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Protokoll des Prozesses gegen Hans Glaser  

"Hans Glaser ist etwa 22 Jahre alt und wird wegen seines grindigen Kopfes  der „grindige Hansl“ genannt. Er ist mittelgroß, stößt mit der Zunge ein wenig an, ist mager und hat tief liegende Augen. Er hinkt ein wenig, weil sein rechter Fuß etwas kürzer ist als der linke. Er trägt eine weiße Haube wegen des Grinds (Hautausschlag). Darüber einen schwarzen Hut, der oben geflickt ist. Er trägt einen geflickten Rock und darunter einen guten Rock aus weißem Loden. Außerdem lederne Hosen  und Strümpfe aus weißem Loden."

Er wurde am 7. Februar 1659 in Rottenmann gefangen genommen.  

Burg Strechau bei Rottenmann

"Er gibt an, Hans Glaser zu heißen. Man nenne ihn aber im Allgemeinen wegen seines Grinds den „Grindigen Hansl“. Er stamme aus dem Windischen, wisse aber nicht, aus welchem Ort, denn er kenne seine Eltern nicht und sei schon als kleines Kind weggekommen. Soviel er aber wisse, seien seine Eltern auch Bettler gewesen.  

Er wisse nicht, wie alt  er sei. Mit 7 Jahren habe er sich in Mureck bei einem Herrn Rainer als Ochsenhalter aufgehalten. Nach dessen Tod habe er sich in Graz 2 Jahre lang von Haus zu Haus mit Betteln durchgeschlagen. Dann sei er nach Lilienfeld in Niederösterreich gekommen. Da habe er sich 6 Jahre beim Stephan zu Stainhoffen aufgehalten und habe in den umliegenden Orten und bei Kirchtagen um Almosen gebettelt.

Mit etwa  9 Jahren sei er mit einem jungen Buben zusammen gekommen mit Spitznamen „Närrischer Simmerl“, weil er närrisch getan und die Zunge zurückgezogen habe, um vorzutäuschen, dass ihm die Türken die Zunge abgeschnitten hätten, in Wundschuh,  nördlich von Wildon. Dort habe dieser Simmerl aus dem Opferstock, der auf dem Friedhof steht, mit einem vorn dünn zugeschnittenen und umgebogenen Holz-Span, der mit etwas Leim-Ähnlichem angestrichen gewesen sei, Geld genommen. Ihm habe er davon zwei Dreier gegeben. Er habe auf der Lauer gelegen und wenn jemand gekommen wäre, hätte er sich geräuspert. Er wisse aus diesem Grund nicht, wie viele der Närrische Simmerl herausgenommen habe.  

 

Er bekenne, dass ihm der Gerichtsdiener von Gratwein vor zwei Jahren zu Fasching  ein Stück von der Hirnschale eines armen Sünders gegeben habe, damit er mehr Glück beim Betteln habe. 

In St. Leonhard, außerhalb von Graz, habe er sich auch manchmal auf die Straße gestellt, wenn die Leute in die Kirche gingen und so getan, als sei er stumm. 

Er kenne auch einen Bettler mit dem Namen "Korporal Georgl". Der halte sich an der Donau und in Schwaben auf. Dem habe er geholfen, das Pech von Kirsch- und Weichselbäumen abzuklauben. Das sei zerstoßen worden, bis es sich wie ein zäher Leim habe ziehen lassen. Damit habe er dünn zugeschnittenen Holzspäne, die er ihm habe machen helfen, angestrichen. Er wisse aber nicht, wofür er das gebraucht habe.  

Er kenne auch den "Faisten Windisch", ebenso den "Krummen Däzl" und den "Fahnen Mathez". Er glaube, dieser sei jetzt der Anführer.
Er kenne auch den "Rüpfigen Bärtl" und den "Schielenden Hauser", mit denen er vor eineinhalb Jahren in Übelbach an die 3 Wochen betteln gegangen sei. Damals habe der Rüpfige Bärtl eine Krücke getragen, als ob er gehbehindert wäre. Die Krücke habe er dann hinter einem Zaun stehen lassen und sei aufrecht und gerade davon gegangen. Er habe wohl gehört, dass diese die Opferstöcke ausrauben. Deswegen habe er sie dann auch verlassen. Sonst habe er mit denen keine Gemeinschaft gehabt.

Er kenne den "Prugger Jäckl", mit dem er sich einmal zwischen Pernegg und Breitenau unterhalten habe. 

Auch den "Weinziertl", den "Kleinen Ambros", dem Georg seinen Kumpanen, ebenso den Käßbauer. Der Blasius Käßbauer, der so einen geflickten Rock trage. Er wisse aber nicht, ob er Geld darin vernäht habe. Sonst aber habe er viel Geld gehabt. Er habe ihm auch einmal geholfen, Geld zu zählen, das er in einer Büchse gehabt habe, in die ungefähr 5 Gulden hineingehen. Er habe mit ihm getrunken und gewusst, dass er ein Opferstock-Räuber sei. Er habe aber niemals etwas gemeinsam mit ihm gemacht.

Er kenne auch den Stelzen Peter und den Lämpelschnick. Auch den Windischen Liperl, der ihm neben einem anderen mit dem Namen Blasl 5 oder 6 Groschen gegeben habe.

Blick von der Burg Strechau bei Rottenmann

Er sollte es ja nicht verraten, dass die zwei, der Liperl und der Blasl, die Opferstöcke ausrauben. Er habe ihnen einmal 8 Kreuzer, das andere Mal 9 und das dritte Mal 30 Kreuzer gestohlen. Dieses Geld aber habe er beim Stephan zu Stainhoffen mit ihnen zusammen wieder versoffen.  

