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VOLKSKUNDLICHES AUS STRAFPROZESSEN DER ÖSTERREICHISCHEN ALPENLÄNDER MIT BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG DER ZAUBEREI- UND HEXENPROZESSE VON 1455 BIS 1850

gesammelt und mit Anmerkungen versehen und herausgegeben von Fritz Byloff im Jahr 1929 - überarbeitet, illustriert und ins Internet gestellt von Siegfried Kramer

Teil 4
59. TOTBETEN UND TOTZAUBERN
60. BILDZAUBER
61. JAKOBISEGEN UND PASSAUER ZETTEL
62. RIEMEN AUS DER HAUT ERHÄNGTER ALS ZAUBERMITTEL (KRAMPFSTILLEN, GEBURTSBEFÖRDERUNG)
63. WOLFSBANNEN, HEXENBRENNEN, FERNMISSHANDLUNG, MILCHZAUBERN, VIEHVERSPRENGEN, FUHRMANNVERSPERREN
64. WOLFSBANNEREI
65. GLÜCKSTALISMAN, CHRISTOPHGEBET
66. ABTREIBUNGSMITTEL
67. AMULETT GEGEN RAUBÜBERFÄLLE
68. ABTREIBUNGSMITTEL
69. BLUTSTILLZAUBER
70. MILCHZAUBER
71. DES TEUFELS KAPPE
72. UNVERWUNDBAR MACHEN DURCH DEN KALMANISEGEN
73. HEILZAUBER

letzter Wille
"Letzter Wille" aus einer Bilderhandschrift vom Jahre 1468


59. TOTBETEN UND TOTZAUBERN

St.L.A. Sond.-Arch. Schönstein, Schub.16 (4a Gerichtl. Verhörsprotokolle und Kriminalprozesse), 1677
Kriminalprozess des Landgerichts der Herrschaft Schönstein gegen Maria Ferlin wegen Krankhexen, begonnen am 2. April 1677
. Aus dem Verhörsprotokoll:

"Der Inhalt des Gebets, mit dem sie das Leben entweder verkürzen oder verlängern kann:
Heute ist der heiliger Freitag, an dem Christus gefangen worden ist, mit Stricken gebunden, mit der Geisel gegeißelt, mit der Rute gezüchtigt, mit der Krone sein heiliges Haupt gekrönt, seine heiligen Hände ausgespannt und ans Kreuz angenagelt, die heiligen Wunden mit Salz angestreut, sein hl. Haupt mit Speichel bespuckt und mit Kot beworfen, seine hl. Seite mit dem Spieß durchstochen worden ist. Danach sei unsere liebe Frau zu unserem Herrn unters Kreuz gekommen und habe gesagt: Ach wie bist Du so sehr verwundet und von den Juden gemartert worden."


Aus dem Verhör mit Folter vom 3. April 1677:

Sie bekennt, es hätte sie eine alte Frau namens Eva Kartin, die beim Lorber gewohnt hat und bereits vor 2 Jahren gestorben sei, gelehrt, wenn sie einen tot haben wolle, soll sie am Friedhof Erde nehmen, die man zwischen den Gebeinen der Toten ausgräbt und über dessen Kopf oder Körper schütten. Er müsste in der Folge sterben.
In gleicher Weise gesteht sie, dass sie jedes Mal, wenn sie die Erde über dergleichen Leute gestreut habe, auch den Spruch, ohne dem die Erde sonst keine Wirkung hätte, gesprochen habe: "Gleich wie der tote Mensch die Erde verlangt, so verlangt diese Erde den lebendigen Leib und seinen Tod."

 

60. BILDZAUBER

L.R.A. Bericht des Bannrichters im Viertel Cilli (Celje in Slowenien), Paul Schat, an die Regierung vom 8. Juli 1677, Kop. 1677, VIII, 76
Im Anderburgschen Landgericht bei St. Georgen unter Reichenegg hat Paul Schatz eine Hexe namens Ursula Vurischigkhin mit dem Brand vertilgt, die mit Hilfe des Teufels den Menschen Krankheit und Tod angehext hat.

Sie hat gestanden, "dass sie ein kleines Männchen aus Lehm und Kot geformt hat und wenn sie dieses Männlein mit einer Nadel in den Leib oder in eines seiner Glieder gestochen habe, sei derjenige Mensch, den sie verhexen wollte, auf einem solchen Glied krumm und lahm oder aber am ganzen Körper krank geworden. Wenn sie aber diesem Lehm-Männchen am Kopf in die Schläfe gestochen habe, dann habe der Mensch sogar sterben müssen."

Freistadt in OÖ
Freistadt in Oberösterreich

61. JAKOBISEGEN, PASSAUER ZETTEL

Archiv der Stadt Freistadt O.Ö. 1681
Der im Freistädter Bürgerspital befindliche früher hausansässige Webermeister Sigmund Maureder beschwert sich über die ihm im Spital zuteil gewordene Behandlung.
Im Zuge des eingeleiteten Verfahrens werden seine Habseligkeiten durchsucht, wobei nachstehender handschriftlicher Jakobisegen gefunden wird, der der Schrift nach der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts angehören dürfte:

"Einen gewaltigen, gnadenreichen und schönen Segen hat man vor 100 und 50 Jahren aus dem gelobten Land vom heiligen Jakob her gebracht. Dort hat er gelebt, der heilige Apostel Jakob, der größte dieser heiligen Jünger und 12 Aposteln Christi des Herrn. Da hat er in den umliegenden Landen viele tausend Personen zum christlichen Glauben bekehrt. Er hat auch alle Vergiftung und Seuchenluft und alle Zauberei vertrieben. Er hat auch über Feuer und Wasser geboten, sodass sie keinen Schaden anrichten können. Und er hat auch über Wetter und Hagel geboten, sodass diese haben abziehen und wegziehen müssen. Wenn dieser Segen in einem Haus ist, dann bricht kein Feuer mehr aus. Es kann auch das Wasser keinen Schaden mehr anrichten. Dann kann auch die Zauberei nicht mehr in ein Haus kommen, weder unter die Menschen, noch unter das Vieh oder in die Milch. Es kann überhaupt keinen Schaden anrichten. Es kommt weder eine schwere oder schreckliche Krankheit, noch die Pest in das Haus. Es schlägt auch der Blitz nicht in dieses Haus ein.
Ja es wird in gefährlichen Zeiten an vielen Orten oft sein, dass man große Feuerstrahlen und Feuersbrünste sieht, auch große Wassergüsse und Zauberei bei den Menschen und beim Vieh, dort, wo man Gottes Wort nicht in Ehren hält oder Gottes Wort nicht im Haus hat. Darum ist dieser Segen ausgegangen vom heiligen Apostel Jakob, aus seinem heiligen Mund und seinen heiligen Händen. Diesen Segen hat ein heiliger Einsiedler aus dem gelobten Land hergebracht und er kommt vom heiligen Jakob:

