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Prozess gegen Ursula Kollar wegen Zauberei
1661, Gutenhag

Die Geständnisse von Ursula Kollar, mit und ohne Anwendung der Folter.

"Über sie ist heute, am 18. August, ebenso am 19. und 20. August, wie auch am 5. und 6. Dezember 1661 in des hoch- und wohlgeborenen Herrn Erasmus Friedrich Graf von Herberstein ... Herrschaft Gutenhag mit und ohne Folterung folgender Prozess und folgende Exekution durchgeführt  worden.

Faksimile eines Holzschnittes in: Tractatus von den bösen weiben die man nennt die Hexen. Durch Doktor ulrichen molitor. Augsburg 1508

Am 18. August 1661 ist die Ursula Kollar, 36 Jahre alt, aufgrund der von Ursula Wolwek gegen sie erhobenen und bestätigten Vorwürfe ohne Folterung vernommen und verhört worden.
Sie bestritt alles, was gegen sie ausgesagt worden ist.

Am 19. August ist die Ursula Kollar abermals ohne Folterung verhört worden und bezüglich des Leugnens gegenüber den Aussagen der Ursula Wolwek und der Magdalena Ferk konfrontiert worden und mit scharfer Befragung zum Geständnis angehalten worden.
An diesem Tag hat sie nichts gestanden.

Am 20. August ist Ursula Kollar wieder vernommen und anfangs ohne Anwendung der Folter verhört worden.

Sie gesteht, dass sie vor 3 Jahren im Juli, als sie an einem Samstag Abend von Marburg nach Hause gegangen und auf die Brücke bei St. Margarethen (heute Pernica) oberhalb des Mutschen-Teichs gekommen sei, sei sie ungewollt in eine Schar von Hexen geraten, die dort gegessen, getrunken und getanzt hätten und gut aufgelegt gewesen seien. Von ihnen habe die Frau Wolwek bei dieser Zusammenkunft bald darauf etwas zu Trinken gebracht. Sobald sie von diesem Wein gekostet habe, sei in ihrem Kopf keine Vernunft mehr da gewesen. Sie habe von dieser Stunde an ihre Gedanken nicht mehr zu guten Vorhaben  ordnen können. Bei dieser Versammlung seien gewesen:
Die vorher genannte Ursula Wolwek, ihre Verführerin, Lukas Kreatsch und Marina, seine Frau, Marina, die frühere Winzerin des Gerlin, derzeit aber Kleinbäurin  des Herrn Stadtpfarrers von Graz, Gera, die Frau des Jensche Triplat in Gradisch, die einen Weingarten von der Burg Marburg besitzt, Katharina, die Frau des Blasius Kampfer, der Burg Schleinitz (heute Slivnice) zugehörig, Magdalena Ferk, die Frau des Martha Drosg.

Dort seien sie bis Mitternacht beisammen geblieben. Sie hätten gegessen, getrunken und getanzt. Die Kreatsch habe dort gekocht und Brot gebacken. Den Ofen habe sie bereits vorbereitet vorgefunden. Sie sei neben der Brücke am Brachfeld gestanden. Ihre Speisen, die sie auf der Erde sitzend gegessen hätten, wären gekochtes und gebratenes Rindfleisch und auch frisches Obst gewesen. Sie wisse nicht, wer es hingebracht habe. Beides, Brot und Fleisch, hätte ihr gut geschmeckt. Den Wein habe sie in einem großen Krug dort stehen gesehen, aus dem man den Wein in kleinere Krüge zum Trinken gegossen habe. Der Lukas Kreatsch sei als Kellner unter ihnen gewesen. Er habe auch den Tanzenden mit der Geige aufgespielt.  

Am 5. Dezember ist die Ursula Koller abermals ohne und mit Folter verhört worden.
Sie bekennt, dass alle Aussagen, die sie am 20.  August gemacht habe, wahr seien und fügt hinzu, dass auch der Böse Geist an besagter Brücke in Gestalt eines mittelgroßen Knaben mit einem schwarzen und hageren Gesicht und in einem roten Gewand bei den Zauberinnen gewesen sei und er habe mit den Gefährtinnen auch getanzt. Nach dem Tanz hätten sie die übriggebliebenen Stückchen vom Obst in einem Gefäß, das der Böse Geist aus Pferdemist  gemacht habe, gekocht und dort bei der Brücke unter einem Stein vergraben. Und sie hätten es beschwört im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und verboten, dass drei Jahren keine Früchte mehr wachsen sollen.

