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Prozess gegen Helena Glanitschnigg wegen Zauberei

Dreifaltigkeit bei Lichtenegg (Gorca in Slowenien) 1701



Kriminal Prozess


der im Landgericht der ehrwürdigen Herrn Dominikaner-Patres von Pettau im Unteramt bei der Heiligen Dreifaltigkeit abgehaltenen worden ist.

Am 30. September 1701 ist von der Herrschaft Turnisch eine verheiratete Frau namens Helena Glanitschnigg, 44 Jahre alt, die der Zauberei bezichtigt worden ist, in dieses Landgericht überstellt worden.

Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg
Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg (Gorca in Slowenien)

1. Sie gibt zu, dass vor 8 Jahren, als sie auf der Viehweide die Kühe gehütet habe, die Ursula, die Frau des Andre Klenoschäck, des Försters der Minoriten-Patres, zu ihr in Gestalt einer Schlange gekommen sei. Sie habe sich aber gleich in eine Menschen-Gestalt verwandelt und angefangen mit ihr zu reden und sie habe ihr auch eine Gobanze (Rahmstrudel) gegeben. Dazu sei auch Spella, die Frau des Michael Wesiak, Untertan der Minoriten, gekommen. Nachdem sie von selbiger Gobanze gegessen hätten, hätten die zwei Frauen die Täterin angesprochen und gedrängt, mit ihnen zu kommen. Dort seien sie gleich darauf in die Luft abgehoben und miteinander auf den Rohitschberg (Donačka gora) geflogen. Dort hätten sie Sterz und Kirschen in der Blütezeit gegessen, damit dieselben nicht reifen sollen. Vom Sterz habe die Täterin nur einen kleines Stück bekommen. Sie hätten dort auch getrunken und getanzt und seien dann wieder nach Hause geflogen.

2. Sie gesteht, dass sie sich mit ihrem Bösen Feind, namens Schimeck, der in einem schwarzen Bauern-Gewand gekleidet war, nicht öfter als einmal fleischlich versündigt habe. Er habe ein kaltes Geschlecht gehabt und habe auf der rechten Fuß-Schaufel hineingezwickt. Das hat der Scharfrichter gesehen und als echtes Teufels-Mal eingeschätzt.

3. Sie gesteht, dass ihr der Böse Feind aufgetragen habe, unseren lieben Herrgott, die Heilige Dreifaltigkeit, die heilige Mutter Gottes und alle Heiligen Gottes zu verleugnen und diese nicht mehr anzurufen, sondern an ihn, den Bösen Geist, zu glauben. Was die Untersuchte auch getan habe. Sie habe ihm auch die Seele versprochen und weil die Angeklagte damals auch schwanger war, habe sie ihm die Seele dieses Kindes versprochen.

4. Sie gesteht, dass sie ihm auf Verlangen des Bösen Feindes die heilige Hostie habe bringen wollen und als sie diese im Mund gehabt habe, habe sie diese nicht vom Mund in den Körper bringen können, sondern sie ist ihr am Gaumen kleben geblieben. Darauf habe der Böse Feind mit seinen Krallen ihren Hals ergriffen und die Hostie heraus und an sich genommen habe.
5. Sie gesteht, dass sie Kräuter geweiht und mit der Macht Gottes und Unserer Lieben Frau gebeten habe, dass die Krankheit beenden werden soll. Sonst habe sie nichts Schädliches getan, auch nicht gezaubert. Sie sei bloß als Dienstmagd in der Hexen und Zauberer-Gemeinschaft verwendet worden.
6. Außerdem bekennt sie, dass sie Kristalle verwendet habe, um für die Leute wahrzusagen. Diese Kristalle habe sie in der Truhe ihres Onkels gefunden.

 

Sie denunziert folgende Komplizen:

Den Michael Wesiak aus Staraschinskidorf und seine Frau Spella oder Elisabeth.
Ebenso Ursula, die Frau des Försters Andre Klanetschneck, wohnhaft unter den Minoriten-Patres in Vermikiberg.
Weiters Marina, die Frau des Juri Sirez aus Staraschinskidorf, Untertan der Minoriten-Patres.
Auch die Marina, die Frau des Vide Glanetschnigg vom Paulusberg (wohnhaft in einer Weinberghube der Minoriten Patres).

Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg
Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg

Weiters den Jerne Drnovscheck unter der Herrschaft Ankenstein, der die Täterin beim großen Hagelwetter neben den oben denunzierten Frauen aus dem Gefängnis holen wollte und mit der Hand durch das Fenster hineingegriffen hat. Sie aber hat nach der Wache geschrien. Dieser sei auch mit der Täterin vor 3 Jahren nach Lichtenegg geflogen, wo sie aus einem Keller Wein getrunken hätten. Er habe auch bei der Zauberer-Gesellschaft als Trompeter gespielt.
Auch die Schwester der Frau des Klanouschack, namens Jera Mischka, wohnhaft unter den Minoriten-Patres von Pettau in Stauauschinskidorf.
Desgleichen denunziert sie den Anton Schmierz, einen herumziehender Schlosser-Gesell der oben erwähnten Irene Drnovscheck.
Hierauf wird der Täterin für Nachmittag einen Termin gegeben, um sich besser zu besinnen und die Wahrheit zu bekennen.

 

Nach dem Essen

Am selben Tag um 2 Uhr Nachmittag ist die Täterin abermals vorgeführt und gefragt worden, wessen sie sich besonnen habe.
Die Angeklagte antwortet und bestätigt Punkt für Punkt und vollkommen die Aussagen vom Vormittag, sowohl bezüglich ihres eigenen Verbrechens als auch der Denunziationen.

Am 1. Oktober 1701 um ½ 8 Uhr Vormittag hat der Herr Bannrichter die Untersuchte bringen lassen (für die beim Verhör am gestrigen Tag angegebenen Schwangerschaft, ungeachtet dessen, dass inzwischen von Seiten dieses Landgerichtes bestimmte Frauen vorgeladen worden sind, die sie diesbezüglich genau untersucht haben und das Gegenteil gefunden haben) und mit folgenden Fragen befragt:

1. Ob es wahr sei, dass sie wirklich schwanger sei?
Sie antwortet mit Ja.

2. Wann sie glaubt, das Kind empfangen zu haben?
Sie antwortet, dass sie heuer Ende Jänner schwanger worden sei.

3. Ob sie wisse, wie lange und wieviele Monate eine Frau im allgemeinen die Frucht bis zur Geburt trage?
Sie sagt, 9 Monate. Die Untersuchte und ihre Mutter hätten aber immer 14 Tage früher geboren.

4. Ob sie inzwischen ihre monatliche Regel gehabt habe und wie oft?
Sie antwortet, nach St. Fabian und Sebastian habe sie sie nicht mehr gehabt.

5. Ob sie weitere Kinder gehabt habe?
Sie antwortet, sie habe 7 Kinder geboren.

6. Ob sie das Kind im Mutterleib wirklich gespürt habe und wie oft und wann sie es das letzte Mal gemerkt habe?
Sie antwortete, oft und zuletzt erst gestern.

Am selben Vormittag ist die Begutachtung durch die nachfolgenden Zeugen, die auf Veranlassung des Landgerichts die Täterin vor 3 Wochen bezüglich der angeblichen Schwangerschaft geprüft haben, abermals angeordnet, im Beisein des Bannrichters und des Gerichtsschreibers durchgeführt und so auf die frühere beschworene Aussage geprüft und deren Aussagen aufgezeichnet worden.

 


Erste Zeugin

Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg
Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg

Helena Sottlerza, 56 Jahre alt, beantwortet die gestellten Fragen wohlüberlegt und unter Eid.
Nachdem die Zeugin die Angeklagte vor 3 Wochen auf Befehl der Landgerichts-Obrigkeit begutachtet hat, habe die Untersuchte zur Zeugin gesagt, dass sie schwanger sei und in 14 Tagen, längstens in 3 Wochen gebären werde. Die Zeugin habe aber an der Untersuchten keinerlei Zeichen einer Schwangerschaft erkennen können, weder am Körper noch an den Brüsten. In gleicher Weise hat sie auch heute im Beisein der Herrn Bannrichter und Gerichtsschreiber die Untersuchte abermals überprüft und an allen Stellen ihres Körpers abgetastet. Gleich wie beim ersten Mal hat sie auch diemal kein Zeichen einer Schwangerschaft finden können, weil auch die Brüste ganz klein, schlaff und keine Muttermilch zu spüren war.
Sie fügt hinzu, dass die Untersuchte vor ungefähr 4 Jahren im Landgericht des Unteren Amtes der Minoriten-Patres wegen Zauberei gefangen genommen worden sei. Sie habe sich aber auch mit der Schwangerschaft herausgeredet, sodass sie damals entlassen worden ist. Als aber die Untersuchte danach nach Ankenstein zur Konfrontation zitiert worden und deswegen geflüchtet sei, habe ihr der Frater Joseph von den genannten Minoriten-Patres das ganze Vieh und alle Kleider weggenommen und einen Teil der Kleider dem Verwalter-Gesinde gegeben.

