Volkskundliches aus Strafprozessen — Teil 1
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Kapitel 2–20 · 1465–1585 · Teile: Teil 1 · Teil 2 · Teil 3 · Teil 4
Kapitel 2 · A.D. 1465BILDZAUBER
Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt. Sammelarchiv Khünegg G3, 1465.
Strafprozess des Landgerichts Grünburg gegen die Pfarrerschafferin Kathrey und die Katerl, der Andl Partundl Tochter, wegen Anhexen von Krankheiten.
Aus dem Verhör der Katerl am Freitag vor St. Marien. Magdalenentag 1465
(19.Juli):
"Dann gesteht zuerst die erwähnte Katerl (die Tochter der Andl Partundl), dass sie ihre Mutter und die Katharina, die Haus-Verwalterin des Pfarrers von Hermagor, Leonhart Angermann, nach Grünburg geschickt haben. Als Erkennungzeichen habe ihre Mutter dem Verwalter die "Weysat" (das Geschenk, das eine Wöchnerin von den Nachbarinnen bei der Geburt bekommt) mitgegeben.
Ihre Mutter und die Verwalterin haben ihr befohlen, sie solle dafür einen Fleck vom Gewand des Verwalters mitbringen, Haare von ihm und einen Riemen von seinen Schuhen.
Und wie sie dann mit der Weysat nach Grünburg in das Schloss gekommen sei, da sei die Verwalterin inzwischen in den Wehen gelegen. Sie sei zu ihr in die Stube gekommen und habe dort einen Fleck von einem grünen, aus Haaren gemachten Oberkleid des Verwalters gefunden und in einem Loch in dieser Stube habe sie Haare des Pflegers gefunden. Und als sie wieder hinausgehen wollte, habe sie vor der Tür des Speisesaals die Schuhe liegen sehen. Davon habe sie einen Riemen abgeschnitten. Sie habe dann diese Dinge ihrer Mutter und der Verwalterin gebracht. Danach hätten diese sie um Lehm geschickt.
Als sie nun alles Notwendige beieinander gehabt hätte, da seien nun die drei: die Katharina Porgatsch, die Katharina, die Verwalterin des Herrn Leonhard Angermann und die Andl Partundl zum Markt gegangen. Sie hätten dann aus den vorher genannten Dingen ein Bild gemacht. Nachdem sie das Bild gemacht hätten, seien sie eines Nachts, als es schon finster war, die Katharina, des Herrn Leonharts Verwalterin, die Andel Partundl und die Katherl, ihre Tochter, zum Markt nach Grünburg gegangen und hätten dort unter der Brücke das erwähnte Bild einen Daumen tief eingegraben. Die Verwalterin habe dazu eine Haue ausgeliehen."
Aus dem Verhör der Kathrey, des Herrn Leonharts des Angermann Dirn, vom Freitag vor St. Marien-Magdalenentag 1465 (19. Juli):
"....da habe aber die Porgatsch der Schafferin gesagt, man müsse zum Krankzaubern Haare des Verwalters haben, ein Schuhband, einen Fleck von seinem Gewand und eine Rippe von einem toten Menschen."
"Dann hat sie auch bekannt, dass sie und die Porgatsch und die Partundl aus dem Markt hinaus gegangen seien. Sie seien zwischen dem Kreuz und dem Galgen zusammen gesessen und die vorher genannten Dinge für das Bild habe die Verwalterin selbst hinaus getragen und sie selbst habe auch die Rippe (ungefähr eine Spanne lang) auf dem Friedhof in St. Hermagor genommen und mit hinaus getragen.
Die Schaffer habe aber gesagt, wenn man die Wirkung des Bildes aufheben wolle, dann müsse man eine Haue mit zwei Zinken machen. Damit müsse man es ausgraben. Dann müsse man ein Eisenbild machen, dieses eingraben und den Verwalter darüber gehen lassen. Dann werde er wieder gesund. Und für dieses Bild müsse man für das Schmieden einen Teil vom Eisen von Waffen nehmen."
Kapitel 3 · A.D. 1485LEICHENTEILE GERICHTETER ALS LIEBESZAUBER
Fürstbischöfl. Hofarchiv Brixen 1485.
