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Prozess gegen die Marina Wukinetz wegen Zauberei
1673, Gutenhag (Hrastovec in Slowenien)

 

"Heute, am 1. Februar 1673, ist in der Gerichtsbarkeit ihrer gräflichen Gnaden Erasmus Friedrich Graf von Herberstein und den Landgerichtsherrn der Herrschaft Gutenhag, in deren Gerichtsbarkeit ihre gräfliche Gnaden die Macht und die Gewalt hat, über Menschenblut zu urteilen,

Marina Wukinetz, 57 Jahre alt,

 

Weingartenbesitzerin am Gamsgassenberg (heute Navarda in Slowenien)
der genannten Herrschaft untertan,
wegen des Lasters der Zauberei gefangen genommen und eingeliefert,
durch Georg Schosster, Landgerichtsverwalter der besagten Herrschaft, zuerst ohne Anwendung der Folter verhört worden.
Gegen sie hat Urscha Tschernick wegen Komplizenschaft bei der Zauberei vorher ausgesagt und später ihre Aussage durch Konfrontation mit und ohne Folter und schließlich mit dem Tod bestätigt.

Alte Karte
Alte Karte der Gegend zwischen Maribor und Radkersburg (ca. 1730)

Marina Wukinetz bekennt: Sie habe sich vor ungefähr 14 Jahren um Bartholomäus mit der Urscha Tschernick zerstritten, weil diese sie beschuldigt habe, dass sie mit ihrer Kuh in ihrem Garten Schaden angerichtet habe. Sie habe aber danach den Garten anschauen lassen und keinen Hinweis gefunden, dass eine Kuh darin herumgegangen sei. Es wären nur kleine Abdrücke gefunden worden, so als ob ein Reh durch gegangen wäre. Sie hätten sich vor dem inzwischen verstorbenen Suppan (Ortsverwalter) Lorenz Soretz wieder verglichen. Ungefähr 2 Jahre danach sei die genannte Urscha in Gutenhag gefangen genommen und hingerichtet worden. Vorher habe aber die Urscha bei der Gegenüberstellung angegeben, dass ihr Mann und sie beim Grädisch Kreuz bei einer teuflischen Zusammenkunft gewesen seien und dort gegessen und getrunken hätten. Sie bekennt auch, dass besagte Urscha im Schloss in der Gesindestube ihr gegenübergestellt worden sei und die Frage, ob diese Wukinetz auch tatsächlich die Komplizin sei, bejaht habe. Sie wäre dann am Nachmittag mit der Zusicherung des Wiedererscheinens  nach Hause entlassen worden.

Am selben Tag am Nachmittag ist sie abermals ohne Anwendung der Folter einvernommen und verhört worden.

Sie bekennt, dass sie und ihr Mann bei der genannten Urscha beim Sautanz gewesen seien und zwar im selben Jahr, wie sie von Lendorf herüber gezogen wären. Es seien auch die Polonia Kunätsch und ihr Mann Jansche dabei gewesen.

Am 2. Februar wird Marina Wukinetz mehrmals ohne Anwendung der Folter vernommen.
Sie bekennt weiter nichts, außer dass ihre gestrigen Aussagen alle wahr seien

Sie wird am Vormittag dieses Tages unter Anwendung der Folter vernommen.
Sie bekennt, dass das gewiss wahr sei, dass sie und ihr Mann bei der Urscha Tschernick beim Sautanz neben der Apolonia Kunätsch und ihrem Mann Jänsche dabei gewesen seien, und dass auch alles andere, was sie früher gesagt habe, der Wahrheit entspreche. Ferner sagt sie, dass ihr Mann öfters voll betrunken nach Hause gekommen sei. Und es könne schon sein dass er vielleicht unter Leuten war, die mit Zauberei zu tun gehabt hätten.
Weiteres hat sie nicht bekennen wollen.


