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Am heutigen Tag, den 25. Oktober 1657

ist dem landesfürstlichen steirischen Banngericht bei der löblichen Herrschaft und Landgerichtshoheit Kapfenberg ein Verbrecher namens

Marx Rueprecht

zum Verhör vorgestellt worden.
Er hat im Beisein der gestrengen Herrn Andreas Lutschinger (Verwalter), Michael Monzello (Marktrichter), Thomas Lutschinger und Herrn Koloman Kronstoffer (beide Ratsbürger von Kapfenberg)
sowohl ohne als auch mit Anwendung der Folter folgendes ausgesagt und gestanden:

 

Oberkapfenberg  
Hinweis auf der Burg Oberkapfenberg  

"Marx Rueprecht bekennt, er sei an die 18 Jahre alt und stamme aus St. Veit, nördlich von Graz. Sein Vater habe Ruepp und seine Mutter Margareta geheißen. Sie seien Weinbauern gewesen. Der Vater sei schon vor 6 Jahren gestorben. Die Mutter lebe noch.
Er sei nach Niederösterreich gegangen und habe dort draußen zeitweise als Viehhirte gearbeitet.

1. Er gesteht: Zu seinem ersten Diebstahl hätten ihn seine Kameraden Stözer Rüppl und Praun Hiesl gebracht. Seine 2 Gefährten hätten in der Kirche auf dem Weizberg bei Tag aus dem Opferstock mit Leim-Schauferln Geld herausgefischt. Er wisse aber nicht wieviel. Er habe Wache gestanden und habe als Anteil 2 Gulden bekommen. Er habe es verbraucht und wisse nicht, wieviel die beiden anderen bekommen hätten.

2. Von dort sei er mit den beiden Gefährten in Richtung Passail gegangen. Dort hätten sie in der Kirche den Opferstock ausgeraubt. Er habe als Anteil 30 Kreuzer bekommen und alles verbraucht.

3. Vergangenen Winter habe er in Mariazell bei St. Jakob um die Mittagszeit aus einer kleinen Truhe mit einem Schauferl und Pech 1 Gulden 14 Kreuzer gefischt. Dieses Geld habe er dort veressen und vertrunken.

Vergangene Ostern habe er sich zusammen mit seinem Kameraden Prugger Hiasl in Amstetten bei Tag in der Pfarrkirchen versteckt und einsperren lassen. Sie hätten dann in der Kirche aus dem Opferstock mit einem Hölzl und Pech 3 Gulden herausgezogen und seien in der Nacht zur Zeit des Ave-Maria-Betens wieder hinausgegangen. Er habe als Anteil einen Taler bekommen und diesen verbraucht.

5. Ebenso hätten er und sein Kamerad Prugger Hiesl in dem besagten Amstetten bei Tag in der Kirche aus dem Opferstock 4 Gulden Geld gefischt. Er habe als Anteil 2 Gulden bekommen und diese verbraucht.

6. In Mank oberhalb von St. Pölten in Niederösterreich hätten er und sein Kamerad, der Prugger Hiesl, bei Tag in der Kirche aus dem Opferstock 2 Gulden gefischt. Er habe als Anteil 1 Gulden bekommen und diesen veressen und vertrunken.

7. Er gibt an, eine Meile unterhalb von Mank hätten er und sein Kamerad, der Prugger Hiesl, bei Tag, während er inzwischen vorne Wache gestanden sei, 2 Gulden und 1 Kreuzer gestohlen. Er habe als Anteil 1 Gulden bekommen und diesen verbraucht.

8. Er bekennt: Im heurigen Sommer habe er selbst in Neunkirchen aus dem Opferstock 10 Kreuzer und 3 Pfennig herausgefischt. Sein Kamerad sei vorne Wache gestanden.

9. Voriges Jahr um Weihnachten habe er in Birkfeld im Spiegelgraben bei einem Amtmann eine graue Lodenjacke gestohlen.

10. In St. Lorenzen bei Neunkirchen in Niederösterreich habe er allein am Tag mit einem Pech-Schauferl im Opferstock gefischt und 8 Groschen herausgeholt. Das Geld habe er verbraucht.

11. In Mooskirchen habe er der Frau eines Viehhirten ein langes Hemd gestohlen. Er trage es noch.

  Figur am Altar in St. Veit/Graz
  Figur am Hochaltar der Pfarrkirche St. Veit/Graz - Geburtsort des Angeklagten

12. Vor 5 Wochen habe sein Kamerad Blasi Rößbauer in der Früh in Langenleiten, unterhalb von Pitten in Niederösterreich, in der Kirche im Opferstock gefischt und 2 Gulden herausbekommen. Er sei inzwischen Wache gestanden und habe als Anteil 1 Gulden bekommen und diesen verbraucht.

13. Bei einem Bauern oberhalb von Amstetten habe er eine Hose gestohlen. Die trage er noch.

14. In Baden, in der Augustinerkirche, habe vor 3 Wochen sein Gefährte, der Blasi Rößbauer, mit einem Holzstäbchen und Pech 3 Gulden 3 Pfennig aus dem Opferstock gefischt. Er sei inzwischen Wache gestanden. Er habe als Anteil 12 Schilling und 6 Pfennig bekommen. Das habe er alles verbraucht.

15. Er bekennt, in Sauerhof, außerhalb von Baden, sei ein Maier, der habe dort eine Gastwirtschaft. Bei dem hätten sie Aufenthalt und Verpflegung gehabt. Dieser Wirt wisse jetzt aber alles.

16. Beim Wirt unterm Kogl sei ihr Fähnerich. Der heiße Matthias. Sie aber müssten ihn Matz nennen. Seine Kleider seien bisweilen in Schwarz und bisweilen habe er eine graue Livree an. Er sei in Wien anzutreffen. Dieser habe ihn dann beim "Güldenen Kapaun" angeworben.

17. Er gesteht, er habe mit seinem Kameraden Sebastian Kügl (der hier neben ihm im Gefängnis sitzt) vor 8 Tagen in Neunkirchen aus dem Opferstock 10 Kreuzer gefischt. Davon habe er seinem Kameraden 5 Kreuzer gegeben.

18. In Wien habe er vor 6 Wochen mit seinem Kameraden, der zum Fähnerich dazugehöre, in dem neu erbauten Kloster bei Tag 10 Kreuzer gestohlen. Davon habe er seinem Kameraden 5 Kreuzer gegeben.

