Steger
Der Prozess gegen Lorenz Steger
Am heutigen Tag, den 28.7.1653,
sind dem kaiserlichen Landgericht in der Steiermark beim fürstlichen
Stift und der landgerichtlichen Hoheit St. Lambrecht 3 Männer, Übeltäter,
mit den Namen
Lorenz Steger
Thomas Geiser
Gregor Geiser
zum Verhör vorgestellt worden.
Sie haben im Beisein der Herrn Schaffer, Paul Winkler, Marktrichter,
Christopher Haan und
Hans Wieser
sowohl ohne als auch mit Folterung folgendes ausgesagt und gestanden:
Lorenz Steger bekennt:
"Er heiße mit seinem Tauf- und Zunamen Lorenz Steger heiße und sei 40
Jahre alt.
1. Er gesteht: Vor 18 Jahren habe er, nachdem der Böse Geist von ihm
seine Seele verlangt habe und er gesagt habe, er soll im auch mit Zauberei helfen,
diesem seine Seele versprochen. Er habe Gott dem Allmächtigen, der Heiligen
Dreifaltigkeit und Unserer Lieben Frau und allen Heiligen Gottes widersagt;
diese alle verleugnet und sich dem Bösen Geist ergeben. Der Böse Geist habe von
ihm sein Blut verlangt und ihm hinten am Rücken auf der linken Seite einen Biss
gegeben und das Blut auf das Herz des Bösen Geistes eingeschrieben. Der Böse
Geist habe eine gesprenkelte Hand und schwarze Kuhklauen gehabt. Der Böse Geist
habe ihm versprochen, ihm Geld und Kleider zu geben und ihn nicht zu verlassen.
Das habe er aber nicht gehalten.

2. Er gesteht: Der Böse Geist habe einen schwarzen Sau-Fuß
gehabt, wie er zu ihm gekommen sei und habe ihm beigebracht, Wetter, Reif und Hagel zu
machen. Er habe Holz vom Buchsbaum dazu gebraucht, dieses klein geschnitten und
damit das Wetter gemacht. Der böse Geist habe gesagt, er soll mit ihm gehen,
und wenn er es nicht freiwillig mache, so müsse er ihm etwas Böses antun.
3. Er bekennt: Der Böse Geist sei vor 4 Nächten zu ihm in die Kammer
im Gefängnis gekommen und habe gefragt, was er denn da mache. Er wolle ihm
heraus helfen. Er soll aber dafür beim Gericht, wenn er
dazu aufgefordert werde, nicht zu viel aussagen.
4. Er bekennt: Er habe bei drei verschiedenen Gelegenheiten Wetter
gemacht. Er habe dazu zuerst einmal einen schwarzen Kot von der Erde aufgehoben.
Daraus seien 4 oder 6 Ratten worden, die über einander gekugelt seien. Er sei
auf der Langwiesen auf einen Bratspieß aufgesessen. Er
habe diesen Bratspieß mit einer Eier-Schmier, so einer Art Schleim-Pech, das
ihm ein kleiner alter Mann gegeben habe, eingeschmiert. Und er habe vor 18
Jahren, nachdem der Böse Geist in Gestalt eines schwarzen Saufußes zu ihm
gekommen sei und ihn das Wetter machen gelehrt habe, den ersten Schauer
gemacht. Der Böse Geist habe ihm angeheißen, Wetter und Reif zu machen, denn es
sei viel Getreide vorhanden. Er dürfe sich nicht fürchten, es werde ihm nichts
geschehen.
5. Er bekennt: Sein Nachbar, der Josel zu Greith, der oberhalb von Sankt
Veit wohnt, und dann einer mit Namen Lex Jörgl, auch in Greith wohnhaft, die
seien auch bei ihm dabei gewesen.
6. Er gesteht: Als er Schauer gemacht habe, sei der Böse Geist mitgefahren und es seien wohl an die 12 Personen, deren Namen er nicht wisse, auf der Langwiesen auf dem Bratspieß aufgesessen und mitgefahren. Es seien schwarzbärtige braune Menschen gewesen. Beim Fahren sei eine bleiche Wolke entstanden und sie hätten um ein wenig zu viel ausgesät. Dadurch haben sich auch lichte Wolken sehen lassen. Darauf habe es Wasser gegossen und es sei großer Schaden entstanden.
7. Er gestehe, dass er Schauer gemacht habe und es sei auch ein
Ledermacher mit Namen Lukas aus der Stadt Sankt Veit aus der Sparergasse mit ihm
auf dem Bratspieß gefahren und er hätte den Spieß bei einem Gerichtsherren,
dessen Namen er nicht mehr wisse, aus dem Frauensteiner Landgericht
mitgenommen. Der Magerl aus Eicht sei damals auch mitgefahren.
8. Er bekennt: Ein anderes Mal habe er bei Sankt Georgen in Kärnten in
einem Frauenkloster ein kaltes Wetter gemacht und erbsengroßen Schauer
ausgeworfen. Er sei gleich alleine für sich selbst gefahren. Er sei auf einer
Hundszitze aufgesessen und wo er die Hundszitze mit einem Wasser
bestupft habe, seien daraus lauter Hundszitzen geworden. Es habe
eingeschlagen und allseits durch den Schauer einen großen Schaden gegeben.