Am 4. Februar ist sie wieder mit und ohne Anwendung der Folter verhört worden. Damals sind in ihrer Truhe gefunden worden: Verdächtige zusammengebundene Bündel mit starken Wurzeln, altes Brot und altes Schmier-Fett. Dies ist ihr neben anderen Dingen vorgezeigt worden und sie ist daraufhin befragt worden.
Sie bekennt: Den Sack Brot habe ihr eine alte Frau, die sich beim Simon Pregant aufhalte, zur Aufbewahrung gegeben, nachdem sie es am St. Peter und St. Margarethen Tag erbettelt habe.
Die Häferln mit Salben seien Kreuzschmalz von Bartholome-Butter und das Fett seien vom Krapfen Backen am Faschingtag übriggeblieben. Und das Mark aus den Beinen, das brauche sie, um die Frauen, die Kinder kriegen, einzuschmieren.
Die zwei, ihrer Aussage nach weißen Reliquien habe ihr vor 2 Jahren eine vorüberziehende Ordens-Schwester gegeben. Das wäre gut im Haus zu behalten, damit kein Feuer ausbricht.

irchenportal
Kirchenportal in Radkersburg

Das gefundene Stück Brot sei ein Feiertags-Brot.  Das habe sie als erstes gebacken, wie sie vor ungefähr 15 Monaten ihren Ofen habe machen lassen.
Früher schon, als sie an die 13 Jahre alt gewesen sei und zu Schildtern bei der alten Senekowitsch gedient habe, habe sie von ihr gehört, dass es gut sei, um es bei den Leuten gegen Fieber zu verwenden. Sie habe damit den zwei Kindern des Lorenz Schmalz im vergangenen Herbst geholfen. Auch ihrer Tochter Lucia und ihrem Enkelkind, die noch bei ihr zuhause seien, habe sie zweimal das Fieber gesenkt.
Die gefundene schwarze und angebrannte Wachskerze habe sie verwendet, als sie ihre Tochter Lucia zur Taufe getragen habe und danach immer zu Lichtmess wieder zur Weihe mitgenommen. Es sei dafür gut, wenn ein Mensch zum Sterben sei, diesem die Kerze in die Hände zu geben.
Zu den gefundenen und in eigene kleine Bündel eingebundenen alten dürren Weichselzweigen wisse sie nicht, wie die in die Truhe gekommen sein könnten. Vielleicht hätte sie wer von den Untermietern hineingelegt.

Sie bekennt: Die Salben in den kleinen Häferln hätte die Mutter des Mannes ihrer Tochter, die auf der anderen Seite der Traag bei Zwentendorf wohne, gebracht, um eine Geschwulst ihrer Tochter damit zu behandeln.
Sie bekennt, das Kräutl, Depich genannt, habe ihr eine alte Frau, die in Rosswein wohne, vor ungefähr 4 oder 5 Jahren aus St. Wolfgang mitgebracht. Es wäre gut gegen das Schrecken bei den Kindern.
Die 3 Pfennig, die in einem Bündel zusammengebunden gewesen seien, habe sie von der selben Bettlerin, die ihr das Brot zum Aufbewahren gegeben habe, bekommen. Nachdem aber die Bettlerin deswegen festgenommen und mit ihr konfrontiert worden sei, habe sie das zuerst geleugnet, danach aber gestanden.

Am 4. Februar um halb 5 Uhr Nachmittag ist die Täterin auf den Hexenstuhl gesetzt worden.

Am 5. des Monats ist ihr die Frau des Lorenz Schmalz, deren Kinder sie das Fieber gesenkt habe, gegenübergestellt worden.
Diese hat ausgesagt, dass sie nicht die richtige sei, sondern nur ihre Schwester, die Gera, habe ihren Kindern das Fieber gesenkt.
Besagte Frau Schmalz sagte auch, dass sie von der Wukinetz niemals eine Arznei verlangt habe.

Am 6. Februar ist die vorher genannte Gera, die Schwester der Frau des Lorenz Schmalz, ihr (der Täterin) gegenübergestellt worden und hat in gleicher Weise der Täterin widersprochen, dass sie ihr etwas gegeben habe. Aber ihrem Mann habe sie wohl ein wenig Brot gegeben. Der habe es aber von der Tafel den Hunden vorgeworfen. Die Täterin antwortet weiters, es wäre eben von diesem Berg eine andere Frau gekommen, der sie so ein Brot gegeben hätte. Sie wisse also nicht, wer diese Frau wäre.

Am selben Tag wird der Täterin der Thomas Ferlitsch gegenübergestellt, weil er von ihr gehört habe, dass sie in seinem Haus davon geredet habe, dass die Schwiegertochter des Adam Kotzbeck einmal, als sie auf einem Misthaufen ihre Notdurft verrichten ging und bald danach erkrankt und gestorben sei, unter die Hexenweiber gekommen sei. Und es müsste die Frau des Jenschen, die damals krank gewesen sei, nun auch unter diese Hexenfrauen gekommen sein. Das hat die Täterin aber leugnen wollen. Sie habe nur gesagt, die “wilden Weiber”, doch danach hat sie dies gestanden.
Sie bekennt ferner, dass es in Trafeld allgemein heiße, dass die Leute von dort Hexenweibern seien. Sie will aber nicht gestehen, welche Frauen das seien.