 

Zweite Zeugin

Annza Ferenz, Witwe, 60 Jahre alt, beantwortet die gestellten Fragen durchgehend wohlüberlegt und unter Eid.
Gleich wie die erste Zeugin gibt sie an, dass die Untersuchte schon einige Jahre kein Kind mehr ausgetragen hat. Sie habe auch damals vor 4 Jahren, als sie im Landesgericht des Unteren Amtes der Minoriten wegen Zauberei gefangen genommen worden sei, die Schwangerschaft nur vorgegeben habe. In Wahrheit sei sie aber nicht schwanger gewesen, habe das nur zu ihrem Vorteil getan und sei entkommen.
Zweitens habe die Zeugin gehört, dass die Untersuchte damals, als sie vom Jury Letina, dem Turnischen Untertanen, gefangen genommen worden ist, die Regel gehabt habe. Das sollen der Juri Lettina und seine Frau gesehen haben.

Am selben Tag sind der Untersuchten die Aussagen der oben genannten Zeugin präsentiert worden, um ihr die Möglichkeit für allfällige Einwände zu geben.

Auf die Aussagen der ersten Zeugin antwortet sie, dass es wahr sei, dass sie von der ersten und der zweiten Zeugin vor 3 Wochen untersucht worden sei und dass sie in 14 Tagen oder 3 Wochen gebären werde. Sie widerspricht aber, dass sie nicht schwanger sei. Dass sie kleine und schlaffe Brüste und keine Muttermilch habe, habe seine Ursache darin, dass sie wenig esse.
Weiters sei es war, dass sie unter den Herrn Minoriten-Patres von Pettau inhaftiert gewesen sei. Es sei aber nur wegen einer Mast-Gans geschehen und sie sei nicht länger als eine Nacht im Arrest gewesen. Sie bestreitet, dass sie damals schwanger gewesen sei, denn die Angeklagte habe damals ein Kind gehabt, das sie noch gesäugt habe.

Auf die Aussagen der 2. Zeugin antwortet sie gleich wie vorher, außer dass ihr jüngstes Kind nicht älter als 4 Jahre sei.
Bezüglich des anderen Punktes, dass sie ihre Monatsblutung gehabt habe, als sie festgenommen worden sei, antwortet sie mit Leugnen. Sie räumt aber ein, dass sie etwas blutig gewesen sei, aber nur, weil sie sich gegen den Gerichtsdiener zur Wehr gesetzt habe und mit Gewalt auf dem Fußboden herumgezogen worden sei und sie sich dabei die Knie aufgeschlagen und deshalb geblutet habe. Darauf hat der Herr Bannrichter verlangt die Wunden zu sehen. Sie habe aber nichts zu zeigen gehabt.


Am 3. des Monats sind nachfolgende zwei Zeugen bezüglich der bei der Gefangennahme der Täterin bemerkten Monatsblutung vernommen und überprüft worden ist.

 

Dritter Zeuge

Jury Letina, 34 Jahre alt, beantwortet die gestellten Fragen wohlüberlegt und unter Eid und sagt aus,
dass er heuer im Juli die Täterin öfters gesehen habe, wie sie seine Nachbarin die Witwe Kunigunde Kauz heimlich und des Nachts aufgesucht und heimlich wieder weggegangen und herumgegangen sei. Der Zeuge habe aber gehört, dass die Gräfin Draschkovitsch vor dreieinhalb Jahren gegen ihren Vater und ihren Bruder wegen Zauberei rechtlich vorgegangen sei und auch die Täterin habe verfolgen lassen. Diesbezüglich habe der Verwalter der Herrn Minoriten-Patres, Anton Stecklaz, den Zeugen gefragt, warum er die Täterin nicht gefangen nehme, obwohl sie schon 4 Jahre vorher bei den erwähnten Herrn Minoriten-Patres gefangen gewesen aber wieder entkommen sei. Dem erwähnten Verwalter habe er geantwortet, warum soll er seiner Obrigkeit unnötige Probleme machen. Daher habe der Zeuge sich 12 seiner Nachbarn zu sich geholt, um die Täterin an einem Sonntag abends bei der Kunigunde Kauz, wo er sie wieder gesehen hat, festzunehmen und in sein Haus zu bringen, wo er sie in Ketten gelegt hat um sie am anderen Tag bei seiner Herrschaft Turnisch anzuzeigen. Während sie in Ketten gelegt wurde, habe er bemerkt, dass die Täterin um die Mitte auf bloßer Haut einen Stofffetzen umgebunden hatte, der völlig blutig war und von dem ihr ein Zipfel hinten hinunter gehangen ist. Die Täterin habe aber den Zeugen gebeten, dass er ihr ihre Sachen mitnehmen lassen soll, weil sie zur Zeit etwas Unsauberes an ihr hätte, damit man nicht merke, dass sie ein blutiges Hemd anhabe.

Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg
Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg

 

Vierte Zeugin


Ursula, die Frau des Letina, 36 Jahre alt, beantwortet die gestellten Fragen durchgehend wohlüberlegt und unter Eid.
Der Mann der Zeugin habe die Angeklagte heuer im Juli an einem Sonntag Abend bei ihrer Nachbarin Kunigunde Kauz festgenommen, in sein Haus gebracht und an eine Kette gebunden und am nächsten Tag seiner Herrschaft nach Turnisch angezeigt. Die Täterin habe die Zeugin immer wieder gebeten, sie frei zu lassen oder ein kleines Eisen zu geben, damit sie sich von den Ketten losmachen könne. Sie habe gesagt, dass sie nicht mehr frei kommen werde, wenn sie in das Landgericht gebracht werde. Dann habe die Täterin auch ihren Knecht Gregor N. gebeten und ein gutes Tuch für einen Männerrock versprochen, wenn er sie frei lassen würde. Während dieser Zeit hat die Zeugin wahrgenommen, dass die Täterin ein blutiges Hemd angehabt habe, das sie immer wieder an der weißen Wand gerieben habe, damit man nicht viel erkennen könne. Die Zeugin hat auch angenommen, dass die Angeklagte die Tage gehabt habe.


Am selben Tag sind der Täterin die oben beschriebenen Aussagen der Zeugin wegen etwaiger Einwände vorgehalten worden.
Bezüglich der Aussagen des dritten Zeugen reagiert die Angeklagte mit Zustimmung, außer dass sie keine blutigen Lumpen am bloßen Leib gehabt habe. Sie gibt aber zu, dass sie ihre Tage immer um den Vollmond habe.
In gleicher Weise bestätigt sie die Aussagen der vierten Zeugin. Sie bestreitet aber, dass sie damals ihre Monatsblutung gehabt habe. Dass aber ihr Hemd blutig gewesen sei, sei von den Leuten vom Gericht verursacht worden.
Dies bestritt der Herr Hofrichter der Herrn Patres vom Kloster in Pettau, Carl Corty, nachdem er selbst mit eigenen Augen gesehen habe, dass die Angeklagte damals, als man sie sie verhaftetet hat, ihre Tage gehabt habe.
Dies ist der Angeklagten vorgehalten worden.
Darauf bekennt die Angeklagte, dass sie nicht schwanger sei und sagt, dass sie gedacht habe, dass sie schwanger sei, zumal ihr Mann damals mit ihr geschlafen habe.
Am selben Tag sind die folgenden Konfrontationen mit der Täterin durchgeführt worden:
Und zwar mit Michael Wesiak, dem die Täterin ins Gesicht sagte, dass er neben ihr in einer Gesellschaft von Zauberern auf den Rohitsch-Berg und auf den Bachern geflogen sei. Auch dass er damals beim großen Hagelwetter beim Kerker gewesen sei und sie aus dem Kerker befreien wollte.
Der damit Konfrontierte widerspricht allem vollkommen und gibt an, dass er als Verwalter von seiner Obrigkeit vor 3 Jahren geschickt worden sei, zwei gewisse Frauen, die wegen Wahrsagerei bei der Angeklagten gewesen seien, einzusperren. Deswegen habe man ihn aus Feindschaft denunziert.
Die Angeklagte dagegen bestätigt und schwört bei ihrer Seele, dass alles so gewesen sei, wie sie es gesagt habe.

Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg
Blick von Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg zum Rohitschberg

Der Konfrontierte dagegen widerspricht allem und will beweisen, dass er damals im Weingarten zusammen mit 3 anderen Personen Reben gebunden hat. Er hat aber keine Zeugen namhaft gemacht.
Hierauf ist Spella Wesiak konfrontiert worden. Dieser hat die Täterin ins Gesicht gesagt, dass sie mit ihr am Rohitschberg und am Bachern in einer Gesellschaft von Zauberern und bei einem Hagelwetter gewesen sei.
Die Konfrontierte widerspricht dem aber völlig und will den Eid ablegen, dass sie in all dem unschuldig sei.
Darauf hat die Angeklagte der Konfrontierten abermals ins Gesicht gesagt, dass das alles wahr sei. Auch dass die Konfrontierte die Angeklagte zuerst verführt und auf der Viehweide als eine Schlange dahergekrochen gekommen ist, sich dann aber in Menschengestalt verwandelt habe und dass sie der Angeklagten Gobanzen (Rahmstrudel) zu essen gegeben habe. Sie habe dann die Angeklagte eingeschmiert und sei auf den Rohitschberg geflogen. Das hat die Angeklagte bei ihrer Seele ausgesagt.
Die Konfrontierte hat dagegen alles abgestritten.
Ebenso wird Ursula Klanetschnek mit der Angeklagten konfrontiert, wobei die Angeklagte der Konfrontierten ins Gesicht sagt, wie diese auf dem Rohitschberg Kellnerin gewesen sei und dann Sterz gekocht habe.
Die Konfrontierte bestreitet aber alles und sagt, dass den Sterz nur die in Ankenstein hingerichtete Katharina Schneider gekocht und gegessen habe. Sie gibt an, dass sie das von anderen gehört habe.
Die Angeklagte bekräftigt bei ihrer Seele, dass alles wahr sei.
Danach hat die Konfrontierte das noch einmal bestritten.


