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Fragenliste für Hexenprozesse

von Dr. Thomas Welz (1680)

 

1. Welchen Namen der Untersuchte hätte, Alter und Stand?

2. Ob der Untersuchte verheiratet sei und wieviele Kinder er habe?

3. Ob er glaube, dass Christus für ihn gestorben sei und auch, dass er durch die Taufe in seinen Gnadenbund aufgenommen worden ist?

4. Ob er wisse, dass derjenige, der Gott verlässt und sich dem Teufel ergibt, sich den Himmel verscherze und wenn er sich nicht bessere, dem Satan mit Leib und Seel zu ewiger Qual übergeben werde?

5. Ob sich nicht der Untersuchte dessen ungeachtet auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen habe und Hexerei betrieben hätte?

6. Wodurch sich der Untersuchte zu so einer Abkehr habe bringen lassen?

7. Wie lange er nun in diesem Zauberleben stecke?

gerichtsverhandlung
"Gerichtsverhandlung" - gedruckt zu Straßburg 1530

8. Ob er sich nicht dem Teufel mit Leib und Seele ergeben?

9. Ob das schriftlich oder mündlich geschehen?

10. Ob er dabei nicht Gott und allen Heiligen abgeschworen?

11. Wo diese Vereinbarung geschehen sei?

12. Ob das bei Tag oder in der Nacht geschehen sei? Und woher er Tinte und Feder genommen habe?

13. Ob er nicht Gott und allen Heiligen abgesagt und dabei die Taufe aufgekündigt habe?

14. Ob er sich nie mit dem Teufel vereinigt und Unzucht mit ihm getrieben habe und wie oft in der Woche?

15. Wie der Teufel geheißen habe?

16. Ob er demselben nicht versprochen habe, sich immer zu den Hexentänzen und Hexenversammlungen einzufinden?

17. Ob sie weiters nicht versprochen habe, allen Fleiß anzuwenden, weitere Personen zu verführen und in die Abhängigkeit des Teufels zu bringen?

18. Wer die Untersuchten immer zum Tanzplatz geführt hat. 

19. Ob ihm der Teufel nicht eine Salbe gegeben habe, damit er sich damit einschmiere? Und Wie oft? Auch wo sich diese Salbe befinde?

20. Wie oft der Untersuchte in der Woche ausgefahren sei?

21. Ob er sicher wisse, dass er ausgefahren sei?

22. Zu welchen Orten sie gefahren seien? Er soll diese nennen?

23. Zu welcher Zeit die Ausfahrt geschehen sei?

Peinliche Gerichtsordnung
Faksimile des Titels von Kaiser Karl V. peinlicher Gerichtsordnung

24. Was der Untersuchte auf den Tanzplätzen gesehen habe?

25. Ob nicht ein Teufel anwesend gewesen sei, den sie hätten ehren müsse?

26. Wie lange der Tanz gedauert habe?

27. Was bei diesem Tanz an weiteren Zeremonien stattgefunden habe?

28. Ob Essen und Trinken vorhanden gewesen sei?

29. Wieviele Musikanten dort gewesen seien? Wie sie geheißen hätten?

30. Wieviele Personen bei diesen Zusammenkünften gewesen seien und wen er davon gekannt habe?

31. Ob der Untersuchte die geweihte Hostie nie dorthin getragen hat? Und wer das gleiche sonst noch getan hat?

32. Was sie dann mit der geweihten Hostie getan hätten?

33. Wen sie von den anwesenden Personen kenne und wie sie heißen?

34. Was ihnen bei diesen Zusammenkünften der Teufel zu tun befohlen hat?

35. Ob der Untersuchte bei diesen Tanz-Zusammenkünften auch mitgeholfen hat, Wetter zu machen? Und wieviele?

36. Auf welche Weise sie das gemacht hätten?

37. Ob alle Schaden angerichtet hätten und wer?

38. Was die übrigen davon abgehalten habe?

39. Wieviele Wetter der Untersuchte außerhalb des Tanzens gemacht habe?

40. Ob er sich nicht unterstanden habe, den Plan auszuführen, Obst und Wein zu verderben und so den Menschen Schaden zuzufügen?