"Der Innsbrucker Hexenprozess von 1485." Vom Hartmann Ammann. Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg, III. Heft, S. 347).
Aus dem Zeugenverhör der Clara Lienhart vom 9. August 1485:
"Die alte Fend hat einer Frau, die Reichard heißt und die Frau eines Waren-Aufladers ist, beigebracht, sie solle auf den Galgen steigen und von dem Dieb etwas nehmen. Wenn sie damit jemand berühre, dann müsse dieser sie lieb haben.
Die Ursache dafür, dass sie es lernte, war, dass die Reichard eine Tochter hat, die einer geschwängert hat und nichts mehr für sie tun wollte."
Kapitel 4 · A.D. 1485LIEBESZAUBER
Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Verhör eines Zeugen (Name im Original unterdrückt), vom 15. August 1485:
"Ennli Foster in der Vorstadt ist eine Verwalterin und hat dem Hans Lamp eine große Nuss, halbvergoldet, unter den Kopf gelegt. Seit dieser Zeit ist er zu seiner Frau rücksichtslos und grob und will sie erschlagen und er hängt an der Ennli. -
Diese soll unter Anwendung der Folter befragt werden."
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Kapitel 5 · A.D. 1485LIEBESZAUBER
Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Aus dem Verhör (mehrerer Zeugen) vom 19. August 1485:
"Die alte Rendl ist erstens verklagt worden, dass sie den Christian Engelsperger zuerst verzaubern und ihn danach vergiften wollte. Sie wollte ihn zur Liebe verzaubern, und danach sich ihm hingeben. Sie dachte, er habe eine andere lieber als sie. Da hat sie es zweimal bei ihm versucht. Einmal mit drei Ellritzen-Fischen, die sie in ihrer Scham getötet hat und mit anderem Zutaten zu einem Pulver zusammen gerührt hat, um es ihm einzugeben, damit sie mit dem Gesellen schlafen kann. Und dann hat sie ein Pulver, in dem viel Gebein war, in einem Brieflein eingeschlossen und einer Person, mit Namen Steinil (wohnhaft in Meran) gegeben. Die sollte das Pulver zwischen dem Gesellen und der Magdalena, der Ehefrau des Wolfgang, werfen."
Kapitel 6 · A.D. 1485TÖTUNGS- UND ERBLINDUNGSZAUBER
Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Aus dem Verhör des Zeugen Ulrich Pogner und seiner Hausfrau Margaret vom 21. August 1485:
"Gegen die Saitennäherin an der Innbrücke. Sie hat einem dem Kläger gedroht, sie wolle machen, dass er innerhalb eines Jahres gehängt wird oder blind werden muss. Den schweren Verdacht und die Kenntnis davon hat er durch seine Frau bekommen, die gesehen hat, wie sie Haare vom Kopf des Klägers, die sie ihm ausgezupft hat, als sie so getan hat, als ob sie ihn lausen wollte, zusammengewickelt, an ein Hölzerl gebunden und in der Küche in der Mauer versteckt hat. Das fand ihre Tochter, die Frau des Klägers und hat es ins Feuer geworfen."
Kapitel 7 · A.D. 1485KRANKHEITSZAUBER
Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Aus dem Verhör mehrerer Zeugen vom 23. August 1485:
"Der Tochter des Wolf, der Frau des Malers in Hötting, die im bösen Ruf steht, wird erstens vorgeworfen, dass sie die zweite Frau des Ludwig Koch mit einem Kopfputz aus Stoff, den sie ihr geschickt habe, verzaubert habe, denn die erste Frau des Ludwig war ihre Schwester gewesen. Sobald die Frau den Kopfputz aufgesetzt habe, hätte sie am Kopf Blasen bekommen und sei ganz wütend und wahnsinnig geworden, über ein halbes Jahr lang. Wie sie ihr das gewundene Tuch aufgetrennt haben, fand man darin Sauborsten, Haare, Kalk, Wachs und anderen Unrat. Nachdem das weggebracht worden war, ging es ihr besser."
