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Prozess gegen Margaretha Keyditsch und eine gewisse Apollonia wegen Zauberei

 

Heute am 14. Juni 1661 ist die Margaretha Keyditsch im Beisein des Herrn Jakob Oderth, Landgerichtsverwalter der Herrschaft Gutenhag, und des Herrn Bartholomäus Rissner nach ihrer früher beim kaiserlichen Banngericht mit und ohne Anwendung der Folter getätigter Aussagen von neuem festgenommenen und bezüglich ihrer Verbrechen mit Nachdruck befragt und verhört worden.

 

Sie gesteht folgendes:

1. Vor vielen Jahren habe die Roschker mit dem Georg Malenitsch wegen eines Grundstück-Streits gerauft und vorgehabt, ihm aus Zorn eine Krankheit durch Zauberei zuzufügen. Deswegen habe die Roschker sie (die Margaretha) gebeten, sie möge Haare vom Malenitsch bringen. Das habe sie auch durch eine Rauferei getan, zu der sie (die Margaretha) mit bösen Worten absichtlich Anlass gegeben habe. Dafür habe die Roschker der Margaretha eine "Halbe" Schmalz gegeben. Mit diesen Haaren seien beide zur Juliana gegangen und hätten sie gebeten, sie möge dem Malenitsch eine Krankheit machen. Das ist durch die Juliana auch geschehen und sie habe gesagt: "Lass ihn jetzt eine Weile leiden und vergeblich warten, weil er mich geschlagen hat." Und so hat der Malenitsch angefangen krank zu werden und anzuschwellen, fast ein Jahr, bis ihn die Seinigen zuhause wieder geheilt haben.

Hrastovec Grad
Burg Hrastovec (Gutenhag)

2. Sie gesteht: Vor einem Jahr sei sie von Philipp Gamilschek, einem Diener der Herrschaft, geschlagen worden. Damals sei gerade die Juliana zu ihr gekommen und sie habe die Juliana gebeten, dem Diener ein Fieber zu machen. Zu diesem Zweck habe die Juliana ein Stück Rinde von dem Holz, mit dem sie geschlagen worden ist, verlangt. Das habe sie ihr auch gebracht. Sie wisse aber nicht, was die Juliana damit gemacht habe. Aber nachdem die Juliana ihr die Rinde wieder gegeben habe und ihr befohlen habe, sie soll die Rinde dem Diener ins Bettstroh mischen, sei bald darauf der Diener erkrankt. Damit der aber wieder gesund werden könne, habe dieser die Margareth um Gottes und um der fünf Wunden Christi Willen gebeten, ihm auch zu helfen, denn sonst wolle er sich selbst mit einem Messer umbringen. Die Besagte sei auch wieder zur Juliana um Rat und nochmaliger Hilfe gegangen. Diese habe sie angewiesen, 9 Ruten aus Weidenholz, insbesondere aber das Vippern-Kraut und das 1000-Gulden-Kraut zu kochen, die Steine aber mit dem getrockneten Wacholder zu erhitzen. Damit habe sie ein Bad gemacht und den oben genannten Diener zwei Mal gebadet, der dadurch seine Gesundheit wieder erlangt habe.

