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VOLKSKUNDLICHES AUS STRAFPROZESSEN DER ÖSTERREICHISCHEN ALPENLÄNDER MIT BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG DER ZAUBEREI- UND HEXENPROZESSE VON 1455 BIS 1850

gesammelt, mit Anmerkungen versehen und herausgegeben von Fritz Byloff im Jahr 1929 - überarbeitet, illustriert und ins Internet gestellt von Siegfried Kramer

Teil 2:

Inhalt

21. WETTERZAUBER
22. BESESSENHEITSZAUBER, WETTERBESCHWÖRUNG, DIEBZAUBER, HIMMELBRIEFE, SCHLOSSZAUBER, SCHLAFZAUBER, GALGENMÄNNLEIN, GALGENHOLZ, GALGENKETTE, SCHLANGENBANN
23. ZAUBER GEGEN TRUNKENHEIT
24. VIEHANSRECHEN (VIEHSEGEN)
25. ZUSAMMENSETZUNG DER HEXENSALBE
26. REGENZAUBER
27. UNVERWUNDBAR MACHEN
28. UNVERWUNDBAR MACHEN DURCH BLUTKRAUT UND ERSTES MENSTRUALBLUT
29. BAHRRECHT
30. VIEH- UND MILCHZAUBER
31. WOLFSEGEN
32. AUFLÖSUNG DES WOFBANNES (WOLFSEGEN)
33. REGENZAUBER. SCHLAFLICHT
34. HEXENBRENNEN, WETTERABWEHRZAUBER, LIEBESZAUBER, REGEN- UND WINDZAUBER, TIERVERWANDLUNGSGLAUBE, GLÜCKSTALISMAN, LEICHTEILE GERICHTETER ALS GLÜCKSTALISMAN
35. KUHSCHWÄNZE ALS ZAUBERMITTEL
36. DER "DIERLING" ODER "DÜRNING"
37. BAHRPROBE
38. KOPFWEHKUR, REGENZAUBER
39. BETTEL-AMULETTE UND UNVERWUNDBAR MACHEN

 

Gmünd altes Schloss
Gmünd in Kärnten - Altes Schloss

21. WETTERZAUBER

Kärntner Landesarchiv. Archiv der Herrschaft Gmünd, Nr. 44/XXIII, 1591. Zaubereiprozess des Landgerichtes Biberstein (Himmelberg) gegen Margareta, des Mertl an der Lapien Ehewirtin wegen Wettermachen).
Aus dem Verhör ohne Folter der Margareta vom 2. Oktober 1591 durch Hans Halfinger, Pfleger der Herrschaft Biberstein:

"...vor zwei Jahren hätten sie und ihre Gefährtinnen (die Blandl Pürschtenmacher und die Gredl) nicht das große Hagelwetter, sondern das nächste danach, das durch die Gnesau herausgekommen ist, gemacht. Alle 3 hätten sie sich am Anfang nackt in der Gurk gebadet und das Wasser 3-Mal über sich gegossen. Ihre Gefährtinnen hätten damals auch Gebeine vergraben. Daraus sei Wetter mit Schnee und Hagel entstanden."

 

22. BESESSENHEITSZAUBER, WETTERBESCHWÖRUNG, DIEBZAUBER, HIMMELBRIEFE, SCHLOSSZAUBER, SCHLAFZAUBER, GALGENMÄNNLEIN, GALGENHOLZ, GALGENKETTE, SCHLANGENBANN

Fürstbischöfliches Hofarchiv Brixen1595.
Zaubereiprozess gegen Christoph Gostner, Rotschneider und Wirt in Sexten vor dem Gerichte in Heinfels bei Sillian im Pustertale.
Aus dem Verhör der Beschuldigten am 21. Juni 1595:
Antwort auf die Frage, welches Mittel er bei Besessenen zur Heilung verwendet habe:


"Er gibt an, dass er von einem Hecht das Herz und die Leber genommen habe und die besessenen Leute, die böse Geister bei sich hatten, damit geräuchert habe und dass er eine kohlschwarze Henne in der Mitte auseinandergerissen, auf den Kopf gelegt und dazu Gewürze genommen (Gewürznelken, Zimt, Muskatblüten, Muskatnuss) und das ganze zu Pulver zerstoßen und eingegeben habe. So habe er das Gehirn gestärkt und es seien die bösen Geister von ihnen ausgetrieben worden…"

Antwort auf die Frage nach der Art des sogenannten "Wetterwehrens":
"Er gibt an, er könne nicht wissen, wie oft er Wetter abgewehrt habe. Aber wenn er das Wetter dick und schwarz habe kommen sehen, dann habe er es abgewehrt, so gut er es habe können und es zurück und weg getrieben, bis in das höchste Gebirge, wo kein Hahn mehr kräht, kein Mäher mäht und kein Ochs mehr brüllt und wo keine Blume blüht, sodass es niemand schadet und - wie er meine - der Hagel gleich zu Wasser werde."

Schloss Heinfels
Schloss Heinfels bei Sillian in Osttirol

Antwort auf die Frage, was er zur Wiederbeschaffung gestohlenen Gutes gebraucht habe:

"Was er dazu verwendet habe, das sei folgendes:
Er sei in den Stall gegangen, habe sich nach Osten gewandt hingekniet und gesagt:
"O Herr Jesu Christ, ich knie auf diesem Mist. Schick du diesem Dieb, der es gestohlen hat, 3 der bösesten Teufel. Der 1. zwing dich, der 2. bedräng dich, der 3. gehe dir in deine Schuhe, sodass dir, Dieb, so Wund und Weh sei mit den gestohlenen Dingen, wie es deiner Mutter gewesen ist, wie sie dich auf diesen Erdboden gebracht hat mit ihren klagenden Lenden und Händen. Und so zwing ich dich, dass du das Gestohlene wiederbringen musst, im Namen Gottes Vaters, Sohnes und heiligen Geistes."