Kapitel 8 · A.D. 1485LIEBES- UND SCHLAFLOSIGKEITSZAUBER
Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Beschworene Zeugenaussage des Martin Graff und seiner Hausfrau vom 25. August 1485:
"Die Tochter der Gredl Koller hat den Martin Graff verzaubert, dass er gegenüber seiner Frau keine Rücksicht mehr nahm. Und zwar so verzaubert, dass er zwölf Wochen lang nicht schlafen konnte. Er sei überzeugt gewesen, dass es deshalb gewesen sei, weil er sie einmal zwingen wollte, dass sie ihm helfe. Sie hat gesagt, dass es noch nicht Zeit wäre. Dann war sie seine Geliebte gewesen und hatte geglaubt, dass er sie zur Frau nehmen werde. Nachdem er aber eine andere nahm, sagte sie: "Ich werde Dir eine Krankheit hinterlassen, die du ganz sicher merken wirst!"
Und dann hat die Frau Greta in ihrem Bett eine kleine Spindel gefunden, die mit dreierlei Fäden umwunden war, mit Leinenfäden, mit Wollfäden und mit Menschenhaar. Und auch in einer Schnur, die er vor zwei Jahren an seinem Mantel gehabt hat, hat er in dieser Woche, als ich gepredigt habe, eingewobenes Menschenhaar und die Schamhaare von Frauen gefunden. Das hat sie ihm hineingewebt, als sie diese Schnur von ihm vorübergehend ausgeborgt und danach wieder zurück gegeben hat."
Kapitel 9 · A.D. 1485LIEBESZAUBER
Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Zeugenaussage der Elisabeth, des Schneiders Heinrich Weib, vom 3. September 1485:
"Gegen die Elisabeth Heiligkrütz, die Schwester des Mesners. Sie lehrt die Leute, wie sie die Männer verzaubern können und was sie da so machen müssen: Dass sie eine schwarze Henne kaufen müssen, so wie sie angeboten wird (ohne zu feilschen). Dann sollten sie der Henne das Herz herausnehmen und zwischen die Schamteile legen und sie dann den Menschen zu essen geben."
Kapitel 10 · A.D. 1485MILCHZAUBER (HEXENBRENNEN)
Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Zeugenaussage der Christine Ypfhoferin vom 6. September 1485:
"Trenlin Rötfelders Magd hat den Verdacht, dass den Kühen die Milch genommen wird. Sie hat erfahren, dass wenn einer Person die Milch genommen worden ist, diese dann den Milchkübel über das Feuer hängen soll und in des Teufels Namen darauf schlagen soll. Dann müsse diese Person kommen. So geschah es, dass diese Person weinend gekommen ist und es ihr ganz schlecht ging."
Kapitel 11 · A.D. 1485ALRAUNWURZELN ALS PROZESSZAUBER
Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Aus dem Verhör der Elsbeth Velk:
"...der die Seutz 2 Alraunwurzeln gegeben hat, die sie unter die Altartücher legen sollt",
vom 8. September 1485:
"Gegen die Seutz in der Vorstadt, die kann die Alraunwurzen unter die Altartücher legen. Und wenn darüber 9 Messen gelesen werden, dann kann sie bei Gericht keinen Prozess verlieren."
Kapitel 12 · A.D. 1485JUDENEXKREMENTE UND LEICHENTEILE NEUGEBORENER KINDER ALS ZAUBERMITTEL
Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485:
Aus dem Verhör eines (unbekannten) Zeugen vom 14. September 1485:
(Die Aussage richtete sich gegen eine namentlich nicht genannte übel berüchtigte Hexe in Hall bei Innsbruck.)
"Gegen sie deponierte der erste Zeuge, dass in der Zeit, als er selbst in ihren Diensten stand, sie ihn wiederholt zu den Kloaken der Juden in Innsbruck geschickt hat, damit er Kot der Juden von dort bringe. Was er manchmal getan habe, manchmal aber von anderen für ihn machen habe lassen."
Ein anderer (ebenfalls unbekannter) Zeuge berichtet am selben Tag, dass eine Frau bei Innsbruck den Erzherzog Sigismund bezaubern wollte, um dessen verlorene Liebe wiederzugewinnen, und zu diesem Zwecke einen Schüler zu der Hexe von Hall schickte, um von ihr gewisse Zaubermittel zu holen. Ein Priester nahm ihm bei seiner Rückkehr diese Sachen ab.
