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Prozess gegen Dionys und seine Helferin wegen Zauberei und Wettermacherei

 

"Am 29 Juli 1602 ist beim hochwürdigen Gotteshaus St. Lambrecht, bei der Landgerichtshoheit für das fürstliche Banngericht in der Steiermark
durch den edlen und festen Ludwig Wurm, Hofrichter,
im Beisein der ehrenhaften, weisen und vornehmen Beisitzer Niklas Hilberg, Marktrichter, Caspar Offner und Albrecht Rainer, beide Ratsbürger in St. Lambrecht, ein Verbrecher mit Namen

Dionys,

aus Altenhofen stammend und einiges über 40 Jahre alt,
zum Verhör ohne Folter vorgeführt worden.

Er ist allerdings bei seiner ersten Aussage, die er noch am 9. November 1601 mit und ohne Folter gemacht hat und wie es hier noch zu vernehmen ist, geblieben.

Tür im Altarraum der Pfarrkirche von Teufenbach

 

Verhör unter Anwendung der Folter

Unter Folter hat dieser Dionys noch mehr gestanden und ausgesagt.

Zuerst sagt er, dass er mit einer mit Namen Bärbl zusammen gewesen sei, die mit ihm herumgezogen sei, und ihm geholfen habe Wetter zu machen. An die 4-mal oder öfter sei es geschehen, wie sie in Unzmarkt und anderen Orten waren und dass einer mit einer Stelzen dabei gewesen sei.

Er sei auch zusammen mit der Bärbl und ihrer Tochter einmal im Sommer zur Zeit der Kornernte auf einem struppigem Pferd  in der Größe eines Widders von Knittelfeld bis nach Teufenbach geritten und sie hätten ein Wetter gemacht, das habe Hagelkörner so groß wie Erbsen und Rollgerste geworfen. Danach habe er wiederum mit der Bärbel drei Wetter gemacht, eines mit Erbsengröße, von Frauenburg bis nach Neumarkt, das andere in der Gegend von Reichenfels und in der Gegend von St. Leonhard, so groß wie Bohnen. Das dritte Wetter bei dieser Gelegenheit war auch so groß wie Bohnen.
Er habe  der Bärbl einen Zettel, den er von einer Bäurin bekommen habe, im Brot zu essen gegeben, mit der Wirkung, dass ein Schloss, wenn sie es angreift, vor ihr aufgehen müsse. Das sei auch ausprobiert worden.

Bei Obdach sei ein Bauer mit dem Namen Primus Tartman. Der habe ihm 20 Kreuzer gegeben. Auch Brot, Käse und Schmalz, damit das Wetter bei ihm keinen Schaden anrichte. Er soll aber niemand sagen, dass er dafür einen Lohn bekommen habe.
Dem Anderl am Berg und dem Primus auf dem Rössl habe er auch ein Wetter gemacht. Das sei in Richtung Wolfsberg gezogen und der Schauer sei erbsengroß gewesen.
Unterhalb von Wolfsberg habe er auf einem Friedhof Gebeine von Toten ausgegraben und der Bärbl gegeben.
Vor drei Jahren habe er am Vormittag bei Obdach im Wald einen Mann mit dem Namen Peter, einen Schneider aus Wolfsberg, erschlagen und 2 Gulden und 10 Kreuzer bei ihm gefunden. Die habe er genommen. Den Mann habe er liegen gelassen und er sei davongegangen.

Vor 10 Jahren habe er auch einen Bauern geschlagen. Der sei aber nicht gestorben.

 

Urteil

Dieser Dionys ist durch die Herrn Rechtssprecher und Beisitzer einstimmig zum Tod verurteilt worden. Wegen des begangenen Mordes hätte er zwar durch Rädern hingerichtet werden sollen, doch ist ihm dies aus Barmherzigkeit erlassen worden. Aus Milde ist entschieden worden, ihn lebendig zu Staub und Asche zu verbrennen."

Geschehen in St. Lambrecht, am 5. August 1602
Georg Schaller
Bannrichter in der Steiermark

 

Seitenaltar in der Pfarrkirche von Teufenbach

 


 

 

Am 31. Juli 1602

"ist bei der Landgerichts-Hoheit des hochwürdigen Gotteshauses St. Lambrecht für das fürstliche steirische Banngericht, vertreten durch den edlen und festen Ludwig Wurm, dortiger Hofrichter,
im Beisein der ehrrbaren, weisen und vornehmen Beisitzer Niclas Hilberg, Marktrichter, Hans Mugg, Valtan Seitlinger, Sebalt Rainer, Valentin Hilberg, Caspar Offner und Albrecht Rainer, alle Ratsbürger in St. Lambrecht,


eine weibliche Person, ein junges Mädchen, das Kind des Thomas Schuster aus Teufenbach und seiner Frau Bärbl, zwischen 10 und 12 Jahre alt,

zum Verhör ohne Folter vorgeführt worden.

