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Bittschrift der als Hexe angeklagten und ausgewiesenen Ursula Neubauer an den Kaiser um Gewährung der Rückkehr

 

 

Allerdurchlauchtigster, großmächtigster und unüberwindlichster Römischer Kaiser, König der Ungarn und der Böhmen, Erzherzog von Österreich etc. etc.

Allergnädigster Kaiser, Landesfürst und Herr, Eure Kaiserliche Majestät etc., auf die Knie fallend und untertänigst bittend erlaube ich mir Sie anzuflehen, ich arme, ganz betrübte, elende Frau, in höchster Not und  gezwungener Weise muss ich dies tun, der ich die  Ehefrau eines Töpfers namens Matthias Neubauer in Wörth in der Steiermark und ihrer Gnaden, Herr Georg Julius von Rathall etc. zur Herrschaft Neudau gehörige Untertanin bin.

Schloss Neudau
Schloss Neudau

Denn es hat sich vor eineinhalb Jahren mit meinen Nachbarn, der Ehefrau des Herrn Georg Dornschusters und dem Matthias Gager solcher Streit erhoben und zugetragen. Es hat nämlich die Dornschuster mir armen Töpferin um drei Groschen Geschirr gestohlen und heimlich weggetragen. Ich bin ihr gleich nachgelaufen und hab von ihr das weggenommene Geschirr zurückverlangt. Sie aber ist gleich mit Anschuldigungen gekommen und hat gesagt, ich sei auch so eine, wie es vor vielen Jahren geschehen sei, als mein Vater und meine Mutter, die auch neben vielen anderen Personen wegen ihrer üblen begangenen Taten, für Unholde, Hexen und Zauberer gehalten und hingerichtet worden seien, wo ich arme Frau nichts um diese Dinge gewusst habe. Dann hat sie auch noch gesagt, sie hätten mich neben einer anderen Frau im Wald gesehen, wie ich ihre Kühe leergemolken und die Milch weggenommen hätte. Bald darauf hat sie mich bei der Herrschaft angezeigt und lauter Unwahrheiten angegeben und dann hat man mich gefangen genommen und ins Landgericht Burgau gebracht.

Dadurch habe ich unschuldiger Weise nur 4 Wochen weniger als ein ganzes Jahr in diesem schrecklichen und harten und nicht enden wollenden Gefängnis bleiben müssen und bin so traktiert worden, dass es zum Erbramen war. Nachdem man bei mir überhaupt nichts gefunden hat, auch wenn sie es noch so versucht hätten, bin ich durch das Landgericht Burgau vergangene Pfingsten im Jahr 1644 auf Lebenszeit ausgewiesen und verbannt worden aus der ganzen Steiermark, weg von meinem Mann, der noch mit den kleinen Kindern zuhause lebt. Mit dem besonderen Vermerk, dass ich zurückkehren könne, wenn mir Eure Römische Kaiserliche Majestät eine kaiserliche Gnade aus Barmherzigkeit erteilen würde.

Nachdem ich nun einmal, ich elende, betrübte und blutarme Frau auf der ganzen Welt kein anderes Mittel suchen und finden kann, damit mir in dieser Sache geholfen werde, als Eure Kaiserliche Majestät, unser allergnädigster Landesfürst und Herr, der  solche kaiserliche Gnaden aus besonderer kaiserlicher Macht  erteilen kann, klage ich Ihrer allerhöchsten kaiserlichen Majestät mit tiefem Seufzen und vor die Füße fallend, wehmütig und vom Grund meiner Seele und meines Herzens aus. Es gelange diese Bitte daher an die allerhöchste Majestät, gedenkt einer sehr betrübten und ganz verlassenen, elenden und verlassenen Frau, die auf unschuldige Weise so behandelt und so jämmerlich traktiert worden ist, obwohl man überhaupt nichts gefunden hat und wo ich auch mein Lebetag nie auf den Gedanken gekommen wäre, so etwas zu tun, um der 7 Barmherzigkeiten Gottes und um der heiligen 5 Wunden Jesu Christi willen, mit hochgestreckten beiden Händen und auf den Knien seufzend bittend: Eure  kaiserliche Majestät, schenke mir armen, elenden Frau gnädigst Eure Barmherzigkeit und mache mich mit dieser kaiserlichen Gnade wieder froh, nämlich dadurch dass ich wieder zurück in die ganze Steiermark und in unsere Herrschafts-Landgerichte  und auch wieder nach Hause zu meinem Ehemann und den kleinen Kindern kommen darf und kann. Man wird mir in Zukunft keine Verwürfe machen können und es werden auch keine solchen Sachen geschehen.

Neudau Mariensäule
Neudau Mariensäule

Außerdem sollen wegen dieser ungerechtfertigten Beschuldigungen die Frau des Dornschuster und der Matthias Gager, nachdem gar nichts gefunden worden ist, öffentlich Abbitte leisten.
Und ich bitte schlussendlich, mit dieser kaiserliche Gnade und Zusicherung und Schutzgewährung  einen Brief zu gewähren, auszufertigen und zustellen zu lassen, um Jesu Christi und der Himmelskönigin und Jungfrau Maria und auch aller Heiligen Gottes Namens willen nochmals zu Füßen fallend innigst bittend, mich mit dieser besonderen kaiserlichen Gnade zu erfreuen, wofür ich für ein besonders langes Leben und eine überaus glückliche Regierung mein eifriges Gebet zu Gott schulde und mein ganzes Leben in Erinnerung behalten werde. Diesbezüglich empfehle ich mich der allergnädigsten Erhörung und Gewährung

Eure Kaiserliche und Königliche Majestät,

demütigst
Ursula Neubauer,
arme und lang gefangen gewesene Frau
aus Wörth in der Steiermark

 

 

Anmerkung: DDas handschriftliche Prozessprotokoll in Druckbuchstaben übertragen findet man in den Steiermärkischen Geschichtsblättern aus dem Jahr 1882 (S.155ff).

Dr. Bernhard Reismann danke ich an dieser Stelle für Korrektur und Anregungen.

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