Dann ist Marina Klanetschnek mit der Angeklagten konfrontiert worden.
Die Angeklagte hat ihr ins Gesicht gesagt, dass sie sie in der Zauberei-Gemeinschaft gesehen habe und sie sich beim Hagelwetter beim Gefängnis befunden habe, als sie sie heraushohlen wollten.
Die Konfrontierte widerspricht allem und nachdem die Angeklagte sie genauer angeschaut hat, zweifelt sie, ob sie es gewesen ist. Sie habe wohl jemand gesehen, die ihr ähnlich geschaut habe.
Die Konfrontierte bestreitet aber abermals alles.


Dann ist Jera Mischecka mit der Täterin konfrontiert worden.
Ihr hat die Angeklagte ins Gesicht gesagt, dass sie sie in einer Gemeinschaft von Zauberern gesehen hat, als das große Hagelwetter war und sie sie (die Täterin) aus dem Gefängnis hohlen wollte.
Die Konfrontierte bestreitet aber alles.
Als die Angeklagte sie wieder genau angesehen hat, beginnt sie zu zweifeln und sagt, dass sie einer ähnlich gesehen habe. Sonst wäre die Konfrontierte mit der Angeklagten in keiner Zauberei-Gemeinschaft gewesen.
Die Konfrontierte bleibt bei ihrem Widersprechen.

Weiters ist Jerne Drnovscheck mit der Angeklagten konfrontiert worden.
Dem hat sie ins Gesicht gesagt, dass er mit ihr mit ihr in einer Zauberei-Gemeinschaft am Rohitschberg, am Bachern und unter Lichtenegg und auch beim großen Hagelwetter im heurigen Sommer beim Gefängnis gewesen sei und die Angeklagte herausholen wollte. Und auch, dass er bei der Zauberei-Gemeinschaft als Trompeter mitgemacht habe.
Der Konfrontierte hat aber alles bestritten.
Die Angeklagte aber hat ihre Denunziation bei ihrer Seele beteuert.
Der Konfrontierte aber bleibt weiterhin beim Bestreiten.

 

 

Nach dem Essen

Weiters ist Marina, die Frau des Jury Sirez, mit der Täterin konfrontiert worden.
Dieser hat die Täterin ins Gesicht gesagt, dass die Konfrontierte beim großen Hagel-Wetter zusammen mit anderen hier beim Gefängnis gewesen sei und sie helfen wollte, die Täterin aus dem Gefängnis herauszuholen.
Die Konfrontierte bestreitet alles.
Die Angeklagte beteuerte ihre Beschuldigungen bei ihrer Seele.
Die Konfrontierte aber bleibt beim Bestreiten.

Die Angeklagte denunziert den Dvorsky zu Trackenstain von der Gräfin Draschkovitsch, namens Tomas N., der mit der Angeklagten am heiligen Pfingstabend im Jahr 1698 und im Jahr darauf am Abend vor dem Fest des Heiligen Johannes des Täufers zum Wresovski-Berg und von dort auf den Rohitschberg geflogen sei, wo sie Hagel aus Brunnenwasser gemacht hätten und den sie über Schitall und bei Hl. Drei König ausgeschüttet hätten.

 

Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg
Hl. Dreifaltigkeit bei Lichtenegg

 

Nachdem man aber aus Kroatien keine Personen zur Konfrontation zu überstellen pflegt, wurde das auch nicht beantragt, wohl aber sollte aus dem Prozess eine Zusammenfassung erstellt werden.

Am 4. Tag des Monats ist die Täterin vors Gericht beordert worden und es sind ihr sowohl die oben beschriebenen eigenen Verbrechen als auch die von ihr vorgebrachten Denunziationen vorgehalten worden. Sie ist gefragt worden, ob sie diese abermals bestätige.

Die Angeklagte bestätigt sowohl ihre eigenen Verbrechen als auch ihre Denunziationen, wie sie oben beschrieben sind, voll inhaltlich. Sie gesteht auch, dass sie nicht schwanger sei.