19. Vor 3 Wochen habe er in Steinhof in Niederösterreich bei einem Schneider einen Hut gestohlen.

20. Im letzten Winter habe er unter St. Pölten einem Bauern ein Paar Schuhe gestohlen.

21. In Köflach hätten er und sein Kamerad, der Ripfige Bärtl in der Kirche aus dem Opferstock mit Leim oder Pech Schauferl einen halben Taler herausgefischt . Er sei Wache gestanden und hab als Anteil 22 Kreuzer und 2 Pfennig bekommen und verbraucht.

22. In Knittelfeld hätten er und sein Kamerad, der Ripfige Bärtl, in der vergangenen Fastenzeit in der Stadtpfarrkirche aus dem Opferstock mit einem Schauferl gefischt und daraus einen halben Gulden in lauter Pfennigen bekommen. Er sei Wache gestanden und habe als seinen Anteil 5 Groschen bekommen. Diese habe er verbraucht.

23. In Rottenmann habe er im vergangenen Frühling in der Kirche allein am Vormittag im Opferstock mit einem Schauferl und Pech gefischt und 10 Kreuzer herausbekommen. Das Geld habe er verbraucht.

24. Vergangenen Sommer habe sein Kamerad, der Prugger Hiesl, im Kloster Neuberg in der Früh aus dem Opferstock 5 Groschen gestohlen. Er sei Wache gestanden und habe als Anteil einen Schilling bekommen. Das Geld habe er verbraucht.

25. In Aussee hätten im Fasching 1657 er, der Georgl und der Simandl, seine Kameraden, bei der Maut mit dem Schauferl und Pech 4 Gulden und neun Kreuzer herausgefischt. Er habe ein Drittel davon bekommen.

  Hochaltar St. Veit/Graz  

 

Figur am Hochaltar der Pfarrkirche St. Veit/Graz - Geburtsort des Angeklagten  

26. Unterhalb von Aussee in Mitterndorf hätten sie, auch im Fasching 1657, der Bärtl, der Schilchete Hauser und der Dalkerte Georg, seine Kameraden, eine Leiter von einem Bauernhaus genommen und seien in der Nacht in die Kirche über das Sakristei-Fenster eingestiegen. Der Ripfige Bärtl habe mit einem Eisennagel die Sakristei geöffnet und daraus ein Tuch und Stolen (liturgisches Gewandstück der Geistlichen) genommen. Die Stolen hätten seine 2 Kameraden um den Hals gebunden. Er aber habe mit einem Zahn von einer Egge die Tür vom Sakraments-Häuschen ausgehoben. Daraus hätten sie 9 kleine und eine große Hostie herausgenommen. Die große Hostie hätte der Ripfige Bärtl angehängt und gesagt, er wolle sie in die Haut einheilen und sich damit unsichtbar machen. In Gröbming aber hätten sie die Hostien zerrieben und in eine kleine Schüssel getan. Darauf hätten sie alle (man verzeih den Ausdruck) brunzen müssen und sie hätten ein Koch und Kugerln daraus gemacht. Den Becher, in dem die Hostien gewesen seien, hätte der Schilchete Hauser an sich genommen und hätte ihn verkauft. Er wisse aber nicht, wann und wie teuer. Ihm und dem Georg hätten sie sonst nichts als ein Essen und zu trinken gegeben.

27. Er bekennt, sie hätten die besagten Kügelchen im Namen des Teufels ausgeworfen, damit alles erfrieren soll. Er sei auf einer Gabel gesessen, ebenso seine Kameraden. Der Teufel sei immer vorn, sie aber seien hinten gesessen.

28. Er bekennt, dass es wahr sei, dass er damals dem Teufel seine Seele für 5 Jahre versprochen habe. Er wolle ihm gehören. Er habe sich mit einem Messer bei der linken Hand in den Finger geschnitten und aus dem Finger zum Zeichen bluten lassen und dieses Blut dem Teufel gegeben.

29. Er bekennt, der Teufel sei am vergangenen Sonntag, als er in die Kirche hineingegangen, sei nachgekommen und habe gesagt, er solle sich umbringen.

30. In Edelschrott, oberhalb von Lankowitz, hätten er und der Ripfige Bärtl Geld aus dem Opferstock gefischt und jeder habe einen halben Taler bekommen.

31. In St. Stefan ob Stainz hätten er und sein Kamerad Bärtl in der Kirche im Opferstock gefischt, einen halben Gulden herausgeholt und diesen geteilt.

32. In Mooskirchen bei St. Johannes hätten er und der Ripfige Bärtl auch in einem Opferstock gefischt und 4 Groschen herausgeholt. Diesen hätten sie miteinander geteilt.

33. In St. Florian hätten sie wieder 6 Kreuzer aus dem Opferstock gefischt und miteinander geteilt.

34. In Deutschlandsberg hätten sie beide aus dem Opferstock 8 Kreuzer gefischt.

  Burg Oberkapfenberg
  Burg Oberkapfenberg

35. In Schwanberg hätten sie wieder alle beide 5 Groschen aus dem Opferstock gefischt.

36. In Eibiswald hätten sie wieder alle beide 6 Groschen aus dem Opferstock gefischt.

37. Im Windischen in St. Märthen hätten sie beide aus dem Opferstock 4 Kreuzer gefischt.

38. In St.Peter unter Schwanberg hätten er und sein Kamerad 30 Kreuzer aus dem Opferstock gefischt.

39. In Straßengel hätten sie ebenfalls aus dem Opferstock 7 Groschen gefischt.

40. In St. Stefan hätten sie beide aus dem Opferstock 8 Groschen gefischt.

41. In Gratwein hätten sie aus dem Opferstock 10 Pfennig gefischt.

42. In Fischbach wieder hätten er und sein Kamerad der Ripfige Bärtl 8 Kreuzer und 3 Pfennig aus dem Opferstock gefischt.

