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Auszug aus dem Protokoll des kaiserlichen Banngerichts


 

"in dem zu sehen ist, wie die in der Herrschaft Freyenthurn (Kärnten) am 4. Dezember 1694 hingerichteten Zauberinnen die gnädige Frau Gräfin mit ihren teuflischen Zaubereien vor einem Jahr ums Leben und unter die Erde und den gnädigen Herrn Grafen offensichtlich in einen sehr üblen Zustand gebracht haben.

 

Gera Gregoritsch

 

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Schloss Freyenthurn (Kärnten)

gesteht, dass sie eine Zauberin ist, mit einer Vielzahl von Eigenschaften dieses grausamen und höchst schädlichen Lasters des Zauberns, wie es der Prozess sehr ausführlich zeigt.
Auf die Frage, was die Ursache gewesen sei, dass weder die Doktoren noch die Medikamente der verstorbenen Frau Gräfin helfen hätten können, antwortet sie:
Sie und die nachfolgend angegebenen Komplizinnen, nämlich Anna Logkaiz, Bora Adleschitsch (Verwalterin), Nescha Schuschiz (die Frau des Anthans) und Cathra Valetko hätten es getan.
Auf nochmaliges Nachfragen, wie sie das gemacht hätten, antwortet sie:

Erstens hätten sie dem gnädigen Herrn Grafen auf Laubblätter von einem Nussbaum und der gnädigen Frau Gräfin auf Blätter vom Apfelbaum ihre teuflischen Salben hinaufgeschmiert und ins Bett gelegt.
Nachdem man aber diese Aussage nicht annahm und ihr vor warf zu lügen und dass noch etwas anderes dabei gewesen sein müsse, rückte sie erst mit der Wahrheit heraus und antwortete:

Dass sie nämlich mit der erwähnten Hexen-Vereinigung die Federn und Knochen von allerlei Geflügel, die Köpfe von Schlangen und giftigen Nattern und dergleichen Zauber-Dinge verwendet hätten, wie man sie auch, als der verstorbene Herr Pfarrer von Zirknitz dort war, im Bett des gnädigen Herrn Grafen und der Frau Gräfin gefunden hat und die dann später verbrannt worden sind.
Außerdem gesteht sie, dass die in ihrer Truhe gefundenen Dinge,die Haare vom Herrn Grafen und der Frau Gräfin, Hexensalben, Pulverln und dergleichen, lauter Hexerei-Utensilien gewesen seien, womit sie der gnädigen Herrschaft viel Übles zugefügt habe.
Das Wetter- und Hagel-Machen, die Herstellung von Salben, die Verunehrung des Allerheiligsten und die Kindertötung ist im Prozess ausführlicher beschrieben und dort zu finden.

 

 

Anna Sittiher


sonst Logkaiz oder Schneiders Frau genannt. Sie hat bezüglich des von den Zauberinnen verursachten Todes der Frau Gräfin und der jetzt noch immer schweren Krankheiten des gnädigen Herrn Grafen gestanden.

Zuerst bestätigt sie die Aussagen der oben genannte Gera Gregoritsch und auch, dass sie bewusst und absichtlich geholfen habe, die oben erwähnten schädlichen teuflischen Mixturen vorzubereiten, mit denen sie der gnädigen Herrschaft Schaden zugefügt haben.

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Schloss Freyenthurn

Sie bestätigt in gleicher Weise, dass die Cathra Valetko Nescha, die Frau des Anthans und die Bora, die alte Suppan, ihre Komplizinnen bei der Zauberei gewesen seien und Sie hat über nachfolgende schrecklichen Laster und Taten der Zauberei ausgesagt.

Erstens gesteht sie:
Nachdem der gnädige Herr Graf von Purgstall die Frau Gräfin geheiratet hat, habe die Frau Gräfin von Wazenberg sie (die Anna) durch ihr damaliges, damals ihr noch unbekanntes Zimmermädchen in ihrem Schloss in Mottling, zu essen und zu trinken gegeben und daneben auch bitten lassen, sie möge den oben erwähnten Herrn Grafen von Purgstall vergiften. Sie wolle ihr einen Kronen schenken, den die Frau Gräfin der Anna auch bald darauf geschickt hat.


Außerdem gesteht die Gefangene, später habe die Frau Gräfin von Wazenberg abermals durch die verstorbene Suppan aus dem Dorf Waiden, die auch eine Hexe war, ein vergiftetes Pulverl der verstorbenen Frau Gräfin heimlich eingegeben.

