 25. August 1485:


"Die Tochter der Gredl Koller hat den Martin Graff verzaubert, dass er gegenüber seiner Frau keine Rücksicht mehr nahm. Und zwar so verzaubert, dass er zwölf Wochen lang nicht schlafen konnte. Er sei überzeugt gewesen, dass es deshalb gewesen sei, weil er sie einmal zwingen wollte, dass sie ihm helfe. Sie hat gesagt, dass es noch nicht Zeit wäre. Dann war sie seine Geliebte gewesen und hatte geglaubt, dass er sie zur Frau nehmen werde. Nachdem er aber eine andere nahm, sagte sie: "Ich werde Dir eine Krankheit hinterlassen, die du ganz sicher merken wirst!"
Und dann hat die Frau Greta in ihrem Bett eine kleine Spindel gefunden, die mit dreierlei Fäden umwunden war, mit Leinenfäden, mit Wollfäden und mit Menschenhaar. Und auch in einer Schnur, die er vor zwei Jahren an seinem Mantel gehabt hat, hat er in dieser Woche, als ich gepredigt habe, eingewobenes Menschenhaar und die Schamhaare von Frauen gefunden. Das hat sie ihm hineingewebt, als sie diese Schnur von ihm vorübergehend ausgeborgt und danach wieder zurück gegeben hat."


Schloss Ambras bei Innsbruck
Schloss Ambras bei Innsbruck

9. LIEBESZAUBER

Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Zeugenaussage der Elisabeth, des Schneiders Heinrich Weib, vom 3. September 1485:


"Gegen die Elisabeth Heiligkrütz, die Schwester des Mesners. Sie lehrt die Leute, wie sie die Männer verzaubern können und was sie da so machen müssen: Dass sie eine schwarze Henne kaufen müssen, so wie sie angeboten wird (ohne zu feilschen). Dann sollten sie der Henne das Herz herausnehmen und zwischen die Schamteile legen und sie dann den Menschen zu essen geben."

 

10. MILCHZAUBER (HEXENBRENNEN)

Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Zeugenaussage der Christine Ypfhoferin vom 6. September 1485:


"Trenlin Rötfelders Magd hat den Verdacht, dass den Kühen die Milch genommen wird. Sie hat erfahren, dass wenn einer Person die Milch genommen worden ist, diese dann den Milchkübel über das Feuer hängen soll und in des Teufels Namen darauf schlagen soll. Dann müsse diese Person kommen. So geschah es, dass diese Person weinend gekommen ist und es ihr ganz schlecht ging."


11. ALRAUNWURZELN ALS PROZESSZAUBER

Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Aus dem Verhör der Elsbeth Velk:
"...der die Seutz 2 Alraunwurzeln gegeben hat, die sie unter die Altartücher legen sollt",
vom 8. September 1485:
"Gegen die Seutz in der Vorstadt, die kann die Alraunwurzen unter die Altartücher legen. Und wenn darüber 9 Messen gelesen werden, dann kann sie bei Gericht keinen Prozess verlieren."

 

12. JUDENEXKREMENTE UND LEICHENTEILE NEUGEBORENER KINDER ALS ZAUBERMITTEL

Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485:
Aus dem Verhör eines (unbekannten) Zeugen vom 14. September 1485:
(Die Aussage richtete sich gegen eine namentlich nicht genannte übel berüchtigte Hexe in Hall bei Innsbruck.)


"Gegen sie deponierte der erste Zeuge, dass in der Zeit, als er selbst in ihren Diensten stand, sie ihn wiederholt zu den Kloaken der Juden in Innsbruck geschickt hat, damit er Kot der Juden von dort bringe. Was er manchmal getan habe, manchmal aber von anderen für ihn machen habe lassen."

Ein anderer (ebenfalls unbekannter) Zeuge berichtet am selben Tag, dass eine Frau bei Innsbruck den Erzherzog Sigismund bezaubern wollte, um dessen verlorene Liebe wiederzugewinnen, und zu diesem Zwecke einen Schüler zu der Hexe von Hall schickte, um von ihr gwisse Zaubermittel zu holen. Ein Priester nahm ihm bei seiner Rückkehr diese Sachen ab.
"Damals waren unter den schrecklichen Dingen waren vom Bauchnabel und kleine Hautstücke abgeschnitten vom Körper eines neu geborenen Knaben."


Innsbruck
Justiz in einem Fresko in der Hofgasse in Innsbruck

13. BILDZAUBER, GALGENHOLZ ALS ZAUBERMITTEL

Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Aus der beeideten Zeugenaussage der Gertrud Rot vom 17. Oktober 1485:
(die beschuldigte Barbara Selach lebt in Feindschaft mit der Zeugin. Als diese erkrankt, gibt sie Selach die Schuld und wird in ihrem Verdachte durch einen Töpfer bestärkt, der ihr den Rat gibt, unter der Schwelle nachzugraben:)

"Als nun mein Gatte in Gegenwart und unter Beihilfe des Töpfers dies tat, fanden sie unter der Türschwelle ein handgroßes Wachsbild, ein Weib darstellend, durchstochen und voll von Löchern. Auch steckten in dem Wachsbild zwei Nadeln, die eine in der Richtung von der Brust zur linken Schulter, die andere in Richtung von der Brust gegen den Rücken; in eben diesen Richtungen aber empfand ich die allerbittersten Schmerzen, obwohl ich auch sonst am ganzen Leib von Leiden geplagt wurde, wie auch das Wachsbild nach allen Seiten durchstochen war. Auch wurden unter der Türschwelle zwei Tuchstücke gefunden; in dem einen waren verschiedene Arten von Samen eingeschlossen, in beiden Holzstücke, die vom Galgen abgeschnitten waren, Knochen von den Füßen ungetaufter Knaben, Haare und Fäden, die aus Altarverzierungen genommen waren, sowie manches andere."

 

14.BILDZAUBER

Archiv des Kärntner Geschichtsvereins, Klagenfurt, 1493.
Prozess gegen die drei Wolfsberger Bürgerfrauen Christina Trünkl, Barbara Ösl und Wolf wegen Teufelsbund und zauberischer Mordanschläge gegen den Schlossherren Wolfgang Payner.
Aus dem Geständnis der Christina Trünkl vom Dienstag vor dem Sonntag Judica 1493 (21. März):


"…Wie sie nun beieinander gewesen sind, da sind sie sich einig geworden und haben in der Stuben ein Wachs-Manderl gemacht und dann viele Nadeln in das Manderl hineingesteckt. Da habe die Trünkl die 3 Nadeln, die beim Herzen gesteckt sind, wieder herausgezogen. Wenn sie auch das Manderl gemacht hätten, um dem edlen Wolfgang Payner einen verderblichen körperlichen Schaden zuzufügen, dann soll er doch noch länger am Leben bleiben.
Dann hat die Trünkl gestanden, dass jede von ihnen Dreien einen eigenen Teufel habe. Der Teufel der Trünkl werde Welland Dreistein genannt, der Teufel der Wolff werde Tillian genannt und der Teufel der Ösl heiße Pfauenschwanz.
Dann hat die Trünkl gestanden, dass sie das Wachs-Manderl in eine Kammer getragen hätten. Die Ösl habe dann Wasser von einem Bach gebracht und sie hätten das Wasser im Namen ihrer Teufel gesegnet und jede von ihnen habe dann das Manderl im Namen ihres jeweiligen Teufels getauft. Sie hätten dem Manderl den Namen Wolfgang gegeben. Auch hat die Trünkl gestanden: So oft eine von ihnen eine Nadel in das Wachs-Manderl gesteckt habe, habe sie dazu gesagt, der Wolfgang Payner soll an Leib und Gut verderben und verkümmern.
Danach hat dieselbe Trünkl weiters bekannt, wie sie das Manderl gemacht hätten, die Nadeln hineingesteckt und getauft hätten, hätte jede von ihnen Gott und unsere liebe Frau (Maria) verleugnet und dem christlichen Glauben widersagt. Und jede von ihnen habe gesagt:
"Das heilige Martyrium unseres Herrn (Jesus Christus) soll nicht in mir sein, solange ich die Zauberkunst betreibe". Das hätten sie alles getan, um dem Wolfgang Payner Schaden und Verderben zuzufügen.
Weiters hat die Trünkl gestanden, sie habe die Wolff danach eindringlich gefragt, wo man das Wachsmanderl eingegraben habe. Diese habe geantwortet, der Wolff und der Balthasar hätten es beim Schloss vom Wolfgang Payner vor der äußeren Brücke eingegraben. Dort liege es noch immer."

 

15. ZAUBERISCHES BLINDMACHEN

St.L.A. Sond.-Arch. Stubenberg, Schub. 76, Heft 403. Urgicht des Erhard Tunsch 1513.
Am Montag vor Sankt Gilgentag "der wenigeren Zall 13" (29. August 1513) wird der Mörder, Zauberer und Dieb Erhard Tunsch durch den Marktrichter Christoph Mostberger von Kapfenberg vernommen. Aus dem Geständnis:


"Außerdem hat er gestanden, dass er gegenüber dem Gotthart Hackenschmid in Kindberg einen schlimmen Neid gehabt habe und nicht gewusst habe, wie er sich in böser Weise rächen soll.
Vor 20 Jahren habe er an einem Baum das Abschneiden gelernt. Mit dieser Zauber-Kunst habe er den Gotthart Hackenschmid aus Kindberg um sein Sehvermögen gebracht.
Damit hat er geprahlt und daraufhin hat man ihn festgenommen."


Wienerneustadt-Sgraffito
Wiener Neustadt - Sgraffito am Haus Neunkirchnerstraße 19 Niederösterreich

16. BILDZAUBER

Archiv der Stadt Wiener-Neustadt, Jg. 33a, 1528.
Zaubereiprozess des Stadtgerichtes Wiener-Neustadt gegen Anna Pfleger wegen Zauberei.
Bekenntnis der Beschuldigen aus dem Jahre 1528:

Die Beschuldigte hat den Tod von mehreren Personen herbeigeführt:
"Durch ein Wasser, das sie aus Kröten und Eidechsen herstellte. Dann habe sie ein Bild derselben Person angefertigt und in deren Wohnung, Keller oder dergleichen gelegt."

 

17. TOTZAUBERN DURCH FRIEDHOFSERDE, LEICHENTEILE UND GRABTÜCHER

Archiv der Schadt Wiener-Neustadt 1562.
Zaubereiprozess des Stadtgerichts Wiener-Neustadt gegen den Totengräber Rupert Schlemer. - Aus dem peinlichen Bekenntnis des Beschuldigten vom 10. März 1562:


"Der Totengräber von Baden habe ihm im vorigen Jahre beigebracht, dass er Erdreich von den Gräbern nehmen, es in die Gätter des Friedhofs stellen, auf den Kirchsteigen und in den Gassen ausstreuen solle, "damit das ehrlich sterben soll". Vor etwa acht Wochen habe er ein beerdigtes, noch wenig verwestes Knäblein ausgegraben; dieses Kind habe er mit Haupt und Gliedern gesotten, ein Weihwasser daraus gemacht und dies beim Kirchengatter, auf der Kirchenstiege, in der Kirche und in die Gassen ausgesprengt, wo er das Erdreich ausgestreut. Auch die Leiche hab er mit dem Wasser eingespritzt und dasselbe auch im Friedhofe an der Mauer gegenüber dem Bischofshof ausgegossen. Seine Frau habe um alles gewusst und den Knaben selbst gesotten. Auch diese Sache habe ihm der Totengräber von Baden gelernt. Er habe Leichentücher von den Toten weggenommen und verkauft. Von einem habe er einen Zipfel abgeschnitten und denselben einer Frau gegeben, um damit von ihr eine Krankheit zu vertreiben."

 

18. FALSCHE ALRAUNWURZELN

Archiv der Stadt Wiener-Neustadt, Nr. 55/4, 1571.

"Ein Ehepaar aus Hartberg hat im Jahre 1571 aus Armut und durch Verführung durch den bösen Feind (Teufel) aus Rüben Sachen gemacht, die den Alraunwurzeln gleich sahen, und hat dieselben auch als Alraunwurzeln verkauft."

 

19. DIE KRÖTE ALS ZAUBER- UND SEELENTIER.

St. L. A. Polizeiwesen, 12. Juni 1580.
Bericht des steirischen Landprofosen Jakob Bithner an die Landschaft über die Vorgänge bei der am 20. Mai 1580 in Arnfels erfolgten Verbrennung der "Butterhexe" Barbara Striglin.


"Nachdem sie eine Stunde lang gebrannt hat, ist sie immer noch lebendig im Feuer gesehen worden und sie soll aus dem Scheiterhaufen heraus wie ein Vogel geflogen sein. Wie er auf die Erde gekommen ist, haben die Bauern zusammen mit einigen Geistlichen, die dabei gewesen sind, dem Scharfrichter etwas gezeigt und gefragt, was es damit auf sich habe, was wie eine widernatürlich große Kröte*) ausgesehen habe, die fast aufrecht dem Wasser zugeeilt ist. Wie der Scharfrichter sie gesehen hat, hat er 3 Rasenstücke für sie ausgestochen**). Die hat sich gegen ihn zurückgewandt, und wie er mit der Haue auf sie hauen wollte, hat die Kröte wie ein Mensch gewinselt und mit dem Kopf gezuckt. Mit dem 2. Hieb hat er ihr den halben Kopf abgeschlagen, gleichzeitig eine Vorder- und eine Hinterpratzen. Darauf hat er ihr einen Schlag auf den Rücken gegeben. Dann hat er die Kröte mit der Harken ins Feuer geworfen. Dann hat er einige, die dabei gewesen sind, gebeten, dass sie ihm helfen, das Feuer abzusticken und den Körper, an dem er die selben Spuren der Schläge, die er der Kröte gegeben hat, gefunden hat, herauszuziehen. Ihre Kleider, die sie angehabt hat, hat er später abseits vom Scheiterhaufen auf dem Brachfeld verbrannt. Ihren Körper hat er danach zerstückelt und vollkommen verbrannt."

loewenplastik
Löwenplastik aus dem 16. Jh. in der Pfarrkirche von Arnfels (Steiermark)

*) Die Kröte ist im Vorstellungskreis des Zauberglaubens sehr häufig als Teufels- und Zaubertier nachweisbar. Unter anderem nimmt der Hausteufel häufig Krötengestalt an; am Hexensabbat werden Kröten mit der mitgebrachten Hostie gefüttert usw. Im vorliegenden Falle scheint die etwas verzerrte Vorstellung vom Seelentier, die u.a. in Tirol dazu geführt hat, im Allerseelenglauben in der Kröte das Wohntier armer Seelen zu sehen, mitzuspielen; die Seele der verbrannten Zauberin sucht zuerst in Vogel-, dann in Krötengestalt zu entrinnen.

**) Friedhofserde ist gleichmäßig als Glückszauber wie als Mittel zur zauberischen Schadenstiftung brauchbar.


20. WETTERZAUBER

St. L. A. Sond.-Archiv Stubenberg, Fasc. 76 (Gerichtswesen), Heft 403. Gerichtsprotokoll der Landgerichtsherrschaft Wurmberg 1585.
Aus dem gütlichen und hernach peinlichen Verhör mit Margarethe Wilhalbm Schuesterin (Feber 1585):


"Außer ihr seien die Sabotnik und die anderen Komplizinnen mitgeflogen. Für diese Zauber-Künste hätten sie die Federn von Hühnern, die man am Faschingstag rupft und 3 Steine aus dem Bächlein bei Gutenhag in Aichach zusammen mit dem Wasser verwendet und dazu diese Worte:
"Vorn hinaus und nirgends anstoßen und hinaus auf die weite Straße, wo die Weg-Kreuzungen sind!"
Danach seien sie und der schwarze Kasperl (Teufel) auf einer Ofenkrucken (Brotschieber) gesessen und 3 Männer seien vorangeflogen. Daraufhin sei das schaurige Wetter entstanden."

Schloss Stubenberg
Schloss Stubenberg in Stubenberg (Steiermark)


Gmünd altes Schloss
Gmünd in Kärnten - Altes Schloss

21. WETTERZAUBER

Kärntner Landesarchiv. Archiv der Herrschaft Gmünd, Nr. 44/XXIII, 1591. Zaubereiprozess des Landgerichtes Biberstein (Himmelberg) gegen Margareta, des Mertl an der Lapien Ehewirtin wegen Wettermachen).
Aus dem Verhör ohne Folter der Margareta vom 2. Oktober 1591 durch Hans Halfinger, Pfleger der Herrschaft Biberstein:

"...vor zwei Jahren hätten sie und ihre Gefährtinnen (die Blandl Pürschtenmacher und die Gredl) nicht das große Hagelwetter, sondern das nächste danach, das durch die Gnesau herausgekommen ist, gemacht. Alle 3 hätten sie sich am Anfang nackt in der Gurk gebadet und das Wasser 3-Mal über sich gegossen. Ihre Gefährtinnen hätten damals auch Gebeine vergraben. Daraus sei Wetter mit Schnee und Hagel entstanden."

 

22. BESESSENHEITSZAUBER, WETTERBESCHWÖRUNG, DIEBZAUBER, HIMMELBRIEFE, SCHLOSSZAUBER, SCHLAFZAUBER, GALGENMÄNNLEIN, GALGENHOLZ, GALGENKETTE, SCHLANGENBANN

Fürstbischöfliches Hofarchiv Brixen1595.
Zaubereiprozess gegen Christoph Gostner, Rotschneider und Wirt in Sexten vor dem Gerichte in Heinfels bei Sillian im Pustertale.
Aus dem Verhör der Beschuldigten am 21. Juni 1595:
Antwort auf die Frage, welches Mittel er bei Besessenen zur Heilung verwendet habe:


"Er gibt an, dass er von einem Hecht das Herz und die Leber genommen habe und die besessenen Leute, die böse Geister bei sich hatten, damit geräuchert habe und dass er eine kohlschwarze Henne in der Mitte auseinandergerissen, auf den Kopf gelegt und dazu Gewürze genommen (Gewürznelken, Zimt, Muskatblüten, Muskatnuss) und das ganze zu Pulver zerstoßen und eingegeben habe. So habe er das Gehirn gestärkt und es seien die bösen Geister von ihnen ausgetrieben worden…"

Antwort auf die Frage nach der Art des sogenannten "Wetterwehrens":
"Er gibt an, er könne nicht wissen, wie oft er Wetter abgewehrt habe. Aber wenn er das Wetter dick und schwarz habe kommen sehen, dann habe er es abgewehrt, so gut er es habe können und es zurück und weg getrieben, bis in das höchste Gebirge, wo kein Hahn mehr kräht, kein Mäher mäht und kein Ochs mehr brüllt und wo keine Blume blüht, sodass es niemand schadet und - wie er meine - der Hagel gleich zu Wasser werde."