"Damals waren unter den schrecklichen Dingen waren vom Bauchnabel und kleine Hautstücke abgeschnitten vom Körper eines neu geborenen Knaben."
Kapitel 13 · A.D. 1485BILDZAUBER, GALGENHOLZ ALS ZAUBERMITTEL
Aus dem Innsbrucker Hexenprozess von 1485.
Aus der beeideten Zeugenaussage der Gertrud Rot vom 17. Oktober 1485:
(die beschuldigte Barbara Selach lebt in Feindschaft mit der Zeugin. Als diese erkrankt, gibt sie Selach die Schuld und wird in ihrem Verdachte durch einen Töpfer bestärkt, der ihr den Rat gibt, unter der Schwelle nachzugraben:)
"Als nun mein Gatte in Gegenwart und unter Beihilfe des Töpfers dies tat, fanden sie unter der Türschwelle ein handgroßes Wachsbild, ein Weib darstellend, durchstochen und voll von Löchern. Auch steckten in dem Wachsbild zwei Nadeln, die eine in der Richtung von der Brust zur linken Schulter, die andere in Richtung von der Brust gegen den Rücken; in eben diesen Richtungen aber empfand ich die allerbittersten Schmerzen, obwohl ich auch sonst am ganzen Leib von Leiden geplagt wurde, wie auch das Wachsbild nach allen Seiten durchstochen war. Auch wurden unter der Türschwelle zwei Tuchstücke gefunden; in dem einen waren verschiedene Arten von Samen eingeschlossen, in beiden Holzstücke, die vom Galgen abgeschnitten waren, Knochen von den Füßen ungetaufter Knaben, Haare und Fäden, die aus Altarverzierungen genommen waren, sowie manches andere."
Kapitel 14 · A.D. 1493BILDZAUBER
Archiv des Kärntner Geschichtsvereins, Klagenfurt, 1493.
Prozess gegen die drei Wolfsberger Bürgerfrauen Christina Trünkl, Barbara Ösl und Wolf wegen Teufelsbund und zauberischer Mordanschläge gegen den Schlossherren Wolfgang Payner.
Aus dem Geständnis der Christina Trünkl vom Dienstag vor dem Sonntag Judica 1493 (21. März):
"…Wie sie nun beieinander gewesen sind, da sind sie sich einig geworden und haben in der Stuben ein Wachs-Manderl gemacht und dann viele Nadeln in das Manderl hineingesteckt. Da habe die Trünkl die 3 Nadeln, die beim Herzen gesteckt sind, wieder herausgezogen. Wenn sie auch das Manderl gemacht hätten, um dem edlen Wolfgang Payner einen verderblichen körperlichen Schaden zuzufügen, dann soll er doch noch länger am Leben bleiben.
Dann hat die Trünkl gestanden, dass jede von ihnen Dreien einen eigenen Teufel habe. Der Teufel der Trünkl werde Welland Dreistein genannt, der Teufel der Wolff werde Tillian genannt und der Teufel der Ösl heiße Pfauenschwanz.
Dann hat die Trünkl gestanden, dass sie das Wachs-Manderl in eine Kammer getragen hätten. Die Ösl habe dann Wasser von einem Bach gebracht und sie hätten das Wasser im Namen ihrer Teufel gesegnet und jede von ihnen habe dann das Manderl im Namen ihres jeweiligen Teufels getauft. Sie hätten dem Manderl den Namen Wolfgang gegeben. Auch hat die Trünkl gestanden: So oft eine von ihnen eine Nadel in das Wachs-Manderl gesteckt habe, habe sie dazu gesagt, der Wolfgang Payner soll an Leib und Gut verderben und verkümmern.
Danach hat dieselbe Trünkl weiters bekannt, wie sie das Manderl gemacht hätten, die Nadeln hineingesteckt und getauft hätten, hätte jede von ihnen Gott und unsere liebe Frau (Maria) verleugnet und dem christlichen Glauben widersagt. Und jede von ihnen habe gesagt:
"Das heilige Martyrium unseres Herrn (Jesus Christus) soll nicht in mir sein, solange ich die Zauberkunst betreibe".
