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Prozess gegen Marx Schöpfer wegen Wettermacherei

Geständnis

Marx Schöpfer, aus Hinteregg bei Oberwölz stammend.
Geständnis mit und ohne Folter.
Vollstreckt am 18. 8. 1614 in St. Lambrecht.


Am 13. und 14. August 1614 ist in der Landgerichtshoheit des hochwürdigen Gotteshauses St. Lambrecht für das steiermärkische Banngericht durch den edlen und festen Herrn Hans Amon, dortiger Sekretär und Hofrichter, im Beisein der ernsten und vornehmen Caspar Offner, Marktrichter Valtan Hilberg, Caspar Zeischl und Daniel Mugg, alle Bürger von St. Lambrecht,
eine verbrecherische Person zum Verhör vorgeführt worden.
Er hat mit und ohne Folterung folgendes gestanden und ausgesagt:


Zuerst sagt und bekennt er: Er heiße Marx Schöpfer und stamme aus dem Hinteregg bei Oberwölz. Er sei Viehhüter und seiner Meinung nach 48 Jahre alt.
Weiters sagt und bekennt er, dass er beim Mayr in Lercha zuerst einmal 6 Jahre als Viehhüter gedient habe.

Weiters sagt er, dass er von diesem Mayer nach St. Leonhard im Lavanttal zum Herrn Pammer gegangen sei und bei ihm 15 Jahre lang Ziegen gehütet habe.

Weiters sagt er, dass er vom Herrn Pammer weitergezogen sei und bei einem Bauern namens Schäfer am Hierz 4 Jahre gedient habe.

Alte Ansicht von Oberwölz mit Schloss Rothenfels

Von diesem Schäfer habe er sich zum hageren Huber begeben und bei ihm eine Zeitlang gedient.

Weiters sagt er, dass er  dananch nach Frauenburg gegangen sei und dort auch gedient habe.
Weiters sagt er, dass er von Frauenburg auf die  Rottenmanner Tauern gegangen sei und dort 16 Jahre als Ziegenhüter gedient habe.

Weiters sagt er und bekennt er, dass er von einer Sennerin, deren Namen er nicht kenne, gelernt habe:
Wenn die Kühe nicht zum Stier kommen wollen, dann soll man die Stuben 9 Mal kehren und den Kehricht durchseihen und diesen den Kühen unter das Futter geben. Dann würden die Kühe bald trächtig.
Weiters sagt und gesteht er, dass er diesen Kühen die Hufe ausgestochen und der genannten Sennerin gebracht habe, als er mit ihr in Hinteregg auf der Alm Vieh gehütet habe. Dieses Material aus den Hufen habe sie zur Zauberei gebraucht.
Außerdem sagt er, dass diese Sennerin 2 Frösche auf eine Stange gehängt habe. Dann habe sie daran gemolken und dadurch den fremden Kühen die Milch entzogen habe.
Weiters sagt und gesteht er, dass er von dieser Sennerin gehört habe, dass sie einige Mal bei schönem Wetter gesagt habe: „Heute wäre gut Wetter kochen“. Danach sei sie hinaus auf einen Hügel gegangen und habe laut geschrien. Er wisse aber nicht, was. Nichtsdestoweniger  sei es bald darauf, als sie wieder in die Hütte zurück gekommen sei, draussen voll Schauer gewesen. Er sagte auch aus, dass sie in Frauenburg verbrannt worden wäre.

Er sagt  weiters, dass beim Zechner am Putschingk ein Rörrbauer sei. Wie er aber heisse, das wisse er nicht. Der Zerbmair aber wisse es. Dieser könne auf dem Wolf fahren.

Er sagt weiters und gesteht, dass die erwähnte Sennerin zu ihm gesagt habe, wenn er zaubern wolle oder das Zaubern lernen möchte, dann müsse er ernsthaft die Heilige Dreifaltigkeit 9 Mal verleugnen und (Gott behüte uns) sich mit dem Teufel mit Leib und Seele 9 Mal verschwören.

Weiters sagt er aus, dass die erwähnte Sennerin zu ihm gesagt habe, wenn er ein Wetter machen will, dann müsse ihn der „Schwarze Kasperl“ (Teufel) dafür belohnen.

Hinteregger-Tor in der Stadtmauer von Oberwölz

Er sagt weiters aus und gesteht, dass der Teufel, der “Schwinkl Mayr Kälbl” heisse, vor 15 Jahren in schwarzen Kleidern auf der Pernreith Alm zu ihm gekommen sei und zu ihm gesagt  habe, wenn er ihm gehören wolle, dann wolle er ihm das Zaubern lernen und ihm Geld geben.Darauf habe der Teufel Blut von ihm genommen, indem er an der linken Hand in den Mittel-Finger geschnitten habe. Er habe auch Gott dreimal verleugnet. Was er aber alles geredet habe, wisse er nicht. Was er ihm aber vorgesagt habe, das habe er nachgeredet und dem Teufel dreimal versprechen müssen.

Nach all dem sei einmal der Teufel in Gestalt eines kleines Mädchens zu ihm gekommen. Dieses habe eine Schüssel genommen. Da war Wasser drinnen. Er wisse nicht, was sonst noch drinnen gewesen sei. Das habe er genommen und mit der Hand umgerührt. Damit habe er ein Wetter vom Hinteregg aus über die Alm sogar bis ins Ennstal gelenkt. Es habe ziemlich großen Schaden angerichtet. Dafür habe er 4 Kreuzer als Lohn bekommen.

Er sagt weiters aus und gesteht, dass er danach noch einmal ein Wetter in Pusterwald gemacht habe.
Er sagt weiters und gesteht, dass er ein Wetter in Prettstein gemacht habe.
Er sagt weiters und gesteht, dass er ein Wetter von Oberwölz aus bis nach Zeiring geführt habe.
So oft er ein Wetter gemacht habe, habe ihn der Teufel immer entlohnt und das eine Mal mehr, das andere Mal weniger Lohn gegeben.

Schließlich sagt und gesteht er, als er beim Perolt in Saal gedient habe. Er habe dort wieder ein Wetter gemacht. Er wisse aber nicht mehr recht, wie groß der Schaden gewesen sei, den es angerichtet habe. Und dass er Gott abgesagt habe. Das habe er tun müssen, weil ihn der Teufel so angegriffen habe. Er sei ein unzuverlässiger Angeber und er habe nicht gehalten, was er ihm versprochen habe. Und der Teufel habe ihn im Gefängnis hart geschlagen.

Urteil

Dieser Täter ist durch die Herrn Richter und Beisitzer einstimmig dazu veurteilt worden, dass er dem Scharfrichter überantwortet werde.
Dieser soll ihn zur allgemeinen Richtstätte führen und aus lauter Gnade, Milde und Barmherzigkeit mit dem Schwert hinrichte. Sein Körper soll zu Staub und Asche verbrannt werden.

Georg Schaller Bannrichter

 

Oberwölz - Detail am Chor in der der Kirche von Oberwölz

 


Dieses Protokoll aus dem 17. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu mit Unterstützung von Bernhard Reismann (dem ich für die Korrektur herzliche danke) in unsere heutige Sprache übertragen.
Das handschriftliche Prozessprotokoll in Druckbuchstaben übertragen findet man in den Steiermärkischen Geschichtsblättern aus dem Jahr 1882 (S.135ff).
Graz 2012

 

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