Susanne Pindter

Protokoll des Verhörs der Susanne Pindter

Anmerkung

Susanne Pindter ist 24 Jahre alt, hat zwei kleine Kinder und wird am letzten Märztag 1689 hingerichtet. Zwei Monate später steht am selben Landgericht, vor demselben Landgerichtsverwalter, Veronika Rauch — ebenfalls aus Merkendorf, ebenfalls Untertanin von Gleichenberg. Beide Protokolle beschreiben dieselben Versammlungsorte, den Gleichenberger und den Stradner Kogel, und teils dieselben Personen. Es sind die einzigen zwei Verhöre, die von der ganzen Gleichenberger Verfolgungswelle erhalten geblieben sind.

Auffällig an diesem Geständnis ist die Rangordnung: Selbst in der erzwungenen Phantasie vom Hexenmahl bleibt Susanne Pindter unten. Der Grandl aus Sulz ist Kellner, seine Frau und die Eva kochen, die Gollabitsch tanzt und macht Spaß — sie selbst ist Abwäscherin und isst nur, was die anderen übrig lassen. Die Standesverhältnisse des Dorfes werden in den Teufelsspuk hinein fortgeschrieben.

Am Schluss der Seite steht die Opferliste, die im selben Zusammenhang überliefert ist: 37 Namen.

Gräfliche Herrschaft Trautmannsdorf · 26., 28. und 29. März A.D. 1689 Verhör ohne und mit Folter

Am 26., 28. und 29. März des Jahres 1689 ist bei der Gräflichen Herrschaft Trautmannstorf und der Landgerichtshoheit Gleichenberg dem Kaiserlichen Banngericht in der Steiermark eine weibliche verbrecherische Person namens

Susanne Pindter

im Anklagepunkt Zauberei zum vorgesehenen Verhör vorgeführt worden.
Sie hat im Beisein des Herrn Landgerichtsverwalters Jakob Summer und des Peter Staudacher, Ratsbürger in Gnas, ohne und mit Anwendung der Folter folgendes ausgesagt:

gleichenbergerkogel
Auf dem Gleichenberger-Kogel

Susanne Pindter, allgemein Raidly genannt, 24 Jahre alt, Untertanin von Gleichenberg und wohnhaft in Merkendorf gesteht und sagt aus:

Voriges Jahr, im Sommer um Jakobi sei es ein Jahr gewesen, da wollte sie nachmittags vom Getreide-Schneiden von ihrem großen Feld nach Hause gehen, als der Böse (Teufel) unterwegs in einem schwarzen Bürgergewand und mit einem schwarzen breiten Hut zu ihr gekommen sei. Er habe beim Reden genäselt und zu ihr gesagt, sie soll ihm dienen und anbeten und sie soll die Hl. Dreifaltigkeit verleugnen und ihm die Seele versprechen. Er werde ihr dafür Geld und Gut geben. Sie habe in alle Wünsche des Teufels eingewilligt, ihm die Seele versprochen, die Hl. Dreifaltigkeit verleugnet und versprochen, ihm zu dienen. Daraufhin habe sie der Böse in einer gedeckten Kutsche, in die 2 rotbraune Rösser eingespannt waren, auf den Gleichenberger Kogel geführt. Dort habe sie schon andere Leute angetroffen. Sie hätten eine Mahlzeit gehabt mit gebratenen Hühnern und Würsten und dergleichen, wobei sie aus Schüsseln aus Zinn gegessen hätten. Den Wein hätten sie aus silbernen Bechern getrunken. Sie hätten auch einen Trompeter und einen Pfeifer dort gehabt. Sie habe sie aber nicht gekannt. Der Grandl aus Sulz sei Kellner gewesen. Er habe den Wein aus einer Eiche herausgelassen. Seine Frau aber und die Eva, die Tochter des Schwarzen Peter, hätten bei einer dort errichteten Küche gekocht. Sie selbst sei Abwäscherin gewesen und habe nur das, was die anderen übrig gelassen hätten, gegessen. Die Gollabitsch habe getanzt und Spaß gemacht. Die anderen habe sie nicht gekannt. Es wären Bürgers-Leut gewesen. Später seien sie mit einem Hagel-Wetter, das aber unterwegs zu Regen geworden sei, zum Stradner Kogel hinuntergefahren. Dort sei sie dann abgesessen und nach Hause gegangen. Sie sei zur Jausenzeit am Nachmittag nach Hause gekommen.

Im vorigen Jahr, in der Woche nach dem St. Jakobstag, sei der Böse noch einmal in der vorigen Gestalt (sie habe ihn Schwarzen Kasperl geheißen) nachmittags auf der Tenne zu ihr gekommen. Er habe sie wieder in der gedeckten Kutsche zuerst auf den Stradner-Kogel, wo sie ungefähr 20 Personen angetroffen habe, und danach von dort auf den Gleichenberger Kogel geführt. Sie hätten in der oben beschriebenen Weise auf beiden Kogeln gegessen, getrunken und getanzt. Dabei habe sie aber niemand von den vorher genannten erkannt. Sie hätten sich bei beiden Orten etwa 2 Stunden aufgehalten. Vom Gleichenberger-Kogel sei sie dann in Nebel und Wolken mit einem Regenguss nach Trautmannsdorf gefahren. Dort sei sie bei einem Kreuz bei der Sulz abgesessen.

stradnerkogel
Blick von Kapfenstein auf den Stradner-Kogel

Im Vergangenen Jahr, an einem Feiertag am Nachmittag, 14 Tage vor Weihnachten, als sie in der Stuben auf dem Herd gelegen sei, sei abermals der Böse zu ihr gekommen. Er habe sie in einer Kutsche zur Eiche, die in der Gemeinde Merkendorf steht, geführt. Sie hätten dort kein Essen gehabt, sie hätten nur aus silbernen Bechern getrunken, wobei sie (die Pindter) eins auf die Gesundheit der Hl. Dreifaltigkeit getrunken habe. Daraufhin sei alles verschwunden und sie habe anstelle des silbernen Bechers einen Pferdehuf in der Hand gehabt. Auf das hinauf sei sie nach Hause gegangen.

