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Schöcklblick
Blick vom Schöckl in Richtung Semriach

 

Strafprozess gegen Peter Paar, vulgo Schupfer wegen Zauberei

a)

Am 30. März, 1. und 2. April 1686 wird Peter Paar, vulgo Schupfer, von dem Bannrichter Dr. Johann Tillerich im Beisein von 4 Ratsbürgern von Gratwein im Anklagepunkt Zauberei mit und ohne Folterung befragt und gibt folgendes an:

Er heiße Peter Paar, vulgo Schupfer, sei 44 Jahre alt, wohnhaft in Stübing, seit 27 (!) Jahren verheiratet, habe 4 Kinder, von denen 3 noch unmündig seien. 
Vor 4 Jahren am St. Jakobstag sei er mittags auf der Eichhörnchenjagd auf den Gasslerkogel gekommen. Dort habe er die schon hingerichtete Lena und die Khöpin, sowie auch den Bösen Geist in Gestalt eines zerschlissenen alten Weibes getroffen. Dieser habe ihn gefragt, wo er hingehe; er solle ihm folgen, dann brauche er nicht so hart zu arbeiten. Er (Teufel) wolle ihm alles geben, was er brauche, denn er habe genug. Nur müsse er (Paar) dem Bösen einen Tropfen seines Blutes geben. Darauf habe der Böse ihn mit einem Messer in den linken Oberschenkel gestochen; mit dem herausrinnenden Blut habe der Teufel in seine, des Teufels, Hand geschrieben.
Dazu ist angemerkt: "Das Zeichen ist bei ihm auch tatsächlich an dem linken Oberschenkel gefunden worden."
Dann habe der Böse von ihm seine Seele, sowie auch die Verleugnung der heiligen Dreifaltigkeit verlangt; er habe ihm zwar die Seele versprochen, jedoch die Dreifaltigkeit nicht verleugnet. 
Die Lena und die Khöplin hätten ihm dann Wein zu trinken gegeben und gesagt, sie hätten den Wein von der "Wegscheidt" hergetragen. Dies sei jedoch nicht wahr. Auch der Wein, da er zu sehr "geältelt" habe, sei nicht gut gewesen. Nach dem Trunk sei er im Kopf wirr geworden und sie seien darauf durch Luft und Wolken seiner Meinung nach auf den Schöckl geflogen. Während des Fluges habe ihm der Böse tief unten ein großes Wasser gezeigt und ihm gesagt, wenn er (Paar) an Gott denke, so lasse er ihn in dieses Wasser fallen. Er habe daher notgedrungenerweise Gott verleugnen müssen. Vom Schöckl seien sie wieder zum Gasslerkogel zurückgeflogen, dort abgesessen und um ein Uhr nachmittags wieder nachhause gekommen.

Diese vier Jahre hindurch sei er viermal und jedesmal um Jakobi bei der Hexengesellschaft gewesen, die immer am Ram-Kogl zusammen gekommen sei. Wenn sie Schauer "geführt" hätten, dann wäre derselbe unter ihnen in den Wolken gewesen. Sie hätten mit demselben Schauer in St. Pankrazen, in Geistthal, auf der Kher, das letzte Mal aber in Krienz Schaden angerichtet. In der Gesellschaft seien viele Bürgers- und Bauersleute gewesen. Er habe aber niemand außer den hingerichteten Pieter, den Hollerer, die Lena und die Khöplin gekannt.

Schließlich bekennt Paar, dass er vor 30 Jahren noch vor seiner Heirat zuerst mit einem Schaf und einer Geiß, dann mit einer Kuh Unzucht getrieben habe. Dies sei so oft geschehen, dass er die  Zahl nicht wisse.

In Anwesenheit von 8 Beisitzern ergeht folgendes

End-Urteil.

