Home

 

 

Kriminalprozess gegen Dorothea Wed
Landgerichtsherrschaft Friedau (Ormož, Slowenien)

 

Am 15. März 1677 ist Dorothea Wed, Bürgerin von Polsterau (Središče), 70 Jahre alt, aufgrund einer Meldung an die innerösterreichische Regierung und einer von mir (dem Unterzeichnenden) durchgeführten Untersuchung und aufgrund mehrerer Indizien nach erfolgter Festnahme ohne Anwendung der Folter bei der Landgerichtsherrschaft verhört worden.

 

Friedau Karte
Friedau (Ormož), Pettau (Ptuj) und Radkersburg

Anwesende: Johann Georg Franz von Will als eingesetzter Bannrichter, Jakob Kinck, hiesiger Stadtrichter, Martin Habitsch, Georg Dopusch, beide Räte, Martin Koleritsch.

 

Frage: Warum sie in das Schloss und in das Landgericht gebracht worden sei?

Antwort: Sie wisse den Grund nicht. Sie habe auch niemand etwas zuleide getan.

Frage: Sie soll ihr Gewissen erforschen. Vielleicht werde es ihr den Grund zeigen.

Antwort: Sie wisse nun einmal keinen Grund. Sie wisse auch niemanden, dem sie etwas Übles antun sollte.

Frage: Ob sie von niemand einen Grund gehört habe, als sie gefangen genommen worden sei.

Antwort: Von niemandem.

Frage: Ob es denn nicht war sei, dass sie, wie der Marktrichter von Polstrau und seine Leute sie ins Gefängnis gebracht hätten, zu diesen gesagt habe: "Der Martin Samoda ist krank und wenn einem nur ein wenig der Kopf weh tue, dann muss ich es gleich getan haben."

Antwort: Ja. Sie bestätige, dies gesagt zu haben.

Frage: Vorher habe sie gesagt, sie wisse keinen Grund für ihre Verhaftung. Warum sie sich dann beim Samoda den Grund eingebildet habe?

Antwort: Weil sie bezichtigt worden sei, dass sie dem Martin Samoda die Krankheit gemacht habe. Deshalb habe sie das dem Richter rechtzeitig erklärt. Sie habe dadurch zu verstehen geben wollen, dass sie gegen denjenigen, der sie dessen bezichtige, gerichtlich vorgehen wolle. Sie sagt in diesem Zusammenhang, der Samoda sei durch höhere Macht und aufgrund einer Strafe Gottes krank geworden. Er werde aber wieder gesund werden. Sie aber sei keine Verursacherin seiner Krankheit.

Frage: Wie sie das denn wissen könne, dass der Samoda auf Anordnung und aufgrund einer Strafe Gottes krank geworden sei und wieder gesund werde?

Antwort: Sie gibt darauf keine einzige richtige Antwort sondern wechselt zwischen den Aussagen hin und her.

Frage: Wer denn die Leute seien, die sie beschuldigen, dass sie dem Samoda die Krankheit gemacht habe?

Antwort: Der Martin Samoda habe vor der Giegl, der Moscheck und anderen Frauen, wie der Frau vom Jakob Kedovetz und der Walaph Samoda so geredet, als ob sie ihm die Krankheit gemacht hätte.

Frage: Ob sie die Margareta Wogonitsch kenne?

Antwort: Ja.

Frage: Wo sie sich derzeit aufhalte?

Antwort: Sie sei gestorben.

polsterau
Polsterau (Središče)in einer alten Ansicht

Frage: Wie lange es her sei, dass sie gestorben sei?

Antwort: Sie wisse es eigentlich nicht.

Frage: Ob sie nicht wisse, an welcher Krankheit sie gestorben sei?

Antwort: Sie habe nichts über ihre Krankheit gehört.

Frage: Ob sie, wie die Wogonitsch krank darniedergelegen sei, nicht einmal zusammen mit anderen Frauen um Mitternacht an ihr Bett gekommen sei?

Antwort: Sie wäre ihr Leben lang nie in deren Haus gewesen.

Frage: Ob sie nicht zusammen mit anderen Frauen, die sie bei sich gehabt habe, die Wogonitsch mit eisernen Ruten und lebenden Schlangen ausgepeitscht und geschlagen habe?

Antwort: Sie bestreitet es.

