Home

 


Der Prozess gegen Stefan Zechner (vulgo "Steffl am Hoff")

 

Anmerkung:Im September des Jahres 1659 sind in St.Peter Freienstein 3 "Verbrecher" hingerichtet worden.Über den Prozess gegen sie ist nichts bekannt. Unterlagen existieren nicht mehr. Nur ihre Vornamen sind noch bekannt: Veit, Niggl und Bärtl.
Unter Folter haben sie gestanden, dass sie Zauberei betrieben hätten.Und sie gaben auch zu, noch andere Zauberer zu kennen. Den Stefan Zechner (vulgo "Steffl am Hoff") aus Semriach zum Beispiel.
Es war nicht das erste Mal, dass dieser bei einem Zauberei-Prozess genannt worden ist. Schon 1657 hat ihn der "Grindige Hansl" in Rottenmann denunziert. Er nahm seine Anschuldigungen aber wieder zurück. Zwei Jahre später war es ein Marx Rueprecht in Kapfenberg, der unter Folter angab, dass der Steffl am Hoff ein Zauberer sei und einen Bund mit dem Teufel eingegangen sei. Auch er hat seine "Anschuldigung" wieder zurückgenommen.
Es ist kein normaler Zauberei-Prozess, der hier gegen einen 80jährigen Bauern geführt wird. Fünfmal ist dieser Bauer schwer gefoltert worden. Und kein einziges Mal hat er Schwäche gezeigt. Leider sind die Aufzeichnungen über diese vorangegangenen Prozesse verloren gegangen.
Aber es ist etwas Besonderes erhalten geblieben: Das wörtliche Protokoll der Auseinandersetzung zwischen dem in diesem besonderen Fall eingesetzten Regierungeskommissär Caluuci und dem "einfachen" und unbeugsamen Bauern Stefan Zechner. Es ging nur mehr darum, neue Namen von "Komplizen" zu erpressen.
Lesen Sie selbst das Protokoll des Gesprächs zwischen dem Kommissar Caluuci und dem bereits zum Tod verurteilten Stefan Zechner.

Im Anschluss daran finden Sie das Protokoll der Hinrichtung des Stefan Zechner.



Protokoll des Gesprächs zwischen dem Kommissar Caluuci und dem zum Tode verurteilten Stefan Zechner (Steffl am Hoff) aus Semriach in der Steiermark

 

9. April 1660, St. Peter am Freienstein

Kommissar Caluuci: Es ist durch die Rechtsgelehrten und die innerösterreichische, kaiserliche Regierung das Urteil ergangen und bestätigt worden: Du bist des Todes schuldig. Sag also jetzt, wer deine Komplizen sind.

Stefan Zechner (alias Steffl am Hoff): Ich weiß niemand. Ich bin mein Leben lang nie ein Zauberer gewesen. Ich bin rein wie ein kleines unschuldiges Kind und ich werde in den Himmel hinauf gehen.

Kommissar Caluuci: Was willst du lang leugnen! Du musst sterben. Es hilft nichts. Nenne daher deine Mittäter, die mit dir entweder geflogen sind und Wetter gezaubert haben, mit dem Teufel Unzucht getrieben haben oder andere Untaten der Zauberei begangen haben.

Stefan Zechner: Ich habe mein Leben lang nie irgendetwas in der Art begangen. Ich kenne auch niemanden, der zaubern kann. Wenn ich schon sterben muss so sterbe ich selig wie ein kleines Kind. Ich will sterben gehen. Es schauen dieselben zu, die diese Angaben gegen mich gemacht haben und deretwegen ich leiden muss. Sie werden es in der Hölle büßen müssen.

 
Eisentür im Schloss Friedhofen – St. Peter Freienstein
 

Er fügt von sich aus hinzu: Ich weiß, was ich getan habe.

Kommissar Caluuci: Was hast du denn getan?

Stefan Zechner: Alles war gut. Ich hab den Leuten geholfen, mit Geld, Getreide und vielem anderen.

Kommissar Caluuci: Wo hast du diese Mittel herbekommen.

Stefan Zechner: Ich habe es von meinem Grund genommen. Ich habe zwei Wirtschaften. Eine hab ich geerbt. Die andere hab ich erheiratet. Ich könnte diese 2 Wirtschaften für 3000 Gulden verkaufen.

