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Der Prozess gegen Thomas Heiser


Am 28. Juli 1653 vormittags

 

"Im Beisein der Herren: Schaffer, Paul Winkler (Marktrichter), Christoph Haan und Hans Wieser.

Er bekennt: Er heiße mit seinem Tauf- und Zunamen Thomas Heiser, sei 84 Jahre alt und ein Hirte.

1. Er bekennt, nach der ersten überstandenen Folter und sagt:
Den Wolf-Segen könne er wohl beten. Diesen habe er vor 50 Jahren von seinem Kameraden, dem Paul, gelernt und der habe vom Beten des Wolf-Segens bei den Bauern gelebt. Wenn er diesen gebetet habe, hätten ihm die Bauern immer Getreide und gelegentlich Brot gegeben. Er habe diesen Segen auch von einem Mann namens Wolff Reiter, der in Frauenburg hingerichtet worden sei, gelernt.

Lambrecht Tor

Tür im Stift St. Lambrecht

2. Er bekennt: Wenn man diesen Segen lernen will, darf man sich dem Teufel vorher viermal ergeben.

3. Er gesteht: Alles in allem habe er den Bauern 10 Rinder niederreißen lassen. Seine Gefährten, die ihm dabei geholfen hätten, seien schon alle gestorben. Wenn er in das Wolfsbannen nicht eingewilligt hätte, hätte ihn der Böse Geist geschlagen.

4. Er gesteht: Das erste Mal hätten sie im Ennstal, vor 16 Jahren, als sie auf der Gart gegangen seien, dem Gamper auf der Alm einen jungen Ochsen durch die Wölfe zerreißen lassen.

5. Das andere Mal hätten sie einem Bauern namens Pichler einen jungen Ochsen zerreißen lassen, nachdem sie von ihm Fleisch verlangt hätten, er ihnen aber nur Käse und Brot gegeben und sie sich mit ihm zerstritten hätten.

6. Das dritte Mal hätten sie in Radstadt im Salzburgischen, einem Bauern, dessen Namen er nicht mehr weiß, eine Kuh zerreißen lassen.

7. Das vierte Mal hätten sie in Wagrain im Land Salzburg, als ihnen ein Bauer, dessen Name er nicht kenne, mit der Hacke nachgelaufen sei und der sie schlagen wollte, einen jungen Ochsen zerreißen lassen.

8. Das fünfte Mal hätten sie einem Bauern in der Gasten mit dem Namen Magerl ein kleines Kalb zerreißen lassen, weil er sie nicht beherbergen wollte.

9. Das sechste Mal hätten sie in der Rauris in der Nähe von Gastein, einem Bauern namens Prellinger, der sich mit seinen Freunden wegen der Spende gestritten hätte, einen jungen Ochsen zerreißen lassen.

10. Das siebente Mal war es vor ungefähr 30 Jahren in der Tetten bei zwei Bauern. Einer sagte, er wolle sie erschießen. Dem einen Bauern namens Mursach hätten sie ein Kalb und dem anderen Bauern mir Namen Kohlweiss ein kleines Kalb zerreißen lassen.

11. Das achte Mal, das war vor ungefähr 40 Jahren, hätten sie in der Urschau beim Schöneicher eine Kuh niederreißen lassen, weil man ihnen kein Fleisch geschenkt habe.

Peterskirche

Peterskirche von St. Lambrecht

12. Das neunte und zehnte Mal: Vor 40 Jahren hätten sie beim Jager-Bauern in Kolbs eine Kuh niederreißen lassen, weil man ihnen kein Schmalz gegeben habe.

13. Er gesteht: Vor 50 Jahren in Innsbruck in Tirol, da habe er sich dem bösen Geist mit Leib und Seele ergeben und ihm versprochen ihm zu gehören. Der böse Geist habe gesagt, leb er kurz oder lebe er lang, er gehöre ihm. Er aber habe gesagt, er wolle ihm, so lange er lebe, dienen und er habe Gott dem Allmächtigen, der Heiligen Dreifaltigkeit, Unserer Lieben Frau und dem ganzen Himmlischen Heer abgeschworen und diese verleugnet.