Faksimile eines Holzschnittes in: Tractatus von den bösen weiben die man nennt die Hexen. Durch Doktor ulrichen molitor. Augsburg 1508

Sie sagt aus, dass sie im ersten Jahr nur einmal und allein bei der besagten Gesellschaft gewesen sei und der Teufel  damals von ihr nichts verlangt habe. Im darauffolgenden Jahr wäre sie mit der jetzt angegebenen Gesellschaft auch nur einmal in der gleichen  teuflischen Hexerei  an der Meininger Brücke im Jahringtal (Jareninski Dol) gewesen. Im dritten, also im heurigen Jahr, hätten sie die Frau Ferk am 1. Mai von zuhause abgeholt und zum Gradisch-Kreuz mitgenommen. Dort wäre neben der vorher genannten Gesellschaft auch Agatha, die Frau des Adam, des Winzers der St. Georgen Kirche gewesen. Dort hätten sie wieder ihre teuflischen Fressereien und Tänze ausgeübt. Diviak habe den Wein aus dem Kreuz gelassen. Die Speisen habe der Teufel hin gebracht. Er wäre auch in der vorher beschriebenen Gestalt bei ihnen gewesen. Nach dem Essen habe die alte Wolwek sie alle mit einer schwarzen Salbe unter der Achsel  eingeschmiert. Daraufhin sei ihnen allen der Körper wie eine Feder geworden und bald darauf seien sie wie Störche zum Rohitschberg geflogen. Voran der Böse Geist, dahinter die alte Wolwek, danach die Ferk und schließlich die anderen. Darunter habe sie unzählige Leute gesehen, Leute aus Kroatien, Leute von geistlichem Stand und solche von weltlichem Stand. Unter anderem der Michael Tschok, der Gregor Diviak, auch der Jakob Mlineritsch und auch ein Mönch in seinem Ordensgewand mit einem Diener, der nach Aussage der Ferk und der Wolwek der Pater Suniz gewesen sei. Wie schon früher beim Kreuz und bei der Brücke hätten sie dann unten gekocht, gebraten, gegessen und getrunken. Sie selbst hätte den anderen geholfen die Speisen zu richten. Das Fleisch, das sie zubereitet habe, hätte wie Rindfleisch und das Brot wie Roggenbrot ausgesehen. Sie hätten auch Obst, Äpfel, Birnen und Zwetschken und dergleichen bei der Mahlzeit gehabt. Der böse Geist habe aus einem Fass den Wein gelassen und ihnen aufgewartet. Untereinander hätten sie sich mit der linken Hand zugeprostet. Der Mönch mit dem Knecht und eine feine Bäuerin  wollten nicht zum Essen kommen. Er habe seinen Spass  beim Tanzen mit dieser Bäuerin gehabt. Die habe sie aber nicht gekannt.
Nach dem Fressen und Saufen hätten auch die anderen Männer mit den Frauen getanzt. Zwei Bauern, die sie nicht kenne, hätten aufgegeigt. Der Böse Geist habe auf einem Krummhorn geblasen, es wäre dem natürlichen Klang gleich gewesen. Es habe auch jeder einen Pfennig fürs Spielen gegeben. Auf demselben Berg habe der Böse von ihr auch ihr Blut, ihren Körper und ihre Seele verlangt, und auch, dass sie Gott und Unsere Liebe Frau und alle lieben Heiligen und die heilige Taufe verleugnen soll. Was sie ihm alles gegeben und versprochen habe. Das Blut habe er mit einer Nadel aus ihrem kleinen Finger ihrer rechten Hand genommen und in einen weißen irdenen Becher getan. Was er weiter damit gemacht habe, wisse sie nicht. Sie habe nicht viel Schmerz dabei empfunden.  Als sie nach all ihren Teufelsspäßen nach Hause fliegen wollten, habe der Teufel sie alle gelehrt, Schauer-Wetter zu machen. Sie hätten es in einem Topf gekocht und sie hätten dabei eine schwarze Wurzel verwendet, die ihnen der Teufel dafür gegeben habe. Das gekochte Wasser hätten sie in ein Glas gegossen und sobald es übergegangen sei, seien schwarze Schauer-Wolken da gewesen, die im Pettauer Feld großen Schaden angerichtet hätten.
Sie sagt aus, sie wäre nicht mehr als zweimal auf den Rohitschberg geflogen.