Aus dem "Inventar" über die Zauberbücher und –zettel des Beschuldigen vom 4. Juli 1595:

"Nr.23. Ebenso ein altes Buch, bei dem am Beginn ein Brief ist, der vom Himmel kommt, außerdem danach noch Künste, wie die Kunst, wenn einer zum Beispiel dafür 10 Messen lesen lässt und danach das Papier in den Mund nimmt und in ein Schloss bläst, dann geht es auf. Ebenso, wenn einer eine Feder vom linken Flügel einer Haustaube nimmt und sie an einem roten Seidenfaden an das Haus hängt, dann wird niemand aufwachen…

Nr.58. In einem Papier zusammengebunden 5 Galgenmännchen (Alraunwurzeln), an jedem ein Kreuzer angebunden, der zuvor in eine Öllampe in der Kirche hineingeworfen und wieder herausgenommen werden sein muss.

Nr.63. In einem gestrickten Sack eine Kristallkugel oder ein Brillenstein (schwarzer Onyx mit Ringen), die zu den nachstehend beschriebenen Beschwerden gehören.
Er sagt, er habe diese wohl einmal verwendet, in ihnen aber nichts gesehen noch mit ihnen etwas ausgerichtet.
In einem Sack ein dreieckiger Kristall, ungefähr eine Spanne lang. Er sagt, er habe die einmal probiert, aber nichts bewirkt und nicht weiter verwendet. Dann ein Glied von einer Kette. Vermutlich von einer Kette von einem Galgen. Es soll von Vorteil sein, daraus Sporne zu machen. Dann gehen die Rosse schneller.
Und in einem kleinen Sack einige Schlangen, gerade von jenen Schlangen, die er selbst gefangen. Und das seien die Worte: "Osia, osia, osia, du listige Schlange, steh still, wie der Jordan stillstand, als der heilige Johannes unseren lieben Herrn getauft hat im Namen Gott Vaters, Sohnes und heiligen Geistes."
Ein Strick, an dem einer gehangen ist, die der Maurer in Ollang gebracht habe.
Weiters ein Kräuterbuch. Er sagt, er habe das verwendet, um die Kräuter darin nachzuschauen."

alraun
Alraune in alter Abbildung

Aus dem Verhör des Beschuldigten vom 7. Juli 1595:
Antwort auf die Frage, ob er "kheine Galgenmandler und weibeler" gesehen, gehabt oder gebraucht habe:

"Galgenmanderln habe er nie welche gehabt….; aber Siegwurzen*) habe sein Vater 6 Paar in einer Schachtel zurück gelassen. Er habe 3 Paar davon herausgenommen und in altes Papier eingewickelt und in die Truhe gelegt, Farnkrautsamen, auch einen Pfennig oder Kreuzer dazu gebunden und mit roter Seide, viel Gold und dergleichen umwunden."

Antwort auf die Frage, ob er nichts vom Galgen genommen:

"Er habe von der Seite vom Galgen mit der Seitenwaffe Holzspäne heruntergehackt und diese ins Bett gelegt, damit man dort keine Wanzen mehr spürt. Und auch Eisen von einer Kette, an der einer gehangen habe. Wenn einer ein schwaches Ross habe, soll er Sporen daraus machen lassen, dann gehe dieses Ross auf und davon…"

Äußerung des Beschuldigten über den Zweck einiger Zettel, die bei ihm gefunden worden sind:

"….wenn man leeres Papier mit Blut anstreicht, das von einem Maulwurf stammt, und das jemand kund tut, der das Gliederreißen hat und unter den bloßen Kopf legt, dann soll es dem vergehen…"

Aus dem Verhör des Beschuldigten vom 10. Juli 1595:
Äußerung des Beschuldigten über die "Galgenmanderl":

"Seine Siegwurzen (im Inventar sind sie aber als Galgenmanderl beschrieben worden) soll man fürs Glück bei sich tragen, wie es vorher beschrieben worden ist. Dazu ist der Farnkrautsamen gebunden und ein Kreuzer, ein Weizenkörndl und ein Pfefferkörndl, weil das die Speise des Farnkrautsamen sind."

*)Das Galgenmännlein ist die Alraunwurzel, die nach der Volksmeinung unter dem Galgen aus dem Samenabgang Gehängter entstand. Die echte Alraunwurzel (Mandragora) wurde vielfach (hier mit Siegwurz (gladiolus communis L.), so genannt, weil sie nach dem damaligen Volksglauben durch Unverwundbarmachen den Sieg verlieh) verfälscht.


