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VOLKSKUNDLICHES AUS STRAFPROZESSEN DER ÖSTERREICHISCHEN ALPENLÄNDER MIT BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG DER ZAUBEREI- UND HEXENPROZESSE VON 1455 BIS 1850

gesammelt, mit Anmerkungen versehen und herausgegeben von Fritz Byloff im Jahr 1929 - überarbeitet, illustriert und ins Internet gestellt von Siegfried Kramer

Teil 3
40. KRANKHEITS- UND HEILZAUBER
41. WERWOLFGLAUBE
42. DIE PERCHTL
43. REGENZAUBER
44. REGENZAUBER
45. TEILE VON HENKERGERÄTEN ALS TALISMAN UND ALS HEILZAUBER. DIEBSEGEN
47. ZAUBERISCHE HEIRATSVERHINDERUNG
48. MILCHSTECHEN, MILCHZAUBER, EHEZAUBER, KRANKHEITSZAUBER
49. DER "GLÜHENDE SCHAB"
50. NESTELKNÜPFEN UND –LÖSEN, HEIL- UND KRANKHEITSZAUBER
51. ALRAUNWURZEL, KRAFTWURZ
52. WIEDERVERSCHAFFEN GESTOHLENDER SACHEN, ZUNGENBINDEN
53. SCHLAFZAUBER, WOLFBANNEN, UNVERWUNDBAR MACHEN
54. MILCHABWEHRZAUBER, BACKZAUBER, WINDFÜTTERN, HEILZAUBER
55. LIEBESZAUBER, MENSCHENZURÜCKBRINGEN, ZAUBERÄRZTINNEN
56. BESCHAFFENHEIT DES FOLTERHEMDES
57. LEICHENTEILE HINGERICHTETER ALS ZAUBERMITTEL
58. RÄUCHERN MIT BESENHOLZ ALS ZAUBERMITTEL



alte Karte
Das Gebiet zwischen Gutenhag und Pettau auf einer alten Karte

40. KRANKHEITS- UND HEILZAUBER

St. L. A., Sond.-Arch. Herrschaft Gutenhag, Fasz. 3, Heft 4 (Hexenprozesse).
Verhörsprotokoll mit Margaretha Keyditsch 1661. Moderne Abschrift. Original auf Schloss Oberpettau
Aus dem gütlichen Bekenntnisse vom 14. Juni 1661:


1. Vor vielen Jahren habe die Roschker mit dem Georg Malenitsch wegen eines Grundstück-Streits gerauft und im Sinn gehabt, ihm aus Zorn eine Krankheit durch Zauberei zuzufügen. Deswegen habe die Roschker sie (die Margaretha) gebeten, sie möge zusehen, dass sie Haare vom Malenitsch bringe. Das habe sie auch durch eine Rauferei getan, zu der sie (die Margaretha) mit bösen Worten absichtlich Anlass gegeben habe. Dafür habe die Roschker der Margaretha eine "Halbe" Schmalz gegeben. Mit diesem Haar seien beide zur Juliana gegangen und hätten sie gebeten, sie möge dem Malenitsch eine Krankheit machen. Das ist durch die Juliane auch geschehen und sie habe gesagt: "Lass ihn jetzt eine Weile leiden und passen, weil er mich geschlagen hat." Und so hat der Malenitsch angefangen krank zu werden und anzuschwellen, fast ein Jahr, bis ihn die Seinigen zuhause wieder geheilt haben.

2. Sie gesteht, vor einem Jahr sei sie von einem Diener der Herrschaft, der Philipp Gamilschek geheißen habe, geschlagen worden. Damals sei gerade die Juliana zu ihr gekommen und sie habe sie gebeten, dem Diener ein Fieber zu machen. Zu diesem Zweck habe die Juliana ein Stück Rinde von dem Holz, mit dem sie geschlagen worden ist, verlangt. Das habe sie ihr auch gebracht. Sie wisse aber nicht, was die Juliana damit gemacht habe. Aber nachdem die Juliana ihr die Rinde wieder gegeben habe und ihr befohlen, sie soll sie dem Diener ins Bettstroh mischen, sei bald darauf der Diener erkrankt. Damit der aber wieder gesund werden könne, habe dieser die Margareth um Gottes und um die fünf Wunden Christi Willen gebeten, ihm auch zu helfen, denn sonst wolle er sich selbst mit einem Messer umbringen. Die Besagte sei auch wieder zur Juliana um Rat und nochmaliger Hilfe gegangen. Diese habe sie angewiesen, 9 Ruten aus Weidenholz, insbesondere aber das Vippern-Kraut, und 1000-Gulden-Kraut zu kochen, die Steine aber mit dem getrockneten Wacholder zu erhitzen. Damit habe sie ein Bad gemacht und den oben genannten Diener zwei Mal gebadet, der dadurch seine Gesundheit wieder erlangt habe.

3. Sie bekennt, es habe sich ein Gemeindevorsteher namens Simon Fräss wegen einer halben Startin (566 Liter) Wein mit der Beklagte vor ungefähr 3 Jahren durch einen lautstarken Streit verfeindet und sie auch schließlich mit einem Haselnuss-Stecken geschlagen. Und als sie, die Angeklagte, Wasser holen gegangen sei, habe sie die Juliana und die Winzerin des Jurschitsch (die schon tot ist) zusammen getroffen. Diese beiden hätten ihr in diesem Gespräch angeboten, sie wollten diese erlittene Schläge rächen und hätten ihr den Auftrag gegeben, sie soll ihnen einige Schiefer von dem Stecken, mit dem sie geschlagen worden sei, wie auch etliche Haare vom Kopf des Gemeindevorstehers bringen. Sie wollten machen, dass der Gemeindevorsteher daran erkranken werde.

Schloss Gutenhag
Burg Gutenhag

Sie habe eine Tagelöhnerin namens Apollonia gebeten, sie möge ihnen einige Haare von dem Gemeindevorsteher bringen. Die Apollonia habe die Haare gebracht, zusammen mit den Schiefern genommen und der Juliana und der Winzerin gegeben, die die beiden Dinge intensiv beschwört hätten. Dabei habe die Juliana dieser anvertraut, dass damit jedes Glied des Gemeindevorstehers verwünscht sei. Sie habe ihr ebenso den Auftrag gegeben, sie solle einen Bohrer, mit dem eine Bahre gemacht und gebohrt worden sei, nehmen, ein Loch in eine weiße Silberpappel hineinbohren, die Haare zusammen mit dem erwähnten Holz verschließen und den Leib des Gemeindevorsteher mit ihrem zauberischen Spruch beschwören, dann werde der Gemeindevorsteher deswegen erkranken. Das habe sie dann auch getan, die Haare mit dem Holz in das Loch eines Abends verschlossen, und während des Schlagens ihren zauberischen Spruch mit folgender Formulierung gesprochen:

"Ich Margaretha, beschwöre das Haupt, die Glieder und die Eingeweide des getauften, gefirmten und gesegneten Menschen, des Simon Fräs, dass er erkranke, erlahme und schwach werden soll in den drei Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen."
Sie habe dies drei Mal über ihn, den Gemeindevorsteher, gesprochen. Es sei davon aber nur seine Frau krank geworden. Die Ursache dafür, dass ihm nichts geschehen sei, liege darin, dass die Apollonia irrtümlich nicht die Haare des Mannes sondern die Haare der Frau gebracht habe. Sie gesteht auch, sie habe einen Teil der beschwörten Sachen auf einen kleinen Steig geworfen, in der Meinung, es würde der Frau des Gemeindevorstehers als erster darüber gehen. Es sei aber nur seine Frau darüber gegangen und daher krank und fiebrig geworden.