Frage: Ob sie nicht vor ungefähr 3 Jahren bei der Keuschen des Adam Repscha einen Ausguss von einer schwarzen Malerei, die wie Tinte ausgesehen habe, ausgeschüttet habe?

Antwort: Sie bestreitet es.

Frage: Wo ihre Tochter Gera sei?

Antwort: Sie sei gestorben.

Frage: An was für einer Krankheit?

Antwort: An der verfluchten Schwindsucht.

Frage: Wo sie gewohnt habe?

Antwort: In Pulstrau in Richtung des Hauses der Schamschitz.

Frage: Wie weit das weg sei vom Haus des Repscha?

Antwort: Es sei ganz nah bei seiner Keuschn, ungefähr 10 Schritte weit.

Fenster im Schloss Friedau
Fenster im Schloss Friedau (Ormož)

Frage: Ob ihre Tochter Gera wegen der Krankheit jemand verdächtigt habe?

Antwort: Sie habe niemand anderen als ihre Schwägerin Margareta, die Frau des Marco Weda, verdächtigt.

Frage: Warum gleich ihre Schwägerin?

Antwort: Sie gibt darauf keine richtige Antwort.

Frage: Ob sie die Barbara Repesch kenne?

Antwort: Die kenne sie sehr wohl. Es sei ihre nächste Nachbarin.

Frage: Wenn sie die nächste Nachbarin ist, wird sie zweifelsohne gewusst haben, dass die Repscha wegen einer sonderbaren Krankheit darniedergelegen ist.

Antwort: Sie habe von ihrer Krankheit weder etwas gehört noch gewusst.

Frage: Wie das möglich sein könne, dass sie als nächste Nachbarin nichts dergleichen gehört habe, wo es doch alle Friedauer und Pulstrauer gewusst hätten?

Antwort: Sie wisse nichts und habe nun einmal nichts gehört.

Frage: Warum sie mit der Unwahrheit Umgang pflege und sage, dass sie von der Krankheit dieser Barbara nichts gehört habe, wo doch die Barbara die Anna Schuster zu ihr (der Wed) geschickt habe und sie bitten habe lassen, ihr zu helfen, falls sie ihr die Krankheit gemacht habe.

Antwort: Sie bestreitet das vollkommen.

Anmerkung: Die Anna Schuster wird der Wed vorgestellt und die Schuster sagt es ihr ins Gesicht. Die Wed aber bestreitet weiterhin.

Frage: Ob sie nicht mit anderen Frauen bei der erwähnten Barbara in der Nacht (für die Leute unsichtbar) vor ihrem Bett gestanden sei und ihr ein Getränk eingeflößt habe, das die Barbara aber nicht habe annehmen wollen und gesagt habe: "Du mögst mir vergeben!"

Antwort: Sie bestreitet es.

Frage: Ob sie in ihrem Haus keine Salben, Pulver oder andere seltsame Kräuter habe?

Antwort: In ihrem Haus werde man nichts dergleichen finden.

Frage: Wann man ihr das Gegenteil zeigen soll und sie überführen werde?

Antwort: Man könne sie nicht überführen, weil sie nicht das Geringste, auch wenn es nur eine Nadelspitze groß wäre, in ihrem Haus habe.

Anmerkung: Die Salben und Dinge, die man in ihrem Haus gefunden hat, werden ihr gezeigt und weitere Fragen gestellt.

Frage: Was in den zwei Scherben für Salben wären?

Antwort: Nachdem diese nie in ihrem Haus gewesen seien, kenne sie die Salben nicht und wisse nichts von ihnen.

Frage: Was das in der Schachtel für eine blaue Kugel mit zwei kleinen Kohlestückchen sei?

Antwort: Sie kenne die Dinge nicht und wisse nichts darüber. Sie wären auch nie in ihrem Haus gewesen

Frage: Was in dem kleinen Binkerl für Korallen wären?

Antwort: Sie kenne es nicht und wisse nichts darüber. Es sei nicht aus ihrem Haus.

Brunnen im Schloss Friedau
Brunnen im Innenhof des Schlosses Friedau (Ormož)

Frage: Was das für ein Stofffetzen sei und was darin der durchgesteckte Nagel bedeute?

Antwort: Sie kenne es nicht und wisse es nicht. Es sei auch nicht aus ihrem Haus.

Frage: Was das für eine Salbe in dem anderen kleinen Binkerl sei?

Antwort: Es sei der Magen eines Hasen. Es sei aber nicht aus ihrem Haus.