Schloss Heinfels
Schloss Heinfels bei Sillian in Osttirol

Antwort auf die Frage, was er zur Wiederbeschaffung gestohlenen Gutes gebraucht habe:

"Was er dazu verwendet habe, das sei folgendes:
Er sei in den Stall gegangen, habe sich nach Osten gewandt hingekniet und gesagt:
"O Herr Jesu Christ, ich knie auf diesem Mist. Schick du diesem Dieb, der es gestohlen hat, 3 der bösesten Teufel. Der 1. zwing dich, der 2. bedräng dich, der 3. gehe dir in deine Schuhe, sodass dir, Dieb, so Wund und Weh sei mit den gestohlenen Dingen, wie es deiner Mutter gewesen ist, wie sie dich auf diesen Erdboden gebracht hat mit ihren klagenden Lenden und Händen. Und so zwing ich dich, dass du das Gestohlene wiederbringen musst, im Namen Gottes Vaters, Sohnes und heiligen Geistes."

Aus dem "Inventar" über die Zauberbücher und –zettel des Beschuldigen vom 4. Juli 1595:

"Nr.23. Ebenso ein altes Buch, bei dem am Beginn ein Brief ist, der vom Himmel kommt, außerdem danach noch Künste, wie die Kunst, wenn einer zum Beispiel dafür 10 Messen lesen lässt und danach das Papier in den Mund nimmt und in ein Schloss bläst, dann geht es auf. Ebenso, wenn einer eine Feder vom linken Flügel einer Haustaube nimmt und sie an einem roten Seidenfaden an das Haus hängt, dann wird niemand aufwachen…

Nr.58. In einem Papier zusammengebunden 5 Galgenmännchen (Alraunwurzeln), an jedem ein Kreuzer angebunden, der zuvor in eine Öllampe in der Kirche hineingeworfen und wieder herausgenommen werden sein muss.

Nr.63. In einem gestrickten Sack eine Kristallkugel oder ein Brillenstein (schwarzer Onyx mit Ringen), die zu den nachstehend beschriebenen Beschwerden gehören.
Er sagt, er habe diese wohl einmal verwendet, in ihnen aber nichts gesehen noch mit ihnen etwas ausgerichtet.
In einem Sack ein dreieckiger Kristall, ungefähr eine Spanne lang. Er sagt, er habe die einmal probiert, aber nichts bewirkt und nicht weiter verwendet. Dann ein Glied von einer Kette. Vermutlich von einer Kette von einem Galgen. Es soll von Vorteil sein, daraus Sporne zu machen. Dann gehen die Rosse schneller.
Und in einem kleinen Sack einige Schlangen, gerade von jenen Schlangen, die er selbst gefangen. Und das seien die Worte: "Osia, osia, osia, du listige Schlange, steh still, wie der Jordan stillstand, als der heilige Johannes unseren lieben Herrn getauft hat im Namen Gott Vaters, Sohnes und heiligen Geistes."
Ein Strick, an dem einer gehangen ist, die der Maurer in Ollang gebracht habe.
Weiters ein Kräuterbuch. Er sagt, er habe das verwendet, um die Kräuter darin nachzuschauen."

alraun
Alraune in alter Abbildung

Aus dem Verhör des Beschuldigten vom 7. Juli 1595:
Antwort auf die Frage, ob er "kheine Galgenmandler und weibeler" gesehen, gehabt oder gebraucht habe:

"Galgenmanderln habe er nie welche gehabt….; aber Siegwurzen*) habe sein Vater 6 Paar in einer Schachtel zurück gelassen. Er habe 3 Paar davon herausgenommen und in altes Papier eingewickelt und in die Truhe gelegt, Farnkrautsamen, auch einen Pfennig oder Kreuzer dazu gebunden und mit roter Seide, viel Gold und dergleichen umwunden."

Antwort auf die Frage, ob er nichts vom Galgen genommen:

"Er habe von der Seite vom Galgen mit der Seitenwaffe Holzspäne heruntergehackt und diese ins Bett gelegt, damit man dort keine Wanzen mehr spürt. Und auch Eisen von einer Kette, an der einer gehangen habe. Wenn einer ein schwaches Ross habe, soll er Sporen daraus machen lassen, dann gehe dieses Ross auf und davon…"

Äußerung des Beschuldigten über den Zweck einiger Zettel, die bei ihm gefunden worden sind:

"….wenn man leeres Papier mit Blut anstreicht, das von einem Maulwurf stammt, und das jemand kund tut, der das Gliederreißen hat und unter den bloßen Kopf legt, dann soll es dem vergehen…"

Aus dem Verhör des Beschuldigten vom 10. Juli 1595:
Äußerung des Beschuldigten über die "Galgenmanderl":

"Seine Siegwurzen (im Inventar sind sie aber als Galgenmanderl beschrieben worden) soll man fürs Glück bei sich tragen, wie es vorher beschrieben worden ist. Dazu ist der Farnkrautsamen gebunden und ein Kreuzer, ein Weizenkörndl und ein Pfefferkörndl, weil das die Speise des Farnkrautsamen sind."

*)Das Galgenmännlein ist die Alraunwurzel, die nach der Volksmeinung unter dem Galgen aus dem Samenabgang Gehängter entstand. Die echte Alraunwurzel (Mandragora) wurde vielfach (hier mit Siegwurz (gladiolus communis L.), so genannt, weil sie nach dem damaligen Volksglauben durch Unverwundbarmachen den Sieg verlieh) verfälscht.


23. ZAUBER GEGEN TRUNKENHEIT

Zaubereiprozess gegen Anna Hartmannin aus Sillian vor dem Gericht in Heinfels bei Sillian im Pustertal.
Aus der Verhör der Beschuldigten am 18. Juli 1597:


"Auf die … Frage, warum sie versucht habe, eine Nadel zu bekommen, mit der eine Leiche eingenäht worden ist, erklärte die Frau Harmann, sie habe eine solche Nadel von der Veleichpeck, deren Mann gestorben war, verlangt, aber nicht bekommen. Man habe ihr nämlich gesagt, wenn sie mit einer solchen Nadel drei Stiche in das Gewand ihres Mannes mache, so werde dies dagegen helfen, dass dieser sich so oft betrinke und grob mit ihr sei..... Sie gestand,dass sie einen Zahn (aus einem Totenkopf auf dem Friedhof) mitgenommen habe, und zwar deshalb, weil ihr Mann immer betrunken sei und sie immer " "schmal halte" "; sie habe den Zahn zu Pulver zerrieben und so ihrem Manne in Wein eingegeben…."

Eine Form des Analogiezaubers: Der Zahn soll die Krankheit aufzehren.
Der Glaube, dass man die Trunksucht mit Dingen heilen könne, die von Leichen stammen, war sehr weit verbreitet.

 

24. VIEHANSPRECHEN (VIEHSEGEN)

Archiv des Kärntner Geschichtsvereins, Archiv der Stadt Gmünd, Fasz. XVIII, Nr. 137, 1600.
Prozess des Landgerichts Gmünd gegen Magdalena Waichler wegen Zauberei.
Aus deren Verhör ohne Folter vom 11. November 1600 durch Hans Preisl, Landrichter der Herrschaft Gmünd:


"Sie könne das Vieh mit einem Segensspruch beeinflussen. Das habe sie mit folgenden Worten getan:

Stadtmauer Gmünd
Stadtmauer von Gmünd

"Ich, Magdalena beschwöre dich. Bist Du verzaubert mit einem bösen Wort, so will ich dir helfen mit drei guten Worten. Hat dich eine Frau verzaubert, dann sei es ihrem Körper vergolten. Hat dich eine Magd verzaubert, dann sei es ihrem Hirn vergolten. Hat dich ein Knecht verzaubert, dann sei es seinem Schwert vergolten. Hat dich ein Mann verzaubert, dann soll sich sein Zauber gegen ihn selbst richten.
Es helf dir Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der heilige Geist, dann wirst du frisch und rein an deinem ganzen Fleisch und Gebein!"

Man muss dazu Salz nehmen und in den Harn geben, mit einer Bürste eintauchen und über die Stirn hinter die Haare spritzen. Das muss bei jedem Tier dreimal geschehen und der Segen muss ebenso oft dazu gesprochen werden."

 

25. ZUSAMMENSETZUNG DER HEXENSALBE

Original und Kopie im St.L.A. und im Stiftsarchiv Admont, 1602.
Aus dem "gütlichen Examen" der wegen Zauberei vom Landgericht des Stifts St. Lamprecht am 31. Juli 1602 prozessierten 10-13 Jährigen Greschl, der Tochter des Thoman, Schusters von Teufenbach:


"Dienstag, Donnerstag und Samstag abends sind ihre Mutter und der Dyonis auf die Weide gegangen. Sie haben miteinander geredet und er habe ihr einen Knochen von einem Toten gegeben und gesagt, sie soll es fein zerstoßen und eine Salbe machen zum ausfahren. Dazu soll sie faules Holz nehmen, das in der Nacht leuchtet, Menschenhaar, Sauborsten, Brunnenwasser, ein wenig Mehl , Schmalz und eine Hostie. Wenn sie zum heiligen Sakrament gehe, dann soll sie es wieder aus dem Mund nehmen. Das habe sie 2 Mal gemacht."


26. REGENZAUBER

Archiv des Kärntner Geschichtsvereins, Archiv der Herrschaft Gmünd, 117/c, Nr. 44/XXIII, 1603.
Prozess des Landgerichts Gmünd gegen Luzia Neunegger und Hans Träxler wegen Wettermachen und Teufelsumgang.
Aus dem gütlichen Verhör der Luzia Neuneggerin in der Nöring vom 27. Juni 1603:

"Am vergangenen Karfreitag hätten sie an vier Wegkreuzungen, nämlich beim unteren Stadttor hier in Gmünd, am Trettal Hügel, bei der Nöringbrücke und in der Gämsnitz, alles in der Herrschaft Gmünd gelegen, Erde aufgehoben. Diese Erde hätten sie in der Nöring beim Laimkoffl in den Bach geworfen. Sie seien dreimal barfuß im Bach hin und her gegangen und hätten mit der linken Hand die Erde hinter den Rücken geworfen und folgende Worte dazu gesprochen: "So wahr ich diese Erde in den Bach werfe, so wahr sollen die Regengüsse über die Gründe des Ruepen Gamper niedergehen."

Aus der Anzeige des Abraham Hilgartner vom 15. Juli 1603 gegen den Bettler Hans Träxler:

"Wie er zusammen mit seinen Komplizen (es folgen die Namen von 4 Gmündner Bäckergesellen) von der Kremsbrücke in die Stadt gegangen sei, hätten sie auf der Landstraße einen armen Menschen, der sich Hans Träxler nenne, angetroffen, der mit seinem Wanderstab in eine Kotlacke geschlagen habe, was sie alle wahrgenommen hätten und wovon sie angenommen hätten, dass es nicht ohne besondere Ursache geschehe. Daraufhin wären sie nicht nur wegen seines Tuns, sondern auch wegen der Bewegung in der Kotlacke und was sie bedeuten würde, stehen geblieben und hätten ihn darauf ernst angesprochen.

Darauf habe ihnen der erwähnte Hans bekannt, er habe dem "Steiger an der Langen", bei dem er letzte Nacht übernachtet habe, einen Regen machen wollen, damit er sein Heu, von dem ziemlich viel auf der Weide liege, nicht einbringen könne. Das sei deshalb geschehen, weil er ihn am Abend und am Morgen mit dem Essen so schlecht behandelt habe."

27. UNVERWUNDBAR MACHEN

St. L. A. Sond.-Arch. Stubenberg, 76. Fasz. (Gerichtswesen 1513-1769). Verhörsprotokoll der Herrschaft Frauenburg 1609.
Bastl Vöst aus Kirchdorf in Oberösterreich, seines Handwerks ein Sensenschmied, seit acht Jahren Soldat, sagt am 19. Januar 1906 im Zuge seines Verhörs mit und ohne Folter vor dem Pfleger und Landgerichtsverwalter von Frauenburg (oberes Murtal bei Unzmarkt) u. a. aus:


Stadttor von Gmünd
Stadttor von Gmünd

"Weiters sagt er, dass er die Absicht hatte, sich Samen von Farnkraut und Moos von Sargbrettern einzuheilen, um sich unverwundbar zu machen. Er habe das dann aber nicht gemacht."

 

28. UNVERWUNDBAR MACHEN DURCH BLUTKRAUT UND ERSTES MENSTRUATIONS-BLUT

St. L. A. Sond.-Arch. Aussee, Schub. 193, 1611.
Strafprozess gegen den Mühljungen Mathias Schalck wegen Zauberei.
Aus dem gütlichen Verhör des Beschuldigten vom 1. August 1611:
(Der messelesende Priester in der Spitalskirche in Aussee hat unter dem Altartuch einen kleinen Beutel entdeckt, der ein grünes Kraut und ein blutiges Leinen-Läppchen enthielt. Diesen Beutel hat der Mesner auf Anstiften des Mathias Schalck unter die Altardecke geschoben, damit darüber Messen gelesen würden. Der Beschuldigte gesteht, das Kraut von einem Holzknecht in Vordernberg zum Zwecke des unverwundbar Machens erhalten zu haben.)


"Darauf habe ihm der besagte Holzknecht dieses Kraut (für das er ihm nichts habe geben dürfen) mit den Worten gebracht: Wenn er darauf 3 Messen lesen lasse, werden ihn keine Waffen verletzen, sondern er werde seines Leibes und Lebens sicher sein.
Er habe die Sachen ja aus Unverstand hier in Aussee nachgemacht und den Mesner (der gleich einfältig sei wie er selbst) unbedachter Weise überredet, die Sache auf den Altar zu bringen und dazu zu stellen. Wodurch sie beide durch den Priester entdeckt worden sind...
Das grüne Kräutl soll Schöllkraut heißen.
Was aber das kleine blutige Stück Leinen anlange, das habe ihm die Tochter des Veit Gainsterer, deren Namen er nicht wisse, im vergangenen Frühling auf der Straßen gegeben, die (mit Verlaub zu sagen) ihre erste Monatsblutung unlängst bekommen habe. Die soll gegen Schädigung der Waffen gut sein.
"

Menstruations-Blut war ein volkskundlich viel verwendetes Heil- und Zaubermittel.


29. BAHRRECHT

Regierungsarchiv Innsbruck, Handsch. Nr. 2037 (Landsgerichtsprotokoll von Villanders), 1613.
Kaspar Lödermann ist bei einer im landesfürstlichen Zollhof zu Villander stattgehabten Rauferei durch einen Prügelschlag über den Kopf vom Fuhrmann Martin Holzer verletzt worden und einige Stunden danach gestorben.

"In Bezug darauf und ungeachtet der Flucht des Täters wurde dennoch nach Rat und Erkenntnis der oben genannten Beisitzer der Täter durch den Gerichtsdiener zum ersten, zweiten und dritten Mal öffentlichen ausgerufen, ob er oder jemand von den Angehörigen vorhanden ist, und wie es sich gehört, dem gegenwärtigem Bahrrecht (Gerichtsverhandlung im Angesicht der Bahre) beizuwohnen und sich zur Verfügung zu stellen.
Aber weder der Täter selbst noch jemand von seinen Angehörigen ist in angemessener Wartezeit erschienen.
Daraufhin hat der von der Obrigkeit ernannte Herr Richter wegen der drei durch die Stadtobrigkeit von Klausen nach erfolgtem Ersuchen dazu bestellten Meister des Bader- und Bartschneider-Handwerks namens Kaspar Nußprämer, Balthasar Bloner und Christoph Koler, alle drei im erwähnten Klausen wohnhaft, bei ihrem Eid und ihren Pflichten, durch die sie selbst an ihre Obrigkeit gebunden sind, wie es sich gebührt, angesprochen zu prüfen, ob der tote Ledermann durch den angezeigten Schaden zu Tode gekommen sei oder nicht. Diese Meister haben dann nach eingehender Besichtigung und Untersuchung des Schadens vor dem Richter und den Beisitzern einhellig und öffentlich angezeigt und bekannt, dass sie am toten Körper an der Hirnschale eine 3 Finger breite Wunde gefunden hätten. Diese hätten sie dann aufgeschnitten und gesehen, dass die erwähnte Hirnschale eingeschlagen und das Hirn ausgetreten sei (wie ja auch dieses Hirn schon bei der Nase herausgeflossen sei). Daher sei dem Toten nicht mehr zu helfen gewesen, und er habe hiedurch sein Leben beenden und mit dem Tod beschließen müssen.

Das Interessante an dem hier dargestellten Rechtsbrauch besteht darin, dass die alte Bahrprobe, die noch geübt werden soll und die durch die Flucht des Täters vereitelt wird, durch die Leichenöffnung ersetzt wird; an Stelle des alten formalen Beweises ein materielles Beweismittel. Die Bahrprobe wurde schon in früherer Zeit vielfach als haltloser Aberglaube abgelehnt.

 

Stift Admont
Stift Admont in einer alten Lithographie

30. VIEH- UND MILCHZAUBER

Original und Kopie im St. L. A. und im Stiftsarchiv Admont 1614.
Aus dem güt- und peinlichen Bekenntnis des am 18. August 1614 vom Landgericht des Stifts St. Lambrecht gerichteten Viehhalters Marx Schöpfer:


"Weiters sagt er und bekennt er, dass er von einer Sennerin, deren Namen er nicht wisse, gelernt habe: Wenn die Kühe nicht zum Stier kommen wollen, dann soll man die Stuben 9-mal kehren und den Kehricht durchseihen und diesen den Kühen unter das Grünfutter geben, dann würden die Kühe bald trächtig.
Weiters sagt und gesteht er, dass er diesen Kühen die Klauen ausgestochen und der genannten Sennerin gebracht habe, als er mit ihr in Hinteregg auf der Alm Vieh gehütet habe. Dieses Material aus den Klauen habe sie zur Zauberei gebraucht.
Außerdem sagt er, dass diese Sennerin 2 Frösche auf eine Stange gehängt habe. Dann habe sie daran gemolken und dadurch den anderen Kühen die Milch entzogen."

Den gesamten Text des Prozess-Protokolls finden sie hier.



31. WOLFSEGEN

St. L. A. Polizeiakten 1615. Beilagen von Landprofosenberichten.
Die nachfolgenden zwei Wolfsegen sind Landstreichern abgenommen worden, und zwar der unter a) dem Paul Muck, der unter b) dem Hans Hofstetter.

a)

"In Gottes Namen trete ich ein,
Gott behüt euch Rinder und Schwein.
Gott behüt euch euer Haus und euren Hof,
Gott behüt euch eure Treu und Ehr,
Gott behüt euch euren Leib und eure Seel.
Und so sollt ihr gesegnet sein,
wie von der heiligen Mess der Wein,
so wie das wahre Himmelsbrot,
das Gott seinen 12 Jüngern gegeben hat.
Wohl am heiligen Gründonnerstag treiben wir hinaus
durch aller Engel Haus
und durch aller Engel Tal,
was mein Gott behüte überall.
Da kommt der heilige St. Petrus mit dem Himmelsschlüssel.
Er versperrt allen wilden Tieren den Rüssel.
Dem Wolf genauso wie der Wölfin,
dem Bären genauso wie der Bärin,
dem Zauberer wie der Zauberin,
ihre Hände, ihre Füße,
ihren Mund und ihren Schlund,
damit sie euch in diesem Jahr kein Vieh nicht verzaubern und machen wund,
dass keine Haut reißt,
dass kein Bein beißt,
kein Blut lass aus
und keinen armen Mann mach daraus.
Dazu helfe uns Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der heilige Geist, Amen."