3. Sie gesteht: Es habe sich der Gemeindevorsteher Simon Frass wegen einer halben Startin (566 Liter) Wein mit ihr vor ungefähr 3 Jahren lautstark gestritten und er habe sie auch schließlich mit einem Haselnuss-Stecken geschlagen. Und als sie, die Angeklagte, Wasser holen gegangen sei, habe sie die Juliana und die Winzerin des Jurschitsch (die schon tot ist) zusammen getroffen. Diese beiden hätten ihr in diesem Gespräch angeboten, sie wollten diese erlittene Schläge rächen und hätten ihr den Auftrag gegeben, sie soll ihnen einige Schiefer von dem Stecken, mit dem sie geschlagen worden sei, wie auch etliche Haare vom Kopf des Gemeindevorstehers bringen. Sie wollten machen, dass der Gemeindevorsteher daran erkranken werde.
Sie habe eine Taglöhnerin namens Apollonia gebeten, sie möge ihnen einige Haare vom Gemeindevorsteher bringen. Die Apollonia habe die Haare gebracht, zusammen mit den Holzsplittern genommen und der Juliana und der Winzerin gegeben, die die beiden Dinge intensiv beschwört hätten. Dabei habe die Juliana dieser anvertraut, dass damit jedes Glied des Gemeindevorstehers verwünscht sei. Sie habe ihr ebenso den Auftrag gegeben, sie soll einen Bohrer, mit dem eine Bahre gemacht worden sei, nehmen, ein Loch in eine weiße Silberpappel hineinbohren und das Loch mit den Haaren und dem erwähnten Holz verschließen und den Leib des Gemeindevorstehers mit ihrem zauberischen Spruch beschwören, dann werde dieser dadurch erkranken. Das habe sie dann auch getan, die Haare mit dem Holz in das Loch gegeben und eines Abends verschlossen. Während des Schlagens habe sie einen zauberischen Spruch mit folgender Formulierung gesprochen:

Fresko1 Gutenhag
Fresko in der Burg Hrastovec (Gutenhag)

"Ich Margaretha, beschwöre das Haupt, die Glieder und die Eingeweide des getauften, gefirmten und gesegneten Menschen, des Simon Fräs, dass er erkranke, erlahme und schwach werden soll in den drei Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen."
Sie habe dies drei Mal über ihn, den Gemeindevorsteher, gesprochen. Es sei davon aber nur seine Frau krank geworden. Die Ursache dafür, dass ihm nichts geschehen sei, liege darin, dass die Apollonia irrtümlich nicht die Haare des Mannes sondern die Haare der Frau gebracht habe. Sie gesteht auch, sie habe einen Teil der beschwörten Sachen auf einen kleinen Steig geworfen, in der Meinung, es würde der Gemeindevorsteher als erster darüber gehen. Es sei aber nur seine Frau darüber gegangen und daher krank und fiebrig geworden.

4. Sie bekennt, die Juliana habe ihr ein graues und ein schwarzes Pulverl gegeben. Sie soll es in ein Wasser werfen und mit dem Wasser die Frau des Gemeindevorstehers abwaschen, dann werde sie ihre frühere Gesundheit wieder erlangen. Das habe sie auch getan. Darauf sei die Gesundheit der Frau des Gemeindevorstehers wieder hergestellt worden.


5. Am selben Tag am Nachmittag beim abgehaltenen Verhör ohne Folter bekennt sie:
Die Juliana habe ihr beigebracht, die Kuh so zu beschwören, dass sie viel Milch gebe. Dies habe die Suppan getan, die von der beschwörten Kuh viel Milch gegeben und davon viel Rahm bekommen habe.

6. Sie gesteht bezüglich der Apollonia: Vor eineinhalb Jahren beklagte sich Apollonia bei Margaretha, dass man ihr gegenüber überall feindselig sei. Sie werde sehen, dass sie beim Maierhof von der Frau Jäger eine Hostie bekommen könnte, um sich dort damit zu räuchern. Darauf sagte Margaretha: Es helfe keine Hostie, wenn sie nicht geweiht sei. Sie (Apollonia) solle zusehen, dass sie eine geweihte bekomme. Damals zu Ostern sei die Apollonia zur Margaretha gekommen und habe zu ihr gesagt: "Jetzt habe ich eine geweihte Hostie bekommen." Und sie habe eine in einem Papierl auf den Tisch gelegt. Mit einem kleinen Stück davon habe sich die Apollonia im Keller von Margaretha geräuchert. Und während des Räucherns sei auch in einem Zettel Geld von der Apollonia gewesen. Sie (Margaretha) habe es aber nicht verwendet. Sie habe aber auch weiter nicht gefragt, woher sie die Hostie bekommen habe.