Als man aber die Anna nach der Ursache fragte, warum die Frau Gräfin von Wazenberg der verstorbenen Frau Gräfin von Purgstall so nach dem Leben getrachtet habe, gab sie die Antwort, dass der gnädige Herr Graf von Purgstall die Frau Gräfin von Wazenberg nicht habe heiraten wollen und weil sie den Grafen geliebt habe.

Außerdem gesteht sie, dass sie mit der Teufels-Salbe, die sie auf dem Berg
Klek gemacht und zum Fliegen verwendet habe, auch die Betten des gnädigen Herrn Grafen und der Frau Gräfin eingeschmiert habe und diese auch mit ihrem Urin besprengt habe.

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Schloss Freyenthurn

Auf weitere Nachfrage gesteht Anna, dass sie mit der verstorbenen Verwalterin von Weiden und anderen oben erwähnten Komplizinnen gegen den erstgeborenen jungen Herrn Grafen selig kleine Knochen, über die sie teuflische Worte gesprochen und verwendet hätten und bei der Kirche St. Nikolai, die in der Nähe von Schloss Freyenthurn steht, mit der Absicht eingegraben hätten, dass der gnädige Herr Graf oder die Frau Gräfin, wenn sie zum ersten Mal darübergingen, nicht nur krank werden sollen, sondern sogar sterben müssen.
Aber siehe, es sei als erstes ein schwarzes Wachtel-Huhn darüber gegangen, das dann bald darauf nicht nur erkrankt sondern sogar gestorben sei.

 

 


Kathra Valetko


Sie gesteht, dass sie eine Zauberin und eine Anführerin der oben beschriebenen Komplizinnen sei und, dass sie bereits 30 Jahre das Leben einer Zauberin führe.
Sie gesteht, dass sie auf dem Kreuzweg beim Berg Klek mit allen ihren Komplizinnen gegessen, getrunken und und getanzt habe und gesprungen sei, auch mit ihrem Liebsten, der Hansl geheißen habe und mit dem sie geschlafen habe, sooft sie zusammen gekommen seien. Und sie gesteht, wie sie Hagel gemacht hätten und wo sie damit überall Schaden angerichtet hätten.
Außerdem ist in dem Prozess auch ganz genau beschrieben, wann, wo und woraus sie diese Teufels-Salben gemacht hätten.
Sie gesteht frei und von sich aus vor, während und nach der Folter, dass sie mit folgenden Komplizinnen, nämlich Anna Lagkaiza, Gera Gregoritsch und Bora der alten Suppan, verschiedene Federn, Knochen, Teufelsschweif, Krallen, Ottern und Schlangen-Köpfen genommen hätten und  auch Haare des gnädigen Herrn Grafen und der Frau Gräfin, die die Gera dem gnädigen Herrn Grafen in der Nacht, während sie geschlafen haben, ohne bemerkt zu werden, ausgerupft habe. Diese Dinge hätten sie mit teuflischen Künsten zusammengemischt, beschwört und damit gezaubert.

Außerdem hätten sie mit den Teufelssalben ein Blatt von einem Nussbaum für den Herrn Grafen, für die Frau Gräfin aber auch ein Blatt von einem Apfelbaum angeschmiert. All diese Dinge hätten sie im Namen ihres jeweiligen Lieblings-Teufels beschworen, die Gera Gregoritsch, Cathra Valetko, Anna Logkaiz, Nescha Anthans und Bora, die alte Verwalterin, und dem gnädigen Herrn Grafen und der Frau Gräfin ins Bett gelegt. Sie sind dort auch vom verstorbenen Herrn Pfarrer von Zirknitz gefunden und dann verbrannt worden.
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Schloss Freyenthurn


Sie gesteht: Über die teuflischen Mixturen hätten sie die üblichen Sprüche gesprochen:
Nur dann, wenn dieser Schlangenkopf weiter beißen sollte, soll der Herr Graf gesund werden. Vorher aber nicht. Und nur dann, wenn diese Haare auf dem Kopf der Gräfin wachsen sollten, soll sie gesund werden und vom Bett aufstehen, vorher aber nicht.
Sie gesteht weiters, dass sie mit dem Hagel beim Schloss herum keinen Schaden hätten anrichten können, weil man fest  mit geweihtem Pulver dagegen geschossen habe.