Kommissar Caluuci: Du sollst dich nicht entschuldigen. Das Urteil ist schon ergangen. Du musst sterben. Es geht zum Ende. Bekenne deine Komplizen.

Stefan Zechner: Ich hab keine Komplizen. Ich hab mein Leben lang nie mit solchen Sachen zu tun gehabt.

Kommissar Caluuci: Du weißt sehr gut, was man in St. Lambrecht und in Kapfenberg über dich ausgesagt hat. Und was schließlich die drei hier in St. Peter Verurteilten und Hingerichteten über dich ausgesagt haben.

Stefan Zechner: In St. Lambrecht bin ich nie gewesen. Was der in Kapfenberg über mich ausgesagt hat, dafür hat er sich entschuldigt. Und die anderen 3 sind zu Unrecht gestorben. Sie sind zum Teufel gefahren. Ich aber werde sterben wie ein unschuldiges Kind. Ich habe das Leben nicht verwirkt.

Kommissar Caluuci: Du weißt wohl, dass jeder, der zum Sterben kommt, die Wahrheit bekennt. Bekenn auch du die Wahrheit und denk an die ewige Seligkeit deiner Seele. Ich kenne es dir an deinen Augen an. Bekenn die Wahrheit.

Stefan Zechner: Ich will gern sterben. Wenn ich es nur verschuldet hätte. Nein. Nein. Mein Herr Doktor. Das ist eine Unwahrheit. Wie kann das sein, dass man es mir an den Augen ankennt.

Kommissar Caluuci: Willst du deine Komplizen nicht nennen. Willst Du sterben und so deine ewige Seligkeit verlieren.

Stefan Zechner: Sterben schon, aber die ewige Seligkeit nicht verlieren.

Kommissar Caluuci: Hast du nicht einen mit dem Namen Meden-Bauer gekannt, der vor 30 Jahren in deinem Haus gewesen ist und danach verbrannt worden ist? Und diejenigen, die vor 40 Jahren, wie du im vorigen Prozess bekannt hast?

Stefan Zechner: Ich hab nie jemand gekannt, der so geheißen hat. Ich weiß auch nicht, wie diese Leute geheißen haben.

Kommissar Caluuci:
Er ist abermals ermahnt worden, die Wahrheit zu sagen und seine Komplizen und Gefährten zu nennen.
Er solle Gott fürchten und ihn vor Augen haben.

Stefan Zechner: Ich kenne niemand. Ich weiß auch sonst nichts. Ich habe keine Komplizen

 

 
 
St. Peter - Freienstein - Pfarrkirche

.

10. April im Jahr des Herrn 1660

Bevor man ihm das "Zeichen" ausgeschnitten hat, hat der Scharfrichter mit einer ziemlich dicken und langen Nähnadel hineingestochen. Der Steffl hat damals gezuckt aber nicht geblutet. Als der Freimann aber in das Zeichen mit einem Schermesser sehr tief hineingeschnitten hat, ist schwarzes Blut herausgekommen.

Kommissar Caluuci: Steffl, bekenne deine Komplizen! Jetzt hast du noch Zeit. Du musst doch sterben!

Stefan Zechner (alias Steffl am Hoff): Ich will gern sterben. Ich weiß nichts. Ich kenne keine Komplizen. Ich hab keinen Komplizen. Ich will lieber sterben als eine Unwahrheit sagen.

Kommissar Caluuci: Du bist ein Lügner!

Stefan Zechner: Ja ich bin ein Lügner, ich weiß nichts.

Kommissar Caluuci: Wenn du ein Lügner bist, dann sag die Wahrheit.

Stefan Zechner: Ich weiß keine, ich weiß keine!

Kommissar Caluuci: Willst du lieber sterben oder leben?

Stefan Zechner:( Er spricht und hat dabei die Augen immer auf die Erde gerichtet.) Ich will lieber sterben.

Nachdem der Steffl am Hoff ziemlich lang verhört worden ist und er schon etwas bleich, matt und schwach geworden war, ist er wieder in das Gefängnis geführt worden.

 


12. April, Anno Domini 1660, 10 Uhr vormittags

Als er ausgezogen war und das Zeichen, das Samstag früh ziemlich tief heraus geschnitten worden war, besichtigt worden ist, wurde festgestellt, dass der Schnitt am Montag darauf fast ganz heil gewesen ist, was dem Barbier, der auch dabei war, nicht natürlich vorgekommen ist.