43. In der Gössen beim heiligen Baum hätten er und der Bärtl aus dem Opferstock gefischt: 7 Groschen und 10 Pfennig.

44. In Wenigzell hätten er und der Bärtl aus dem Opferstock gefischt: 4 Groschen 3 Pfennig.

45. In Strallegg hätten sie wieder beide aus dem Opferstock gefischt: 6 Groschen und 2 Kreuzer.

46. In St. Kathrein bei Passail hätten sie wieder beide aus dem Opferstock gefischt: 30 Kreuzer und 3 Pfennig

47. In Weißkirchen hätten sie wieder beide aus dem Opferstock gefischt: einen halben Taler und 3 Pfennig.

48. In Judenburg hätte sie wieder beide aus dem Opferstock gefischt: 16 Kreuzer

49. In Unzmarkt hätten sie beide aus dem Opferstock gefischt: 11 Kreuzer.

50. Bei St. Georgen hätten sie wieder beide aus dem Opferstock gefischt: 14 Kreuzer.

51. In St. Oswald oberhalb von Judenburg hätten sie zweimal aus dem Opferstock gefischt: einen halben Taler.

52. In Alt-Irdning hätten sie wieder beide aus dem Opferstock gefischt: 8 Groschen.

53. Bei St. Georgen in Irdning hätten er und der Bärtl, sein Kamerad, aus dem Opferstock gefischt: 31 Kreuzer.

54. In St. Gotthard in Niederösterreich hätten er und der Prugger Hiesel aus dem Opferstock 5 Groschen gefischt.

55. In Kirchberg hätten er und der Prugger Hiesel aus dem Opferstock 6 Groschen gefischt.

56. In Rabenstein hätten er und der Prugger Hiesel aus dem Opferstock einen halben Taler gefischt.

57.In Gössen hätten er und der Prugger Hiesel aus dem Opferstock 30 Kreuzer gefischt.

  Kartause Gaming  
  Gaming  

58. In Gaming hätten er und der Prugger Hiesel aus dem Opferstock 8 Groschen gefischt.

59. In Lunz hätten er und der Prugger Hiesel aus dem Opferstock 5 Groschen, 3 Kreuzer genommen.

60. In Linz, in der Stadt, hätten er und der Prugger Hiesel aus dem Opferstock 6 Groschen gefischt.

61. In Scheibbs hätten er und der Prugger Hiesel aus dem Opferstock 7 Groschen, 3 Pfennig gefischt.

62. In Kamp hätten er und der Prugger Hiesel aus dem Opferstock 6 Groschen, 3 Kreuzer gefischt.

63. In Grafendorf hätten er und der Prugger Hiesel aus dem Opferstock 7 Groschen, 1 Kreuzer gefischt.

64. Er sagt, dass jenes Geld, dass sie aus den Opferstöcken in den Kirchen herausgefischt hätten, er und sein Kumpane halbe-halbe geteilt und das Geld verbraucht hätten.

65. Er bekennt, dass er selbst allein außerhalb der Wiener Straße bei den Augustinern aus dem Opferstock mit einem Holzstückerl 4 Kreuzer herausgefischt und selbst verbraucht habe.

66. Er gesteht ferner, er habe in Wien, in der Stephanskirche, allein aus dem Opferstock 10 Kreuzer mit einem Schauferl und Pech heraus gefischt. Er hab es verbraucht.

 

§§§


67. Er bekennt: Es sei wirklich wahr, dass ihm und dem Prugger Hiesel in diesem Sommer im Ländl der Teufel zum ersten Mal erschienen sei. Damals hätten er und der Prugger Hiesel dem Teufel ihre Seele versprochen und zum Beweis hätten sie sich an der linken Hand in den Finger geschnitten und davon einen Blutstropfen gegeben. Der Teufel habe ihnen auch verboten, an Gott und die Beichte zu glauben und er habe ihnen versprochen, wenn sie in ein Gefängnis kommen sollten, werde er ihnen schon heraus helfen.

68. Er bekennt, er habe insgesamt nicht mehr als 3 Wetter gemacht: Das erste Mal in Mitterndorf, das zweite Mal am Venusberg im Land Salzburg und das dritte Mal in diesem Sommer auf dem Schöckl. Das sei jetzt 4 Wochen nach Pfingsten geschehen.

69. Er gesteht, dass es in diesem Sommer auf dem Schöckl, 4 Wochen nach Pfingsten, geschehen sei, dass er dort ein Festessen gehabt habe. Und es seien da 2 Tische voll Leute gewesen. Den Wein dazu hätten sie mit 6 Katzen hinauf geführt. Der Schauer den sie gemacht hätten, sei so groß wie Hühnereier gewesen.

70. Dieses Wetter habe der Andreas Rumpl, Amtmann und wohnhaft in Neustift bei St. Veit, gemacht.

71. Mit dabei sei auch der Steffl am Hoff gewesen.

72. Desgleichen auch der Georg Hueber. Der wohne in Semriach hoch oben unter der Alm und der Hannes Weierer. Der sei auch dort wohnhaft, diese zwei seien auch dabei gewesen.

 

§§§


73. Dies hat der Marx Rueprecht, der inzwischen ausgerissen aber wieder eingefangen worden ist, sowohl ohne als auch mit Folter ausgesagt, mit der besonderen Einsicht, das alles sei wirklich wahr sei, gleich ob er leben oder sterben werde.

74. Ebenso seien auch noch 2 Frauen da gewesen. Eine mit dem Namen Eva, die der Steffl am Hoff gut kenne und dann eine, die heiße Ursula. Ihr Mann sei ein Säumer (Fuhrwerker), die auch in Semriach beim Jägermeister-Haus aufwärts wohne. Die hätten bei St. Jakob in Kärnten die Hostien dazu genommen. Die wären auch bei diesem Festessen gewesen.

  Semriach Friedhofskapelle
  Friedhofskapelle in Semriach

75. Er gesteht: Der Teufel sei ihm zuerst in Niederösterreich in Gestalt einer Frau erschienen und habe die Unzucht von ihm verlangt.

76. Das andere Mal sei er in Klosterneuburg in einem Meierhof in Männergestalt erschienen.

77. Er bekennt: Es sei wahrhaftig wahr, dass er mit dem Teufel zweimal Unzucht getrieben habe. Das erste Mal bei einem Meierhof in Brunn. Das zweite Mal in Klosterneuburg.