Wolf
Wolf im Tierpark Herberstein (Steiermark)

b)
"In Gottes Namen trete ich ein, Gott behüt euch Rinder und Schwein. Gott bewahr euch Treu und Ehr, Gott bewahr euch Leib und Seel. Und so soll euer Vieh gesegnet sein, so wie der Kelch und der heilige Opferwein, gleich wie das selige Himmelsbrot, das Jesus seinen 12 Jüngern gab, am heiligen Gründonnerstag. Da kamen die falschen Juden gegangen, sie nahmen den Herrn Jesus Christus gefangen, sie schlugen ihn an das Kreuz, sein Gesicht und seinen Bart, der uns gesegnet hat. 3 Pfennige seien einem armen Viehhüter sicher gewiss.
Sei gelobt, Herr Jesus Christ, Amen."



32. AUFLÖSUNG DES WOLFBANNES (WOLFSEGEN)

St. L. A. Sond.-Arch. Markt Aussee, Schub. 193, 1635.
Aus dem Geständnis ohne Folter des Wolfbanners Blasius Pürhinger von Bayrisch Waydhofen vom 14. Februar 1635 vor dem Forstmeister im Ennstal:


"Es folgt die Auflösung des Bannes:
Goridi (Name des Bann-Wolfes), ich habe dich hinausgeschickt in den wilden Wald, damit du in kein Bein beißt, sonst kommt der Heilige Petrus mit seinem Schlüssel und verschließt dir deinen Rachen bis an die Gurgl, damit du den Bann wieder los bist."

 

33. REGENZAUBER. SCHLAFLICHT

Kärntner Geschichtsverein in Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1644.
Prozess des Landgerichts Althofen gegen den sogenannten Zauberhansl (Hans Winkler) und Genossen wegen Zauberei.
Aus dem Verhör des mitbeschuldigten Bettlers Pongraz Summer vom 23. Juli 1644 durch den Pfleger von Althofen:
(Der Beschuldigte gibt an, dass ein Mitbeschuldigter, der "bloßschädlete Anderl", ebenfalls ein Bettler, ihn angestiftet habe, ein Kind am Friedhof auszugraben. Auf die Frage, wozu sie das Kind gebraucht hätten, gibt er an:)


"Der Anderl nehme die beiden Hände vom toten Kind und gebe auf jeden Finger eine Wachskerze. Wenn er vor hat, in einem Haus etwas zu stehlen, dann zündet er die Kerzen an den Fingern alle an. Dadurch verschaffe er sich einen Vorteil, weil in dem Haus niemand erwacht, solange die Kerzen brennen."

(Auf die Frage, wie er Regen mache, antwortete er:)
"Es hätten ihm etliche Leute und der Achatz Wusogger von Guttaring beigebracht, er soll einen Totenkopf nehmen und ihn in einen Wasserbrunnen legen. Das habe er getan. Darauf habe es in der Nacht darauf geregnet. Nach dem Regen habe er den Totenkopf wieder herausgenommen und wieder in den Friedhof getragen. Außerdem berichtet er noch, dass der erwähnte Wusogger ihm geheißen habe, er solle 2 Stäbe nehmen und damit ins Wasser schlagen und sagen: Regen! Regen! Regen! Darauf käme der Regen. Das habe er getan und es habe bald darauf geregnet."


34. HEXENBRENNEN, WETTERABWEHRZAUBER, LIEBESZAUBER, REGEN- UND WINDZAUBER, TIERVERWANDLUNGSGLAUBE, GLÜCKSTALISMAN, LEICHENTEILE GERICHTETER ALS GLÜCKSTALISMAN

Zaubereiprozess des Landgerichts Rodeneck (bei Brixen) gegen Mathias Perger insgemein Lauterfresser 1645. Reg.-Arch. Innsbruck, Kunstsachen, II, 491. Veröffentlicht von Zingerle.
Aus dem Verhör (nach dem 11. Mai 1645) des Beschuldigten:


"Beim Freisinger in Peens haben sie von Donnertag bis Montag (aber nicht am Sonntag) an die Kübeln geschlagen (um Butter zu machen). Die Milch hat aber, obwohl sie geschlagen haben, nicht dick werden wollen, sondern ist immer dünn geblieben wie eine Buttermilch. Darauf hin hat der Matthias Perger den Kübel in die Erde unter die Dachtraufe gegeben und ein Brösl von etwas, das mit Taufwasser gemacht worden ist, hineingetan. Dann hat er Rahm und Topfen, die sich nicht voneinander haben trennen lassen, abgestreift und darauf einen Stecken aus Eisen zweimal glühend gemacht und ist damit in den Kübel gefahren. Dann hat er mit dem Eisen im Kübel geschlagen und daraus ist dann Butter-Schmalz worden....

Lindwurm Klagenfurt
Lindwurm in Klagenfurt (Kärnten)

Es sei mehr als 20 Jahre her, da habe er sich bei einer Bäuerin in Teffreggen aufgehalten. Dort hat sich ein Wetter zusammengezogen. Darauf hat diese Bäuerin ein Taufkleid von einem Kind auf den Zaun gehängt, weil es gut sei gegen Wetter, und dann das Wetter nicht aufzieht, was dann auch geschehen ist. Daran glauben sie bis ins Unterinntal.
An einem Freitag im Sommer soll man nicht die Wäsche waschen, denn wenn es donnert und man hat so ein Hemd an, das am Freitag gewaschen worden ist, dann muss sich so jemand mit Recht vor dem Wetter fürchten.....

Weiters habe er (der Matthias Perger) von einer Magd gehört, das steht auch in dem Büchl, das ihm der Jakob Gasser aus St. Andre gegeben hat, dass wenn einer in eine Frau verliebt ist und diese haben will, soll man einen Laubfrosch in eine Schachtel mit Löchern geben und diese dann in einen Ameisenhaufen tun und rasch weglaufen. Nach 9 Tagen soll er dann wieder hingehen. Dann werden die Ameisen den Laubfrosch aufgefressen haben, bis auf die Gebeine. Auf der einen Seite sieht das aus wie ein Haken und auf der anderen Seite wie eine Gabel. Diejenige, die man lieb haben will, soll man mit dem bloßen Haken auf der bloßen Haut berühren, diejenige, die er aber nicht haben will, soll er mit den Gabeln an der bloßen Haut wegschieben.

In dem erwähnten Bücherl sei auch diese Kunst enthalten, dass wenn einer eine Nadel, die beim Einnähen einer Leiche verwendet worden ist, in ein Gefäß gibt, in das ein Mensch gebrunst hat, so kann dann so ein Mensch mit niemand mehr Unzucht treiben. Wie er dann eine Bäuerin, die Prager auf Örschwang beim Landgericht Michaelsburg, deren Ehemann (der zur selben Zeit beim Rainer in Örschwang gelebt hat, aber inzwischen gestorben ist) geliebt habe, habe er in den "Jahren vor dem langen Geld" (vor 1619) diese Kunst, nämlich eine solche Nadel ihrem Ehemann in den Nachttopf zu legen, erklärt. Ob sie aber das auch getan habe, wisse er nicht.
Außerdem ist in diesem Bücherl noch eine Kunst drinnen: Wenn einer das Glied von einem Mann, der am Galgen hängt, heimlich herausschneidet, und dies einem Wirt oder einer anderen Person in den Wein hineinhängt, dann müssen die Gäste bei so einem Wirt einkehren und trinken und können ohne zu trinken nicht mehr weggehen und je mehr sie trinken, desto besser schmeckt ihnen der Wein. Als das kalte Schneewetter im Jahr 1639 war (es war damals eine lange Fastenzeit) und in der darauffolgenden Karwoche der Wein und das Obst größtenteils gefroren und verdorben waren, sei damals der Lauterfrösser in dieser Karwochen am Gründonnerstag in Penns gewesen, da habe er die Stücke, die er damals gebraucht habe, erstens eine Toten-Nadel und Frauenhaar, außerdem den Kehricht vom Auskehren einer Stuben, Späne, die von einem Baum stammen, der vom Blitz getroffen worden ist, ebenso die Eisenspäne von einer Glocke, von der Stelle, wo der Klöppel anschlägt. Darauf habe er diese 5 Sachen genommen und in einen Bach, den man die Talffer nennt, am erwähnten Gründonnerstag (an dem es gedonnert und geregnet hat) um die Mittagszeit mit der Absicht und dem Ziel hineingeworfen, dass ein großes Unwetter, das den Wein verdirbt, kommen solle. Das ist auch geschehen. Am darauffolgenden Tag, am heiligen Karfreitag, seien rundherum Wind und Schnee gekommen, sodass dann die Weinreben und das Obst abgefroren ist.
Wenn er einen Wind hat machen wollen, habe er ein Röhrl, das er noch beitzt, genommen und eine Toten-Nadel und eine Nattern-Zunge ins Röhrl hineingegeben und danach folgende Worte gesprochen: "Komm, komm, komm Ostwind, der gegen die Berge weht."
Außerdem sei der Lauterfrösser im Jahr 1642 oder 1643 (er wisse das Jahr nicht genau) in Lisen gegen Pach zu gegangen. Er sei damals zu einem Kalk-Ofen gekommen und habe sich dann dort niedergesetzt. Unterdessen sei ihm sein Geist namens Peliale erschienen. Die Peliale habe ihn gefragt, ob er nicht gern ein Bär sein wolle, damit er Fleisch essen kann. Sie wolle ihm auch eine Bärenhaut geben. Und weil er nicht gegen die Anregung seines Geistes war, sondern mit ihr einverstanden war, habe er sich von ihr besagte Bärenhaut anziehen lassen. Diese sei so geformt gewesen, dass sie vorne etwas wie Hände und hinten etwas wie Füße gehabt habe. Sie habe an Händen wie Füßen große Krallen gehabt wie Bärentatzen. So sei er dann wie ein Bär gewesen..... (es folgen die Orte, in denen er sich als Bär aufgehalten habe)....weil er auch etliche Ochsen erlegt und umgebracht habe. Wie viele, das könne er im Hinblick darauf, dass er in dieser Zeit ja nicht wie ein Mensch gewesen sei, nicht wissen."

Der Bärenverwandlung (meines Wissens die einzige, die sich in alpenländischen Zauberei-Prozessen findet, im Gegensatze zu den vielen zahlreichen Wolfsverwandlungen) liegt die allgemeine Vorstellung zugrunde, dass der Bär ein verwandelter Mensch sei.


Gösss Sonnenuhr
Sonnenuhr im ehemaligen Benediktiner-Nonnenstift in Leoben-Göss (Steiermark)

35. KUHSCHWÄNZE ALS ZAUBERMITTEL

St. L. A. Sond.-Arch. Göß (Gerichtswesen). Gerichtsbuch des Frauenstifts Göß 1649, S. 17 in verso.

"Der Senner Landtsmayr wurde mit 2 Talern bestraft und des Gebietes des Stiftes Göss verwiesen, weil er wissentlich einige Frischlinge gestohlen hat und den Kühen den Schweif abgeschnitten hat und diese zur Zauberei verwendet hat."


36. DER "DIERLING" ODER "DÜRNING"

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv "Hexen", 1653.
Strafprozess des Landgerichts Albegg-Straßburg gegen Augustin Felsberger insgemein Eixl wegen Zaubereiverdacht.
Aus dem gütlichen Verhör des Beschuldigten vom 16. Juni 1653:


"6. Über seinen Bruder Hansl habe er sich so geärgert, dass er ihm im Zorn den Dierling oder Dürning (Schwindsucht) gewünscht habe. Dieser Name sei ihm eingefallen. Es soll eine Art Schratt sein. Er habe aber noch nie einen gesehen."

Schratt: der in der Sagenwelt der Alpenländer eine große Rolle spielende Elementargeist, der mit dem Alpenglauben im Zusammenhang steht und daher als Plagegeist gewünscht werden kann.
Der Name "Dierling-Dürning" bedeutet Abdorren, d. h. Abzehren, die volkstümliche Bezeichnung der Schwindsucht, die früher auch "Daarfieber" oder "Dörr" hieß.


37. BAHRPROBE

St. L. A. Sond.-Arch. Stadt Murau, Schub. 14 (Gerichtswesen, Strafsachen), 1658.
Strafverfahren des Landgerichts der Herrschaft Murau gegen den Kleinheizer Wolf Carlhueber wegen Raufhandel mit tödlichem Ausgang.
(Carlhueber hat seinen Mitheizer Jakob Hembler zur Rede gestellt, warum er auf dem Friedhof hinter sich gegriffen, Friedhofserde zusammengerafft und in den Sack gesteckt habe. Darüber ist es zu einer Rauferei gekommen; Hembler ist bewusstlos fortgetragen und des anderen Morgens früh tot aufgefunden worden.)
Aus dem Verhör des Beschuldigten vom 21. Juni 1658 durch den Landgerichtsverwalter Georg Edlinger:


"...nach Auffinden des Toten hat bald darauf der Graf von Schermberg (der Herr des Täters und des Erschlagenen) den Leichnam besichtigen und dreimal befragen lassen. Falls der Wolff an seinem Tod schuldig sei, soll er ein Zeichen geben und insbesondere, nachdem er drei Finger ans Herz gelegt hat. Er habe aber kein einziges Zeichen gegeben."


38. KOPFWEHKUR, REGENZAUBER

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt. Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1658.
Strafprozess des Landgerichts Paternion gegen Hansl von St. Veitsberg wegen Ausfahren, Teufelsbund und Wettermachen.
Aus dem Verhör des Beschuldigten mit und ohne Folter vom 22. Juli 1658:

Lindwurm in Klagenfurt
Lindwurmbrunnen in Klagenfurt

"Ferner sagt er, dass er vor 8 bis 10 Jahren so starkes Kopfweh bekommen habe, dass er zeitweise sogar umgefallen sei. Seine Mutter habe ihn dann nach Ossiach geführt. Dort habe sie in der Kirche von einem Geistlichen ein kalte Kugel für die Ohren erhalten. Damit habe er sich bei hellem Sonnenschein am Friedhof auf einem Stuhl sitzend brennen lassen. Das Kopfweh habe noch einige Jahre angehalten, bis zum vergangenen Winter. Da ist aus beiden Ohren viel Wasser herausgeronnen. Seine Mutter habe ihn wegen der Gicht im Kopf auch nach Teinach zum Wallfahren geführt.
Auch sagt er aus, dass er in trockenen Zeiten auf Anraten der Bauern ein Schaffl Wasser genommen habe und 3 Laugensteine hineingetan habe. In dieses habe er sich dann in einem Garten unter freiem Himmel hineingesetzt. Bald darauf habe es dann geregnet. Das habe er von den Bauers-Leuten gelernt und gehört. Die Mesner machten es ebenso.
"

Bei der Kopfwehheilung scheint es sich um eine Brennglaskur gehandelt zu haben. Der Regenzauber ist wieder Analogiezauber.

 

39. BETTEL-AMULETTE UND UNVERWUNDBAR MACHEN

L. R. A., Cop. 1659, Vi, 28. Verhörsprotokoll des Stadtgerichts in Rottenmann 1659.
Hans Glaser, wegen Kopfgrind mit dem Bettlernamen "grindraudiger Hansl" belegt, Bettler, Opferstockdieb und Landstreicher, aber wegen seines Herumschwätzens in den Verdacht der Zauberei geraten, wird vom Stadtrichter von Rottenmann ohne und mit Folter vernommen. Der Druck der Folter (Daumenschrauben und Zug [-Reckfolter]) ist ein außerordentlich harter; die von der innerösterreichischen Regierung in Graz später entsendeten Untersuchungskommissäre haben in ihrem Berichte hervorgehoben, dass mit ihr schwerer Mißbrauch getrieben worden sei. Von der Folter abgelassen widerruft Glaser die unter ihr zugestandene Beteiligung an Hexenflügen auf den Schöckl und an Hagelzauber. Er wird schließlich freigesprochen, aber mit Ruten gestrichen und des Landes für immer verwiesen.

Aus dem Verhör vom 7. Februar 1659:
"Er bekenne, dass ihm der Gerichtsdiener von Gratwein vor zwei Jahren zu Fasching ein Stück von der Hirnschale eines armen Sünders gegeben habe, damit er mehr Glück beim Betteln habe."
Aus dem Verhör vom 26. März 1659:
"Vor 2 Jahren habe er andere, deren Namen er nicht kenne, gefragt, wie sie es machen, dass sie gefroren überleben können. Sie hätten geantwortet, dass sie geweihte Hostien in einem Tuch mitnehmen und sie auf ihrem Körper verteilen. So ein Mensch könne weder absterben noch verfaulen. Er habe so etwas aber nie tun wollen."

*) Die sogenannte Passauerkunst, weil sie angeblich zuerst unter dem "Passauer Kriegsvolk" des Erzherzogs Leopold 1611 aufkam (in Wirklichkeit ist sie viel älter und reicht wahrscheinlich in die heidnische Zeit), war unter den Soldaten des 30 jährigen Krieges weitverbreitet und ist durch diese auf das Landstreicher- und Bettlertum übergegangen. Das Einheilen von Hostienpartikeln in den Körper zum Zwecke des unverwundbar Machens lässt sich in steirischen Strafakten des 17. Und 18. Jahrhunderts zahlreich belegen.

Das gesamte Protokoll des Prozesses gegen Hans Glaser finden sie hier.


alte Karte
Das Gebiet zwischen Gutenhag und Pettau auf einer alten Karte

40. KRANKHEITS- UND HEILZAUBER

St. L. A., Sond.-Arch. Herrschaft Gutenhag, Fasz. 3, Heft 4 (Hexenprozesse).
Verhörsprotokoll mit Margaretha Keyditsch 1661. Moderne Abschrift. Original auf Schloss Oberpettau
Aus dem gütlichen Bekenntnisse vom 14. Juni 1661:


1. Vor vielen Jahren habe die Roschker mit dem Georg Malenitsch wegen eines Grundstück-Streits gerauft und im Sinn gehabt, ihm aus Zorn eine Krankheit durch Zauberei zuzufügen. Deswegen habe die Roschker sie (die Margaretha) gebeten, sie möge zusehen, dass sie Haare vom Malenitsch bringe. Das habe sie auch durch eine Rauferei getan, zu der sie (die Margaretha) mit bösen Worten absichtlich Anlass gegeben habe. Dafür habe die Roschker der Margaretha eine "Halbe" Schmalz gegeben. Mit diesem Haar seien beide zur Juliana gegangen und hätten sie gebeten, sie möge dem Malenitsch eine Krankheit machen. Das ist durch die Juliane auch geschehen und sie habe gesagt: "Lass ihn jetzt eine Weile leiden und passen, weil er mich geschlagen hat." Und so hat der Malenitsch angefangen krank zu werden und anzuschwellen, fast ein Jahr, bis ihn die Seinigen zuhause wieder geheilt haben.