Es beginnt das hochwürdige Gebet und der Segen Gottes, den Gott dem Heiligen Apostel Jakob geoffenbart hat:
O du allerheiligster Herr Jesu Christ, ein gewaltiger Segen des Himmels und der Erde, ein König über alle Könige, o Jesus von Nazareth, König der Juden, o du allerheiligster Herr Jesu Christ, du Sohn Davids, erbarm dich der Menschen in diesem Haus, die dich allezeit ehren und anrufen und in ihrem Gebet aufgrund deiner Heiligkeit bitten. O du gekreuzigter Herr Jesu Christ, beschütze das Hausvolk, o du heiliges Kreuz Jesu, an dem Jesus gestorben ist, beschütze das Haus und mit dem Segen Gottes segne die Menschen, die in diesem Haus sind; die Kraft Gottes, des heiligen Geistes, die alle Menschen erleuchtet, die in diesem Haus sind, und der Segen Gottes, des Allerhöchsten, der ausgegangen ist von Gott, dem Vater und Gott dem Sohn und Gott dem Heiligen Geist, segne das ganze Haus und alles, was drinnen ist, und alles, was außerhalb des Hauses rund herum ist: Vieh und Menschen und alle Speisen und auch alles, was im Haus drinnen ist. Sei gesegnet mit dem allerheiligsten und süßesten Namen Jesu Christi, er stärke das Haus und die allerheiligste Dreifaltigkeit. Sie segne alle Menschen, die in diesem Haus aus und ein gehen. Die heiligen 4 Evangelisten, mögen bestätigen und bekräftigen das Haus des N.N.(Name des Gesegneten), damit kein Unglück über das Haus komme, wie die Pest, und sie soll auch sonst vor schädlichen Krankheiten behütet sein. Es soll auch das Feuer und das Wasser keinen Schaden anrichten. Es soll auch die Zauberei keinen Schaden anrichten, weder unter den Menschen noch beim Vieh oder bei der Milch. Das aber verbinden die heiligen Worte Gottes mit dem allersüßeste Name Jesu Christi.

Es sei mit dem Haus die Kraft Gottes! Sie wirke mit den Menschen, die da im Hause sind. Die heilige Dreifaltigkeit und der süße Namen Jesu, sie sollen das Haus umleuchten. Der Einsiedler, Jesus und der heilige Geist, sie sollen die Hüter und Wächter des Hauses sein. Die heilige Jungfrau Maria, die reine Magd, sie bitte für alle Jungfrauen, die in ihrem Dienst sind und in ihrem Gebet. Sie behüte das Haus vor allem Übel und allem Leid. Die heiligen Erzengel, sie sollen an den 4 Ecken des Hauses stehen; und sie mögen dieses Haus Tag und Nacht behüten und bewachen. Die heiligen 12 Apostel, sie sollen in diesem Haus bestimmen, damit alle Dinge in diesem Haus zum besten gewendet werden und zum besten gemacht werden. Das heilige Kreuz unseres Herrn Jesu Christi sei diesem Haus ein Schutz. Die heiligen 3 Nägel unseres Herrn Jesus Christus seien diesem Haus ein Riegel und eine Sperre. Die Dornenkrone unseres Herrn Jesu Christi sei diesem Haus ein Schild und ein Schutz.
Ebenso soll es nun beendet werden mit dem heiligen Wort Gottes und dem allersüßesten Namen Jesu Christi. Oh Jesus von Nazareth, erbarm dich unser, o heiliger, heiliger, heiliger Jeus Christus, oh heilige, heilige, heilige Maria, Mutter Gottes genannt, oh heiliger, heiliger, heiliger Johannes bitte für uns.
Nun wollen wir verschließen mit Gott dem Vater die Haustür, mit Gott, dem Sohn die inneren Räume und mit Gott, dem heiligen Geist die Truhen und die Kästen und mit der Heiligen Dreifaltigkeit das unbewegliche Gut des ganzen Hauses und alles, was drinnen ist und alles, was um das Haus herum ist, sei gesegnet. So soll mir N.N. (Name des Gesegneten) mein Haus und mein Hof, die Leute und das Vieh und alles, was unter meinem Dach ist, das soll gesegnet sein durch diesen "Heiligen Jakob-Segen".
Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und Gott des heiligen Geistes, Amen."

Schluckbilder
Mariazeller Schluckbilder - gefunden im Schlossmuseum Freistadt

Aus der im Ratsprotokoll vom 8. August 1680 enthaltenen Vernehmung des Sigmund Maureder:

Der Weber ist keineswegs geständig, dass er etwas eingeheilt haben soll (um sich unverwundbar zu machen), als er öfters blutig geschlagen worden sei. Und er habe auch niemals gesagt, dass er etwas eingeheilt habe. Nur weil er noch ledig gewesen sei, habe er die "Passauer Zetteln" gebraucht und sie selbst gedruckt und gegessen. Da sei er dann an die 24 Stunden sicher gewesen. Er habe aber sowohl die Eisenstöckl (zum Drucken) als auch die Zettel vor vielen Jahren ins Wasser geworfen und seither nichts dergleichen verwendet.

Es handelte sich hier um sogenannte Eßzettel, Zettel mit irgendeiner Beschwörung, die verschluckt werden, um besonders wirksam zu sein. Der Brauch bestand schon im klassischen Altertum und wurde noch im vorigen Jahrhundert an Wallfahrtsorten (z.B. in Maria-Zell "Mariazeller Bildl") geübt.