Aufgrund der vorher beschriebenen von diesem armen Sünder begangenen und gestandenen Verbrechen haben meine Herrn Beisitzer einhelig beschlossen und zurecht erkannt, dass er dem Scharfrichter in seine Hand und Band übergeben werden soll. Er soll ihn wohlverwahrt zur Hinrichtungsstätte hinausführen und dort mit dem Strick vom Leben zum Tod hinrichten.
Gott sei seiner armen Seele gnädig.
So ist es auch exekutiert worden beim Landgericht Rein am 4. April 1686


Dr. Johann  Tillerich
Kaiserlicher Bannrichter  in der Steiermark

 

b)

Alte Karte Graz Umgebung
Ausschnitt aus dem Stiria Ducatus (ca. 1730): Graz und Umgebung

Banngerichts-Taxe mit unten angesetzter Quittung des Bannrichter Dr. Johann Tillerich
über einen Betrag von 179 Gulden und 37 Kreuzer, welcher an "Liefergeld" (Unterhalt), Essen, Übernachtung und Ausgaben des Bannrichters für acht wegen Zauberei rechtlich behandelter Personen, nämlich des Mathes Stullpacher, Adam Zötl, der Lena Klobner vulgo Pieter, der Margareth Weiss vulgo Pair, der Prunbäurin, des Peter Schupfer, der Margret Jantscher vulgo Christanderl und des Andre Paar vulgo Grabenanderl angefallen ist.

 

c)

Scharfrichter-Taxe mit unten angesetzter Quittung des Andre Paanhäpp,
steirischer Scharfrichter, über den Betrag von 50 Gulden 7 Kreuzer welcher an "Liefergeld" (Unterhalt), Essen und Entlohnung des Scharfrichters anlässlich des unter a) angedeuteten Zaubereiprozesses angewachsen ist.

Verrechnet ist unter anderem:
Für 5 Personen das "Zeichen" (Hexenmal) zu untersuchen (je 1 Gulden),
für eine Person das Haar abschneiden (1 Gulden),
für 7 Folterungen (3 Gulden 30 Kreuzer)
für 8 Personen Scheiterhaufen zurichten (je 45 Kreuzer)
für 5 Personen mit dem Schwert und 3 mit dem Strang hinrichten (je 15 Kreuzer),
für 8 Personen zu Asche verbrennen (45 Kreuzer).

 


Katharina Zenz

Ihr Name sei Katharina Zenz, vulgo Ederin. Sie sei 25 Jahre alt und 10 Jahre verheiratet. Wohnhaft in Stübing. Sie habe 5 Kinder, 4 Buben und 1 Mädchen.
Sie gesteht und sagt aus: Vor 3 Jahren im Frühjahr an einem Donnerstag um die Mittagszeit, da sei der Böse Geist in Gestalt eines kleinen Kindes zu ihr in den Kuhstall gekommen. Es sei vollkommen schwarz gewesen und habe einen kleinen schwarzen Rock angehabt. Beim Reden habe es geschnodert. Es habe von ihr die Seele verlangt und auch, dass sie die Heilige Dreifaltigkeit verleugnen solle.

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Breites Kreuz Gratwein
Das Breite Kreuz: Hinrichtungsstätte bei Gratwein

Sie hätten am Schöckl an zwei Tischen gegessen und getrunken. Brot, Fleisch und Wein hätten sie gehabt. Der Huber habe dort einen Tannenbaum angebohrt, der Meister aber aus diesem Baum den Wein herausgelassen und aufgetragen, die Anderl sei Proviant-Verwalterin, die Muralterin, die Brunnbäurin und die alte  Paar seien auf dem Schöckl Köchinnen gewesen und sie hätten sich gleich 2 Stunden dort aufgehalten. In der Folge seien sie auf den Wildonerberg geflogen. Nachdem sie dort gewesen seien, seien sie wieder zurück und bei der sauren Wiesen vom Amtmann Sebastian Ringshalbmer (der die Danksagung gemacht und gesagt habe, er wolle sie schon mehr begehren) abgesessen und heim gegangen.
In den letzten 3 Jahren seien sie jedes Jahr dreimal bei der Hexengesellschaft gewesen und mit geflogen. Sie wären auch jedes Jahr das erste Mal um Jakobi, das zweite Mal um St. Lorenzi und das dritte Mal um Bartholomä zusammengekommen und hätten 4 Schauer-Wetter gemacht. Sie hätten damit auf dem Grazer Feld und um Geistthal Schaden angerichtet. Sie habe dabei auch Bürgersleut gesehen aber niemand gekannt. Am Schöckl hätten sie immer gegessen und getrunken und seien guter Dinge gewesen.
Schließlich sagt sie aus und gesteht, dass sie der Böse Geist letzten Philipp- und Jakobstag abends aus dem Gefängnis heraus und nach Hörgas hinauf geführt habe. Dort habe er mit ihr bei dem Haus unter dem Birnbaum geschlafen. Seine "Natur" sei ganz kalt gewesen. 