23. ZAUBER GEGEN TRUNKENHEIT

Zaubereiprozess gegen Anna Hartmannin aus Sillian vor dem Gericht in Heinfels bei Sillian im Pustertal.
Aus der Verhör der Beschuldigten am 18. Juli 1597:


"Auf die … Frage, warum sie versucht habe, eine Nadel zu bekommen, mit der eine Leiche eingenäht worden ist, erklärte die Frau Harmann, sie habe eine solche Nadel von der Veleichpeck, deren Mann gestorben war, verlangt, aber nicht bekommen. Man habe ihr nämlich gesagt, wenn sie mit einer solchen Nadel drei Stiche in das Gewand ihres Mannes mache, so werde dies dagegen helfen, dass dieser sich so oft betrinke und grob mit ihr sei..... Sie gestand,dass sie einen Zahn (aus einem Totenkopf auf dem Friedhof) mitgenommen habe, und zwar deshalb, weil ihr Mann immer betrunken sei und sie immer " "schmal halte" "; sie habe den Zahn zu Pulver zerrieben und so ihrem Manne in Wein eingegeben…."

Eine Form des Analogiezaubers: Der Zahn soll die Krankheit aufzehren.
Der Glaube, dass man die Trunksucht mit Dingen heilen könne, die von Leichen stammen, war sehr weit verbreitet.

 

24. VIEHANSPRECHEN (VIEHSEGEN)

Archiv des Kärntner Geschichtsvereins, Archiv der Stadt Gmünd, Fasz. XVIII, Nr. 137, 1600.
Prozess des Landgerichts Gmünd gegen Magdalena Waichler wegen Zauberei.
Aus deren Verhör ohne Folter vom 11. November 1600 durch Hans Preisl, Landrichter der Herrschaft Gmünd:


"Sie könne das Vieh mit einem Segensspruch beeinflussen. Das habe sie mit folgenden Worten getan:

Stadtmauer Gmünd
Stadtmauer von Gmünd

"Ich, Magdalena beschwöre dich. Bist Du verzaubert mit einem bösen Wort, so will ich dir helfen mit drei guten Worten. Hat dich eine Frau verzaubert, dann sei es ihrem Körper vergolten. Hat dich eine Magd verzaubert, dann sei es ihrem Hirn vergolten. Hat dich ein Knecht verzaubert, dann sei es seinem Schwert vergolten. Hat dich ein Mann verzaubert, dann soll sich sein Zauber gegen ihn selbst richten.
Es helf dir Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der heilige Geist, dann wirst du frisch und rein an deinem ganzen Fleisch und Gebein!"

Man muss dazu Salz nehmen und in den Harn geben, mit einer Bürste eintauchen und über die Stirn hinter die Haare spritzen. Das muss bei jedem Tier dreimal geschehen und der Segen muss ebenso oft dazu gesprochen werden."

 

25. ZUSAMMENSETZUNG DER HEXENSALBE

Original und Kopie im St.L.A. und im Stiftsarchiv Admont, 1602.
Aus dem "gütlichen Examen" der wegen Zauberei vom Landgericht des Stifts St. Lamprecht am 31. Juli 1602 prozessierten 10-13 Jährigen Greschl, der Tochter des Thoman, Schusters von Teufenbach:


"Dienstag, Donnerstag und Samstag abends sind ihre Mutter und der Dyonis auf die Weide gegangen. Sie haben miteinander geredet und er habe ihr einen Knochen von einem Toten gegeben und gesagt, sie soll es fein zerstoßen und eine Salbe machen zum ausfahren. Dazu soll sie faules Holz nehmen, das in der Nacht leuchtet, Menschenhaar, Sauborsten, Brunnenwasser, ein wenig Mehl , Schmalz und eine Hostie. Wenn sie zum heiligen Sakrament gehe, dann soll sie es wieder aus dem Mund nehmen. Das habe sie 2 Mal gemacht."


26. REGENZAUBER

Archiv des Kärntner Geschichtsvereins, Archiv der Herrschaft Gmünd, 117/c, Nr. 44/XXIII, 1603.
Prozess des Landgerichts Gmünd gegen Luzia Neunegger und Hans Träxler wegen Wettermachen und Teufelsumgang.
Aus dem gütlichen Verhör der Luzia Neuneggerin in der Nöring vom 27. Juni 1603:

"Am vergangenen Karfreitag hätten sie an vier Wegkreuzungen, nämlich beim unteren Stadttor hier in Gmünd, am Trettal Hügel, bei der Nöringbrücke und in der Gämsnitz, alles in der Herrschaft Gmünd gelegen, Erde aufgehoben. Diese Erde hätten sie in der Nöring beim Laimkoffl in den Bach geworfen. Sie seien dreimal barfuß im Bach hin und her gegangen und hätten mit der linken Hand die Erde hinter den Rücken geworfen und folgende Worte dazu gesprochen: "So wahr ich diese Erde in den Bach werfe, so wahr sollen die Regengüsse über die Gründe des Ruepen Gamper niedergehen."

Aus der Anzeige des Abraham Hilgartner vom 15. Juli 1603 gegen den Bettler Hans Träxler:

"Wie er zusammen mit seinen Komplizen (es folgen die Namen von 4 Gmündner Bäckergesellen) von der Kremsbrücke in die Stadt gegangen sei, hätten sie auf der Landstraße einen armen Menschen, der sich Hans Träxler nenne, angetroffen, der mit seinem Wanderstab in eine Kotlacke geschlagen habe, was sie alle wahrgenommen hätten und wovon sie angenommen hätten, dass es nicht ohne besondere Ursache geschehe. Daraufhin wären sie nicht nur wegen seines Tuns, sondern auch wegen der Bewegung in der Kotlacke und was sie bedeuten würde, stehen geblieben und hätten ihn darauf ernst angesprochen.