9. Er gesteht, dass er das dritte Wetter in Mühlbach gemacht habe. Er
habe einen Korb voll Erbsen ausgeworfen, aus dem Schauer geworden sei und dann
verlangt, dass Blitz und Donner dazu schlagen sollen und der Böse Geist soll
auch seinen Teil dabei haben. Er habe das „Vater Unser“, das „Ave Maria“, den
„Glauben“ und die heiligen „Zehn Gebote Gottes“ gebetet, aber dies alles dem
Bösen Geist geopfert. Als er die Erbsen ausgeworfen habe, hätte er gerufen, der
Teufel soll auch seinen Willen dazu geben.
10. Er gesteht auch die Namen seiner Komplizen: Einer namens Joachim, der
sei Landsknecht, einer namens Gregor, der sei bei Reitenstein zuhause, ein
Lorenz Schöster, der halte sich in Still bei Mühlbach auf, ebenso ein kleiner
Mann, ein blatternnarbiger Landsknecht, ebenso einer der Bergrechtsschuster
heiße, im Kreindorfer Gericht, dann ein Lorenz Bernhard, ein Landsknecht mit
schwarzen Haaren und groß, einer namens Heisel, ein Bauer aus Überfeld, noch
einer mit Namen Paul Bärl, aus Dorf in Greith, noch einer mit Namen Georg
Neubauer, wohnhaft bei der Kirche in Greith in Kärnten, eine halbe Meile von
Sankt Veit entfernt.
29. Juli 1653, am Vormittag
Fortsetzung des Verhörs im Beisein der Herren Schaffer, Paul Winkler, Marktrichter, Christoph Haan und Hans Wieser
11. Er gesteht nach der zweiten überstandene Folter und sagt: Vor 16 Jahren sei der Böse Geist, als er in einer Rauschstube allein gewesen sei, im Schlaf als blitzblau erschienen. Er habe kein Gewand angehabt und der Böse Geist habe von ihm verlangt, er solle ihm gehören. Er habe ihm versprochen, ihm alle Zeit zu helfen, was immer er mache. Er habe dem entsprochen und ihm seine Seele versprochen und sei vor dem Bösen Geist niedergekniet und habe ihn angebetet.

12. Er gesteht, er habe alles in allem 15 Wetter gemacht und damit großen Schaden angerichtet. Das erste Wetter habe er vor 5
Jahren gemacht, am Staill,
das zweite beim Trabitscha,
das dritte beim Zweier,
das vierte beim Kulm bei Villach,
das fünfte beim Zauernnik,
das sechste bei Eich unter Sankt Georgen bei der Mauer,
das siebte in Hizendorf bei Sankt Veit,
das achte beim großen Kirchturm, eine Meile von Sankt Veit entfernt,
das neunte am Nussberg bei Sankt Veit,
das zehnte außerhalb des weißen Kreuzes von Sankt Sebastian bei Osterwitz,
das elfte in einem Gesindehaus auf einem kleinen Berg,
das zwölfte bei einem Bauern, der Hintes heißt,
das dreizehnte bei den Weinbauern hinter Mühlbach,
das vierzehnte unter Villach,
das fünfzehnte aber in der Krain.
13. Er gesteht, beim Wetter-Machen hätten sie alte Spreu verwendet und
sie hätten den Teufel angerufen, dass er ihnen helfen möge.
14. Er gesteht, seine Kameraden, die dabei gewesen seien,
heißen: Peter, Lorenz, Jakob,
Christian, Nikl und Mathias. Es seien alle alte Bettler, die bei den Bauern
herum betteln gingen. "
Urteil
"auf die jetzt beschriebenen Aussagen und Geständnisse unter Folter und ohne Folter haben die hier anwesenden Herren und Rechtssprecher einhellig Urteil und Recht gesprochen und erkannt, dass die 3 Männer, die Verbrecher mit den Namen
Lorenz Steger,
Thomas Heiser,
Gregor Heiser
wegen ihrer großen Sünden und Untaten, die sie begangen haben, das
Leben verwirkt und den Tod verschuldet haben.
Sie sollen deswegen am heutigen Tag im öffentlichen kaiserlichen
Kriminalgericht den anderen zur Abschreckung dem Scharfrichter
übergeben werden. Er soll sie übernehmen und gut bewacht zur üblichen
Gerichtsstätte hinausführen und dort dem Thomas Heiser vor dem Scheiterhaufen
mit glühenden Zangen 2 Zwicker in beide Brüste verabreichen und sodann ihn mit
seinem Sohn, den Gregor Heiser und den Lorenz Steger am Scheiterhaufen vorher
erwürgen und die Körper zu Staub und Asche verbrennen.
Dieses Urteil wurde exekutiert am 4. August 1653."
Dieses Protokoll wurde von Siegfried Kramer mit Unterstützung von Bernhard Reismann (dem ich für die Korrektur herzliche danke) in unsere heutige Sprache übertragen.
Das Originalprotokoll befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv (EA 1657-XI-23).
Ich danke auch den außerordentlich freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeitern des Steiermärkischen Landesarchivs.
Graz 2011
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