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Am 16., 17. und 18. September des Jahres 1688
ist beim löblichen Stifts- und Landgericht Rein eine Frau, eine verbrecherische Person namens

 Maria Nunner, vulgo Huberin

dem kaiserlichen Banngericht in der Steiermark im Anklage-Punkt Zauberei zum üblichen Verhör vorgeführt worden.
Diese hat sowohl mit als auch ohne Folterung folgendes ausgesagt:

Ihr Name sei Maria Nunner, im allgemeinen werde sie Huberin genannt. Sie sei 37 Jahre alt, in Stübing wohnhaft und keiner Herrschaft untertan . Sie habe mit ihrem ersten Mann, dem hingerichteten Huber, 17 Jahre zusammen gelebt und 5 Kinder gezeugt, wovon 2 Mädchen am Leben geblieben sind.
Am nächsten St. Martins-Tag (11. November) werde es 2 Jahre, dass sie ihren jetzigen Mann geheiratet habe. Sie habe mit ihm inzwischen einen Buben gezeugt. Er sei noch am Leben.

Sie bekennt und sagt aus:
Vor 5 Jahren im Frühling am Nachmittag, als sie unweit von ihrem Haus ganz allein auf ihrem Ackergrund gearbeitet habe, wäre dort ein zartes Buberl zu ihr gekommen sei. Es habe beim Reden geschnodert und von ihr die Seele begehrt und verlangt, die Heilige Dreifaltigkeit zu verleugnen. Er habe sie, wie gesagt in Gestalt eines Bettelbuben, mit dem Namen Spitzhütl, zuhause abgeholt und fort getragen. Das erste Mal wären sie auf dem Wildoner-Berg, danach zweimal auf dem Tüdensattel, zweimal auf dem Schöckl und heuer, wie das große Wetter gewesen ist, das letzte Mal auf dem Rams-Kogel zusammen gekommen. An diesen Orten hätten sie immer eine Mahlzeit gehabt. Im Tüdensattel hab eine Frau aus Graden , die sie nicht gekannt habe, gekocht. An den anderen Orte sei immer sie (die Huberin) die Köchin gewesen. Dabei habe sie neben den oben Genannten, die alle hingerichtet worden sind, auch den hingerichteten Schwaiger gesehen und gekannt. Es wären zwar noch andere, auch aus der Krain und aus Geistthal, dabei gewesen. Sie habe sie aber nicht gekannt. Sie, die Huberin, sei nur zweimal bei Schauer-Wettern gewesen, so heuer erst am Christi- Himmelfahrtstag. Und danach beim großen Wetter. Mit dem ersten Schauer-Wetter hätten sie im Stübinger Boden hinauf, mit dem großen Schauer aber hinter dem Pleschkogel Schaden angerichtet. Danach habe sie jedes Mal der Besen wieder hinabgetragen und bei ihrem Haus abgesetzt. 

Blick vom Schöckl
Blick vom Schöckl in Richtung Graz

Schließlich sagt sie aus und gesteht, dass der Böse (der Teufel) in der Nacht, bevor sie gefoltert worden sei, zum Fenster des Gefängnisses gekommen und da hinein geschloffen sei. Er habe mit ihr geschlafen. Seine Natur sei aber kalt gewesen. Damals habe er gesagt, sie würde morgen sehr gequält werden. Sie solle nur leugnen. Er werde ihr schon helfen.

 

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Am 2., 3. und 4. September des Jahres 1688

ist bei der löblichen Stifts- und Landgerichts-Hoheit Rein dem Kaiserlichen Banngericht der Steiermark eine verbrecherische weibliche Person namens

Walburga Koch

im allgemeinen Schmelzer genannt, im Punkt Zauberei zum üblichen Verhör vorgestellt worden.


Sie hat ... ohne Folteranwendung folgendes ausgesagt und gestanden:

Ihr Name sei Walburga Koch, im allgemeinen Schmelzer genannt. Sie sei 40 Jahre alt und seit 20 Jahren verheiratet. Sie sei in Geistthal, unweit von St. Pankrazen bei den Mathen wohnhaft. Sie sei keiner Herrschaft untertan. Sie habe einen Sohn und eine Tochter. Die Tochter habe im vorigen Herbst auch schon geheiratet.