2. Sie gesteht, vor einem Jahr sei sie von einem Diener der Herrschaft, der Philipp Gamilschek geheißen habe, geschlagen worden. Damals sei gerade die Juliana zu ihr gekommen und sie habe sie gebeten, dem Diener ein Fieber zu machen. Zu diesem Zweck habe die Juliana ein Stück Rinde von dem Holz, mit dem sie geschlagen worden ist, verlangt. Das habe sie ihr auch gebracht. Sie wisse aber nicht, was die Juliana damit gemacht habe. Aber nachdem die Juliana ihr die Rinde wieder gegeben habe und ihr befohlen, sie soll sie dem Diener ins Bettstroh mischen, sei bald darauf der Diener erkrankt. Damit der aber wieder gesund werden könne, habe dieser die Margareth um Gottes und um die fünf Wunden Christi Willen gebeten, ihm auch zu helfen, denn sonst wolle er sich selbst mit einem Messer umbringen. Die Besagte sei auch wieder zur Juliana um Rat und nochmaliger Hilfe gegangen. Diese habe sie angewiesen, 9 Ruten aus Weidenholz, insbesondere aber das Vippern-Kraut, und 1000-Gulden-Kraut zu kochen, die Steine aber mit dem getrockneten Wacholder zu erhitzen. Damit habe sie ein Bad gemacht und den oben genannten Diener zwei Mal gebadet, der dadurch seine Gesundheit wieder erlangt habe.

3. Sie bekennt, es habe sich ein Gemeindevorsteher namens Simon Fräss wegen einer halben Startin (566 Liter) Wein mit der Beklagte vor ungefähr 3 Jahren durch einen lautstarken Streit verfeindet und sie auch schließlich mit einem Haselnuss-Stecken geschlagen. Und als sie, die Angeklagte, Wasser holen gegangen sei, habe sie die Juliana und die Winzerin des Jurschitsch (die schon tot ist) zusammen getroffen. Diese beiden hätten ihr in diesem Gespräch angeboten, sie wollten diese erlittene Schläge rächen und hätten ihr den Auftrag gegeben, sie soll ihnen einige Schiefer von dem Stecken, mit dem sie geschlagen worden sei, wie auch etliche Haare vom Kopf des Gemeindevorstehers bringen. Sie wollten machen, dass der Gemeindevorsteher daran erkranken werde.

Sie habe eine Taglöhnerin namens Apollonia gebeten, sie möge ihnen einige Haare von dem Gemeindevorsteher bringen. Die Apollonia habe die Haare gebracht, zusammen mit den Schiefern genommen und der Juliana und der Winzerin gegeben, die die beiden Dinge intensiv beschwört hätten. Dabei habe die Juliana dieser anvertraut, dass damit jedes Glied des Gemeindevorstehers verwünscht sei. Sie habe ihr ebenso den Auftrag gegeben, sie solle einen Bohrer, mit dem eine Bahre gemacht und gebohrt worden sei, nehmen, ein Loch in eine weiße Silberpappel hineinbohren, die Haare zusammen mit dem erwähnten Holz verschließen und den Leib des Gemeindevorsteher mit ihrem zauberischen Spruch beschwören, dann werde der Gemeindevorsteher deswegen erkranken. Das habe sie dann auch getan, die Haare mit dem Holz in das Loch eines Abends verschlossen, und während des Schlagens ihren zauberischen Spruch mit folgender Formulierung gesprochen:

Schloss Gutenhag
Burg Gutenhag

"Ich Margaretha, beschwöre das Haupt, die Glieder und die Eingeweide des getauften, gefirmten und gesegneten Menschen, des Simon Fräs, dass er erkranke, erlahme und schwach werden soll in den drei Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen."
Sie habe dies drei Mal über ihn, den Gemeindevorsteher, gesprochen. Es sei davon aber nur seine Frau krank geworden. Die Ursache dafür, dass ihm nichts geschehen sei, liege darin, dass die Apollonia irrtümlich nicht die Haare des Mannes sondern die Haare der Frau gebracht habe. Sie gesteht auch, sie habe einen Teil der beschwörten Sachen auf einen kleinen Steig geworfen, in der Meinung, es würde der Frau des Gemeindevorstehers als erster darüber gehen. Es sei aber nur seine Frau darüber gegangen und daher krank und fiebrig geworden.

4. Sie bekennt, die Juliana habe ihr ein graues und ein schwarzes Pulverl gegeben. Sie soll es in ein Wasser werfen und mit dem Wasser die Frau des Gemeindevorstehers abwaschen, dann werde sie ihre frühere Gesundheit wieder erlangen. Das habe sie auch getan. Darauf sei die Gesundheit der Frau des Gemeindevorstehers wieder hergestellt worden.…........................................................................................................

7. Sie gesteht gegen die Frau des Michael Kriavez aus Seriauzenberg, Untertanen der Burg von Marburg: Sie hätte von der Frau Koroschiz gehört, wenn man das heilige, hochwürdige Sakrament nehme und in Wasser lege, zerreibe und von dem Mehl eine Pogätschen (Gebäck) mache, wenn man das denen zu essen gebe, die einander Feind sind, dann würden sie davon wieder Freunde. Auch wenn man einen Teil von dem heiligen Sakrament behalte und damit räuchere, soll das helfen.

8. Sie sagt weiter, die erwähnte Kriavez habe ihr (Margaretha) gegenüber gesagt, dass die Koroschiz ihr eine solche Pogätschen (Gebäck) nach Hause gebracht habe. Davon habe sie ihrem Mann, der sie vorher angefeindet habe, zu essen gegeben. Danach habe er, weil er von der Pogätschen gegessen habe, ohne Streit mit ihr zusammen gelebt.


Schloss Gutenhag
Detail am Eingangstor zur Burg Gutenhag

Im späteren Verhör bekennt Margaretha Kheyditsch auch noch folgenden Milchzauberspruch, den sie mit Erfolg nebst Eingebung eines näher nicht bezeichneten Samens angewendet hat:

"Ich Margaretha, gebiete: Verbanne alle Milch und alle Kräfte der Kühe der Nachbarin aus den Füßen, aus den Eingeweiden, aus dem Kopf, aus den Hörnern, aus dem Euter und aus dem ganzen Leib, damit diese in die Kühe der Nescha kommen und diese Kühe beim Melken viel Milch geben und die Milch viel Rahm haben soll. Das geschehe der getauften, der gefirmten und der gesegneten Nescha durch die drei heiligen Namen, des großen Gott Vaters, Gott Sohnes, Gott heiligen Geistes; Amen."

Das ungekürzte Gesamt-Protokoll dieses Prozesses finden Sie hier.


41. WERWOLFGLAUBE

Kärntner Geschichtsverein, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1662.
Strafprozess des Landgerichts Paternion gegen Regina Paumann wegen Teufelsumgang und
Wettermachen³).
Aus der gütlichen Aussage der Regina Paumann vom 9. Juni 1662:


"10. Von ihren Gefährtinnen hat sie gehört, wenn die Söhne am Karfreitag nacheinander bei ihren Müttern liegen und mit ihnen schlafen, dann können sie sich zu Werwölfen verwandeln, aber auch aus weißen Erbsen."

Die hier geschilderte Entstehung der Werwölfe (Blutschande am Karfreitag) hängt mit dem Karfreitagszauber zusammen. Der Karfreitag ist für Kinder überhaupt ein Unglückstag; in Böhmen glaubte man, dass Karfreitagskinder eines gewaltsamen Todes sterben.

 

42. DIE PERCHTL

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1662.
Strafprozess des Landgerichts Paternion gegen Leonhard und Bartl wegen Zauberei.
Aus dem gütlichen Verhör mit Leonhard vom 17. Juni 1662:


"8. Geredet und bezeugt hat Leonhardt außerdem, er hätte wohl auch gesehen, dass es sehr finster gewesen sei und dass die Perchtl (damit seien die Wolken gemeint) von den Almen heruntergekommen sei. Er habe sie verteilt und es seien Hagelkörner gefallen und Wasser herab geronnen. Er habe auch gesehen und gehört, dass es gedonnert und geblitzt habe."

Ein schöner Beleg für den Fortbestand des Glaubens an die alte deutsche Wolkengöttin. Die Wolke wird als "Perchtl" personifiziert.


43. REGENZAUBER

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1664.
Strafprozess des Landgerichts Althofen gegen Sebastian Praitbrenner und Genossen wegen Zauberei und Sodomie).
Aus dem gütlichen Verhör Praitbrenners vom 7. Juli 1664 durch den Verwalter Andreas Strauß:


Klagenfurt Gasthaus
Wandgemälde in einem Gasthaus im Zentrum Klagenfurts

"Er sagt, er habe die Gewand-Läuse in einen
Ameisenhaufen geworfen. Danach sei bald ein großer Regen gekommen. Das habe er öfters angewandt."

Dass das Stören von Ameisenhaufen schlechtes Wetter bringe, war früher ein in Kärnten und Steiermark weitverbreiteter Glaube des Landvolkes.




44. REGENZAUBER

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1666. Strafprozess des Landgerichts Spital gegen den Bettler Stefan N. wegen Wettermachen, Teufelsbund und Verwandlung in einen Werwolf.
Aus dem gütlichen Verhör des Stefan vom 6. Juli 1666:


"5. Ob er nicht Regen machen könne? Er könne schon.
6. Wie er das dann mache, wenn es regnen soll? Er bade dann halt im See.
7. In welchem See er denn bade? Im Ossiacher und im Millstätter See."

 

45. TEILE VON HENKERGERÄTEN ALS TALISMAN UND ALS HEILZAUBER. DIEBSEGEN

Wiener Nationalbibliothek, Handschrift 14699.
Kriminalprozess der Landgerichtsherrschaft Neuenjohannstein und Sparbach bei Mödling (Österreich unter der Enns) gegen den Messner Leonhard Geschwendtner von Sparbach wegen Teufelsbündnis, Hostienverunehrung und Wettermachen 1666.
Bei dem verhafteten Messner ist ein kleines handgeschriebenes Büchel gefunden worden, welches beschlagnahmt wurde und unter H den Akten beiliegt. Dieses Büchel ist Eigentum eines Halters aus der Steiermark, der es dem Beschuldigten zum Abschreiben geliehen hat.
Aus dem Inhalt:

"Einige schöne Stücke sind zu gebrauchen. Neben dem Holz auch die Stricke und die Lamellen und die Teile vom Galgen und die Speichen von den Rädern, die vom Gericht verwendet werden. Wenn einer irgendetwas mit Gewinn verkaufen will, dann nehm er die Holzstücke oder das Holz und leg es zur Ware dazu. Die verkauft er dann sehr bald. Wenn er die Holzstücke oder das Holz bei sich trägt und vor Gericht kommt, dann kann man ihn nicht besiegen, mit keinem Recht. Er wird auch alle Sachen mit Leichtigkeit machen und was er anfängt, wird ihm gelingen. Dieses Holz ist mit Geld nicht zu bezahlen. Man muss das Glück haben, es zu bekommen. Aber es passiert selten, dass man es wirklich bekommt.

2. Wer Wein ausschenkt und ein Holzstück oder ein Holz an die Zapfen beim Weinfass hängt, dem geht der Wein bald aus (weil die Leute ihn so gern trinken). Auch kann man dem Wein nicht mit Zauberei schaden oder ihn schlecht machen. In einem Haus, in dem dieses Holz ist, kann kein Blitz einschlagen. Wer es bei sich trägt, den kann kein Dieb berauben. Das ist oft und vielfach ausprobiert worden. Auch kann ein Dieb in einem Haus, in dem das Holz ist, nichts stehlen.

3. Dieses Holz hilft gegen den Getreidebrand, wenn man einen Speil oder ein Scheit von dem Holz hineinsteckt, wenn es blüht. Auch der Meltau kann dann keinen Schaden anrichten; und auch dass die Mäuse im Stadl das Getreide nicht fressen. Wenn man von dem Holz ein Speil hineinsteckt, dann verschwinden die Mäuse alle. Dieses Holz ist für vieles gut. Wenn es einer bei sich trägt und er geht in der Nacht an unsicheren Orten, dem kann kein Gespenst begegnen, sei es dort noch so wild.

Mödling
Hausfassade in Mödling (Niederösterreich)

4. Es hilft den Leuten, die der Schlag getroffen hat. Man nehme ein Scheit von dem Holz und gebe es in eine Glut, damit es zum Räuchern der Glieder vorbereitet wird. Das muss man aber an 3 Gerichtstagen tun, am Montag, Mittwoch und Freitag. Ich habe das selbst ausprobiert und bestätigt gefunden.

5. Wird dieses Holz hoch geachtet und trägt es jemand bei sich, dann mag man schießen und spießen, es geschehe ihm nichts. Man nehme die Holzstücke und binde sie mit einem Bandl auf den Hut, so dass es niemand wahrnimmt. Wenn man es wahrnimmt, dann hilft es nicht und es ist umsonst. Dieses Stück ist sicher und wirksam befunden worden und es ist ausprobiert worden.

Ein bewährter Diebsegen, wenn etwas gestohlen worden ist:
Zuerst schreibe die Namen der 3 Geister Astorot, Belzebub und Saton auf einen neuen Talg und mach es beim Feuer warm und mach 3 Kerzen daraus und schreibe auf jede Kerze einen Namen, zünde sie an und sprich daraufhin folgende Beschwörung:

"Ich beschwöre euch ihr Fürsten, arbeitet für mich und bringt mir den Menschen mit dem Gut, das er gestohlen hat. Fleisch und Blut habe ich dir beschworen bei allen heiligen Wunden, dass du Dieb oder Diebin (wer immer es auch ist), keine Ruhe hast, bis du (nenne ihn beim Namen) mir, nachdem es gestanden worden ist, die Sachen wieder an den Ort zurück gebracht hast, wo du sie genommen hast. Ich beschwöre dich, Dieb oder Diebin, bei Gott, dem Herrn Jesu Christ und seinem rosenfarbenen Blut, dass du mir (nenn wieder den Namen) die Sachen, die du genommen hast an den Ort und an diese Stelle wieder zurückbringst, wo du sie genommen hast. Ich beschwöre dich, Dieb oder Diebin, dass du keine Ruhe finden sollst, weder im Haus noch im Hof, weder bei Tisch noch im Bett, bis du mir (nenn wieder den Namen) die Sachen (du musst die Sachen alle nennen), die gestohlen worden sind, wieder zurück gebracht hast. Ich beschwöre dich, Dieb oder Diebin, bei Gottes Kraft und Macht, dass du keinen Augenblick Ruhe hast, seist Du, wo du willst, es sei zu Wasser oder zu Land, im Haus oder im Hof, in der Kirchen oder in der Gassen.

Ich beschwöre Euch, ihr Fürsten der Finsternis und bösen Geister, bei der heiligen Dreifaltigkeit, Gott des Vaters, der alle Dinge erschaffen hat, bei Gott, dem Sohn, der die ganze Welt mit seinem rosafarbenem Blut erlöst hat, und beim heiligen Geist, der die ganze Welt durchweht, dass ihr mir den Menschen mit den gestohlenen Sachen widerbringt an die Stelle, wo er es genommen hat, dann sollt ihr von mir Ruhe haben. Und wenn nicht, dann will ich euch zwingen beim Gehorsam, den ihr Jesus Christus schuldig seid. Ich beschwör dich, Dieb oder Diebin, dass ihr mir (nenn den Namen) das gestohlene Gut wieder bringt, im Namen Gott des Vaters, Sohnes und heiligen Geistes, Amen.

Ich beschwöre dich, Dieb oder Diebin, beim jüngsten Gericht, das Gott abhalten wird über Lebende und Tote, dass ihr mir (nenn den Namen) wiederum meine gestohlenen Sachen zurückbringt. Ich beschwöre dich weiters, Dieb oder Diebin, dass du so wenig ausbleibst, wie das letzte Gericht ausbleibt. Und ich beschwöre dich, dass du keine Ruhe hast, weder bei Tag noch in der Nacht, weder mit anderen zusammen noch allein. Und so gebiete ich auch durch die Sonne, den Mond und die Sterne der sieben Planeten und alle heiligen Engel des ganzen himmlischen Reiches im Namen Gott des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, Amen."


strassburg
Straßburg in Kärnten

46. REGENZAUBER

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1666.
Strafprozess des Landgerichts Straßburg gegen den Bettler Simon N. wegen Teufelsbund und Wettermachen.
Aus dem gütlichen Verhör des Beschuldigten vom 18. August 1666:
(Er gibt zu, dass er ein wenig, aber nicht viel zaubern und insbesondere Regen machen könne:)

"Er täte mit Speik (Valeriana celtica L.), Nessel (Urticaria) und auch mit Weidenkätzchen, Majoran und Pulver räuchern. Er würde auch den Kot von Frischlingen dazu nehmen und er würde auch die Agnes Grien, eine Mieterin, die hausieren geht, dazu rufen."


47. ZAUBERISCHE HEIRATSVERHINDERUNG

St.L.A., Sonderarchiv Gutenhag, Schub 3, Heft 31.
Verhörprotokoll der Landgerichtsherrschaft Gutenhag vom 14. April 1667
Verhör mit Margaretha, der Magd des Philipp Sodtler


"Als sie in der vergangenen Fastenzeit zur Rodich-Wiesen zur Fronarbeit zum Ausheben eines Grabens gegangen sei, habe die Tochter des Janscho Pollonez sie gerufen und gebeten, sie soll ihr von ihrer Tochter Haare, Kleiderborte und Quaste geben. Als sie sie gefragt habe, wozu sie das brauche, habe sie gesagt, dass sie damit machen wolle, dass sie nicht heiraten könne und eine Hure werden müsse."

Verhör mit Agnes, des Janscho Pollonez Tochter:
"Sie bekennt, dass sie besagte Anza um die Quaste vom Wickelband der Tochter gebeten habe. Sie habe sie ihr auch gegeben. Sie habe sie aber verloren.
Auf die Frage, warum sie diese haben und wozu sie diese verwenden wollte, sagt sie:
Ihr Mutter habe zuhause gesagt, sie habe von der Frau des Martin Schollamun gehört, dass sie mit solchen Sachen machen könne, dass diese Person, der es gehört, zu einer Hure werde und nicht zum Heiraten kommen könne."