 

78. Er bekennt sowohl ohne als auch mit Folter:
Nachdem er diesen Sommer vor einem Jahr auf dem Venusberg im Salzburgerland bei einem Teufels-Festessen gewesen sei, bei der sie eine halbe Stärtin (etwa 283 Liter) Wein, auch Braten, Bratwürste, Fleisch, Kraut und dergleichen gehabt hätten, sei ein ganzer Tisch voll Leute gewesen. An die 10 Personen seien dort gesessen.
Und dabei seien auch 2 Frauen aus Salzburg gewesen und noch andere Leute, die er aber nicht gekannt habe. Als sie nach dem Essen vom Tisch aufgestanden seien, habe sein Kamerad, der Schilchete Hauser, zu ihm gesagt, diese Frau aus Graz mit dem Namen Urschl, die einen grünen Rock und oben herum ein schwarzes Röckl angehabt habe, die wohne in Graz beim Sacktor hinaus, rechter Hand neben dem Tiergarten. Sie habe dort ein eigenes Haus und einen schönen Garten. Sie sei eine Wirtin, und habe zu ihm, dem Schilcheten Hauser, gesagt, er solle einmal zu ihr kommen. Sie wolle ihm Essen und Trinken geben. Er habe diese Frau zwar mit eigenen Augen gesehen aber nicht mit ihr geredet. Sie habe auch mit ihm bei dieser Mahlzeit gegessen und aus gläsernem und silbernem Geschirr (er meine aber es sei nur Zinngeschirr gewesen) mitgetrunken. Sein Weggefährte, der Schilchete Hauser, habe gesagt, sie sei die Prantauerin.

79. Er ist danach am 29. des Monats abermals streng befragt worden.
Er soll ihr nicht Unrecht tun und sich wohl überlegen, ob er das auch tatsächlich von seinem Weggenossen gehört habe. Er hat darauf abermals beharrlich geantwortet, dass sein Gefährte diese Frau einmal die Prantauerin genannt habe. Er sagt, wenn er sie sehen sollte, werde er sie sicher kennen.

 

Am 2. November im Jahre 1657, am Nachmittag um 5 Uhr

In Anwesenheit ihrer Gnaden, des Herrn Wolf von Stubenberg als Landgerichtsherr, der Herren Matthias Frait von Freitegg, Wolf Frait (Verwalter) und Andreas Lutschinger


80. Marx Rueprecht sagt abermals mit und ohne Folterung aus:
Er bekennt, dass es wahrhaftig wahr sei, dass er die Prantauerin (so wie er es ausgesagt habe) diesen Sommer vor einem Jahr, 8 Tage nach Pfingsten auf dem Venusberg gesehen habe. Später und schon, als er hinaufgekommen sei, sei sie schon dort bei dem Festessen des Teufels gewesen. Sie habe einen grünen Rock und ein Wams aus schwarzem Tuch angehabt. Warum er aber diese Prantauerin nicht schon früher angegeben habe, habe seine Ursache darin, dass sie ihm das noch oben am Venusberg streng verboten habe. Er solle sie nicht verraten.

81. Es sei auch wirklich wahr, dass die Prantauerin, nachdem sie auf dem Venusberg bei dem Teufels-Festessen gewesen sei, ihn und den Schilcheten Hauser angeredet habe. Sie sollten sie einmal besuchen. Sie würden ein gutes Essen und Trinken bekommen. Sie hätte dies mit der Absicht gemacht, dass sie sie nicht verraten.
Als sein Weggefährte, der Schilchete Hauser, 3 Tage früher zur Prantauerin gekommen sei, habe sie ihm dort Essen und Trinken gegeben. Er selbst habe sich aber inzwischen anderswo in der Stadt Graz aufgehalten und sein Kamerad sei zu ihm gekommen und habe ihm das erzählt. Darauf sei auch er, weil sie ihn am Venusberg eingeladen habe, sie zu besuchen, adrei Tage später allein zur
Prantauerin, in ihr Haus außerhalb der Stadt, das rechter Hand neben dem Tiergarten liegt, gekommen. Als er heraußen im Vorhaus gestanden sei, sei die Prantauerin zu ihm gekommen und habe gesagt:

Graz Innenstadt Sporgasse  
Graz-Sporgasse 12 - in diesem Gebäude befand sich das Gasthaus der Prantauerin  

"Komm auch einmal zu mir Marx." Und sie habe ihn gleich wie am Venusberg gebeten, er solle sie bei Leib und Leben nicht verraten, denn es wäre für sie eine große Schande, weil vornehme Grafen und Herren zu ihr kommen würden und ihr Vergnügen und Spaß mit dem Schießen hätten. Danach sei er in die hintere Stube gegangen, wo die Fenster hinaus auf die Straßen gegangen seien. Da drinnen wären auch Studenten gesessen. Er aber habe sich bei einem Tisch niedergesetzt und sie habe ihm 3 Speisen gegeben: gekochtes Fleisch, Kraut und einen Braten und Wein dazu. Er habe mit ihr und sie mit ihm aus einem Glas den Wein getrunken. Er sei einen halben Tag bei ihr geblieben. Sie habe keine Bezahlung von ihm verlangt. Als die Studenten schon weg waren, habe sie ihn noch einmal gebeten, er soll bei seinem Leben nichts über sie sagen, denn sie wurde verraten. Außerdem habe sie gesagt: "Marxl, wollen wir nicht bald wieder auf den Venusberg fahren. Aber nicht herunten in Graz, denn sie sei verraten worden."
Sie habe das letzte Mal einen roten Rock und ein schwarzes Mieder aus Samt angehabt. Er wisse nicht, ob sie einen Mann habe oder nicht, denn er habe sonst nur ein junges Dienstmädchen gesehen. Er sei dann gegen Abend gegangen und habe auf einem Misthaufen, nicht weit von einem Schloss, übernachtet.

82. Er bekennt schließlich, dass es wahr sei, dass diese Prantauerin ihn und den Schilcheten Hauser am Venusberg gebeten habe, zu ihr nach Graz zu kommen und sie besuchen. Sie wolle ihnen ein gutes Essen und zu trinken geben.

   
  befand sich das Gasthaus der Prantauerin

83. Er sagt außerdem, er könne eigentlich nicht sagen, dass es wirklich der Steffl am Hoff gewesen sei. Nur wie er ihn damals auf dem Schöckl gesehen habe, da habe er zu diesem Zeitpunkt in Form und Gestalt ganz gleich ausgesehen wie der Steffl am Hoff persönlich. Er habe auch eine rote Jacke angehabt und die gleichen Kleider wie der Steffl am Hoff. Der Schilchete Hauser und der Ripfige Bärtl hätten beide mit ihm geredet. Er sei schon früher hingekommen als der Steffl am Hoff und sei schon oben gewesen, wie dieser hingekommen sei. Der Steffl am Hoff sei beim Wettermachen nicht dabei gewesen. Er hege keine Feindschaft gegen ihn. Der Steffl am Hoff habe ihm einmal ein Stück Brot gegeben. Es könnte ihm auch der Böse Geist in dieser Gestalt erschienen sein.