Er kenne auch den Mathies Rathschedl und einen, der der "Krumme Georgl" genannt wird, dem der linke Fuß ausgedreht ist, sodass die Fußsohle nach oben steht. Der sei auch ein Opferstockräuber. Er selbst sei aber daran nicht interessiert. 

Er kenne auch den "Dalketen Gregor", der vor einem Jahr in Kapfenberg hingerichtet worden sei. Vor 3 Jahren, am Heiligen Weihnachtstag, habe er mit ihm in St. Ilgen - nicht weit von Aflenz - bei einem Bauern übernachtet. Davon abgesehen habe er mit ihm nichts zu tun gehabt.

Ober Irdning habe er unlängst einem Bauern, bei dem er sich gewärmt habe, eine Hosen, die hinter der Bank gelegen sei, gestohlen.

Er habe einmal, er wisse aber nicht, wie lange es her sei, in der Veitsch bei Aflenz einem Bauern, der Schuster genannt wird, ein Paar Handschuhe aus weiß gegerbtem Leder gestohlen. 

Er kenne einen Opferstock-Räuber mit dem Namen Gäräschin, der einer der wichtigsten sein soll.

Der Wiener, der Fahnen Mathez, der Rathkopf und der Cärner halten sich zur Sommerzeit meistens in Mariazell auf, wo sie sich abends in die Kirche einsperren lassen. Sie verstecken sich dort unter dem Dach und kommen nachts herunter und mit dünnen Spänen holen sie Geld aus den Opferstöcken. Das habe ihm der Cärner erzählt  und ihm die Gulden und Dukaten gezeigt, die er vergangenen Bartholomäus-Tag aus dem Opferstock herausgeholt habe Damals habe er ihm 6 Groschen gegeben und ihm verboten, sie zu verraten. Wenn er etwas gegen sie aussagen sollte, dann würden sie das gleiche über ihn sagen und dass er ein Opferstockräuber sei. Der besagte Cärner habe damals aus dem Opferstock in Mariazell 25 Gulden und der Rathkopf 17 Gulden herausgeholt. Das grobe Geld haben sie in Wien wechseln lassen. Er sei aber nie dabei gewesen. 

Man soll nur nach Mariazell schreiben, damit sie dort tagsüber die Tür gut verschließen, und man könne besonders um Bartholomä diese Opferstockräuber unter dem Dach oder in der Kirche finden. Er bitte aber, ihn ja nicht zu verraten, denn falls er hier herauskommen würde, wäre er dann nirgendwo mehr sicher. 

Blick von der Burg Strechau bei Rottenmann

Dies alles hat er teils unter Anwendung der Daumenschrauben, wobei er einige Tränen vergoss, teilweise ohne Folter  ausgesagt. Er wisse weiter nichts. Man soll mit ihm verfahren, wie man wolle. Er wolle alles geduldig erleiden. Er befehle sich unserem Herrgott.

 

Am 20. März ist er auf die eigentliche Folterstätte (Streckbank) geführt worden.  

Dort gestand er unter Folter:
Er habe von den krummen David-Brüdern, mit denen er unterwegs gewesen sei, gehört, dass um Semriach herum ein Viertel der Bauern der ganzen Pfarre lauter Zauberer seien. Dass der Stephan am Hoff (Stephan Zechner), ein reicher Bauer in Semriach, ein Zauberer sei. Er habe auch gehört, dass ein anderer, dessen Namen ihm nicht einfalle, ebenfalls ein Zauberer sei. Gefragt, wie sie das anstellten, gab er an, dass ihm das nie jemand beigebracht habe.

Er gesteht: 
Er habe unter Mureck einem Bauern ein kleines Paar Stiefel gestohlen. Sonst wisse er nichts mehr.  

Darauf hin ist er ganz ausgezogen worden und nur mit einem frischen Hemd bedeckt mit am Rücken gebundenen Händen ohne zusätzliches Gewicht ein wenig hochgezogen worden. Er schrie und bat beim Jüngsten Gericht, er wisse nun einmal nichts und wenn er etwas wisse, wolle er es auch ohne Folter sagen. Man solle seine Glieder zerreißen wie man wolle, er könne nichts sagen. Er habe nie mehr gestohlen, als einen Taler wert sei. Er schrie immer wieder vor Schmerzen. Er wiederholte oft, er wisse nichts und könne nicht etwas gestehen, was er nicht getan habe. Man foltere ihn ungerechter Weise und er müsse für andere büßen und er bitte davon abzulassen. 

  1. Er gab zu, dass er von anderen, deren Namen er nicht kenne, gerne die Zauberei lernen wollte. Das war außerhalb von Lilienfeld, auf freiem Feld, nicht weit von der Kuenburg. Die hätten ihm geantwortet, dass er es nur lernen könne, wenn er seine Seele dem Teufel verschreibe. Er habe dann kein Verlangen mehr gehabt, das zu lernen, denn die Seele wollte er nicht dem Teufel verschreiben.  

Daraufhin wurde ihm ein Stein, der ungefähr einen halben Zentner schwer war, an die Füße gehängt und er selbst ein Stück in die Höhe gezogen. Er schrie Auh-Weh und Oijoi. Er wisse sonst nichts und er bat beim Jüngsten Gericht, man soll ihn hinunterlassen und er wolle noch anschließend sagen, was geschehen sei. 

