Lorenz Steger
Der Prozess gegen Lorenz Steger
Anmerkung
Lorenz Steger ist 40 Jahre alt und stand am 28. Juli 1653 gemeinsam mit Thomas Heiser und dessen Sohn Gregor vor demselben Gericht. Alle drei wurden am 4. August 1653 hingerichtet. Der Zusammenhang der drei Verfahren ist eigens dargestellt: St. Lambrecht 1653.
Sein Geständnis ist eine Schadensbilanz. In Punkt 12 zählt er fünfzehn Unwetter auf, die er gemacht haben will — mit Ort und Reihenfolge. Sie stehen hier als Aufstellung. Auffällig ist, wohin sie führen: fast alle Orte liegen in Kärnten, um St. Veit an der Glan, Villach und Hochosterwitz, eines in der Krain. In der Steiermark, wo er verurteilt wird, liegt kaum eines.
Seine Kameraden sind Bettler. Punkt 14 sagt es unmissverständlich: „Es seien alle alte Bettler, die bei den Bauern herum betteln gingen.“ Auch die Namensliste in Punkt 10 besteht aus Landsknechten, Handwerkern ohne festen Sitz und Leuten, die nur mit Vornamen und Aufenthaltsort bezeichnet werden. Dasselbe Milieu wie bei Thomas Heiser, der am selben Tag aussagte.
Im Kopf des Protokolls sind Vater und Sohn Heiser als „Geiser“ geschrieben, im Urteil dagegen als „Heiser“. Beide Schreibweisen stehen unverändert so in der Vorlage.
Stift und Landgericht St. Lambrecht · 28. Juli A.D. 1653 Verhör mit und ohne Folter
Am heutigen Tag, den 28.7.1653, sind dem kaiserlichen Landgericht in der Steiermark beim fürstlichen Stift und der landgerichtlichen Hoheit St. Lambrecht 3 Männer, Übeltäter, mit den Namen
Lorenz Steger
Thomas Geiser
Gregor Geiser
zum Verhör vorgestellt worden.
Sie haben im Beisein der Herrn
Paul Winkler (Marktrichter)
Hans Wieser
sowohl ohne als auch mit Folterung folgendes ausgesagt und gestanden:
Lorenz Steger bekennt: Er heiße mit seinem Tauf- und Zunamen Lorenz Steger und sei 40 Jahre alt.
1.Er gesteht: Vor 18 Jahren habe er, nachdem der Böse Geist von ihm seine Seele verlangt habe und er gesagt habe, er soll ihm auch mit Zauberei helfen, diesem seine Seele versprochen. Er habe Gott dem Allmächtigen, der Heiligen Dreifaltigkeit und Unserer Lieben Frau und allen Heiligen Gottes widersagt; diese alle verleugnet und sich dem Bösen Geist ergeben. Der Böse Geist habe von ihm sein Blut verlangt und ihm hinten am Rücken auf der linken Seite einen Biss gegeben und das Blut auf das Herz des Bösen Geistes eingeschrieben. Der Böse Geist habe eine gesprenkelte Hand und schwarze Kuhklauen gehabt. Der Böse Geist habe ihm versprochen, ihm Geld und Kleider zu geben und ihn nicht zu verlassen. Das habe er aber nicht gehalten.

2.Er gesteht: Der Böse Geist habe einen schwarzen Sau-Fuß gehabt, wie er zu ihm gekommen sei und habe ihm beigebracht, Wetter, Reif und Hagel zu machen. Er habe Holz vom Buchsbaum dazu gebraucht, dieses klein geschnitten und damit das Wetter gemacht. Der böse Geist habe gesagt, er soll mit ihm gehen, und wenn er es nicht freiwillig mache, so müsse er ihm etwas Böses antun.
3.Er bekennt: Der Böse Geist sei vor 4 Nächten zu ihm in die Kammer im Gefängnis gekommen und habe gefragt, was er denn da mache. Er wolle ihm heraus helfen. Er soll aber dafür beim Gericht, wenn er dazu aufgefordert werde, nicht zu viel aussagen.