84. Bezüglich des Andreas Rumpl sagt er folgendes aus: Er habe ein rötliches Gesicht, krumme Finger und eine grobe Sprache. Den habe er zwar auch oben am Schöckl gesehen. Er wisse aber auch nicht, ob er es wirklich gewesen sei. Man sage zwar in der ganzen Pfarre St. Veit vom Rumpl, dass er ein Zauberer sein soll, er könne aber nicht sagen, ob das die Wahrheit sei.

85. Er gesteht, der Böse Geist sei ihm und dem Prugger Hiesl in Gestalt einer Frau erschienen. Sie habe ihnen gesagt, dass sie eine Teufelin sei und sie habe ihnen an die 40 bis 60 Gulden gegeben. Er wisse nicht, wieviel er als Anteil bekomme habe. Er sei danach 14 Tage unter Wiener Neustadt gewesen, wo Ihre Gnaden, Herr Unverzagt, sein Schloss habe und er habe dort sein ganzes Geld verfressen und vertrunken."

 

   
  Graz-Sporgasse 12 (Stiegenhaus) - inGraz Sporgasse 12 Graz-Sporgasse 12 (Stiegenhaus) - in diesem Gebäude befand sich das Gasthaus der Prantauerin

 

 

Anmerkung: Die Zentralbehörden in Graz sind über die Aussagen des Angeklagten unmittelbar darauf informiert worden. Der Magistrat Graz (zuständig für die Prantauerin) und die Herrschaft Gösting (zuständig für Andreas Rumpl) und Peggau (zuständig für Steffl am Hoff) erhielten den Befehl, die als Zauberer Denunzierten umgehend nach Kapfenberg zu bringen. Dem wurde nachgekommen. Der Magistrat Graz und die Herrschaft Gösting schickten gleichzeitig zwei Advokaten für die Prantauerin und Andreas Rumpl mit. Der Bauer Steffl am Hoff (Stefan Zechner) aus Semriach blieb ohne Rechtsbeistand.

 

 

 

 

5. November 1657 vormittags

Im Beisein Ihrer Gnaden, des Herrn Wolf von Stubenberg, als Landgerichtsherrn,
der Herrn Hans Andreas Fere, Michael Monzello, Thomas Lutschinger und Koloman Kronstoffer als Ratsbürger von Kapfenberg

"1. Als sich Ihre Gnaden selbst, der Herr Bannrichter und die Herrn Beisitzer am vorgesehenen Ort eingefunden haben, haben sich Herr Doktor Mägerl und Herr Dr. Wottgo zusammen anmelden lassen und nachdem sie sich eine Weile bei Ihnen befunden haben, hat der Herr Bannrichter gesagt, er habe ein Schreiben von Herrn Adolph Stürgkh von Plankenwarth als Verwalter von Gösting mit Datum vom 2. November 1657 erhalten und weil er daraus entnommen habe, dass die Herrn anstatt des denunzierten Andreas Rumpl abgeordnet worden seien, wolle der Herr Bannrichter von ihnen hören, was sie vorzubringen hätten.

2. Sie haben gleich darauf herausfordernd geantwortet, erstens verhielten sie sich der Ordnung entsprechend, warum sie der Herr Bannrichter also zu überprüfen hätte. Der Herr Bannrichter hat aber darauf gesagt, er müsste ja vorher hören, was sie vorzubringen hätten. Weil aber Dr. Mägerl geantwortet hat, er sei nicht nur als ein Beistand, sondern auch als Kommisar abgeordnet worden, hat der Herr Bannrichter dann die Vollmacht verlangt. Darauf wurde dem Herrn Bannrichter dieses von den hochangesehenen Herren Geheimen Räten und ein anderes vom löblichen Magistrat in Graz stammende Einbringen vorgewiesen. Darauf hat der Herr Bannrichter die Herren auseinander gehen lassen und mitgeteilt, er wolle dies mit seinen Beisitzern gemeinsam ausführlicher besprechen. Darauf sind sie mit einem Tedeum (Lobpreis Gottes) auseinander gegangen.

Oberkapfenberg  
Oberkapfenberg Eingangstor
 

3. Als nun der Marx Rueprecht vorgeführt worden ist, hat er gesagt, der Steffl am Hoff und der Andreas Rumpl wären mit ihm auf dem Schöckl dabei gewesen, als sie das Wetter in diesem Sommer nach Pfingsten gemacht hätten. Er könne aber nicht sagen, an welchem Tag. Sie hätten ein Essen veranstaltet und dabei sei auch der Rumpl gewesen. Er habe den Rumpl schon gekannt. Er habe ihn kennen lernen können, weil er in der Nähe von seinem Paten, dem Michael Prem, gelebt habe, als er noch zuhause gelebt habe. Der Rumpl habe ihm nie etwas getan und sei ihm nicht Feind gewesen. Sie währen nur einen Feldweg voneinander entfernt gewesen. Als sie nun am Schöckl gewesen seien, hätten der Schilchete Hauser und der Ripfige Bärtl eine Stärtin Wein (an die 560 Liter) mit 6 Katzen hinaufgeführt. Der Fuhrmann sei der Teufel gewesen. Sie hätten den Wein vollkommen ausgesoffen. Sie wären voll geworden und es wäre ein ganzer Tisch voll Leute gewesen.

4. Als ihn Herr Dr. Mägerl gefragt hat, wie er hier ins Gefängnis hineingekommen sei, hat er gesagt, es sei wegen seiner Diebstähle geschehen, und weil er ohnedies schon eine Aussage gemacht habe, habe er von sich aus gesagt, dass seine Weggefährten, der Ripfige Bärtl, der Schilchete Hauser, der Dalgete Georg und die Frau vom Schilcheten Hauser, ihn in Mitterndorf das erste Mal dazu gebracht hätten. Dort hätten sie aus der Kirchen 9 Hostien gestohlen. Diese hätten sie in einer kleinen Schüssel zerrieben. Sie hätten daraufgebrunzt und Kügelchen daraus gemacht. Sie hätten 4 Heugabeln bei einem Bauern (er wisse nicht, wie er heißt) genommen. Die Gabeln hätten sie mit dieser Salbe eingeschmiert. Der Teufel sei vorn gesessen und sie wären nach Aussee auf eine Alm gefahren. Sie hätten 4 Wetter gemacht, und zwar als Schauer, Regen, Reif und Schnee. Sie hätten dort auch ein Fest-Essen gehabt.