4. Sie bekennt, die Juliana habe ihr ein graues und ein schwarzes Pulverchen gegeben. Sie soll es in ein Wasser werfen und mit dem Wasser die Frau des Gemeindevorstehers abwaschen, dann werde sie ihre frühere Gesundheit wieder erlangen. Das habe sie auch getan. Darauf sei die Gesundheit der Frau des Gemeindevorstehers wieder hergestellt worden.…........................................................................................................

7. Sie gesteht gegen die Frau des Michael Kriavez aus Seriauzenberg, Untertanen der Burg von Marburg: Sie hätte von der Frau Koroschiz gehört, wenn man das heilige, hochwürdige Sakrament nehme und in Wasser lege, zerreibe und von dem Mehl eine Pogätschen (Gebäck) mache, wenn man das denen zu essen gebe, die einander Feind sind, dann würden sie davon wieder Freunde. Auch wenn man einen Teil von dem heiligen Sakrament behalte und damit räuchere, soll das helfen.

8. Sie sagt weiter, die erwähnte Kriavez habe ihr (Margaretha) gegenüber gesagt, dass die Koroschiz ihr eine solche Pogätschen (Gebäck) nach Hause gebracht habe. Davon habe sie ihrem Mann, der sie vorher angefeindet habe, zu essen gegeben. Danach habe er, weil er von der Pogätschen gegessen habe, ohne Streit mit ihr zusammen gelebt.


Im späteren Verhör bekennt Margaretha Kheyditsch auch noch folgenden Milchzauberspruch, den sie mit Erfolg nebst Eingebung eines näher nicht bezeichneten Samens angewendet hat:

Schloss Gutenhag
Detail am Eingangstor zur Burg Gutenhag

"Ich Margaretha, gebiete: Verbanne alle Milch und alle Kräfte der Kühe der Nachbarin aus den Füßen, aus den Eingeweiden, aus dem Kopf, aus den Hörnern, aus dem Euter und aus dem ganzen Leib, damit diese in die Kühe der Nescha kommen und diese Kühe beim Melken viel Milch geben und die Milch viel Rahm haben soll. Das geschehe der getauften, der gefirmten und der gesegneten Nescha durch die drei heiligen Namen, des großen Gott Vaters, Gott Sohnes, Gott heiligen Geistes; Amen."

Das ungekürzte Gesamt-Protokoll dieses Prozesses finden Sie hier.


41. WERWOLFGLAUBE

Kärntner Geschichtsverein, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1662.
Strafprozess des Landgerichts Paternion gegen Regina Paumann wegen Teufelsumgang und
Wettermachen³).
Aus der gütlichen Aussage der Regina Paumann vom 9. Juni 1662:


"10. Von ihren Gefährtinnen hat sie gehört, wenn die Söhne am Karfreitag nacheinander bei ihren Müttern liegen und mit ihnen schlafen, dann können sie sich zu Werwölfen verwandeln, aber auch aus weißen Erbsen."

Die hier geschilderte Entstehung der Werwölfe (Blutschande am Karfreitag) hängt mit dem Karfreitagszauber zusammen. Der Karfreitag ist für Kinder überhaupt ein Unglückstag; in Böhmen glaubte man, dass Karfreitagskinder eines gewaltsamen Todes sterben.

 

42. DIE PERCHTL

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1662.
Strafprozess des Landgerichts Paternion gegen Leonhard und Bartl wegen Zauberei.
Aus dem gütlichen Verhör mit Leonhard vom 17. Juni 1662:


"8. Geredet und bezeugt hat Leonhardt außerdem, er hätte wohl auch gesehen, dass es sehr finster gewesen sei und dass die Perchtl (damit seien die Wolken gemeint) von den Almen heruntergekommen sei. Er habe sie verteilt und es seien Hagelkörner gefallen und Wasser herab geronnen. Er habe auch gesehen und gehört, dass es gedonnert und geblitzt habe."

Ein schöner Beleg für den Fortbestand des Glaubens an die alte deutsche Wolkengöttin. Die Wolke wird als "Perchtl" personifiziert.


43. REGENZAUBER

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1664.
Strafprozess des Landgerichts Althofen gegen Sebastian Praitbrenner und Genossen wegen Zauberei und Sodomie).
Aus dem gütlichen Verhör Praitbrenners vom 7. Juli 1664 durch den Verwalter Andreas Strauß:


Klagenfurt Gasthaus
Wandgemälde in einem Gasthaus im Zentrum Klagenfurts

"Er sagt, er habe die Gewand-Läuse in einen
Ameisenhaufen geworfen. Danach sei bald ein großer Regen gekommen. Das habe er öfters angewandt."

Dass das Stören von Ameisenhaufen schlechtes Wetter bringe, war früher ein in Kärnten und Steiermark weitverbreiteter Glaube des Landvolkes.




44. REGENZAUBER

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1666. Strafprozess des Landgerichts Spital gegen den Bettler Stefan N. wegen Wettermachen, Teufelsbund und Verwandlung in einen Werwolf.
Aus dem gütlichen Verhör des Stefan vom 6. Juli 1666:


"5. Ob er nicht Regen machen könne? Er könne schon.
6. Wie er das dann mache, wenn es regnen soll? Er bade dann halt im See.
7. In welchem See er denn bade? Im Ossiacher und im Millstätter See."