7. Sie gesteht bezüglich der Frau des Michael Kriavez aus Seriauzenberg, Untertanen der Burg von Marburg: Sie hätte von der Frau Koroschiz gehört, wenn man das heilige, hochwürdige Sakrament nehme und in Wasser lege, zerreibe und von dem Mehl eine Pogatschen (Gebäck) mache, und das denen zu essen gebe, die einander Feind sind, dann würden sie davon wieder Freunde. Auch wenn man einen Teil von dem heiligen Sakrament behalte und damit räuchere, soll das helfen.

8. Sie sagt weiter, die erwähnte Kriavez habe ihr (Margaretha) gegenüber gesagt, dass die Koroschiz ihr eine solche Pogatschen nach Hause gebracht habe. Davon habe sie ihrem Mann, der sie vorher angefeindet habe, zu essen gegeben. Danach habe er, weil er von der Pogatschen gegessen habe, ohne Streit mit ihr zusammen gelebt.

9. Sie bekennt, dass sie damals der Apollonia, als sich diese der Margaretha gegenüber über die Verfolgung beklagt habe, angeraten habe, eine heilige Hostie zu beschaffen, in der Meinung, der Keriauz wegen der Feindschaft ihres Mannes zu helfen, was sie (die Apollonia) auch getan habe. Davon habe sie ihr ein kleines Stückchen geben wollen. Weil aber ihre Gnaden überraschend herüber gekommen sei und dieses bei ihr gefunden habe, habe sie diese Hostie nicht verwenden können.

Eingangstor Gutenhang
Tor in der Burg Hrastovec (Gutenhag)

10. Sie (Margaretha) gesteht, dass die Juliana, mit der sie gut bekannt gewesen sei, sie vor 10 Jahren einmal zu ihr eingeladen habe. Es würden nette Leute bei ihr sein. Sie sei auch zu ihr gegangen, schon früh am Tag, und sie sei den ganzen Tag bei der Juliana geblieben. Am selben Tag habe die Juliana ihre Tochter Geriza und Steffan, einen Weber, der die verheiratete Geriza geliebt habe, zu sich geladen. Beide sind auch gekommen und sie hätten den ganzen Tag im Haus der Juliana getrunken. Gegen Abend habe die Juliana den Bösen Feind (Teufel) gerufen. Der sei auch in der Gestalt eines jungen Mannes zur besagten Gesellschaft gekommen. Er habe einen roten Pelz angehabt und ein schwarzes Kapperl. Er habe mit ihnen gegessen und getrunken. Er habe auch mit der Geriza und mit der Juliana gescherzt und Narretei getrieben. Sie sei danach nach Hause gegangen und habe zu dieser Gesellschaft nicht mehr kommen wollen.

11. Sie gesteht: Als sie bald darauf bei St. Leonhard im Haus des Lamberditsch getrunken habe und sie nach Hause gegangen sei, sei ihr der Böse Feind in schwarzer Gestalt und in schwarzer Bekleidung und Krallen an den Händen begegnet. Damals habe er ihr die Holz-Späne, die sie bei sich gehabt habe, aus den Händen gerissen. Er habe sie gleich darauf niedergerissen und es beim Armsdorferischen Kreuz unter einer Eiche mit ihr getrieben. Damals habe er auch die Seele von ihr begehrt. Die habe sie ihm auch versprochen. Dafür habe er ihr umgekehrt angeboten, das zu tun, was sie von ihm wolle. Am selben Abend habe es der Teufel drei Mal mit ihr getrieben. Sie habe seinen Körper in ihrem als kalt empfunden. Damals habe sie auf sein Begehren hin Gott, der heiligen Mutter Gottes und allen lieben Heiligen abgeschworen. Darauf habe er sie mit dem Krallen am Kopf gerissen, das Blut davon genommen und in seine Hand geschrieben. Sie wisse aber nicht, was er in seine Hand gehabt habe, worauf hin sie verschrieben worden sei.