5. Ein Wetter hätten sie im Land Salzburg auf dem Venusberg gemacht. Dabei seien auch zwei Frauen aus Salzburg gewesen, nämlich die Frau des Froschmaier und eine Seifensiederin. Das sei im Sommer vor einem Jahr geschehen. Er könne sie nicht alle namentlich nennen. Dann die alte Prantauerin. Die habe auf dem Venusberg mit ihnen mitgegessen und mitgetrunken. Es habe Wein, Braten, Kraut, Fleisch und Bratwürste gegeben. Der Teufel habe auch eine Stärtin Wein mit 6 Katzen auf die Alm hinauf geführt. Die Prantauerin sei auf einer Gabel hingekommen. Vor dem Essen hätten sie eine Fahrt im Salzburger Land und in Bayern gemacht. Sie seien im Namen des Teufels ausgefahren. Er wisse aber nicht, wie die Prantauerin vor ihnen hin gekommen sei. Er wäre früher weg als sie die Prantauerin. Die Prantauerin habe auf dem Venusberg zu ihm und dem Schilcheten Hauser gesagt, sie sollten einmal zu ihr ins Haus kommen und sie auf ein Essen und Trinken besuchen. Er sei danach voriges Jahr im Sommer zu ihr gekommen. Sie habe ihn gebeten, er solle sie nicht verraten. Als am 3. Tag auch er hingekommen sei, habe sie ihn auch gebeten, er solle sie nicht verraten, denn es kommen viele Leute zu ihr, die dort schießen würden. Es wäre für sie eine große Schande. Sie habe ihm zu Essen und Wein zu Trinken gegeben. Es wären auch Studenten dort gewesen, sagt er und er habe von der Prantauerin selbst gehört, dass sie Prantauerin heiße. Es wären auch am Schöckl Bauern gewesen, einer mit dem Namen Hans Weierer und einer mit dem Namen Jörg Huber. Die wohnen in Semriach auf einem Hof unter der Alm. Dann der Steffl am Hoff und der Rumpl und der Schilchete Hauser. Aber der halte sich meistens um Judenburg herum auf.

6. Er gibt an, als der Teufel zu ihm und dem Prugger Hiesl gekommen sei habe er Klauen an den Füßen gehabt und ihn mit den Klauen am Finger verletzt.

7. Er sagt aus, er habe in St. Leonhard bei Graz gewohnt als, er zur Prantauerin gegangen sei. Ihr Haus liege rechter Hand, der Tiergarten aber linker Hand.

  chöckl von Semriach aus
  Schöckl von Semriach aus

8. Der Rumpl habe am Schöckl zu Mittag gegessen und getrunken. Er sei auf einer Heugabel hinaufgekommen, habe aber das Wetter nicht machen helfen. Er und sein Kamerad seien schon früher oben gewesen.

9. In gleicher Weise sei auch der Steffl am Hoff auf einer Gabel hinaufgekommen, aber auch er habe das Wetter nicht machen helfen. Er und seine Kameraden seien schon früher oben gewesen.

10. Der Rumpl habe das Wetter machen helfen, das acht Tage nach dem hl. Jakobstag niedergegangen sei. Das Wetter sei am Nachmittag um Graz herum gewesen, er wisse aber die Stunde nicht. Es habe die Ziegeldächer von den Häusern heruntergeschlagen.

11. Wie der Rumpl gegenüber gestellt worden ist, hat der Rumpl gesagt, er habe am selben Tag, als das Wetter gewesen sei, also am Portiuncula-Tag, bei den Franziskanern in Graz gebeichtet und sei dann zur Kommunion gegangen.
12. Dr. Mägerl hingegegen wiederum sagt, Rumpl sei am selben Tag auf einer Gabel hinaufgefahren und das sei am Nachmittag geschehen, bei dieser Mahlzeit am Schöckl, bei der auch der Steffl am Hoff dabei gewesen sei."

 

 

5. November 1657 am Nachmittag

Im Beisein Ihrer Gnaden, des Herrn Wolf von Stubenberg, Herr Andreas Fere, Herr Monzello, Herr Lutschinger und Herr Kronstoffer

13. Am Nachmittag des selben Tages sollte die Gegenüberstellung durchgeführt werden. Der Herr Bannrichter und die 3 Beisitzer haben von in der Früh bis um 3 Uhr nachmittags auf die denunzierte Prantauerin hart gewartet.
Die als Rechts-Beistände mitgesandten Doktoren haben nun den Modus vorgeschlagen, man soll einige Frauen, die sie mit ihr aus Graz mitgebracht haben (darunter hat sich auch eine befunden, die der Prantauerin ziemlich ähnlich gesehen hat und die auch mit einem grünen Rock bekleidet gewesen ist) zugleich gegenüberstellen und fragen, wer nun wirklich die Prantauerin sei.

Graz Sporgasse 13  
Haus gegenüber dem Gasthaus der Prantauerin - barockisiert - früher Gasthaus "Zum römischen Kaiser"  

Darauf hat der Herr Bannrichter ihnen dann geantwortet, das sei keine übliche Vorgangsweise. Er könne einen Modus dieser Art bei der hochlöblichen Regierung nicht verantworten.
Dr. Mägerl aber hat geantwortet: Auch wenn dies vom Herrn Bannrichter niemals praktiziert worden sei, so sei es doch anderswo in dieser Form geschehen. Er (Dr. Mägerl) sagt unter anderem auch (als der Herr Bannrichter ihm nicht diesen Gefallen tun wollte): "Wenn ich an anderem Ort wäre, würde ich dir mit Prügeln Angst machen". Worauf der Herr Bannrichter dem mit aller Gewalt entgegentrat: Er wisse sehr wohl, wie er in St. Lambrecht mit eben dieser Prantauerin verfahren sei. Er wolle das nicht zur Veranschaulichung den Herren beweisen, dass er ihn sogar unter Anwendung der Folter gefragt habe, ob nicht die Prantauerin auch dabei gewesen sei.
Als der Herr Bannrichter ihnen in dieser Form widersprochen hat und deswegen auch der Lügen gestraft hat, ist inzwischen die Zeit nutzlos vergangen.
Weil die genannten Doktoren aber weiterhin nachdrücklich gegenüber dem Herrn Bannrichter auf die Anwendung ihres unüblichen und unverantwortlichen Modus gedrängt haben, hat der Herr Bannrichter seine Herren Beisitzer (womit aber dieser Mägerl keineswegs einverstanden war) um Recht gefragt, ob nämlich dieser unübliche und recht arglistige Modus angewandt werden soll oder nicht.