4.Er bekennt: Er habe bei drei verschiedenen Gelegenheiten Wetter gemacht. Er habe dazu zuerst einmal einen schwarzen Kot von der Erde aufgehoben. Daraus seien 4 oder 6 Ratten worden, die über einander gekugelt seien. Er sei auf der Langwiesen auf einen Bratspieß aufgesessen. Er habe diesen Bratspieß mit einer Eier-Schmier, so einer Art Schleim-Pech, das ihm ein kleiner alter Mann gegeben habe, eingeschmiert. Und er habe vor 18 Jahren, nachdem der Böse Geist in Gestalt eines schwarzen Saufußes zu ihm gekommen sei und ihn das Wetter machen gelehrt habe, den ersten Schauer gemacht. Der Böse Geist habe ihm angeheißen, Wetter und Reif zu machen, denn es sei viel Getreide vorhanden. Er dürfe sich nicht fürchten, es werde ihm nichts geschehen.
5.Er bekennt: Sein Nachbar, der Josel zu Greith, der oberhalb von Sankt Veit wohnt, und dann einer mit Namen Lex Jörgl, auch in Greith wohnhaft, die seien auch bei ihm dabei gewesen.
6.Er gesteht: Als er Schauer gemacht habe, sei der Böse Geist mitgefahren und es seien wohl an die 12 Personen, deren Namen er nicht wisse, auf der Langwiesen auf dem Bratspieß aufgesessen und mitgefahren. Es seien schwarzbärtige braune Menschen gewesen. Beim Fahren sei eine bleiche Wolke entstanden und sie hätten um ein wenig zu viel ausgesät. Dadurch haben sich auch lichte Wolken sehen lassen. Darauf habe es Wasser gegossen und es sei großer Schaden entstanden.
7.Er gestehe, dass er Schauer gemacht habe und es sei auch ein Ledermacher mit Namen Lukas aus der Stadt Sankt Veit aus der Sparergasse mit ihm auf dem Bratspieß gefahren und er hätte den Spieß bei einem Gerichtsherren, dessen Namen er nicht mehr wisse, aus dem Frauensteiner Landgericht mitgenommen. Der Magerl aus Eicht sei damals auch mitgefahren.
8.Er bekennt: Ein anderes Mal habe er bei Sankt Georgen in Kärnten in einem Frauenkloster ein kaltes Wetter gemacht und erbsengroßen Schauer ausgeworfen. Er sei gleich alleine für sich selbst gefahren. Er sei auf einer Hundszitze aufgesessen und wo er die Hundszitze mit einem Wasser bestupft habe, seien daraus lauter Hundszitzen geworden. Es habe eingeschlagen und allseits durch den Schauer einen großen Schaden gegeben.
9.Er gesteht, dass er das dritte Wetter in Mühlbach gemacht habe. Er habe einen Korb voll Erbsen ausgeworfen, aus dem Schauer geworden sei und dann verlangt, dass Blitz und Donner dazu schlagen sollen und der Böse Geist soll auch seinen Teil dabei haben. Er habe das „Vater Unser“, das „Ave Maria“, den „Glauben“ und die heiligen „Zehn Gebote Gottes“ gebetet, aber dies alles dem Bösen Geist geopfert. Als er die Erbsen ausgeworfen habe, hätte er gerufen, der Teufel soll auch seinen Willen dazu geben.
10.Er gesteht auch die Namen seiner Komplizen: Einer namens Joachim, der sei Landsknecht, einer namens Gregor, der sei bei Reitenstein zuhause, ein Lorenz Schöster, der halte sich in Still bei Mühlbach auf, ebenso ein kleiner Mann, ein blatternnarbiger Landsknecht, ebenso einer der Bergrechtsschuster heiße, im Kreindorfer Gericht, dann ein Lorenz Bernhard, ein Landsknecht mit schwarzen Haaren und groß, einer namens Heisel, ein Bauer aus Überfeld, noch einer mit Namen Paul Bärl, aus Dorf in Greith, noch einer mit Namen Georg Neubauer, wohnhaft bei der Kirche in Greith in Kärnten, eine halbe Meile von Sankt Veit entfernt.
