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Verhör ohne Folter



Am 27. April 1672: Im Schloss Luttenberg (Ljutomer, Slowenien) wegen Zauberei inhaftierte Personen:

 

1. Katharina Türk

deren Eltern aus Schützendorf (Stročja vas, Slowenien) sind und die ungefähr 45 Jahre alt ist, sagt aus, die Margaretha Scherschen, die bereits verbrannt worden ist, habe auf sie bezogen ausgesagt, dass sie eine Zauberin sei. Deswegen sei sie verhaftet worden. Sie will aber nichts gestehen. Sie ist vorher konfrontiert worden. Die Denunziantin ist aber inzwischen gestorben.


2. Marina Samoritsch

luttenberg
Pfarrkirche von Ljutomer (Luttenberg)

eine Witwe aus Zweng. Ungefähr 30 Jahre alt.
Sie gesteht, sie sei vor ungefähr 5 Jahren um die Mittagszeit Gras schneiden gegangen. Dort habe sie einige Zauberinnen, die schon an verschiedenen Orten verbrannt worden sind, angetroffen. Einige aber habe sie nicht gekannt. Die Frauen hätten getanzt. Ein Mann sei bei einem Fass gesessen und habe mit einem Pflug-Eisen aufgegeigt, Damals hat ihr die Scherb, die sie auch gekannt hat und die auch verbrannt worden ist, einen Korb voll Schlangen auf dem Kopf gesetzt. Diesen habe sie eine Stunde auf dem Kopf halten müssen. Dort habe die Scherb die große Schlange herausgenommen und sie damit geschlagen. Wo sie getroffen worden sei, sei alles aufgeschwollen und davon die Haut abgegangen. Darauf habe der Geiger mit Steinen auf sie geworfen. Mehr wisse sie nicht. Auch nicht, wie sie von dort weg wieder nach Hause gekommen sei.
Sie ist auch konfrontiert worden. Die Denunziantin aber ist inzwischen gestorben.

 

3. Urscha, die Frau des Paulitsch

aus Schützendorf, an die 40 Jahre alt, sagt aus: Die Krainiz, die bei der letzten Exekution hingerichtet worden ist, habe in Bezug auf sie ausgesagt, dass sie eine Komplizin und Zauberin sein soll. Dies habe sie aber alles abgestritten. Es geschehe ihr vollkommen Unrecht. Sie ist mit der Denunziantin konfrontiert worden. Diese ist auch inzwischen gestorben.

 

4. Urscha, die Ehefrau des Jury Vidanitsch

aus Schützendorf, an die 30 Jahre alt, gesteht, dass vor 3 Jahren in der Nacht folgende Personen in ihr Haus gekommen seien: Gera, die Schwester der verbrannten Barbara Lach, die noch auf dem Katisch Grund in Schützendorf zuhause ist, Arne, der Knecht der verbrannten Krainiz, auch aus Schützendorf,
Magdalena Lubitsch, Witwe, ebenfalls aus Schützendorf, Anna Maritsch auch von dort, Barbara Petkovitsch aus Jessern, der Schmied aus Strigo namens Thamasch, und seine Hellena, auch von dort, dann die frühere Winzerin von unserem Frauen-Altar in Luttenberg, zusammen mit ihrem Mann, alle noch nicht verhaftet.

Wegkreuz Schützendorf
Wegkreuz in Schützendorf (Stročja vas, Slowenien)

Die hätten sie mit Gewalt auf einen beschlagenen Wagen, der mit 4 feuer-farbenen Schimmeln bespannt gewesen ist, und der Arny, der Krainz ihr Knecht, sei damit gefahren, und habe sie auf die Radkersburger-Straße geführt. Dort hätten sie getanzt, gegessen und getrunken. Sie seien danach auf demselben eisernen Wagen wieder nach Hause gefahren. Sie will kein Hagel-Machen oder weiteres gestehen. Sie ist konfrontiert worden und die Denunziantin ist inzwischen gestorben.

 

5. Katharina, die Schwester des Sewatniz

eine Witwe aus Zweng, die Ehefrau des Ivan Koprifa, etwa 56 Jahre alt, sagt: Sie sei gefangen genommen worden, sie wisse aber nicht warum. Sie sei nie einer Person vorgestellt worden. Sie ist nicht bereit, etwas im Punkt Zauberei zu gestehen.