41. Ob er sich nicht unterstanden habe, hier und dort Luft, Wasser und Weideland zu vergiften und durch welche Mittel das geschehen sei?

42. Wer ihm außer bei den Tänzen bei solchen und dergleichen Schandtaten geholfen habe?

43. Ob sie nicht versucht habe, Menschen und Vieh auf zauberische Weise zu schädigen oder gar zu töten?

44. Womit sie es gemacht hätten?

45. Welche Pulver und Salben der Untersuchte dazu verwendet habe?

46. Woraus es gemacht sei? Und wer es ihm gegeben habe?

47. Welchen Menschen der Untersuchte durch solche Zauberei Schaden zugefügt habe?

Totentanz
Totentanz von Hans Holbein

48. Wieviel Vieh er verhext habe?

49. Ob er diese grauenvollen Dinge nie gebeichtet habe?

50. Ob der Untersuchte bei den vorher erwähnten Hexentänzen nie getaufte Kinder in Teufels Namen umgetauft habe?

51. Ob der Untersuchte nie mit anderen seinesgleichen bei den Leuten zu ihren Kellern, Scheunen und anderswohin gefahren sei und dabei Wein und anderes weggetragen habe?

52. Wann und bei wem das geschehen sei?

53. Wen der Untersuchte zu dieser Hexerei verleitet habe und auf welche Weise?

54. Ob er seine Kinder nicht selbst umgetauft, dem Teufel aufgeopfert und verschrieben habe?

55. Ob dem Untersuchten nicht umgekehrt vom Teufel alle Freuden dieser Welt versprochen wurden?

56. Ob er dem Untersuchten nicht weiters zugesagt hat, ihn vor jedermann zu beschützen und zu verteidigen?

57. Ob der Teufel sein Versprechen auch je gehalten hat? Oder ob der Untersuchte sich eingebildet hat, dass der Teufel es halten könne?

58. Welches das Mal sei, mit dem der Teufel den Untersuchten gezeichnet hat?

59. Ob dieses Zeichen sich bei allen anderen Hexen an der gleichen Stelle und in gleicher Form befinde?

60. Ob den Untersuchten nicht vorhergesagt worden sei, dass dieser Prozess gegen sie stattfinden werde?

61. Ob der Teufel nicht gesagt habe, dass man den Untersuchten gefangen nehmen werde? Und dabei versprochen habe, ihm wieder heraus zu helfen?

62. Ob in der Zeit der Gefangenschaft der Teufel nie zum Untersuchten gekommen sei, und ihm gedroht habe, alles abzuleugnen?

63. Ob der Untersuchte je wegen der begangenen Laster Reue geübt habe? Und warum er sich nicht wieder befreit habe?

64. Ob ihn aber dies jetzt reue und ob er Gott um Vergebung seiner Sünden bitte?

Hinrichtungsstätte
Richtstätte mit Galgen und Rad um 1500 (Hans Burgkmair und Kunstgenossen)

65. Ob er glaube, dass ihm diese nicht vergeben werden? Ob er alle seine Untaten gestehe ohne Untaten unterzumischen und böserweise seine Taten zu verschweigen?

66. Was er glaubt, dadurch verdient zu haben?


Anmerkung:

Dieses sogenannte Interrogatorium vom Juni 1680 stammt von Dr. Thomas Welz und befindet sich im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien und wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu mit Unterstützung von Dr. Bernhard Reismann (dem ich für die Korrektur herzlich danke) in unsere heutige Sprache übertragen.

Den vorliegenden Text finden Sie im Original in der Arbeit "Der Teufel und die Hexen müssen aus dem Land" , über frühneuzeitliche Hexenverfolgung in Liechtenstein, von Manfred Tschaikner: http://www.eliechtensteinensia.li/JBHV/1998/96/Der_Teufel_und_die_Hexen_muessen_aus_dem_Land.pdf

 

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