 

Pfarrkirche von Teufenbach

Zuerst sagt und gesteht sie, sie habe in Teufenbach beim Veit Steinburger gewohnt. Ihre Mutter sei an der schwarzen Bräune erkrankt, und deshalb sei sie wegen eines Schnitter-Lohns von 7 Kreuzer gegangen. Dabei sei sie verhaftet worden.
Sie sagt, einmal seien sie und ihre Mutter von Schrättenberg aufwärts gegangen. Da sei ein Männlein gewesen, mit einem schwarzem Kleid und ca. 45  cm groß. Sie hätten ihn nicht gekannt. Er sei in Scheifling daheim. Dieser habe 3 Rosse gebracht. Das eine sei wie ein Hirsch gewesen, die anderen beiden nicht. So wäre die Mutter auf einem gesessen und das Mandl auf einem und sie seien nach Steinberg zum Stadlmaier geritten. Die Rosse hätten Klauen wie Hirsche gehabt, aber weder Sattel noch Zaumzeug. Die Mutter hätte sie bei den Hörnern gehalten. Das dritte Rössl sei klein gewesen und nachgelaufen. Sie selbst sei zu Fuß nachgegangen. Das sei vergangenen Sommer an einem Samstag geschehen.
Sie sagt, dass ihre Mutter vor einem Jahr 5-mal geritten sei und sie sei auch 3-mal aufgesessen. Die Rosse seien teils grau und teils schwarz gewesen und so groß wie Wölfe. Wenn sie also zu einem Ort wie Judenburg, Knittelfeld oder sonst wohin gehen wollten, dann seien sie aufgesessen und geritten. Zum Schluss habe man  diese Tiere in den Wald laufen lassen.
Sie sagt, ihre Mutter hätte im Sommer vor 3 Jahren in Neumarkt beim Pichlmayr ein Wetter gemacht, das habe stark gedonnert und geregnet.

Vor einem Jahr habe ihre Mutter über dem Pusterwald ein Wetter geführt. Sie seien zusammen, sie selbst in Mutters Schoß, auf einer Ofenschüssel (eine Art Holzschaufel zum Brotbacken) gesessen und fort gefahren und sie hätten Hagelkörner so groß wie Haselnüsse geworfen.
Wenn die Mutter habe fahren wollen, dann habe sie in eine Büchse, die sie stets bei sich getragen habe, gegriffen und eine Salbe herausgenommen und die Ofenschüssel eingesalbt und dann sei sie im Wetter davongeflogen.
ätte im Sommer vor 2 Jahren auf Wunsch eines Bauern aus der Nähe von Obdach auf einem Berg, sie wisse nicht, wie er heißt, ein Wetter geführt mit Schlossen so groß wie Haselnüsse. Bei diesem Bauern habe es keinen Schaden angerichtet, bei den andern Bauern aber schon. Dieser Bauer habe der Mutter ein Schaffl Roggen, einen Zentner Fleisch, 1 Pfund Schmalz und einen Gulden Geld gegeben. Das Mädchen habe bei den Bauern kleine Schweine gehütet.

Auch habe ihre Mutter am Ascher-Mittwoch Schnee gemacht.
Ebenso sei ihre Mutter von Katsch nach Pux gegangen und habe dort in einer unbewohnten Keuschen einen starken Regen und Schnee gemacht.
Im Fasching habe sie über dem Schönberg auch Schnee gemacht.
Sie sagt: Vor einem Jahr habe sie in Judenburg auf dem Friedhof einen großen Knochen von einem Toten genommen (dabei habe sie dem Mädchen verboten, irgendjemand zu sagen, dass sie das genommen habe) und diesen zu Pulver zerstoßen, zur Zauberei benutzt und in einem Häferl gesotten.
Und wenn sich einer die Haare abschneiden hat lassen, dann hat sie das Haar zu Pulver verbrannt und in das Häferl gegeben. Die Salben trägt sie stets bei sich. Und auch, wenn ein Schwein abgestochen worden ist, habe sie geschaut, dass sie die Sauborsten bekomme. Diese habe sie dann kreuzweise gelegt, getrocknet und zur Salbe verwendet.
Die Mutter trägt einen weißen Hut, einen lodenen Männerrock und einen Kittel aus Leinen.

