Hans aus der Metnitz
Prozess gegen einen gewissen Hans aus der Metnitz wegen Zauberei und Wettermacherei
Ein Verfahren des Landgerichts St. Lambrecht unter dem Bannrichter Georg Schaller, der dort auch die Prozesse gegen Dionys und Marx Schöpfer führte. Der Beschuldigte stammte aus der Metnitz in Kärnten — von dort auch die Bilder dieser Seite.
Landgericht St. Lambrecht · 2. und 3. September A.D. 1604 Aussage und Geständnis mit und ohne Folter
Am 2. und 3. September 1604 ist in der Landgerichtshoheit des hochwürdigen Gotteshauses St. Lambrecht für das steiermärkische Banngericht durch den edlen und festen Herrn Ludwig Wurm, dortiger Sekretär und Hofrichter, im Beisein der ehrenhaften und vornehmen Hans Mugg (Marktrichter), Albrecht Rainer, Sewald Rainer, Caspar Offner, Caspar Zeischl, Sebastian Egger und Georg Schmidinger, alles Bürger von St. Lambrecht, ein Verbrecher zum Verhör vorgestellt worden, der mit und ohne Folter folgendes ausgesagt und gestanden hat:
Zuerst sagt und bekennt er, er heiße Hansl aus der Metnitz und sei ungefähr 73 oder 74 Jahre alt. Er sei vor 2 Jahren hier gefangen gewesen und gegen einen Eid, dass er diese Gegend nicht mehr betreten werde, wieder freigelassen worden.
Er sagt auch, er könne den Diebs-Segen sprechen. Weiters sagt er, er könne auch den Wolf-Segen. Weiters sagt er, dass er vor 6 Jahren zweimal bei seiner Muhme gelegen sei und mit ihr Unzucht getrieben habe.
Weiters sagt und bekennt er, dass er eine Zeit lang in einer Weide zu einem schwarzen zottigen kleinen Mann gegangen sei. Dieser habe ihm das Wetter-Machen beigebracht.
Weiters sagt er, dass er vor einem Jahr vor dem Korn-Schneiden zum Ambros am Egg gekommen sei. Dieser habe ihm kein weißes Brot geben wollen. Deswegen habe er ein Wetter von der Metnitz aus auf die Lassnitz bis zum Ambros und Koller am Pirchwald gelenkt. Dieses Wetter habe Wasser und Hagel-Steine gehabt, so groß wie Erbsen. Und weil man nicht geschossen hat, hat ihn das Wetter nicht verfehlen können. Er sei danach in derselben Nacht beim Ruppen unter der Alm geschlafen. Am Morgen sei er zum Georg im Winkl und in der Nacht zum Stampfer in der Deichl gegangen.
Weiters sagt und gesteht er, dass er vergangenes Jahr am Kreuz-Dienstag ein Wetter mit Schauer und Wasser am Albl hinunter zum Eissner gelenkt habe, weil ihn der Eissner geärgert und zornig gemacht habe. Er habe dieses Wetter auch der Frau Gruber dort zugedacht. Er sei mit dem Wetter bis zum Kürner geflogen und dort niedergefallen. Dort habe er eine Weile gerastet. Danach sei er in die Lassnitz zur Frau Spreizer und habe dort übernachtet.
Schließlich sagt und gesteht er, dass er heuer am Johannestag oder zur Sonnwend angefangen habe, ein Wetter zu machen, weil der Gregor auf der Sag und die Hayholt ihn geärgert und gequält hätten und nichts geben wollten. Er sei gegen Mittag ausgefahren und habe haselnussgroße Hagel-Steine geworfen. Er sei von Hayholten bis zum See am Auerling geflogen. Dort sei er auf einer Weide niedergefallen. Er sei schwach gewesen und einen halben Tag dort gelegen. Dem Ambros am Eck soll das Wetter am meisten Schaden angerichtet haben. Darauf hin sei er zum Benedickten am Daumnig gegangen und habe dort genächtigt.
Er bitte um ein gnädiges Urteil.
St. Lambrecht · vollstreckt am 6. September A.D. 1604 Urteil
Es ist durch die Herrn Richter und Beisitzer einstimmig beschlossen worden, dass er dem Scharfrichter überantwortet werden soll. Dieser soll ihn aus lauter Gnade, Milde und Barmherzigkeit mit dem Schwert hinrichten. Danach soll sein Körper zu Asche und Pulver verbrannt werden.
Georg Schaller
Bannrichter
Am Verfahren beteiligt
- Georg Schaller — Bannrichter; führte in St. Lambrecht auch die Verfahren gegen Dionys (1602) und Marx Schöpfer (1614).
- Ludwig Wurm — Sekretär und Hofrichter des Stiftes; auch im Verfahren gegen Dionys 1602.
- Caspar Offner und Albrecht Rainer — Bürger von St. Lambrecht, ebenfalls schon 1602 als Beisitzer bei Dionys.
Quelle
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📜Steiermärkische GeschichtsblätterProzessprotokoll, Jahrgang 1882, S. 134 ff.→ Protokoll auf literature.at ansehen
Hinweis: Dieses Protokoll wurde von Siegfried Kramer möglichst wortgetreu in unsere heutige Sprache übertragen. Bernhard Reismann sei für die Korrektur gedankt.