Darauf habe ihnen der erwähnte Hans bekannt, er habe dem "Steiger an der Langen", bei dem er letzte Nacht übernachtet habe, einen Regen machen wollen, damit er sein Heu, von dem ziemlich viel auf der Weide liege, nicht einbringen könne. Das sei deshalb geschehen, weil er ihn am Abend und am Morgen mit dem Essen so schlecht behandelt habe."

27. UNVERWUNDBAR MACHEN

St. L. A. Sond.-Arch. Stubenberg, 76. Fasz. (Gerichtswesen 1513-1769). Verhörsprotokoll der Herrschaft Frauenburg 1609.
Bastl Vöst aus Kirchdorf in Oberösterreich, seines Handwerks ein Sensenschmied, seit acht Jahren Soldat, sagt am 19. Januar 1906 im Zuge seines Verhörs mit und ohne Folter vor dem Pfleger und Landgerichtsverwalter von Frauenburg (oberes Murtal bei Unzmarkt) u. a. aus:


Stadttor von Gmünd
Stadttor von Gmünd

"Weiters sagt er, dass er die Absicht hatte, sich Samen von Farnkraut und Moos von Sargbrettern einzuheilen, um sich unverwundbar zu machen. Er habe das dann aber nicht gemacht."

 

28. UNVERWUNDBAR MACHEN DURCH BLUTKRAUT UND ERSTES MENSTRUATIONS-BLUT

St. L. A. Sond.-Arch. Aussee, Schub. 193, 1611.
Strafprozess gegen den Mühljungen Mathias Schalck wegen Zauberei.
Aus dem gütlichen Verhör des Beschuldigten vom 1. August 1611:
(Der messelesende Priester in der Spitalskirche in Aussee hat unter dem Altartuch einen kleinen Beutel entdeckt, der ein grünes Kraut und ein blutiges Leinen-Läppchen enthielt. Diesen Beutel hat der Mesner auf Anstiften des Mathias Schalck unter die Altardecke geschoben, damit darüber Messen gelesen würden. Der Beschuldigte gesteht, das Kraut von einem Holzknecht in Vordernberg zum Zwecke des unverwundbar Machens erhalten zu haben.)


"Darauf habe ihm der besagte Holzknecht dieses Kraut (für das er ihm nichts habe geben dürfen) mit den Worten gebracht: Wenn er darauf 3 Messen lesen lasse, werden ihn keine Waffen verletzen, sondern er werde seines Leibes und Lebens sicher sein.
Er habe die Sachen ja aus Unverstand hier in Aussee nachgemacht und den Mesner (der gleich einfältig sei wie er selbst) unbedachter Weise überredet, die Sache auf den Altar zu bringen und dazu zu stellen. Wodurch sie beide durch den Priester entdeckt worden sind...
Das grüne Kräutl soll Schöllkraut heißen.
Was aber das kleine blutige Stück Leinen anlange, das habe ihm die Tochter des Veit Gainsterer, deren Namen er nicht wisse, im vergangenen Frühling auf der Straßen gegeben, die (mit Verlaub zu sagen) ihre erste Monatsblutung unlängst bekommen habe. Die soll gegen Schädigung der Waffen gut sein.
"

Menstruations-Blut war ein volkskundlich viel verwendetes Heil- und Zaubermittel.


29. BAHRRECHT

Regierungsarchiv Innsbruck, Handsch. Nr. 2037 (Landsgerichtsprotokoll von Villanders), 1613.
Kaspar Lödermann ist bei einer im landesfürstlichen Zollhof zu Villander stattgehabten Rauferei durch einen Prügelschlag über den Kopf vom Fuhrmann Martin Holzer verletzt worden und einige Stunden danach gestorben.

"In Bezug darauf und ungeachtet der Flucht des Täters wurde dennoch nach Rat und Erkenntnis der oben genannten Beisitzer der Täter durch den Gerichtsdiener zum ersten, zweiten und dritten Mal öffentlichen ausgerufen, ob er oder jemand von den Angehörigen vorhanden ist, und wie es sich gehört, dem gegenwärtigem Bahrrecht (Gerichtsverhandlung im Angesicht der Bahre) beizuwohnen und sich zur Verfügung zu stellen.
Aber weder der Täter selbst noch jemand von seinen Angehörigen ist in angemessener Wartezeit erschienen.
Daraufhin hat der von der Obrigkeit ernannte Herr Richter wegen der drei durch die Stadtobrigkeit von Klausen nach erfolgtem Ersuchen dazu bestellten Meister des Bader- und Bartschneider-Handwerks namens Kaspar Nußprämer, Balthasar Bloner und Christoph Koler, alle drei im erwähnten Klausen wohnhaft, bei ihrem Eid und ihren Pflichten, durch die sie selbst an ihre Obrigkeit gebunden sind, wie es sich gebührt, angesprochen zu prüfen, ob der tote Ledermann durch den angezeigten Schaden zu Tode gekommen sei oder nicht. Diese Meister haben dann nach eingehender Besichtigung und Untersuchung des Schadens vor dem Richter und den Beisitzern einhellig und öffentlich angezeigt und bekannt, dass sie am toten Körper an der Hirnschale eine 3 Finger breite Wunde gefunden hätten. Diese hätten sie dann aufgeschnitten und gesehen, dass die erwähnte Hirnschale eingeschlagen und das Hirn ausgetreten sei (wie ja auch dieses Hirn schon bei der Nase herausgeflossen sei). Daher sei dem Toten nicht mehr zu helfen gewesen, und er habe hiedurch sein Leben beenden und mit dem Tod beschließen müssen.