 

45. TEILE VON HENKERGERÄTEN ALS TALISMAN UND ALS HEILZAUBER. DIEBSEGEN

Wiener Nationalbibliothek, Handschrift 14699.
Kriminalprozess der Landgerichtsherrschaft Neuenjohannstein und Sparbach bei Mödling (Österreich unter der Enns) gegen den Messner Leonhard Geschwendtner von Sparbach wegen Teufelsbündnis, Hostienverunehrung und Wettermachen 1666.
Bei dem verhafteten Messner ist ein kleines handgeschriebenes Büchel gefunden worden, welches beschlagnahmt wurde und unter H den Akten beiliegt. Dieses Büchel ist Eigentum eines Halters aus der Steiermark, der es dem Beschuldigten zum Abschreiben geliehen hat.
Aus dem Inhalt:

"Einige schöne Stücke sind zu gebrauchen. Neben dem Holz auch die Stricke und die Lamellen und die Teile vom Galgen und die Speichen von den Rädern, die vom Gericht verwendet werden. Wenn einer irgendetwas mit Gewinn verkaufen will, dann nehme er die Holzstücke oder das Holz und leg es zur Ware dazu. Die verkauft er dann sehr bald. Wenn er die Holzstücke oder das Holz bei sich trägt und vor Gericht kommt, dann kann man ihn nicht besiegen, mit keinem Recht. Er wird auch alle Sachen mit Leichtigkeit machen und was er anfängt, wird ihm gelingen. Dieses Holz ist mit Geld nicht zu bezahlen. Man muss das Glück haben, es zu bekommen. Aber es passiert selten, dass man es wirklich bekommt.

2. Wer Wein ausschenkt und ein Holzstück oder ein Holz an die Zapfen beim Weinfass hängt, dem geht der Wein bald aus (weil die Leute ihn so gern trinken). Auch kann man dem Wein nicht mit Zauberei schaden oder ihn schlecht machen. In einem Haus, in dem dieses Holz ist, kann kein Blitz einschlagen. Wer es bei sich trägt, den kann kein Dieb berauben. Das ist oft und vielfach ausprobiert worden. Auch kann ein Dieb in einem Haus, in dem das Holz ist, nichts stehlen.

3. Dieses Holz hilft gegen den Getreidebrand, wenn man einen Speil oder ein Scheit von dem Holz hineinsteckt, wenn es blüht. Auch der Meltau kann dann keinen Schaden anrichten; und auch dass die Mäuse im Stadel das Getreide nicht fressen. Wenn man von dem Holz ein Speil hineinsteckt, dann verschwinden die Mäuse alle. Dieses Holz ist für vieles gut. Wenn es einer bei sich trägt und er geht in der Nacht an unsicheren Orten, dem kann kein Gespenst begegnen, sei es dort noch so wild.

4. Es hilft den Leuten, die der Schlag getroffen hat. Man nehme ein Scheit von dem Holz und gebe es in eine Glut, damit es zum Räuchern der Glieder vorbereitet wird. Das muss man aber an 3 Gerichtstagen tun, am Montag, Mittwoch und Freitag. Ich habe das selbst ausprobiert und bestätigt gefunden.

5. Wird dieses Holz hoch geachtet und trägt es jemand bei sich, dann mag man schießen und spießen, es geschehe ihm nichts. Man nehme die Holzstücke und binde sie mit einem Band auf den Hut, so dass es niemand wahrnimmt. Wenn man es wahrnimmt, dann hilft es nicht und es ist umsonst. Dieses Stück ist sicher und wirksam befunden worden und es ist ausprobiert worden.

Ein bewährter Diebsegen, wenn etwas gestohlen worden ist:
Zuerst schreibe die Namen der 3 Geister Astorot, Belzebub und Saton auf einen neuen Talg und mach es beim Feuer warm und mach 3 Kerzen daraus und schreibe auf jede Kerze einen Namen, zünde sie an und sprich daraufhin folgende Beschwörung:

Mödling
Hausfassade in Mödling (Niederösterreich)

"Ich beschwöre euch ihr Fürsten, arbeitet für mich und bringt mir den Menschen mit dem Gut, das er gestohlen hat. Fleisch und Blut habe ich dir beschworen bei allen heiligen Wunden, dass du Dieb oder Diebin (wer immer es auch ist), keine Ruhe hast, bis du (nenne ihn beim Namen) mir, nachdem es gestanden worden ist, die Sachen wieder an den Ort zurück gebracht hast, wo du sie genommen hast. Ich beschwöre dich, Dieb oder Diebin, bei Gott, dem Herrn Jesu Christ und seinem rosenfarbenen Blut, dass du mir (nenn wieder den Namen) die Sachen, die du genommen hast an den Ort und an diese Stelle wieder zurückbringst, wo du sie genommen hast. Ich beschwöre dich, Dieb oder Diebin, dass du keine Ruhe finden sollst, weder im Haus noch im Hof, weder bei Tisch noch im Bett, bis du mir (nenn wieder den Namen) die Sachen (du musst die Sachen alle nennen), die gestohlen worden sind, wieder zurück gebracht hast. Ich beschwöre dich, Dieb oder Diebin, bei Gottes Kraft und Macht, dass du keinen Augenblick Ruhe hast, seist Du, wo du willst, es sei zu Wasser oder zu Land, im Haus oder im Hof, in der Kirchen oder in der Gassen.

Ich beschwöre Euch, ihr Fürsten der Finsternis und bösen Geister, bei der heiligen Dreifaltigkeit, Gott des Vaters, der alle Dinge erschaffen hat, bei Gott, dem Sohn, der die ganze Welt mit seinem rosafarbenem Blut erlöst hat, und beim heiligen Geist, der die ganze Welt durchweht, dass ihr mir den Menschen mit den gestohlenen Sachen widerbringt an die Stelle, wo er es genommen hat, dann sollt ihr von mir Ruhe haben. Und wenn nicht, dann will ich euch zwingen beim Gehorsam, den ihr Jesus Christus schuldig seid. Ich beschwör dich, Dieb oder Diebin, dass ihr mir (nenn den Namen) das gestohlene Gut wieder bringt, im Namen Gott des Vaters, Sohnes und heiligen Geistes, Amen.

Ich beschwöre dich, Dieb oder Diebin, beim jüngsten Gericht, das Gott abhalten wird über Lebende und Tote, dass ihr mir (nenn den Namen) wiederum meine gestohlenen Sachen zurückbringt. Ich beschwöre dich weiters, Dieb oder Diebin, dass du so wenig ausbleibst, wie das letzte Gericht ausbleibt. Und ich beschwöre dich, dass du keine Ruhe hast, weder bei Tag noch in der Nacht, weder mit anderen zusammen noch allein. Und so gebiete ich auch durch die Sonne, den Mond und die Sterne der sieben Planeten und alle heiligen Engel des ganzen himmlischen Reiches im Namen Gott des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, Amen."


46. REGENZAUBER

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1666.
Strafprozess des Landgerichts Straßburg gegen den Bettler Simon N. wegen Teufelsbund und Wettermachen.
Aus dem gütlichen Verhör des Beschuldigten vom 18. August 1666:
(Er gibt zu, dass er ein wenig, aber nicht viel zaubern und insbesondere Regen machen könne:)

"Er täte mit Speik (Valeriana celtica L.), Nessel (Urticaria) und auch mit Weidenkätzchen, Majoran und Pulver räuchern. Er würde auch den Kot von Frischlingen dazu nehmen und er würde auch die Agnes Grien, eine Mieterin, die hausieren geht, dazu rufen."