Darauf ist der Täterin vom Bannrichter der Tod angekündigt worden und sie ist ermahnt worden, sich zu wahrer Buße zu bekehren. Übermorgen werde das geheime Recht gesetzt und das gefasste Urteil der hochlöblichen Innerösterreichischen Regierung zur endgültigen Bestätigung übersendet werden wird. Das habe sie abzuwarten und inzwischen solle sie sich Gott zuwenden und ihre Sünden bereuen.

Am 6. dieses Monats ist die Täterin vor das geheime Gericht beordert worden, wo ihr die eigenen Verbrechen und die Denunziationen abermals vorgehalten worden sind.


Beisitzer: Die Herren Johann Ludwig Märchl, Hans Mittermayer, Balthasar Sälatinger, Andreas Seidl, Fabian Sckack, Matthias Tkauzavitsch, Johannes Dreschinger, Melchior Späner, Gregor Wassermann, Andreas Windisch, Anton Säcklscheck, Lukas Senica

 

Urteil

Nach der Klage, den Antworten und allen gerichtlichen Darlegungen, auch nach wahrhafter Rechtsfindung, wobei alles entsprechend unserem allergnädigsten Herrn und Landesfürsten und der peinlichen Landgerichtsordnung des Fürstentums Steiermark geschehen ist, ist durch die Herrn Richter und Beisitzer dieses Gerichts dahingehend zu Recht erkannt worden,
dass Helena Glanitschnigg, die gegenwärtig vor Gericht steht, wegen der von ihr verübten Verbrechen, deren Inhalt sie gestanden hat, am heutigen Tag dem kaiserlichen Scharfrichter übergeben wird, der sie gut bewacht zur üblichen Hinrichtungsstätte bringt, dort mit dem Strick erdrosseln, dann den toten Körper zu Staub und Asche verbrennen und darauf die Asche tief in der Erde vergraben soll.
Gott sei der armen Seele gnädig und barmherzig. Amen.
Geschehen im Unteren Amt bei der Heiligen Dreifaltigkeit in Kollos am 6. Oktober 1701.

Die Exekution dieses Urteils pausiert bis zum Einlangen der gnädigen Bestätigung wie oben.

Dr. P.L. v. Apostelen
kaiserlicher Bannrichter im Viertel Cilli

Ich Marina, des Jury Sirez Frau, gestehe hiermit vor jedermann und öffentlich:
Nachdem mich Helena Glanitschnigg denunziert hat, dass ich mich mit ihr mit Zauberei beschäftigt habe und zwar in der Form, wie sie dem Inhalt nach dem durchgeführten Kriminal-Prozess entspricht, wobei diese Konfrontation nicht nur in der Konfrontation mit mir bei Gericht, sondern auch nach geheimem Recht bestätigt worden ist, wonach also mir wegen dieser Inzucht der Prozess zu machen und ich entsprechend der Bewertung der Sache zu bestrafen wäre.

Nachdem aber aufgrund einer singulären Denunziation ohne zusätzliche Bestätigung einen Prozess anzufangen, nicht schätzenswert ist, bis nicht andere Indizien auftauchen, bin ich für diesmal bei diesem meinem Gelöbnis des Arrestes entlassen worden, jedoch in der Weise, dass im Falle weiterer Bestätigungen und Indizien gegen mich, ich sofort und jederzeit festgenommen werde, ich mich aber sonst verdächtiger Handlungen enthalten wolle.
Hierauf gelobe und verspreche ich an Eides statt, dass ich allem mit fester Absicht und zuverlässig nachkommen werde. Beim "Landschaden Bund der Steiermark" und seiner zu wahrenden Urkunde habe ich dieses Gelöbnis unter dem edlen und gestrengen, auch hochgelehrten Herrn Peter Lucrety von Apostelen, Doktor der Rechte mit eigener Fertigung (jedoch ohne Nachteil und Schaden für ihren Herrn und die Seinigen) eingereicht.

Unteres Amt des Landgerichts am 6. Oktober 1701

Dr. P.L. v. Apostelen
kaiserlicher Bannrichter im Viertel Cilli


Podlehnik
Detail von der Kirche in Lichtenegg (Podlehnik)

Fortsetzung des Prozesses

Das nachfolgende Verhör der Helena Glanitschnigg ist durch die hochlöblichen von der inner-österreischen Regierung gnädigst eingesetzte Mitglieder der Kommission vorgenommen worden.
Am 8. Oktober1701 ist bei der Heiligen Dreifaltigkeit in der Callas bei den Herrn Dominikaner Patres im Unteren Amt Helena Glanitschnigg vor die hochlöbl. Regierungs-Kommission zitiert worden. Sie ist nachdrücklich befragt worden, ob sie ihre früher gegenüber dem Bannrichter gemachten Geständnisse und Denunziationen nochmals bestätige.