 

62. RIEMEN AUS DER HAUT ERHÄNGTER ALS ZAUBERMITTEL (KRAMPFSTILLEN, GEBURTSBEFÖRDERUNG)

St. L. A. Sond.-Arch. Rotenfels, Schub. 97, Heft 371 (7. Zauberei- und Hexenprozesse). Verhörsprotokoll des Landgerichts Rotenfels vom 8. Mai 1681.
Gütliches Verhör mit Gertraud Müllerin, Bürgerin und Maurerin zu Oberwölz, bei welcher verdächtige Gegenstände gefunden worden sind, die sie vom Gerichtsdiener von Frauenburg erhandelt hat. Aus dem Verhör:

"Der längere sei ein Riemen aus Menschenhaut, der bei der Geburt zur Hilfe genommen werde. Das kleine Trümmerl habe ihr der Gerichtsdiener von Frauenburg gegen Krampfadern gegeben, weil ihr einige Mal die Adern aufgesprungen seien. Sie habe es aber nicht von ihm gekauft, sondern sie habe ihm nur ein Maßel Wein und eine Halbe Bier mit einem Teller Kraut gegeben. Die Sachen stammten vom erhängten Fünster.
Nachdem der Fünster sich erhängt habe, sei der Gerichtsdiener in ihr Haus gekommen und habe sie gefragt, ob sie für ihren Fuß denn nichts brauche. Er wolle ihr ein Trümmerl vom Riemen des Finsters geben. Sie soll es dazu knüpfen, dann werde sie bei Krämpfen sicher sein.
Das habe sie immer gehört, dass die Menschenriemen bei der Geburt nützlich und förderlich seien. Deshalb habe sie einer Hebamme auch ein Stück davon gegeben, sonst hätte sie so ein Stück um 5 Groschen gekauft.
"

Menschenhaut als geburtshilfliches Mittel ist sehr alter volksmedizinischer Aberglaube. Die gegerbte Menschenhaut wurde im Mittelalter als Leibbinde zur Geburtsförderung getragen.


Burg Rotenfels
Burg Rotenfels bei Oberwölz (Steiermark)

63. WOLFSBANNEN, HEXENBRENNEN, FERNMISSHANDLUNG, MILCHZAUBERN, VIEHVERSPRENGEN, FUHRMANNVERSPERREN

L. R. A. Ea. 1701, XI, 4. Obdach.
Strafprozess gegen den 24 jährigen Viehhüter und Almbettler Paul Perwolf vor dem Markt- und Landgericht Obdach wegen Wolfsbannen und Zauberei.
Paul Perwolf gibt zu, ein Wolfsbanner zu sein, fünf Wölfe zu haben, die ihm der Teufel geschenkt habe, auf denen er reiten könne und die er zum Zerreißen des Viehs ihm mißgünstiger Menschen verwende. Aus dem Verhörsprotokoll vom 13. August 1701:

"In Hierzegg, außerhalb des Dorfes rechter Hand gegen den Hierzegger Winkel zu, habe er vergangenen Herbst bei einer Bäuerin um Speck gebettelt. Die habe ihm aber den Speck verweigert und nichts als ein wenig Brot gegeben. Deswegen habe er unter dem Haus, dort wo der Haushund, wenn er an der Kette angehängt ist, hin und her läuft, ein weggeworfenes, stinkendes Stück Schweinefleisch genommen und in den Sautrog gelegt, wodurch der Bäuerin am vierten Tag zwei Schweine eingegangen sind.
Was seine Wölfe reißen, das fressen sie am ersten Tag noch nicht, sondern erst am dritten Tag. Das sei die Regel. Sie wären ebenso leicht wie andere Wölfe zu schießen. Das habe er von den Jägern gehört. Man soll sie mit Ablass-Pfennigen oder mit Blei, unter das Donnerstrahlen (Versteinerungen) gerührt werden, schießen. Das habe ihm der Kullmayrsche Jäger gesagt, dass vom Klain Micherl, der ein Viehhüter ist, einer erschossen worden sei.

Vor 4 Jahren nach dem St.Ilgentag (1. September), als der Maut-Einheberin in Breitenegg durch eine Bäuerin, die Minzer Hoißl genannt wird, die Kühe verzaubert worden sind, habe ihm die Maut-Einheberin einen Siebener gegeben. Darauf habe er auf der Türschwelle, wo die Kühe hineinein und hinausgegangen sind, ein Loch ausgegraben, von allen Kühen eine frisch gemolkene Milch genommen und in das Loch gegossen. Danach habe er den Riegel von der Stalltür glühend gemacht und in das Loch gesteckt. Dazu habe er gesprochen:
"Ich brenne nicht die Milch oder den Rahm, sondern ich brenn die Hex, die die Milch weg nimmt."
Er habe den Riegel im Loch abkühlen lassen, wodurch die Tochter der Hoißl seither über und über ist und auf der selben Seiten auch die Füße und die Hände verbrannt sind.
Außerdem habe ihm der besagte Hirt, der Koine Jörg, gelernt, dass er jemand auch in einer Entfernung von 100 Meilen verprügeln könne. Dazu müsse man folgendes haben: Einen weißen Haselnuss-Stecken, der am Karfreitag mit 3 Schnitten abgeschnitten worden ist, und ein Messer mit 9 Kreuzen und 9 Monden, das an einem Karfreitag geschmiedet worden ist.

