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Geständnis der Gera Kopschitsch, der Tochter der Wolwetki ohne und mit Anwendung der Folter

"Heute am 29. November 1661 ist Gera Kopschitsch, 40 Jahre alt, die Tochter der Wolwetki, aufgrund der von der Elenka Rotev gegen sie mit und ohne Folterung gemachten Geständnisse und auch mit Eid bekräftigten Aussagen ohne und mit Folter überprüft und verhört worden.

Sie bekennt, es habe sie ihre leibliche Mutter vor 10 Jahren verführt, als sie damals im Sommer am Tag vor der Kreuz-Auffindung zu ihr gekommen sei und gesagt habe:
Tochter, ich sehe, dass du hart arbeitest und dennoch wenig erwirtschaftest. Also komm und geh mit mir. Ich will dich wo hinführen, wo du ein gutes Leben und fröhliche Unterhaltung hast, ohne viele Mühe und harte Arbeit.

Anfangs habe sie sich geweigert, ihrer Mutter zu folgen. Als aber die Mutter am selben Tag am Abend ein zweites mal zu ihr gekommen sei, habe sie dem Wunsch der Mutter entsprochen, die sie zum Gradisch-Kreuz geführt habe. Dort habe sie ihr Bruder Gregor und ihre Schwester Urscha erwartet. Sie hätten dort die Ferk, die Ursula Wagner, die Gera, die Tochter der Juliana, die Roter, die Marina Treatsch, den Bösen Geist in Gestalt eines Geistlichen, mit einem schwarzem Gesicht und schwarzer Kleidung vorgefunden. Es habe verschiedene Speisen, gekochtes und gebratenes Rind- und Kalbfleisch, Hühner und Bratwürste und schön weißes Brot gegeben. Die Ferk und die Wagner hätten dabei das meiste getan, indem sie gekocht und aufgetragen hätten. Und auch ihr Bruder habe den Wein aus einem Baum gelassen.

Rohitschberg
Rohitschberg (Donacka gora)

Die anderen seien aber alle bereits beim Essen gesessen. Von ihren Speisen hätten sie ihr ein Stück Rindfleisch und ein Stück von einem gebratenen Huhn gegeben. Teile desselben seien ihr gut, und andere Teile seien ihr schlimm und schlecht vorgekommen. Sie hätten dort ungefähr 2 Stunden verbracht. Gleich nach dem Essen habe ihre Mutter einen Ast von einem Kirschbaum, die Ferk den anderen Ast, den sie nicht kenne, mit einer schwarzen Salbe (sie wisse nicht, woraus diese gemacht worden sei) angeschmiert. Ein Teil der Leute sei bei der Mutter, der andere Teil bei der Ferk klein gemacht und in der Gestalt von Gänsen auf die Äste aufgesessen und auf den Rohitschberg geflogen. Vorne sei der Böse Geist, nach ihm die Mutter und die Wolwetki und dahinter seien die anderen gesessen. Ihrer Ansicht nach seien sie sehr rasch hingekommen. Dort habe sie unzählbar viele fremde Menschen, in kroatischen und deutschen Kleidern, wie auch viele schwarze Geister angetroffen. Unter denen habe sie bald einer angeredet, wie sie dort hin gekommen sei, ob sie auch eine Mitgefährtin habe und was sie ihm für seine Dienste geben wolle.
Als sie nicht gewusst habe, was sie ihm antworten soll, habe er ihren Sohn namens Gregor, der damals 5 Jahre alt gewesen sei, verlangt. Als sie das dem Bösen Geist verweigert habe, wollte sie der Böse mit einem Eisendraht schlagen. Die Mutter aber habe für sie gebeten, mit dem Versprechen, dass sie ihm treu dienen und ihm eine Gefährtin bleiben werde. Darauf habe der Böse ihre Seele von ihr verlangt. Diese hat sie ihm auch versprochen. Ebenso, dass sie Gott und unsere liebe Frau verleugnen wolle. Als sie das nicht sofort getan hat, habe er sie mit dem erwähnten Eisendraht über die Schulter dermaßen hart geschlagen, dass sie die feste Meinung hatte, es doch zu können. Und als sie Gott verleugnet habe, habe ihr der Böse von fern ein Kruzifix gezeigt und sie gefragt, ob sie Gott kenne. Worauf sie geantwortet habe: Weil ich mich euch versprochen habe, will ich ihn nicht kennen. Der Böse Geist habe verlangt, dass sie auf das Kruzifix speien soll. Das habe sie auch getan. Danach habe er einige Tropfen Blut von ihr verlangt und ihr eine Nadel gegeben, um sich zu stechen. Sie habe sich in ihren Herzfinger der rechten Hand gestochen. Davon habe der Böse ein paar Tropfen Blut genommen, die er auf ein Stück Papier gestrichen und mit sich genommen habe. Er sagte dann: Jetzt gehörst du zu mir!