 

Die Angeklagte antwortet und bestätigt Punkt für Punkt alle ihre früheren Geständnisse und Denunziationen.
Sie wird weiters genauer befragt und zwar erstens, wie lang es her sei, dass sie damit begonnen habe.

Sie antwortet: Vor 12 Jahren, einige Tage vor dem Georgitag, sei die Spella Wesiak in Gestalt einer Schlange gegen Abend zu ihr gekommen. Sie habe sich umgedreht und so bald sie wieder zum früheren Ort zurückgeschaut habe, sei dort die Spella Wesiak gewesen, die sich inzwischen in Menschgestalt verwandelt habe und sie habe ihr ein Stück Brot zum Essen gegeben. Sobald aber die Angeklagte das Brot gegessen habe, sei sie im Kopf ganz verwirrt worden und vor den Augen sei es finster geworden. Zugleich aber sei ein Wind aufgekommen, sie seien beide in die Luft gehoben worden und auf den Rohitschberg geflogen. Dort habe sie die Ursula Klanetschneck und viele Geister vorgefunden. Sie habe dort auch viele Kohlen gesehen. Das Feuer habe nicht normal rot sondern nur bläulich gebrannt. Dann wären dort 9 Brunnen gewesen und bei jedem seien 3 bis 4 Tische gestanden. Auf diesen seien Lichter gestanden, die aber auch nicht natürlich rot sondern nur bläulich gebrannt hätten. Die Angeklagte habe sich aber nur bei einem der Tische aufgehalten und auf die anderen nicht besonders geachtet. Dort seien aber ihr Bruder Urban Offzar, der in Klanoneck in Kroatien lebe, wie auch 2 andere kroatische Frauen gewesen; eine namens Jera, die andere mit dem Namen Magdalena, ihren Zunamen kenne sie nicht. Die wären auch beide neben dem erwähnten Offzar in Klanoneck verurteilt worden. Dann habe sie auch den Drnovscheck und den Anton Scholz, der bei der Gesellschaft der Zauberer der Anführer gewesen sei, gesehen. Dann die Ursula Klanetschek, die damals am Rohitschberg den Sterz gekocht habe. Ebenso die Lucia Fleischmann und die Katharina Christophitsch, die bei der Herrschaft Ankenstein auch wegen Zauberei hingerichtet worden ist. Außerdem den Michael Wesiak und seine Frau Spella, die auch heuer hier beim großen Hagel-Unwetter im Gefängnis waren. Als aber die Angeklagte zum erwähnten Ort hingekommen sei, sei ihr der Böse Geist in der Bekleidung eines deutschen Bürgers entgegengekommen und habe sie empfangen. (Er habe Pferdefüße gehabt und dennoch Schuhe getragen und an den Fingern Krallen gehabt). Er habe gleich zu ihr gesagt: Du gehörst mir! Er habe aber keine wirklich klare Stimme gehabt, sondern vorwiegend näselnd geredet. Er habe von ihr verlangt, dass sie Gott und Unsere Liebe Frau (Gottesmutter Maria) verleugnen soll und auch an sie nicht mehr glauben soll. Sie habe eingewilligt und dann Sterz gegessen und Wein getrunken. Den Wein habe der Offzar aufgetragen und aus einer Weißbuche herausgelassen. Es habe dort auch niemand das Kreuz machen, noch Gott dienen dürfen. Wenn sich jemand vertan habe, dann habe ihn der Böse Feind mit einer eisernen Geisel geschlagen.

 


Die Angeklagte habe zwar öfters beichten wollen, doch habe das der Böse Feind nicht zugelassen. Sie habe unter anderem auch einmal bei einem Pater aus Pettau gebeichtet. Der habe ihr aber die Absolution nicht geben wollen. Darauf aber habe sie es dem früheren Pfarrer von Rahs gebeichtet, der sie ermahnt habe, von diesem Laster abzulassen. Der Böse Feind habe ihr aber keine Ruhe gelassen und bei dieser Zauberei-Gesellschaft mit ihr öffentlich fleischlich gesündigt. Er habe - man verzeih den Ausdruck - ein Geschlecht wie ein Eiszapfen gehabt. Er sei aber so schnell wie ein Hahn fertig gewesen. Zuvor habe er von ihr auch verlangt, dass sie ihm ihre Seele geben soll, was sie ihm auch versprochen habe, weil er ihr dafür angeboten habe, alles zu tun, was sie von ihm verlange. So habe sie von ihm verlangt, schlechtes Wetter zu machen. Das sei auch zweimal geschehen. Das eine Mal vor 6 Jahren um Ostern, das andere Mal vor 5 Jahren zwischen den Frauentagen. Bei diesen Unwettern sei sie selbst mitgeflogen und habe den Hagel vom Rohitschberg über Spital und um Hl. Drei König in Kroatien niedergehen lassen. Sie gab auch glaubhaft an, dass in dem selben Gebiet der Hagel schon viele Jahre großen Schaden verursacht habe.