Das hätten sie alles getan, um dem Wolfgang Payner Schaden und Verderben zuzufügen.
Weiters hat die Trünkl gestanden, sie habe die Wolff danach eindringlich gefragt, wo man das Wachsmanderl eingegraben habe. Diese habe geantwortet, der Wolff und der Balthasar hätten es beim Schloss vom Wolfgang Payner vor der äußeren Brücke eingegraben. Dort liege es noch immer."
Kapitel 15 · A.D. 1513ZAUBERISCHES BLINDMACHEN
St.L.A. Sond.-Arch. Stubenberg, Schub. 76, Heft 403. Urgicht des Erhard Tunsch 1513.
Am Montag vor Sankt Gilgentag "der wenigeren Zall 13" (29. August 1513) wird der Mörder, Zauberer und Dieb Erhard Tunsch durch den Marktrichter Christoph Mostberger von Kapfenberg vernommen. Aus dem Geständnis:
"Außerdem hat er gestanden, dass er gegenüber dem Gotthart Hackenschmid in Kindberg einen schlimmen Neid gehabt habe und nicht gewusst habe, wie er sich in böser Weise rächen soll.
Vor 20 Jahren habe er an einem Baum das Abschneiden gelernt. Mit dieser Zauber-Kunst habe er den Gotthart Hackenschmid aus Kindberg um sein Sehvermögen gebracht.
Damit hat er geprahlt und daraufhin hat man ihn festgenommen."
Kapitel 16 · A.D. 1528BILDZAUBER
Archiv der Stadt Wiener-Neustadt, Jg. 33a, 1528.
Zaubereiprozess des Stadtgerichtes Wiener-Neustadt gegen Anna Pfleger wegen Zauberei.
Bekenntnis der Beschuldigen aus dem Jahre 1528:
Die Beschuldigte hat den Tod von mehreren Personen herbeigeführt:
"Durch ein Wasser, das sie aus Kröten und Eidechsen herstellte. Dann habe sie ein Bild derselben Person angefertigt und in deren Wohnung, Keller oder dergleichen gelegt."
Kapitel 17 · A.D. 1562TOTZAUBERN DURCH FRIEDHOFSERDE, LEICHENTEILE UND GRABTÜCHER
Archiv der Schadt Wiener-Neustadt 1562.
Zaubereiprozess des Stadtgerichts Wiener-Neustadt gegen den Totengräber Rupert Schlemer. - Aus dem peinlichen Bekenntnis des Beschuldigten vom 10. März 1562:
"Der Totengräber von Baden habe ihm im vorigen Jahre beigebracht, dass er Erdreich von den Gräbern nehmen, es in die Gatter des Friedhofs stellen, auf den Kirtagen und in den Gassen ausstreuen solle, "damit das ehrlich sterben soll". Vor etwa acht Wochen habe er ein beerdigtes, noch wenig verwestes Knäblein ausgegraben; dieses Kind habe er mit Haupt und Gliedern gesotten, ein Weihwasser daraus gemacht und dies beim Kirchengatter, auf der Kirchenstiege, in der Kirche und in die Gassen ausgesprengt, wo er das Erdreich ausgestreut. Auch die Leiche hab er mit dem Wasser eingespritzt und dasselbe auch im Friedhofe an der Mauer gegenüber dem Bischofshof ausgegossen. Seine Frau habe um alles gewusst und den Knaben selbst gesotten. Auch diese Sache habe ihm der Totengräber von Baden gelernt. Er habe Leichentücher von den Toten weggenommen und verkauft. Von einem habe er einen Zipfel abgeschnitten und denselben einer Frau gegeben, um damit von ihr eine Krankheit zu vertreiben."
Kapitel 18 · A.D. 1571FALSCHE ALRAUNWURZELN
Archiv der Stadt Wiener-Neustadt, Nr. 55/4, 1571.