47. ZAUBERISCHE HEIRATSVERHINDERUNG

St.L.A., Sonderarchiv Gutenhag, Schub 3, Heft 31.
Verhörprotokoll der Landgerichtsherrschaft Gutenhag vom 14. April 1667
Verhör mit Margaretha, der Magd des Philipp Sodtler


"Als sie in der vergangenen Fastenzeit zur Rodich-Wiesen zur Fronarbeit zum Ausheben eines Grabens gegangen sei, habe die Tochter des Janscho Pollonez sie gerufen und gebeten, sie soll ihr von ihrer Tochter Haare, Kleiderborte und Quaste geben. Als sie sie gefragt habe, wozu sie das brauche, habe sie gesagt, dass sie damit machen wolle, dass sie nicht heiraten könne und eine Hure werden müsse."

Verhör mit Agnes, des Janscho Pollonez Tochter:
"Sie bekennt, dass sie besagte Anza um die Quaste vom Wickelband der Tochter gebeten habe. Sie habe sie ihr auch gegeben. Sie habe sie aber verloren.
Auf die Frage, warum sie diese haben und wozu sie diese verwenden wollte, sagt sie:
Ihr Mutter habe zuhause gesagt, sie habe von der Frau des Martin Schollamun gehört, dass sie mit solchen Sachen machen könne, dass diese Person, der es gehört, zu einer Hure werde und nicht zum Heiraten kommen könne."


48. MILCHSTECHEN, MILCHZAUBER, EHEZAUBER, KRANKHEITSZAUBER

Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1669/70.
Strafprozess des Landgerichts Straßburg gegen Cäcilia Gruber wegen Zauberei.
Aus dem gütlichen Verhör vom 13. Dezember 1669:


"Sie könne sonst nichts als dieses: Wenn die Milch von ihrer Kuh nicht in Ordnung gewesen sei, so habe sie mit dem Messer in die Milch gestochen und dazu gesagt:

strassburg
Straßburg in Kärnten

"Sei es jetzt ein Zauberer oder eine Zauberin, ich will die Milch solange stechen, bis ich die Milch wieder zu mir her bringen kann; es sei nun Frau oder Mann, so bring ich meine Milch wieder zu mir zurück."
Das habe ihr eine Sennerin beigebracht und habe ihr sehr oft geholfen.
Sie gesteht, dass auch folgendes Mittel gut wäre, die Milch wieder in Ordnung zu bringen. Man müsse einen Hufnagel, den man auf der Straße gefunden hat, nehmen, ins Feuer werfen, glühend machen und dann in die Milch legen. Dann werde davon die Milch gleich wieder gut.
Ebenso folgendes: Man müsse eine Schnittlauch-Wurzel nehmen und jede Zitze vom Kuheuter 3 Mal melken, dann die Wurzel der Kuh zum fressen geben und dabei folgendes sagen:
"Oh braune Kuh (oder wie sie sonst zu bezeichnen ist), gib dir deine Milch und lass mir meine Milch so gerecht und so gut, wie sie mir unser lieber Herr Jesu Christ gegeben und geschaffen hat.
Auch das Grün-Futter für die Kuh soll gesegnet sein wie der Kelch und auch der heilige Wein und auch das hochwürdige Himmelsbrot. Und auch das heilige Benediktus-Kreuz sei 9-mal gesegnet und 9-mal geweiht. Das gebe Gott, der Vater, der Sohn und der heilige Geist..."
An dem Samstag habe sie der Weyrer geschlagen. Am Sonntag in der Früh darauf habe sie mit dem Messer die Milch gestochen und (wie oben erklärt) folgendes gesagt:
"So will ich solange in die Milch stechen, bis ich die Milch wieder zu mir bringen kann. Sei es der Weyrer Mörtl oder Agatha, Frau oder Mann, so bring ich meine Milch wieder zu mir zurück."
Sie habe etwa 5 oder 6 Stiche in die Milch gemacht. Davon seien sie ein wenig krank geworden und hätten sie dann in Frieden gelassen.
Noch bevor sie der Weyrer geschlagen habe, habe sie den Hans, den Sohn vom Wastl in der Gruben und die Frau Weyrer zusammen gekocht. Sie habe von der Frau Weyrer ein Pall-Kraut und vom Einbrennfett des Wastls auch ein Stück genommen und zusammen in einen Hefen getan und folgende Worte dazu gesprochen:
"Ich will das Wastelsche Einbrennfett und das Weyersche Kraut miteinander kochen; wenn der Weyrer stirbt, dann soll das Weyersche Kraut das Vastelsche Einbrenn-Fett beißen.""

(In einem früheren Verhör vom 5. November 1669 sagt sie über diesen Zauber folgendes:)
"Das größte Werk, das sie gemacht habe, sei gewesen, dass sie von der Frau des Wastl in der Gruben ein Kraut gemacht habe, dabei aber von der Weyer das Kraut genommen habe, dasselbe mit dem Ziel gekocht habe, dass dann, wenn der Weyrer stürbe, der Sohn des Wastl, der Hansl, die Weyer heiraten könne."

 

Strassburg
Schloss Straßburg

Aus dem gütlichen und peinlichen Verhör derselben vom 6. März 1670:

"....die Verhaftete habe zum Milchstechen gegen den Weyrer nichts anderes gebraucht als eine Milch von der eigenen Kuh. Diese habe sie mit dem vorher erwähnten Messer gestochen und dabei diesen Segen gebetet:
"O Herr Jesu Christ, hat mir jemand etwas getan, es sei Frau oder Mann, ich zahle es ihm heim, in sein Fleisch und in sein Bein, in seine Lunge und seine Leber, und in den rechten Flügel seines Herzens."
Danach habe sie den beim Zubereiten von Dalken (Mehlspeise) übriggebliebenen Hafer zerstampft in der Überzeugung, dem verstorbenen Weyer damit sein Herz zu treffen und dabei habe sie den eben beschriebenen Segen wiederholt.

