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Erhebungen zum Fall Michael Lipp

 

Aussage des Steinmetz Abraham Hartmann
Riegersburg, am 28. Mai 1675.

Abraham Hartman erzählt, dass er sich mit dem Schmied des jüngeren Herrn von Lengheim und mit dem Diener Sattler im vergangenen Jahr 1674 um den Jakobitag herum in Fehring beim Kirchtag aufgehalten habe und dort beim Gasthaus “Feiertag” gefrühstückt habe. Er habe dort zusammen mit den oben genannten Bekannten im Wirtshaus einen Bauern mit 2 oder 3 Frauen getroffen, den der Kraiß, ein Bürger aus Riegersdorf, der ebenfalls anwesend war, gekannt habe.

Pfarrkirche Fehring
Pfarrkirche von Fehring (Steiermark)

Während nun die Teilnehmer der Gesellschaft wegen des schweren Hagelwetters, das bei Riegersburg niedergegangen war, mit Schrecken und Verwunderung geredet hätten, habe sich dieser Bauer erfrecht, ganz grimmig und so, dass es alle hören konnten zu sagen: “Wer ist denn anders schuld an so einem Schauspiel als der Riegersburger Graf.”
Als nun der oben genannte Hartman fragte, warum er das meine, habe der Bauer geantwortet: Der Graf veranstalte Festessen, aber lasse die Zauberer nicht einfangen und verbrennen.
Darauf habe ihn der Hartman gefragt, wen er denn kenne, den der Graf verschone. Außerdem sei der Herr Graf nicht für das Landgericht zuständig. Darauf hat aber der Bauer nichts mehr antworten wollen.
Der Hartman habe ihn aber zu einer Antwort zwingen wollen und gesagt, gute Leute würden oft durch schlechte Leute geächtet. Er solle sagen, warum er anfange zu reden und dann nichts sage, dann müsse er wohl selbst ein schlechter Mensch und Zauberer sein. Das hat er (Hartman) mehrmals dem Bauern ins Gesicht gesagt und ihn wiederholt gescholten. Der Bauer aber habe alles über sich ergehen lassen und darauf keine Antwort mehr gegeben. Wie aber der Bauer gesehen hat, dass so heftig auf ihn eingeredet wird, ist er aus dem Zimmer und ganz weggegangen. Das hat auch der Feiertags-Wirt dort gehört und gesehen. Er weigert sich aber, das zu bezeugen.

Georg Kraiß sagt in gleicher Weise aus, wie es oben beschrieben ist und bekennt, dass der Wirt “Feiertag” in Fehring dem Bauern einen ernsten Verweis gegeben habe und er soll sich unterstehen, solche Reden zu halten. Es habe dem Bauern kein Mensch eine Ursache und Anlass zu solchen bedenklichen Reden gegeben. Doch habe der Bauer auf den Verweis seines Vettern, des Wirtes Feiertag in Fehring gesagt, es sei ihm halt gleich so herausgerutscht.


Begleitschreiben des Regierungskommissärs Graf von Purgstall
über die beiden vorhergehenden Aussagen an den Richter und Rat von Feldbach

Mit Eintreffen der Beilage A ist zu entnehmen, dass sich Abraham Hartman am Jakobitag des vergangenen Jahres 1674 mit einigen Bekannten in Fehring zum Kirchtag eingefunden hat und dort im Wirtshaus des Feiertag in der Früh beim Frühstück einen Bauern namens Michael Lipp, der dem Herrn Prälaten von Pöllau dienstbar ist, angetroffen hat. Während sich der erwähnte Hartman und seine Bekannten verwundert über das große Hagelunwetter, das damals niedergegangen war, unterhielten, hat der Bauer zu ihnen gesagt, es sei kein Wunder, dass es das Hagelwetter gegeben habe, denn der Riegersburger Graf verhafte die Zauberer nicht, noch lasse er die in Feldbach inhaftierten verbrennen.

Tabor Fehring
Tabor neben der Pfarrkirche von Fehring

Wenn nun ich, wie die Herren ja wissen, kein Landgericht besitze und daher solche Leute, die sich unter meiner Jurisdiktion befinden, (nicht aushändigen darf - Satz unvollständig), so glaube ich, dass anderen über diesen Lipp noch das eine oder andere mehr bekannt sein wird.

So werden die Herren den erwähnten Michael Lipp entsprechend der Landgerichtsordnung zu sich vorzuladen oder festzunehmen haben und sodann mit und ohne Anwendung der Folter hinsichtlich Zauberei verhören. Ich selbst aber will mir eine eigene Untersuchung vorbehalten.

Im Übrigen mögen wir alle Gott befohlen sein.

 

Anmerkung: Den Text des Protokolls habe ich aus dem Buch von Joseph von Hammer-Purgstall: Die Gallerinn auf der Rieggersburg. Carl Gerold und Sohn, Wien 1849 (2. Auflage 1849: Digitalisat Bd. 1Bd. 2/3) entnommen und in unsere heutige Sprache übertragen.
Dr. Bernhard Reismann danke ich an dieser Stelle für Korrektur und Anregungen.

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