Das Interessante an dem hier dargestellten Rechtsbrauch besteht darin, dass die alte Bahrprobe, die noch geübt werden soll und die durch die Flucht des Täters vereitelt wird, durch die Leichenöffnung ersetzt wird; an Stelle des alten formalen Beweises ein materielles Beweismittel. Die Bahrprobe wurde schon in früherer Zeit vielfach als haltloser Aberglaube abgelehnt.

 

Stift Admont
Stift Admont in einer alten Lithographie

30. VIEH- UND MILCHZAUBER

Original und Kopie im St. L. A. und im Stiftsarchiv Admont 1614.
Aus dem güt- und peinlichen Bekenntnis des am 18. August 1614 vom Landgericht des Stifts St. Lambrecht gerichteten Viehhalters Marx Schöpfer:


"Weiters sagt er und bekennt er, dass er von einer Sennerin, deren Namen er nicht wisse, gelernt habe: Wenn die Kühe nicht zum Stier kommen wollen, dann soll man die Stuben 9-mal kehren und den Kehricht durchseihen und diesen den Kühen unter das Grünfutter geben, dann würden die Kühe bald trächtig.
Weiters sagt und gesteht er, dass er diesen Kühen die Klauen ausgestochen und der genannten Sennerin gebracht habe, als er mit ihr in Hinteregg auf der Alm Vieh gehütet habe. Dieses Material aus den Klauen habe sie zur Zauberei gebraucht.
Außerdem sagt er, dass diese Sennerin 2 Frösche auf eine Stange gehängt habe. Dann habe sie daran gemolken und dadurch den anderen Kühen die Milch entzogen."

Den gesamten Text des Prozess-Protokolls finden sie hier.



31. WOLFSEGEN

St. L. A. Polizeiakten 1615. Beilagen von Landprofosenberichten.
Die nachfolgenden zwei Wolfsegen sind Landstreichern abgenommen worden, und zwar der unter a) dem Paul Muck, der unter b) dem Hans Hofstetter.

a)

"In Gottes Namen trete ich ein,
Gott behüt euch Rinder und Schwein.
Gott behüt euch euer Haus und euren Hof,
Gott behüt euch eure Treu und Ehr,
Gott behüt euch euren Leib und eure Seel.
Und so sollt ihr gesegnet sein,
wie von der heiligen Mess der Wein,
so wie das wahre Himmelsbrot,
das Gott seinen 12 Jüngern gegeben hat.
Wohl am heiligen Gründonnerstag treiben wir hinaus
durch aller Engel Haus
und durch aller Engel Tal,
was mein Gott behüte überall.
Da kommt der heilige St. Petrus mit dem Himmelsschlüssel.
Er versperrt allen wilden Tieren den Rüssel.
Dem Wolf genauso wie der Wölfin,
dem Bären genauso wie der Bärin,
dem Zauberer wie der Zauberin,
ihre Hände, ihre Füße,
ihren Mund und ihren Schlund,
damit sie euch in diesem Jahr kein Vieh nicht verzaubern und machen wund,
dass keine Haut reißt,
dass kein Bein beißt,
kein Blut lass aus
und keinen armen Mann mach daraus.
Dazu helfe uns Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der heilige Geist, Amen."

Wolfsjagd Stich
Wolfsjagd - Kupferstich von Jan van der Straet 1578

b)
"In Gottes Namen trete ich ein, Gott behüt euch Rinder und Schwein. Gott bewahr euch Treu und Ehr, Gott bewahr euch Leib und Seel. Und so soll euer Vieh gesegnet sein, so wie der Kelch und der heilige Opferwein, gleich wie das selige Himmelsbrot, das Jesus seinen 12 Jüngern gab, am heiligen Gründonnerstag. Da kamen die falschen Juden gegangen, sie nahmen den Herrn Jesus Christus gefangen, sie schlugen ihn an das Kreuz, sein Gesicht und seinen Bart, der uns gesegnet hat. 3 Pfennige seien einem armen Viehhüter sicher gewiss.
Sei gelobt, Herr Jesus Christ, Amen."



32. AUFLÖSUNG DES WOLFBANNES (WOLFSEGEN)

St. L. A. Sond.-Arch. Markt Aussee, Schub. 193, 1635.
Aus dem Geständnis ohne Folter des Wolfbanners Blasius Pürhinger von Bayrisch Waydhofen vom 14. Februar 1635 vor dem Forstmeister im Ennstal:


"Es folgt die Auflösung des Bannes:
Goridi (Name des Bann-Wolfes), ich habe dich hinausgeschickt in den wilden Wald, damit du in kein Bein beißt, sonst kommt der Heilige Petrus mit seinem Schlüssel und verschließt dir deinen Rachen bis an die Gurgl, damit du den Bann wieder los bist."

 

33. REGENZAUBER. SCHLAFLICHT

Kärntner Geschichtsverein in Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1644.
Prozess des Landgerichts Althofen gegen den sogenannten Zauberhansl (Hans Winkler) und Genossen wegen Zauberei.
Aus dem Verhör des mitbeschuldigten Bettlers Pongraz Summer vom 23. Juli 1644 durch den Pfleger von Althofen:
(Der Beschuldigte gibt an, dass ein Mitbeschuldigter, der "bloßschädlete Anderl", ebenfalls ein Bettler, ihn angestiftet habe, ein Kind am Friedhof auszugraben. Auf die Frage, wozu sie das Kind gebraucht hätten, gibt er an:)


"Der Anderl nehme die beiden Hände vom toten Kind und gebe auf jeden Finger eine Wachskerze. Wenn er vor hat, in einem Haus etwas zu stehlen, dann zündet er die Kerzen an den Fingern alle an. Dadurch verschaffe er sich einen Vorteil, weil in dem Haus niemand erwacht, solange die Kerzen brennen."