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Heuer bei dem großen Wetter wäre sie (die Walburga) das 3. und letzte Mal bei der Hexengesellschaft gewesen und es habe sie dann alle der Böse nach dem Mittagessen zu Haus in der Laben, wo sie damals allein gewesen sei, abgeholt, auf die Axel gesetzt und zur Hebalm  hingetragen. Dort seien 14 Personen zusammen gekommen. Dabei sei ihr niemand außer der Hainzl, die Hollerer, die Huber, der Puesy  und der junge Hollerer, die noch am Leben seien, bekannt gewesen. Die anderen wären Fremde gewesen, die der Puesy mit sich hingebracht habe. Sie hätten dort vor ihm Schauer zusammen gewutzelt. Mit dem Schauer seien sie in Raben-Gestalt über den Pleschkogel auf den Schöckl geflogen. Unterwegs hätten sie den Schauer ausgesät. Auf dem Schöckl sei die Huber Köchin gewesen. Sie (die Walburga) habe abgewaschen. Sie hätten dort auf einer Bank auch Brot und Fleisch gegessen. Und Wein getrunken. Den Wein haben sie jedes Mal aus einem Fichtenbaum herausgelassen. Wenn sie sich richtig erinnert, seien sie keine Stunde beisammen gewesen, sondern schnell zurück nach Hause geflogen.
Sie selbst sei in ihrem Wald abgesessen und in der Dunkelheit heimgekommen.
Abschließend sagt sie aus und bekennt, dass der Böse in Gestalt eines schwarzen kalten Mannes auch einst zu ihr in das Bett gekommen sei. Er habe mit ihr geschlafen. Seine Natur sei klein und kalt gewesen.

 

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Den 28. Mai, wie auch den 30. Juli und den 1., 2. und 3. August 1686
ist bei der löblichen Stifts- und Landgerichtshoheit Rein ein Mann, eine verbrecherische Person namens

Sebastian Anderhub

 

im Anklage-Punkt Zauberei dem kaiserlichen Banngericht der Steiermark zum vorgesehenen Verhör vorgestellt worden, der ...  folgendes gestanden hat:

Sein Name sei Sebastian Anderhub, vulgo Mathl. Er sei 58 Jahre alt, sei Untertan des Stiftes Rein, habe 6 Kinder als Erben, 4 Buben und 2 Mädchen. Ein Sohn und eine Tochter wären schon verheiratet. Der älteste Sohn lebe in Geistthal. Er sei ein Untertan vom Stift Rein und 36 Jahre alt.

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Blick vom Schöckl
Blick vom Schöckl

Seither sei er immer ein oder zweimal im Jahr, und voriges Jahr am Jakobitag abends das letzte Mal immer auf den Ramkogel gewesen, außer einmal, da sei er auf den Schöckl bei der Herrengesellschaft gewesen. Sie wären immer auf der Gleinalm zusammen gekommen. Dahin hätten sie sich an Kirchtagen und Feiertagen abgesprochen. Von dort seien sie zum oben genannten Ort geflogen, wo sie immer eine Mahlzeit gehabt hätten. Doch auf dem Schöckl hätten sie ein besseres Essen als auf dem Ram-Kogel gehabt. Manchmal hätten auch 3 Spielleut, das seien aber nur Böse Geister gewesen, gegeigt und gefiedelt. Sie wären bisweilen eine, zwei oder eine halbe Stunde beieinander gewesen. Auf der Gleinalm habe die Brunnbäurin zweimal das Allerheiligste hingebracht. Dort habe sie es durch die Faust in den Wind und damit den Schauer zusammen geblasen. Durch den Schauer habe sie bei St. Pankrazen, in Geistthal und in Krienz Schaden angerichtet. Der Regen sei immer gegen die Kainach hinauf auf die Hügel. Und als sie vom Schöckl geflogen, sei er zuhause auf einem unbebauten Feld abgesessen. Außer mit den oben genannten Personen habe er mit unterschiedlichen Leuten gesprochen und er kenne auch den Hollerer und den Pieter, die schon hingerichtet worden sind.