Sie bekennt..., nachdem sie im Winter vor zwei Jahren starke Schmerzen in den Augen gehabt habe und schon fast ganz blind gewesen sei, habe sie 9 durchlöcherte Steine aus einer Grube oder einem Haufen genommen. Diese müssen im Feuer glühend heiß gemacht werden, damit sie heilen. Dazu habe sie ein frisches Häferl mit Wasser aufgestellt und ganz siedendheiß gemacht, danach das Wasser in eine Schüssel geschüttet, die Steine hineingelegt, das Häferl darüber gedeckt und dazu folgenden Segen gesprochen:
"Wildnuss und Bildnuss, Übel und Apfel und alle wilden Triebe gehen aus miteinander über die Gassen, begegnet ihnen unser lieber Herr Jesus Christus. Da sprach unser lieber Herr Jesus Christus: "Wildnussen und Bildnussen, wo wollt ihr hin miteinander über die Gassen?" "Wir wollen zur Eule gehen, Beine brechen und Blut saufen." Da sprach unser lieber Herr Jesus Christus: "Das sollt ihr keinesfalls tun. Ich verbanne Euch in eine Wildnis, wo kein Hahn kräht und kein Mann nicht mäht, wo keine Glocken klingen und wo kein Christen-Mensch hinkommt. Im Namen Gott des Vaters, Gott des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen"


49. DER "GLÜHENDE SCHAB"

L. R. A., Cop. 1672, VI, 122.
Protokoll über das unparteiische Gericht des delegierten Richters Johann Wendtseyßen in der Klagsache des Michael Hörg samt seiner Ehegattin Marina und deren Schwester Gera gegen Michael Gregoritsch und Genossen wegen bezichtigter Zauberei.
Radkersburg, 2. Juni 1671.

Aus der Aussage des Beklagten Wenko Wastun:
"An einem Samstag vor 6 Jahren habe er Michael Gregoritsch und Matthias Krälatsch vor dem Haus sitzen gesehen und gesehen, wie ein brennender Schab-Dämon aus Stroh beim Keller des Michael Hörk niedergefallen und gleich ausgelöscht sei."

Der Beklagte Michael Gregoritsch sagt dasselbe wie Wastun und fügt hinzu:
"er aber habe dreimal gesehen, dass ein brennender Schab-Dämon an Samstagabenden beim Keller des Hörck niedergefallen sei."
Auch der Beklagte Mathial Karalovitsch bestätigt dasselbe.

 

50. NESTELKNÜPFEN UND –LÖSEN, HEIL- UND KRANKHEITSZAUBER

L. R. A. Kriminalprozess des Landgerichts Windisch-Landsberg (heute Podčetrtek in Slowenien) gegen Jakob Krischan wegen Zauberei, 1672, Cop. 1672, III, 92.
Krischan, ein Wunder- und Zauberarzt von großem Ruf, hat angeblich auf der Hochzeit des Andreas Knapp, des Sohnes des Gemeindevorstehers der Herrschaft Landsberg, diesem und seiner Braut durch Nestelknüpfen den Vollzug der Ehe unmöglich gemacht, wird deswegen verhaftet und vor das Banngericht gestellt.
Aus dem Bekenntnisse vom 19. Februar 1672.
(Das Nestelauflösen bewirkte er in folgender Weise):

"Er hätte im Weingarten von einem Weinstock, der blaue Beeren trägt, von der zarten Weinrebe, die zu den entsprechenden Zeiten ringartig um den Weinstock wächst, eine solchen Ring abgeschnitten und ein Krügel zur Hand genommen. Dort hinein hätten sie durch denselben Ring etwas von ihrem (man verzeih den Ausdruck) Urin durchrinnen lassen.
Danach habe er beim Haus von drei hölzernen Säulen ein wenig heruntergeschabt und in den Krug geworfen. Das hätten sie nun beide austrinken müssen und dadurch seien sie unverzüglich wiederhergestellt worden.
Weiters könne er bei Gliederreißen mit Krämpfen, Krümmen und Reissen in den Lenden und im Kreuz helfen. Dazu brauche er "Unserer Lieben Frau Vesperkraut"*) und Schilfrohr, die er ins Wasser lege. Mit diesem Wasser wasche er solche Patienten ab."

Folterszene
"Die Folter" - Faksimile eines Holzschnittes von Hans Burgkmaier (1473 - 1531)

Aus dem Bekenntnisse vom 21. Februar 1672 (unter dem Druck des dritten Torturgrades):

"Er gesteht, er brauche nichts anderes als einen Zwirnsfaden, mit dem einem Hahn, wenn er zu einem Kapaun verschnitten wird, die Hoden abgebunden und vernäht werden. Mit dem Faden mache er einen Knopf und spreche dazu: "Gleich wie dem Hahn, der zum Kapaun verschnitten wird, mit diesem Faden seine Macht und die Hoden gebunden und genommen werden, ebenso soll es auch Dir gebunden und genommen sein. Und er müsse die Zeit nennen, wie lange dies dauern und abgebunden bleiben soll..."
"(Der Angeklagte bestätigt die Aussagen der Beisitzer, welche behaupten, dass ein Mensch, dem die so geknüpfte Nestel nicht gelöst wird, sterben müsse) und sagt: Wenn man den Faden ins Wasser oder ins Feuer werfe, dann müsse der Mensch sterben."

Aus dem Bekenntnisse vom 23. Februar 1672:
"Wenn er eine Verhexung aufheben wolle, dann müsse er einen alten Hufnagel in das Getränk werfen und etwas von seinem (mit Verlaub) Urin dazu geben."

(Im späteren Verlauf des Verhörs gibt Krischan zu, dass der Beschwörer, um die Nestel zu knüpfen, zuerst Gott, die heilige Dreifaltigkeit, die Jungfrau Maria, die Engel, alle Heiligen, die schwarze Mutter Erde, das Laub und Gras, den Sand in Wasser und Meer verleugnen müsse. Dann habe er zu sprechen:)

"Ich, Jakob, gebiete mit Gott dem Vater, Gott dem Sohn, und Gott dem heiligen Geist, 3 Namen und nur ein einziger Gott, gebiete auch mit der allerheiligsten Dreifaltigkeit, dass sie an diesem Menschen N.N. jetzt und am jüngsten Tag keine Gewalt, noch Kraft noch Macht haben sollen, sondern dass ihm all seine männliche Kraft und Macht hiemit genommen sein soll, gleich wie sie dem Hahn genommen worden ist, wenn man ihm mit diesem Faden die Hoden gekappt hat. Und es müssen so viele Knöpfe mit dem Faden gemacht werden, so viele Tage, Wochen oder Monate er verlangt, dass das Übel und der Zustand fortdauern soll..."