6. Hellena Schutolvitz

eine Witwe aus Urschendorf, an die 60 Jahre alt,
sagt: Es habe die Margareth Scherschen, die verbrannt worden ist, im Bezug auf sie aus Feindschaft ausgesagt, dass sie eine Zauberin sei. Sie bestreitet das aber. Sie ist aber vorher ordnungsgemäß konfrontiert worden. Die Scherschen ist inzwischen gestorben.


7. Katharina, des Luratsch Prumezt Witwe

aus Urschendorf, an die 40 Jahre alt, sagt:
Die Scherschen habe auf sie bezogen falsch ausgesagt, dass sie eine Zauberin sei und Komplizinnen habe. Sie widerspricht dem allem. Sie ist aber konfrontiert worden. Die Scherschen ist auch inzwischen gestorben.


8. Dorothea Petick

aus Hl. Kreuz, an die 60 Jahre alt, antwortet auf die Fragen:
Die Scherschen habe auf sie bezogen ausgesagt, dass sie eine Zauberin und Komplizin gewesen sei. Sie widerspricht dem allem und will nichts gestehen. Sie ist aber dennoch konfrontiert worden. Die Denunziantin hat es auch mit dem Tod bestätigt.

 

9. Gera, die Witwe des Andreas Krall

aus Schützendorf, an die 61 Jahre alt, sagt aus:
Die Eva Krainz, ihre Nachbarin, die unlängst hier hingerichtet worden ist, habe im Bezug auf sie eine unrichtige Aussage gemacht. Sie sei ihre Komplizin gewesen. Sie widerspricht dem aber entschieden und ist nicht bereit etwas zu gestehen. Sie ist vorher mit der Krainz konfrontiert worden, die auch inzwischen gestorben ist.

10. Urscha, die Witwe des

Georg Obran

aus Jessern, an die 47 Jahre alt, gesteht:
Es sei jetzt ein Jahr her, dass sie beim Haus des Wellez Jury am Steinberg, beim Kreuzweg, als sie von ihrem Weinberg dort um die Jausenzeit heim gegangen sei. Sie habe dort den Winzer vom Weingarten Unserer lieben Frau in Luttenberg, zusammen mit seiner Frau, deren Namen sie aber nicht kenne, oben am Nockdinack
Wohnhaft, dann Agatha, die Frau des Andre Kobat Pinter am Steinberg, eine Witwe, die geflüchtet ist,
Barbara, die Frau des Hans Potokniz aus Jessern, Kunigunde, die Witwe des Adam Matscherl vom Steinberg, die bereits gestorben ist,
und Ivan Schelesnack, Hafner in Jessern, angetroffen.
Als sie hin gekommen sei, hätte sie alle gegrüßt. Diese hätten ihr aber nicht gedankt.
So seien die Barbara und der Ivan Hafner mit ihr nach Hause gegangen.

Ein andersmal, am Montag vor dem Johhannestag, sei sie Salz holen gegangen. Da hätte sie die vorher genannte Gesellschaft beim Teichdamm des Andre Magaters sitzend vorgefunden. Es hätte die Barbara Gobanzen (Rahmstrudel) vor sich gehabt, die sie der Gesellschaft ausgeteilt habe. Die Gobanzen seien zwar schön weiß aber ohne Geschmack gewesen. Dann habe ihr diese Barbara einen Krug Wasser zu holen gegeben. Danach hätten sie unter einem Apfelbaum Äpfel, die schon reif gewesen sind, abgebrockt und sie hätten schöne, reife Weinbeeren gegessen. Woher diese gekommen seien, wisse sie nicht. Der Ivan aber sei in das Gesträuch des Magater gegangen. Von dort habe er einen Krug Wein herausgebracht. Aus dem habe sie aber nicht getrunken. Am Donnerstag nach dem Fest des Hl. Johannes sei sie zum dritten Mal um die Mittagszeit auf den Grund des Mörth Obran gekommen und habe dort wieder die vorherige Gesellschaft vorgefunden. Es seien auch 2 Dudelsackpfeiffer dabei gewesen, in schwarzen Kleidern und in Menschen-Gestalt. Der größere aber habe eine Krainer Tracht getragen und sei - außer bei der Nase - ganz rau verwachsen gewesen. Dieser habe mit ihr getanzt und nach dem Tanzen hätten sie auf dem Wellez-Grund einen schönen Tisch mit aufgetragenen Poganzen (ein Kuchen) vorgefunden. Die anderen hätten sich niedergesetzt. Sie aber habe der Krainerische Teufel zum Tanz aufgefordert. Sie habe mit ihm getanzt. Wie sie aber nicht mehr wollen habe, habe er ihr mit einem Riemen geschlagen.
Sie ist konfrontiert und gefoltert worden.