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Am 28. und 29. Mai des Jahres 1686 ist bei der löblichen Stifts- und Landgerichts-Hoheit Rein eine verbrecherische Person namens

Simon Moyses

 

im Punkt Zauberei dem Kaiserlichen Banngericht der Steiermark zum vorgesehenen Verhör vorgeführt worden.
Dieser hat ... mit und ohne Anwendung der Folter folgendes ausgesagt:

Sein Name sei Simon Moyses, vulgo Hueber und er sei 60 Jahre alt. Er wohne in Stübing und sei Untertan von Rein. Mit 24 Jahren habe er das erste Mal geheiratet. Mit 30 Jahren seine zweite Frau. Er habe 4 Kinder, alles Mädchen. Die Älteste sei 22 Jahr alt.

Er bekennt und gesteht: Um Michaeli vor 4 Jahren, als er abends ganz allein auf seinem Acker Mist ausgestreut habe, sei der Böse Geist in einem grünen Röckerl und in Gestalt eines 4-jährigen Buben zu ihm gekommen. Er habe beim Reden geschnodert und gesagt, wenn  er ihm dienen wolle, und seine Seele versprechen und auch die Heilige Dreifaltigkeit verleugnen würde, dann wolle er ihm umgekehrt treu dienen, dass er noch mehr Sachen haben würde.

Stift Rein
Stift Rein bei Graz

In gleicher Weise sei er auch viermal bei der Hexengesellschaft auf dem Schöckl gewesen. Dort hätten sie jedesmal groß gegessen, getrunken und getanzt. Sie hätten 3 Spielleut (Pfeiffer) gehabt, die er nicht kenne. Er habe den Wein aus einem Birnbaum herausgelassen und diesen in einem braunen Krug aufgetragen. In der Folge hätten sie einen Nebelschauer geführt und damit bei Peggau hinauf Schaden angerichtet. Sie seien meistens zwischen 6 und 8 Uhr morgens ausgefahren und nachmittags um 4 Uhr wieder heim gekommen. Er selbst sei jedes Mal auf seinem Acker abgesessen.
Das letzte Mal, also voriges Jahr am St. Jakobstag, seien sie auf dem Tuden-Kogel zusammen gekommen. Von dort seien sie auf den Ram-Kogl geflogen, hätten Schauer gemacht und damit im Geisttal Schaden angerichtet. Dann hätten sie auf der Grabenwarter Steinwand eine Mahlzeit gehabt. Von dort sei er später zu Fuß heim gegangen. Er habe dabei niemand als die oben Genannten erkannt.

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Der Prozess gegen Thomas Heiser

 

Am 28. Juli 1653 vormittags

 Er bekennt, er heiße mit seinem Tauf- und Zunamen Thomas Heiser, sei 84 Jahre alt und ein Hirte.

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Passail am Fuß des Schöckls

28. Er gesteht: Er habe 4 Wetter gemacht. Eines sei bei Graz über den Schöckl hinüber gezogen. Die Passailer und die Semriacher, die er aber nicht namentlich nennen könne, seien vom Hengsberg aus mitgefahren und hätten alles erschlagen.

29. Das erste Wetter habe er mit seinen Kameraden am Hengsberg vor 6 Jahren gemacht.

30. Das zweite Wetter habe er bei Leutschach gemacht. Das hätte einen mittelmäßigen Schaden angerichtet und sei vor 16 Jahren geschehen.

31. Das dritte Wetter bei Sankt Sebastian bei Mooskirchen habe er mit viel Wasser gemacht und das sei vor 19 Jahren geschehen.

32. Das vierte Wetter sei in Fehring geschehen und zwar vor 30 Jahren und habe in den Weingärten und auf den Weiden großen Schaden angerichtet.

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37. Er bekennt nach weiterer überstandener Folterung, dass er seinen Sohn Gregor, als der noch im Mutterleib gewesen sei, dem Bösen Geist versprochen habe.

38. Er bekennt, nachdem sein Sohn Gregor etwa 14 Jahre alt gewesen ist, habe dieser die Tochter des Teufels namens Lucia geheiratet. Die Hochzeit sei am Schöckl bei Graz abgehalten worden. Die Brautleute hätten einander etwas vermacht und einen Heiratsvertrag gemacht. Sie hätten sich vor dem Bösen Geist nieder gekniet und ihn angebetet und ihm den Hintern geküsst. Später seien sie in der Nacht bei einander gelegen. Er sei auch selbst dabei gewesen. Die Spielleute, also die Trompeter, Geiger und Dudelsack-Pfeifer hätten dem Bräutigam und der Braut zum Schlafen aufgegeigt und aufgespielt. Als sie schon schlafen gegangen sind, habe er seine Frau nach hinten geschafft und nichts mit ihr zu tun gehabt.