12. Bald danach sei sie mit ihrem Mann zum Kreuz von St.Leonhard gegangen. Da sei ihr der Teufel abermals begegnet und zwar in Gestalt eines Gutenhagschen Dieners. Als sie zusammen gekommen seien, habe sie der Böse Feind von ihrem Mann abgejagt und er habe es mit ihr die ganze Nacht im Wald getrieben. Sie sei halb um den Verstand gekommen, sodass sie sich im Wald beim Kommeringer Teich erholt habe. Ihr Mann habe es nicht wahr genommen, wie sie entführt worden sei. Am anderen Tag habe er sie dafür gescholten, dass sie ausgeblieben sei und sie gefragt, wo sie gewesen sei. Das habe sie ihm auch gestanden. Er habe deswegen zu ihr nicht mehr schlafen gehen wollen. Er habe sie in allem Guten unterwiesen, mit Weihwasser besprengt und oft mit geweihten Sachen geräuchert. Ja sogar zur Beichte nach Marburg gebracht. Sie habe aber wegen der vielen schlimmen Gedanken nicht im Guten mit ihm leben können.

13. Sie gesteht: Drei Jahre danach sei die Juliana an einem heiligen Samstag wieder zu ihr (Margaretha) gekommen. Sie habe verärgert gefragt, warum sie sie meide. Sie habe sie (Margaretha) nochmals zur Winzerin des Prändtl namens Gera geführt. Dort habe sie drei schwarz gekleidete Spielleute vorgefunden. Einer von denen habe ein glattes Gesicht gehabt. Die anderen beiden aber hätten schwarze Bärte gehabt. Sie seien von Gestalt schwarz und ganz schrecklich anzusehen gewesen. Mit denselben hätten sie, die Margaretha, die Juliana und die verstorbene Gera an diesem heiligen Samstag abend Kalbfleisch gegessen und Wein, den die Gera ausgeschenkt habe, getrunken. Auch habe der Geiger, der keinen Bart gehabt habe, mit den Frauen bis gegen Mitternacht getanzt. Von den beiden anderen, die aufgespielt haben, habe der eine geredet, dass es zum fürchten war; er sei von größerer Gestalt gewesen und habe ein schwarzes Gesicht gehabt. Der aber, mit dem sie getanzt habe, habe eine eiskalte Hand gehabt. Sie sagt auch aus, dass ihr die Gera gestanden und gesagt habe, dass diese drei Böse Feinde gewesen seien. Gegen Mitternacht sei sie nach Hause gegangen. Unterwegs habe sie der junge Spielmann, der ihr nachgelaufen sei, erwischt und er habe es mit Gewalt mit ihr getrieben. Sie habe ihn kalt wie Eis in ihrem Körper empfunden. Damals habe ihr der böse Feind geraten, ihren Mann mit einem Brotmesser umzubringen. Auch sonst habe er sie zu allen schlimmen Sachen angestiftet.

Fresko2 Burg Hrastovec
Fresko in der Burg Hrastovec (Gutenhag)

14. Sie gesteht auch: Es wären vor 10 Jahren an einem heiligen Samstag 6 geheimnisvolle kroatische Männer, rot gekleidet, mit einer feurigen Karosse, in der 6 schwarze gehörnte Pferde eingespannt waren, gekommen, um sie und die Juliana bei einer Kreuzung nach St. Leonhard mitzunehmen. Dort seien sie zusammen mit den bösen Feinden in die Karosse eingestiegen und nach Ungarn in ein Feld gefahren. Bei einem Kreuzung seien sie ausgestiegen. Dort hätten sie Fleisch und Brot gegessen und auch Wein getrunken. Die Speisen habe die Juliana gekocht. Es sei alles ohne Geschmack und ungesalzen gewesen. Von wo aber das Feuer und das Fleisch, das sie dort gegessen habe, dorthin gekommen sei, wisse sie nicht. Den Wein habe eine Furcht einflössender Mann, der der Teufel war, aus dem Kreuz durch einen Zapfhahn gelassen. Es sei ein roter Wein gewesen, den sie selbst getrunken habe. Dort habe die Juliana mit dem Bösen Feind getanzt. Beim Hahnenschrei seien sie wieder nach Hause gefahren.