Inzwischen hat der Steffl am Hoff am Tag zuvor, also am Sonntag um 2 Uhr, gegen die Fenster gewandt, mit sich selbst geredet:

"Hat der Grazer Scharfrichter mit mir nichts richten können, noch heraus bringen können, so wird er auch weiterhin mit mir nichts richten können."

Das hat der Georg Schwaiger, ein Weber gehört, der mit ihm zusammen gleichfalls an beiden Füßen angekettet gewesen ist. Die Dienstmagd des Landgerichts-Dieners, mit Namen Magdalena, hat bei ihrem Gewissen auch dies ausgesagt.

Als er (der Steffl am Hoff) dazu befragt und konfrontiert worden ist, hat er alles mit Nein beantwortet und bestritten.

Kommissar Caluuci: Weißt Du nicht, dass der Marx Rueprecht in Kapfenberg über 14 Personen, die seine Komplizen waren, ausgesagt hat, um seine Seele zu retten.

Stefan Zechner (alias Steffl am Hoff): Herr Jesus Christ! Ich weiß nichts. Er hat mir Abbitte geleistet. (Mit ziemlich starker Stimme.) Ich weiß wirklich niemand.

Er wurde abermals ermahnt, dass er die Wahrheit zu sagen hat.

 
 
Maria Freienstein Wallfahrtskirche - Leidender

 

 

Kommissar Caluuci: Bekenne, wer deine Komplizen waren. Willst du dich lange martern lassen?

Stefan Zechner: Ich weiß niemand

Kommissar Caluuci: Denk an die ewige Seligkeit deiner Seele und an Gott den Allmächtigen.

Stefan Zechner: O weh! Ich weiß nichts! Erbarms Gott im Himmel!
( Dies hat er mit laut schreiender Stimme wiederholt.)

Kommissar Caluuci: Besinn dich auf Gott und widersage dem Teufel!

Stefan Zechner: Nein, Nein! Ich weiß nichts!

Kommissar Caluuci: Der Teufel hat dich verlassen, Steffl.

Stefan Zechner: Joda, joda!
Von sich aus fügt er noch hinzu: Ich hab den Teufel nie gesehen. Ich weiß nichts. Mir geschieht Unrecht.

Aufgrund der Tatsache, dass die Schwefelpflaster von selbst schon auslöschen wollten und das fast eine viertel Stunde fortgesetzt worden ist und auch ein Bündel Kerzen zur Folter angezündet worden sind, hat man ihn dann mit unterschiedlichen approbierten Heilmittel behängt. Auch solche heilige Dinge, wie Öl und Weihwasser hat man ihm eingegeben. Dadurch ist ihm ziemlich schwarz geworden und er wäre fast in Ohnmacht gefallen. Er ist durch Labungen wieder erfrischt worden und um 11 Uhr in der Luft gehangen. Er hat jedoch immer gesagt:

Man mache mit ihm, was man wolle. Man soll ihm das Herz herausbrennen, er wisse von keinem Komplizen.

Danach ist er wieder in das Gefängnis geführt worden.

 

 

 

 

Kundmachung zur Hinrichtung des Stefan Zechner
(Steffl am Hoff) am 15. April 1660

 

Sonnenuhr an der Pfarrkirche von St. Peter/Freienstein  
Sonnenuhr an der Pfarrkirche von St. Peter/Freienstein
 

Es soll kundgetan werden, damit es bekannt ist und jeder weiß, dass hier beim Landgericht Freienstein am 23. September des vergangenen Jahres 1659 die 3 Delinquenten mit Namen Veith, Niggl und Bärtl wegen der von ihnen gestandenen und nachgewiesenen Zauberei zusammen mit anderen höchst strafbaren begangenen Taten durch das Feuer hingerichtet und eingeäschert worden sind.

Außerdem haben sie auch sehr beständig insbesondere gestanden, dass der Steffl am Hoff ihr Komplize bei der Zauberei gewesen ist. Dem hat dieser aber immer, auch nach 5 schweren Folterungen, widersprochen. Aus diesem Grund ist auch dann von den wohlbedachten Landesgerichts-Herren entschieden worden, diesen Fall bei der hochlöblichen Inner-Österreichischen Regierung beraten zu lassen und auch unterschiedlichen Rechtsgelehrten zu übergeben und es ist befohlen worden, ein Urteil zu fällen.