Wenn man nun einen verprügeln will, so muss man dessen Tauf- und Zunamen wissen, danach den eigenen Rock ausziehen und das Messer unter den Rock legen. Dazu muss man sagen: "Du Hund, ich prügle dich in Teufels Namen." Und man soll mit dem Haselnuss-Stecken auf den Rock schlagen. Auf diese Weise habe ihn ein Viehhirte aus Niederösterreich namens Anderl, der mit ihm als Landstreicher unterwegs war und sich mit ihm beim Teilen einer Gabe zerkriegte, vor 2 Jahren derart geprügelt, dass er danach auf einer Trage herumgetragen worden ist.
In der Obdacher Pfarre, in Granizen, hätten vergangenen Winter kurz vor Ostern er und ein anderer Hirt namens Anderl, der beim Mayr in Gaißbach Vieh gehütet habe, mit einem Messer mit 9 Kreuzen und 9 Monden, das an einem Karfreitag gemacht worden ist und das er von dem Sensenschmied-Knecht in Eppenstein bekommen hat, bei einem Bauern, dessen Bäuerin ihnen keine Gabe gegeben habe, sondern grantig war und sie ausgescholten habe, beim Wassertrog allen Kühen die Hufe ausgestochen und das Ausgestochene in den Trog geworfen und dazu gesagt, sie würfen es hinein in Teufels Namen. Sie sollten zwei Tage und zwei Nächte keine Milch bekommen. So ist es auch geschehen und die Kühe haben stattdessen Blut gegeben.

Damit die Kühe nicht auf ihren Rastplatz gehen, habe er es so gemacht: Er habe den Kuhmist vom Rastplatz genommen und zu einem Ameisenhaufen getragen. Dazu habe er gesagt, sowenig wie die Ameisen zusammen bleiben, so wenig sollen die Kühe am Rastplatz beisammen bleiben. Das habe er vor 11 Jahren seinem eigenen Kollegen, dem Kullmayrschen Viehhirten gemacht.
Wenn er einem Fuhrmann die Straße versperren will, dann nehme er einen Toten-Nagel, eine Nadel, mit der eine Leiche eingenäht worden ist und ein Holz, von dem ein Hirsch genagt hat, verstecke es im Ross-Geschirr, dann kann der Fuhrmann nicht weiterfahren. Das habe er dem Fuhrmann des Grafen von Silberberg in Kärnten bewiesen, weil dieser nicht angehalten habe, damit er selbst mit seiner Fuhr vorbeifahren könne."

Heiligenbild in der Pfarrkirche von Obdach (Steiermark)

64. WOLFSBANNEREI

St.L.A., Sonderarchiv Rotenfels, Schub. 97 Heft 371 (7.Zauberei und Hexenprozesse).
Vortrag und Urteil des Bannrichters Anton Matthias von Utschan im Landgericht Rotenfels vom 20. September 1719.
Beim Landgericht Rotenfels ist der "alte, auch ziemlich einfältige" Jakob Kranawether aus Spital bei Friesach, anscheinend ein Landstreicher, unter dem Verdacht der Wolfsbannerei in Haft. Der Bannrichter hat folgendes festgestellt.


"dass der untersuchte Kranawether im Monat August 1718, bei dem aber bei der Überprüfung nichts Verdächtiges gefunden worden ist, aber von dem dortigen Gerichtsdiener Peter Parckfriedt im Hinblick darauf gefangen genommen wurde, dass Parckfriedt wisse, dass der Murauer Gerichtsdiener in St. Peter am Kammersberg einen Wolfsbanner aufgesucht habe, er auch von dem dortigen Wirt Hans Gurmann vulgo "Hansl hintern Ofen" gehört habe, dass er einen solchen Menschen kenne, der ganz zerrissen daher gekommen und ihm ein aus Zauber-Sachen bestehendes "giggis gaggis" erzählt habe, insbesondere habe er auch erwähnt, indem er ein Glas vorgezeigt habe, dass man mit diesem Glas, wenn darüber Messen gelesen werden, durch alle Berge durchsehen könne.
Vorweg aber wurde er vom besagten Gerichtsdiener Parkfriedt gefragt, ob er ein Wolfsbanner sei.
Dieser hat zunächst die Frage mit Nein beantwortet. Als aber Parckfriedt die Befragung fortsetzte, habe er diesen scharf angeredet: Er solle es nicht leugnen. Er hätte es schon erfahren. Darauf habe ihm der Untersuchte dies auch schließlich gestanden. Daraufhin ist er zum hiesigen Stadtrichter Matthias Pichler geführt worden, von diesem verhört und nach seinem Geständnis dem Landgericht Rotenfels übergeben worden, bei dem der Untersuchte ebenfalls ein Geständnis ablegte und die näheren Umstände bekräftigte. Dass er nämlich durch zwei Wölfe dem Martin Schwager vulgo Präntl in Krakau im August 1718 drei Ochsen und zwei Kälber hätte zerkratzen und verletzen lassen. Beim Prozess aber hat er dem total widersprochen, zumal sowohl der Gerichtsdiener Parkfriedt das erste Geständnis widerrechtlich - abgesehen von der Wahrheitsfrage - von dem einfältigen Kranawether erpresst hat und in der Person des von dem oben genannten Hansl Hintermoser angegebenen Wolfsbann gänzlich gefehlt hat. Es hat sich auch beim Untersuchten, nachdem ich die beim Landgericht angeführten Umstände und den zugefügten Schaden ordentlich untersucht habe, nichts Verlässliches herausgestellt. Hinzu kommt auch, dass dem Martin Schwager kein einziger Ochs noch zwei Kälber geschädigt worden sind. Aus diesem Grund ist der Untersuchte ein Jahr und etliche Wochen lang unschuldig im Arrest in Eisen gelegen."

Das Urteil lautete daher nur auf 20 Stockschläge; der Gerichtsdiener erhielt einen Verweis.

 


65. GLÜCKSTALISMAN, CHRISTOPHGEBET

Archiv der Stadt Freistadt O.-Ö. 1728.
Strafprozess gegen Peter Ferdinand Käselister wegen Teufelsbund.
Aus dem gütlichen Verhör des Bäckerjungen Johann Langthaller vom 6. August 1728 durch das Stadt- und Landgericht Linz:
(Der Beschuldigte – ein wandernder Bäckergeselle – ist wegen Besitzes abergläubischer Gebete und Gegenstände verhaftet worden.)