15. Am Abend des darauffolgenden Samstags sei der Böse Feind zu ihr und Juliana gekommen. Sie seien beide miteinander zu einer Kreuzung gegangen. Danach seien sie mit dem Teufel zu "Unserer Frau in der Stauden" gegangen. Über das Wasser der Traa habe sie der Böse Feind in einem Schifferl geführt. Dort seien sie abermals in einem feurigen Wagen, in den 6 schwarze Pferde eingespannt waren, neben 4 Teufeln gesessen und mit der Juliana auf den Rohitsch-Berg gefahren. Dort hätten sie abermals gegessen und getrunken. Dorthin habe der böse Feind eine Startin (566 Liter) Wein auf einem Strohhalm geführt. Eine fremde alte Frau habe dort gekocht.
Die Juliana und die andere Frau hätten dort in einem Topf Schauer gekocht. Was aber drinnen gewesen sei, wisse sie nicht. Als es vorbei war, habe es in Kroatien geschauert. Der Schauer sei sehr groß gewesen. Nach dem Unwetter seien sie in der Karosse wieder zu dem besagten Kreuz gefahren. Zurück über das Wasser habe sie wieder der Teufel mit einem Schifferl geführt und er sei mit ihnen bis nach Hause gegangen.

16. Sie gesteht: In das kleine Bündel hätten der Böse Feind und die Juliana den Samen, den sie gesammelt und beschwört hätten, hineinein gegeben und ihr gegeben. Sie hätten zu ihr gesagt, dass sie dies für die Kühe verwenden soll, damit diese viel Milch geben sollen. Davon habe sie der Nescha Suppan gegeben und auch der Frau Scherwer Steffan, die außerhalb von St. Leonhard leben. Ihre Kühe wären gut zu melken gewesen. Dagegen hätten die Kühe der Nachbarin die Milch verloren. Sie habe auch diejenigen Kühe, denen sie den Samen eingegeben habe, beschworen, dass alle anderen Tiere ihre Milch verlieren sollten und daraufhin bei diesen Tieren die Milch heraus kommen solle.
Der Spruch hat folgenden Wortlaut:
"Ich Margaretha, gebiete: Verbanne alle Milch und alle Kräfte der Kühe der Nachbarin aus den Füßen, aus den Eingeweiden, aus dem Kopf, aus den Hörnern, aus dem Euter und aus dem ganzen Leib, damit diese in die Kühe der Nescha kommen und diese Kühe beim Melken viel Milch geben und die Milch viel Rahm haben soll. Das geschehe der getauften, gefirmten und gesegneten Nescha durch die drei heiligen Namen, des großen Gott Vaters, Gott Sohnes, Gott heiligen Geistes; Amen."


Sie bekennt schließlich: Es sei ihr zweimal der Böse Feind unerwartet schwarz und furchterregend in ihrem Gefängnis erschienen. Er habe mit ihr zwar nicht geredet. Aber in ihrem Herzen sei ihr ernsthaft der Gedanke gekommen, sich umzubringen. Das habe sie auch tun wollen. Sie habe dazu aber kein Mittel gehabt. Damals habe sie nur eine Stecknadel gehabt. Mit dieser habe sie sich in eine Ader in der linken Hand gestochen, in der Meinung zu verbluten und zu sterben. Es sei aber aus der Ader kein Blut gekommen.


