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Pleschkogel
Am Pleschkogel

 

Strafprozess gegen Christina Posch wegen Zauberei

 

 

Am 23., 24. und 25. April 1686 wird Christina Posch vom Bannrichter Dr. Johann Tillerich im Beisein von vier Ratsherren aus Gratwein (Steiermark) ohne Folterung befragt und gibt folgendes an:

 

Sie heiße Christina Posch, sei bei 35 Jahre alt, seit 17 Jahren verheiratet, habe 3 Kinder, von denen nur noch eines am Leben sei und wohne beim Kainrath in Stübing.

Vor ungefähr 15 Jahren zwischen Ostern und Pfingsten sei auf ihrem Heimweg von der Kirche in Geistthal die hingerichtete "Brunnbäurin" zu ihr gekommen und habe gesagt: Sie (Posch) könne die Sachen wohl leichter haben und brauche nicht so hart zu arbeiten. Darauf habe sich die Brunnbäurin entfernt.

Acht Tage später zur Mittagszeit sei sie auf einmal wie im Schlaf auf den Plesch-Kogel gekommen, wo sie die Brunnbäurin, die hingerichtete Christanderl und den Teufel in der Gestalt, wie man in male, kohlschwarz, in einem zerfetzten zottigen Kleid, angetroffen habe. Der Böse habe von ihr die Seele begehrt und gesagt, sie solle nicht mehr an Gott glauben. Er wolle ihr bringen, was sie wolle. Sie habe ihm darauf die Seele verheißen und versprochen, nicht mehr an Gott sondern an ihn zu glauben.

Darauf habe der Böse ein schwarzes Tuch über sie gehüllt und sie seien alle zusammen in Rabengestalt im Nebel mit einem Schauer, der in der Zwischenzeit entstanden sei und den der Nebel aufgehoben und hergetragen habe, auf den Wildonerkogel geflogen und dort im Wald, auf einer schönen Ebene abgestiegen. Worauf sie ihre natürliche Gestalt wieder bekommen hätten.

Dort hätten sie bei zwei Tischen Mahlzeit gehalten und allerlei Speisen, wie Brot, Würste und Fleisch gegessen und Wein getrunken. Der sei ihr aber gar nicht gut vorgekommen. Es seien Bürger und Bauersleute versammelt gewesen. Sie habe aber damals nur die Brunnbäurin, welche Köchin und Wirtin gewesen sei, und die Christanderl erkannt. Fünf böse Geister hätten nach dem Essen gegeigt und einer habe mit dem Tanz begonnen, worauf alle durcheinander getanzt hätten. Es wäre aber nicht besonders fröhlich gewesen. Die Geigen hätten keine rechte "Stimm" gehabt. Am Ende seien sie wieder auf den Pleschkogel zurückgeflogen, dort abgesessen und heimgegangen.

Seither sei sie alle Jahre dreimal bei der Hexengesellschaft gewesen. Sie seien immer am Pleschkogel zusammengekommen und hätten von dort aus einmal im Jahr Regen, die übrigen zwei Male Schauerwetter hinab auf den Wildonerkogel geführt, wo sie immer ein Fest gehabt hätten. Mit dem Unwetter hätten sie auf dem Pleschkogel, in Krienz und Hirschegg Schaden angerichtet. Im Zurückfliegen seien sie immer auf dem Pleschkogel abgesessen und heimgegangen. Hiebei habe sie die hingerichtete Brunnbäurin und die Christanderl, dann die Jörgbäurin, die Pongrätzbäurin, die Muralterin, den Heyger und den Reitermahr Jodl, die alle noch am Leben seien, gesehen und erkannt.

Durch die ganzen 15 Jahre habe sie der Böse Geist alle Jahre einmal beschlafen. Er sei dazu gar schön, wie ein hoher Herr, und schwarz gekleidet zu ihr gekommen. Es sei jedesmal bei Tage, das erste Mal bei der steilen Wiesen vom Pieter, dann aber bei jener vom Griesbauer geschehen. Der Böse habe das Werk eine Stunde lang getrieben und sie habe hiebei dieselbe Lust wie bei ihrem Mann verspürt.

Schließlich bekennt sie, der Böse sei kurz vor ihrer Einlieferung, als sie bei der steilen Wiesen vom Griesbauern Schafe gehalten habe, zu ihr gekommen und habe zu ihr gesagt, die anderen seien schon hinunter nach Gratwein gekommen und sie werde nachfolgen. Sie solle nur nichts sagen.

 

  plesch gegen wildoner kogel
 
Blick vom Pleschkogel in Richtung "Wildoner Berg" (Buchkogel)


In Anwesenheit von acht Beisitzern ergeht folgendes

Haupt-Urteil

zu den, hier oben beschriebenen und begangenen und gestandenen Verbrechen dieser armen Sünderin Christina Posch haben meine Herrn Beisitzer einstimmig beschlossen und zu Recht erkannt, dass sie dem Scharfrichter in seine Hand und Band übergeben werden soll. Der soll sie nehmen und wohlverwahrt zur Gerichtsstätte hinaus führen und dort mit dem Schwert vom Leben zum Tod hinzurichten, den Körper aber mit dem Kopf zu Staub und Asche vertilgen.

Gott sei der armen Seele gnädig.

So ist es auch exekutiert worden im Landgericht Rein am
27. April 1686.

Dr. Joh. Tillerich
Kaiserl. steir. Bannrichter

 

 


Der Prozess gegen Christina Posch wurde aus dem Buch  von Fritz Byloff "Das Verbrechen der Zauberei (crimen magiae)", Graz (1902) übernommen. Einzelne Ausdrücke wurden abgeändert, um den Text leichter verständlich zu machen. Das Original-Protokoll befindet sich in Privatbesitz.
Graz 2011

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