39. Er bekennt, man hätte zu dieser Hochzeit auf dem Schöckl eine Startin (566 Liter) Wein, Betten und dergleichen Sachen hinauf geführt. An diesen Wägen sei eine Achse aus Strohhalmen gewesen. 4 Eier seien die Räder und 4 Böcke die Rosse gewesen. Es seien nicht nur die Spielleute als Trompeter, Instrumenten-Spieler und Sack-Pfeifer sondern auch noch 3 Personen in Gestalt eines Geiers, eines Raben und einer Elster dabei gewesen.

40. Bei dieser Mahlzeit und der Hochzeit habe jeder seine eigene Tänzerin gehabt. Als der Tanz aber vorüber gewesen sei, seien alle zu Raben und Krähen geworden. Und während des Tanzens hätten sie sich untereinander beratschlagt, wie sie es machen könnten, damit sie Reich und Arm Schaden bringen könnten. Darauf haben sie beschlossen, teils Wasser hinauf, teils Wasser hinunter zu gießen. Und damit soll der obere Teil des Wassers das Getreide und der untere Teil des Wassers den Wein treffen. Es habe ein jeder einen Teil dazu beigetragen. Er selbst habe das Wasser in einem Geschirr hinauf getragen und in des Teufels Namen ausgegossen. Das war vor ungefähr 6 Jahren auf dem Schöckl bei Graz, als das geschah. Das wäre zu der Zeit gewesen, als man bei Stainz Wallfahrten gegangen sei.

Stift Rein 2
Altes Bild vom Stift Rein

41. Er gesteht: Wenn man ein geweihtes Pulver und Silber habe und das zwischen den Zähnen zerbeiße und danach die zauberischen Leute anschreie, dann könne man das Wetter wenden und zum Stehen bringen.

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47. Er bekennt ferner, dass der frühere Probst von Gurk an die 200 Zauberer, Wettermacher und Wolfsbanner, gehalten habe und diese alle Jahre mindestens einmal als Gäste bei sich hatte. Das habe er von einem eigenen Kameraden aus der Gruppe seiner Weggefährten selbst gehört. Der Probst sei aber in Kärnten inzwischen hingerichtet worden. Er wisse zwar nicht ob er sie im Kloster oder auf der Alm als Gäste gehabt habe. Dieser Weggefährte habe ihm unter anderem anvertraut, dass fast halb Kärnten wegen solcher Zauberei verhaftet worden sei. Er habe unter anderem zu ihm gesagt, wenn er verhaftet werden sollte, so wäre das in Bezug auf die Zauberer, wie wenn man ein Körndl Brein aus einem Sack heraus nehmen würde.

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48.Er sei auch auf dem Schöckl bei Graz gewesen, wo sie dieses Essen veranstaltet haben. Es wären auch Grazer dabei gewesen. Unter anderem auch eine Frau, die Prantauerin genannt werde. Und sie hätten auf dem Schöckl getanzt. Die Gefährten hätten untereinander gefragt, wer diese Frau sei und sie habe gesagt, dass sie die Frau Prantauerin sei. Die zwei oder drei Gefährtinnen der Prantauerin hätten ihn gebeten, er solle nicht gegen sie aussagen. Die Bürgerinnen von Graz, die damals dort gewesen seien, hätten die Prantauerin laut bekannt gemacht. Wie dann sein Kamerad, der Georg, ihm das gesagt habe, hätte ihn die Prantauerin selbst gebeten, dass er sie nicht verraten solle.

Wenn ihm der Georg das nicht gesagt hätte, hätte er um die Prantauerin nicht gewusst. Einer unter ihnen habe gesagt, die Prantauerin sei im Gesicht schon etwas runzlig. Sie sei nicht all zu groß, und er habe gesagt, er habe mit ihr persönlich geredet, und der Georg habe gesagt, er solle sie nicht verraten. Er aber habe sie nicht gekannt, denn sie wäre vermummt gewesen. Er meine, es sei vor 6 oder 8 Jahren geschehen, wie es so schrecklich in Graz und den umliegenden Orten Schaden angerichtet habe. Seine Freunde hätten sich damals in 3 oder 4 Teile aufgeteilt und hätten Wasser und Schauer gemacht. Er habe damals ein Schaffel Wasser hinauf tragen müssen.