Burg Hrastovec Detail
Seitenöffnung in der Kapelle der Burg Hrastovec (Gutenhag)


Am 18. Juni ist die Juliana der Margaretha zur Konfrontation vorgestellt und bezüglich der Verbrechen befragt worden. Die Juliana aber hat sich schwach und krank gestellt und getan, als ob sie weder hören noch reden könne. Sie habe auch auf einige Fragen nicht antworten wollen. Daher habe ich der Margaretha befohlen, der Juliana ganz genau ins Gesicht zu sagen, wo, was und wie sie miteinander zu tun gehabt hätten. So hat schließlich, wie oben ausgeführt, die Margaretha der Juliana deutlich ihre Fehler vorgehalten und zugleich, damit sie sich bekehre, zugeredet. Sie hat aber darauf keine Antwort bekommen. Schließlich hat die Julia aber doch gesagt: "Was soll ich auf diese schlimmen Worte antworten." Das hat man kaum verstehen können. Nachdem man aber den Betrug erkannt habe, hat man sie mit einer erträglichen Folter dazu bewegen wollen, aber wieder kein Geständnis von ihr erhalten können. Wir haben danach gegen unseren Willen von ihr ablassen müssen und sie wieder ins Gefängnis geführt, wo sie danach, weil man sie zum Genießen von Speis und Trank nicht überreden konnte, verwunderlicher Weise um 11 Uhr Vormittag, den Geist aufgegeben hat. Man weiß nicht, ob sie auf natürliche Weise, wegen ihres hohen Alters, verstarb oder vom Bösen Geist erwürgt worden ist.
Hierauf ist am 26. Juni 1661 vom kaiserlichen Banngericht der Steiermark bei der Landgerichtshoheit Gutenhag über die verbrecherische Person namens Margaretha Keyditsch im Beisein der unten genannten Beisitzer anstelle ihrer Hochgräflichen Gnaden, dem Hoch und wohlgeborenen Herrn Erasmus Friedrich Graf von Herberstein, Freiherr auf Neuberg, Lankowitz und Herrn zu Gutenhag, Erbkämmerer und Erbtruchsess in Kärnten, Römisch Kaiserlichen Majestät Innerösterreische Regierungs-Rat etc. durch mich Unterschriebenen das öffentliche Verbrechensrecht umgesetzt und nachfolgendes Urteil gebildet und veröffentlicht worden.

Rechte Hand : Wolf Lorenz Lämperditsch, Philipp Korbula, Marktrichter, Zacharias Niernberger
Linke Hand: Georg Strasser, Johannes Krauter, Kaspar Weiss, Bartholomäus Haiden, Martin Jurgetz, Simon Feichtinger

Urteil

Weil anstelle ihrer gräflichen Gnaden des hoch und wohlgeborenen Herrn Erasmus Friedrich Graf von Herberstein, Freiherr von Neuberg, Lankowitz und Herrn von Gutenhag, Erbkämmerer und Erbtruchsess in Kärnten, der Röm. Kaiserl. Majestät Inner- Österr. Regierungsrat, als der er mit Bann und Acht selbst in dieser Gestalt hoch privilegiert, doch hochgedachter Herr Graf in Kraft dieser Privilegien selbst verfügt hat, einen Bannrichter zu halten, aber derzeit aus besonderer Ursache als sonst in der Steiermark geschworenen Bannrichter an diesem Ort insbesonders zu diesem Urteil abordnen und verordnen hat lassen. So ist demnach neben den dazu gebetenen Herrn Beisitzern dieses Urteil eröffnet und veröffentlicht worden, und zwar wie folgt:
Obwohl die höchst schuldige Sünderin wegen ihrer äußerst abscheulichen Laster der Zauberei und der Gottes-Lästerungen (in dem sie Gott dem Allmächtigen, ihrem Schöpfer, Heiland und Seligmacher widersagt, wie auch die allerheiligsten Mutter Gottes Maria zusammen mit allen Heiligen verstoßen und sich dagegen dem Teufel und seinem Anhang ausgeliefert und mit ihrem eigenen Blut denselben geweiht und geopfert hat, das heilige hochwürdige Sakrament auf höchst sträfliche Weise entehrt, indem sie mit ihrem Anhang in den Lüften geflogen ist) sehr wohl würdig wäre, dass man sie zur Hinrichtungsstätte schleifen und mit glühenden Zangen vor dem Tod reißen, ja sogar wegen des allzu sehr aufkommenden und allenthalben einreißenden Lasters lebendig verbrennen sollte, so hat doch ihre hochgräfliche Gnaden und Landgerichts-Herr die besondere Wirkung Gottes und Veränderung und Bereuung der begangenen höchsten Sünden und Untaten gnädigst angesehen und sie deswegen von der normalen Strafe für das abscheuliche Laster der Zauberei entlasten, und außerhalb der Norm aber dahin gehend ganz recht dazu verurteilt,
dass sie nämlich am heutigen Tag dem Scharftrichter bei öffentlichen Gericht überantwortet werde. Der soll sie hinausführen zur gewöhnlichen Gerichtsstätte, dort auf dem Scheiterhaufen mit dem Strick erwürgen, den Körper aber zusammen mit dem Kopf zu Asche vernichten und mit dem Feuer verbrennen lassen.
Gott sei ihrer armen Seele gnädig!
Dies ist vollzogen worden in Gutenhag am 22. Juni 1661.