Frage: Weil die Sachen alle aus ihrem Haus genommen und dort gefunden worden sind. Und eben auch diese Salben, die sie den Magen eines Hasen nennt. Die seien auch bei den anderen Sachen dabei gewesen. Warum sie leugnet und sich nicht dazu bekennen will?

Antwort: Sie bestreitet weiterhin.

Frage: Was das für ein seltsames Gebäck sei und ob sie sich dazu bekenne?

Antwort: Ja, das habe ihr der Marco Lagusch, der vor 7 oder 8 Jahren gestorben sei, gegeben.

Frage: Nachdem sie sich dazu bekennt, dass dieses seltsame Gebäck aus ihrem Haus neben den anderen genannten Dingen gefunden worden ist, warum sie dann die anderen Sachen verleugnet?

Antwort: Sie gibt darauf keine richtige Antwort.

Frage: Wozu ihr der Marco Lagusch dieses Gebäck gegeben habe?

Antwort: Wegen der Augenschmerzen. Wenn ihr die Augen weh getan hätten, dann habe sie davon etwas abgeschabt und das Pulver in die Augen gestreut.

Frage: Wie das sein könne, dass sie davon etwas abgeschabt und für die Augen gebraucht habe, wo doch alles ganz sei und nichts davon zu sehen sei, dass etwas abgeschabt worden sei?

Antwort: Sie gibt darauf keine richtige Antwort, sondern wechselt in ihren Antworten hin und her.

Frage: Was in dem Leinwand-Kranz eingenäht sei?

Fresko 1 in Pfarrkirche Friedau
Fresko in der Pfarrkirche von Friedau (Ormož)

Antwort: Sie will darauf keine richtige Antwort geben sondern ist verstockt geblieben.

Frage: Ob sie sich zu diesem Kranz bekenne?

Antwort: Nachdem es bei den anderen Sachen gefunden worden ist, muss es ja mir gehören.

Anmerkung: Sie verlangt nach Wasser zum trinken, was ihr auch gereicht und mit Heiligen-Drei-Königwasser vermischt worden ist. Nachdem sie getrunken hat, hat sie sofort wieder abgesetzt und gesagt: "Das ist ein wunder-seltsames Wasser". Darauf hat sie das, was sie noch im Mund gehabt hat, sofort wieder ausgespuckt.

Frage: Ob der große und der kleine Laib Brot ihr gehören.

Antwort: Ja.

Anmerkung: Das Brot wird entzwei gebrochen. Es sind innen verschiedene Sorten Getreide eingebacken gefunden worden. Als man sie gefragt hat, was sie damit getan habe, gab sie an, sie habe es gegen tollwütige Hundebisse gebraucht.

Frage: Was der Bindfaden mit den vielen Knöpfen bedeute?

Antwort: Sie wechselt in den Antworten hin und her.

Frage: Ob sie katholisch sei?

Antwort: Ja, sie sei eine wahrhaft katholische Gläubige.

Frage: Warum sie das umgehängte Skapulier vom Leib gerissen, weggeworfen und daraufgespuckt habe?

Antwort: Sie bestreitet es.
Anmerkung: Das Skapulier mit dem noch darauf befindlichen Holzstück wird der Wed gezeigt. Es wird ihr auch der Gerichtsdiener vorgestellt und ihr ins Gesicht gesagt, wie sie damit umgegangen sei. Sie aber hat alles geleugnet und alles bestritten.

Am 16. April 1677 ist bei der Landgerichts-Herrschaft Friedau Dorothea Wed nach der vorher durchgeführten Untersuchung ohne Anwendung der Folter und den Konfrontationen nach Einlangen des angeforderten Berichtes und Gutachtens schließlich aufgrund des gnädigen Befehls der hochlöblichen innerösterreichischen Regierung zur Folterung verurteilt und abermals noch einmal ohne Anwendung der Folter zum Geständnis der Wahrheit ermahnt worden.
Sie erklärt, sie wolle auf alle Fragen, so weit sie eine Antwort weiß, aufrichtig antworten und die Wahrheit sagen.

Frage: Sie sei in vorigen Verhören gefragt worden, ob sie den Grund wisse und ob ihr Gewissen ihr das nicht sage, warum sie hier inhaftiert worden sei. Sie soll die Wahrheit gestehen.

Antwort: Sie habe es vor der Festnahme nicht gewusst und sie wisse auch tatsächlich den Grund nicht.