Detail aus der Burg Strechau bei Rottenmann

Er gesteht: Er habe mehr gelogen als getan. Nämlich dass er vorher gesagt habe, er habe das Zaubern lernen wollen, das sei gar nicht wahr, er wollte nur lernen, wie es ist, gefroren zu werden. Dazu sollen auch die Passauer Zettel gut sein. 

2. Er gesteht, er habe vor 5 Jahren bei Mitterdorf ein altes Paar Schuhe weggenommen. Die habe er seinem Weggefährten Niggl gegeben. Unterhalb von Mooskirchen habe er einem Bauern ein Bett gestohlen. Dieses habe er aber wieder zurückgeben müssen.
Vor eineinhalb Jahren habe er bei Heiligenkreuz in Niederösterreich einem Bauern ein Hemd gestohlen
.

Er ist daraufhin aber mitsamt dem Gewicht eine Spanne von der Erde hochgezogen worden. 
Er schrie, man soll ihn doch hinunterlassen. Damals hat sich sein linker Arm ausgerenkt. Er schrie "Auweh, jetzt ist mein Arm draußen." Er bat "Um Gottes und des Jüngsten Gerichtes Willen", man soll ihn doch hinablassen. Wenn er wieder am Boden sei, werde er weiteres bekennen, aber er könne oben vor Schmerzen nichts sagen.  

 

Heruntergelassen gestand er: 

An der Kainach, oberhalb von Voitsberg sei er in einem abgelegenen Haus, das einem Bauern namens Wolf gehöre, zu einem Bauernknecht mit Namen Georgl gekommen - um Pfingsten werde es 3 Jahre - der ihm folgendes gelehrt habe:

Wenn er fliegen wolle, soll er ein Koch machen. Dazu soll er Mehl und Wasser ohne Salz nehmen und damit eine Ofengabel (großer Schürhaken) oder einen Besen beschmieren, und beim Aufsitzen sagen: "Hiermit will ich in Teufels Namen zu dem Ort, den ich nennen werde, fahren."

So ein Koch habe ihm dieser Bauernknecht damals selbst gemacht und er sei mit ihm in der Nacht zwischen 12 und 1 Uhr auf den Schöckl bei Graz gefahren. Er sei danach 4 oder 5-mal mit anderen dort hin geflogen. 

Einmal, er wisse nicht mehr, wann das war, habe er um die oben genannte Zeit auch noch andere getroffen, die er nicht alle gekannt habe:

Den Steffl am Hoff  (Stefan Zechner), den Dalkerten Gregor, den Georgen Gori, einen reichen Bauern aus Semriach, der ihr Anführer ist, eine reiche Wirtin aus Graz, die Prantauerin genannt wird, die damals ein schwarzes Kleid aus Taft angehabt hat. Sie hätten damals Brot und einen kalten Braten gegessen, den die Püllführerin, eine reiche Bäuerin aus Semriach, mitgebracht habe. 

Burg Strechau bei Rottenmann

Der Düpler, auch ein reicher Bauer aus Semriach habe damals mit zwei Katzen eine Startin (566 Liter) Wein hinaufgeführt. Der Niederhoffer, ein Sämer aus Passail habe ihnen den Tag ihres Treffens immer angekündigt, und habe dort auch getanzt. 

Der Teufel gebe manchen ein Zeichen, "Teufelsabbiss" genannt, den sie am Hals hängen hätten.  

Die alle wären neben ihm auch beim letzten Schauer in Graz gewesen und als Raben in einem schwarzen Nebel davongeflogen. In stark geschädigte Gebiete seien sie gar nicht hin gekommen. Der Teufel sei immer vorangeflogen. Im Allgemeinen hätten sie ihre Zusammenkünfte werktags gehabt.

Der Teufel gäbe im Allgemeinen auch nur den Vornehmsten von denen, die ihm nachfahren, jedes Jahr 3 Pfennig zur Belohnung und ein Paar Schuhe, mit denen sie in die Hölle fahren. 

Den ersten der Schauer, die 3 Jahre hintereinander gewesen seien, habe eine Bäuerin aus Geistthal bei Übelbach mit dem Namen Gaugler gemacht. 
Den anderen habe eine mit dem Namen Maria Ender vom Georgler Hof in Anger gemacht. 
Den dritten Schauer habe die Ziegler gemacht, eine Bäuerin aus Hauenstein. Der Gregor sei dabei gewesen. Er selbst sei nicht dabei gewesen. Er habe das nur von anderen gehört.

 Er habe einmal das Häferl, in dem das besagte Koch gewesen sei, am Schöckl eingegraben und je tiefer man das eingräbt, desto tiefer fällt der Schauer auf die Erde. Man soll auch dann, wenn in so einem Hagel Haare gefunden werden, immer ein Büschel Hanf  in das Häferl geben. 

Der vornehmste mit dem Namen Vizmann sei der Schwarz-Bauer von Ratten, von Kimberg hinüber; ein alter Bauer.
Mathias Jury, ein alter Bauer aus St. Peter, am Ende der Berge bei Neumarkt sei auch ein Kämmerer des Teufels.
Eugen Spiegel sei der Kochbauer, ein alter Mann aus St. Leonhard bei Obdach.

Ebenso ein alter Bauer mit Namen Juriz, der in Geistthal bei Übelbach wohnt. 
Auch ein alter Bauer, Ludwig genannt, der wohnt in Pankrazenberg, von Gratwein auf die Höhe hinauf, der sei interessiert und der Au-Bauer, sonst Veith genannt, ein alter Mann, der in Köflach wohnt.