48. MILCHSTECHEN, MILCHZAUBER, EHEZAUBER, KRANKHEITSZAUBER

Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1669/70.
Strafprozess des Landgerichts Straßburg gegen Cäcilia Gruber wegen Zauberei.
Aus dem gütlichen Verhör vom 13. Dezember 1669:


"Sie könne sonst nichts als dieses: Wenn die Milch von ihrer Kuh nicht in Ordnung gewesen sei, so habe sie mit dem Messer in die Milch gestochen und dazu gesagt:

"Sei es jetzt ein Zauberer oder eine Zauberin, ich will die Milch solange stechen, bis ich die Milch wieder zu mir her bringen kann; es sei nun Frau oder Mann, so bring ich meine Milch wieder zu mir zurück."
Das habe ihr eine Sennerin beigebracht und habe ihr sehr oft geholfen.
Sie gesteht, dass auch folgendes Mittel gut wäre, die Milch wieder in Ordnung zu bringen. Man müsse einen Hufnagel, den man auf der Straße gefunden hat, nehmen, ins Feuer werfen, glühend machen und dann in die Milch legen. Dann werde davon die Milch gleich wieder gut.
Ebenso folgendes: Man müsse eine Schnittlauch-Wurzel nehmen und jede Zitze vom Kuheuter 3 Mal melken, dann die Wurzel der Kuh zum fressen geben und dabei folgendes sagen:
"Oh braune Kuh (oder wie sie sonst zu bezeichnen ist), gib dir deine Milch und lass mir meine Milch so gerecht und so gut, wie sie mir unser lieber Herr Jesu Christ gegeben und geschaffen hat.
Auch das Grün-Futter für die Kuh soll gesegnet sein wie der Kelch und auch der heilige Wein und auch das hochwürdige Himmelsbrot. Und auch das heilige Benediktus-Kreuz sei 9-mal gesegnet und 9-mal geweiht. Das gebe Gott, der Vater, der Sohn und der heilige Geist..."
An dem Samstag habe sie der Weyrer geschlagen. Am Sonntag in der Früh darauf habe sie mit dem Messer die Milch gestochen und (wie oben erklärt) folgendes gesagt:
"So will ich solange in die Milch stechen, bis ich die Milch wieder zu mir bringen kann. Sei es der Weyrer Mörtl oder Agatha, Frau oder Mann, so bring ich meine Milch wieder zu mir zurück."
Sie habe etwa 5 oder 6 Stiche in die Milch gemacht. Davon seien sie ein wenig krank geworden und hätten sie dann in Frieden gelassen.
Noch bevor sie der Weyrer geschlagen habe, habe sie den Hans, den Sohn vom Wastl in der Gruben und die Frau Weyrer zusammen gekocht. Sie habe von der Frau Weyrer ein Pall-Kraut und vom Einbrennfett des Wastls auch ein Stück genommen und zusammen in einen Hefen getan und folgende Worte dazu gesprochen:
"Ich will das Wastelsche Einbrennfett und das Weyersche Kraut miteinander kochen; wenn der Weyrer stirbt, dann soll das Weyersche Kraut das Vastelsche Einbrenn-Fett beißen.""

(In einem früheren Verhör vom 5. November 1669 sagt sie über diesen Zauber folgendes:)
"Das größte Werk, das sie gemacht habe, sei gewesen, dass sie von der Frau des Wastl in der Grubn ein Kraut gemacht habe, dabei aber von der Weyer das Kraut genommen habe, dassselbe mit dem Ziel gekocht habe, dass dann, wenn der Weyrer stürbe, der Sohn des Wastl, der Hansl, die Weyer heiraten könne."

 

Strassburg
Schloss Straßburg

Aus dem gütlichen und peinlichen Verhör derselben vom 6. März 1670:

"....die Verhaftete habe zum Milchstechen gegen den Weyrer nichts anderes gebraucht als eine Milch von der eigenen Kuh. Diese habe sie mit dem vorher erwähnten Messer gestochen und dabei diesen Segen gebetet:
"O Herr Jesu Christ, hat mir jemand etwas getan, es sei Frau oder Mann, ich zahle es ihm heim, in sein Fleisch und in sein Bein, in seine Lunge und seine Leber, und in den rechten Flügel seines Herzens."
Danach habe sie den beim Zubereiten von Dalken (Mehlspeise) übriggebliebenen Hafer zerstampft in der Überzeugung, dem verstorbenen Weyer damit sein Herz zu treffen und dabei habe sie den eben beschriebenen Segen wiederholt.

Sie bekennt..., nachdem sie im Winter vor zwei Jahren starke Schmerzen in den Augen gehabt habe und schon fast ganz blind gewesen sei, habe sie 9 durchlöcherte Steine aus einer Grube oder einem Haufen genommen. Diese müssen im Feuer glühend heiß gemacht werden, damit sie heilen. Dazu habe sie ein frisches Häferl mit Wasser aufgestellt und ganz siedendheiß gemacht, danach das Wasser in eine Schüssel geschüttet, die Steine hineingelegt, das Häferl darüber gedeckt und dazu folgenden Segen gesprochen:
"Wildnuss und Bildnuss, Übel und Apfel und alle wilden Triebe gehen aus miteinander über die Gassen, begegnet ihnen unser lieber Herr Jesus Christus. Da sprach unser lieber Herr Jesus Christus: "Wildnussen und Bildnussen, wo wollt ihr hin miteinander über die Gassen?" "Wir wollen zur Eule gehen, Beine brechen und Blut saufen." Da sprach unser lieber Herr Jesus Christus: "Das sollt ihr keinesfalls tun. Ich verbanne Euch in eine Wildnis, wo kein Hahn kräht und kein Mann nicht mäht, wo keine Glocken klingen und wo kein Christen-Mensch hinkommt. Im Namen Gott des Vaters, Gott des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen"


49. DER "GLÜHENDE SCHAB"

L. R. A., Cop. 1672, VI, 122.
Protokoll über das unparteiische Gericht des delegierten Richters Johann Wendtseyßen in der Klagsache des Michael Hörg samt seiner Ehegattin Marina und deren Schwester Gera gegen Michael Gregoritsch und Genossen wegen bezichtigter Zauberei.
Radkersburg, 2. Juni 1671.

Aus der Aussage des Beklagten Wenko Wastun:
"An einem Samstag vor 6 Jahren habe er Michael Gregoritsch und Matthias Krälatsch vor dem Haus sitzen gesehen und gesehen, wie ein brennender Schab-Dämon aus Stroh beim Keller des Michael Hörk niedergefallen und gleich ausgelöscht sei."

Der Beklagte Michael Gregoritsch sagt dasselbe wie Wastun und fügt hinzu:
"er aber habe dreimal gesehen, dass ein brennender Schab-Dämon an Samstagabenden beim Keller des Hörck niedergefallen sei."
Auch der Beklagte Mathial Karalovitsch bestätigt dasselbe.

 

50. NESTELKNÜPFEN UND –LÖSEN, HEIL- UND KRANKHEITSZAUBER

L. R. A. Kriminalprozess des Landgerichts Windisch-Landsberg (heute Podčetrtek in Slowenien) gegen Jakob Krischan wegen Zauberei, 1672, Cop. 1672, III, 92.

Folterszene
"Die Folter" - Faksimile eines Holzschnittes von Hans Burgkmaier (1473 - 1531)

Krischan, ein Wunder- und Zauberarzt von großem Ruf, hat angeblich auf der Hochzeit des Andreas Knapp, des Sohnes des Gemeindevorstehers der Herrschaft Landsberg, diesem und seiner Braut durch Nestelknüpfen den Vollzug der Ehe unmöglich gemacht, wird deswegen verhaftet und vor das Banngericht gestellt.
Aus dem Bekenntnisse vom 19. Februar 1672.
(Das Nestelauflösen bewirkte er in folgender Weise):

"Er hätte im Weingarten von einem Weinstock, der blaue Beeren trägt, von der zarten Weinrebe, die zu den entsprechenden Zeiten ringartig um den Weinstock wächst, eine solchen Ring abgeschnitten und ein Krügl zur Hand genommen. Dort hinein hätten sie durch denselben Ring etwas von ihrem (man verzeih den Ausdruck) Urin durchrinnen lassen.
Danach habe er beim Haus von drei hölzernen Säulen ein wenig heruntergeschabt und in den Krug geworfen. Das hätten sie nun beide austrinken müssen und dadurch seien sie unverzüglich wiederhergestellt worden.
Weiters könne er bei Gliederreißen mit Krämpfen, Krümmen und Reissen in den Lenden und im Kreuz helfen. Dazu brauche er "Unserer Lieben Frau Vesperkraut"*) und Schilfrohr, die er ins Wasser lege. Mit diesem Wasser wasche er solche Patienten ab."

Aus dem Bekenntnisse vom 21. Februar 1672 (unter dem Druck des dritten Torturgrades):

"Er gesteht, er brauche nichts anderes als einen Zwirnsfaden, mit dem einem Hahn, wenn er zu einem Kapaun verschnitten wird, die Hoden abgebunden und vernäht werden. Mit dem Faden mache er einen Knopf und spreche dazu: "Gleich wie dem Hahn, der zum Kapaun verschnitten wird, mit diesem Faden seine Macht und die Hoden gebunden und genommen werden, ebenso soll es auch Dir gebunden und genommen sein. Und er müsse die Zeit nennen, wie lange dies dauern und abgebunden bleiben soll..."
"(Der Angeklagte bestätigt die Aussagen der Beisitzer, welche behaupten, dass ein Mensch, dem die so geknüpfte Nestel nicht gelöst wird, sterben müsse) und sagt: Wenn man den Faden ins Wasser oder ins Feuer werfe, dann müsse der Mensch sterben."

Aus dem Bekenntnisse vom 23. Februar 1672:
"Wenn er eine Verhexung aufheben wolle, dann müsse er einen alten Hufnagel in das Getränk werfen und etwas von seinem (mit Verlaub) Urin dazu geben."

(Im späteren Verlauf des Verhörs gibt Krischan zu, dass der Beschwörer, um die Nestel zu knüpfen, zuerst Gott, die heilige Dreifaltigkeit, die Jungfrau Maria, die Engel, alle Heiligen, die schwarze Mutter Erde, das Laub und Gras, den Sand in Wasser und Meer verleugnen müsse. Dann habe er zu sprechen:)

"Ich, Jakob, gebiete mit Gott dem Vater, Gott dem Sohn, und Gott dem heiligen Geist, 3 Namen und nur ein einziger Gott, gebiete auch mit der allerheiligsten Dreifaltigkeit, dass sie an diesem Menschen N.N. jetzt und am jüngsten Tag keine Gewalt, noch Kraft noch Macht haben sollen, sondern dass ihm all seine männliche Kraft und Macht hiemit genommen sein soll, gleich wie sie dem Hahn genommen worden ist, wenn man ihm mit diesem Faden die Hoden gekappt hat. Und es müssen so viele Knöpfe mit dem Faden gemacht werden, so viele Tage, Wochen oder Monate er verlangt, dass das Übel und der Zustand fortdauern soll..."

(Er gibt an, diese Beschwörung müsse man achtmal wiederholen, fünfmal zurücksagen und schließlich noch dreimal wiederholen:)
"Er bekennt und sagt, dass es einen Zustand gebe, den die Leute (mit Verlaub) in den Schenkeln haben, dieses Leiden heißt die "lebendigen Fäden". Wenn man diese dem Patienten nehmen will, dann muss man sich mit ihm verschwören und auf die Kornähren hinlenken, wodurch zweifelsohne das Korn verderben wird."
"Er gesteht, dass er die Agnes Ross geheilt hat. Die Ross habe aber die Medizin und Sachen, die er verwendet hat, ihrer Nachbarin, der Frau des Jansche Kunstitsch, mit der sie in heftigem Streit gelegen ist, in ihren Garten geschüttet und heimlich hineingeworfen. Er sagt, wenn man über diese ausgegossenen Sachen, die man normalerweise bei einem Wasser, bei einem Steg oder bei einer Wegkreuzung ausgießen muss, unabsichtlich geht, so bewirkt das beim Menschen viel größere Krankheiten und größeren Schaden, als wenn man das sonst für eine Person absichtlich machen würde.**)
"

*) Wahrscheinlich Hypericum perforatum L., das als Unserer Lieben Frauen Gras oder Nagei belegt ist und volksmedizinisch als Aufguss bei Krampfzuständen verwendet wurde.

**) Für die in diesem Stück angeführten Arten des Zaubers ist zu verweisen, dass das Pissen durch den Rebenring als Mittel gegen Impotenz vielfache Analogien in der Volksmedizin hat, ebenso das Nestelknüpfen durch Knotenbinden. Der Hufnagel ist ein alter Zauber gegen Krankheitsdämonen.

 

51. ALRAUNWURZEL, KRAFTWURZ

Oberwoelz
Oberwölz (Steiermark) - Blick durch die Stadtmauer

St. L. A. Sond.-Arch. Rotenfels, Schub. 97 (7. Gerichtswesen), 1673.
Strafprozess gegen den Bürger und Hammerschmied Martin Lengauer in Oberwölz "wegen habender wurzen ainen männl gleichformig".

Aus dem Verhörsprotokoll vom 19. Januar 1673:

"1. Wie lange er dieses Wesen habe? Ungefähr drei Jahre.
6. Ob er es nicht gebadet, gekleidet oder angesprochen und verbotene Sachen damit gespielt und öfters bei sich getragen habe. Die Sulzer (von der die Alraunwurzel erworben worden ist) habe gesagt, man müsse es monatlich kleiden. Er habe es aber nur im Sommer und nur zweimal angekleidet, einmal gelb und einmal mit grauer Seide.
13. Ob er nicht noch andere abergläubische Sachen wie die Kraftwurzel und den Wundsegen habe? Ob er solche Wurzeln nennen könne?
Kraftwurzeln habe er, er könne sie selber ausgraben. Aber sonst besitze er nichts Abergläubisches. Wenn aber solche Wurzeln mit beschwörenden Worten ausgegraben werden und jeden Tag genossen werden, dann, so habe er gehört, soll einer so stark werden wie 9 Männer. Es wären beim Graben lauter gute Worte, er wolle sie gerne aufsagen."

 

52. WIEDERVERSCHAFFEN GESTOHLENER SACHEN, ZUNGENBINDEN

St. L. A. Sond.-Arch. Gutenhag, Fasz. 3, Heft 30. Gerichtsprotokoll der Landgerichtsherrschaft Gutenhag 1673.
Aus dem gütlichen Verhör mit Nescha (Agnes) Sieretzin am 25. Mai 1673:


"Sie gesteht, dass besagter Caspar ihnen vor 5 Jahren im Sommer gelernt habe, den Dieben eigenen Knoblauch zu essen zu geben, der zu Bartolomä (am 24. August) und am Weihnachtsabend auf den Tisch gelegt werden soll. Danach wird er in eine Türangel von dem Raum, wo die Sachen heraus gestohlen worden sind, gelegt und danach dreimal mit einem Brechlholz geschlagen.
Dabei muss man sagen: "Sowenig wie der Geschmack von Knoblauch verschwiegen werden kann, sowenig soll dein N.N. gestohlenes Gut verschwiegen bleiben, im Namen Gott des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes."


(Sie erzählt dann, dass sie von diesem Zauber wiederholt erfolgreich Gebrauch gemacht hat.)
Aus dem peinlichen Verhör am selben Tage:


"Auf bloßes Anlegen des Strickes hin gesteht sie, dass sie im vergangenen Jahr (1672) am Lorenzi-Tag von dem erwähnten Caspar gelernt habe, die Zungen zu lähmen. Dazu muss sie den selbst gepflanzten Hanf nehmen. Diesen soll man mit den Worten ansprechen: "Das Wachs helfe dir im Namen Gott des Vaters, des Sohnes und h. Geistes, ein einziger wahrer Gott und durch die Hilfe und Fürbitte unserer lieben Frau, dass der Böse Feind keine Kraft bei dir haben soll. Amen." Dann habe sie 3 Knöpfe hinein machen müssen, und den Hanf in das Wachs gegeben, das ihr die Frau Schämp gebracht habe und das beim Kerzenmachen am letzten Lichtmesstag übriggeblieben ist."

Aflenz Skulptur
Skulptur am Probsteigebäude in Aflenz

53. SCHLAFZAUBER, WOLFBANNEN, UNVERWUNDBAR MACHEN

L.R.A.Strafprozess gegen Urban Pauer, insgemein Hödlbub wegen Diebstahl und Zauberei, Cop. 1673, VI, 29, 1673.
Aus dem Verhör des Urban Pauer, eines 30 jährigen Kohlenführers und Bauernknechts aus Aflenz.

Am 12. Juni 1673:

"Der Schwämbl (ein Mitbeschuldigter, der viel mit Zigeunern herumgezogen ist) habe ihm beigebracht, er soll die Zunge eines Hühnergeiers in das Haus, in dem sie stehlen wollten, oben in das Dach stecken, dann könne im Haus niemand munter werden. Das hat der Schämbl auch gestanden.
Er habe ihm gelernt, mit einer Fledermaus*) unverwundbar zu werden und dergleichen…".

(Dem Beschuldigten wird die Aussage des schon zu Bruck a. d. Mur gerichteten Mitbeschuldigten Matthias Ludwein vorgehalten.
Matthias Ludwein sagte unter anderem:


"man soll diesen Knödlhärter (einen von ihm angegebenen Mitbeschuldigten) gefangen nehmen. Er habe den Bauern ihr Vieh mit Wölfen durch Zauberei zerbeißen lassen."

Am 13. Juni 1673:
" Der Hödlbub sagt, er habe keine Frau aufgeschnitten (wegen der Leibes-Frucht und um daraus Verbrecheramulette zu gewinnen), aber andere hätten ihn dazu anlernen wollen. Der Hittrichhhansl habe ihm dazu geraten. Er habe es aber nicht gemacht…"
"Bezüglich Zauberei gesteht er, er habe ein kleines Stück von einer Hostie, die er empfangen habe, in einen Finger eingeheilt, und zwar in den Daumen der linken Hand. Es sei aber nicht zugeheilt. Daher habe er es nach 3 Wochen wieder herausgenommen und ins Wasser geworfen. Er habe in Aflenz in der Kirchen die Kommunion empfangen und ein kleines Stück aus dem Mund genommen. Das übrige aber geschluckt. Das sei vor 10 Jahren geschehen. Er habe von dieser Sünde noch in seiner Jugend gehört, aber das Meiste vom vom Hittrichhansl. Er habe ihn fast unverwundbar gemacht, aber er habe immer zum Raufen geübt.

Der Wurzel-Kramer von Pernegg habe ihm eine mit Zauberworten besprochene Gäms-Wurzel gegeben. Die habe er jeden Morgen zu sich genommen. Sie habe ihm bisweilen geholfen, unverwundbar zu werden, bisweilen aber auch nicht. Er sei auch selbst auf die Alm nachgegangen zum Wurzel Graben…"

"Er sagt, er wisse von Zauberei nichts. Er habe nur seine Hose beim rechten Fuß unten in den Schuh hinein gesteckt und ein paar Worte dazu gesprochen, damit die Hunde nicht anschlagen, außer die geschnittenen Hündinnen.

*)Wenn man ein Auge einer Fledermaus bei sich trägt, wird man unsichtbar. Unverwundbar wird man, wenn man ein Stück Fledermaus in die Kleider näht.