Schließlich gesteht sie und sagt aus, dass der Böse in der Woche vor der vergangenen Weihnachtsnacht, in der ihre 2 Kinder allein bei ihr in der Stube gewesen seien, auch zu ihr gekommen sei und sie wieder habe ausführen wollen. Sie aber habe gesagt, dass es gar zu kalt sei. Darauf sei er wieder weg gegangen.

Landgericht Gleichenberg · 31. März A.D. 1689 Urteil und Hinrichtung

Daher ist die erwähnte Pindter oder Raidly aufgrund der verübten und gestandenen Verbrechen dahingehend verurteilt worden, dass sie mit dem Schwert hingerichtet werden soll. Der Körper soll zusammen mit dem Kopf zu Staub und Asche vernichtet werden.

So ist es ausgeführt worden im Landgericht Gleichenberg am letzten Tag des März im Jahr 1689.

Landgericht Gleichenberg · ohne Datumsangaben Die Opferliste von Gleichenberg

Überliefert ohne Daten; die Herkunftsorte stehen so in der Quelle.
Susanna Pindter vulgo RaidlyMerkendorf
Maria Ladler vulgo GollabitschHaager Greitdorn
Ursula Gindl vulgo GrandlSulz
Hans Gindl vulgo GrandlSulz
Peter Fossolt vulgo TarknerMerkendorf
Susanna ReppHaager Greitdorn
Ursula FossoltMerkendorf
Veronika RauchMerkendorf
Matthias SchwanzWaldsberg
Eva LegensteinHaag
Hans KropfWaldsberg
Afra SchwanzWilhelmsdorf
Veronika SchwanzWaldsberg
Eva ListHaag
Gertraud HofferPlödenbach
Rosina Schwanz vulgo HolzapflWaldsberg
Veronika Takner
Andre Hirschmann vulgo Schlosser AnderlBairisch Kölldorf
Katharina Lackner AmtmänninWaldsberg
Jakob FurtmüllerWaldsberg
Hans ScheerWilhelmsdorf
Franz SchwanzWilhelmsdorf
Jakob SommerWaldsberg
Barbara HaklMerkendorf
Maria FrizWaldsberg
Maria KeinzWaldsberg
Eva StürkHaargreith
Adam GroßschedlKarbach
Katharina KumerHaarbergen
Michael ReiberGrub
Magdalena Kindler vulgo GollabitschDirnbach
Margaretha ScherKrusdorf
Michael HauerGrabergergen
Mathias Stradner vulgo OswaldhiaslKuhgraben
Barbara Playhießl vulgo GutscheberDirnbach
Kunigunde Matholt vulgo RablKarbach
Maria Neuwirth vulgo FlaschkerDirnbach
Namen auf der Liste37

Was die Liste zeigt

Vierundzwanzig Frauen, dreizehn Männer. Damit liegt der Frauenanteil bei knapp zwei Dritteln — hoch, aber nicht so eindeutig, wie das Schlagwort von der Hexenverfolgung erwarten ließe. Jeder dritte Mensch auf dieser Liste ist ein Mann.

Neun der siebenunddreißig kommen aus Waldsberg, fünf aus Merkendorf, je drei aus Wilhelmsdorf und Dirnbach. Waldsberg ist heute eine Katastralgemeinde von Bad Gleichenberg mit wenigen hundert Einwohnern; Haag, aus dem zwei weitere stammen, gehört dazu. Alle nachprüfbaren Orte der Liste liegen im Umkreis von rund sieben Kilometern um Gleichenberg — Bairisch Kölldorf 1,7 km, Waldsberg 2,8 km, Karbach 7,2 km. Die Verfolgung hat sich nicht über das Land verteilt, sie hat ein paar Dörfer leergeräumt.

Fünfmal steht der Familienname Schwanz auf der Liste, dazu zweimal Gindl und zweimal Fossolt. Bei den Gindl steht ein Ehepaar nebeneinander, Ursula und Hans, beide „vulgo Grandl“ aus Sulz. Die Anschuldigungen sind offenbar von Haushalt zu Haushalt weitergewandert — wer benannt wurde, benannte die eigene Verwandtschaft.

Von 37 Menschen sind zwei Verhöre erhalten, das der Susanne Pindter und das der Veronika Rauch. Von den übrigen 35 bleiben Name, Vulgoname und Herkunftsort. Ein Bannrichter wird in keinem der beiden Protokolle genannt, Daten trägt die Liste keine — sie lässt sich deshalb weder einem Richter noch einem genauen Zeitraum zuordnen.

Quelle

Hinweis: Den Original-Text des Protokolls hat Siegfried Kramer dem oben genannten Buch entnommen und in unsere heutige Sprache übertragen, Graz 2012. Bernhard Reismann sei an dieser Stelle für die Korrektur gedankt.

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