"Ein Ehepaar aus Hartberg hat im Jahre 1571 aus Armut und durch Verführung durch den bösen Feind (Teufel) aus Rüben Sachen gemacht, die den Alraunwurzeln gleich sahen, und hat dieselben auch als Alraunwurzeln verkauft."
Kapitel 19 · A.D. 1580DIE KRÖTE ALS ZAUBER- UND SEELENTIER.
St. L. A. Polizeiwesen, 12. Juni 1580.
Bericht des steirischen Landprofosen Jakob Bithner an die Landschaft über die Vorgänge bei der am 20. Mai 1580 in Arnfels erfolgten Verbrennung der "Butterhexe" Barbara Striglin.
"Nachdem sie eine Stunde lang gebrannt hat, ist sie immer noch lebendig im Feuer gesehen worden und sie soll aus dem Scheiterhaufen heraus wie ein Vogel geflogen sein. Wie er auf die Erde gekommen ist, haben die Bauern zusammen mit einigen Geistlichen, die dabei gewesen sind, dem Scharfrichter etwas gezeigt und gefragt, was es damit auf sich habe, was wie eine widernatürlich große Kröte*) ausgesehen habe, die fast aufrecht dem Wasser zugeeilt ist. Wie der Scharfrichter sie gesehen hat, hat er 3 Rasenstücke für sie ausgestochen**). Die hat sich gegen ihn zurückgewandt, und wie er mit der Haue auf sie hauen wollte, hat die Kröte wie ein Mensch gewinselt und mit dem Kopf gezuckt. Mit dem 2. Hieb hat er ihr den halben Kopf abgeschlagen, gleichzeitig eine Vorder- und eine Hinterpratzen. Darauf hat er ihr einen Schlag auf den Rücken gegeben. Dann hat er die Kröte mit der Harken ins Feuer geworfen. Dann hat er einige, die dabei gewesen sind, gebeten, dass sie ihm helfen, das Feuer abzusticken und den Körper, an dem er die selben Spuren der Schläge, die er der Kröte gegeben hat, gefunden hat, herauszuziehen. Ihre Kleider, die sie angehabt hat, hat er später abseits vom Scheiterhaufen auf dem Brachfeld verbrannt. Ihren Körper hat er danach zerstückelt und vollkommen verbrannt."
*) Die Kröte ist im Vorstellungskreis des Zauberglaubens sehr häufig als Teufels- und Zaubertier nachweisbar. Unter anderem nimmt der Hausteufel häufig Krötengestalt an; am Hexensabbat werden Kröten mit der mitgebrachten Hostie gefüttert usw. Im vorliegenden Falle scheint die etwas verzerrte Vorstellung vom Seelentier, die u.a. in Tirol dazu geführt hat, im Allerseelenglauben in der Kröte das Wohntier armer Seelen zu sehen, mitzuspielen; die Seele der verbrannten Zauberin sucht zuerst in Vogel-, dann in Krötengestalt zu entrinnen.
**) Friedhofserde ist gleichmäßig als Glückszauber wie als Mittel zur zauberischen Schadenstiftung brauchbar.
Kapitel 20 · A.D. 1585WETTERZAUBER
St. L. A. Sond.-Archiv Stubenberg, Fasc. 76 (Gerichtswesen), Heft 403. Gerichtsprotokoll der Landgerichtsherrschaft Wurmberg 1585.
Aus dem gütlichen und hernach peinlichen Verhör mit Margarethe Wilhalbm Schuesterin (Feber 1585):
"Außer ihr seien die Sabotnik und die anderen Komplizinnen mitgeflogen. Für diese Zauber-Künste hätten sie die Federn von Hühnern, die man am Faschingstag rupft und 3 Steine aus dem Bächlein bei Gutenhag in Aichach zusammen mit dem Wasser verwendet und dazu diese Worte:
"Vorn hinaus und nirgends anstoßen und hinaus auf die weite Straße, wo die Weg-Kreuzungen sind!"
Danach seien sie und der schwarze Kasperl (Teufel) auf einer Ofenkrucken (Brotschieber) gesessen und 3 Männer seien vorangeflogen. Daraufhin sei das schaurige Wetter entstanden."
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