Frage: Ob sie nicht eine Zauberin sei und ob sie den Leuten nicht verschiedene schlimme Krankheiten machen könne?

Antwort: Sie sei keine Zauberin und sie könne auch mit solchen üblen Dingen nicht umgehen.

Frage: Warum sie dann solche verdächtigen Dinge aufbehalten und bei sich gehabt habe?

Inschrift friedau
Inschrift im Eingangsbereich des Schlosses Friedau (Ormož) zur Renovierung im Jahr 1635

Antwort: Sie habe dergleichen Dinge nicht mit üblen Absichten aufbewahrt und bei sich gehabt.

Frage: Ob dann diese Dinge (die ihr noch einmal vorgezeigt werden) aus ihrem Haus kommen und aus ihrem Haus gewesen sind?

Antwort: Sie bekennt sich zu allem und gibt an, sie habe es von jemand in Ungarn in Kerment gekauft. Die Sachen hätten an die 40 Taler gekostet. Die Sachen habe sie alle gegen das Augenweh gebraucht.

Frage: Sie habe doch keine solche Augenschmerzen, also habe sie es doch nicht von Nöten gehabt.

Antwort: Sie habe es für den Fall einer Notsituation und um anderen helfen zu können.

Frage: Wozu habe sie denn das Haarbüschel mit dem durchgestochenen Nagel gebraucht?

Antwort: Dieser Nagel sei zufällig in die Stofffetzen gekommen und sie habe es zu nichts Schlimmem gebraucht.

Frage: Wozu habe sie denn die Salben in den zwei Töpfen gebraucht?

Antwort: Sie habe es zu nichts Schlechtem gebraucht, sondern das sei vom Kasten, den sie in ihrer Kammer gehabt habe, in die Häfen getropft.

Frage: Die Töpfe mit den Salben seien nicht unter dem Kasten oder in der Kammer, sondern in einer Truhe neben den anderen Sachen gefunden worden.

Antwort: Sie gibt darauf keine Antwort.

Frage: Warum sie dann in der Nacht die Dinge geleugnet und sich dazu nicht bekannt habe?

Antwort: Sie habe es zu dem Zeitpunkt nicht recht verstanden und es sei alles zu verwirrend gewesen.

Anmerkung: Sie wird ermahnt, die Wahrheit zu gestehen und nicht zu warten, bis schärfere Maßnahmen ergriffen werden.

Sie will nicht mit der Wahrheit heraus, sondern wechselt in den Aussagen hin und her.
Sie wird gefesselt.
Sie gesteht nichts.
Sie wird hochgezogen.
Sie bittet gleich heruntergelassen zu werden. Sie wolle ohne Folter gestehen.
Sie wird heruntergelassen und ermahnt, das Gericht nicht zu quälen, sondern die Wahrheit zu sagen.

 

Sie bekennt, dass die Frau des jetzigen und die Frau des vorigen Richters, die Repesch und die Gera Plavetz und zwei oder drei Zigeunerinnen einen Menschenkopf gekocht hätten. Sie sei zwar nicht dabei gewesen, sondern wie sie die Kocherei gesehen habe, sei sie vorbeigegangen. Das Dienstmädchen der Repesch habe ihr das berichtet. Wo sie sich derzeit aufhalte, wisse sie nicht.

Fresko 2 Stadtpfarrkirche Friedau (Ormoz)
Fresko in der Pfarrkirche von Friedau (Ormož)

Als man sie aber gefragt hat, was diese Frauen mit dem Menschenkopf weiter getan hätten, hat die Wed lauter falsche Antworten gegeben.
Dadurch wird, nachdem diese Frauen durch die ihnen zugefügte Krankheiten einerseits tot, andererseits zwar teilweise wieder hergestellt aber nicht vollständig kuriert sind, angenommen und der Verdacht gehegt, dass die Wed die Denunziationen in der durchgeführten Untersuchung aus dem Affekt heraus und aus Bosheit gemacht hat.
Sie wird wieder hinaufgezogen.
Sie gesteht nichts.
Nachdem sie 3/4 Stunden lang an den Händen hochgezogen gehangen hat und von ihr weiter nichts zu erpressen war, ist sie heruntergelassen worden.

Anmerkung: 1. Folterung

Am 27. April ist sie abermals zur Folterkammer geführt worden. Es ist ihr nachdrücklich zugeredet worden, sie soll doch an ihren alten Körper und an ihre Seele denken und nicht so verstockt sein, sondern die Wahrheit bekennen.

