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Am heutigen Tag, den 23. September 1652

 

Ist dem kaiserlichen Banngericht in der Steiermark bei der löblichen und fürstlichen Stift- und Landgerichts-Hoheit Rein eine verbrecherische weibliche Person mit dem Namen 

Walburga Moritz-Bärtl 

zum Verhör vorgeführt worden.
Sie hat im Beisein der Herrn Christoph Ferstl, Hans Pötsch, Jakob Krallinger und Sebastian Witman, alle Ratsbürger in Gratwein, 
sowohl ohne als auch mit Anwendung der Folter ausgesagt und gestanden, wie folgt:

Sie bekennt, sie heiße mit dem Tauf- und Zunamen Walburga Moritz-Bärtl, sei nahe beim Purhaus wohnhaft, unter ihrer Gnaden, des Herrn Hans Christoph Stürgkh, Freiherr zu Plankenwarth, Untertanin,  Besitzerin eines kleinen Berggutes und an die 60 Jahre alt.

Statue vor Plankenwarth
Statue vor Schloss Plankenwarth

Sie bekennt, sie lebe mit ihrem Mann namens Bartholomäus Moritz seit 30 Jahre zusammen und habe mit ihm 6 Kinder gezeugt, wovon 3 gestorben und 3 noch am Leben seien. 

1. Sie bekennt ohne Anwendung der Folter: 
Nachdem der Hans Artner in der Rötsch einst sein Pferd verloren habe, da sei er zum ersten Mal in ihrer Abwesenheit zu ihrem Mann gekommen und habe ihn um Rat gefragt, wie er sein verlorenes Pferd wieder zurückbekommen könne. Worauf ihr Mann ihm den Rat gegeben habe, er solle einen Pferde-Zaum und Pferdemist vom Stall, wo das Pferd gestanden ist, bringen. Wenn man das in einem Ameisenhaufen vergraben würde, dann würde das Pferd wieder zurück kommen. 

Als sie nun nach Hause gekommen sei und ihr Mann ihr das erzählt habe, habe sie dann eine Weidenrute außerhalb der Viehweide niedergebogen und einen Stein darauf gelegt in dem Glauben, dass sich dann diese Weidenrute über Nacht bis zum nächsten Morgen gleich hoch oder darüber aufrichten werde, so würde er das Pferd wieder bekommen. Falls die Weidenrute aber krumm bleibe, so wie sie sie verbogen habe, würde er das Pferd nicht mehr wieder bekommen. Sie sagt, sie habe dazu auch unter einem grünen Baum 72 "Vater unser" und 72 "Ave Maria" gebetet. Als nun inwischen der Artner nach Hause gegangen sei, um den Pferdezaum und den Pferdemist zu holen, habe er beim Zurückgehen das Pferd auf einer Weide gefunden und wiederbekommen. 
Sie sagt aus: Der Artner sei daraufhin noch einmal zu ihr gekommen. Damals sei sie daheim gewesen.  Er habe ihr und ihrem Mann dafür 2 Vierteln Wein gezahlt und gesagt, er wolle ihr ein Maßel Weizen noch dazu geben. Er habe aber dann das Versprechen mit dem Weizen nicht gehalten. Dafür habe er ihr aber im Herbst ein Maßel Buchweizen geschenkt.
Sie bekennt, sie habe diese Kunst von der Christiana in Hinterberg gelernt. Die sei aber schon gestorben.

2. Sie gesteht: Nach der unlängst zu Ende gegangenen Fastenzeit seien im Schloss Oberthal etliche geräucherte Schweineschinken und geselchtes Fleisch von der Selchkammer abhanden gekommen. Da sei die Frau Maier vom erwähnten Oberthal um die jüngst vergangene Osterzeit zu ihr gekommen. Sie hab zu ihr gesagt, dass diese geräucherten Schweineschinken und geselchten Schweineschultern weg seien und man jetzt von ihr verlange, dass sie das bezahlen soll. Die Frau Maier habe sie gebeten, ihr doch einen Rat zu geben, wie sie es wieder zurück bekommen könnte oder der Dieb ausgeforscht werden könnte.
Darauf habe sie ihr den Rat gegeben, sie soll an dem Ort, an dem der Verlust geschehen sei, die Spieße nehmen, auf denen die Sauschultern, der Schinken und das Fleisch gehängt waren und diese in das Fenster stecken, wo es herausgezogen und weggenommen worden sei. So würde es wieder kommen oder aber der Dieb aufgedeckt werden. Die Maier habe ihr 2 Pfund Schmalz, die sie ihr schon vorher gegeben habe, geschenkt. Sonst habe sie nichts von ihr verlangt.