(Er gibt an, diese Beschwörung müsse man achtmal wiederholen, fünfmal zurücksagen und schließlich noch dreimal wiederholen:)
"Er bekennt und sagt, dass es einen Zustand gebe, den die Leute (mit Verlaub) in den Schenkeln haben, dieses Leiden heißt die "lebendigen Fäden". Wenn man diese dem Patienten nehmen will, dann muss man sich mit ihm verschwören und auf die Kornähren hinlenken, wodurch zweifelsohne das Korn verderben wird."
"Er gesteht, dass er die Agnes Ross geheilt hat. Die Ross habe aber die Medizin und Sachen, die er verwendet hat, ihrer Nachbarin, der Frau des Jansche Kunstitsch, mit der sie in heftigem Streit gelegen ist, in ihren Garten geschüttet und heimlich hineingeworfen. Er sagt, wenn man über diese ausgegossenen Sachen, die man normalerweise bei einem Wasser, bei einem Steg oder bei einer Wegkreuzung ausgießen muss, unabsichtlich geht, so bewirkt das beim Menschen viel größere Krankheiten und größeren Schaden, als wenn man das sonst für eine Person absichtlich machen würde.**)
"

*) Wahrscheinlich Hypericum perforatum L., das als Unserer Lieben Frauen Gras oder Nagei belegt ist und volksmedizinisch als Aufguss bei Krampfzuständen verwendet wurde.

**) Für die in diesem Stück angeführten Arten des Zaubers ist zu verweisen, dass das Pissen durch den Rebenring als Mittel gegen Impotenz vielfache Analogien in der Volksmedizin hat, ebenso das Nestelknüpfen durch Knotenbinden. Der Hufnagel ist ein alter Zauber gegen Krankheitsdämonen.

 

51. ALRAUNWURZEL, KRAFTWURZ

Oberwoelz
Oberwölz (Steiermark) - Blick durch die Stadtmauer

St. L. A. Sond.-Arch. Rotenfels, Schub. 97 (7. Gerichtswesen), 1673.
Strafprozess gegen den Bürger und Hammerschmied Martin Lengauer in Oberwölz "wegen habender wurzen ainen männl gleichformig".

Aus dem Verhörsprotokoll vom 19. Januar 1673:

"1. Wie lange er dieses Wesen habe? Ungefähr drei Jahre.
6. Ob er es nicht gebadet, gekleidet oder angesprochen und verbotene Sachen damit gespielt und öfters bei sich getragen habe. Die Sulzer (von der die Alraunwurzel erworben worden ist) habe gesagt, man müsse es monatlich kleiden. Er habe es aber nur im Sommer und nur zweimal angekleidet, einmal gelb und einmal mit grauer Seide.
13. Ob er nicht noch andere abergläubische Sachen wie die Kraftwurzel und den Wundsegen habe? Ob er solche Wurzeln nennen könne?
Kraftwurzeln habe er, er könne sie selber ausgraben. Aber sonst besitze er nichts Abergläubisches. Wenn aber solche Wurzeln mit beschwörenden Worten ausgegraben werden und jeden Tag genossen werden, dann, so habe er gehört, soll einer so stark werden wie 9 Männer. Es wären beim Graben lauter gute Worte, er wolle sie gerne aufsagen."

 

52. WIEDERVERSCHAFFEN GESTOHLENER SACHEN, ZUNGENBINDEN

St. L. A. Sond.-Arch. Gutenhag, Fasz. 3, Heft 30. Gerichtsprotokoll der Landgerichtsherrschaft Gutenhag 1673.
Aus dem gütlichen Verhör mit Nescha (Agnes) Sieretzin am 25. Mai 1673:


"Sie gesteht, dass besagter Caspar ihnen vor 5 Jahren im Sommer gelernt habe, den Dieben eigenen Knoblauch zu essen zu geben, der zu Bartolomä (am 24. August) und am Weihnachtsabend auf den Tisch gelegt werden soll. Danach wird er in eine Türangel von dem Raum, wo die Sachen heraus gestohlen worden sind, gelegt und danach dreimal mit einem Brechlholz geschlagen.
Dabei muss man sagen: "Sowenig wie der Geschmack von Knoblauch verschwiegen werden kann, sowenig soll dein N.N. gestohlenes Gut verschwiegen bleiben, im Namen Gott des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes."


(Sie erzählt dann, dass sie von diesem Zauber wiederholt erfolgreich Gebrauch gemacht hat.)
Aus dem peinlichen Verhör am selben Tage:


"Auf bloßes Anlegen des Strickes hin gesteht sie, dass sie im vergangenen Jahr (1672) am Lorenzi-Tag von dem erwähnten Caspar gelernt habe, die Zungen zu lähmen. Dazu muss sie den selbst gepflanzten Hanf nehmen. Diesen soll man mit den Worten ansprechen: "Das Wachs helfe dir im Namen Gott des Vaters, des Sohnes und h. Geistes, ein einziger wahrer Gott und durch die Hilfe und Fürbitte unserer lieben Frau, dass der Böse Feind keine Kraft bei dir haben soll. Amen." Dann habe sie 3 Knöpfe hinein machen müssen, und den Hanf in das Wachs gegeben, das ihr die Frau Schämp gebracht habe und das beim Kerzenmachen am letzten Lichtmesstag übriggeblieben ist."

53. SCHLAFZAUBER, WOLFBANNEN, UNVERWUNDBAR MACHEN

L.R.A.Strafprozess gegen Urban Pauer, insgemein Hödlbub wegen Diebstahl und Zauberei, Cop. 1673, VI, 29, 1673.
Aus dem Verhör des Urban Pauer, eines 30 jährigen Kohlenführers und Bauernknechts aus Aflenz.
Am 12. Juni 1673:


"Der Schwämbl (ein Mitbeschuldigter, der viel mit Zigeunern herumgezogen ist) habe ihm beigebracht, er soll die Zunge eines Hühnergeiers in das Haus, in dem sie stehlen wollten, oben in das Dach stecken, dann könne im Haus niemand munter werden. Das hat der Schämbl auch gestanden.
Er habe ihm gelernt, mit einer Fledermaus*) unverwundbar zu werden und dergleichen…".

(Dem Beschuldigten wird die Aussage des schon zu Bruck a. d. Mur gerichteten Mitbeschuldigten Matthias Ludwein vorgehalten.
Matthias Ludwein sagte unter anderem:


"man soll diesen Knödlhärter (einen von ihm angegebenen Mitbeschuldigten) gefangen nehmen. Er habe den Bauern ihr Vieh mit Wölfen durch Zauberei zerbeißen lassen."

Aflenz Skulptur
Skulptur am Probsteigebäude in Aflenz

Am 13. Juni 1673:
" Der Hödlbub sagt, er habe keine Frau aufgeschnitten (wegen der Leibes-Frucht und um daraus Verbrecheramulette zu gewinnen), aber andere hätten ihn dazu anlernen wollen. Der Hittrichhhansl habe ihm dazu geraten. Er habe es aber nicht gemacht…"
"Bezüglich Zauberei gesteht er, er habe ein kleines Stück von einer Hostie, die er empfangen habe, in einen Finger eingeheilt, und zwar in den Daumen der linken Hand. Es sei aber nicht zugeheilt. Daher habe er es nach 3 Wochen wieder herausgenommen und ins Wasser geworfen. Er habe in Aflenz in der Kirchen die Kommunion empfangen und ein kleines Stück aus dem Mund genommen. Das übrige aber geschluckt. Das sei vor 10 Jahren geschehen. Er habe von dieser Sünde noch in seiner Jugend gehört, aber das Meiste vom vom Hittrichhansl. Er habe ihn fast unverwundbar gemacht, aber er habe immer zum Raufen geübt.