Sie nennt den Grund, warum sie vorher nicht gestehen konnte:
Der Böse
(Teufel) sei ihr, als sie in diesem Jahr um Lorenzi von dem Kreatsch mit der Ferk aus dem Wirtshaus gegangen sei, in der Gestalt eines schwarzen Jünglings begegnet und habe beiden, also ihr und der Ferk verboten, sie sollen nichts weitersagen. Er wolle die Herrschaft Gutenhag, wenn sie festgenommen werden sollten, ganz zerstören und verwüsten und so ihnen heraushelfen.

Ausschnitt aus "Volksleben vor einem Wirtshaus" von Anton Möller (!560 - 1620)

Sie gesteht außerdem, ihr Mann habe mit mit dem Bolosch Sorda gerauft. Der Sorda habe ihren Mann zu Boden geworfen und ihm die Hand gebrochen. Darauf habe ihr Mann die Megitsch gebeten, dass sie den Sorda mit Zauberei umbringen soll. Das habe sie ihm auch versprochen. Wenn sie ihn früher als er sie sehen könnte, dann würde das geschehen.  Was die Megitsch aber für die Zauberei noch brauche, das könne sie nicht wissen.
Sie bekennt auch, dass der Böse zu ihr in Gestalt eines schwarzen Knaben ins Gefängnis gekommen sei und sie angestiftet habe, dass sie nichts verraten soll. Er wolle ihr schon heraus helfen.

 

Am 6. Dezember ist die Ursula Kollar abermals ohne Folterung vernommen und verhört worden.


Sie bekennt, ihre früheren Aussagen seien in allen Punkten wahr und richtig.
Sie bekennt, dass  es unmöglich sei, dass  man in allen Punkten ein übereinstimmendes Geständnis abgeben kann, weil bei den Zusammenkünften nicht immer alle beieinander gewesen seien und nicht alle immer am selben Ort zusammen gekommen wären und wenn sie zusammen gewesen wären, nicht alle dasselbe getan hätten.


Am heutigen Tag, den 10. Dezember 1661 hat die Ursula Kollar den Gregor Diviak, der hier neben den anderen Komplizen beschuldigt worden ist, vollständig wieder entlastet."

 

 

 

"Heute, am 10. Dezember 1661, ist über Ursula Kollar das geheime und öffentliche Gericht für Verbrechen der Zauberei  abgehalten worden durch die Urteilssprecher:

Wolf Lorenz Lämpertitsch und die Beisitzer  

Jakob Aderth,  Matthias Max Hakl, Philipp Korber, Zacharias Nirnberger, Kaspar Weiss, Bartholomäus  Haidten, Sebastian Jurgez, Martin Jurgez, Peter Kaufmann, Simon Feichtinger, Bartholomäus Rissner, Hans Schau

Urteil

Ursula Kollar soll nach dem allgemeinen Recht für Schwerverbrechen dem Scharfrichter überantwortet und zur gewöhnlichen Hinrichtungsstätte geführt werden. Dort soll sie auf dem Scheiterhaufen vom Scharfrichter erwürgt und der Körper zu Staub und Asche verbrannt werden.
So ist es auch tatsächlich vollzogen worden."

Gutenhag, am 10. Dezember 1661

 

Faksimile eines Flugblattes vom Jahre 1555, das eine zu Dernburg in der Grafschaft Regenstein am Harz vollzogenen Hexenverbrennung schildert

 

 


 

Dieses Protokoll aus dem 17. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu mit Unterstützung von Bernhard Reismann (dem ich für die Korrektur danke) in unsere heutige Sprache übertragen.
Das handschriftliche Prozessprotokoll in Druckbuchstaben übertragen findet man in den Steiermärkischen Geschichtsblättern aus dem Jahr 1882 (S.148ff).

Die Bilder stammen aus dem Buch "Kulturgeschichte des deutschen Volkes" von Otto Henne am Rhyn, Berlin 1893
Graz 2012

 

 

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