Podehnik
Kirche in Lichtenegg (Podlehnik)

Die Angeklagte gesteht, dass sie in diesen Jahren jährlich mindestens 3 bis 4 mal in der Zauberei-Gemeinschaft auf den Pirckberg, den Rohitschberg und den Bachern geflogen seien, wo sie in der Blütezeit frische Kirschen, Äpfel und Zwetschken gegessen hätten.
Ebenso sei die Angeklagte vor 4 Jahren am Vorabend des St. Johannes der Täufers-Tags mit der Katharina Christophitsch und der Lucia Fleischmann auf den Pirckberg und von dort auf den Rohitschberg geflogen sei.

Hierauf ist der Angeklagten der Tod angekündigt worden und sie wurde zu wahrer Reue und Buße ermahnt und gleich darauf ein Geistlicher bestellt. Und so ist sie am 9. Dezember mit der Beichte und der heiligen Kommunion versehen worden und am 10. Dezember zur letzten und endgültigen Verurteilung und Hinrichtung dem kaiserlichen Banngericht vorgeführt worden.

Beisitzer: Die Herren Johann Ludwig Märchl, Balthasar Sälatinger, Andreas Seidl, Fabian Sckack, Lukas Senica, Joh. Karl Curty (ist zunächst nicht anwesend gewesen), Gregor Wassermann, Andreas Windisch, Anton Sackoscheck

Anmerkung: Das unlängst am 6. Oktober 1701 gefällte Urteil ist aufgrund des Umstandes, dass die Täterin bereits ein halbes Jahr im Arrest war und aufgrund der von ihr in außerordentlichem Maß gezeigten Reue vom Strang zum Schwert abgemildert und so auch am heutigen Tag exekutiert worden.
Geschehen bei der Hl. Dreifaltigkeit in Kollos im unteren Amt der Herrn Dominikaner-Patres, am 10. Dezember 1701

Dr. P. L. v. Apostelen
kaiserlicher Bannrichter im Viertel Cilli

 

 

 

 

Die bannrichterlichen Taxen und Aufwendungen für den fortgeführten Prozess gegen Helena Glanitschnigg, stattgefunden im Monat Dezember 1701.

Erstens hat der Herr Bannrichter für den Weg von zuhause und zurück (in diesen kurzen Tagen) 4 und vor Ort (beziehungsweise für die Durchführung der bannrichterlichen Handlungen) nämlich den 8., 9. und 10. Dezember, zusammen also 7 Tage zu je 45 kr. aufgewendet 5 fl. 15 kr.
Für das Verhör beim Gericht und die Ankündigung des Todes   45 kr.
Für 2 Geständnisse zu je 1 fl. 30 kr. 3 fl.  
Für die Durchführung und Organisation des Prozesses 1 fl. 30 kr.
Summe 10 fl. 30 kr.
     
Der Banngerichts-Schreiber hat ebenfalls 7 Tage zu je 30 kr. aufgewendet 3 fl. 30 kr.
Für die Anklage 1 fl. 15 kr.
Für die Linderung des Urteils   30 kr.
Für sicheres Geleit   15 kr.
Summe 5 fl. 30 kr.
     
Der Scharfrichter hat zusammen mit seinem Knecht in gleicher Weise
7 Tage zu je 45 kr. aufgewendet
5 fl. 15 kr.
Für die Errichten des Scheiterhaufens   45 kr.
Für das Eingraben der Seile 1 fl.  
Für die Hinrichtung mit dem Schwert und die Vernichtung des Körpers 1 fl.  
Für das Eingraben der Asche 1 fl.  
Für das Gerichts-Essen   45 kr.
Summe 9 fl. 45 kr.
     
Summa summarum: 25 fl. 45 kr

 

Die oben stehende Summe von 25 fl. (Gulden) 48 kr. (Kreuzer) ist mir aus den Händen des ehrwürdigen Bruders Alano, Prokurator, bar beglichen worden.

Hl. Dreifaltigkeit in der Kollos, am 10. Dezember 1701.

Dr. P. L. v. Apostelen
kaiserlicher Bannrichter im Viertel Cilli

 

Dieses Protokoll aus dem 18. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu in unsere heutige Sprache übertragen und von Bernhard Reismann korrigiert. Das handgeschriebene Original des Prozess-Protokolls befindet sich im Steiermärkisches Landesarchiv.
Das handschriftliche Prozessprotokoll in Druckbuchstaben übertragen findet man in den Steiermärkischen Geschichtsblättern aus dem Jahr 1882 (S.201ff).
Graz, 2012

 


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