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Prozess gegen Hörk Marina

 

 

Am 11. Jänner 1672 ist Marina, die Ehefrau des Michael Hörk, abermals und zwar zunächst ohne Anwendung der Folter verhört worden. Sie hat aber nichts gestanden. Daher ist sie zur Folterkammer geführt worden, wo ihr noch einmal eindringlich zugeredet worden ist. Sie aber hat beständig alles bestritten. Daher ist sie gefoltert worden, um dadurch ein Geständnis zu erzwingen.

Am 18. Jänner ist Marina, die Ehefrau des Michael Hörk, zuerst in die Folterkammer geführt worden. Dort ist sie ohne Anwendung der Folter verhört und nach intensivem Befragen aufgrund des Leugnens in Ketten gelegt worden. Nachdem sie auch bei dieser Folter nichts gestand, ist sie abends auf den Hexenstuhl gesetzt worden.

Burg Oberluttenberg
Schloss Ober-Luttenberg (Ljutomer, Slowenien)

Am 19. Jänner in der Früh gesteht sie:
Vor 6 Jahren, am St. Barbara-Tag am Abend, seien der Martin Werluga, seiner Aussage nach wohnhaft in Leskovec, die Helena Skaponiz, jenseits der Mur an der mittleren Feistritz wohnhaft, Urscha Zuritschetsch und ihre Schwester Gera zu ihr ins Haus gekommen. Sie hätten ihr zugeredet mitzugehen. Weil sie aber ohne Kopfbedeckung gewesen sei und sich geweigert habe, mitzugehen, habe alsbald ein warmer Wind geweht und der Werluga habe sie mit Gewalt zur Mur zu einer Wiese hingeführt. Dort hätten sie ein Fass mit Met vorgefunden. Aus dem habe der Werluga Met in einen Krug gefüllt. Daraus hätten sie und die ganze Gesellschaft getrunken und dazu ungesalzenes Brot gegessen. Von dort seien alle zu Fuß nach Hause gegangen.
Dort hätten der Werluga und die Helena Skaponiz aus dem Graben 2 weiße Fische von einer halben Elle Länge gefangen. Diese hätten sie dann wieder zur Wiese getragen. Einen davon habe die Skaponiz gesalzen, den anderen gebraten. Dann hätten sie die Fische gegessen. Sie selbst habe nichts vom Fisch, sondern nur vom ungesalzenen Brot gegessen. Das sei aber ohne Geschmack gewesen. Von dort seien sie wieder nach Hause gegangen.

Sie gesteht: Bald danach, an einem heiligen Abend, sei die Gesellschaft zu ihr nach Hause gekommen. Von dort seien sie auf eine Wiese bei der Mur und weiter nach Pristav.

Sie gesteht: Vor 2 Jahren zur Sommerzeit, sie könne den Tag nicht sagen, seien die Gesellschaft und sie nach Zweng zum Haus der Gera Tschuritsch gegangen. Diese hätten der Martin Werluga und die Skaponiz mit Gewalt aus dem Bett in ihrem Keller geholt und neben ihrem Garten unter einen Kirschbaum gebracht. Der Werluga habe dort mit der Geige aufgespielt. Der Klang sei aber nicht angenehm gewesen. Die Tschuritsch habe nicht tanzen wollen. Deswegen habe sie der Werluga mit dem Geigenbogen auf die Lenden geschlagen. Die Schwester der Täterin, die Gera, habe die Turischitsch mit einer Rute aufs Maul geschlagen. Nach dem Schlag sei die Tschuritsch wieder in ihr Bett gegangen und der Mund sei bei ihr daraufhin voll Blasen gewesen. Nach dieser so vollbrachten und beendeten Nacht seien alle wieder nach Hause gegangen.