Altes eisernes Tor in Radkersburg

Am selben Tag ist die Täterin vom Scharfrichter untersucht worden und es sind an ihrem Körper zwei Zeichen, und zwar eines auf der linken Seite, das andere an der rechten Achsel gefunden worden. In beide ist mit einer Nadel ziemlich tief hineingestochen worden. Dabei hat sie nicht gezuckt, als ob sie unempfindlich wäre. Vom Stich an der Achsel war nur eine Nadelspitze Blut zu sehen, an der linken Seite aber ist gar nichts zu sehen gewesen.
Nach einer Weile dazu befragt, ob sie das Stechen gespürt habe, antwortete sie: Wenn der Körper gesündigt habe, dann könne er auch büßen, deshalb habe sie nichts sagen wollen.

Nachdem danach der hoch- und wohlgeborene Graf und Herr Erasmus Friedrich Graf von Herberstein sein gnädiges Vertrauen in mich gesetzt hat und mich zum Bannrichter ernannt hat, bin ich am 6. Februar 1673 zur Fortführung dieses Hexerei-Prozesses nach Gutenhag gekommen und habe am selben Abend Marina Wukinetz vom Hexenstuhl abbinden und zur Ruhe legen lassen."

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(Bannrichter Wolf Lorenz Lämpertitsch ließ die Angeklagte am Abend des 7. Februar am Hexenstuhl festbinden.)
"Am 8. desselben Monats um 8 Uhr früh habe ich die Täterin wieder vom Hexenstuhl abbinden lassen, gefolgt von nachdrücklichem Zureden, in der Meinung, von ihr ein Geständnis durch lang dauerndes Nachsetzen zu erreichen. Weil aber die Täterin hartnäckig rein negativ verharrte, habe ich sie um 8 Uhr abends von neuem auf den Folterstuhl setzen lassen.

Am darauffolgenden 9. ist die Täterin um 7 Uhr früh vom Hexenstuhl wieder losgebunden worden. Daraufhin habe ich ihr abermals aufs eindringlichste zugeredet, dass sie als Bekehrte ein Geständnis machen soll und sich von weiteren Qualen bewahren soll. Weil aber mein nachsichtiges Ermahnen bei ihr nicht verfangen wollte, habe ich befohlen, sie am zuletzt genannten Datum über Nacht am Hexenstuhl anzubinden und den Sitz des Hexenstuhls zu schärfen.

Am 10. Februar in der Früh um 7 Uhr habe ich die Täterin wieder abbinden lassen und sie darauf im Guten ausführlichst zum Geständnis ermahnt. Weil sie aber in ihrem Widerstand verstockt geblieben ist, habe ich um 7 Uhr abends den Befehl gegeben, das Hexenstuhl-Sitzen zu wiederholen und an den Schuhsohlen ein brennendes Pflaster aus Talg aufzulegen.

Burg Hrastovec Außenansicht
Burg Hrastovec (Gutenhag)

Am 11. Februar um 7 Uhr habe ich sie wieder von ihrem nächtlichem Sitz erlösen lassen. Am darauffolgenden Nachmittag habe ich ihr so viel wie möglich zugeredet, dass sie sich endlich zum Geständnis bequemen solle. Nachdem ich mit langmütiger Güte nichts ausgerichtet habe, ist die Täterin abends um 7 Uhr mehrmals auf den Hexenstuhl gesetzt worden, um das Geständnis von ihr zu erreichen und sie ist abermals mit 2 Talg-Pflastern auf den Schuhsohlen gebrannt worden.

Am 12. Februar um 7 Uhr früh, bevor die Täterin vom Hexenstuhl losgebunden worden ist, ist sie mit Talgpflastern an der Sohle und am Vorderfuß, jedoch bei angezogenen Stiefeln, gebrannt worden, aber vergeblich und ohne ein Geständnis zuwege zu bringen. Danach ist sie am Abend um 6 Uhr wieder auf den Hexenstuhl gesetzt worden, auf dem sie bis zum 13. am Abend sitzen geblieben ist, da nur mittels aller vorgesehenen und entsprechenden Foltern von der Täterin einige Geständnisse zu erreichen sind, sie ist dann dennoch zur Ruhe zurückgebracht worden.