Grabstein Wendtseisen
Grabstein des Bannrichters Johann Wendtseisen - Pfarrkirche Radkersburg

 

11. Margaretha, die Frau des Hans Pillay

aus Braunegendorf, an die 48 Jahre alt:
Vor 4 Jahre, die sie als Tagwerkerin verbracht habe, habe sie in ihrem Garten 2 Kälber gehalten. Die sind von dort aber in des Michael Stereischa abgeschnittenes Hirschfeld weggegangen. Denen ist sie nachgegangen und sie wollte sie zurücktreiben. Da habe sie die erwähnte Nescha Tschernischa aus Braunegendorf zusammen mit ihrem Mann Michael Tschernischa, dann ihre jüngere Tochter Gera, die Frau des Valentin N. und Urscha, die Frau des Hans Gobatsch bei einem Zaun vorgefunden. Die hätten eine Heidenbrein (Buchweizenkörner) in einem Strumpf gekocht. Die Nescha habe ihr gleich mit der Herdschaufel auf den Kopf geschlagen. Davon sei sie ganz schwach geworden. Darauf habe ihr Mann den Heidenbrein siedend über sie gegossen und sie dabei verbrannt. Am anderen Tag sei die ältere Tochter dieser Nescha namens Urscha, die Frau des Hans Gabacks zu ihr gekommen und habe ihr geraten, sie soll ein Buchweizenstroh verbrennen und damit eine Laugen machen und darin baden, dann würde schon alles vergehen. Zu Jakobi vor 3 Jahren sei ihr Mann wieder einmal betrunken nach Hause gekommen und sie habe ihn aus dem Haus hinausgetrieben. Sie sei in den Stadel liegen gegangen, habe geweint und gesagt, es soll Gott oder der Teufel kommen und sie endlich einmal von den Beschimpfungen erlösen. Bald darauf sei ein Kerl in windischem Gewand gekommen, habe laut zu ihr gesagt, sie solle mit ihm mitgehen, er wolle sie in ein Zimmer führen. Sie habe eingewilligt und ist einen Gewehrschuss weit mit ihm gegangen. Dann sei ein starker Wind aufgekommen, der sie von der Erde hochgehoben habe und sie sei mit ihm fortgeflogen. Während des Flugs habe der Teufel sie gefragt, ob sie auf den Rohitschberg wolle. Sie habe aber abgelehnt. Während des Flugs sei eine Krähe dahergekommen aber gleich im Buchenwald am Lapenberg wieder zurück geblieben. Unweit davon habe sie ein Feuer angetroffen. Dabei habe sie eine unbekannte Frauenperson sitzend vorgefunden. Die habe in einem Topf etliche kleine Stücke Fleisch und in einem anderenTopf Wasser gekocht. Nach dem sie den Teufel gefragt haben, was sie kochen täten, habe er zornig geantwortet, was sie da zu fragen hätte. Darauf habe sie gleich darauf das Bewusstsein verloren und sie sei erst wieder bei Unserer Frau am Pollantschack wieder zu sich gekommen. Von dort sei sie nach Hause gegangen.

Pfarrkirche von Ljutomer (Luttenberg)
Grabstein des Bannrichters Johann Wendtseisen - Pfarrkirche Radkersburg

Im übrigen hat sie auf Befragen nach Komplizen geantwortet, dass sie vergangene Pfingsten mit folgenden Personen in die Kirche gegangen sei:
Anna, die beim Jakob Selke in Praunegen wohnt,
die Tochter des Talisers, die beim Kuglmayerischen Weingarten beim Steinberg wohne, nicht weit vom Mallegger, die Frau des Madupen beim Nokodinak. Und die Ehefrau des alten Pillay namens Gera.
Weil sie noch nicht gefoltert worden ist, will sie sie nicht als Mittäterinnen bekennen.

Akt Schloss Luttenberg.

 

 
 
Anmerkung: Dieses Protokoll aus dem 17. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu in unsere heutige Sprache übertragen.
Herrn Bernhard Reismann sei für die Korrektur gedankt.
Der Originaltext befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv unter COP 1672-IV-59.
Den freundlichen Mitarbeitern des Landesarchivs sei besonders gedankt.
Graz, 2013

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