Frage 35:
"Aus welchem Grund er den gedörrten Frosch, das Wachs, den schwarzen Pfennig, das gedörrte Wolfsfleisch, das Holz, den vierblättrigen Klee, das Wiedehopf-Federl und den Weihrauch bei sich getragen habe?
Antwort: Teils zur Verhütung des Ungeziefers, teils aber, damit er beim Brot-Verkaufen Glück habe.
"

Blick auf Freistadt
Blick auf Freistadt

Über die hier angeführten Talismane: Bei den Slowaken des Neutraer Komitates galt getrocknetes Wolfsfleisch als Amulett gegen den Bösen Blick.
Bezüglich des Wiedehopfes: Wer den Kopf eines Wiedehopfes in der Tasche trägt, kann von niemandem betrogen werden.
Bezüglich des Frosches oder der Kröte ist anzumerken, dass die letztere ein Seelentier ist, weshalb sie nach dem Volksglauben nicht absterben kann, auch wenn sie getrocknet wird. Deshalb steckt die Seele auch noch in dem Krötenamulett und bringt Glück.
Der schwarze Pfennig ist der Heckpfennig (eine Münze, die sich nach dem Glauben der Leute im Geldbeutel von selbst vermehre oder immer wieder zu ihrem ersten Besitzer zurückkehre).

(Im weiteren Verlauf des Verhörs gesteht der Beschuldigte, zwar nicht das "Coronagebet", wohl aber das "Christophgebet" gebetet zu haben.)
Frage 39:
Was er dabei tun und beobachten habe müssen?

Antwort: Er habe ein geweihtes Licht gehabt, das er schon geweiht vom Lebkuchen-Macher in Freistadt gekauft habe. Dann habe er mit einer geweihten "Heiligen Drei König Kreiden", die er von Kapuzinern in Freistadt bekommen habe, drei Kreise gemacht, und zwar den ersten im Namen Gott des Vaters, den zweiten im Namen Gott des Sohnes und den dritten im Namen Gott des Heiligen Geistes. Er habe sich mit dem Licht in den innersten Kreis begeben, habe sich dort niedergekniet und eine halbe Stunde lang aus dem Bücherl gebetet. Er habe jedoch nichts gesehen, gehört oder bekommen. Vorher hätte er drei Tage die Messe gehört, dabei den Rosenkranz gebetet und auch bei Wasser und Brot gefastet.

Am Vortag des Dreikönigtages wurde in katholischen Gegenden Wasser, Salz und Kreide geweiht. Alle drei dienen als Schutz gegen Zauberei.


 

66. ABTREIBUNGSMITTEL

Stadtarchiv Freistadt O.-Ö.
Gütliches Verhör mit der des einfachen Ehebruchs bezichtigten Magdalena Haßlingerin, 28. September 1734.
Aus dem Verhör:

"Nachdem ihr das Blut 2 Monat lang ausgeblieben sei, habe sie zum Schneider, als beide zum dritten Mal miteinander zu tun gehabt haben, gesagt, sie glaube, sie sei schwanger. Darauf habe er ihr gleich einen Siebener gegeben und gesagt, sie soll ein Bier kaufen und darin einen gestohlenen Sebenbaum*) und etwas von einem Schleifstein**) sieden und danach dieses Getränk etliche Mal warm einnehmen. Sie werde bald wieder anders werden."

*) Sebenbaum (Juniperus Sabina L.), eines der bekanntesten bäuerlichen Abtreibungsmittel.
**) Schleifstein, ebenfalls ein weitverbreitetes Abtreibemittel (in Österreich, Ungarn und bei den Huzulen).

 

67. AMULETT GEGEN RAUBÜBERFÄLLE

L. R. A.Cop. 1741, I, 36.
Bericht des Richters und Rates der kaiserlichen Kammerstadt Pettau an die innerösterreichische Regierung über die Strafsache gegen Johann Georg Stikhl wegen Magie und Ehebruch vom 19. August 1740.
Johann Georg Stikhl, Bürger und Hutmacher in Pettau, wird u.a. wegen abergläubischer Künste verfolgt, weil bei ihm ein versiegeltes Päckchen gefunden worden ist, das er nach dem Ergebnisse der Untersuchung auf einem Markte vom Freimann zu Agram (Kroatien) Mathias Puntzer zu dem Zwecke eingetauscht hat, um auf seinen Reisen zu den Märkten vor Raubüberfällen sicher zu sein. Das Päckchen wird bei Gericht eröffnet und enthält:


Schloss Freistadt
Schloss Freistadt

"sodann verbotene Stücke, wie ein Stückerl von einem "Gerichtsstaberl", einen Finger von einem armen Sünder, einen Eisennagel, mit dem der arme Sünder angenagelt gewesen ist, außerdem von einem armen Sünder die Schläfe, eine Erde vom Hochgericht, wohin der Urin des armen Sünders gefallen ist, neben einem Kugerl, von dem man nicht wisse, was es sei."

Anm.: Das "Gerichtsstaberl" war ein Holzstäbchen, das nach uraltem Brauch nach Verkündigung des Todesurteils gebrochen und dem Verurteilten vor die Füße geworfen worden ist.

 

68. ABTREIBUNGSMITTEL

Archiv der Stadt Freistadt O.-Ö. 1747.
Kindesmordprozess gegen die Katharina Sollbergerin.
Aus dem Verhör der Zeugin Maria Glaßnerin vom 12. April 1747:

"Constituta sei zur Frau Mahler beim Linzer Tor in Freistadt ungefähr nach den Osterfeiertagen 1746 gegangen und habe ihr erzählt, dass ihrer Mutter schon lange die monatliche Regel ausbleibe. Und sie habe sie gebeten, ihr etwas Brauchbares zu geben, damit sie wieder komme. Darauf habe ihr die Mahler angeraten:
Sie soll "Pabl Rosen", um einen Kreuzer Majoran-Pulver und Lorbeer nehmen und diese in einem Seitl Wein kochen. Mit dem Zusatz, dass sie der jungen Frau das Getränk nach und nach zu trinken geben soll...."

Anm.: Pabl Rosen: Blüte vom Viburnum lantana L., vielleicht auch Althea rosa L. oder Malva silvestris L.

 

69. BLUTSTILLZAUBER

Archiv der Stadt Freistadt O.-Ö. Strafakt gegen den Chirurgengesellen Anton Neußer 1763.
Dem Beschuldigten, der unter dem Verdacht des Taschendiebstahls verhaftet wurde, wird hierbei ein Zettel abgenommen, auf welchem folgender Zauberspruch steht:


"Blut stillen: O Herr Jesu Christ, dir sind 3 Blumen unter deinem Herzen gewachsen. Das Erste ist die Gottheit. Das Zweite ist die Gerechtigkeit. Das Dritte ist dein göttlicher Wille: Also stehe Dir N.N. dein Blut still, im Namen Gott des Vaters, und des Sohnes und des heiligen Geistes, Amen. Bete 3 "Vater unser", 3 "Ave Maria" und ein Glaubensbekenntnis."

