Gera Gregoritsch

Auszug aus dem Protokoll des kaiserlichen Banngerichts
Herrschaft Freyenthurn 1694

Anmerkung

Fünf Frauen wurden an einem Tag hingerichtet, am 4. Dezember 1694: Gera Gregoritsch, Anna Sittiher (auch Logkaiz oder „Schneiders Frau“), Kathra Valetko, Agnes oder Nescha, die Frau des Anthans, und Bora, die alte Suppan und Verwalterin. Die Namensschreibungen wechseln im Protokoll von Absatz zu Absatz; sie stehen hier unverändert so, wie sie überliefert sind.

Bora hat bis zuletzt geschwiegen. Der Schlussabsatz vermerkt, sie habe sich „bis zu ihrer letzten Stunde stumm gestellt und kein Wort sprechen noch gestehen wollen“. Hingerichtet wurde sie trotzdem.

Im Protokoll steht eine Mordanklage gegen eine Adelige. Anna sagt aus, die Gräfin von Wazenberg habe sie über ein Zimmermädchen bitten lassen, den Grafen von Purgstall zu vergiften, und ihr dafür eine Krone geschickt; später habe dieselbe Gräfin der Gräfin von Purgstall ein vergiftetes Pulver eingeben lassen. Das Motiv nennt sie ebenfalls: Der Graf habe sie nicht heiraten wollen, und sie habe ihn geliebt. Was aus dieser Aussage wurde, ist nicht überliefert — verbrannt wurden die fünf Frauen.

Die Angeklagten nennen selbst ein weltliches Motiv. Auf die Frage, warum sie der Herrschaft nach dem Leben getrachtet hätten, antwortet Kathra Valetko: weil diese die Hälfte des Landgerichts Mattling übernommen habe und sie deshalb fürchteten, mit der Zeit von eben dieser Herrschaft hingerichtet zu werden. Das Protokoll gibt diesen Satz wieder, ohne ihn zu kommentieren.

Der Hagel wurde beschossen. Kathra Valetko gesteht, beim Schloss habe der Hagel keinen Schaden anrichten können, „weil man fest mit geweihtem Pulver dagegen geschossen habe“. Dieselbe Abwehr setzt schon das älteste Protokoll dieser Sammlung voraus — Hans aus der Metnitz 1604 — und eine Grazer Sagenaufzeichnung beschreibt sie 1866 noch als lebenden Brauch: siehe Der Schöckl.

Der Prozessort ist nicht gesichert. Die Seite folgt der Zuordnung Siegfried Kramers zum Schloss Freyenthurn bei Klagenfurt, von dem auch die Bilder stammen. Der Text selbst weist aber nach Süden: Der Schreiber unterzeichnet als „Banngerichtsschreiber in Krain“, es geht um das Landgericht Mattling (Möttling, heute Metlika in Bela krajina), der Versammlungsberg ist der Klek bei Ogulin in Kroatien, und die Namen der Angeklagten sind durchwegs slawisch. Von Metlika sind es 45 Kilometer zum Klek, von Klagenfurt 172. Ob es eine gleichnamige Herrschaft in Krain gab, wäre am Original zu klären.

Am 4. Dezember 1694 hingerichtet
Gera Gregoritsch4. Dezember 1694
Anna Sittiher auch Logkaiz, Lagkaiza, Lokaiz4. Dezember 1694
Kathra Valetko auch Cathra Voletki4. Dezember 1694
Agnes oder Nescha Schuschiz Frau des Anthans4. Dezember 1694
Bora, die alte Suppan Verwalterin; hat bis zuletzt geschwiegen4. Dezember 1694
Vollstreckte Todesurteile5

„in dem zu sehen ist, wie die in der Herrschaft Freyenthurn (Kärnten) am 4. Dezember 1694 hingerichteten Zauberinnen die gnädige Frau Gräfin mit ihren teuflischen Zaubereien vor einem Jahr ums Leben und unter die Erde und den gnädigen Herrn Grafen offensichtlich in einen sehr üblen Zustand gebracht haben.

Herrschaft Freyenthurn · 4. Dezember A.D. 1694 Gera Gregoritsch

Schloss Freyenthurn
Schloss Freyenthurn (Kärnten)

gesteht, dass sie eine Zauberin ist, mit einer Vielzahl von Eigenschaften dieses grausamen und höchst schädlichen Lasters des Zauberns, wie es der Prozess sehr ausführlich zeigt.

Auf die Frage, was die Ursache gewesen sei, dass weder die Doktoren noch die Medikamente der verstorbenen Frau Gräfin helfen hätten können, antwortet sie: Sie und die nachfolgend angegebenen Komplizinnen, nämlich Anna Logkaiz, Bora Adleschitsch (Verwalterin), Nescha Schuschiz (die Frau des Anthans) und Cathra Valetko hätten es getan.

Auf nochmaliges Nachfragen, wie sie das gemacht hätten, antwortet sie: Erstens hätten sie dem gnädigen Herrn Grafen auf Laubblätter von einem Nussbaum und der gnädigen Frau Gräfin auf Blätter vom Apfelbaum ihre teuflischen Salben hinaufgeschmiert und ins Bett gelegt.