Ebenso einer, der Simandl genannt wird, ein alter Bauer aus der Breitenau.
Leonhart am Fritsch, ein junger Bauernsohn aus Salla bei Voitsberg.
Meister Georg, ein alter Wagner aus Höllischreit, gegen die Pack zu. 
Hans Wallner, ein alter Bauer in Hirschegg Richtung Höllischreit.

Jurinz, ein alter Bauer in Fürstenegg. 
Jackl, ein alter Bauer in St. Martin bei Voitsberg.
Mörthl, ein alter Bauer in St. Peter bei Stainz.
Mathias, ein alter Bauer in Pureiß bei Schwanberg. 
Leonhartl, ein alter Bauer in Freitschach bei Putschuch.
Hinterpuchrißner, ein alter Bauer aus Rohr über dem Schwanberg, am Kogel droben gegen Kärnten zu. 


Blick von der Burg Strechau bei Rottenmann

Veitsberger, ein alter Bauer, zusammen mit seiner Frau, die schon sehr alt ist und Dreindl heißt und die an der Kainach wohnen. 

Der Steffl am Hoff sei auch ein Kammerdiener des Teufels, der besitze 10 Güter. 
Dann noch ein Bauer aus Semriach, der Rumpl heißt. 

Damit hat er seine Aussage abgeschlossen. Es falle ihm jetzt nichts mehr ein. Er wolle nachdenken und am Nachmittag  ohne Folter aussagen.
Er wurde am Nachmittag befragt, was ihm inzwischen eingefallen sei.


Er bekenne, es sei auch einer interessiert, der Georg am Niederhoff heiße. 
Ebenso die Lucia Gaugler an der Kainach .
Er bekenne, dass er in St. Gothardt und in Türnitz (nicht weit von Tannberg) mit dem Schreuter Georg aus dem Opferstock 6 Gulden Münzen herausgeholt habe, und zwar mit dünnen Spänen, die mit Pech beschmiert waren. 

Der Teufel habe ihm früher einmal am Schöckl gesagt, wenn er es so gut haben möchte wie er, dann soll er mit ihm fliegen.
Mehr wisse er nicht. 

 

 

Darauf sind ihm die Aussagen wiedergegeben worden, die er am Vormittag unter Folter gemacht hat, und er ist gefragt worden, ob er zu diesen Aussagen stehe. Er hat sie neuerlich bestätigt, gab jedoch an, dass er sich entgegen seiner Aussage bei den Namen vertan hätte und andere Personen genannt habe.

Schließlich aber sagte er:
E er sehe jetzt, dass er nicht hinter seinen Worten stehen könne. Er müsse bekennen und die Wahrheit sagen. Er bitte um Gottes Willen um Vergebung. Alles, was er jetzt und am Vormittag ausgesagt habe, sei alles nicht wahr. Er habe dergleichen nie begangen und was er in seinem Leben gestohlen habe, habe den Wert eines Talers nicht überschritten. Er habe das alles aus Furcht und wegen der Schmerzen der Folter getan. Er möchte das los werden, was er bekannt und ausgesagt habe. Aber das, was er jetzt bekenne, sei alles wahr. 

Grabstein in der Pfarrkirche von Rottenmann

 Am 26. März ist er abermals auf die Folterbank (Streckbank) geführt und gefragt worden, ob er bei seinem  Leugnen bleibe und sonst nichts weiter wisse.  

Er antwortete, dass jene Leute, die er unter Folter am 20. dieses Monats genannt habe, das sei alles nichts. Es sei ihm da der Arm ausgerenkt worden und ein warmes Lüfterl ins Gesicht gekommen, worauf er gebeten habe, ihn hinunter zu lassen. Und er bekenne noch einmal dasselbe, dass das alles nicht geschehen sei und er wisse nichts Weiteres. 

Am Ende Vernehmung ohne Folter bekennt er, dass einer, der Henner Vogl, der Marxl genannt werde, vergangenen Sommer in St. Gotthart bei Scheibbs aus einem Opferstock 10 Gulden  genommen habe und er habe ihm bei Lilienfeld hinter einem Gebüsch beim Zählen geholfen und dafür einen halben Gulden bekommen. Einen zweiten halben Gulden habe er ihm gestohlen. Im Allgemeinen halte sich der Genannte an der Donau auf. 

Vor 2 Jahren habe er andere, deren Namen er nicht kenne, gefragt, wie sie es machen, dass sie gefroren überleben können. Sie hätten geantwortet, dass sie geweihte Hostien in einem Tuch mitnehmen und sie auf ihrem Körper verteilen. So ein Mensch könne weder sterben noch verfaulen. Er habe so etwas aber nie tun wollen.
In der Karlau bei Graz habe er auch noch einen Blinden herum geführt und kleinweis 8 Groschen weggenommen.

Ebenfalls bei Graz habe er Blei klein und dünn geschlagen und Pfennige genommen und daraufgeschlagen. Andere Burschen haben mich gewarnt, wenn ich das öfter machen würde und erwischt werde, würde ich mein Leben lassen müssen. Daraufhin habe ich das unterlassen. 

Vergangenen Sommer habe er einem Bauern ein Hufeisen gestohlen und um einen Kreuzer verkauft. Er wisse weiter nichts.   

Daraufhin wurde er ausgezogen  und man hat ihm ungefähr 50 Kilogramm an die Füße gehängt und  ihn  eine Spanne von der Erde hochgezogen. Er habe aber nichts gestanden sondern nur "Au weh" und "Gott erbarm!“ geschrieen. 
Er bat hinab gelassen zu werden. Er wolle reden.  

