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Protokoll des Verhörs der Veronika Rauch

 

Am 20., 21. und 23. Mai des Jahres 1689 ist bei der hochgräflichen Herrschaft Trautmannsdorf, bei der Landgerichtshoheit Gleichenberg dem Banngericht in der Steiermark eine weibliche verbrecherische Person namens

Veronika Rauch

im Anklagepunkt Zauberei zum üblichen Verhör vorgeführt worden.
Sie hat im Beisein des Herrn Landgerichtsverwalters Jakob Summer, der beiden Ratsbürger von Gnas Matthias Weissinger und Georg Rinner, sowie des Marktrichters von Gnas Christoph Pamrorth
ohne und mit Anwendung der Folter folgendes gestanden:

Trautmannsdorf
Pfarrkirche von Trautmannsdorf mit Gleichenberger-Kogel im Hintergrund

Ihr Name sei Veronika Rauch, sie sei an die 50 Jahre alt. Sie seit 28 Jahren verheiratet, Untertanin von Gleichenberg und in Merkendorf wohnhaft. Sie habe mit ihrem Mann 7 Kinder , wovon 1 gestorben ist. Drei Buben und drei Mädchen seien noch am Leben. Das Jüngste sei ein Bub und 9 Jahre alt.

Sie gesteht und sagt aus:
Vor ungefähr 16 Jahren, als sie vor Pfingsten auf die andere Seite von der Sulz Gras holen gegangen sei, da sei der Böse (der Teufel) wie der schönste junge Bauern-Bursch in einem braunen Gewand mit einem schwarzen Pferd zu ihr gekommen. Beim Reden habe er ein wenig genäselt und er habe von ihr die Seele verlangt und auch, dass sie die Hl. Dreifaltigkeit verleugne. Dafür habe er ihr Getreide und viele andere Sachen versprochen. Darauf habe sie ihm auch die Seele versprochen und die Hl. Dreifaltigkeit verleugnet. Danach habe er ihr befohlen mit ihm zu gehen, und er habe ihr die Sinne genommen. Sie seien auf das schwarze Pferd aufgesessen und auf den Gleichenberger-Kogel geritten. Dort hätten sie bei 3 Tischen ungefähr 20 Personen bei einem Essen angetroffen. Es habe Fisch, Krebse, Rindfleisch, Kälbernes, Hühner und verschiedene andere Speisen gegeben. Auch guten Wein habe man gehabt. Sie hätten aus Schüsseln aus Zinn gegessen und die Becher, aus denen sie getrunken hätten, hätten wie aus Silber und Gold ausgesehen. Der hingerichtete Grandl habe den Wein aus einer Eiche herausgelassen. Die alte Teschl, die vor 6 Jahren gestorben ist, habe gekocht.
Sie hätten keine Musikanten gehabt, sondern nach dem Essen mit den Schüsseln und Pfannen geschlagen und geklimpert. Dazu hätten sie auch getanzt und sie seien 1 bis 2 Stunden beisammen gewesen.
Darauf hätten sie sich zusammen in einen schönen Wagen gesetzt und seien vom Gleichenberger-Kogel auf den Schöckl gefahren. Dort hätten sie weiter gegessen und getrunken. Danach hätten sie in einem Bottich Wasser und Schnee gerührt. Daraus sei Hagel geworden, den sie in Säcke gefüllt hätten. Beim Hinunterfahren hätten sie ihn bei Frauenberg, Jamm und dergleichen Orten ausgeschüttet.  Sie selbst sei unter dem Gleichenberger-Kogel bei der Faulen Sulz abgesessen. Sie seien einen halben Tag beisammen gewesen.

Seither sei sie alle Jahre an die zweimal, und voriges Jahr vor dem Getreideschneiden bei dem kleinen Hagel das letzte Mal in der Hexengesellschaft gewesen. Es habe sie jedes mal der Böse, den sie immer “kleines Mandl” genannt habe, abgeholt. Er sei mit dem schwarzen Pferd entweder im Weingarten, daheim bei der Sulz, oder auf dem Feld zu ihr gekommen. Sie seien dann gemeinsam auf das Pferd aufgesessen und dann auf den Stradner-Kogel, den Gleichenberger-Kogel oder auf den Schöckl geritten, wo sie immer ein Essen gehabt hätten. Danach hätten sie jedes Jahr ein oder zweimal Hagel gemacht, den sie auf die oben beschriebene Weise aus Wasser und Schnee in  einem Bottich zusammengerührt hätten. Damit hätten sie in  der Gegend von Steintal in Richtung Neuhaus Schaden angerichtet. Sie, die Vroni, sei dann meistens am Wiperkogel auf ihrer Wiese, oder unter dem Gleichenberger-Kogel abgesessen, wobei sie viele Leute gesehen habe. Sie kenne die Grandl, den Takner, die Teschl, die Gollabitsch, die schon hingerichtet worden sind, dann auch die Hoschhansl, die Takner und den Hiasl, den Sohn vom Schwarz in Waldsberg, der noch am Leben ist.

Stradner Kogel
Stradner-Kogel

Desgleichen gesteht sie, dass sie der Böse jedes Jahr zweimahl entweder zuhause, im Weingarten, bei der faulen Sulz oder wo er halt zu ihr gekommen sei, und das letzte Mal im vorigen Jahr vor dem Getreideschneiden auf dem Stradner-Kogel geliebt und mit ihr geschlafen habe. Sein Glied sei wie ein Gänsedarm und seine Natur kalt wie kaltes Wasser gewesen. Es habe etwa eine halbe Stunde gedauert und so lang, bis ihr die Lust vergangen sei.

Zum Schluss sagt sie aus und gesteht, dass sie auch dreimal nach der Kommunion die Hostie aus ihrem Mund genommen habe, einmal in Trautmannsdorf, einmal in St. Anna und das letzte Mal in Straden. Sie habe dieses zur Hexengesellschaft gebracht, wo sie darauf gespien hätten und dann zum Hagelmachen verwendet hätten.

Die Namen der Herrn Beisitzer:
Leopold Schlecht, Georg Rinner, Matthias Weißinger, Peter Staudacher, Christoph Paamrarth, Michael Burg, Florian Crainer, Christoph Tommer.

Demnach ist nach einhelliger Erkenntnis der Herrn Beisitzer aufgrund der verübten und gestandenen Verbrechen der armen Sünderin Veronika Rauch öffentlich bekannt gemacht worden, dass sie auf der allgemeinen Hinrichtungsstätte auf dem Scheiterhaufen mit dem Strang hingerichtet werde, und dann der Körper zu Staub und Asche verbrannt werden soll.

So ist es auch durchgeführt worden beim Landgericht Gleichenberg am 25. Mai 1689.

 

Anmerkung: Den Text des Protokolls habe ich aus dem Buch von Joseph von Hammer-Purgstall: Die Gallerinn auf der Rieggersburg. Carl Gerold und Sohn, Wien 1849 (2. Auflage 1849: Digitalisat Bd. 1Bd. 2/3) entnommen und in unsere heutige Sprache übertragen.
Dr. Bernhard Reismann danke ich an dieser Stelle für die Korrektur und Anregungen.

 

 

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