14. Er bekennt: Der Teufel habe ihm an der rechten Hand mit seinem Messer in den kleinen Finger geschnitten, das Blut herausgedrückt und getrunken. Er habe ihm auch vom Kopf ein Haar geben müssen und gesagt, er soll sein Sohn sein. Er soll nicht beten, nicht fasten und auch in keine Kirche gehen. Und er soll auch nicht Gutes tun.

15. Er bekennt: Nachdem er vor 50 Jahren spät am Abend an einem Samstag in der Steiermark in einer Badestube allein gebadet habe, sei der Böse Geist auch zu ihm herein gekommen. Und er habe von ihm wieder verlangt, er solle sich ihm unterwerfen. Er käme viel leichter mit dem Leben zurecht und er habe ihm einen Taler Geld gegeben. Darauf habe er dem bösen Geist abermals seine Seele versprochen und wie dieser gleich nach Mitternacht zu ihm gekommen sei, da habe er wie ein anderer Mensch ausgesehen und habe Feuer gespiehen.

16. Der Böse Geist sei zu ihm in die Kirche gekommen und habe ihm verboten zu beten.

 

 

Am selben Tag am Nachmittag,

Schaffer, Paul Winkler (Marktrichter), Christoph Haan und Hans Wieser

17. Er bekennt: Der Lorenz, sonst Katzenbuffer genannt, sei sein Kamerad und er stamme aus dem Lungau und halte sich in Kärnten auf.

18. Er bekennt: Er sei früher einmal auf einer Teufels-Mahlzeit auf einer Alm gewesen. Es seien viele Leute dort gewesen, die er aber nicht gekannt habe. Sie hätten auf dem Platz gesessen. Es sei aber kein Salz und Brot da gewesen und es seien auch Speis und Trank nicht wirklich gewesen. Er sei auch dort gewesen und habe aus einem Glas Wein getrunken. Der Böse Geist habe ihm verboten übereinander etwas auszusagen. Nach der Mahlzeit hätten sie getanzt. Es habe 7 Spielleute gegeben, ein Pfeifer und 6 Leier-Spieler. Der Leierer-Paul sei auch dabei gewesen und die besten Leier-Spieler seien dort gewesen. Das sei alles bei Tag geschehen.

19. Er bekennt: Nach dem Essen und dem Tanzen hätten sie die Finger in ein Buch hinein gelegt und den Bösen Geist immer wieder aufs Neue angelobt. Und sie hätten schwören müssen, ihm zu gehören. Sie seien vor ihm niedergekniet und hätten ihn angebetet und die Fußsohlen und auch den Hintern drei oder vier Mal küssen müssen. Wenn sie das nicht getan hätten, dann hätte er sie wohl zerrissen.

20. Er bekennt: Nach der Mahlzeit und dem Tanz, das war vor 40 Jahren, habe er sich mit der Tochter des bösen Geistes mit dem Namen Fridändel 5 oder 6 Mal fleischlich versündigt. Das sei auf einer hohen Alm geschehen. Sie habe bei Tag hübsch und fröhlich ausgesehen. Er sei damals noch ledig gewesen.

Fresko spes

Fresko im Stift St. Lambrecht aus der Zeit der Prozesse

21. Er bekennt: Einer namens Hans, der sich in Murau aufhalte, sei im Sommer Güter rauben gegangen. Er könne auch die Wölfe bannen. Der sei auch mit ihm in die Lüfte gefahren und zwar wie weiße Raben. Sie hätten Wetter und Schauer gemacht. Sie hätten aus Wasser Eis gemacht. Daher sei der Schaden weit über die Mittelsteiermark hinunter groß gewesen. Vor ungefähr 8 Jahren sei das gewesen und ein Georg Pauker, ein Viehhüter aus Kärnten, und der Veithl aus Kärnten, ebenfalls ein Hirte, seien dabei gewesen.