Heruntergelassen sagte er aus:
Der Mathias Garaschiz habe zu ihm gesagt, warum er denn nicht solche Stückeln wie das Opferstock-Rauben lernen wolle und mit ihm gemeinsame Sache mache. Er habe darauf geantwortet, wenn man ihn dabei ertappe dann müsse er dafür büßen. Er habe darauf geantwortet, da müsse man schon etwas riskieren. 

Daraufhin ist er wieder hochgezogen worden und er schrie "Auweh" und "Unser Herrgott und unsere liebe Frau, verlasst mich nicht!"

Er gestand, in Lilienfeld einen Menschen erschlagen zu haben. Man soll ihn hinablassen, dann wolle er es gestehen. Darauf wurde er ein wenig hinuntergelassen.  

Kapelle neben der Pfarrkirche von Rottenman

 Er bekannte, er versündige sich mehr durch seine Lügen als durch das was er getan habe. Es sei nicht so, dass er einen Menschen erschlagen habe. Er wisse nicht mehr als das und man soll ihn doch nicht so quälen. 

Damit ist er aus der Folter entlassen worden.
Er sagte noch, jetzt sei er ein reiner Mensch.
Er hat weder bei der ersten noch bei einer anderen Folterung viele Tränen vergossen, sondern nur ungeduldiges und zorniges Verhalten gezeigt.

 

 

Am Tag darauf, am 27. März,

hat er ohne Folter und freiwillig gestanden, dass er sich in Lilienfeld - zu Pfingsten werde es 3 Jahre - in einem Wirtshaus allein vollgetrunken habe und dann einen altern Bauern, dem er auf dem Weg begegnet sei, bei einem Felsen an der Gurgel gepackt und erwürgt habe. Die 4 Gulden, die dieser bei sich gehabt habe, habe er an sich genommen. Den Mann selbst habe er mitsamt seinen Kleidern bei einem nicht weit davon stehenden Kreuz in der Erde, die dort sandig und locker war, mit einem Stück Holz vergraben. Er sei ganz allein gewesen und es habe ihn schon öfter gereut. 

In Niederösterreich, in der Gegend von Melk, habe er in einer Bleiche an die 20 Ellen schöne Leinwand mitgenommen und danach die Elle um 8 Kreuzer und 10 Groschen verkauft, das Geld habe er vertan.

In Kilb in Niederösterreich habe er einem Bauern Hosen und Rock entwendet und um 2 Gulden verkauft.

Der Rüpfige Bärtl habe ihn vor 5 Jahren gemeinsam mit seinem Kameraden Nigl, der jetzt bei St. Florian in Diensten ist, erwürgen wollen. Der Grund war, dass sie ihn (den Bärtl) mit Kirschkernen beworfen hätten. Der Bärtl habe schon den Daumen an die Gurgle gesetzt gehabt und hineindrücken wollen, sodass er keine Luft mehr bekommen habe.

  

Am 28. März  

 hat er abermals ohne Folter-Anwendung gestanden, in Klein Zell bei Lilienfeld einem Bauern 5 Pfund Speck gestohlen und das Pfund um 3 Groschen verkauft zu haben.
In der Schwarza bei Neuberg habe er einem Bauern ein neues Paar Schuhe gestohlen und um 12 Groschen verkauft.
Bei Gloggnitz habe er in einem Bauernhaus einen Frauen-Rock gestohlen und um 10 Groschen verkauft.
Bei Kirchberg habe er einen alten Frauen-Pelz gestohlen und um 10 Groschen verkauft. 
Bei Pinkafeld  habe er einem Bauern 2 gute Hemden gestohlen und diese um 10 Groschen verkauft.


In Vorau habe er eine alte  Hose entwendet und auch um 10 Groschen verkauft.
In Weiz habe er einem Bauern ein neues Paar Strümpfe aus Loden gestohlen und um 5 Groschen verkauft.
In Anger habe er einem Bauern einen Hut gestohlen und um 3 Groschen verkauft.
Bei St. Veit oberhalb von Graz habe er bei einem Bauern ein Maßel Zwetschken gestohlen und selbst gegessen. 
Bei Fernitz habe er 2 Pfund Flachs gestohlen, wobei ihn der Bauer erwischt und grob geschlagen habe. Das Bündel Flachs habe er zurückgeben müssen.
In Gratwein habe er eine Hand voll Kerbel gestohlen und um 2 Groschen verkauft.

Kirchturm in Rottenmann

 


Ober der Ramsau habe er 1/2 Pfund Speck gestohlen. Dabei sei er auch erwischt und grob geschlagen worden. 
Er sei eben ein Bettler, den man den Grindigen Hansl nenne, er trage eine weiße Lodenjacke und sei im Allgemeinen mit dem Mathez zusammen, dem Bruder des Feisten Windisch. Bei Stainz habe er einen Frauen-Kittel gestohlen und um 4 Groschen verkauft. 
Bei St. Stephan bei Stainz habe er einen groben Frauen-Unterrock mitgehen lassen und um 8 Groschen verkauft. 
In Geistthal habe er einem Bauern 2 Pfund Speck gestohlen und um 6 Groschen verkauft. 
In Übelbach habe er 3 Pfund Nüsse mitgehen lassen, mitsamt einem Sackl, zum Teil selbst gegessen zum Teil verkauft, 20 Stück um einen Pfennig. 
In St. Michael bei Leoben habe er einem Bauern ein altes Paar Strümpfe gestohlen. Da ist er auch ertappt und hart geschlagen worden. 
In Kraubath habe er ein rupfernes Hemd entwendet und um 5 Groschen verkauft.
In Seckau habe er einem Bauern eine alte Hose gestohlen und selbst verwendet bis sie zerrissen war.
In Pöls habe er ein halbes Pfund Speck gestohlen. Dabei sei er erwischt und geschlagen worden. 