 

70. MILCHZAUBER

Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv, Fasz. "Hexen", 1772.
Strafprozess des Landgerichts Althofen gegen Blasi Weitschacher wegen Aberglauben.
Aus dem Verhör des Beschuldigten vom 1. Oktober 1772:
(Der Beschuldigte hat aus Rache gegen einen Bauern, der ihm als Almhüter kündigte, Nieten von Hufnägeln in den Milchrührkübel geschlagen, um das Zusammengehen der Milch zu verhindern. Auf die Frage, woher er dies habe, antwortete er:)


"Ich habe von einem alten, schon verstorbenen Schmied bei der Beschag-Brücke gehört, dass er seinen Leuten befohlen hat, sie sollen die Nieten von den Hufnägeln abzwicken, denn wenn man die Nieten von den neuen Nägeln in die Kübel schlage, dann könne man nicht zusammenrühren, wenn man aber die Nieten von den alten Nägeln einschlage, könne man wieder zusammenrühren. Das habe ich mir gemerkt und aus Ärger über den Schottelhofer Nieten von neuen Hufnägeln in die Rührkübel auf der Almwirtschaft geschlagen. Als ich aber gehört habe, dass sie nicht zusammenrühren könnten, hat es mich wiederum gereut und ich habe der Sennerin gezeigt, wo ich die Nieten hineingeschlagen habe und ihr geheißen, sie selbst herauszuziehen und dafür die alten Nieten einzuschlagen, um das Übel zu beseitigen."

Es handelt sich hier um eine Form des Eisenzaubers. Der Abwehrzauber für die Butterzubereitung weist zahllose Formen auf.

 

71. DES TEUFELS KAPPE

St. L. A., Sond.-Arch. Göß (Gerichtswesen). Gerichtsprotokoll des Frauenstifts Göß 1773, S 124ff.
Verhör mit dem 24 jährigen Sensenschmiedssohn Jakob Kirchmüller in Göß vom 8. Januar 1773.


"Es kam, soviel ich mich erinnere, war es noch vor Allerheiligen, ein bettelnder älterer Sensenschmied-Knecht, sie heißen ihn den Schneidenauer, zu uns. Es kennen ihn die meisten. Er kann nicht mehr arbeiten. Er ernährt sich vom Betteln. Die Leute halten ihn gerne zum Narren. Dieser erzählte unter anderem am Abend vor dem Essen in der Stuben, in meinem Beisein und im Beisein der übrigen Sensenschmied-Knechte, also im Beisein des Essmeisters (Vorarbeiter in der Sensenschmiede), des Abrichters (der das Sensenblatt ausrichtet), des Abschinners (der die Eisenschienen stückelt) und dergleichen, dass man nicht glücklicher sein könnte, als wenn man die Messner-Kappe, das sei die Kappe des Teufels, trage.

Stift Göss
Eingangsportal zur Stiftskirche Göß (Steiermark)

Er erzählte, dass er sie früher einmal gehabt habe. Sie wäre leicht zu bekommen. Man dürfe von den Füßen bis zum Kopf sonst nichts als ein weißes Gewand anziehen. Die Nähte müssten aber alle außen gemacht werden. Dieses Gewand müsste man dann in der Christnacht anziehen und damit zur Messe in die Kirche gehen. Es brauche sonst nichts. Sobald man in diesem Aufzug in die Kirche komme, sehe man schon den Teufel in Gestalt eines Jägers mit seiner Kappe auf dem Kopf vorne unter dem Hochaltar knien. Hinter diesem müsse man niederknien. Und nachdem während der Messe alle Hexen zum Opfer gehen müssten, könne man dadurch alle, die Hexen seien, kennen lernen. Andere Leute sehe man nicht. Dann müsse man auf den Teufel acht geben. Sobald sie zum "Sanctus" läuten, nehme er seine Kappe vom Kopf und lege es neben sich. Da würde man auch sehen, dass er Hörner am Kopf habe. Sobald er nun die Kappe neben sich gelegt habe, müsse man sie erwischen und damit bei der Kirche hinauszukommen versuchen, bevor die Wandlung vorbei sei, weil der Teufel nicht hinaus dürfe, bevor die Wandlung vorbei sei. Dann müsse der Teufel nachkommen und verraten, wozu alles die Kappe zu gebrauchen sei. Dies habe er, der Schneiderbauernbub, auch einst gemacht, und die Kappe auch tatsächlich bekommen. Damit hat er sich in ein Haus begeben. Der Teufel sei auch gleich, und zwar geschwinder, als er glaubte, dass die Wandlung vorüber gewesen sei, nachgekommen. Er habe ihm zum Fenster hinein gesagt, wozu sie zu gebrauchen sei. Er habe aber nichts davon verstanden und nichts anderes gesehen, als dass sie verschiedene Farben hätte und weil er somit die Kappe nicht zu verwenden wusste, habe er sie seiner Mutter gegeben. Die Mutter aber habe sie einem Sensenmann verkauft und dieser sei dadurch sehr reich geworden.