Stift und Landgericht St. Lambrecht · 29. Juli A.D. 1653, vormittags Fortsetzung nach der zweiten Folter
Fortsetzung des Verhörs im Beisein der Herren
Paul Winkler (Marktrichter)
Hans Wieser
11.Er gesteht nach der zweiten überstandenen Folter und sagt: Vor 16 Jahren sei der Böse Geist, als er in einer Rauschstube allein gewesen sei, im Schlaf als blitzblau erschienen. Er habe kein Gewand angehabt und der Böse Geist habe von ihm verlangt, er solle ihm gehören. Er habe ihm versprochen, ihm alle Zeit zu helfen, was immer er mache. Er habe dem entsprochen und ihm seine Seele versprochen und sei vor dem Bösen Geist niedergekniet und habe ihn angebetet.

12.Er gesteht, er habe alles in allem 15 Wetter gemacht und damit großen Schaden angerichtet:
| Das erste vor 5 Jahren | am Staill |
| Das zweite | beim Trabitscha |
| Das dritte | beim Zweier |
| Das vierte | beim Kulm bei Villach |
| Das fünfte | beim Zauernnik |
| Das sechste | bei Eich unter Sankt Georgen bei der Mauer |
| Das siebte | in Hizendorf bei Sankt Veit |
| Das achte | beim großen Kirchturm, eine Meile von Sankt Veit entfernt |
| Das neunte | am Nussberg bei Sankt Veit |
| Das zehnte | außerhalb des weißen Kreuzes von Sankt Sebastian bei Osterwitz |
| Das elfte | in einem Gesindehaus auf einem kleinen Berg |
| Das zwölfte | bei einem Bauern, der Hintes heißt |
| Das dreizehnte | bei den Weinbauern hinter Mühlbach |
| Das vierzehnte | unter Villach |
| Das fünfzehnte | in der Krain |
| Wetter insgesamt | 15 |
13.Er gesteht, beim Wetter-Machen hätten sie alte Spreu verwendet und sie hätten den Teufel angerufen, dass er ihnen helfen möge.
14.Er gesteht, seine Kameraden, die dabei gewesen seien, heißen: Peter, Lorenz, Jakob, Christian, Nikl und Mathias. Es seien alle alte Bettler, die bei den Bauern herum betteln gingen.
Stift und Landgericht St. Lambrecht · 4. August A.D. 1653 Urteil und Hinrichtung
Auf die jetzt beschriebenen Aussagen und Geständnisse unter Folter und ohne Folter haben die hier anwesenden Herren und Rechtssprecher einhellig Urteil und Recht gesprochen und erkannt, dass die 3 Männer, die Verbrecher mit den Namen
Lorenz Steger
Thomas Heiser
Gregor Heiser
wegen ihrer großen Sünden und Untaten, die sie begangen haben, das Leben verwirkt und den Tod verschuldet haben.
Sie sollen deswegen am heutigen Tag im öffentlichen kaiserlichen Kriminalgericht den anderen zur Abschreckung dem Scharfrichter übergeben werden. Er soll sie übernehmen und gut bewacht zur üblichen Gerichtsstätte hinausführen und dort dem Thomas Heiser vor dem Scheiterhaufen mit glühenden Zangen 2 Zwicker in beide Brüste verabreichen und sodann ihn mit seinem Sohn, den Gregor Heiser und den Lorenz Steger am Scheiterhaufen vorher erwürgen und die Körper zu Staub und Asche verbrennen.
Dieses Urteil wurde exekutiert am 4. August 1653.
| Lorenz Steger | 4. August 1653 |
| Thomas Heiser (zuvor mit glühenden Zangen gebrannt) | 4. August 1653 |
| Gregor Heiser (Sohn des Thomas) | 4. August 1653 |
| Vollstreckte Todesurteile | 3 |
Quelle
Hinweis: Dieses Protokoll wurde von Siegfried Kramer in unsere heutige Sprache übertragen, Graz 2011. Bernhard Reismann sei für die Korrektur herzlich gedankt, ebenso den außerordentlich freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeitern des Steiermärkischen Landesarchivs.