Sie will nichts gestehen.
Sie wird gefesselt.
Sie gesteht nichts.
Sie wird hochgezogen.

Sie gesteht, sie habe den Bindfaden mit den Knöpfen und den Kranz aus Stoff bei sich getragen, wenn sie unter die Leute oder zur Beichte gegangen sei.

Frage: Warum sie diese Sachen, wenn sie zur Beichte oder unter die Leute gegangen sei, bei sich getragen habe, wo sie doch auch ohne solche Dinge unter die Leute oder zur Beichte hätte gehen können?

Antwort: Das habe den Zweck gehabt, dass die Leute nichts Böses über sie denken können oder sie verdächtigen und auch, dass die Leute nicht schlecht über sie reden können.

Frage: Wer ihr denn diese Sachen für diesen Zweck gegeben habe?

Antwort: Der Ivan Kosetz, auch Schreb genannt. Er sei schon seit einigen Jahren tot.

Frage: Wozu den die Knöpfe im Bindfaden seien?

Antwort: Zu dem Zweck, dass man dem, der es bei sich trage, nichts antun oder nicht schlecht über ihn reden oder ihm etwas Feindseliges tun könne.

Frage: Wenn sie niemals etwas Böses getan habe, wie sie früher gesagt hat, warum trage sie dann solche Dinge bei sich? Damit die Leute nicht schlecht über sie reden oder sie verdächtigen? Eine die fromm ist, die muss sich doch nicht vor übler Nachrede oder Verdächtigungen fürchten.

Sie sagt nichts. Es ist von ihr kein einziges Wort herauszubringen.
Auch nach weiterem scharfem Zureden gesteht sie nichts.
Nachdem nichts aus ihr herauszubringen ist und sie schon ¾ Stunden aufgehängt war, ist sie hinuntergelassen worden.
Anmerkung: 2. Folter

Nachdem sie hinuntergelassen worden ist, ist folgende Befragung durchgeführt worden:

Stadtpfarrkirche Friedau
Fresko in der Pfarrkirche von Friedau (Ormož)

Frage: Es geht um das allgemeine Gerede, wonach sie ihre Gnaden, den Herrn Regimentskanzler im Affekt an der Hand verletzt hätte, nachdem derselbe den Getreide-Zehent von ihr gefordert habe und nach ihrer Weigerung und Nichtablieferung des Zehents einen Getreide-Schober hat auseinanderreißen lassen und seine Abgabe hat wegführen lassen.

Antwort: Der gnädige Herr Kanzler ist gesünder als ich.

Frage: Wie sie das sagen könne, dass er gesund sei, wo doch sein rechter Arm völlig unbrauchbar sei und er ihn nicht verwenden könne.

Antwort: Es hätten ihr die Leute gesagt, dass er nichts habe.

Frage: Welche Leute ihr das gesagt hätten?

Antwort: Sie habe den Juri Lacusch und die Barbara Lestiack gefragt, ob Ihre Gnaden der Herr Kanzler gesund sei. Und sie hätten mit Ja geantwortet.

Frage: Was gehe sie denn Ihre Gnaden an und warum habe sie sich denn nach seiner Gesundheit erkundigt?

Antwort: Sie wechselt in ihren Aussagen und gibt keine richtige Antwort darauf.

Anmerkung: Sie wird am 28. April um 9 Uhr Vormittag auf den Hexenstuhl gesetzt.
3. Folter.

Sie ist auf dem Hexenstuhl bis um 9 Uhr des nächsten Tages - also 24 Stunden - gesessen.
Es ist bei ihr kein einziges Zeichen von Schmerzempfinden, unabhängig von verschiedenen geistlichen Mitteln, die ihr zur Vertreibung des Satans verabreicht wurden, festgestellt worden, sondern sie hat sich die ganze Zeit wie von Sinnen gezeigt. Daraus kann geschlossen werden, das der Böse Geist (Teufel) ihre Sinne durch die Phantasie und die Zerstörung der Sinne entzogen hat und so gegen sich verändert hat, damit das Opfer geschützt werde.

Am nächsten Tag, also am 29.4., als sie vom Hexenstuhl befreit worden ist, ist sie hingefallen, als ob die Seele gleich aus ihr hinausfahren wollte.
3 Stunden später ist sie wieder so frisch und gesund gewesen, als ob sie nie eine Folter ausgestanden hätte.