Am heutigen Tag, den 22. Juni 1661, ist dem kaiserlichen Banngericht in der Steiermark bei der löblichen und gräflichen Herrschaft und Landgerichtshoheit zu Gutenhag
eine weibliche Verbrecherin namens Apollonia
zum gewöhnlichen Verhör vorgestellt worden, welche im Beisein der Herrn Jakob Oderth, Wolf Lorenz Lämperditsch und Bartholomäus Rissner sowohl mit als auch ohne Folterung folgendes ausgesagt und gestanden hat:

Sie sagt, sie heiße mit dem Taufnamen Apollonia. Ihren Zunamen kenne sie nicht. Sie sei zwar ledig, habe aber nichts desto weniger mit leichtfertigen Burschen zwei Mädchen gezeugt. Eines davon sei gestorben. Das andere aber lebe noch. Sie sei ungefähr 26 Jahre alt.
Dass sie hier verhaftet worden sei, habe darin die Ursache, dass die Margaretha Keyditsch, die am 22. Juni wegen ihrer Zauberei und sodomistischen Taten bereits zu Asche verbrannt worden sei, gegen sie ausgesagt habe. Sie hätte ihr einstmals eine heilige Hostie gebracht. Was auch wahr sei. Diese ihre Aussage sei auch mit dem Tod bestätigt worden. Sie habe diese höchst strafbare Untat zugegeben, weil die Margaretha sie (die Apollonia) so oft und inständig darum gebeten habe, dass sie schließlich auf ihr unaufhörliches Drängen und Versprechen in der vergangenen Fastenzeit vor einem Jahr gegen Ostern in St. Georgen gebeichtet und zugleich die Kommunion empfangen und damals die heilige Hostie mit der bloßen Hand aus dem Mund genommen, diese in ein weißes Papierl eingewickelt und in der Folge der Margaretha gebracht habe. Nachdem sie ein kleines Stück von der Hostie genommen habe, habe die Margaretha sich selbst und auch die Magd Marina, die bei ihr im Dienst war, und die Apollonia zusammen mit Wurzeln und Kräuterwerk geräuchert. Ein kleines Stückerl hätte sie in ein Wasser geworfen, dieses sieden lassen und die genannten Personen sich damit gewaschen. Den größten Teil der hl. Hostie hätten sie aber aufbehalten.

Turm in der Burg Hrastovec
Burg Hrastovec (Gutenhag)


Warum sie das getan habe, was die Margaretha verursacht habe, sei deshalb geschehen, weil sie ihrer Dirn damit zum Heiraten verhelfen wollte und versprochen habe, sich selbst (die Margaretha und die Apollonia) von verschiedenen Feindseligkeiten wegzubringen.
Sie gesteht schließlich auch, dass sie wohl gewusst habe, dass die Margaretha sich solcher schlimmen Künste bediene, um die Leute mit Räuchern, Waschen und anderen bösen abergläubischen Arzneien zu heilen und von verschiedenen Krankheiten zu befreien. Dies habe sie (Apollonia) dann auch schließlich bei der ersten und dritten Folter freiwillig gestanden und nebenbei auch schon längst gebeichtet. Dazu habe sie niemand anderer als diese hoch straflällige Margaretha veranlasst und mit vielen Schmeicheleien dazu verführt. Es tue ihr herzlich Leid und sie wolle deswegen gerne sterben. So hat sie ihre Aussage beendet.