Grabstein in der Pfarrkirche von Teufenbach

Sie sagt, dass sie einmal auf ein zottertes Ross aufgesessen sei und ohne Sattel von Unzmarkt durch den Wald über die Berge nach Judenburg geritten sei. Sie sagt, sie sei auf  der Ofenschüssel im Schoß ihrer Mutter in Pusterwald so hoch gefahren, dass man sie nicht mehrhabe sehen sehen konnen. Sie habe sich zwar gefürchtet, aber die Mutter habe sie fest gehalten. Die Mutter sei oft gefahren.
Sie sagt, Ihre Mutter habe einen Kristall gehabt, den sie aber verloren habe. In dem habe sie sehen können, wie sie Wetter machen könne. War man bei einem Haus lieb und nett und habe ihr etwas gegeben, dann habe sie denselben gesagt, sie sollten am Oster-Montag ein weißes Brot auf den Scheiterhaufen legen und ein ganzes Jahr liegen lassen und dann den Hennen etwas davon zu essen geben. Diesen Leute könne kein Wetter schaden.
Alle Zauberei habe ihre Mutter vom Dionys gelernt, der zuvor freigelassen worden ist. Er hab ihr oft ein Papierl zum Essen gegeben. Wenn sie ein Schloss angreife, dann m üsse es aufgehen. Sie habe das selbst 2 Mal gesehen. Auch einmal in einer Kammer, da sei die Truhe aufgegangen und darinnen seien 2 Gulden gewesen. Die hat sie mitgenommen.

Das andere Mal in Frojach beim Walter Krall habe sie eine Truhe in einer Kammer aufgemacht. Sie habe aber nur Gewand gefunden, aber nichts davon mitgenommen.
Der Dionys sei zur Zeit der Getreide-Ernte auf einem struppigemm Pferd, das ausssah wie ein Widder, und die Mutter und sie seien ebenfalls auf einem zotteten Ross unterhalb von Knittelfeld miteinander nach Teufenbach geritten.
Ihre Mutter gebe sich  oft als Näherin aus. Das sei nicht wahr.  Sie stehle alles und betrüge nur die Bauern.
Der Dionys sei oft bei ihr gewesen.
Dienstag, Donnerstag und Samstag abends sind ihre Mutter und der Dionys auf die Weide gegangen. Sie haben miteinander geredet und er habe ihr einen Knochen von einem Toten gegeben und gesagt, sie soll es zu Staub zersto ßen und eine Salbe machen zum Ausfahren. Dazu soll sie faules Holz nehmen, das in der Nacht leuchtet, Menschenhaar, Sauborsten, Brunnenwasser, ein wenig Mehl, Schmalz und eine Hostie. Wenn sie zum heiligen Sakrament gehe, dann soll sie es wieder aus dem Mund nehmen. Das habe sie 2 Mal gemacht.
Wenn man ihrer Mutter gut gesinnt sei, dann mache sie kein Wetter.
Der Dionys sei 3-mal bei ihrer Mutter gelegen.
Zu Hinterpuchl im Stadl seien 2 Knechte bei ihr gelegen. Einmal auch ein windischer Kramer, von dem sie ein Paar seidene Zöpfe bekommen habe.

Ihre Mutter habe 2 Liebhaber, die oft bei ihr gelegen seien. Die hießen Kölbl und Fingerl.
Ihre Mutter habe 6 Frauen das Fliegen beigebracht:
In Oberwölz die Ändl und die Bärbl,
in Pusterwald eine, die Kundl,
in Brettstein eine, die  List,
bei Zeiring die Martl
und bei den Rottenmanner Tauern die Schuster.
Ihre Mutter habe zusammen mit diesen Frauen oft im Pargasser Wald mit dem bösen Feind getanzt. Und immer sind 2 zotterter Rosse daneben gestanden.
In Unzmarkt ist der Dionysl oft bei der Frau Mayr gelegen.
"

 

Grabstein an der Pfarrkirche von Teufenbach

 

 

Urteil

Bezüglich dieser Greschl ist einstimmig von den Herrn Rechtssprechern wegen ihrer Jugend und im Besonderen, weil sie nichts Übles begangen hat, entschieden worden, dass sie nach Möglichkeit in ein Frauen- oder  Nonnenkloster gebracht werden soll. Bis dies durchgeführt wird, soll sie inzwischen in das Kloster St. Lambrecht kommen, wo ihr der Herr Abt entsprechende Arbeit, die sie verrichten kann, anordnen soll, damit sie ihrer bösartigen Mutter nicht wieder in die Hände kommt und sie dann noch ärger und schlimmer wird als ihre Mutter. Sie möge also so erzogen werden, dass sie allzeit gottesfürchtig lebe.

Geschehen in St. Lambrecht, am 5. August 1602 
Georg Schaller, Bannrichter in der Steiermark

 

 

 


Anmerkung:
Dieses Protokoll aus dem 17. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu in unsere heutige Sprache übertragen.
Dank an Bernhard Reismann für die Korrektur.

Das handschriftliche Prozessprotokoll in Druckbuchstaben übertragen findet man in den Steiermärkischen Geschichtsblättern aus dem Jahr 1882 (S.129ff).
Graz 2011


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