14. Vom Herrn Johann Andreas Fere, dem früheren Verwalter von Kapfenberg, ist geantwortet worden: Aufgrund der zwei übergebenen Dekrete sei Herr Dr. Mägerl nur als ein Beistand, der für die Prantauerin das Notwendige tun soll, aber nicht als Examinations-Kommissar abgesandt worden. Denn wenn ihm dieser Auftrag so gegeben worden wäre, dann hätte man das dem Herren Bannrichter explizit durch ein Dekret wissen lassen. Daher sei seinem Begehren nicht statt zu gegeben, sondern bei der Prantauerin im Beisein ihres Beistandes die übliche Konfrontation vorzunehmen. Der gleichen Meinung waren Herr Michael Monzello, Marktrichter und promovierter Magister, ebenso Herr Thomas Lutschinger und Herr Koloman Kronstoffer.

15. Ungeachtet dieser Zwischenentscheidung teilte Dr. Mägerl zur Eröffnung mündlich mit, dass er dies in Geringschätzung des löblichen Banngerichts und dessen Beisitztern nicht annehmen wolle, sondern dagegen protestiere. Und weil man seine vorgeschlagene Vorgangsweise nicht angenommen habe, wolle er das der Regierung berichten.

16. Inzwischen aber bekennt der Marxl, dass er eifrig nachgedacht habe, wann sie das große Wetter eigentlich gemacht hätten. Das sei nämlich acht Tage nach dem vergangenen St. Jakobsfeiertag geschehen, seiner Erinnerung nach an einem Mittwoch oder Donnerstag am Nachmittag um 3 oder halb 4 Uhr und er (der Marxl) sei schon am Schöckl gewesen, bevor der Rumpl auf der Gabel hinauf gefahren sei. Doch wären sie um 3 Uhr alle beieinander gewesen, noch vor der Mahlzeit.

  Hochaltar von St. Veit/Graz
  Hochaltarbild von St. Veit/Graz

17. Im übrigen sei es schon wahr, dass seine Mutter noch am Leben sei. Sie heißt im allgemeinen Närl sonst aber Gertraud. Sie halte sich in St. Veit beim Steingraben Peter zu Heebraig auf. Er könne aber nichts Böses über sie auszusagen.

18. Als nun schließlich auf des Herren Bannrichters und dessen dazu gebetenen Herrn Beisitzter ernsthaften Zwischen-Beratung der Marxl der Prantauerin gegenüber gestellt worden ist, hat er ausdrücklich gesagt, er kenne sie wohl, und er sagte, diese Frau sei die Prantauerin. Er habe sie im Salzburgerland auf dem Venusberg bei einem Essen gesehen. Sie sei auf einer Heugabel hinaufgefahren. Zuvor habe er sie noch nie gesehen. Dann in Graz habe er sie in ihrem Garten wieder gesehen. Er sagt aus, sie habe ihm schließlich Essen und Trinken gegeben, und ihn gebeten, er solle sie nicht verraten. Der Schilchete Hauser sei 3 Tage zuvor dort gewesen. Er sagt, die Prantauerin habe ihm auf dem Venusberg gesagt, er solle sie einmal besuchen und wie er hingekommen sei, habe sie ihm Essen und Trinken gegeben und gebeten er solle sie nicht verraten, denn es kehrten große Herren bei ihr ein, die dort schießen würden. Er sei dort nur allein gewesen, wie er von St. Leonhard zu ihrem Haus gegangen sei, das auf der rechten Seite des Tiergartens liege. Er sagt, der Schilchete Hauser hätte gesagt, sie heiße Urschl und sie habe auf dem Venusberg einen grünen Rock angehabt und sie habe zum Schilcheten Hauser gesagt, sie heiße Prantauerin. Das habe ihm der Schilchete Hauser gesagt. Sie hätte zum Schilcheten Hauser und ihm gesagt, sie sollten sie einmal besuchen. Als er nun hingekommen sei, habe sie ihm Essen und Wein gegeben. Es sei sonst niemand außer Studenten dort gewesen. Und beim Weggehen habe sie ihn wieder gebeten, er solle sie nicht verraten, weil das wäre eine große Schande.

Anmerkung:Der Bannrichter Barth weigerte sich beharrlich, 2 weitere Frauen bei der Gegenüberstellung miteinzubeziehen. Die Beisitzer kamen dem in die Enge getriebenen Barth schließlich zur Hilfe und warfen dem Advokaten Mägerl vor, dass er seine Befugnisse überschreiten würde. Nach einer neuerlichen heftigen Auseinandersetzung, bei der Dr. Mägerl dem Bannrichter mit einem entsprechenden Bericht an die Regierung und mit einer Prügelstrafe drohte, wird aber letztendlich die Gegenüberstellung ohne die mitgebrachten Frauen durchgeführt. Selbstverständlich identifizierte nun Marx Rueprecht die Prantauerin als jene Frau, die er am Venusberg gesehen hatte. Nachdem also nach wie vor die Aussagen der 3 herbeigeschafften Denunzierten gegen die Aussagen des Angeklagten standen, beschloss der Bannrichter Barth, Marx Rueprecht ein drittes Mal foltern zu lassen. Barth fordert die Advokaten und die Denunzierten auf, dem Verhör unter Folter beizuwohnen.

 


Am 6. November 1657 vormittags

Im Beisein Ihrer Gnaden, des Herren Wolf von Stubenberg, als Landgerichtsherrn,
der Herrn Johann Andreas Fere, Michael Monzello, Marktrichter,
Thomas Lutschinger und Koloman Kronstoffer.

