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Die Verfahren gegen Andreas Zechner

 

Aus dem Steiermärkischen Landesarchiv ( GBI4346):

"Am Margarethentag 1686 ist ein Schreiben vom Bannrichter von Stübing gegen den Andreas Zechner in Zauberei-Angelegenheiten heraufgeschickt worden. Weil aber vom Bannrichter das Verhör-Protokoll nicht wie üblich beigelegt worden ist, hat man den Andreas Zechner nicht verhaftet und sich bei der  löblichen Regierung beklagt. Der Bannrichter aber hat die Anordnung nicht abgewartet, sondern die betreffende Person ohne Aufschub hinrichten lassen. 

14 Tage darauf hat ein gewisser Koloman Paur abermals gegen den erwähnten Zechner ausgesagt. Also hat der Bannrichter abermals hingeschrieben und das Protokoll der Aussage beigelegt. Daher ist er zur Konfrontation nach Stübing überstellt worden. Und weil der Koloman Paur bei seiner Aussage geblieben ist und auch dafür  gestorben ist, ist der Andreas Zechner als Verbrecher erkannt und sicher in  Eisen gelegt worden. Dagegen ist von seiner Herrschaft aus protestiert worden. Die hat aber weiter nichts ausrichten können, als dass er nach Thannhausen bei Weiz überliefert werden soll, weil er ohnedies dieser Herrschaft zugehörig ist. 

Taschen bei Semriach
Kapelle auf der Taschen bei Semriach

Als er dann am 13. November auf die Taschen (Übergang von Peggau nach Semriach in der Steiermark) zum Kreuz, wo die Grenze ist,  hinaufgeführt worden ist, geschah das im Beisein des Landgerichts-Verwalters der Herrschaft Eggenberg, der aber nur aus Gutwilligkeit und nicht aus Gerechtigkeit dazu gelassen worden ist. Damit aber dies für die Herrschaft Peggau kein Präjudiz sein soll, hat der Richter von Semriach als dazu gebetener Zeuge eine Bestätigung abgegeben. Dieser Zechner ist dann nach Thannhausen geführt und dort gefesselt worden und an die 36 Stunden und zweimal auf dem Hexen-Stuhl gesessen. Weil er aber nichts gestanden hat, ist er wieder losgelassen worden. Er war aber ganz elend beeinander, weil die Strick die ganze Haut abgelöst haben und er hat 19 Wochen nichts tun können und im Haus bleiben müssen.

Danach ist in Bruck abermals eine Person mit dem Vorwurf der Zauberei vorstellig geworden und hat wieder gegen den Andreas Zechner ausgesagt; dass er ihn nämlich auf dem Schöckl bei der Hexengesellschaft gesehen hätte, wo gegessen und getrunken worden sei. Nachdem man aber diesen Andreas Zechner bei der Gegenüberstellung neben zwei anderen hingestellt hat, die ihm in der Gestalt etwas ähnlich gesehen habe, hat der Ankläger  in der Aussage etwas gewankt und bald auf den Zechner und bald auf den anderen gezeigt. Zechner ist daher wieder frei gelassen worden."

 

Auszug aus dem kaiserlichen Banngerichtsprotokoll im Landgericht Waldstein, den 24.Juli.1686

"Maria Hornnegger hat im geheimen Recht im Beisein der unten unterschriebenen Herren Beisitzer nochmals standhaft bekannt und ausgesagt, dass sie den sogenannten Zechner Anderl zweimal bei der Hexengesellschaft gesehen habe. Das erste Mal im vorigen Jahr, am Nachmittag um 3 oder 4 Uhr auf dem Plesch, wo er damals gleichzeitig mit ihr hingekommen sei. Sie habe ihn zu dieser Zeit noch nicht gekannt.

Rechberg bei Semriach
Kreuz in Rechberg bei Semriach

Am darauffolgenden Bartholomä-Abend um Mitternacht habe der Böse sie auf den Schöckl hinaufgetragen, wo alles so hell war wie am Tag. Dort habe sie der Böse neben dem Anderl Zechner (der sei neben 2 höheren schwarz gekleideten Männern gestanden) ungefähr 3 Schritt von ihm entfernt abgesetzt. Die 2 schwarzen Männer hätten dem Zechner Anderl, auf diese Art und Weise zugeprostet: Für Dich, Zechner Anderl. Darauf hat der Zechner Anderl gesagt: Es segne dir es Gott! Er hab aus einem Krug getrunken. Die Angeklagte habe alle diese Reden gehört, und dann aufgeräumt. Außerdem hat sie sich auch erinnert, dass sie ihn, den Zechner Anderl, auch schon früher am St.Jakobi Abend auf dem Plesch gesehen habe.
Dieser Zechner Anderl wäre wohl dick und gedrungen vom Körper her, nicht besonders groß, im Gesicht nicht sehr feist aber auch nicht sehr mager. Er habe des weiteren eine nicht zu grobe, aber auch nicht zu feine Stimme. Den Bart könne sie nicht wirklich beschreiben, weil sie diesen nicht besonders beachtet habe.
In gleicher Weise antwortet die Angeklagte im offenen Recht vor jedermann auf die Frage, ob sie dem Zechner Anderl mit ihrer Aussage kein Unrecht tue, mit “Nein”. Als die Angeklagte weiters befragt worden ist, ob sie es auf ihr Gewissen nehme und das vor Gott verantworten und dafür leben und sterben wolle, hat sie alles mit Ja bestätigt. Sie ist auch tatsächlich dafür gestorben."

 

Auszug aus dem Begleitschreiben des Bannrichters Tillerich:

“Darum ist gegen diesen Zechner Anderl nicht nur von der Hornneggerin, sondern auch von den  Bruckerischen und wie ich auch vernommen habe, noch von zwei anderen Personen aus Voitsberg denunziert worden. Es ist ebenso ein Indiz, dass sein Vater als überzeugter Zauberer hingerichtet worden ist. Denn der Teufel pflegt im allgemeinen von den Eltern zu verlangen, dass sie die Kinder zu der Gesellschaft der Zauberer bringen. Vor 2 Jahren haben die hingerichtet Winterin und die Schadin alle ihre Kinder zur Hexengesellschaft gebracht.”

Blick von Hiening bei Semriach
Blick von Hiening (Semriach) auf die Rannach


Anmerkung:
Die handgeschriebenen Originale der Protokolle befinden sich im Steiermärkischen Landesarchiv: GBI4346 und Ea-1686-VII-4.
Die Protokolle aus dem 17. Jahrhundert wurden von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu in unsere heutige Sprache übertragen.
Herrn Bernhard Reismann danke ich herzlich für die Korrektur meiner Arbeit.
Graz 2012


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