Der Wurzel-Kramer von Pernegg habe ihm eine mit Zauberworten besprochene Gäms-Wurzel gegeben. Die habe er jeden Morgen zu sich genommen. Sie habe ihm bisweilen geholfen, unverwundbar zu werden, bisweilen aber auch nicht. Er sei auch selbst auf die Alm nachgegangen zum Wurzel Graben…"

"Er sagt, er wisse von Zauberei nichts. Er habe nur seine Hose beim rechten Fuß unten in den Schuh hinein gesteckt und ein paar Worte dazu gesprochen, damit die Hunde nicht anschlagen, außer die geschnittenen Hündinnen.

*)Wenn man ein Auge einer Fledermaus bei sich trägt, wird man unsichtbar. Unverwundbar wird man, wenn man ein Stück Fledermaus in die Kleider näht.


54. MILCHABWEHRZAUBER, BACKZAUBER, WINDFÜTTERN, HEILZAUBER

Archiv des Schlosses Hainfeld bei Feldbach.
Bekenntnis des Bäckers und Wirtes Georg Hollerspacher vom 21. August 1674:

"1. Er sagt aus, dass er öfters zur Zeit des Kirchtags, als er noch in Hartmannsdorf gewohnt hat, in der Früh vor dem Sonnenaufgang den Staub und die Bröseln aus den Fenstern zusammengewischt und dann dasselbe beim Haus herum und vor der Tür ausgestreut, damit seine Wirtschaft gut gehe und die anderen Wirte weniger Geschäft machen.
2.Er habe es von anderen gelernt und auch wirklich praktiziert, nämlich an hellen Samstags-Nächten etliche Hagebutten-Dornen abgebrochen, sodann von seiner Kuh die Milch in einen Sautrog gegossen und mit den Dornen geschlagen, damit sein Vieh, das Blut in der Milch gehabt habe, wieder genese. Er wisse aber nicht, ob er dadurch dem, der ihm das angetan habe, oder seinem Vieh geschadet habe. Er wäre einmal von den Leuten seines Nachbarn bei einer solchen Handlung gesehen worden und das sei der Herrschaft zugetragen worden. Er sei auch bestraft und ausgepeitscht worden.
Er habe schon öfters Wasser aus den Furchen in den Wegen, durch die man die Toten durchgeführt hat, in der Nacht ausgeschöpft. Das habe er dann unter das Brot-Gebäck getan. Wenn dasselbe dann gut geraten sei, sei es auf dem Kirchtag besser verkauft worden.

4. Er bekennt, dass er in der Heiligen-Drei-König-Nacht, die man die Reiche Nacht zu nennen pflegt, Brösel und andere Speisereste zusammen in einen neuen Topf getan hat. Den habe er dann am nächsten Tag in der Früh vor Sonnenaufgang auf der Weide auf einen Torpfosten gestellt, um den Wind damit zu füttern, auf dass der Wind das ganze Jahr hindurch auf seinem Grund und seinem Hab und Gut keinen Schaden anrichte.

Tabor von Feldbach
Tabor von Feldbach - Gefängnis für Zauberer und Hexen

5. Er sagt aus, dass er öfters, wenn Kirchtag war und er neben anderen Wirten Wein angeboten habe, bevor er den Wein aufgemacht habe, von seinem Nebenwirt in einem neuen Krug Wein entnommen habe, diesen heimlich in seinem Keller unter die hölzerne Faßunterlage gegeben habe, damit sein Wein sich besser verkaufe und der Wein des anderen ungeöffnet bliebe….."

Bekenntnis desselben vom 27. Juni 1675 vor dem Landgericht Feldbach:

"1. Er habe das Wasser aus den Wagenrinnen auf der Straße vor Sonnenaufgang aufgeschöpft und in den Brotteig gegeben, damit es bevorzugt werde und sich besser verkaufe.
2. Es sei ihm auch vom Philipp Stocker aus Markt Hartmannsdorf (zu Freyberg untertänig) geraten worden, er solle die Milch in den Sautrog schütten und mit einem Hagebuttendorn auspeitschen. Dann verkaufe sich das Brot auch besser.
3. Es habe ihm ein fahrender Schüler in Eggersdorf gesagt, dass er eine schwere Krankheit überstehen werde. Bald darauf sei er auch krank geworden. Ein Soldat habe ihm geraten, er solle von 9 Ameisenhaufen 3 Hände voll nehmen und von 9 Bäumen, die keine Früchte tragen, Zweige abbrechen und Wasser aus den Wagenrinnen auf der Straße schöpfen. Davon soll er sich ein Bad machen und darin baden. So habe er es auch gemacht und er sei darauf hin gesund geworden. Jedoch sollte man das Badewasser nicht anderswohin schütten als in einen fließenden Bach, denn sonst, wenn es auf die Erde komme, und jemand, sei es Mensch oder Vieh, gehe darüber, müsse dieser bald sterben und verrecken…."



55. LIEBESZAUBER, MENSCHENZURÜCKBRINGEN, ZAUBERÄRZTINNEN

L.R.A. Bericht des Bannrichter im Viertel Cilli, Paul Schatz, vom 31. Juli 1675 über die angebliche Hexe Agnes Cesseka beim Landgericht Sauritsch, Cop. 1674, VIII, 140.
In Sauritsch an der sterisch-kroatischen Grenze haben Anfang Juni 1675 die wegen eines schweren Hagelwetters erbitterten Bauern zwei der Hexerei verdächtige
Weiber überfallen und an ihnen Lynchjustiz durch Verbrennen geübt. Eine der Verbrannten hat vor ihrem Tode die Agnes Cesserka als Genossin angegeben, welche sodann als Beschuldigte unter schwerer Folter vernommen wird.