Auf die Frage, warum und weswegen sie dieser so frommen Herrschaft so sehr nach dem Leben getrachtet hätten, antwortete sie, die Zauberinnen hätten die Bösen Geister deshalb so sehr angestiftet, die Herrschaft aus dem Weg zu räumen, weil diese die Hälfte der Herrschaft des Landgerichts Mattling übernommen hätten und dadurch sie (die Zauberinnen) mit der Zeit durch diese Herrschaft hingerichtet worden wären.


Sie sagt weiters aus, dass sich der Böse Feind, ihr liebster Hansl, des öfteren, besonders ihrer Person angenommen hätte. Und anstatt ihre Arbeit zuhause und auf dem Feld zu verrichten, sei sie (Cathra persönlich) sowohl auf den Berg Klek als auch in die Wolken geflogen. In der Nacht habe sie ein Bündel Stroh neben ihrem Mann ins Bett gelegt. Der arme Mann habe gemeint, dass seine Frau neben ihm liege, obwohl dort nur Stroh gelegen sei.



Agnes oder Nescha, die Frau des Anthans


gesteht, dass sie ebenfalls eine Zauberin sei und von den vorher genannten Komplizinnen vor eineinhalb oder zwei Jahren zum Leben als Zauberin verführt worden sei.   

Sie bestätigt in gleicher Weise wie die vorher Verhörten die Zusammentreffen beim Kreuzweg und auf dem Klek und sie bestätigt auch, andere abscheuliche Taten gleich wie die anderen Frauen begangen zu haben.
Bezüglich der Frau Gräfin aber sagt sie folgendes:
Sie gesteht, das die Komplizinnen Cathra Voletki, Anna Lokaiz, Bora, die alte Verwalterin und sie selbst ein weißes Pulver vorbereitet und zusammengemischt haben. Dieses Pulver haben sie durch das Zimmermädchen Gera zur herrschaftlichen Köchin ins Schloss und in die Küche gebracht, mit dem Auftrag, sie soll dieses Pulver heimlich der gnädigen Frau Gräfin in die Suppe geben. Was sie auch gemacht hat. Deswegen hat sie (Nescha) dem Herrn Grafen beim öffentlichen Banngericht wegen der begangenen Untaten um Verzeihung gebeten.


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Schloss Freyenthurn

Weiters haben diese Zauberinnen auf Befragen vieler Leute geantwortet, dass sie der böse Feind einmal in der Gestalt ihrer Komplizinnen, das andere Mal in einer anderen Gestalt aufgefordert hat, das zu leugnen und ihnen auch gedroht haben, ja nichts auszusagen oder zu gestehen, und dass sie von den bösen Geistern fortwährend dazu angetrieben worden seien, dieser frommen und gnädigen Herrschaft zu schaden und durch die Zauberei übel zuzusetzen. Das haben sie ohne irgendeinen Zwang, sondern ganz freiwillig öffentlich und oft ohne dazu gefragt worden zu sein, vor den dort tätigen Bediensteten ausgesagt und berichtet.
Sie haben auch auf andere Art und Weise dieser gnädigen Herrschaft Übles angetan und andere abscheuliche Handlungen durch Zauberei vollbracht. Weil aber solche beim kaiserlichen Bannrecht nicht alle vorkommen, sind sie nicht erwähnt worden. Etwa dieses, dass sich die Bora, die alte Suppan, bis zu ihrer letzten Stunde stumm gestellt hat und kein Wort sprechen noch gestehen wollte und dass sie durch die Gera eine mit Gift gemachte Pogatschen (eine Art Kuchen) über die Küche und die Köchin auf die herrschaftliche Tafel geschickt hat, wovon die Frau Gräfin gegessen, der gnädige Herr Graf aber nicht kosten wollte, sondern die Frau Gräfin davon abhalten wollte. Es hat jedoch alles nichts geholfen."


Landgerichtliche Herrschaft Freyenthurn am 4. Dezember 1694

Joh. Bapt. Remigk
( Vereidigter Banngerichtsschreiber in Krain)


 

 

Anmerkung: Der Text des Protokolls ist aus dem Buch von Joseph von Hammer-Purgstall: Die Gallerinn auf der Rieggersburg. Carl Gerold und Sohn, Wien 1849 (2. Auflage 1849: Digitalisat Bd. 1Bd. 2/3) entnommen und wurde von Siegfried Kramer in unsere heutige Sprache übertragen.
Bernhard Reismann danke ich an dieser Stelle für die Korrektur und Anregungen.
Graz 2012

 

 

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