(Auf die Frage, wie er Regen mache, antwortete er:)
"Es hätten ihm etliche Leute und der Achatz Wusogger von Guttaring beigebracht, er soll einen Totenkopf nehmen und ihn in einen Wasserbrunnen legen. Das habe er getan. Darauf habe es in der Nacht darauf geregnet. Nach dem Regen habe er den Totenkopf wieder herausgenommen und wieder in den Friedhof getragen. Außerdem berichtet er noch, dass der erwähnte Wusogger ihm geheißen habe, er solle 2 Stäbe nehmen und damit ins Wasser schlagen und sagen: Regen! Regen! Regen! Darauf käme der Regen. Das habe er getan und es habe bald darauf geregnet."


34. HEXENBRENNEN, WETTERABWEHRZAUBER, LIEBESZAUBER, REGEN- UND WINDZAUBER, TIERVERWANDLUNGSGLAUBE, GLÜCKSTALISMAN, LEICHENTEILE GERICHTETER ALS GLÜCKSTALISMAN

Zaubereiprozess des Landgerichts Rodeneck (bei Brixen) gegen Mathias Perger insgemein Lauterfresser 1645. Reg.-Arch. Innsbruck, Kunstsachen, II, 491. Veröffentlicht von Zingerle.
Aus dem Verhör (nach dem 11. Mai 1645) des Beschuldigten:


"Beim Freisinger in Peens haben sie von Donnertag bis Montag (aber nicht am Sonntag) an die Kübeln geschlagen (um Butter zu machen). Die Milch hat aber, obwohl sie geschlagen haben, nicht dick werden wollen, sondern ist immer dünn geblieben wie eine Buttermilch. Darauf hin hat der Matthias Perger den Kübel in die Erde unter die Dachtraufe gegeben und ein Brösel von etwas, das mit Taufwasser gemacht worden ist, hineingetan. Dann hat er Rahm und Topfen, die sich nicht voneinander haben trennen lassen, abgestreift und darauf einen Stecken aus Eisen zweimal glühend gemacht und ist damit in den Kübel gefahren. Dann hat er mit dem Eisen im Kübel geschlagen und daraus ist dann Butter-Schmalz worden....

Lindwurm Klagenfurt
Lindwurm in Klagenfurt (Kärnten)

Es sei mehr als 20 Jahre her, da habe er sich bei einer Bäuerin in Teffreggen aufgehalten. Dort hat sich ein Wetter zusammengezogen. Darauf hat diese Bäuerin ein Taufkleid von einem Kind auf den Zaun gehängt, weil es gut sei gegen Wetter, und dann das Wetter nicht aufzieht, was dann auch geschehen ist. Daran glauben sie bis ins Unterinntal.
An einem Freitag im Sommer soll man nicht die Wäsche waschen, denn wenn es donnert und man hat so ein Hemd an, das am Freitag gewaschen worden ist, dann muss sich so jemand mit Recht vor dem Wetter fürchten.....

Weiters habe er (der Matthias Perger) von einer Magd gehört, das steht auch in dem Buch, das ihm der Jakob Gasser aus St. Andre gegeben hat, dass wenn einer in eine Frau verliebt ist und diese haben will, soll man einen Laubfrosch in eine Schachtel mit Löchern geben und diese dann in einen Ameisenhaufen tun und rasch weglaufen. Nach 9 Tagen soll er dann wieder hingehen. Dann werden die Ameisen den Laubfrosch aufgefressen haben, bis auf die Gebeine. Auf der einen Seite sieht das aus wie ein Haken und auf der anderen Seite wie eine Gabel. Diejenige, die man lieb haben will, soll man mit dem bloßen Haken auf der bloßen Haut berühren, diejenige, die er aber nicht haben will, soll er mit den Gabeln an der bloßen Haut wegschieben.