Nachdem dann diese Doktoren in 2 unterschiedlichen Zusammenkünften nach reiflicher Abwägung übereinstimmend erkannt und zu Recht gesprochen haben,dass dem Steffl am Hoff das Zeichen der Zauberei aus dem Körper geschnitten werden soll, dass er über seine Komplizen ohne Folter und je nach Sachlage auch mit Folter verhört werden soll, dass über den weiteren Verlauf berichtet und schlussendlich das Urteil wirklich vollzogen werden soll.

Dementsprechend ist dies alles am 12. April gehorsam vorbereitet worden. Es wurde ein öffentlicher Gerichtstag für Kapitalverbrechen für den 15. dieses Monats festgesetzt.
Wie üblich sind 10 Beisitzer eingesetzt worden. Diese haben dann auch einhellig für billig erkannt, dem Befehl der höchstbedachten Regierung mit der Exekution den schuldigen Gehorsam zu leisten, sodass ich demnach auch diese Exekution wie von Amts wegen befohlen und entsprechend der kaiserlichen Resolution mit gebührender Ordnung vollzogen und schuldigsten Vollzug geleistet habe.

Es wurde also Stephan Zechner, allgemein Steffl am Hoff genannt, zur üblichen Hinrichtungsstätte geführt, dort mit dem Seil erwürgt und schließlich sein toter Körper wie bei anderen Zauberern auf dem Scheiterhaufen zu Asche und Staub verbrannt.

 

 

 
 
Wallfahrtskirche Maria Freienstein

 

 

Im Beisein der Genannten und insbesondere der Herrn Beisitzer mit den Namen:

Rechte Seite:
Michael von Pilenstein
Koloman Zäller
Thomas Bärbälän
Niklas Grill
Bärtl Kastner

Linke Seite:
Christoph Wagner
Andreas Markonitsch
Urban Lindtmayr
Tobias Pfeilmayr
Joachim Wagner

 

 

 

 

 

Mit diesem ausdrücklichen Anhang:

Aufgrund der Arreststrafe des Steffl am Hoff, seiner Beharrlichkeit und seinem Widersprechen gegenüber dem löblichen Landgericht und aufgrund der vielen Versäumnisse und der besonders großen Unkosten, die er mutwillig verursacht hat, sollen seine Erben gemäß dem Artikel 42 der Steirischen Landgerichtsordnung dazu angehalten werden, von den hinterlassenen Gütern und der Erbschaft des Steffl am Hof alle verursachten Unkosten, Nahrung, Kosten der Bewachung, Unterkunft und Verpflegung, Aufwendungen, wie dies auch alle heißen mögen, so viel man rechtmäßig feststellen wird, vollkommen zu refundieren und zu erstatten.

Gott sei seiner Seele gnädig und barmherzig!

Johann Andreas Barth
(Bannrichter)

 

 

 

 

 
St.Peter Freienstein Schloss Friedhofen Haupteingang
 

 

 

Nachtrag:

 

Dass aber dieser hier hingerichtete Steffl am Hoff ohne Zweifel mit dem Bösen Geist zu tun oder einen Pakt mit ihm gehabt hat, ist an den seltsamen Vorgängen vor seinem Tod zu erkennen. Am Tage vor seinem Tod, als man den Scheiterhaufen errichtete, hat während der Arbeit ein Bürger aus Leoben, Paul Egger, neben anderen Bauern und dem Scharfrichter selbst, gesehen, dass 7 Vögel mit schwarzen und weißen Flügeln, so groß wie Gänse, und ein kohlschwarzer Rabe in Form eines Tanzes wundersam um den Scheiterhaufen herum geflogen sind und wie 9 Kreise geflogen haben.

Wie auch zusätzlich der Steffl einen Tag vorher seinen Herrn Pater öffentlich konfrontierend gefragt hat, ob auch nach diesem Leben ein anderes Leben sein sollte.

Johann Andreas Barth
(Bannrichter)

Original im Steiermärkisches Landesarchiv: EA 1660-IV-27
Übertragung der handschriftlichen Protokolle: Siegfried Kramer
Graz 2010

Hinweis: Dieses Protokoll wurde von Siegfried Kramer mit Unterstützung von Bernhard Reismann (dem ich für die Korrektur herzliche danke) in unsere heutige Sprache übertragen.
Ich danke auch den außerordentlich freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Steiermärkischen Landesarchivs.

 

 

Home
Alle Prozesse im Überblick