 

22. Er bekennt: Vor ungefähr 34 Jahren, nachdem der Böse Geist von ihm verlangt habe, er solle beichten gehen und ihm die heilige Hostie mitbringen, sei er bei Sankt Peter und Paul zu Thorna bei Stainz zur Beichte gegangen. Er habe die heilige Hostie mit der Hand aus dem Mund genommen und diese in Wachs eingemacht aufbehalten und so dem bösen Geist gegeben. Dieser habe ihn nicht sehen lassen, wofür er sie verwendet habe.

23. Er bekennt: Vor 20 Jahren als er in Salzburg bei Heiligen Blut gebeichtet habe, habe er auch die heilige Hostie mit der Hand aus dem Mund genommen und habe sie ebenfalls dem Bösen Geist gegeben.

24. Er gesteht: Als er zu Villach in Kärnten einst gebeichtet habe, habe er die heilige Hostie heraus genommen und dem Bösen Geist gegeben.

25. Er bekennt: Er sei auch mit anderen seiner Mitgenossen 3 oder 4 Mal in den Lüften herum gefahren und habe geholfen Wetter zu machen.

26. Er bekennt: In Meinitz bei Weitenfeld gäbe es auch viele Zauberer und ein jeder habe einen sonderbaren Tisch mit Speisen. Die Speisen und die Getränke seien alle nur eine Einbildung, was mancher wüsste. Er würde sich nicht darauf einlassen. Er sei bei 7 teuflischen Mahlzeiten dabei gewesen.

27. Er bekennt: Die Liedl am Kogel, die sei auch ziemlich weit herum gefahren. Sogar ins Wallische Land sei sie gekommen und sie sei in Dürnstein im Gefängnis gewesen.

Karner LAmbrecht

Karner im Friedhof von St. Lambrecht

28. Er gesteht: Er habe 4 Wetter gemacht. Eines sei bei Graz über den Schöckl hinüber gezogen. Die Passailer und die Semriacher, die er aber nicht namentlich zu nennen weiß, seien vom Hengsberg aus mitgefahren und hätten alles erschlagen.

29. Das erste Wetter habe er mit seinen Kameraden am Hengsberg vor 6 Jahren gemacht.

30. Das zweite Wetter habe er gegen Leutschach hinunter gemacht. Das hätte einen mittleren Schaden angerichtet und sei vor 16 Jahren geschehen.

31. Das dritte Wetter bei Sankt Sebastian bei Mooskirchen habe er mit viel Wasser gemacht und das sei vor 19 Jahren geschehen.

32. Das vierte Wetter sei in Fehring geschehen und zwar vor 30 Jahren und habe in den Weingärten und auf den Weiden großen Schaden angerichtet.

 

 

33. Er bekennt nach der zweiten überstandenen Folterung seine Kameraden:

Einer mit Namen Paul,
einer mit Namen Tanglhammer,
einer mit dem Namen Lamprecht,
der Sohn des Marx, dieser sei einmal in Graz bei ihm gewesen.
Einer mit dem Namen Stindl. Der halte sich in der Untersteiermark in der March auf.
Ebenso einer mit dem Namen Stölzl.
Dann einer namens Veith von der Pack, ein langer Kerl.
Außerdem einer aus Gratwein. Ein zotterter mit dem Namen Georg. Der halte sich eine Zeit lang hier und eine Zeit lang dort auf und der habe sich in Graz bei einem Herren aufgehalten und sei 5 oder 6 Jahre sein Weggefährte gewesen. Er habe ein schwarzbraunes Hemd gehabt und sei auch mit ihm gefahren und habe Wetter geführt und sich vom Teufel beißen lassen. Und er habe allerlei schlechte Dinge wie er gemacht.

34. In Neuberg sei einer, der heiße Elias. Ein großer langer Mensch. Der habe einen langen Bart. Er wisse aber nicht, wo er sich aufhalte.
Auch sei da einer mit Namen Christoph. Der halte sich in Straßengel auf. Ein alter Bettler, der keine Frau habe. Der sei schon grau und habe das Hinfallende
(Epilepsie).
Ebenso in Niederwölz, da sei einer, der halte sich in der Hubmans Badestube auf. Er habe Weib und Kind, die auch Betteln gingen und er sei auch mit ihm gefahren. Ebenso sei da einer mit Namen Hänsl, der halte sich im Kammertal auf und sei auch unter seinen Weggefährten vor 24 Jahren gewesen.
Außerdem einer mit Namen Georg Bachmann, der sonst Georg Prucker genannt werde. Der halte sich in Bayern auf, komme oft her und habe da seine Freud.