             

Am 1. April 
gestand er abermals ohne Anwendung der Folter,

er habe in Mureck einem Schneider einen Batzen (Geld) gestohlen, ihn aber wieder zurückgeben müssen. 
In einem Dorf oberhalb von Ehrenhausen habe er 2 Groschen gestohlen.
Außerhalb von Weyer (bei Frohnleiten) habe er einem Bauern eine Hose aus weiß gegerbtem Leder gestohlen und sie um 45 Kreuzer einem Bettler verkauft. 

In Weiz habe er einem Bauern einen Loden-Janker gestohlen, nachdem er aber erwischt und grob geschlagen worden sei, habe er ihn wieder zurückgeben müssen. 
In Oisitz in Niederösterreich habe er einen Frauenrock gestohlen und um  8 Groschen verkauft. 
In Gresten in Niederösterreich habe er ein Paar Schuhe gestohlen und um 3 Groschen verkauft.
In Steinakirchen habe er einem Bauern eine Jacke gestohlen. Der habe ihn aber erwischt und grob auf die Finger geschlagen habe, bis er versprochen habe, nie mehr zu stehlen.
Das hat er auch gelobt und damit seine Aussage beendet. Mehr wisse er nun einmal nicht. 
Die am 26. März genau beschriebenen Fakten, besonders die beschriebene Erwürgung hat er zu unterschiedlichen Zeiten siebenmal bestätigt und bekräftigt. 

 

 Am jüngst vergangenen Osterabend hat er aber alles und jedes (außer die vor der ersten Folterung gemachten Geständnisse) wieder geleugnet. Er ist bei diesem Leugnen bis dato geblieben, mit der Begründung, dass er jetzt in der heiligen Zeit diese, durch sein Leugnen begangenen Sünden, nicht auf ihm liegen lassen könne, sondern die Wahrheit bekennen müsse. Er bitte um Gottes Willen, ihm das zu verzeihen. Es sei nun einmal so, dass er nichts dergleichen je begangen habe. Er habe auch über die anderen (außer der vor der ersten Folter gemachten Aussage) nur gelogen. Er habe sein Leben lang nichts gestohlen, was über den Wert eines Talers hinausgegangen wäre. Er bat, man solle ihn doch frei lassen. Er wolle in Zukunft nicht mehr betteln gehen, sondern beim nächsten Bauern in Dienst treten.
Er wisse weiter nichts mehr. 

Damit hat er seine Aussage endgültig beendet.

 

Tor in der Stadtmauer von Rottenmann

Neuerliche Prüfung mit und ohne Folter 

Am 23. Mai 1659 fand in der Stadt Rottenmann ein Verhör des Hans Glaser, der auch der "grindraudige Hansl" genannt wird, ohne Folterung  statt. 

 

Er hieße der "Grindraudige Hansl". Dieser Name sei sein Spitzname. Sein echter Name sei Hans Glaser. Er habe seine Eltern nicht gekannt, weil er schon als kleines Kind weggekommen sei. 

Er habe sich das erste Mal in Abstall und später bei anderen Bauern aufgehalten und zum Teil dort Dienste verrichtet. 
Bettlerbuben wie der Wiener und der Mathez, der Bruder vom Feisten Windisch hätten diesen Spitznamen aufgebracht.
Er habe den Dalketen Gregor gekannt. Bei St. Ilgen bei Aflenz wären sie am heiligen Christtag beisammen gewesen. Er habe aber keine engere Beziehung zu ihm gehabt.
Er habe den Schielenden Hauser, auch den Rüpfigen Bärtl und den Nikl gekannt und ist mit ihnen an verschiedenen Orten unterwegs gewesen. 
Letzten Sommer habe er erfahren, dass der Dalkerte Gregor hingerichtet worden sei. Das habe ihm der Bärtl gesagt, der bei Kienberg wohne. 
Er sei zu Weihnachten 1658 in Irdning gewesen und sei beim Ofner, einem Bauern, untergekommen. 
Zum ersten Mal habe er im Windischen bei einem Bauern, den er nicht kenne, gestohlen. Sein Kamerad, der Jakl, habe in Mureck drei Dreier gestohlen.

Der Jakl, der Grindraudige Jakl, der Ripl und er hätten in der Pfarre Straden einem Bauern drei Gulden aus dem Sack gestohlen. Ihm habe man davon nur 5 Kreuzer gegeben.In Brunnsee, oberhalb von Mureck, hätten sie einem Schmied 4 Groschen gestohlen, während der Schmied geschlafen habe. Das habe sein Kamerad Jakl gestohlen und mit ihm verbraucht. 
In Wundschuh bei Wildon hätte der Simmerl, ein Bettelbub, aus dem Opferstock Geld genommen. Davon habe er ihm nur zwei Dreier gegeben, als Lohn, weil er aufgepasst und geschaut habe, dass ihn keiner sieht und ertappt.
In Voitsberg hätte er in einem kleinen Häuschen einem Bauern ein Knäuel Zwirn gestohlen.
Oberhalb von Maria Lankowitz habe er Strümpfe gestohlen.
In der Veitsch bei Aflenz habe er auch ein altes Paar Schuhe bei einem Bauern gestohlen.
Ein Paar weißlederne Handschuhe hätte er in der Veitsch bei einem Schuster gestohlen.