5 Tage danach, am 18. Februar in der Früh, hat sie in ihrem Ruhe-Lager zu den Türstehern der Herrschaft gesagt, die Teufel hätten ihr in der letzten Nacht keine Ruhe gelassen, sondern neben anderen unangenehmen Dingen aus ihren Füßen Blut in ein Schaffel gelassen und dasselbe davon getragen. Zur Erkundigung der Sachlage, ob vielleicht die Frau bei dem Gesagten phantasiert habe, bin ich gleich nach 1 Uhr Nachmittag mit Primus Risner, dem Spitalverwalter der Herrschaft Gutenhag in St. Leonhard persönlich zu ihr gegangen und mich mit der Täterin ausführlich unterhalten. Sie hat dabei nicht nur vernünftig und keineswegs verwirrt geantwortet, sondern hat um 7 Uhr abends desselben Tages zu ihrer Wärterin gesagt, sie werde heute in der Nacht um 12 Uhr sterben, denn ihre Zeit sei nun aus. Aus diesem Grund ist Herr Georg Schosser, der Verwalter der Herrschaft, zusammen mit dem genannten Primus Risner nach 9 Uhr abends abermals desselbenTages abgeordnet worden, die Täterin zu besuchen. Sie hat zu den Besuchern gesagt, dass sie viele weiße Frauen auf den Dächern sehe. Sie hoffe, dass sie bald bei ihnen sein werde. Nachdem beide ihr mit geistlichen Ermahnungen gut zugeredet haben und sie solle sich das aus dem Sinn schlagen und nachdem sie sie mit Weihwasser und dem Kreuzzeichen gesegnet haben und ihr auch Taufwasser zu trinken gegeben haben, haben sie sie in Ruhe verlassen.

Eine Stunde später war wieder wildes Schreien von ihr zu hören. Deswegen gingen der erwähnte Herr Schosser mit dem Primus Risner nach 10 Uhr in der Nacht abermals zu ihr, nach denen die Verhaftete verlangte, weil in ihrer Kammer alles voll Teufel sei wie Laub und Gras, darunter befänden sich große, abscheuliche mit hellen Augen, die sie quälten und herumgingen.

Je mehr die beiden Herren ihr dies auszureden versuchten, desto mehr bekräftigte sie ihre Worte mit Schwüren. Beiden Herren stiegen die Haare zu Berge. Sie haben sich selbst und die Sünderin immer wieder bekreuzigt, mit geweihtem Wasser besprengt und sie mit klugen tröstenden Worten beschwichtigt und schließlich die Verhaftete gefragt, ob sie sich vor den bösen Geistern jetzt nicht mehr fürchte. Sie hat mit Nein geantwortet und die Herren sollen sich nur zur Ruhe begeben. Sie fürchte sich gar nicht  vor den Gespenstern.

Tor zur Burg Gutenhag
Burg Hrastovec (Gutenhag)

Um 12 Uhr Mitternacht war ihr Geschrei noch lauter zu hören als vorher. Deswegen haben die genannten Herren sie wieder aufgesucht. Sie hat zu ihnen gesagt, dass sie von den Teufeln keine Ruhe hätte. Vier von ihnen würden sie peinigen, mit Stricken zusammenbinden, das Blut aus den Füßen herausziehen, die anderen plagten sie auf andere Weise. Beide Herren trösteten sie von Neuem und so gut wie möglich nach christlichem Brauch. Sie hielten die Täterin an, doch ein “Vater unser” und ein “Ave Maria” nachzusprechen. Nach verrichtetem Gebet sagte sie, das Beten helfe auch nichts mehr. Es seien zu viele Teufel. Die Mutter der Teufel halte sie bei den Haaren fest, ihre Kinder gingen um sie herum. Die Täterin bat die Herren, sie sollten den abscheulichen Satan, der mit einem Stecken da stünde und sie erschlagen wolle, erstechen. Sie hat oft wiederholt: “Da ist er, stechts ihn, erstechts ihn....”
Beide Herren versuchten, ihr das auszureden, aber es wollte bei ihr nicht verfangen, denn sie beteuerte mit Schwüren bei ihrer Seele, dass alles wirklich sei. Als nun das Grausen bei beiden Herren zugenommen und sie von der Täterin weggehen wollten, bat diese, die Herren mögen noch bei ihr bleiben, sonst würde sie von den bösen Geistern noch größere Angriffe erleiden müssen. Hierauf ist sie mit einer Wächterin, die noch bis 3 Uhr früh bei ihr gewacht hat, und außerdem mit brennenden Kerzen versorgt worden, ohne zu schlafen ruhig geblieben.