Dies alles habe ich mir gemerkt und gedacht, dass ich es auch versuche, weil die Möglichkeit, es zu bekommen, so einfach ist. Ich ließ mir also 14 Tage oder 3 Wochen vor Weihnachten beim Schneider Prugger in Göß so eine Bekleidung machen, und zwar ganz nach meinen Vorstellungen, ein Hemd, eine lange weiße Kutte, wie sie die Kreuzzieher*) haben, und eine Kapuze, dann Hosen und Strümpfe in einem Stück gemacht, und schließlich einen leinernen Schuh, bei dem die Nähte außen waren. Zwar fragte mich der Schneider, warum die Nähte außen sein sollen, ich aber habe ihm gesagt, dass ich in eine Höhle kriechen wolle und auf diese Art das verborgene Erz leichter sehen könne. Wie ich nun das Gewandt hatte, so wartete ich schon gespannt auf den Christtag. Am Sonntag vorher am Nachmittag meldete ich mich beim Graber in der Stadtpfarre, ob ich nicht am Donnerstag in der Nacht bei ihnen drüben bleiben dürfe, damit ich in der Nacht die Metten nicht versäume. Der Graber erkannte mich gleich als den Sensenschmied-Sohn von Göß und erlaubte mir daher zu kommen. Ich kam also am Donnerstag in der Christnacht um 9 Uhr zum Graber und trug in einem Binkerl das weiße Gewand unter der Achsel. Die Frau Graber hatte sich niedergelegt, seine zwei Söhne, die Dummköpfe, waren zuhause, der Graber aber nicht. Wie sie das erste Mal zur Mette geläutet haben, dachte ich, jetzt ist es Zeit zu gehen und einer der Söhne leuchtete mir die Stiege hinunter. Unten sagte ich, er solle mir das Haus offen lassen, weil ich während der Mitternachtsmette hinausgehen würde. Er fragte, was ich denn da machen würde und ich sagte, dass ich jetzt dieses Gewandt, das ich bei mir habe, anziehen würde und dann versuchen würde, die Kappe des Teufels zu bekommen. Er versprach mir offen zu lassen. Ich ging also in die Kirche, als noch kaum 5 oder 6 Personen drinnen waren.

Fresko Stift Göss
Fresko im Stift Göß

Der Mesner sah mich zuerst und schoss gleich auf die Seite. Ich ging nach vor zum Hochaltar und kniete dort auf der rechten Seite neben dem Stuhl nieder. Dann nach einer Zeit hielten sie vor der Mette die Vigil, oder wie das heißt. Der Geistliche, Herr Stanzinger, kniete gleich daneben im Stuhl. Ich kniete dort durch die ganze Vigil und durch das ganze Amt und betete zuweilen etwas, soviel mir die Kälte zuließ. Ich sah aber von Anfang bis zum Ende weder Hexen**) noch Teufel mit einer Mesner-Kappe."

*) An anderer Stelle wird dieses "Kreuzziehergewand" auch "Peitscher- oder "Büßer"-Gewand genannt. Es handelt sich also um eine besondere Kleidung von Teilnehmern an den kirchlichen Festlichkeiten der Karwoche, vielleicht auch um die Tracht wandernder Büßer. Die in der Beichte auferlegte Verpflichtung, zur Sühne einer Schuld ein Kreuz an einen Wallfahrtort zu tragen oder zu ziehen, lässt sich in der Steiermark öfters nachweisen. Das Kreuzziehergewand war den Teilnehmern an der Mette so bekannt, dass ihnen die kniende Büßergestalt nach dem Zeugnis des Stadtpfarrers gar nicht auffiel.

**) Die Vorstellung, dass die Hexen in die Kirche gehen, und dass man sie durch gewisse Vorkehrungen sichtbar machen könne, ist in der steirischen Volkssage weit verbreitet. Man muss sich auf einen Schemel setzen, der in einer bestimmten Zeit aus verschiedenen Arten Holz gemacht worden ist; dann kann man in der Weihnachtsmette oder beim Hochamt am Pfingstsonntag die Hexen erkennen.

Die Vorstellung von der glückbringenden Wirkung der Teufelskappe und der Art ihrer Eroberung findet sich auch sonst, so z.B. in Franken. Es mag auch an die (mir aus Steiermark bekannte) Redensart erinnert werden, wenn man einen verlegten Gegenstand nicht findet: "Da hat der Teufel seine Kappe darauf gelegt". Den in der Volkssage vielfach vertretenen und hier wiederkehrenden Zug, dass sich der Teufel in kindischer Weise übertölpeln lässt (die Vorstellung vom dummen Teufel), hat die Teufelsvorstellung von den tölpischen Riesen der deutschen Mythologie übe
rnommen.

 

72. UNVERWUNDBAR MACHEN DURCH DEN "KALMANISEGEN"

St. L. A. Sond.-Arch. Donnersbach, Schub. 67 (Gericht, Kriminalprozesse), 1795.
Verleumdungsprozess des Jägers Peter Leitner gegen den Bauernsohn Andreas Steiner vor dem Landgericht Donnersbach.
(Peter Leitner, der ob seiner Strenge bei den Bauern gefürchtete Herrschaftsjäger von Donnersbach, ist von Andreas Steiner insgemein Riezensohn angezeigt worden, dass er auf Steiner, den er beim Wildern ertappte, ohne Anlass geschossen, ihn getroffen, aber nicht verletzt habe, weil die Kugel nur die Kleidung durchschlug, ohne tiefer einzudringen. Peter Leitner beantwortet diese Anzeige mit einer Verleumdungsklage).
Aus dem Verhör des Andreas Steiner vom 5. Februar 1795:
Antwort auf die Frage, wieso es komme, dass die Kugel trotz des aus einer Entfernung von 30 bis 40 Schritten abgefeuerten Schusses nicht eingedrungen sei:

Andreas Steiner: "Ich habe mir aus dem "Kolomanisegen", den der alte Ertleitner hat, einige Gebete gemerkt. Diese habe ich gebetet und ich glaube, dass ich durch die Kraft dieses Gebetes gerettet worden bin."
Richter: "Wenn Du dir diese Gebete auswendig gemerkt hast, dann sag sie hier und jetzt. Wie gehen die Gebete?"
Andreas Steiner: "Christi Kreuz, steh mir bei. Christi Kreuz bete ich allezeit an. Chrsiti Kreuz, besiege für mich Feuer und Wasser. Christi Kreuz, besiege für mich alle Waffen und Feinde. Christi Kreuz ist für mich ein vollkommenes Zeichen meiner armen Seele. Christi Kreuz ist für mich Seele und Leib für alle Tage meines Lebens. Und so bitte ich im Namen Gott des Vaters, Gott des Sohnes und Gott des Heiligen Geistes. Christi Kreuz eröffne für mich die Glückseligkeit. Christi Kreuz vertreibe mir alles Schlechte. Christi Kreuz steh mir bei. Kreuz hinter mir, Kreuz vor mir, Kreuz überall um mich herum. Vor allen meinen Feinden, sichtbar oder unsichtbar. Sie sollen vor mir fliehen, wenn sie mich sehen oder hören. Dazu helfe mir Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist."