Hierauf ist am 27. Juni 1661 vom kaiserlichen Banngericht in der Steiermark bei der oben erwähnten Landgerichts-Hoheit Gutenhag über die erwähnte Verbrecherin namens Apollonia im Beisein der unten genannten Beisitzer, in Vertretung ihrer hochgräflichen Gnaden, des hoch- und wohlgeborenen Herrn Erasmus Friedrich Graf von Herberstein, Freiherr auf Neuberg und Lankowitz und Herr zu Gutenhag, Erbkämmerer und Erb-Truchsäss in Kärnten, Rat der Römisch Kaiserlichen Majestät der Innerösterreichischen Regierung, durch mich, den Unterschriebenen das öffentliche Verbrechens-Recht gesetzt und nachfolgendes Urteil beschlossen und veröffentlicht worden.

Rechte Hand: Michael Rupl, Wolf Lorenz Lämperditsch, Philipp Korberg, Marktrichter, Mathias Jurgetz
Linke Hand: Zacharias Niernberger, Kaspar Weiss, Bartholomäus Haiden, Simon Feichtinger

 

Urteil

Nach dem Inhalt des 172. Artikels von Karl V. wie auch der Landgerichtsordnung der Steiermark soll derjenige, der eine Monstranz aus einer Kirche stielt, in der das heilige Sakrament des Altars drinnen ist, mit dem Tod durch das Feuer bestraft werden.
Diese arme Sünderin Apollonia hat aber nicht nur wegen des Hauptpunktes sondern auch wegen des Inhaltes selbst, das heißt weil sie das hochheiligste Sakrament aus des Priesters Händen und aus ihrem sündigen Mund mit ihren unsauberen Händen aus der Kirche in höchst sträflicher Weise gestohlen und einer Zauberin gebracht und ausgehändigt hat, wohl wissend, dass diese die heilige Hostie noch mehr verunehren, entweihen und schänden werde, mit ihr auch bei dieser höchst abscheulichen Sünde kooperiert und sich damit mitschuldig gemacht. Also sollte sie voll berechtigt mit einer höheren körperlichen Strafe belegt werden. Weil aber der Landgerichtsherr ihr, der Apollonia, Unverstand und Dummheit, wie auch das weibliche Geschlecht angesehen hat und zumal sie für sich selbst keine Zauberei verwendet hat, mit reiflicher Berücksichtigung aller Umstände ist sie schließlich dahin begnadigt worden, dass sie am heutigen Tag dem Scharfrichter überantwortet werde. Dieser soll sie hinaus führen zur gewöhnlichen Hinrichtungsstätte. Dort soll sie mit dem Schwert hingerichtet werden. Der Körper aber soll zusammen mit dem Kopf auf dem Scheiterhaufen zu Asche verbrannt werden.
Gott sei der armen Seele gnädig.

Dieses Urteil wurde auch vollzogen.
Gutenhag, den 27. Juni 1661

Johann Andre Barth,
kaiserlicher Bannrichter in der Steiermark

 

 

Stiege in der Burg Hrachovec

 



Anmerkung: Dieses Protokoll aus dem 17. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu mit Unterstützung von Bernhard Reismann (dem ich für die Korrektur herzliche danke) in unsere heutige Sprache übertragen.
Das handschriftliche Prozessprotokoll in Druckbuchstaben übertragen findet man in den Steiermärkischen Geschichtsblättern aus dem Jahr 1882 (S.138ff).
Mein besonderer Dank gilt Frau Inge Mesarec für die wunderbare Führung durch die Burg Hrastovec.
Graz 2012


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