Nachdem sie nun bereits 3 verschärfte Foltern überstanden trotz der angewandten geistlichen und zulässigen rechtlichen Mittel nichts gestehen wollte, hat man notwendigerweise weitere Folterungen unterlassen müssen, außer wenn andere Indizien hinzukommen würden.

Am 2. Mai, nachdem die Wed frisch und gesund gegessen und getrunken hatte und an ihr keine Gefahr für ihr Leben zu merken war, wurde sie gegen Abend tot aufgefunden. Als sie vom Scharfrichter besichtigt worden ist, hat man an ihrem Hals blaue und schwarze Zeichen gefunden.

Anmerkung: In derselben Nacht gegen 11 oder 12 Uhr (als im Schloss noch ein paar Hunde da waren, das Schloss aber schon versperrt war, sodass kein Hund in das mittlere Schloss kommen konnte) ist vor dem Ort, wo die Tote gelegen ist, ein solcher Tumult von den Hunden entstanden, als ob es 200 oder 300 gewesen wären. Sie haben sich gegenseitig gebissen, als ob sie um einen Knochen oder um ein Stück Fleisch raufen würden.

Fresko in der Pfarrkirche von Friedau (Ormoz)
Fresko in der Pfarrkirche von Friedau (Ormož)

Weil die Landgerichtsfrau ihren Leuten befohlen hat, die Hunde zu vertreiben, haben ihre Leute und Bediensteten wegen des unerhörten Tumultes und dem Beißen der Hunde Angst bekommen. Sie haben sich aber dann doch ein Herz gefasst und mit Anwendung geweihter Mittel die Hunde auseinandergetrieben und vertrieben. Wie sie zu dem Ort hin gekommen sind, haben sie nichts anderes als einen schwarzen und einen scheckigen Hund vorgefunden, die sie gleich aus ihren Augen verloren hätten und daraufhin sei es wieder still geworden. Nach einer halben Stunde hat sich ein solcher Wind erhoben, als ob er das Schloss und alles mit sich in die Luft tragen wolle. Darauf habe ich (der Unterfertigte) dieselbe Annahme gemacht wie die Hunde, dass dieses Weib mit den bösen Geistern einen schrecklichen und für sie nützlichen Packt gemacht haben muss, wodurch die Geister das wahre Geständnis verhindert haben. Das Beißen und Raufen der Hund kann nichts anderes bedeuten, als dass die bösen Geister sich ihrer Zusammenarbeit gerühmt haben und das Lob, das soll mit gesundem Geist verstanden werden, unter Berücksichtigung des Teufelsfürsten Luzifer haben wollten. Der plötzlich entstandene große Wind hat die Frohlockungen der Bösen Geister in der Luft angezeigt und dass diese durch die Verstocktheit der Wed und durch das Nichtgestehen ihrer und der Komplizen Verbrechen einen Sieg errungen und so die Justiz ausgespielt haben.

Meine obigen Überlegungen und auch die starken Indizien, das Hin und Her in ihren Aussagen und die entdeckten Instrumente der Zauberei (denn dergleichen Bindfäden und Ringe sind auch bei den früheren Zauberinnen in den abgehaltenen Hexenprozessen gefunden worden und sie sind viel weniger mit dem Ziel, damit die Leute nichts Böses über sie reden oder Argwohn hegen, als viel mehr mit der Absicht, dass ihnen die Justiz nicht schaden kann, getragen worden) haben bei mir den Anlass gegeben, den Körper der Wed, weil dieser im Leben mit starken Merkmale, die halbvollständige Beweise nach sich gezogen haben, belastet war, zum Scheiterhaufen zu verurteilen und zu Staub und Asche verbrennen zu lassen.
Dieses ist am 3. Mai geschehen

Johann Georg Franz von Will
eingesetzter Bannrichter in Friedau

 

Dieses Protokoll aus dem 17. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu in unsere heutige Sprache übertragen. (Herrn Bernhard Reismann sei für die Korrektur gedankt)
Der Originaltext befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv unter COP 1677-V-4 (K738).
Eine Translieration des Originaltextes finden sie im Buch "Hexen-Report" von Alfred Seebacher-Mesaritsch.
Den freundlichen Mitarbeitern des Landesarchivs sei an dieser Stelle besonders gedankt.
Graz 2012

 

Home
Alle Prozesse im Überblick