Pestsäule am Lendplatz in Graz
Lendplatz in Graz -Pestsäule

3. Sie bekennt: Nachdem die Kuchenbäckerin vom Lend in Graz ihren Kuchen nicht verkaufen konnte, sei sie um einen Rat gekommen, damit sie den Kuchen in Zukunft besser verkaufen könne. Sie habe ihr den Rat gegeben, sie solle mit einem Henkerstrick, mit dem einer gehenkt worden ist, ihre gebackenen Kuchen vorher räuchern und für ein jedes Stück 72 "Vaterunser" und 72 "Ave Maria" und 7 Glaubensbekenntnisse beten, dann werde es helfen. Worauf die Kuchenbäckerin gesagt habe, sie hätte schon einen solchen Strick und sie habe diesen vom Knecht eines Scharfrichters bekommen. Die Kuchenbäckerin habe ihr auf ihren Wunsch hin auch eine Spanne davon geben. Ob sie aber diese Kunst angewandt habe, wisse sie nicht zu sagen.

4. Sie bekennt: Als der Georg Rölpocher vor ein bis zwei Jahren 2 Räder verloren hat und die Frau vom Rölpocher sie um Rat gebeten habe, habe sie zur Antwort gegeben: Der Sohn des Anderl in Rohrbach habe solche 2 Räder genommen. Das habe die Mutter des genannten Anderl selbst gesagt. Sie wisse nicht, ob sie ihr dafür einen Rat gegeben hat oder nicht.

5. Sie gesteht: Wie sie vor ungefähr einem Jahr zur Tochter der Frau Schülg namens Peinsleb gekommen sei und bei der Frau Schülg oft über Nacht geblieben sei, da habe die Frau Peinsleb sie gebeten, sie solle ihr einen Rat geben, damit ihr Mann nicht so viel Wein trinken tät. Sie wolle ihr 2 Kristall-Steine dafür schenken. Die seien gut gegen Kopfweh und Schwindel des Kopfes. Wenn sie den Schwindel stark im Kopf habe, dann habe sie diese verwendet.

6. Sie bekennt: Vor 4 Jahren habe der Maller aus Voitsberg eine Frau, sie wisse nicht, wie sie heiße, zu ihr gebracht. Die habe gesagt, sie stamme aus Neumarkt. Sie sei einem Hauptmann zugehörig. Sie wisse aber nicht, wie geheißen habe. Er sei klein gewachsen gewachsen. Sie sei 14 Tage dort geblieben, und über Nacht auf Stroh gelegen und habe sich selbst verköstigt. Der Maller von Voitsberg habe ihr Essen hingebracht. Die hab sie um unterschiedlichen Rat gefragt. Sie aber habe ihr nichts beigebracht, sondern gesagt, sie könne selbst mehr als sie. Der erwähnte Hauptmann sei nur einmal dort gewesen, der Maller habe sie wieder abgeholt, sei danach mit den Soldaten weg und in den Krieg gezogen.

 

Am selben Tag am Nachmittag

Im Beisein der gestrengen Herrn:
Christoph Ferstl, Hans Pötsch, Jakob Krallinger, Sebastian Witman

Pestsäule Lendplatz Graz
Lendplatz in Graz -Pestsäule

7.Sie gesteht außerdem ohne Einsatz der Folter:
Nachdem die Frau Gemahlin von ihrer Gnaden, Herrn Graf N., die beim Herrn Fleischhacker, Kaufmann in Graz, in Quartier gewesen ist, lang krank darnieder gelegen sei, habe die Frau Schülg ihr geraten, dieser Frau zu helfen, und sie habe dort vorgeschlagen, man soll sie in Anspruch nehmen. Sie habe gegen Krankheit und Zustand ihrer Gnaden nichts anderes als Weinkraut, schwarz gebraten, und Holzstückchen von einem Baum, in den der Blitz eingeschlagen hat, verwendet. Damit habe sie ihrer Gnaden Frau geräuchert und gebadet und damit wieder gesund gemacht.