35. Er bekennt, dass er vor ungefähr 20 Jahren (damals sei er 49 Jahre alt gewesen) mit der vorher erwähnten Fridandl, der damals ledigen Tochter der Maria Teufelin, oft in der Woche sowohl bei Tag als auch in der Nacht zu tun gehabt habe und zwar in Gestalt einer Geiß und in Gestalt einer Katze. 5 oder 6 Mal in Gestalt eines Hundes. 10 oder 12 Mal, das sei in einem Federbett geschehen, habe sie von ihm verlangt, er solle ihr dienen. Sie wolle ihm dafür immer helfen. Es sei aber nicht war. Der Teufel sei ein rechter Lügner.

36. Er bekennt, er allein habe 10 Rinder, zusammen mit seinen Freunden aber 24 Rinder gerissen. Seine Gefährten seien viel böser und ärger gewesen als er.

37. Er bekennt nach weiterer überstandener Folterung, dass er seinen Sohn Gregor, als der noch im Mutterleib gewesen sei, dem Bösen Geist versprochen habe.

Pranger lambrecht

Pranger am Hauptplatz von St. Lambrecht

38. Er bekennt, nachdem sein Sohn Gregor etwa 14 Jahre alt gewesen ist, habe dieser die Tochter des Teufels namens Lucia geheiratet. Die Hochzeit sei am Schöckl bei Graz abgehalten worden. Die Brautleute hätten einander etwas vermacht und einen Heiratsvertrag gemacht. Sie hätten sich vor dem Bösen Geist nieder gekniet und ihn angebetet und ihm den Hintern geküsst. Später seien sie in der Nacht bei einander gelegen. Er sei auch selbst dabei gewesen. Die Spielleute, also Trompeter, Geiger und Dudelsack-Pfeifer hätten dem Bräutigam und der Braut zum Schlafen gegeigt und aufgespielt. Als sie schon schlafen gegangen waren, habe er seine Frau nach hinten geschafft und nichts mit ihr zu tun gehabt.

39. Er bekennt, man hätte zu dieser Hochzeit auf dem Schöckl ein Fass Wein, Betten und dergleichen Sachen hinauf geführt. An diesen Wägen sei eine Strohhalm-Achse gewesen, 4 Eier seien die Räder und 4 Böck die Rosse gewesen. Es seien nicht nur die Spielleut als Trompeter, Instrumenten-Spieler und Sack-Pfeifer sondern auch noch 3 Personen in Gestalt von Geier, Rabe und Elster dabei gewesen.

40. Bei dieser Mahlzeit und der Hochzeit habe jeder seine eigene Tänzerin gehabt. Als der Tanz aber vorüber gewesen sei, seien alle zu Raben und Krähen geworden. Und während des Tanzens hätten sie sich untereinander beratschlagt, wie sie es machen könnten, damit sie Reich und Arm zu schaden bringen könnten. Darauf haben sie beschlossen, teils Wasser hinauf, teils Wasser hinunter zu gießen. Und damit soll der obere Teil des Wassers das Getreide und der untere Teil des Wassers den Wein treffen. Es habe ein jeder einen Teil dazu beigetragen. Er selbst habe das Wasser in einem Geschirr hinauf getragen und in des Teufels Namen ausgegossen. Das war vor ungefähr 6 Jahren auf dem Schöckl bei Graz, als das geschah. Das wäre zu der Zeit gewesen, als man in Stainz Wallfahrten gegangen sei.

41. Er bekennt, wenn man ein geweihtes Pulver und Silber habe und das zwischen den Zähnen zerbeiße und danach die zauberischen Leute anschreie, dann könne man das Wetter wenden und zum Stehen bringen.