54. MILCHABWEHRZAUBER, BACKZAUBER, WINDFÜTTERN, HEILZAUBER

Archiv des Schlosses Hainfeld bei Feldbach.
Bekenntnis des Bäckers und Wirtes Georg Hollerspacher vom 21. August 1674:

"1. Er sagt aus, dass er öfters zur Zeit des Kirchtags, als er noch in Hartmannsdorf gewohnt hat, in der Früh vor dem Sonnenaufgang den Staub und die Brösln aus den Fenstern zusammengewischt und dann dasselbe beim Haus herum und vor der Tür ausgestreut, damit seine Wirtschaft gut gehe und die anderen Wirte weniger Geschäft machen.
2.Er habe es von anderen gelernt und auch wirklich praktiziert, nämlich an hellen Samstags-Nächten etliche Hagebutten-Dornen abgebrochen, sodann von seiner Kuh die Milch in einen Sautrog gegossen und mit den Dornen geschlagen, damit sein Vieh, das Blut in der Milch gehabt habe, wieder genese. Er wisse aber nicht, ob er dadurch dem, der ihm das angetan habe, oder seinem Vieh geschadet habe. Er wäre einmal von den Leuten seines Nachbarn bei einer solchen Handlung gesehen worden und das sei der Herrschaft zugetragen worden. Er sei auch bestraft und ausgepeitscht worden.
Er habe schon öfters Wasser aus den Furchen in den Wegen, durch die man die Toten durchgeführt hat, in der Nacht ausgeschöpft. Das habe er dann unter das Brot-Gebäck getan. Wenn dasselbe dann gut geraten sei, sei es auf dem Kirchtag besser verkauft worden.

4. Er bekennt, dass er in der Heiligen-Drei-König-Nacht, die man die Reiche Nacht zu nennen pflegt, Brösel und andere Speisereste zusammen in einen neuen Topf getan hat. Den habe er dann am nächsten Tag in der Früh vor Sonnenaufgang auf der Weide auf einen Torpfosten gestellt, um den Wind damit zu füttern, auf dass der Wind das ganze Jahr hindurch auf seinem Grund und seinem Hab und Gut keinen Schaden anrichte.

Tabor von Feldbach
Tabor von Feldbach - Gefängnis für Zauberer und Hexen

5. Er sagt aus, dass er öfters, wenn Kirchtag war und er neben anderen Wirten Wein angeboten habe, bevor er den Wein aufgemacht habe, von seinem Nebenwirt in einem neuen Krug Wein entnommen habe, diesen heimlich in seinem Keller unter die hölzerne Faßunterlage gegeben habe, damit sein Wein sich besser verkaufe und der Wein des anderen ungeöffnet bliebe….."

Bekenntnis desselben vom 27. Juni 1675 vor dem Landgericht Feldbach:

"1. Er habe das Wasser aus den Wagenrinnen auf der Straße vor Sonnenaufgang aufgeschöpft und in den Brotteig gegeben, damit es bevorzugt werde und sich besser verkaufe.
2. Es sei ihm auch vom Philipp Stocker aus Markt Hartmannsdorf (zu Freyberg untertänig) geraten worden, er solle die Milch in den Sautrog schütten und mit einem Hagebuttendorn auspeitschen. Dann verkaufe sich das Brot auch besser.
3. Es habe ihm ein fahrender Schüler in Eggersdorf gesagt, dass er eine schwere Krankheit überstehen werde. Bald darauf sei er auch krank geworden. Ein Soldat habe ihm geraten, er solle von 9 Ameisenhaufen 3 Hände voll nehmen und von 9 Bäumen, die keine Früchte tragen, Zweige abbrechen und Wasser aus den Wagenrinnen auf der Straße schöpfen. Davon soll er sich ein Bad machen und darin baden. So habe er es auch gemacht und er sei darauf hin gesund geworden. Jedoch sollte man das Badewasser nicht anderswohin schütten als in einen fließenden Bach, denn sonst, wenn es auf die Erde komme, und jemand, sei es Mensch oder Vieh, gehe darüber, müsse dieser bald sterben und verrecken…."



55. LIEBESZAUBER, MENSCHENZURÜCKBRINGEN, ZAUBERÄRZTINNEN

L.R.A. Bericht des Bannrichter im Viertel Cilli, Paul Schatz, vom 31. Juli 1675 über die angebliche Hexe Agnes Cesseka beim Landgericht Sauritsch, Cop. 1674, VIII, 140.
In Sauritsch an der sterisch-kroatischen Grenze haben Anfang Juni 1675 die wegen eines schweren Hagelwetters erbitterten Bauern zwei der Hexerei verdächtige
Weiber überfallen und an ihnen Lynchjustiz durch Verbrennen geübt. Eine der Verbrannten hat vor ihrem Tode die Agnes Cesserka als Genossin angegeben, welche sodann als Beschuldigte unter schwerer Folter vernommen wird.

Aus dem Bericht:
"so ist durch die großen, schweren Foltern nichts anderes herausgekommen, als lauter abergläubische Sachen, nämlich dass sie Beschrei-Kraut (Stachys rectus L.) und Johannis-Kraut gekocht hätten und die Suppe, oder besser gesagt das Wasser davon den Frauen und Mädchen gegeben hätten, damit man diesen, wenn sie sich damit waschen würden, nicht feind sein könne. Den Wirten und den Frauen, die Brot zum Verkauf backen, habe sie auch geraten, mit einer Stauden, auf die sich die Bienen setzen, wenn sie schwärmen, das Fass mit Wein und das Brot zu besprengen und in das Sprengwasser ein geweihtes Salz zu geben. Durch diese und ähnliche abergläubische Dinge ist sie ins Gerede gekommen. Gleichwohl, das kleingläubige Bauernvolk sei eben so, dass sie schnurstracks zu solchen alten Weibern laufen, wenn einem von ihnen nur ein Finger weh tut. Und sie lassen sich mit Zaubersprüchen behandeln, waschen und diese abergläubischen Sachen anwenden. Was danach einer dem anderen weitersagt und anratet, wenn einer krank werden sollte oder ihm sonst etwas widerfahren sollte. Dann soll er nur zu dieser oder jener gehen, die könne ihm schon helfen. Woran sie dann fest glauben und sie geben damit durch solchen Zulauf und durch Belohnungen und Geschenke solchen alten Frauen selber den Anstoß, dass sie ihnen je länger je mehr vorschwätzen. Wie dann auch bei diesem Verhör mit Anwendung der Folter angegeben worden ist, dass ein Untertan der Herrschaft Sauritsch (mit dam Namen Stephan Gunditsch, dem vor einem Jahr seine Frau weggelaufen ist) sie angesprochen hat, sie soll es machen, dass seine Frau wieder zurück nach Hause kommt. Deswegen hat er sie ein paar Mal zum Wirt geführt und einen Wein spendiert. Und als er schließlich von ihr nicht nachlassen wollte, habe sie vom Kopfhaar seiner Frau und von ihren Leibkleidern einen Fleck verlangt, damit wolle sie schon bewirken, dass seine Frau wieder nach Hause kommen werde."

Sauritsch
Sauritsch ( Zavrč in Slowenien) in einer alten Lithographie

1) Das Windfüttern ist eine in der Steiermark noch im 20. Jahrhundert geübte Sitte. Nach der Mitteilung des steirischen Volksforschers Schuldirektor Karl Reiterer wird am Blasiustag (3. Feber), den das Volk Blasentag nennt in Donnerbachwald Mehl in den Wind gestreut mit den Worten: "Wind, Wind Sei frei g'schwind Und pack Dich hoam zu Deinem Kind." Man glaubt so den Windschaden bannen zu können.


56. BESCHAFFENHEIT DES FOLTERHEMDES

 

L.R.A. Bericht des Bannrichters im Viertel Cilli, Paul Schatz, an die Regierung vom 2. September 1675, Cop. 1675, VII, 140.

Aus dem Berichte:
"…dergleichen Folterhemden sind in Marburg, Pettau, Cilli, Feistritz, Rän, Windischgrätz, kurz gesagt im ganzen Viertel Cilli bei keiner Landgerichts-Herrschaft vorhanden gewesen und ich habe eines in meinem Haus selbst spinnen und wirken lassen. Aber es darf nicht mit gewöhnlichem Hanf, den man anbaut und ansät, sondern von wild wachsendem Hanf gemacht werden. Dieses Folterhemd habe ich dem Scharfrichter von Pettau, den ich im Viertel Cilli einsetze, zugestellt, damit er es immer mit sich führt, wenn er Personen, denen Zauberei vorgeworfen wird, zum Verhör vorgestellt werden."

 


57. LEICHENTEILE HINGERICHTETER ALS ZAUBERMITTEL

St. L. A., Spez.-Arch. Gutenhag, Fasz. 3, Heft 31. "Extract aus Michaeln Vräbl gietliche Bekanntnuß dat. 14. octobris 1675."
Verhör mit der Ehewirtin des Jörg Weiß:

"Auch gesteht er, dass er in seiner Jugend beim alten Fürsten von Eggenberg als Stalljunge gedient habe. Er habe erfahren, dass der Kutscher und der Vorreiter zusammen mit zwei anderen Stallknechten einen armen Sünder in der Nacht vom Hochgericht abgenommen und zu Pulver gemacht hätten. Das Pulver hätten sie den Rossen verfüttert.
Und weil er gesehen habe, dass in der Nähe von eben dem Kreuz an einem Schnell-Galgen eine Hand und ein Fuß eines hingerichteten Sünders hingen, habe er sich gedacht, dass man die noch nutzen könne und habe sie abgenommen. Er habe den Gregor Kitl, den Stiefsohn des Arne Knechtl angeredet und gefragt, was er ihm geben wolle. Er wolle ihm was geben, was er den Rossen füttern könnte, dass die dann ganz dick und stark werden würden. So habe der ihm ein Görz (Hohlmaß) Gerste, eine halbe Görz Weizen und eine Viertel Görz Hafer dafür gegeben."

 

58. RÄUCHERN MIT BESENHOLZ ALS ZAUBERMITTEL

St. L.A. Sonder.-Arch. Gutenhag, Schub. 3, Heft 31. Gerichtsprotokoll der Landesgerichtsherrschaft Gutenhag vom 4. Juli 1676
Verhör mit der Ehewirtin des Jörg Weiß:


"Sie sagt, als einmal die Armstorffer Robot-Arbeiter dort am Hof … und in der Stuben danach zusammen Mittag gegessen hätten, sei sie mit dem Kind in der Wiege gesessen und habe unter starkem Lenden-Stechen gelitten. Die Magd des Jakob Reppa habe sie gefragt, was sie hätte und sie habe ihr geantwortet, dass ihr die Lenden so stechen würden. Darauf habe die Magd vom Reppa gesagt: Meine Hauswirtin hat eben auch so einen Zustand gehabt. Die Müller habe ihr den Rat gegeben, sie soll von einem Besen, mit dem man am Weihnachtstag die Stuben aufgekehrt hat, nehmen und sich damit räuchern. Es wäre dann bald besser geworden. Darauf hat sie zur Magd gesagt: Bring mir auch so einen Besen, vielleicht hilfts bei mir auch. Nach 14 Tagen habe ihr die Magd so einen gebracht. Weil sie aber schon vorher gesund geworden ist, hat sie ihn nicht mehr gebraucht, sondern ihn gleich in die Truhe geworfen, wo er danach gefunden worden ist."

letzter Wille
"Letzter Wille" aus einer Bilderhandschrift vom Jahre 1468


59. TOTBETEN UND TOTZAUBERN

St.L.A. Sond.-Arch. Schönstein, Schub.16 (4a Gerichtl. Verhörsprotokolle und Kriminalprozesse), 1677
Kriminalprozess des Landgerichts der Herrschaft Schönstein gegen Maria Ferlin wegen Krankhexen, begonnen am 2. April 1677
. Aus dem Verhörsprotokoll:

"Der Inhalt des Gebets, mit dem sie das Leben entweder verkürzen oder verlängern kann:
Heute ist der heiliger Freitag, an dem Christus gefangen worden ist, mit Stricken gebunden, mit der Geisel gegeißelt, mit der Rute gezüchtigt, mit der Krone sein heiliges Haupt gekrönt, seine heiligen Hände ausgespannt und ans Kreuz angenagelt, die heiligen Wunden mit Salz angestreut, sein hl. Haupt mit Speichel bespuckt und mit Kot beworfen, seine hl. Seite mit dem Spieß durchstochen worden ist. Danach sei unsere liebe Frau zu unserem Herrn unters Kreuz gekommen und habe gesagt: Ach wie bist Du so sehr verwundet und von den Juden gemartert worden."


Aus dem Verhör mit Folter vom 3. April 1677:

Sie bekennt, es hätte sie eine alte Frau namens Eva Kartin, die beim Lorber gewohnt hat und bereits vor 2 Jahren gestorben sei, gelehrt, wenn sie einen tot haben wolle, soll sie am Friedhof Erde nehmen, die man zwischen den Gebeinen der Toten ausgräbt und über dessen Kopf oder Körper schütten. Er müsste in der Folge sterben.
In gleicher Weise gesteht sie, dass sie jedes Mal, wenn sie die Erde über dergleichen Leute gestreut habe, auch den Spruch, ohne dem die Erde sonst keine Wirkung hätte, gesprochen habe: "Gleich wie der tote Mensch die Erde verlangt, so verlangt diese Erde den lebendigen Leib und seinen Tod."

 

60. BILDZAUBER

L.R.A. Bericht des Bannrichters im Viertel Cilli (Celje in Slowenien), Paul Schat, an die Regierung vom 8. Juli 1677, Kop. 1677, VIII, 76
Im Anderburgschen Landgericht bei St. Georgen unter Reichenegg hat Paul Schatz eine Hexe namens Ursula Vurischigkhin mit dem Brand vertilgt, die mit Hilfe des Teufels den Menschen Krankheit und Tod angehext hat.

Sie hat gestanden, "dass sie ein kleines Männchen aus Lehm und Kot geformt hat und wenn sie dieses Männlein mit einer Nadel in den Leib oder in eines seiner Glieder gestochen habe, sei derjenige Mensch, den sie verhexen wollte, auf einem solchen Glied krumm und lahm oder aber am ganzen Körper krank geworden. Wenn sie aber diesem Lehm-Männchen am Kopf in die Schläfe gestochen habe, dann habe der Mensch sogar sterben müssen."

Freistadt in OÖ
Freistadt in Oberösterreich

61. JAKOBISEGEN, PASSAUER ZETTEL

Archiv der Stadt Freistadt O.Ö. 1681
Der im Freistädter Bürgerspital befindliche früher haussässige Webermeister Sigmund Maureder beschwert sich über die ihm im Spital zuteil gewordene Behandlung.
Im Zuge des eingeleiteten Verfahrens werden seine Habseligkeiten durchsucht, wobei nachstehender handschriftlicher Jakobisegen gefunden wird, der der Schrift nach der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts angehören dürfte:

"Einen gewaltigen, gnadenreichen und schönen Segen hat man vor 100 und 50 Jahren aus dem gelobten Land vom heiligen Jakob her gebracht. Dort hat er gelebt, der heilige Apostel Jakob, der größte dieser heiligen Jünger und 12 Aposteln Christi des Herrn. Da hat er in den umliegenden Landen viele tausend Personen zum christlichen Glauben bekehrt. Er hat auch alle Vergiftung und Seuchenluft und alle Zauberei vertrieben. Er hat auch über Feuer und Wasser geboten, sodass sie keinen Schaden anrichten können. Und er hat auch über Wetter und Hagel geboten, sodass diese haben abziehen und wegziehen müssen. Wenn dieser Segen in einem Haus ist, dann bricht kein Feuer mehr aus. Es kann auch das Wasser keinen Schaden mehr anrichten. Dann kann auch die Zauberei nicht mehr in ein Haus kommen, weder unter die Menschen, noch unter das Vieh oder in die Milch. Es kann überhaupt keinen Schaden anrichten. Es kommt weder eine schwere oder schreckliche Krankheit, noch die Pest in das Haus. Es schlägt auch der Blitz nicht in dieses Haus ein.
Ja es wird in gefährlichen Zeiten an vielen Orten oft sein, dass man große Feuerstrahlen und Feuersbrünste sieht, auch große Wassergüsse und Zauberei bei den Menschen und beim Vieh, dort, wo man Gottes Wort nicht in Ehren hält oder Gottes Wort nicht im Haus hat. Darum ist dieser Segen ausgegangen vom heiligen Apostel Jakob, aus seinem heiligen Mund und seinen heiligen Händen. Diesen Segen hat ein heiliger Einsiedler aus dem gelobten Land hergebracht und er kommt vom heiligen Jakob:

Es beginnt das hochwürdige Gebet und der Segen Gottes, den Gott dem Heiligen Apostel Jakob geoffenbart hat:
O du allerheiligster Herr Jesu Christ, ein gewaltiger Segen des Himmels und der Erde, ein König über alle Könige, o Jesus von Nazareth, König der Juden, o du allerheiligster Herr Jesu Christ, du Sohn Davids, erbarm dich der Menschen in diesem Haus, die dich allezeit ehren und anrufen und in ihrem Gebet aufgrund deiner Heiligkeit bitten. O du gekreuzigter Herr Jesu Christ, beschütze das Hausvolk, o du heiliges Kreuz Jesu, an dem Jesus gestorben ist, beschütze das Haus und mit dem Segen Gottes segne die Menschen, die in diesem Haus sind; die Kraft Gottes, des heiligen Geistes, die alle Menschen erleuchtet, die in diesem Haus sind, und der Segen Gottes, des Allerhöchsten, der ausgegangen ist von Gott, dem Vater und Gott dem Sohn und Gott dem Heiligen Geist, segne das ganze Haus und alles, was drinnen ist, und alles, was außerhalb des Hauses rund herum ist: Vieh und Menschen und alle Speisen und auch alles, was im Haus drinnen ist. Sei gesegnet mit dem allerheiligsten und süßesten Namen Jesu Christi, er stärke das Haus und die allerheiligste Dreifaltigkeit. Sie segne alle Menschen, die in diesem Haus aus und ein gehen. Die heiligen 4 Evangelisten, mögen bestätigen und bekräftigen das Haus des N.N.(Name des Gesegneten), damit kein Unglück über das Haus komme, wie die Pest, und sie soll auch sonst vor schädlichen Krankheiten behütet sein. Es soll auch das Feuer und das Wasser keinen Schaden anrichten. Es soll auch die Zauberei keinen Schaden anrichten, weder unter den Menschen noch beim Vieh oder bei der Milch. Das aber verbinden die heiligen Worte Gottes mit dem allersüßeste Name Jesu Christi.

Es sei mit dem Haus die Kraft Gottes! Sie wirke mit den Menschen, die da im Hause sind. Die heilige Dreifaltigkeit und der süße Namen Jesu, sie sollen das Haus umleuchten. Der Einsiedler, Jesus und der heilige Geist, sie sollen die Hüter und Wächter des Hauses sein. Die heilige Jungfrau Maria, die reine Magd, sie bitte für alle Jungfrauen, die in ihrem Dienst sind und in ihrem Gebet. Sie behüte das Haus vor allem Übel und allem Leid. Die heiligen Erzengel, sie sollen an den 4 Ecken des Hauses stehen; und sie mögen dieses Haus Tag und Nacht behüten und bewachen. Die heiligen 12 Apostel, sie sollen in diesem Haus bestimmen, damit alle Dinge in diesem Haus zum besten gewendet werden und zum besten gemacht werden. Das heilige Kreuz unseres Herrn Jesu Christi sei diesem Haus ein Schutz. Die heiligen 3 Nägel unseres Herrn Jesus Christus seien diesem Haus ein Riegel und eine Sperre. Die Dornenkrone unseres Herrn Jesu Christi sei diesem Haus ein Schild und ein Schutz.
Ebenso soll es nun beendet werden mit dem heiligen Wort Gottes und dem allersüßesten Namen Jesu Christi. Oh Jesus von Nazareth, erbarm dich unser, o heiliger, heiliger, heiliger Jeus Christus, oh heilige, heilige, heilige Maria, Mutter Gottes genannt, oh heiliger, heiliger, heiliger Johannes bitte für uns.
Nun wollen wir verschließen mit Gott dem Vater die Haustür, mit Gott, dem Sohn die inneren Räume und mit Gott, dem heiligen Geist die Truhen und die Kästen und mit der Heiligen Dreifaltigkeit das unbewegliche Gut des ganzen Hauses und alles, was drinnen ist und alles, was um das Haus herum ist, sei gesegnet. So soll mir N.N. (Name des Gesegneten) mein Haus und mein Hof, die Leute und das Vieh und alles, was unter meinem Dach ist, das soll gesegnet sein durch diesen "Heiligen Jakob-Segen".
Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und Gott des heiligen Geistes, Amen."