8. Sie bekennt, nachdem der Weinscherg aus Graz auch krank gewesen ist, habe er die Kuchenbäckerin zu ihr geschickt. Dann hab sie gegen seine Krankheit auch einen Rat gegeben. Die Kuchenbäckerin habe ihm diesen Rat überbracht und damit gesund gemacht.

9. Sie bekennt, nachdem der der Sohn der Frau Wirtin an den Füßen erkrankt gewesen sei, hab sie um Rat bitten lassen. Da hab sie ihm einen schwarzen angesengten Holzspan von einem Baum, in den der Blitz eingeschlagen habe, gebracht. Sie habe ihn mit Weißem Speik, Spinnkraut und ähnlichen Kräutern eingeräuchert und gebadet und damit wieder gesund gemacht.

 

In der Folterkammer

10. Sie gesteht nach der ersten überstandenen Folter:
Wenn den Leute etwas abhanden gekommen sei, seien sie zu ihr um Rat gekommen, wie sie das wieder zurückbekommen könnten. Sie habe sie um den Namen gefragt, auf den sich ihr Verdacht richte. Nachdem man ihr diesen gesagt habe, hätte sie ein Ingwerblatt genommen und dasselbe in ein "Kreuz-Schmalz", das man in der heiligen Kreuz-Wochen zu sammeln pflegt, geworfen, dasselbe heiß werden lassen und seinen Namen dazu genannt. Wenn sie den Namen dessen, der es entwendet habe, genannt habe, dann sei der Ingwer aus dem Schmalz heraus gesprungen. Darauf hätte sie ein Glaubensbekenntnis gebetet, dass es derselbe sei, der den Diebstahl begangen habe. Das habe sie nicht öfter als 5 Mal angewandt.

11. Sie gesteht: Sie habe das von der Frau Christian in Hinterberg gelernt und habe es für sich selbst 4 Mal angewandt, wenn ihr etwas abhanden gekommen ist. Als ihr einmal ein Zwirnknäuel abhanden gekommen ist, und sie ihr eigenes Kind verdächtigte, habe sie es selbst verwendet. Also alles in allem 5 Mal. Und das sei immer als gerechtfertigt eingeschätzt worden.

12. Sie bekennt, sie sei 10 Jahre lang eine Hebamme gewesen und habe über 30 Frauen bei der Geburt geholfen. Es seien nur 3 Kinder tot auf die Welt gekommen. Die anderen seien alle getauft worden.

Innenhof Schloss Eggenberg
Schloss Eggenberg

13. Sie bekennt folgendes: Was den Herrn Ditl aus Graz betrifft. Nachdem er krank geworden sei, habe er eine alte Frau (sie wisse nicht, wie sie heiße), zu ihr geschickt und sie bitten lassen, sie solle zu ihm kommen und ihm helfen, wieder gesund zu werden. Nachdem sie nun, wie sie hingekommen ist, bemerkt hat, dass er durch eine böse Weg-Spur gegangen ist, habe sie ihm gegen diese Krankheit Kräuter Bäder gekocht und ihn darin gebadet. Nach dem Bad habe sie ihn aber mit folgendem Segen angesprochen:

"O sein der Fürspan 9, sind nicht 9, sondern 8, sind nicht 8, sondern 7, sind nicht 7, sondern 6, sind nicht 6, sondern 5, sind nicht 5, sondern 4, sind nicht 4, sondern 3, sind nicht 3, sondern 2, sind nicht 2, sondern 1, sind nicht 1, sondern gar keins. In Namen Gott des Vaters, Gott des Sohnes und Gott des Heiligen Geistes, Amen."

Sie habe danach 7 "Vater unser" und 7 "Ave Maria" gebetet.Dieses Gebet habe sie für ihn kniend gebetet.
Nach dem Bad und dem verrichteten Segen habe sie mit neunerlei Holz, das keine Frucht mehr getragen habe, ausgeräuchert. Sie habe 2 oder 3 Mal gebraucht, bis es ihm wieder besser gegangen sei. Dafür habe er ihr 5 Gulden gegeben. Sie sagt, diesen Segen habe sie noch von ihrer Mutter gelernt.