Jagdszene
Jagdszene

Richter: "Aus dieser deiner Aussage ist klar zu erkennen, dass du dieses Gericht belügst und deine Zuflucht im Aberglauben finden willst. Denn obwohl diese Gebete in sich selbst, wenn man sie ohne Aberglauben mit wahrer Andacht betet, ganz gut sind, so ist doch der damit verbundene Aberglaube höchst sündhaft, und es ist von der Kirche und von den Gestzen längst erkannt, dass diese Gebete in derlei Fällen keinen Nutzen haben und dich niemals unverwundbar und unverletzbar machen könnten. Ich ermahne dich also, dass du die reine Wahrheit bekennen und nicht durch boshaftes Leugnen deine Strafe vergrößern sollst."
Andreas Steiner: "Was würde dann helfen, wenn das Beten nicht helfen soll. Es ist die reine Wahrheit. Ich kann es nicht anders sagen."

 

73. HEILZAUBER

St. L. A. Hdschr. Nr. 1484. Um 1850. Fraisenbrief aus der Gegend von Trieben.

"Fraisen-Brief.
Wenn ein Kind oder ein alter Mensch die Fraisen (Krampfanfall) hat.
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen. Das wolle Gott der Herr Jesus Christus heute an diesem Tag, dass ich alle siebenundsiebzig Fraisen töten möge. Ich töte sie durch Gottes große Macht. Ich töte durch den heiligen Namen Jesu Christi alle 70 Fraisen, reißende Fraisen, rote Fraisen, abdörrende Fraisen, zitternde Fraisen, kalte Fraisen, schreienden Fraisen, fallende Fraisen, abbrennende Fraisen, spreitzende Fraisen, stille Fraisen, wütende Fraisen, geschwollene Fraisen, gestoßene Fraisen.
Ich wende es dir N.N. zum Guten durch Gott den Herrn Jesu Christi und durch seine heiligen fünf Wunden. Ich wenden es Dir zum Guten durch das heilige Sakrament, Ich wende es Dir N.N. zum Guten durch sein heiliges Evangelium. Ich wende es Dir N.N. zum Guten durch seine heiligen Pforten des Himmels aus der Gnade Gottes geschaffen, durch den lieben Namen Jesu Christi, dass ich auch verbiete alle siebenundsiebzig Fraisen. Ich wende es Dir N.N. zum Guten über alle Berge und Täler, und durch alle fließenden Wasser hinab, auf dass der Leib ruhen und rasten mag bis auf den jüngsten Tag, an dem unser lieber Herr Jesu Christi kommen wird und auferwecken die Lebendigen und die Toten. Durch seine Verdienste, weil er sein Haupt geneigt und sich seinem himmlischen Vater ergeben hat, helfe Dir N.N. Gott der Vater, der dich erschaffen hat, und Gott der Sohn, der dich erlöst hat und Gott, der heilige Geist, der dich in der heiligen Taufe geheiligt hat, Amen.

Jesus, Maria, Josef mein,
lasst mich euer Pflegekind sein,
ewig ganz euer sein will ich,
ganz eigen euch befehl ich mich,
Jesus, Maria, Josef.

Ihr wisst, dass ich ganz für euch da,
nicht kommt ihr aus mein Herz noch Sinn,
bewahret wohl, was euer ist,
dass nicht entführt des Teufels List,
Jesus, Maria, Josef.

Ihr seid mein Trost und Zuversicht,
in allem, was mir auch immer geschieht,
darum ich euch demütig bitt,
Im Leben und Tod verlasst mich nicht.
Jesus, Maria, Josef.

Ohne euch ich nichts fang an,
ohne euch ich nichts verbergen kann,
steht mir bei in jedem Werk,
mit eurer Güte, Weisheit, Stärk.
Jesus, Maria, Josef

Fraisenmittel
Mittel gegen die Fraisen im Schlossmuseum in Freistadt

O, mir liebste und letzte Wort,
schließt mir auf die Himmelspfort,
weil ich nur euch eigen bin,
zu euch in Himmel nehmt mich hin.
Jesus, Maria, Josef.

Verzeihung meiner Sünden erwerbt,
dass ich in Gottes Gnaden sterb,
in eure Hand befehl ich mich,
euch lob ich Gott ewiglich.
Jesus, Maria, Josef.

Für allezeit sind gebenedeit,
ihr meine drei herzliebste seid,
der heiligsten Dreifaltigkeit sei Dank, Ehre, Preis in Ewigkeit.
Jesus, Maria, Josef.

So soll man den Brief über den kranken Menschen, der die Fraisen hat, dreimal lesen und man nennt den Namen, wo das N.N. steht. Danach soll man diesen Brief dem kranken Menschen auf die Brust legen, bis es endet zum Leben oder zum Sterben. Und die Leute, die bei dem Menschen sind, sollen niederknien und 7 Vater-Unser und Ave-Maria und ein Glaubensbekenntnis mit Andacht beten zu Ehren des bitteren Leidens und Sterbens unseres lieben Herrn Jesu Christi, damit ihn Gott von seinem Leiden befreie, sei es zum Leben oder zum Sterben, O Jesu, Amen."

Kaum ein Krankheitszustand hat so reiche volksmedizinische und abergläubische Abwehrmittel ausgelöst, wie die Fraisen.

 


Anmerkungen
Beim vorliegenden Text handelt es sich um die Überarbeitung eines Teiles des Buches 
„Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer (mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse 1455 bis 1850)“ von Fritz Byloff . Walter de Gruyter & Co., Berlin und Leipzig 1929.
Die Überarbeitung durch Siegfried Kramer hatte das Ziel, den Text leichter lesbar zu machen, da die Prozess-Protokolle im Original überwiegend in früh-neuhochdeutscher Sprache abgefasst sind. 
Den Historikern Bernhard Reismann und Walter Steinmetz sei für ihre Unterstützung und Korrektur gedankt.

Graz 2012


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