Schluckbilder
Mariazeller Schluckbilder - gefunden im Schlossmuseum Freistadt

Aus der im Ratsprotokoll vom 8. August 1680 enthaltenen Vernehmung des Sigmund Maureder:

Der Weber ist keineswegs geständig, dass er etwas eingeheilt haben soll (um sich unverwundbar zu machen), als er öfters blutig geschlagen worden sei. Und er habe auch niemals gesagt, dass er etwas eingeheilt habe. Nur weil er noch ledig gewesen sei, habe er die "Passauer Zetteln" gebraucht und sie selbst gedruckt und gegessen. Da sei er dann an die 24 Stunden sicher gewesen. Er habe aber sowohl die Eisenstöckl (zum Drucken) als auch die Zettel vor vielen Jahren ins Wasser geworfen und seither nichts dergleichen verwendet.

Es handelte sich hier um sogenannte Eßzettel, Zettel mit irgendeiner Beschwörung, die verschluckt werden, um besonders wirksam zu sein. Der Brauch bestand schon im klassischen Altertum und wurde noch im vorigen Jahrhundert an Wallfahrtsorten (z.B. in Maria-Zell "Maria-Zeller Bildl") geübt.

 

62. RIEMEN AUS DER HAUT ERHÄNGTER ALS ZAUBERMITTEL (KRAMPFSTILLEN, GEBURTSBEFÖRDERUNG)

St. L. A. Sond.-Arch. Rotenfels, Schub. 97, Heft 371 (7. Zauberei- und Hexenprozesse). Verhörsprotokoll des Landgerichts Rotenfels vom 8. Mai 1681.
Gütliches Verhör mit Gertraud Müllerin, Bürgerin und Maurerin zu Oberwölz, bei welcher verdächtige Gegenstände gefunden worden sind, die sie vom Gerichtsdiener von Frauenburg erhandelt hat. Aus dem Verhör:

"Der längere sei ein Riemen aus Menschenhaut, der bei der Geburt zur Hilfe genommen werde. Das kleine Trümmerl habe ihr der Gerichtsdiener von Frauenburg gegen Krampfadern gegeben, weil ihr einige Mal die Adern aufgesprungen seien. Sie habe es aber nicht von ihm gekauft, sondern sie habe ihm nur ein Maßel Wein und eine Halbe Bier mit einem Teller Kraut gegeben. Die Sachen stammten vom erhängten Fünster.
Nachdem der Fünster sich erhängt habe, sei der Gerichtsdiener in ihr Haus gekommen und habe sie gefragt, ob sie für ihren Fuß denn nichts brauche. Er wolle ihr ein Trümmerl vom Riemen des Finsters geben. Sie soll es dazu knüpfen, dann werde sie bei Krämpfen sicher sein.
Das habe sie immer gehört, dass die Menschenriemen bei der Geburt nützlich und förderlich seien. Deshalb habe sie einer Hebamme auch ein Stück davon gegeben, sonst hätte sie so ein Stück um 5 Groschen gekauft.
"

Menschenhaut als Geburtshilfliches Mittel ist sehr alter volksmedizinischer Aberglaube. Die gegerbte Menschenhaut wurde im Mittelalter als Leibbinde zur Geburtsförderung getragen.


Burg Rotenfels
Burg Rotenfels bei Oberwölz (Steiermark)

63. WOLFSBANNEN, HEXENBRENNEN, FERNMISSHANDLUNG, MILCHZAUBERN, VIEHVERSPRENGEN, FUHRMANNVERSPERREN

L. R. A. Ea. 1701, XI, 4. Obdach.
Strafprozess gegen den 24 jährigen Viehhüter und Almbettler Paul Perwolf vor dem Markt- und Landgericht Obdach wegen Wolfsbannen und Zauberei.
Paul Perwolf gibt zu, ein Wolfsbanner zu sein, fünf Wölfe zu haben, die ihm der Teufel geschenkt habe, auf denen er reiten könne und die er zum Zerreißen des Viehs ihm mißgünstiger Menschen verwende. Aus dem Verhörsprotokoll vom 13. August 1701:

"In Hierzegg, außerhalb des Dorfes rechter Hand gegen den Hierzegger Winkel zu, habe er vergangenen Herbst bei einer Bäurin um Speck gebettelt. Die habe ihm aber den Speck verweigert und nichts als ein wenig Brot gegeben. Deswegen habe er unter dem Haus, dort wo der Haushund, wenn er an der Kette angehängt ist, hin und her läuft, ein weggeworfenes, stinkendes Stück Schweinefleisch genommen und in den Sautrog gelegt, wodurch der Bäurin am vierten Tag zwei Schweine eingegangen sind.
Was seine Wölfe reißen, das fressen sie am ersten Tag noch nicht, sondern erst am dritten Tag. Das sei die Regel. Sie wären ebenso leicht wie andere Wölfe zu schießen. Das habe er von den Jägern gehört. Man soll sie mit Ablass-Pfennigen oder mit Blei, unter das Donnerstrahlen (Versteinerungen) gerührt werden, schießen. Das habe ihm der Kullmayrsche Jäger gesagt, dass vom Klain Micherl, der ein Viehhüter ist, einer erschossen worden sei.

Vor 4 Jahren nach dem St.Ilgentag (1. September), als der Maut-Einheberin in Breitenegg durch eine Bäurin, die Minzer Hoißl genannt wird, die Kühe verzaubert worden sind, habe ihm die Maut-Einheberin einen Siebener gegeben. Darauf habe er auf der Türschwelle, wo die Kühe hineinein und hinausgegangen sind, ein Loch ausgegraben, von allen Kühen eine frisch gemolkene Milch genommen und in das Loch gegossen. Danach habe er den Riegel von der Stalltür glühend gemacht und in das Loch gesteckt. Dazu habe er gesprochen:
"Ich brenne nicht die Milch oder den Rahm, sondern ich brenn die Hex, die die Milch weg nimmt."
Er habe den Riegel im Loch abkühlen lassen, wodurch die Tochter der Hoißl seither über und über ist und auf der selben Seiten auch die Füße und die Hände verbrannt sind.
Außerdem habe ihm der besagte Hirt, der Koini Jörg, gelernt, dass er jemand auch in einer Entfernung von 100 Meilen verprügeln könne. Dazu müsse man folgendes haben: Einen weißen Haselnussstecken, der am Karfreitag mit 3 Schnitten abgeschnitten worden ist, und ein Messer mit 9 Kreuzen und 9 Monden, das an einem Karfreitag geschmiedet worden ist.

Wenn man nun einen verprügeln will, so muss man dessen Tauf- und Zunamen wissen, danach den eigenen Rock ausziehen und das Messer unter den Rock legen. Dazu muss man sagen: "Du Hund, ich prügle dich in Teufels Namen." Und man soll mit dem Haselnuss-Stecken auf den Rock schlagen. Auf diese Weise habe ihn ein Viehhirte aus Niederösterreich namens Anderl, der mit ihm als Landstreicher unterwegs war und sich mit ihm beim Teilen einer Gabe zerkriegte, vor 2 Jahren derart geprügelt, dass er danach auf einer Trage herumgetragen worden ist.
In der Obdacher Pfarre, in Granizen, hätten vergangenen Winter kurz vor Ostern er und ein anderer Hirt namens Anderl, der beim Mayr in Gaißbach Vieh gehütet habe, mit einem Messer mit 9 Kreuzen und 9 Monden, das an einem Karfreitag gemacht worden ist und das er von dem Sensenschmied-Knecht in Eppenstein bekommen hat, bei einem Bauern, dessen Bäurin ihnen keine Gabe gegeben habe, sondern grantig war und sie ausgescholten habe, beim Wassertrog allen Kühen die Hufe ausgestochen und das Ausgestochene in den Trog geworfen und dazu gesagt, sie würfen es hinein in Teufels Namen. Sie sollten zwei Tage und zwei Nächte keine Milch bekommen. So ist es auch geschehen und die Kühe haben stattdessen Blut gegeben.

Damit die Kühe nicht auf ihren Rastplatz gehen, habe er es so gemacht: Er habe den Kuhmist vom Rastplatz genommen und zu einem Ameisenhaufen getragen. Dazu habe er gesagt, sowenig wie die Ameisen zusammen bleiben, so wenig sollen die Küh am Rastplatz beisammen bleiben. Das habe er vor 11 Jahren seinem eigenen Kollegen, dem Kullmayrschen Viehhirten gemacht.
Wenn er einem Fuhrmann die Straße versperren will, dann nehme er einen Toten-Nagel, eine Nadel, mit der eine Leiche eingenäht worden ist und ein Holz, von dem ein Hirsch genagt hat, verstecke es im Ross-Geschirr, dann kann der Fuhrmann nicht weiterfahren. Das habe er dem Fuhrmann des Grafen von Silberberg in Kärnten bewiesen, weil dieser nicht angehalten habe, damit er selbst mit seiner Fuhr vorbeifahren könne."

Heiligenbild in der Pfarrkirche von Obdach (Steiermark)

64. WOLFSBANNEREI

St.L.A., Sonderarchiv Rotenfels, Schub. 97 Heft 371 (7.Zauberei und Hexenprozesse).
Vortrag und Urteil des Bannrichters Anton Matthias von Utschan im Landgericht Rotenfels vom 20. September 1719.
Beim Landgericht Rotenfels ist der "alte, auch ziemlich einfältige" Jakob Kranawether aus Spital bei Friesach, anscheinend ein Landstreicher, unter dem Verdacht der Wolfsbannerei in Haft. Der Bannrichter hat folgendes festgestellt.


"dass der untersuchte Kranawether im Monat August 1718, bei dem aber bei der Überprüfung nichts Verdächtiges gefunden worden ist, aber von dem dortigen Gerichtsdiener Peter Parckfriedt im Hinblick darauf gefangen genommen wurde, dass Parckfriedt wisse, dass der Murauer Gerichtsdiener in St. Peter am Kammersberg einen Wolfsbanner aufgesucht habe, er auch von dem dortigen Wirt Hans Gurmann vulgo "Hansl hintern Ofen" gehört habe, dass er einen solchen Menschen kenne, der ganz zerrissen daher gekommen und ihm ein aus Zauber-Sachen bestehendes "giggis gaggis" erzählt habe, insbesondere habe er auch erwähnt, indem er ein Glas vorgezeigt habe, dass man mit diesem Glas, wenn darüber Messen gelesen werden, durch alle Berge durchsehen könne.
Vorweg aber wurde er vom besagten Gerichtsdiener Parkfriedt gefragt, ob er ein Wolfsbanner sei.
Dieser hat zunächst die Frage mit Nein beantwortet. Als aber Parckfridt die Befragung fortsetzte, habe er diesen scharf angeredet: Er solle es nicht leugnen. Er hätte es schon erfahren. Darauf habe ihm der Untersuchte dies auch schließlich gestanden. Daraufhin ist er zum hiesigen Stadtrichter Matthias Pichler geführt worden, von diesem verhört und nach seinem Geständnis dem Landgericht Rotenfels übergeben worden, bei dem der Untersuchte ebenfalls ein Geständnis ablegte und die näheren Umstände bekräftigte. Dass er nämlich durch zwei Wölfe dem Martin Schwager vulgo Präntl in Krakau im August 1718 drei Ochsen und zwei Kälber hätte zerkratzen und verletzen lassen. Beim Prozess aber hat er dem total widersprochen, zumal sowohl der Gerichtsdiener Parckfriedt das erste Geständnis widerrechtlich - abgesehen von der Wahrheitsfrage - von dem einfältigen Kranawether erpresst hat und in der Person des von dem oben genannten Hansl Hintermoser angegebenen Wolfsbann gänzlich gefehlt hat. Es hat sich auch beim Untersuchten, nachdem ich die beim Landgericht angeführten Umstände und den zugefügten Schaden ordentlich untersucht habe, nichts Verlässliches herausgestellt. Hinzu kommt auch, dass dem Martin Schwager kein einziger Ochs noch zwei Kälber geschädigt worden sind. Aus diesem Grund ist der Untersuchte ein Jahr und etliche Wochen lang unschuldig im Arrest in Eisen gelegen."

Das Urteil lautete daher nur auf 20 Stockschläge; der Gerichtsdiener erhielt einen Verweis.

 


65. GLÜCKSTALISMAN, CHRISTOPHGEBET

Archiv der Stadt Freistadt O.-Ö. 1728.
Strafprozess gegen Peter Ferdinand Käselister wegen Teufelsbund.
Aus dem gütlichen Verhör des Bäckerjungen Johann Langthaller vom 6. August 1728 durch das Stadt- und Landgericht Linz:
(Der Beschuldigte – ein wandernder Bäckergeselle – ist wegen Besitzes abergläubischer Gebete und Gegenstände verhaftet worden.)

Frage 35:
"Aus welchem Grund er den gedörrten Frosch, das Wachs, den schwarzen Pfennig, das gedörrte Wolfsfleisch, das Holz, den vierblättrigen Klee, das Wiedehopf-Federl und den Weihrauch bei sich getragen habe?
Antwort: Teils zur Verhütung des Ungeziefers, teils aber, damit er beim Brot-Verkaufen Glück habe.
"

Blick auf Freistadt
Blick auf Freistadt

Über die hier angeführten Talismane: Bei den Slowaken des Neutraer Komitates galt getrocknetes Wolfsfleisch als Amulett gegen den Bösen Blick.
Bezüglich des Wiedehopfes: Wer den Kopf eines Wiedehopfes in der Tasche trägt, kann von niemandem betrogen werden.
Bezüglich des Frosches oder der Kröte ist anzumerken, dass die letztere ein Seelentier ist, weshalb sie nach dem Volksglauben nicht absterben kann, auch wenn sie getrocknet wird. Deshalb steckt die Seele auch noch in dem Krötenamulett und bringt Glück.
Der schwarze Pfennig ist der Heckpfennig (eine Münze, die sich nach dem Glauben der Leute im Geldbeutel von selbst vermehre oder immer wieder zu ihrem ersten Besitzer zurückkehre).

(Im weiteren Verlauf des Verhörs gesteht der Beschuldigte, zwar nicht das "Coronagebet", wohl aber das "Christophgebet" gebetet zu haben.)
Frage 39:
Was er dabei tun und beobachten habe müssen?

Antwort: Er habe ein geweihtes Licht gehabt, das er schon geweiht vom Lebkuchen-Macher in Freistadt gekauft habe. Dann habe er mit einer geweihten "Heiligen Drei König Kreiden", die er von Kapuzinern in Freistadt bekommen habe, drei Kreise gemacht, und zwar den ersten im Namen Gott des Vaters, den zweiten im Namen Gott des Sohnes und den dritten im Namen Gott des Heiligen Geistes. Er habe sich mit dem Licht in den innersten Kreis begeben, habe sich dort niedergekniet und eine halbe Stunde lang aus dem Büchl gebetet. Er habe jedoch nichts gesehen, gehört oder bekommen. Vorher hätte er drei Tage die Messe gehört, dabei den Rosenkranz gebetet und auch bei Wasser und Brot gefastet.

Am Vortag des Dreikönigtages wurde in katholischen Gegenden Wasser, Salz und Kreide geweiht. Alle drei dienen als Schutz gegen Zauberei.


 

66. ABTREIBUNGSMITTEL

Stadtarchiv Freistadt O.-Ö.
Gütliches Verhör mit der des einfachen Ehebruchs bezichtigten Magdalena Haßlingerin, 28. September 1734.
Aus dem Verhör:

"Nachdem ihr das Blut 2 Monat lang ausgeblieben sei, habe sie zum Schneider, als beide zum dritten Mal miteinander zu tun gehabt haben, gesagt, sie glaube, sie sei schwanger. Darauf habe er ihr gleich einen Siebener gegeben und gesagt, sie soll ein Bier kaufen und darin einen gestohlenen Sebenbaum*) und etwas von einem Schleifstein**) sieden und danach dieses Getränk etliche Mal warm einnehmen. Sie werde bald wieder anders werden."

*) Sebenbaum (Juniperus Sabina L.), eines der bekanntesten bäuerlichen Abtreibungsmittel.
**) Schleifstein, ebenfalls ein weitverbreitetes Abtreibemittel (in Österreich, Ungarn und bei den Huzulen).

 

67. AMULETT GEGEN RAUBÜBERFÄLLE

L. R. A.Cop. 1741, I, 36.
Bericht des Richters und Rates der kaiserlichen Kammerstadt Pettau an die innerösterreichische Regierung über die Strafsache gegen Johann Georg Stikhl wegen Magie und Ehebruch vom 19. August 1740.
Johann Georg Stikhl, Bürger und Hutmacher in Pettau, wird u.a. wegen abergläubischer Künste verfolgt, weil bei ihm ein versiegeltes Päckchen gefunden worden ist, das er nach dem Ergebnisse der Untersuchung auf einem Markte vom Freimann zu Agram (Kroatien) Mathias Puntzer zu dem Zwecke eingetauscht hat, um auf seinen Marktreisen vor Raubüberfällen sicher zu sein. Das Päckchen wird bei Gericht eröffnet und enthält:


Schloss Freistadt
Schloss Freistadt

"sodann verbotene Stücke, wie ein Stückerl von einem "Gerichtsstaberl", einen Finger von einem armen Sünder, einen Eisennagel, mit dem der arme Sünder angenagelt gewesen ist, außerdem von einem armen Sünder die Schläfe, eine Erde vom Hochgericht, wohin der Urin des armen Sünders gefallen ist, neben einem Kugerl, von dem man nicht wisse, was es sei."

Anm.: Das "Gerichtsstaberl" war ein Holzstäbchen, das nach uraltem Brauch nach Verkündigung des Todesurteils gebrochen und dem Verurteilten vor die Füße geworfen worden ist.