14. Sie bekennt: Nachdem ihr Ihrer Gnaden, der Herr Hauptmann Ridt, das erste Mal (auf Rat einer Bäuerin, deren Namen sie nicht kenne) nach ihr geschickt habe, sei sie nicht hingegangen. Das 2. Mal aber, wie er wiederum nach ihr geschickt habe, sei sie auf Geheiß ihres Mannes hingegangen, denn der habe ja gewusst, dass sie den Leuten sonst helfe. Wie sie also zu Ihrer Gnaden gekommen sei, habe sie gesehen dass Ihrer Gnaden am Leib Blattern, Geschwür und Knoten aufgefahren seien, so groß wie Nussen. Sie hab ihm Bäder aus Kräutern gesotten, Vipernkraut und Ehrenpreis, die man im Namen Gott des Vaters, des Sohns und Gott des heiligen Geistes ausgraben muss. Und wenn sie es ausgewaschen habe, habe sie ein "Vater Unser", ein "Ave Maria" und ein Glaubensbekenntnis dazu gebetet. Nach dem Bad habe sie Eiklar, Allaun untereinander abgeschlagen und ihn damit eingeschmiert. Darauf sei die Haut abgegangen, abgeheilt und gesund worden. Dafür habe er ihr 2 Silberkronen als Lohn gegeben.

15. Sie bekennt: Ihrer Gnaden, der Herr von Moscon, sei vor ungefähr 3 Jahren wegen der Krankheit seiner Frau namens Magdalena zu ihr hinausgeritten und habe gebeten, seiner Frau zu helfen. Darauf sei sie hinein gegangen und 5 Tage bei ihr geblieben. Sie hab mit dem "Donnerspeil" aus einem Baum, in den der Blitz eingeschlagen habe und dem Neunerlei Holz, das keine Frucht trägt, geräuchert. Dafür habe er ihr eine Silber-Krone gegeben.

16. Sie bekennt: Vor 6 Jahren, nachdem sie zur Frau Udl gegangen sei, die in Thal im Kindbett gelegen sei, und dort vom Trinken überwältigt war, sei sie auf das Kreuz gefallen und habe so die Schrammen am Kopf bekommen.

17. Sie bekennt: Ihrer Gnaden, die Frau Landoberst bei der sie nur einmal gewesen sei, habe ihr ihr Mieder, das sie angehabt habe, geschenkt.

Pfau vor Schloss Eggenberg
Schloss Eggenberg - Seitenansicht mit Pfau

18. Sie bekennt: Sie habe für die von ihr gegebenen Ratschläge und die Wahrsagerei von den Leuten nicht mehr als 10 Gulden pro Jahr bekommen.

19. Sie bekennt: Sie könnte das Wetter vertreiben. Wenn es vor dem Wetter finster geworden sei, hab sie ihr Gebet gegen das Wetter verrichtet. Manchmal habe es geholfen, manchmal auch nicht.
Das Gebet lautet folgendermaßen:
"Seids nur Gott willkommen, liebe Wolken, tragts ein euren Samen, Wasser oder Wein, so wie mir Gott willkommen sein, im Namen Gott des Vaters, Gott des Sohnes und Gott des Heiligen Geistes, Amen.
Hierauf habe sie 3 "Vater Unser" und 3 "Ave Maria" gebetet.

20. Sie bekennt: Ihrer Mutter hab sie aus einer versperrten Truhen (wofür sie aber die Schlüssel gehabt habe) 8 Kreuzer gestohlen. Die hab sie auf einem Kirchtag vertrunken.

 

 

 

 

Am 26. September AD 1652 nachmittags in der Folterkammer

Im Beisein der gestrengen Herren Christopher Ferstl, Hans Pötsch, Jakob Krallinger, Sebastian Weitman.

21. Sie bekennt nach weiterer überstandener Folterung:
Die schwarze Urschl aus Graz sei 3 x zu ihr ins Haus gekommen und gesagt, Ihrer Gnaden, Herr Landoberst, hätte sie um einen Rat fragen lassen wegen des Trippers. Sie habe aber nicht helfen können.

22. Sie bekennt: Die schwarze Urschl habe sie um Rat gebeten und gesagt, sie hätte mit dem Tafel-Aufdecker vom jungen Prinzen von Eggenberg mit Namen Georg ein Kind. Sie sollte ihr einen Rat geben, dass er sie heirate, oder wenn er sie nicht nehmen wolle, wie sie es mache, dass er krank werde und gar sterbe. Sie habe ihr aber keinen Rat gegeben.