In der Folterkammer:

Schöckl bei Graz (Steiermark)  
Schöckl bei Graz (Steiermark)  

86. Nach ernstem und nachdrücklichen Ermahnen und Zureden, die Wahrheit zu gestehen und zu bekennen, wer eigentlich diejenigen gewesen seien, die bald nach dem vergangenen Jakobitag voriges Jahr das große Schauer-Wetter gemacht hätten, bekennt und sagt er: Drei seiner Kameraden, der Grindige Hansl, der Ripfige Bärtl und der Schilchete Hauser und er selbst seien auf dem Schöckl gewesen, wie sie das große Wetter gemacht hätten. Das sei nämlich 8 Tag nach dem Jakobitag im Vorjahr, seiner Erinnerung nach ein Mittwoch oder Donnerstag um drei oder halb vier Uhr gewesen.
Er selbst sei schon am Schöckl gewesen. Sie währen um 3 Uhr schon alle beeinander gewesen, noch vor dem Festessen.
Er sagt, der Schilchete Hauser, sein Kamerad, habe auf dem Schöckl als erster das große Wetter gemacht. Er habe die große Hostie dazu verwendet, die er aus St. Georgen in Kärnten mitgebracht habe. Sie alle vier hätten darauf (man verzeih den Ausdruck) gebrunzt und sie hätten dann Kugerln gemacht. Die habe der Schilchete Hauser allein ausgesät.

87. Als er gefragt worden ist, wie seine 3 Kameraden ausgesehen hätten und wie sie zu erkennen seien, hat er geantwortet:
Der Grindige Hansl habe keinen Bart, sei von durchschnittlicher Größe, sei am Kopf ganz grindig, stoße mit der Zunge an und halte sich überwiegend um Knittelfeld und im Aflenztal auf.

88. Der Ripfige Bärtl sei auch mittelgroß, habe keinen Bart, habe vorne große, weit auseinander stehende Zähne und sei bräunlich im Gesicht. Er singe im allgemeinen vor den Häusern den "Geistlichen Aufbruch". Er habe eine Schlafhaube auf, so als ob er grindig wäre. Er trage auch eine Krücke, als ob er behindert wäre und sei aber nicht behindert. Er stamme aus Knittelfeld und habe dort seine Freunde.

89. Der Schilchete Hauser sei groß gewachsen, habe auch keinen Bart, habe langes graues Haar, aber nicht gekraust. Er trage auch eine Schlafhaube und habe eine Frau bei sich mit 3 Kindern. Sie sei aber nur seine Geliebte. Er halte sich zwischen Unzmarkt und Judenburg auf und stamme auch von dort.

90. Er gesteht, dass es wahrhaftig wahr sei, dass der Teufel an einem Sonntag, bald nachdem er gefangen genommen worden sei, zu ihm in die Gefängniszelle gekommen sei.
Der Teufel habe ihm beigebracht, dass er nur fest lügen soll. Er habe ihn nachdrücklich gebeten, wenn er aussagen sollte, dass er dann keine Aussagen machen soll, namentlich nicht über die vorher genannten Personen, die Prantauerin zu Graz, den Amtmann Steffl am Hoff und den Amtmann Andreas Rumpl aus Neustift.

Und er sagt, dass er ihnen allen und auch den Georg Huber und den Hans Weierer, auch den beiden Frauen mit den Namen Eva und Ursula mit seiner Aussage vor Gott und der Welt großes Unrecht angetan habe, denn der Teufel sei in ihm und habe ihm keine Ruhe gelassen und hätte diese Kameraden alle vorgespiegelt und ein Trugbild gemacht.
Er hätte dies zwar zuvor ausgesagt, er habe es aber wegen des Teufels Macht nicht anders tun können. Als ihm aber die Haare abgeschnitten worden seien und ein "Breve" (päpstliches Schreiben) umgehängt worden sei, sei er gleichsam wieder lebendig geworden.
Sonst seien seine Verbrechen alle wahr. Er wolle darauf leben und sterben.
Er beschließt damit seine Aussage.


Aus anderen Quellen (dem Briefverkehr zwischen dem Gericht und der Zentralmacht in Graz) wissen wir noch Einzelheiten, die in diesem Protokoll nicht erwähnt werden: Die Advokaten und ihre Mandanten, die letztlich ja auch mit der Hinrichtung wegen Zauberei rechnen mussten, schrieen auf den völlig verwirrten Angeklagten Marx Rueprecht ein, drohten und bettelten, seine Aussage zu ändern, sodass dieser nicht mehr wusste, was er sagen sollte und schließlich seine bisherigen Aussagen widerrief. Nach diesem Wiederruf konnten die 3 Denunzierten, die zur Gegenüberstellung nach Kapfenberg gebracht worden waren, zunächst wieder ohne weitere Folgen nach Hause zurückkehren.
Das war zunächst eine unerwartete Niederlage für den bestialischen Bannrichter Barth.
Sein nächster Schritt war, dass er den mitangeklagten Komplizen Sebastian Kügl, der bereits gestanden hatte, 2 Tage später (am 8. November) hinrichten ließ.
Gegenüber der Regierung begründete der Bannrichter den Ausgang des Verhörs damit, dass die Advokaten den Angeklagten unter Druck gesetzt hätten und außerdem den Gerichtsdiener bestochen hätten, damit er den Angeklagten manipuliere.
Jedenfalls forderte Barth von der Regierung, dass er Marx Rueprecht ein viertes Mal foltern dürfe, was eigentlich verboten war. Der zuständige "Geheime Rat" in Graz schlug tatsächlich vor, ihn ein viertes Mal zu foltern, weil die Zauberei mit allen Mitteln bekämpft werden müsse. Außerdem sollten die 3 von Rueprecht beschuldigten Personen (Prantauerin, Rumpl und Steffl am Hoff) noch einmal dem Delinquenten gegenübergestellt werden, diesmal aber ohne Advokaten.

Leider und merkwürdigerweise finden sich keine weitere Unterlagen mehr in den Archiven
und wir kennen nur den Ausgang des Prozesses. Im Protokoll des Prozesses gegen denn grindigen Hans, der im Jahr 1659 in Rottenmann stattgefunden hat, steht, dass Marx Rueprecht hingerichtet worden ist.

 

Anmerkungen: Dieses Protokoll aus dem 17. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu mit Unterstützung von Bernhard Reismann (dem ich für die Korrektur herzlich danke) in unsere heutige Sprache übertragen.
Der Originaltext befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv unter EA 1657-XI-23.
Den freundlichen Mitarbeitern des Landesarchivs sei besonders gedankt.


Die Informationen in den oben eingefügten Erläuterungen zum besseren Verständnis des Prozess-Protokolls sind überwiegend aus dem Artikel von Helfried Valentinitsch: Eine Grazer Wirtin unter Zaubereiverdacht. Ein Beitrag zur Hexenverfolgung in der Steiermark im 17. Jahrhundert, in: Blätter für Heimatkunde 60, Graz 1986.
Graz 2011

 

 

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