In dem erwähnten Bücherl sei auch diese Kunst enthalten, dass wenn einer eine Nadel, die beim Einnähen einer Leiche verwendet worden ist, in ein Gefäß gibt, in das ein Mensch gebrunst hat, so kann dann so ein Mensch mit niemand mehr Unzucht treiben. Wie er dann eine Bäuerin, die Prager auf Örschwang beim Landgericht Michaelsburg, deren Ehemann (der zur selben Zeit beim Rainer in Örschwang gelebt hat, aber inzwischen gestorben ist) geliebt habe, habe er in den "Jahren vor dem langen Geld" (vor 1619) diese Kunst, nämlich eine solche Nadel ihrem Ehemann in den Nachttopf zu legen, erklärt. Ob sie aber das auch getan habe, wisse er nicht.
Außerdem ist in diesem Bücherl noch eine Kunst drinnen: Wenn einer das Glied von einem Mann, der am Galgen hängt, heimlich herausschneidet, und dies einem Wirt oder einer anderen Person in den Wein hineinhängt, dann müssen die Gäste bei so einem Wirt einkehren und trinken und können ohne zu trinken nicht mehr weggehen und je mehr sie trinken, desto besser schmeckt ihnen der Wein. Als das kalte Schneewetter im Jahr 1639 war (es war damals eine lange Fastenzeit) und in der darauffolgenden Karwoche der Wein und das Obst größtenteils gefroren und verdorben waren, sei damals der Lauterfrösser in dieser Karwochen am Gründonnerstag in Penns gewesen, da habe er die Stücke, die er damals gebraucht habe, erstens eine Toten-Nadel und Frauenhaar, außerdem den Kehricht vom Auskehren einer Stuben, Späne, die von einem Baum stammen, der vom Blitz getroffen worden ist, ebenso die Eisenspäne von einer Glocke, von der Stelle, wo der Klöppel anschlägt. Darauf habe er diese 5 Sachen genommen und in einen Bach, den man die Talffer nennt, am erwähnten Gründonnerstag (an dem es gedonnert und geregnet hat) um die Mittagszeit mit der Absicht und dem Ziel hineingeworfen, dass ein großes Unwetter, das den Wein verdirbt, kommen solle. Das ist auch geschehen. Am darauffolgenden Tag, am heiligen Karfreitag, seien rundherum Wind und Schnee gekommen, sodass dann die Weinreben und das Obst abgefroren ist.
Wenn er einen Wind hat machen wollen, habe er ein Röhrl, das er noch beitzt, genommen und eine Toten-Nadel und eine Nattern-Zunge ins Röhrl hineingegeben und danach folgende Worte gesprochen: "Komm, komm, komm Ostwind, der gegen die Berge weht."
Außerdem sei der Lauterfrösser im Jahr 1642 oder 1643 (er wisse das Jahr nicht genau) in Lisen gegen Pach zu gegangen. Er sei damals zu einem Kalk-Ofen gekommen und habe sich dann dort niedergesetzt. Unterdessen sei ihm sein Geist namens Peliale erschienen. Die Peliale habe ihn gefragt, ob er nicht gern ein Bär sein wolle, damit er Fleisch essen kann. Sie wolle ihm auch eine Bärenhaut geben. Und weil er nicht gegen die Anregung seines Geistes war, sondern mit ihr einverstanden war, habe er sich von ihr besagte Bärenhaut anziehen lassen. Diese sei so geformt gewesen, dass sie vorne etwas wie Hände und hinten etwas wie Füße gehabt habe. Sie habe an Händen wie Füßen große Krallen gehabt wie Bärentatzen. So sei er dann wie ein Bär gewesen..... (es folgen die Orte, in denen er sich als Bär aufgehalten habe)....weil er auch etliche Ochsen erlegt und umgebracht habe. Wie viele, das könne er im Hinblick darauf, dass er in dieser Zeit ja nicht wie ein Mensch gewesen sei, nicht wissen."

Der Bärenverwandlung (meines Wissens die einzige, die sich in alpenländischen Zauberei-Prozessen findet, im Gegensatze zu den vielen zahlreichen Wolfsverwandlungen) liegt die allgemeine Vorstellung zugrunde, dass der Bär ein verwandelter Mensch sei.


Gösss Sonnenuhr
Sonnenuhr im ehemaligen Benediktiner-Nonnenstift in Leoben-Göss (Steiermark)

35. KUHSCHWÄNZE ALS ZAUBERMITTEL

St. L. A. Sond.-Arch. Göß (Gerichtswesen). Gerichtsbuch des Frauenstifts Göß 1649, S. 17 in verso.

"Der Senner Landtsmayr wurde mit 2 Talern bestraft und des Gebietes des Stiftes Göss verwiesen, weil er wissentlich einige Frischlinge gestohlen hat und den Kühen den Schweif abgeschnitten hat und diese zur Zauberei verwendet hat."


36. DER "DIERLING" ODER "DÜRNING"

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv "Hexen", 1653.
Strafprozess des Landgerichts Albegg-Straßburg gegen Augustin Felsberger insgemein Eixl wegen Zaubereiverdacht.
Aus dem gütlichen Verhör des Beschuldigten vom 16. Juni 1653:


"6. Über seinen Bruder Hansl habe er sich so geärgert, dass er ihm im Zorn den Dierling oder Dürning (Schwindsucht) gewünscht habe. Dieser Name sei ihm eingefallen. Es soll eine Art Schratt sein. Er habe aber noch nie einen gesehen."

Schratt: der in der Sagenwelt der Alpenländer eine große Rolle spielende Elementargeist, der mit dem Alpenglauben im Zusammenhang steht und daher als Plagegeist gewünscht werden kann.
Der Name "Dierling-Dürning" bedeutet Abdorren, d. h. Abzehren, die volkstümliche Bezeichnung der Schwindsucht, die früher auch "Daarfieber" oder "Dörr" hieß.


37. BAHRPROBE

St. L. A. Sond.-Arch. Stadt Murau, Schub. 14 (Gerichtswesen, Strafsachen), 1658.
Strafverfahren des Landgerichts der Herrschaft Murau gegen den Kleinheizer Wolf Carlhueber wegen Raufhandel mit tödlichem Ausgang.
(Carlhueber hat seinen Mitheizer Jakob Hembler zur Rede gestellt, warum er auf dem Friedhof hinter sich gegriffen, Friedhofserde zusammengerafft und in den Sack gesteckt habe. Darüber ist es zu einer Rauferei gekommen; Hembler ist bewusstlos fortgetragen und des anderen Morgens früh tot aufgefunden worden.)
Aus dem Verhör des Beschuldigten vom 21. Juni 1658 durch den Landgerichtsverwalter Georg Edlinger:


"...nach Auffinden des Toten hat bald darauf der Graf von Schermberg (der Herr des Täters und des Erschlagenen) den Leichnam besichtigen und dreimal befragen lassen. Falls der Wolff an seinem Tod schuldig sei, soll er ein Zeichen geben und insbesondere, nachdem er drei Finger ans Herz gelegt hat. Er habe aber kein einziges Zeichen gegeben."