23. Sie bekennt: Dieser Georg, des jungen Prinzen sein Tafel-Decker, habe, nachdem er 18 ganze Wochen krank gelegen sei, einen Schuster, dessen Namen sie nicht kenne, zu ihr geschickt und um Rat gebeten, damit ihm geholfen werde. Hierauf sei sie zur schwarzen Urschl nach Graz gegangen. Sie habe ihr 8 Eier als Geschenk gebracht und unter diesem Vorwand von dieser Urschl ein Fuzerl von Strumpf und Schuh bekommen. Dies hab sie zusammen mit schwarzem Speik, dem Weinkraut, dann dem neunerlei Holz, das keine Frucht mehr trägt und ein wenig von ihrem Haar genommen und den Georg damit geräuchert. Dadurch habe sie ihn wieder gesund gemacht. Dafür habe er ihr 2 Kronen gegeben.

Statue Schloss Eggenberg
Statue vor dem Schloss Eggenberg

24. Daraufhin habe die schwarze Urschl gegen sie geredet und ihr gedroht, weil sie diesem Georg zu seiner Gesundheit verholfen habe. Sie, die schwarze Urschl, wolle sie, die Walburga, deswegen dreschen und eine schmieren. Darauf habe der Georg aber gesagt, wenn sie sie deswegen schlagen wolle, dann werde er sie dafür sitzen lassen.

25. Sie bekennt: Es sei nicht nur ein Soldat aus Graz, sondern auch eine Frau namens Bera, eine Mörteltragerin, ebenso eine Wäscherin vom Lend , deren Namen sie nicht kenne, um Rat in unterschiedlichen Angelegenheiten zu ihr gekommen. Sie wisse aber nicht mehr, was sie ihnen geraten habe.

26. Sie bekennt, es seien auch sonst noch viel mehr Leute von Graz und anderen Orten zu ihr gekommen, es sei ihr aber alles entfallen.

27. Sie bekennt, der Tafeldecker des jungen Prinzen von Eggenberg habe gesagt, die Frühwirt habe ihm zu ihr geraten. Er solle sie wegen seiner Krankheit in Anspruch nehmen. Sie habe ihren Sohn deswegen mit Spinnkraut, weißem Speik und mit neun dürren Hölzern geräuchert und ihm damit geholfen.

28. Sie gesteht: Sie habe diese 2 Kristalle den Bauers-Leuten gezeigt und gesagt, sie seien gut gegen Kopfweh, Schwindel im Kopf und andere ähnliche Krankheiten des Kopfes.

29. Sie sagt: Als Entschädigung habe man ihr manchmal Heidenmehl, etwas zu trinken oder eine Mahlzeit gegeben.

30. Sie bekennt: Vor 5 Jahren habe sie dergleichenwie das Niederbiegen der Sägespitze recht oft verwendet, damit die gestohlenen Sachen wieder zurück kommen sollten. Sie habe aber wenig dafür bekommen.

31. Sie bekennt, dass vergangenen Frohnleichnamstag die Frau Neukircher aus Gratwein den Artner wegen ihrer Tochter, die schwer erkrankt sei, zu ihr um einen Rat geschickt habe. Darauf habe sie ihr angeboten, ein Pulver zu ihr zu schicken, weil sie wegen des Regenwetters selbst nicht hinkommen könne . Das sei aber dann nicht geschehen.

32. Sie sagt, als sie die beiden Kristalle heimgetragen habe, habe sie ihr Mann ausgescholten. Sie soll solche Dinge nicht verwenden. Ihr Mann habe sie auch oft geschlagen, weil sie zu den Leuten gegangen sei und ihnen geholfen habe. Denn die Leute könnten bald sagen, sie verwende etwas Verbotenes. Sie solle zuhause bleiben und mit Brot vorlieb nehmen.

33. Sie bekennt nach der dritten überstandenen Folterung, dass alles das, was sie ausgesagt und gestanden habe, wirklich wahr sei. Sie wolle dafür leben und sterben. Sie beschließt damit ihre Aussage.

Hungerturm im Stift Rein

 

 

 

Gratwein, den 27. September AD 1652

Johann Andreas Barth
Bannrichter in der Steiermark

 

 

 

Dieses Protokoll aus dem 17. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu mit Unterstützung von Bernhard Reismann (dem ich für die Korrektur danke) in unsere heutige Sprache übertragen.
Mein Dank gilt auch Herrn Norbert Müller (Leiter des Archivs des Stiftes Rein)  für seine fachliche Unterstützung.
Das Original des Protokolls befindet sich im Archiv des Stiftes Rein.
Graz 2011


 

 

 

 

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