Kirche am Rhitschberg
St. Donatuskirche am Rohitschberg (Donacka gora)

Danach hätten sie wie in einer Küche Braten gekocht und eine stattliche Mahlzeit aus Kalbfleisch, Hasen, Hühner, Bratwürste, Fisch und Krebsen zubereitet. Sie aber habe wie eine Magd nur abwaschen müssen. Dort wären auch 2 Fässer Wein auf einem Wagen gelegen. Das alles hätten sie dort bereit gefunden. Bald nach Zubereitung der Speisen wären sie bei einer ebenen Stelle am Berg Essen gegangen. Ein schwarzer Geistlicher, als ob er geräuchert wäre, und ihr Bruder hätten den Wein aufgetragen. Ein schwarzer Geist habe während der Mahlzeit auf einer kleinen Geige aufgespielt. Und es habe geklungen, als ob sich Mäuse und Ratten gebissen hätten. Während des Essens hätten sie einander zugetrunken. 2 Böse Geister hätten ihnen aufgewartet. Sie wäre nicht zur Tafel gegangen, sondern habe in einer Küche abwaschen müssen. Damals habe sie vor dem Essen getanzt und der Böse Geist habe ihnen aufgespielt. Und weil sie sich etwas zu lang dort aufgehalten habe und der Tag rasch zu Ende gegangen sei, sei sie wieder mit ihrer Mutter zum Gradisch-Kreuz geflogen und von dort nach Hause gegangen.
Als sie ein anderes Mal dorthin geflogen sei, hätten der Böse Geist, ihre Mutter, die Juliana, die Ferk, die Kollar und auch sie in einem schwarzen Topf Schauer-Wetter gekocht und in den Topf auch 3 Hochwürdige Sakramente (Hostien), Brot und Wein und darauf - man verzeih den Ausdruck - Kot und Urin gegeben. Das hätten sie zusammen gekocht. Darauf sein ein schwarzer Hagel-Wetter entstanden, das sie nach Graz gelenkt hätten und das dort großen Schaden angerichtet habe. Sie bekennt, auch wenn sie in der Nacht den Schauer koche, könne der Böse ihn bis zum Hellwerden erhalten und ihn nochmals wirksam werden lassen.

Am 1. Dezember ist die Gera abermals ohne Folter vernommen worden und sie hat bekannt, dass ihre früheren Geständnisse in allem richtig seien.

Am 2. Dezember ist Gera Kopschitsch abermals ohne Folteranwendung verhört worden. Sie bekannte und bestätigte, dass alle ihre Aussagen, die sie am 29. November gemacht hat, in allen Punkten wahr seien.

Heute am 9. Dezember hat Gera Kopschitsch ihre Aussage bezüglich Jakob Mlineritsch widerrufen, weil sie nur von anderen gehört habe, dass er ein Hexenmeister sei. Und sie ist auch am 10. Dezember vor dem geheimen und öffentlichen Recht bei ihrem Widerruf geblieben.

Heute am 10. Dezember ist über Gera Kopschitsch das geheime und öffentliche Schwerverbrechens-Gericht abgehalten worden.

Durch den Urteil-Sprecher Wolf Lorenz Lämpertitsch
Und die Beisitzer: Jakob Adherth, Matthias Maximilian Haikl, Philipp Korber, Zacharias Niernberger,
Kaspar Waiss, Batholomäus Haiden, Sebastian Tungez, Martin Tungez, Peter Kauffmann, Simon Feichtinger, Bartholomäus Rissner, Hans Schön


Urteil

Gera Kopschitsch soll nach dem öffentlichen Verbrechens-Recht dem Scharfrichter übergeben werden und zum üblichen Gerichts-Ort geführt werden. Dort soll sie am Scheiterhaufen vom Scharfrichter erwürgt und der Körper zu Staub und Asche verbrannt werden.
Gutenhag
So ist es auch tatsächlich vollzogen worden.
Exekutiert am 10. Dezember 1661"

Rastplatz Rohitschberg
Rastplatz neben der St. Donatuskirche am Rohitschberg (Donacka gora / Slowenien)

 


Anmerkung: Dieses Protokoll aus dem 17. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu in unsere heutige Sprache übertragen. Bernhrad Reismann sei für die Korrektur gedankt.
Das Original des Prozess-Protokolls befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv. Graz 2011

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