38. KOPFWEHKUR, REGENZAUBER

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt. Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1658.
Strafprozess des Landgerichts Paternion gegen Hansl von St. Veitsberg wegen Ausfahren, Teufelsbund und Wettermachen.
Aus dem Verhör des Beschuldigten mit und ohne Folter vom 22. Juli 1658:

Lindwurm in Klagenfurt
Lindwurmbrunnen in Klagenfurt

"Ferner sagt er, dass er vor 8 bis 10 Jahren so starkes Kopfweh bekommen habe, dass er zeitweise sogar umgefallen sei. Seine Mutter habe ihn dann nach Ossiach geführt. Dort habe sie in der Kirche von einem Geistlichen ein kalte Kugel für die Ohren erhalten. Damit habe er sich bei hellem Sonnenschein am Friedhof auf einem Stuhl sitzend brennen lassen. Das Kopfweh habe noch einige Jahre angehalten, bis zum vergangenen Winter. Da ist aus beiden Ohren viel Wasser herausgeronnen. Seine Mutter habe ihn wegen der Gicht im Kopf auch nach Teinach zum Wallfahren geführt.
Auch sagt er aus, dass er in trockenen Zeiten auf Anraten der Bauern ein Schaffl Wasser genommen habe und 3 Laugensteine hineingetan habe. In dieses habe er sich dann in einem Garten unter freiem Himmel hineingesetzt. Bald darauf habe es dann geregnet. Das habe er von den Bauers-Leuten gelernt und gehört. Die Mesner machten es ebenso.
"

Bei der Kopfwehheilung scheint es sich um eine Brennglaskur gehandelt zu haben. Der Regenzauber ist wieder Analogiezauber.

 

39. BETTEL-AMULETTE UND UNVERWUNDBAR MACHEN

L. R. A., Cop. 1659, Vi, 28. Verhörsprotokoll des Stadtgerichts in Rottenmann 1659.
Hans Glaser, wegen Kopfgrind mit dem Bettlernamen "grindraudiger Hansl" belegt, Bettler, Opferstockdieb und Landstreicher, aber wegen seines Herumschwätzens in den Verdacht der Zauberei geraten, wird vom Stadtrichter von Rottenmann ohne und mit Folter vernommen. Der Druck der Folter (Daumenschrauben und Zug [-Reckfolter]) ist ein außerordentlich harter; die von der innerösterreichischen Regierung in Graz später entsendeten Untersuchungskommissäre haben in ihrem Berichte hervorgehoben, dass mit ihr schwerer Mißbrauch getrieben worden sei. Von der Folter abgelassen widerruft Glaser die unter ihr zugestandene Beteiligung an Hexenflügen auf den Schöckl und an Hagelzauber. Er wird schließlich freigesprochen, aber mit Ruten gestrichen und des Landes für immer verwiesen.

Aus dem Verhör vom 7. Februar 1659:
"Er bekenne, dass ihm der Gerichtsdiener von Gratwein vor zwei Jahren zu Fasching ein Stück von der Hirnschale eines armen Sünders gegeben habe, damit er mehr Glück beim Betteln habe."
Aus dem Verhör vom 26. März 1659:
"Vor 2 Jahren habe er andere, deren Namen er nicht kenne, gefragt, wie sie es machen, dass sie gefroren überleben können. Sie hätten geantwortet, dass sie geweihte Hostien in einem Tuch mitnehmen und sie auf ihrem Körper verteilen. So ein Mensch könne weder absterben noch verfaulen. Er habe so etwas aber nie tun wollen."

*) Die sogenannte Passauerkunst, weil sie angeblich zuerst unter dem "Passauer Kriegsvolk" des Erzherzogs Leopold 1611 aufkam (in Wirklichkeit ist sie viel älter und reicht wahrscheinlich in die heidnische Zeit), war unter den Soldaten des 30 jährigen Krieges weitverbreitet und ist durch diese auf das Landstreicher- und Bettlertum übergegangen. Das Einheilen von Hostienpartikeln in den Körper zum Zwecke des unverwundbar Machens lässt sich in steirischen Strafakten des 17. Und 18. Jahrhunderts zahlreich belegen.

Das gesamte Protokoll des Prozesses gegen Hans Glaser finden sie hier.

Anmerkungen:
Beim vorliegenden Text handelt es sich um die Überarbeitung eines Teiles des Buches
„Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer (mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei und Hexenprozesse 1455 bis 1850)“ von Fritz Byloff . Walter de Gruyter & Co., Berlin und Leipzig 1929.
Die Überarbeitung durch Siegfried Kramer hatte das Ziel, den Text leichter lesbar zu machen, da die Prozess-Protokolle im Original überwiegend in früh-neuhochdeutscher Sprache abgefasst sind. 
Den Historikern Bernhard Reismann und Walter Steinmetz sei für ihre Unterstützung und Korrektur gedankt.

Graz 2012

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