Drittens gesteht sie: An einem Heiligen Abend im Sommer vor 2 Jahren seien der Werluga, die Helena, die Juritschetsch und ihre Schwester Gera wieder zu ihr gekommen. Sie habe diese mit sich zur Tschuritsch nach Castel Zweng geführt. Sie hätten sie schlafend im Keller bei ihrem Kind angetroffen und aufgefordert, zum Heiligen Berg Kiersteten mitzugehen. Das habe sie aber abgelehnt und sie habe sich wieder niedergelegt. Von dort sei die Gesellschaft wieder zur erwähnten Wiese gegangen. Dort hätten sie das Met vorgefunden und wie früher in einen schwarzen Krug gefüllt, aus dem dann alle getrunken hätten. Alle hätten dann außer ihr, weil sie wunde Füße gehabt hätte, getanzt. Sie habe sich schlafen gelegt. Als es aber begonnen habe, Tag zu werden, hätten die anderen sie aufgeweckt. Danach seien alle nachhause gegangen.

Museum von Luttenberg
Bild aus dem Museum von Luttenberg

Viertens gesteht sie: Die vorher erwähnten Komplizen seien vor einem halben Jahr im Sommer an einem heiligen Abend wieder zu ihr (Marina) gekommen. Sie soll mit ihnen zu Unserer Liebe Frau nach Pollmickschek gehen. Das habe sie auch getan. Dort seien sie alle neben der Kirche bei einem Häuschen bei einem Kreuzweg stehen geblieben. Dort habe der Werluga, der der üble Satan gewesen sei, ein Fass Met auf zwei Pflughölzern hingebracht und allen zu trinken gegeben. Von dort seien wieder alle nach Hause gegangen.
Sie seien dann von zuhause wieder zur erwähnten Wiese gegangen. Die Helena aber sei - weil sie schon alt war - auf die Pflughölzer aufgesessen. Die habe der Teufel führen müssen. Auf der Wiese hätten sie den Met unter einer Weide aufbewahrt. Danach sei der Martin dort geblieben, die anderen Komplizen seien aber nach Hause gegangen.

Fünftens gesteht sie, dass sie und ihre Schwester gemeinsam geschworen hätten nichts zu gestehen.

Sechstens gesteht sie: Der Teufel habe Martin Werluga geheißen. Diesen Namen hätten er sich selbst und die Helena gegeben. Er habe sich in unterschiedliche Gestalten verwandelt.

Siebentens gesteht sie: Sie habe dreimal mit dem Martin fleischlich zu tun gehabt. Erstens vor 6 Jahren bei der Mur, neben der Wiese, wo die Wachstation gewesen sei, bei einer Weide. Dann vor zwei Jahren unter der Wachstation neben der Mur. Die Hexengesellschaft sei damals bei der Weide beim Met-Trinken gewesen. Und drittens vor eineinhalb Jahren gegen Pfingsten wiederum bei der Wachstation. Die Gesellschaft sei wie vorher beim Met gewesen.

Achtens gesteht sie: Vor eineinhalb Jahren habe sie dem Werluga bei der Mur bei der Wachtstation, wie sie zum dritten Mal mit ihm gesündigt habe, Ihre Seele versprochen. Damals habe er ihre rechte Schulter am Rücken mit einem kleinen Eisen aufgeschnitten und es sei ihr Blut herausgeronnen. Das habe er getrunken.

 

 

Urteil

Die Marina Hörk soll wegen der von ihr begangenen und gestandenen Untaten nach kaiserlichem Recht mit dem Schwert vom Leben zum Tod gebracht, der Körper aber mit dem Feuer zu Staub und Asche vernichtet werden.

Gott sei ihrer Seele gnädig.
Luttenberg (Ljutomer, Slowenien), den 23 Jänner 1672

 

 

 

 

 

Portal Pfarrkirche Luttenberg
Eingangsportal zur Pfarrkirche von Luttenberg


 


Anmerkung: Dieses Protokoll aus dem 17. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu in unsere heutige Sprache übertragen.
Bernhard Reismann sei ich für die Korrektur gedankt.
Der Originaltext befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv unter COP 1672-IV-59.
Den freundlichen Mitarbeitern des Landesarchivs sei besonders gedankt.
Graz 2012

 

 

 

 

 

 

 

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