Aus dem Bericht:
"so ist durch die großen, schweren Foltern nichts anderes herausgekommen, als lauter abergläubische Sachen, nämlich dass sie Beschrei-Kraut (Stachys rectus L.) und Johannis-Kraut gekocht hätten und die Suppe, oder besser gesagt das Wasser davon den Frauen und Mädchen gegeben hätten, damit man diesen, wenn sie sich damit waschen würden, nicht feind sein könne. Den Wirten und den Frauen, die Brot zum Verkauf backen, habe sie auch geraten, mit einer Stauden, auf die sich die Bienen setzen, wenn sie schwärmen, das Fass mit Wein und das Brot zu besprengen und in das Sprengwasser ein geweihtes Salz zu geben. Durch diese und ähnliche abergläubische Dinge ist sie ins Gerede gekommen. Gleichwohl, das kleingläubige Bauernvolk sei eben so, dass sie schnurstracks zu solchen alten Weibern laufen, wenn einem von ihnen nur ein Finger weh tut. Und sie lassen sich mit Zaubersprüchen behandeln, waschen und diese abergläubischen Sachen anwenden. Was danach einer dem anderen weitersagt und anratet, wenn einer krank werden sollte oder ihm sonst etwas widerfahren sollte. Dann soll er nur zu dieser oder jener gehen, die könne ihm schon helfen. Woran sie dann fest glauben und sie geben damit durch solchen Zulauf und durch Belohnungen und Geschenke solchen alten Frauen selber den Anstoß, dass sie ihnen je länger je mehr vorschwätzen. Wie dann auch bei diesem Verhör mit Anwendung der Folter angegeben worden ist, dass ein Untertan der Herrschaft Sauritsch (mit dam Namen Stephan Gunditsch, dem vor einem Jahr seine Frau weggelaufen ist) sie angesprochen hat, sie soll es machen, dass seine Frau wieder zurück nach Hause kommt. Deswegen hat er sie ein paar Mal zum Wirt geführt und einen Wein spendiert. Und als er schließlich von ihr nicht nachlassen wollte, habe sie vom Kopfhaar seiner Frau und von ihren Leibkleidern einen Fleck verlangt, damit wolle sie schon bewirken, dass seine Frau wieder nach Hause kommen werde."

Sauritsch
Sauritsch ( Zavrč in Slowenien) in einer alten Lithographie

1) Das Windfüttern ist eine in der Steiermark noch im 20. Jahrhundert geübte Sitte. Nach der Mitteilung des steirischen Volksforschers Schuldirektor Karl Reiterer wird am Blasiustag (3. Feber), den das Volk Blasentag nennt in Donnerbachwald Mehl in den Wind gestreut mit den Worten: "Wind, Wind Sei frei geschwind Und pack Dich hoam zu Deinem Kind." Man glaubt so den Windschaden bannen zu können.


56. BESCHAFFENHEIT DES FOLTERHEMDES

 

L.R.A. Bericht des Bannrichters im Viertel Cilli, Paul Schatz, an die Regierung vom 2. September 1675, Cop. 1675, VII, 140.

Aus dem Berichte:
"…dergleichen Folterhemden sind in Marburg, Pettau, Cilli, Feistritz, Rän, Windischgrätz, kurz gesagt im ganzen Viertel Cilli bei keiner Landgerichts-Herrschaft vorhanden gewesen und ich habe eines in meinem Haus selbst spinnen und wirken lassen. Aber es darf nicht mit gewöhnlichem Hanf, den man anbaut und ansät, sondern von wild wachsendem Hanf gemacht werden. Dieses Folterhemd habe ich dem Scharfrichter von Pettau, den ich im Viertel Cilli einsetze, zugestellt, damit er es immer mit sich führt, wenn er Personen, denen Zauberei vorgeworfen wird, zum Verhör vorgestellt werden."

 


57. LEICHENTEILE HINGERICHTETER ALS ZAUBERMITTEL

St. L. A., Spez.-Arch. Gutenhag, Fasz. 3, Heft 31. "Extract aus Michaeln Vräbl gietliche Bekanntnuß dat. 14. octobris 1675."
Verhör mit der Ehewirtin des Jörg Weiß:

"Auch gesteht er, dass er in seiner Jugend beim alten Fürsten von Eggenberg als Stalljunge gedient habe. Er habe erfahren, dass der Kutscher und der Vorreiter zusammen mit zwei anderen Stallknechten einen armen Sünder in der Nacht vom Hochgericht abgenommen und zu Pulver gemacht hätten. Das Pulver hätten sie den Rossen verfüttert.
Und weil er gesehen habe, dass in der Nähe von eben dem Kreuz an einem Schnell-Galgen eine Hand und ein Fuß eines hingerichteten Sünders hingen, habe er sich gedacht, dass man die noch nutzen könne und habe sie abgenommen. Er habe den Gregor Kitl, den Stiefsohn des Arne Knechtl angeredet und gefragt, was er ihm geben wolle. Er wolle ihm was geben, was er den Rossen füttern könnte, dass die dann ganz dick und stark werden würden. So habe der ihm ein Görz (Hohlmaß) Gerste, eine halbe Görz Weizen und eine Viertel Görz Hafer dafür gegeben."

 

58. RÄUCHERN MIT BESENHOLZ ALS ZAUBERMITTEL

St. L.A. Sonder.-Arch. Gutenhag, Schub. 3, Heft 31. Gerichtsprotokoll der Landesgerichtsherrschaft Gutenhag vom 4. Juli 1676
Verhör mit der Ehewirtin des Jörg Weiß:


"Sie sagt, als einmal die Armstorffer Robot-Arbeiter dort am Hof … und in der Stuben danach zusammen Mittag gegessen hätten, sei sie mit dem Kind in der Wiege gesessen und habe unter starkem Lenden-Stechen gelitten. Die Magd des Jakob Reppa habe sie gefragt, was sie hätte und sie habe ihr geantwortet, dass ihr die Lenden so stechen würden. Darauf habe die Magd vom Reppa gesagt: Meine Hauswirtin hat eben auch so einen Zustand gehabt. Die Müller habe ihr den Rat gegeben, sie soll von einem Besen, mit dem man am Weihnachtstag die Stuben aufgekehrt hat, nehmen und sich damit räuchern. Es wäre dann bald besser geworden. Darauf hat sie zur Magd gesagt: Bring mir auch so einen Besen, vielleicht hilfts bei mir auch. Nach 14 Tagen habe ihr die Magd so einen gebracht. Weil sie aber schon vorher gesund geworden ist, hat sie ihn nicht mehr gebraucht, sondern ihn gleich in die Truhe geworfen, wo er danach gefunden worden ist."

 

gutenhag
Altes Bild von Burg Gutenhag

Anmerkungen: 
Beim vorliegenden Text handelt es sich um die Überarbeitung eines Teiles des Buches 
„Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer (mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei und Hexenprozesse 1455 bis 1850)“ von Fritz Byloff. Walter de Gruyter & Co., Berlin und Leipzig 1929.
Die Überarbeitung durch Siegfried Kramer hatte das Ziel, den Text leichter lesbar zu machen, da die Prozess-Protokolle im Original überwiegend in früh-neuhochdeutscher Sprache abgefasst sind. 
Den Historikern Bernhard Reismann und Walter Steinmetz sei für ihre Unterstützung und Korrektur gedankt.

Graz 2012

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