St. Martin bei Graz
St. Martin bei Graz mit dem Schöckl im Hintergrund

Der Böse Geist habe etwas hinein geworfen und das Schaffel Wasser zu sich genommen, das gleich zu Eis geworden sei. Der Böse Geist habe das dann selber ausgeschüttet und gesagt, es soll halb Schauer und halb Wasser werden und alles verderben und vernichten. Der Teufel selbst habe das Wasser persönlich aus einer Quelle geschöpft und habe schrecklich ausgesehen und sich an diesem Tag öfter verkleidet. Besonders aber wenn er zu stattlichen Herren gegangen sei, habe er sich besonders schön verkleidet und dieser Georg habe erzählt, er sei in Graz im allgemeinen und besonders bei diesen Frauen, die damals auf dem Schöckl gewesen seien, wohl bekannt.

49. Er gibt an, wenn vornehme Herren und Frauen zu solchen Gastmahlen kämen, hätten sie sich im allgemeinen im Gesicht vermummt, damit man sie nicht erkenne. Die Prantauerin sei auch vermummt gewesen. Die Prantauerin habe ihm nie etwas Übles getan, ihm aber auch nichts gegeben, außer bei diesem Gastmahl einen Trunk spendiert.

50. Er bekennt zum Schluss nach der dritten überstandenen Folter, dass alles, was er vorher mit und ohne Folterung ausgesagt und bekannt habe, wahrhaftig wahr sei. Er tue dadurch weder ihm selbst noch jemand anderem Unrecht.

 

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Urteil

Auf die jetzt beschriebenen Aussagen und Geständnisse mit Folter und ohne Folter haben die hier anwesenden Herren und Rechtssprecher einhellig Urteil und Recht gesprochen und erkannt, dass die 3 Männer, die Verbrecher mit den Namen

Lorenz Steger
Thomas Heiser
Gregor Heiser

wegen ihrer großen Sünden und Untaten, die sie begangen haben, das Leben verwirkt und den Tod verschuldet haben.

Sie sollen deswegen am heutigen Tag im offenen, kaiserlichen Kriminalgericht den anderen zum abscheulichen Beispiel dem Scharfrichter übergeben werden. Er soll sie übernehmen und gut verwahren, zur üblichen Gerichtsstätte hinausführen und dort dem Thomas Heiser vor dem Scheiterhaufen mit glühenden Zangen in beide Brüste brennen und sodann ihn mit seinem Sohn, den Gregor Heiser und den Lorenz Steger am Scheiterhaufen vorher erwürgen und die Körper zu Staub und Asche verbrennen.

Dieses Urteil wurde exekutiert am 4. August 1653.

 

Kalvarienberg St. Radegund
Detail vom Kalvarienberg in St. Radegund am Schöckl

Anmerkung 1: Der Prozess gegen Peter Paar wurde aus dem Buch  von Fritz Byloff   Graz 1902 übernommen. Einzelne Ausdrücke wurden abgeändert, um den Text leichter verständlich zu machen. Das Original-Protokoll befindet sich in Privatbesitz.

Anmerkung 2: Zu den Prozessen gegen Katharina Zenz, Maria Nunner, Walburga Koch, Sebastian Anderhub und Simon Moyses: Die Originale dieser Protokolle befinden sich im Archiv des Stiftes Rein.

Anmerkung 3: Zum Prozess gegen Thomas Heiser: Das ungekürzte Protokoll finden sie hier.

Die "alten Ansichten" sind aus: " Lithographische Ansichten der Steyermärkischen Städte, Märkte und Schlösser..." von  Kaiser, J. F.

 

 

Die Protokolle wurde von Siegfried Kramer mit Unterstützung von Bernhard Reismann (dem ich für die Korrektur herzlich danke) in unsere heutige Sprache übertragen.
Mein Dank gilt auch Herrn Norbert Müller (Leiter des Archivs des Stiftes Rein) für seine fachliche Unterstützung.
Graz 2011

 

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