In Mitterndorf bei Bad Aussee hätten er und der Nikl einem Bauern ein Paar Schuhe gestohlen.

In Niederösterreich habe er einem Mann mit dem Namen Marlzel, der ein Opferstockräuber gewesen ist, einen halben Gulden gestohlen, dafür habe er ihm aber einen halben Gulden geschenkt. 

Der besagte Marlzel habe bei St. Gotthart aus dem Opferstock 10 Gulden gestohlen. Diese 10 Gulden habe er dem Marlzel zählen geholfen. Er sei aber bei der Tat selbst nicht dabei gewesen. 

Er habe zwar auf der Folterbank gestanden, dass er bei St. Gotthart bei Tirniz 6 Gulden gestohlen habe. Dies habe er aber nicht getan, sondern er habe die Unwahrheit gesagt.

Burg Strechau bei Rottenmann

In der Karlau bei Graz habe er einem blinden Bettler, dem er geholfen habe, 8 Groschen gestohlen.
Außerdem habe er in Steinhofen einem Mann namens Tobias 3 Groschen abgenommen, der auch ein Opferstockräuber gewesen sei.
Es sei wahr, dass er auch einem Bauern ein Hufeisen gestohlen habe.
Er nehme aber zurück, was er früher gestanden habe, nämlich dass er 20 Ellen schöner Leinwand gestohlen hätte.

Er nehme auch zurück, dass er einem Bauern in Niederösterreich die Jacke und die Hose gestohlen habe. Er nehme auch zurück, dass er Speck gestohlen habe, wie er früher ausgesagt hätte. In Mureck habe er bei einem Schneider einen Batzen gestohlen, diesen aber wieder zurück geben müssen.

Desgleichen habe er oberhalb von Ehrenhausen 2 Groschen gestohlen. Unter Mureck habe er einem Bauern ein Paar Stiefel gestohlen.

Der Karner, wie auch der Wiener, der Mathez und der Rotkopf hätten in der Kirche von Mariazell in der Nacht um 11 Uhr 42 Gulden. Aus dem Opferstock gestohlen und es ihm gestanden. Er sei aber nicht mit ihnen gegangen. Sie hätten das mit langen Spänen gemacht, die sie mit Kirschbaum-Pech, das so zäh war wie Leim, getan und so das Geld aus dem Opferstock gezogen. Er habe dem Bettler, der Korporal genannt wird, geholfen, dass Pech und die Späne herzustellen.

Der  Krumme Tazel, ein Bettler, wie auch der Faiste Windisch und der Fahnen Mathez wären Kirchenräuber, außer der Faiste Windisch, von dem er diesbezüglich nichts gehört habe. Dem Bettler Blasi habe er 8 Kreuzer gestohlen, der habe ihm einmal 6 und einen halben Kreuzer geschenkt, er hätte aber nicht mitgetan.

Der Blasi und der Lipperle seien Kirchendiebe und hielten sich in Ungarn auf.

Er selbst habe Opferstöcke nie geöffnet. Bezüglich des Mordes: Er bestreite, dass er den Bauern bei Lilienfeld umgebracht habe. Er habe dies nur wegen der Schmerzen bei der Folter gestanden.

Der Gerichtsdiener von Gratwein hätte ihm ein Stück Knochen gegeben, damit er dadurch mehr Glück beim Betteln haben solle. Dieses Knochenstück sei von der Hirnschale eines armen Sünders gewesen. Er hätte nichts dafür gegeben.

Bezüglich der Zauberei sagt er, er habe alles nicht der Wahrheit entsprechend ausgesagt. Er habe nichts mit dem bösen Geist zu tun, noch habe dieser mit ihm zu tun gehabt.

Was der böse Geist den Zauberern gebe und was er über die anderen bezüglich der Zauberei angegeben habe, sei nur vom Hörensagen gewesen. Wenn die Bettler zusammen kämen, so reden sie auch von Zeit zu Zeit über diese Sachen. Von denen habe er gehört, dass dieser oder jener ein Zauberer sein soll. Wegen des Steffl am Hoff (Stefan Zechner) wisse er auch nicht, ob er ein Zauberer sei, sondern er habe nur gehört, dass er ein Zauberer sei. Das habe er von einer Wirtin in Stübing oberhalb von Gratwein gehört. Er aber kenne den Steffl am Hoff nicht. Die Wirtin habe ihn gefragt, ob er auch ein Zauberer sei, darauf habe er Nein gesagt.

Blick von der Burg Strechau bei Rottenmann

Er wisse auch nicht, dass der „Großtalkete Gregor“ ein Zauberer sei. Ebenso kenne er den Georgen Gori nicht und wisse auch nicht, ob er ein Zauberer sei.

Bezüglich der Prantauerin sagt er, er kenne sie gar nicht. Er sei zwar einmal in der Stadt Graz in ihrem Haus gewesen aber sie selbst hat er nicht gesehen, weder damals noch ein anderes Mal. Er habe früher über sie gelogen, denn er wisse nicht, dass die Prantauerin eine Zauberin sein soll. Er habe nur von anderen Bettlern gehört, dass sie eine Zauberin sein soll.  Er will darauf leben und sterben, dass er früher über sie und die anderen Personen, die er genannt habe, falsch ausgesagt und über sie Lügen verbreitet habe.