42. Er bekennt: Jener Bettler, der seine Hand so trägt, als wäre sie ausgekegelt, sei auch dabei gewesen und kenne die Zauberei gut. Ebenso einer mit dem Namen Marxel und ein Elias, der sich für einen Pilger ausgebe und bei den Bauern die Hand aufhalte oder absammle und die Sachen verkaufe.

43. Er bekennt ferner: Bei der Hochzeit seines Sohnes seien 14 Tische mit Leuten gewesen und die hätten allerlei Speisen gehabt, aber es sei kein Salz da gewesen. Ein Rinderhirte sei vorüber gegangen, der habe ein vierblättriges Kleeblatt bei sich getragen und der habe alles gesehen.

44. Er gesteht: Bei der Hochzeit seines Sohnes hätte jeder eine heilige Hostie hingebracht. Er selbst habe bei Petronell im Ungarischen in einer katholischen Kirche gebeichtet, die Hostie aus dem Mund genommen und diese bei der Hochzeit dem Bösen Geist gegeben.

45. Er bekennt: Bevor er seinen Sohn verführt habe, sei er zum dritten Mal gefahren. Vor 15 Jahren hätte er in Pinggau auch seine Frau soweit gebracht, dass sie das erste Mal mit ihm mitgefahren sei und sich dem Bösen Geist ergeben und Gott und allen Heiligen widersagt habe.

46. Er bekennt, in den letzten 40 Jahren hätte er alles in allem 14 heilige Hostien dem Bösen Geist gegeben.

Kirche Lambrecht

Blick auf die Stiftskirche St. Lambrecht

47. Er bekennt ferner, dass der frühere Probst von Gurk an die 200 Zauberer, Wettermacher und Wolfsbanner, gehalten habe und diese alle Jahre mindestens einmal als Gäste bei sich hatte. Das habe er von einem eigenen Kameraden aus der Gruppe seiner Weggefährten selbst gehört. Der Probst sei aber in Kärnten inzwischen hingerichtet worden. Er wisse zwar nicht, ob er sie im Kloster oder auf der Alm als Gäste gehabt habe. Dieser Weggefährte habe ihm unter anderem anvertraut, dass gleichsam halb Kärnten wegen solcher Zauberei verhaftet worden sei. Er habe unter anderem zu ihm gesagt, wenn er verhaftet werden sollte, so wäre das in Bezug auf die Zauberer, wie wenn man ein Körndl aus einem Sack heraus nehmen würde.

48. Er bekennt: Seine noch lebenden Weggefährten seien folgende:
Der erste heiße Peter, sei im Schwabenland zuhause und ein Landstreicher. Dieser sei auch mit ihm zweimal durch die Lüfte gefahren. Einmal in Kärnten und einmal auf der Kreiteralm. Die gehöre dem Probst zu Kreuz, eine halbe Meile von Sankt Veit entfernt. Er habe einen Rock an und er gäbe sich als Pilger aus.
Der zweite heiße Bernhard von Anta. Er sei ein Landstreicher in mittlerem Alter.
Der dritte habe den Namen Ruep. Der halte sich in Bayern auf. Beim Fliegen seien sie oft auf der Alm zusammen gekommen.
Der Vierte heiße Augustin und sei in Frankreich zuhause. Er werde auch Eixel genannt und es heiße, in Frankreich sei eine ganze Stadt davon voll.
Der Fünfte heiße Leopold und sei in Böhmen zuhause.