Am 19. des Monats um 8 Uhr früh ist die Täterin wieder besucht und gefragt worden, ob sie nicht etwa eine Suppe essen wolle. Obwohl ihr die Wärterin 3 Löffel Suppe und einen Becher Wein vermischt mit Weihwasser gegeben hat, sagte sie, sie hätte weder gegessen noch getrunken und möchte gerne beichten. Sie wurde gefragt, wie die Nacht gewesen sei und wie sie geschlafen habe. Sie beantwortete die Frage mit “Gar nicht, denn die Angriffe des Bösen Feindes hätten nicht aufgehört. Ihr sei unter anderem das Blut aus den Händen und den Füßen in ein Häferl gesogen worden und sie hätten es untereinander ausgetrunken und sie hätten ihr Wüten erst nach dem ersten Hahnen-Schrei beendet.”

Beide Herren redeten ihr zu und fragten sie, woher das komme, dass sie so viele der bösen Anfechtungen erleiden müsse. Vielleicht sei es deshalb, weil sie sich mit ihnen verbunden habe. Sie solle doch bekennen. Jetzt wäre die Zeit, ihr in geistlicher Weise zu helfen. “Nein”, sagte sie, “ich habe mit ihnen nichts zu tun, außer damals, als ich vor 8 Tagen aufs Blut gequält worden bin, da standen 4 Teufel neben mir. Vielleicht, dass ich damals einen erzürnt habe. Der Herr Verwalter tröstete sie nach christlicher Lehre, betete neben ihr und machte über ihr das Kreuzzeichen. Und als die Herren sie weiter über die Umstände ihrer schrecklichen Erzählungen befragten und ihr noch mehr ins Gewissen reden wollten, hat sie ein so verrücktes Gesicht und einen so verzerrten Mund gemacht, dass die beiden Visitatoren ganz erschrocken und entsetzt waren. So sehr, dass der Primus Spital-Verwalter nach mir (Wolf Lämpertitsch) geschickt hat, um das anzusehen. Obwohl der Herr Verwalter dort bleiben wollte, ist ihm ein solches Grausen gekommen, dass er auch hinausgegangen ist. Und obwohl ich mich ohne Verzug zur Täterin begeben habe, ist sie doch inzwischen, jedoch bis zu ihrem letzten Augenblick mit klarem Verstand und ohne die Sprache verloren zu haben, urplötzlich verschieden, sodass es nicht möglich war, ihr mit einem Beichtvater oder anderen geistlichen Mitteln zur Hilfe zu kommen.
Aus diesem Verlauf ist vermutlich nicht abzuwenden, dass alle ihr angetanen Qualen der böse Geist an ihrer Stelle nicht nur übertragen geholfen hat, sondern dass auch durch ihre eigenen Bekenntnisse (wie sie von den bösen Geistern geängstigt worden ist) klar wird, dass sie, obwohl nach den ausgestandenen Torturen die Täterin stets in reiner Leugnung verharrt ist, gleichwohl formal eine Hexe gewesen sein muss. Es ist auch zu bedenken, dass von keiner göttlichen Vorsehung  jemals zu hören war, bei der Gott der Allmächtige bei einem frommen Christen-Menschen in seiner letzten Stunde dem Teufel so übermäßige Gewalt zugelassen hätte und jemand so offensichtlich an Leib und Seele anzugreifen und zu versuchen. Wenn daher die Verstorbene am Leben geblieben wäre, hätte gegen sie neuerlich ein Prozess gemacht werden müssen.
So aber muss es mit dem Prozess für diesmal sein Bewenden haben und er  ist damit abgeschlossen.

Ihr Körper ist am 19. des Monats vom Scharfrichter in einem in der Nähe gelegenen kleinen Grabloch zu nächtlicher Stunde begraben worden. "

Akt Gutenhag, den 20. Dezember 1673
Wolf Lorenz Lämpertitsch

 

Wappen an der Burg

Wappen an der Burg Gutenhag (Hrastovec)

Anmerkung:
Dieses Protokoll aus dem 17. Jahrhundert wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu mit Unterstützung von Bernhard Reismann (herzlichen Dank für die Korrektur) in unsere heutige Sprache übertragen.
Das handschriftliche Prozessprotokoll in Druckbuchstaben übertragen findet man in den Steiermärkischen Geschichtsblättern aus dem Jahr 1882 (S.158ff).
Graz 2011

 

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