Er sei sein Lebtag nie am Schöckl gewesen.

Er hat in allem widerrufen, was er bezüglich der Zauberei und all diejenigen, gegen die er ausgesagt habe, sowohl männliche als auch weibliche Personen.

Im besondern hat er auch alles, was er über den Bauern Rumpel ausgesagt hat, zurückgenommen und widerrufen.

Als er gefragt worden ist, warum er denn früher nacheinander diese Dinge ausgesagt habe, hat er geantwortet, wegen der Schmerzen, die ihm auf der Folterbank zugefügt worden sind."

  

 

Am 24. Mai 1659:  Verhör des Hans Glaser mit Folter -
in Rottenmann in der Folterkammer

 

"Er verneint, ohne hochgezogen worden zu sein, dass er zum Bauern Jergel gegangen sei oder sich dort aufgehalten habe, oder dass er gewünscht habe, die Zauberei zu lernen und auf den Schöckl zu fliegen oder dass er diesbezüglich geredet habe. Es sei alles erlogen was er diesbezüglich gesagt habe. Es sei auch nicht wahr, dass er auf den Schöckl geflogen sei, weder allein noch mit anderen.

Er kenne den Steffl am Hoff gar nicht und auch nicht die anderen Bauern über die er ausgesagt habe.
Er sagt, er kenne die Prantauerin nicht und wisse auch nicht dass sie eine Zauberin sei.
Er wolle dafür sterben, dass er selbst kein Zauberer sei.
Was er vorher über die Prantauerin und über die anderen ausgesagt habe bezüglich der Zauberei, habe er gelogen und er habe ihnen Unrecht getan.
Er habe nie einen Passauer Zettel gesehen oder besessen.
Er habe keinen Mord begangen, sondern früher diesbezüglich gelogen. Er wolle darauf leben und sterben.

Er habe gehört, falls man zaubern wolle, so müssten die Zauberer ein Koch kochen. Er aber habe nichts dergleichen getan.
Aufgehängt in der Folterkammer sagt er aus, er sei kein Zauberer. Die anderen, die er beschuldigt habe, seien auch keine Zauberer, weder die Prantauerin noch die anderen. Er hätte auch niemanden erschlagen. Er wolle darauf leben und sterben.

Tor in der Stadtmauer von Rottenmann


Es sei hervorgehoben, dass er sich in seinen Aussagen nicht widersprochen hat, noch diese abgeändert hat. Weder mit Folter noch ohne Folter. Ohne Widerstand sind ihm auch in Essen und Trinken Weihwasser und geweihtes Salz hineingemischt worden und es wurden auch unterschiedliche Reliquien durch Ordensleute von den Jesuiten und den Kapuzinern um den Hals gehängt."

 

 

Auszug aus dem Schreiben des Regierungs-Kommissärs Dr. Hieronymus Angelati an die Innerösterreichische Regierung nach Beendigung des Prozesses:

 

 

 

 

 

 

Hochlöbliche Innerösterreichische Regierung!

....
"Zur Frage, was für eine Strafe wegen des gestandenen Diebstahls und des Kirchenraubes über den Verbrecher verhängt werden soll:

Es ist zu beobachten, dass dieser Delinquent unterschiedliche Diebstähle in einer solchen Wiederholung begangen hat, dass man mehr den Geist des Diebstahls als die Quantität beachten muss. Obwohl nicht von einem unmittelbaren Sakrileg gesprochen werden kann, so doch mittelbar, und so hat er sich doch dieses Verbrechens schuldig gemacht und es wäre daher nur gut und billig, wenn dies mit der gleichen Strafe zu ahnden wäre. Auch deshalb, weil er sich bei solchen bösen Leuten lange Zeit aufgehalten hat.

....

Unter Berücksichtigung, dass der Delinquent so große Folterqualen ausgestanden hat und etliche Monate im Sommer bei Folter in Eisenketten verbracht hat, wären wir der persönlichen Meinung, dass der Delinquent mit Ruten ausgepeitscht und aus dem  Land ausgewiesen werden soll."

Graz, Zeughaus, Portal, Detail mit Bezug zu Rottenmann

  Graz, 4. Juni 1659

Euer Gnaden und Gnaden
untertänig gehorsamst 

Dr. Hieronimy Angelati

   

 

 

 

Anmerkung :     
Dieses Protokoll wurde von Siegfried Kramer mit Unterstützung des Historikers Walter Steinmetz (dem ich für die Korrektur und wesentliche Ergänzungen des Textes danke) möglichst wortgetreu in unsere heutige Sprache übertragen.
Die Transliteration des handschriftlichen Originaltextes von Helfried Vanlentinitsch war neben dem Originaltext die Grundlage meiner Übersetzung. Sie finden die Transliteration zusammen mit einem exzelenten Artikel über Bettlerverfolgung und Zaubereiprozesse in der Steiermark hier.
Anzumerken ist auch, dass im Prozessprotokoll wiederholt vom Semmering die Rede ist. Hier ist ganz sicher Semriach gemeint. Abgesehen davon, dass Stefan Zechner, wie aus anderen Prozessen bekannt ist, ganz eindeutig aus Semriach stammt, sind auch andere Namen von genannten Personen typische Namen von Bauern rund um den Schöckl, auch die erwähnten Nachbarorte Passail und St. Veit sprechen daür usw. Es handelt sich offenbar um einen Hör - oder Schreibfehler.
Der handschriftliche Originaltext befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv.
Graz 2010

 

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