Er sei auch auf dem Schöckl bei Graz gewesen, wo sie dieses Festessen veranstaltet haben. Es wären auch Grazer dabei gewesen. Unter anderem auch eine Frau, die Prantauerin genannt werde. Und sie hätten auf dem Schöckl getanzt. Die Gefährten hätten untereinander gefragt, wer diese Frau sei und sie habe gesagt, dass sie die Frau Prantauerin sei. Die zwei oder drei Gefährtinnen der Prantauerin hätten ihn gebeten, er solle nicht gegen sie aussagen. Die Bürgerinnen von Graz, die damals dort gewesen seien, hätten die Prantauerin laut bekannt gemacht. Wie dann sein Kamerad, der Georg, ihm das gesagt habe, hätte ihn die Prantauerin selbst gebeten, dass er sie nicht verraten solle.
Wenn ihm der Georg das nicht gesagt hätte, hätte er um die Prantauerin nicht gewusst. Einer unter ihnen habe gesagt, die Prantauerin sei im Gesicht schon etwas runzlig. Sie sei nicht all zu groß, und er habe gesagt, er habe mit ihr persönlich geredet, und der Georg habe gesagt, er solle sie nicht verraten. Er aber habe sie nicht gekannt, denn sie wär vermummt gewesen. Er meine, es sei vor 6 oder 8 Jahren, wie das Wetter so schrecklich in Graz und den umliegenden Orten Schaden angerichtet habe, geschehen und seine Freunde hätten sich damals in 3 oder 4 Teile aufgeteilt und hätten Wasser und Schauer gemacht. Er habe damals ein Schaffel Wasser hinauf tragen müssen. Der Böse Geist habe etwas hinein geworfen und das Schaffel Wasser zu sich genommen, das gleich zu Eis geworden sei. Der Böse Geist habe das dann selber ausgeschüttet und gesagt, es soll halb Schauer und halb Wasser werden und alles verderben und vernichten. Der Teufel selbst habe das Wasser persönlich aus einer Quelle geschöpft und habe schrecklich ausgesehen und sich an diesem Tag öfter verkleidet. Besonders aber wenn er zu stattlichen Herren gegangen sei, habe er sich besonders schön verkleidet. Und dieser Georg habe erzählt, er sei in Graz im allgemeinen und besonders bei diesen Frauen, die damals auf dem Schöckl gewesen seien, wohl bekannt.

49. Er gibt an: Wenn vornehme Herren und Frauen zu solchen Festessen kämen, hätten sie im Allgemeinen ihr Gesicht vermummt, damit man sie nicht erkenne. Die Prantauerin sei auch vermummt gewesen. Die Prantauerin habe ihm nie etwas Übles getan, ihm aber auch nichts gegeben, außer dass sie ihm bei diesem Gastmahl einen Trunk spendiert habe.

50. Er bekennt zum Schluss nach der dritten überstandenen Folter, dass alles, was er vorher mit und ohne Folterung ausgesagt und bekannt habe, wahrhaftig wahr sei. Er tue dadurch weder ihm selbst noch jemand anderem Unrecht.

 

Kanzleieingang im Stift

Stift St. Lambrecht

 

 

Urteil

 

auf die jetzt beschriebenen Aussagen und Geständnisse unter Folter und ohne Folter haben die hier anwesenden Herren und Rechtssprecher einhellig Urteil und Recht gesprochen und erkannt, dass die 3 Männer, die Verbrecher mit den Namen 

Lorenz Steger
Thomas Heiser
Gregor Heiser

wegen ihrer großen Sünden und Verbrechen, die sie begangen haben, das Leben verwirkt und den Tod verschuldet haben. 

Sie sollen deswegen am heutigen Tag im offenen, kaiserlichen Kriminalgericht den anderen zum abschreckendem Beispiel dem Scharfrichter übergeben werden. Er soll sie übernehmen und gut bewacht zur üblichen Gerichtsstätte hinausführen und dort dem Thomas Heiser vor dem Scheiterhaufen mit glühenden Zangen in beide Brüste brennen und sodann ihn mit seinem Sohn, den Gregor Heiser und den Lorenz Steger am Scheiterhaufen erwürgen und die Körper zu Staub und Asche verbrennen.

Dieses Urteil wurde exekutiert am 4. August 1653.


 

Anmerkung: Dieses Protokoll wurde von Siegfried Kramer in unsere heutige Sprache übertragen.
Bernhard Reismann sei für die Korrektur gedankt.
Das Originalprotokoll befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv (EA 1657-XI-23)
Ich danke auch den außerordentlich freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeitern des Steiermärkischen Landesarchivs.

Graz 2011

 

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