 

68. ABTREIBUNGSMITTEL

Archiv der Stadt Freistadt O.-Ö. 1747.
Kindesmordprozess gegen die Katharina Sollbergerin.
Aus dem Verhör der Zeugin Maria Glaßnerin vom 12. April 1747:

"Constituta sei zur Frau Mahler beim Linzer Tor in Freistadt ungefähr nach den Osterfeiertagen 1746 gegangen und habe ihr erzählt, dass ihrer Mutter schon lange die monatliche Regel ausbleibe. Und sie habe sie gebeten, ihr etwas Brauchbares zu geben, damit sie wieder komme. Darauf habe ihr die Mahler angeraten:
Sie soll "Pabl Rosen", um einen Kreuzer Majoran-Pulver und Lorbeer nehmen und diese in einem Seitl Wein kochen. Mit dem Zusatz, dass sie der jungen Frau das Getränk nach und nach zu trinken geben soll...."

Anm.: Pabl Rosen: Blüte vom Viburnum lantana L., vielleicht auch Althea rosa L. oder Malva silvestris L.

 

69. BLUTSTILLZAUBER

Archiv der Stadt Freistadt O.-Ö. Strafakt gegen den Chirurgengesellen Anton Neußer 1763.
Dem Beschuldigten, der unter dem Verdacht des Taschendiebstahls verhaftet wurde, wird hierbei ein Zettel abgenommen, auf welchem folgender Zauberspruch steht:


"Blutstillen. O Herr Jesu Christ, dir sind 3 Blumen unter deinem Herzen gewachsen. Das Erste ist die Gottheit. Das Zweite ist die Gerechtigkeit. Das Dritte ist dein göttlicher Wille: Also stehe Dir N.N. dein Blut still, im Namen Gott des Vaters, und des Sohnes und des heiligen Geistes, Amen. Bete 3 "Vater unser", 3 "Ave Maria" und ein Glaubensbekenntnis."

 

70. MILCHZAUBER

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1772.
Strafprozess des Landgerichts Althofen gegen Blasi Weitschacher wegen Aberglauben.
Aus dem Verhör des Beschuldigten vom 1. Oktober 1772:
(Der Beschuldigte hat aus Rache gegen einen Bauern, der ihm als Almhüter kündigte, Nieten von Hufnägeln in den Milchrührkübel geschlagen, um das Zusammengehen der Milch zu verhindern. Auf die Frage, woher er dies habe, antwortete er:)


"Ich habe von einem alten, schon verstorbenen Schmied bei der Beschag-Brücke gehört, dass er seinen Leuten befohlen hat, sie sollen die Nieten von den Hufnägeln abzwicken, denn wenn man die Nieten von den neuen Nägeln in die Kübel schlage, dann könne man nicht zusammenrühren, wenn man aber die Nieten von den alten Nägeln einschlage, könne man wieder zusammenrühren. Das habe ich mir gemerkt und aus Ärger über den Schottelhofer Nieten von neuen Hufnägeln in die Rührkübel auf der Almwirtschaft geschlagen. Als ich aber gehört habe, dass sie nicht zusammenrühren könnten, hat es mich wiederum gereut und ich habe der Sennerin gezeigt, wo ich die Nieten hineingeschlagen habe und ihr geheißen, sie selbst herauszuziehen und dafür die alten Nieten einzuschlagen, um das Übel zu beseitigen."

Es handelt sich hier um eine Form des Eisenzaubers. Der Abwehrzauber für die Butterzubereitung weist zahllose Formen auf.

 

71. DES TEUFELS KAPPE

St. L. A., Sond.-Arch. Göß (Gerichtswesen). Gerichtsprotokoll des Frauenstifts Göß 1773, S 124ff.
Verhör mit dem 24 jährigen Sensenschmiedssohn Jakob Kirchmüller in Göß vom 8. Januar 1773.


"Es kam, soviel ich mich erinnere, war es noch vor Allerheiligen, ein bettelnder älterer Sensenschmied-Knecht, sie heißen ihn den Schneidenauer, zu uns. Es kennen ihn die meisten. Er kann nicht mehr arbeiten. Er ernährt sich vom Betteln. Die Leute halten ihn gerne zum Narren. Dieser erzählte unter anderem am Abend vor dem Essen in der Stuben, in meinem Beisein und im Beisein der übrigen Sensenschmied-Knechte, also im Beisein des Eßmeisters (Vorarbeiter in der Sensenschmiede), des Abrichters (der das Sensenblatt ausrichtet), des Abschinners (der die Eisenschienen stückelt) und dergleichen, dass man nicht glücklicher sein könnte, als wenn man die Messner-Kappe, das sei die Kappe des Teufels, trage.

Stift Göss
Eingangsportal zur Stiftskirche Göß (Steiermark)

Er erzählte, dass er sie früher einmal gehabt habe. Sie wäre leicht zu bekommen. Man dürfe von den Füßen bis zum Kopf sonst nichts als ein weißes Gewand anziehen. Die Nähte müssten aber alle außen gemacht werden. Dieses Gewand müsste man dann in der Christnacht anziehen und damit zur Messe in die Kirche gehen. Es brauche sonst nichts. Sobald man in diesem Aufzug in die Kirche komme, sehe man schon den Teufel in Gestalt eines Jägers mit seiner Kappe auf dem Kopf vorne unter dem Hochaltar knien. Hinter diesem müsse man niederknien. Und nachdem während der Messe alle Hexen zum Opfer gehen müssten, könne man dadurch alle, die Hexen seien, kennen lernen. Andere Leute sehe man nicht. Dann müsse man auf den Teufel acht geben. Sobald sie zum "Sanctus" läuten, nehme er seine Kappe vom Kopf und lege es neben sich. Da würde man auch sehen, dass er Hörner am Kopf habe. Sobald er nun die Kappe neben sich gelegt habe, müsse man sie erwischen und damit bei der Kirche hinauszukommen versuchen, bevor die Wandlung vorbei sei, weil der Teufel nicht hinaus dürfe, bevor die Wandlung vorbei sei. Dann müsse der Teufel nachkommen und verraten, wozu alles die Kappe zu gebrauchen sei. Dies habe er, der Schneiderbauernbub, auch einst gemacht, und die Kappe auch tatsächlich bekommen. Damit hat er sich in ein Haus begeben. Der Teufel sei auch gleich, und zwar geschwinder, als er glaubte, dass die Wandlung vorüber gewesen sei, nachgekommen. Er habe ihm zum Fenster hinein gesagt, wozu sie zu gebrauchen sei. Er habe aber nichts davon verstanden und nichts anderes gesehen, als dass sie verschiedene Farben hätte und weil er somit die Kappe nicht zu verwenden wusste, habe er sie seiner Mutter gegeben. Die Mutter aber habe sie einem Sensenmann verkauft und dieser sei dadurch sehr reich geworden.

Dies alles habe ich mir gemerkt und gedacht, dass ich es auch versuche, weil die Möglichkeit, es zu bekommen, so einfach ist. Ich ließ mir also 14 Tage oder 3 Wochen vor Weihnachten beim Schneider Prugger in Göß so eine Bekleidung machen, und zwar ganz nach meinen Vorstellungen, ein Hemd, eine lange weiße Kutte, wie sie die Kreuzzieher*) haben, und eine Kapuze, dann Hosen und Strümpfe in einem Stück gemacht, und schließlich einen leinernen Schuh, bei dem die Nähte außen waren. Zwar fragte mich der Schneider, warum die Nähte außen sein sollen, ich aber habe ihm gesagt, dass ich in eine Höhle kriechen wolle und auf diese Art das verborgene Erz leichter sehen könne. Wie ich nun das Gewandt hatte, so wartete ich schon gespannt auf den Christtag. Am Sonntag vorher am Nachmittag meldete ich mich beim Graber in der Stadtpfarre, ob ich nicht am Donnerstag in der Nacht bei ihnen drüben bleiben dürfe, damit ich in der Nacht die Metten nicht versäume. Der Graber erkannte mich gleich als den Sensenschmied-Sohn von Göß und erlaubte mir daher zu kommen. Ich kam also am Donnerstag in der Christnacht um 9 Uhr zum Graber und trug in einem Binkerl das weiße Gewand unter der Achsel. Die Frau Graber hatte sich niedergelegt, seine zwei Söhne, die Dummköpfe, waren zuhause, der Graber aber nicht. Wie sie das erste Mal zur Mette geläutet haben, dachte ich, jetzt ist es Zeit zu gehen und einer der Söhne leuchtete mir die Stiege hinunter. Unten sagte ich, er solle mir das Haus offen lassen, weil ich während der Mitternachtsmette hinausgehen würde. Er fragte, was ich denn da machen würde und ich sagte, dass ich jetzt dieses Gewandt, das ich bei mir habe, anziehen würde und dann versuchen würde, die Kappe des Teufels zu bekommen. Er versprach mir offen zu lassen. Ich ging also in die Kirche, als noch kaum 5 oder 6 Personen drinnen waren.

Fresko Stift Göss
Fresko im Stift Göß

Der Mesner sah mich zuerst und schoss gleich auf die Seite. Ich ging nach vor zum Hochaltar und kniete dort auf der rechten Seite neben dem Stuhl nieder. Dann nach einer Zeit hielten sie vor der Mette die Vigil, oder wie das heißt. Der Geistliche, Herr Stanzinger, kniete gleich daneben im Stuhl. Ich kniete dort durch die ganze Vigil und durch das ganze Amt und betete zuweilen etwas, soviel mir die Kälte zuließ. Ich sah aber von Anfang bis zum Ende weder Hexen**) noch Teufel mit einer Mesner-Kappe."

*) An anderer Stelle wird dieses "Kreuzziehergewand" auch "Peitscher- oder "Büßer"-Gewand genannt. Es handelt sich also um eine besondere Kleidung von Teilnehmern an den kirchlichen Festlichkeiten der Karwoche, vielleicht auch um die Tracht wandernder Büßer. Die in der Beichte auferlegte Verpflichtung, zur Sühne einer Schuld ein Kreuz an einen Wallfahrtort zu tragen oder zu ziehen, lässt sich in der Steiermark öfters nachweisen. Das Kreuzziehergewand war den Teilnehmern an der Mette so bekannt, dass ihnen die kniende Büßergestalt nach dem Zeugnis des Stadtpfarrers gar nicht auffiel.

**) Die Vorstellung, dass die Hexen in die Kirche gehen, und dass man sie durch gewisse Vorkehrungen sichtbar machen könne, ist in der steirischen Volkssage weit verbreitet. Man muss sich auf einen Schemel setzen, der in einer bestimmten Zeit aus verschiedenen Arten Holz gemacht worden ist; dann kann man in der Weihnachtsmette oder beim Hochamt am Pfingstsonntag die Hexen erkennen.

Die Vorstellung von der glückbringenden Wirkung der Teufelskappe und der Art ihrer Eroberung findet sich auch sonst, so z.B. in Franken. Es mag auch an die (mir aus Steiermark bekannte) Redensart erinnert werden, wenn man einen verlegten Gegenstand nicht findet: "Da hat der Teufel seine Kappe darauf gelegt". Den in der Volkssage vielfach vertretenen und hier wiederkehrenden Zug, dass sich der Teufel in kindischer Weise übertölpeln lässt (die Vorstellung vom dummen Teufel), hat die Teufelsvorstellung von den tölpischen Riesen der deutschen Mythologie übe
rnommen.

 

72. UNVERWUNDBAR MACHEN DURCH DEN "KALMANISEGEN"

St. L. A. Sond.-Arch. Donnersbach, Schub. 67 (Gericht, Kriminalprozesse), 1795.
Verleumdungsprozess des Jägers Peter Leitner gegen den Bauernsohn Andreas Steiner vor dem Landgericht Donnersbach.
(Peter Leitner, der ob seiner Strenge bei den Bauern gefürchtete Herrschaftsjäger von Donnersbach, ist von Andreas Steiner insgemein Riezensohn angezeigt worden, dass er auf Steiner, den er beim Wildern ertappte, ohne Anlass geschossen, ihn getroffen, aber nicht verletzt habe, weil die Kugel nur die Kleidung durchschlug, ohne tiefer einzudringen. Peter Leitner beantwortet diese Anzeige mit einer Verleumdungsklage).
Aus dem Verhör des Andreas Steiner vom 5. Februar 1795:
Antwort auf die Frage, wieso es komme, dass die Kugel trotz des aus einer Entfernung von 30 bis 40 Schritten abgefeuerten Schusses nicht eingedrungen sei:

Andreas Steiner: "Ich habe mir aus dem "Kalmani-Segen", den der alte Ertleitner hat, einige Gebete gemerkt. Diese habe ich gebetet und ich glaube, dass ich durch die Kraft dieses Gebetes gerettet worden bin."
Richter: "Wenn Du dir diese Gebete auswendig gemerkt hast, dann sag sie hier und jetzt. Wie gehen die Gebete?"
Andreas Steiner: "Christi Kreuz, steh mir bei. Christi Kreuz bete ich allezeit an. Chrsiti Kreuz, besiege für mich Feuer und Wasser. Christi Kreuz, besiege für mich alle Waffen und Feinde. Christi Kreuz ist für mich ein vollkommenes Zeichen meiner armen Seele. Christi Kreuz ist für mich Seele und Leib für alle Tage meines Lebens. Und so bitte ich im Namen Gott des Vaters, Gott des Sohnes und Gott des Heiligen Geistes. Christi Kreuz eröffne für mich die Glückseligkeit. Christi Kreuz vertreibe mir alles Schlechte. Christi Kreuz steh mir bei. Kreuz hinter mir, Kreuz vor mir, Kreuz überall um mich herum. Vor allen meinen Feinden, sichtbar oder unsichtbar. Sie sollen vor mir fliehen, wenn sie mich sehen oder hören. Dazu helfe mir Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist."

Jagdszene
Jagdszene

Richter: "Aus dieser deiner Aussage ist klar zu erkennen, dass du dieses Gericht belügst und deine Zuflucht im Aberglauben finden willst. Denn obwohl diese Gebete in sich selbst, wenn man sie ohne Aberglauben mit wahrer Andacht betet, ganz gut sind, so ist doch der damit verbundene Aberglaube höchst sündhaft, und es ist von der Kirche und von den Gestzen längst erkannt, dass diese Gebete in derlei Fällen keinen Nutzen haben und dich niemals unverwundbar und unverletzbar machen könnten. Ich ermahne dich also, dass du die reine Wahrheit bekennen und nicht durch boshaftes Leugnen deine Strafe vergrößern sollst."
Andreas Steiner: "Was würde dann helfen, wenn das Beten nicht helfen soll. Es ist die reine Wahrheit. Ich kann es nicht anders sagen."

 

73. HEILZAUBER

St. L. A. Hdschr. Nr. 1484. Um 1850. Fraisenbrief aus der Gegend von Trieben.

"Fraisen-Brief.
Wenn ein Kind oder ein alter Mensch die Fraisen (Krampfanfall) hat.
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen. Das wolle Gott der Herr Jesus Christus heute an diesem Tag, dass ich alle siebenundsiebzig Fraisen töten möge. Ich töte sie durch Gottes große Macht. Ich töte durch den heiligen Namen Jesu Christi alle 70 Fraisen, reißende Fraisen, rote Fraisen, abdörrende Fraisen, zitternde Fraisen, kalte Fraisen, schreienden Fraisen, fallende Fraisen, abbrennende Fraisen, spreitzende Fraisen, stille Fraisen, wütende Fraisen, geschwollene Fraisen, gestoßene Fraisen.
Ich wende es dir N.N. zum Guten durch Gott den Herrn Jesu Christi und durch seine heiligen fünf Wunden. Ich wenden es Dir zum Guten durch das heilige Sakrament, Ich wende es Dir N.N. zum Guten durch sein heiliges Evangelium. Ich wende es Dir N.N. zum Guten durch seine heiligen Pforten des Himmels aus der Gnade Gottes geschaffen, durch den lieben Namen Jesu Christi, dass ich auch verbiete alle siebenundsiebzig Fraisen. Ich wende es Dir N.N. zum Guten über alle Berge und Täler, und durch alle fließenden Wasser hinab, auf dass der Leib ruhen und rasten mag bis auf den jüngsten Tag, an dem unser lieber Herr Jesu Christi kommen wird und auferwecken die Lebendigen und die Toten. Durch seine Verdienste, weil er sein Haupt geneigt und sich seinem himmlischen Vater ergeben hat, helfe Dir N.N. Gott der Vater, der dich erschaffen hat, und Gott der Sohn, der dich erlöst hat und Gott, der heilige Geist, der dich in der heiligen Taufe geheiligt hat, Amen.

Jesus, Maria, Josef mein,
lasst mich euer Pflegekind sein,
ewig ganz euer sein will ich,
ganz eigen euch befehl ich mich,
Jesus, Maria, Josef.

Ihr wisst, dass ich ganz für euch da,
nicht kommt ihr aus mein Herz noch Sinn,
bewahret wohl, was euer ist,
dass nicht entführt des Teufels List,
Jesus, Maria, Josef.

Ihr seid mein Trost und Zuversicht,
in allem, was mir auch immer geschieht,
darum ich euch demütig bitt,
Im Leben und Tod verlasst mich nicht.
Jesus, Maria, Josef.

Ohne euch ich nichts fang an,
ohne euch ich nichts verbergen kann,
steht mir bei in jedem Werk,
mit eurer Güte, Weisheit, Stärk.
Jesus, Maria, Josef

Fraisenmittel
Mittel gegen die Fraisen im Schlossmuseum in Freistadt

O, mir liebste und letzte Wort,
schließt mir auf die Himmelspfort,
weil ich nur euch eigen bin,
zu euch in Himmel nehmt mich hin.
Jesus, Maria, Josef.

Verzeihung meiner Sünden erwerbt,
dass ich in Gottes Gnaden sterb,
in eure Hand befehl ich mich,
euch lob ich Gott ewiglich.
Jesus, Maria, Josef.

Für allezeit sind gebenedeit,
ihr meine drei herzliebste seid,
der heiligsten Dreifaltigkeit sei Dank, Ehre, Preis in Ewigkeit.
Jesus, Maria, Josef.

So soll man den Brief über den kranken Menschen, der die Fraisen hat, dreimal lesen und man nennt den Namen, wo das N.N. steht. Danach soll man diesen Brief dem kranken Menschen auf die Brust legen, bis es endet zum Leben oder zum Sterben. Und die Leute, die bei dem Menschen sind, sollen niederknien und 7 Vater-Unser und Ave-Maria und ein Glaubensbekenntnis mit Andacht beten zu Ehren des bitteren Leidens und Sterbens unseres lieben Herrn Jesu Christi, damit ihn Gott von seinem Leiden befreie, sei es zum Leben oder zum Sterben, O Jesu, Amen."

Kaum ein Krankheitszustand hat so reiche volksmedizinische und abergläubische Abwehrmittel ausgelöst, wie die Fraisen.

Anmerkungen:
Beim vorliegenden Text handelt es sich um die Überarbeitung eines Teiles des Buches
„Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer (mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei und Hexenprozesse 1455 bis 1850)“ von Fritz Byloff. Walter de Gruyter & Co., Berlin und Leipzig 1929.
Die Überarbeitung durch Siegfried Kramer hatte das Ziel, den Text leichter lesbar zu machen, da die Prozess-Protokolle im Original überwiegend in früh-neuhochdeutscher Sprache abgefasst sind.
Den Historikern Bernhard Reismann und Walter Steinmetz sei für ihre Unterstützung und Korrektur gedankt.

Graz 2012

 

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