Nachdem man aber diese Aussage nicht annahm und ihr vorwarf zu lügen und dass noch etwas anderes dabei gewesen sein müsse, rückte sie erst mit der Wahrheit heraus und antwortete: Dass sie nämlich mit der erwähnten Hexen-Vereinigung die Federn und Knochen von allerlei Geflügel, die Köpfe von Schlangen und giftigen Nattern und dergleichen Zauber-Dinge verwendet hätten, wie man sie auch, als der verstorbene Herr Pfarrer von Zirknitz dort war, im Bett des gnädigen Herrn Grafen und der Frau Gräfin gefunden hat und die dann später verbrannt worden sind.

Außerdem gesteht sie, dass die in ihrer Truhe gefundenen Dinge, die Haare vom Herrn Grafen und der Frau Gräfin, Hexensalben, Pulverln und dergleichen, lauter Hexerei-Utensilien gewesen seien, womit sie der gnädigen Herrschaft viel Übles zugefügt habe.

Das Wetter- und Hagel-Machen, die Herstellung von Salben, die Verunehrung des Allerheiligsten und die Kindertötung ist im Prozess ausführlicher beschrieben und dort zu finden.

Herrschaft Freyenthurn · 4. Dezember A.D. 1694 Anna Sittiher

sonst Logkaiz oder Schneiders Frau genannt. Sie hat bezüglich des von den Zauberinnen verursachten Todes der Frau Gräfin und der jetzt noch immer schweren Krankheiten des gnädigen Herrn Grafen gestanden.

Zuerst bestätigt sie die Aussagen der oben genannten Gera Gregoritsch und auch, dass sie bewusst und absichtlich geholfen habe, die oben erwähnten schädlichen teuflischen Mixturen vorzubereiten, mit denen sie der gnädigen Herrschaft Schaden zugefügt haben.

Schloss Freyenthurn
Schloss Freyenthurn

Sie bestätigt in gleicher Weise, dass die Cathra Valetko, Nescha, die Frau des Anthans, und die Bora, die alte Suppan, ihre Komplizinnen bei der Zauberei gewesen seien, und sie hat über nachfolgende schreckliche Laster und Taten der Zauberei ausgesagt.

Erstens gesteht sie: Nachdem der gnädige Herr Graf von Purgstall die Frau Gräfin geheiratet hat, habe die Frau Gräfin von Wazenberg sie (die Anna) durch ihr damaliges, damals ihr noch unbekanntes Zimmermädchen in ihrem Schloss in Mottling, zu essen und zu trinken gegeben und daneben auch bitten lassen, sie möge den oben erwähnten Herrn Grafen von Purgstall vergiften. Sie wolle ihr einen Kronen schenken, den die Frau Gräfin der Anna auch bald darauf geschickt hat.

Außerdem gesteht die Gefangene, später habe die Frau Gräfin von Wazenberg abermals durch die verstorbene Suppan aus dem Dorf Waiden, die auch eine Hexe war, ein vergiftetes Pulverl der verstorbenen Frau Gräfin heimlich eingegeben.

Als man aber die Anna nach der Ursache fragte, warum die Frau Gräfin von Wazenberg der verstorbenen Frau Gräfin von Purgstall so nach dem Leben getrachtet habe, gab sie die Antwort, dass der gnädige Herr Graf von Purgstall die Frau Gräfin von Wazenberg nicht habe heiraten wollen und weil sie den Grafen geliebt habe.

Außerdem gesteht sie, dass sie mit der Teufels-Salbe, die sie auf dem Berg Klek gemacht und zum Fliegen verwendet habe, auch die Betten des gnädigen Herrn Grafen und der Frau Gräfin eingeschmiert habe und diese auch mit ihrem Urin besprengt habe.

Schloss Freyenthurn
Schloss Freyenthurn

Auf weitere Nachfrage gesteht Anna, dass sie mit der verstorbenen Verwalterin von Weiden und anderen oben erwähnten Komplizinnen gegen den erstgeborenen jungen Herrn Grafen selig kleine Knochen, über die sie teuflische Worte gesprochen und verwendet hätten, bei der Kirche St. Nikolai, die in der Nähe von Schloss Freyenthurn steht, mit der Absicht eingegraben hätten, dass der gnädige Herr Graf oder die Frau Gräfin, wenn sie zum ersten Mal darübergingen, nicht nur krank werden sollen, sondern sogar sterben müssen.

Aber siehe, es sei als erstes ein schwarzes Wachtel-Huhn darübergegangen, das dann bald darauf nicht nur erkrankt, sondern sogar gestorben sei.

Herrschaft Freyenthurn · 4. Dezember A.D. 1694 Kathra Valetko

Sie gesteht, dass sie eine Zauberin und eine Anführerin der oben beschriebenen Komplizinnen sei und dass sie bereits 30 Jahre das Leben einer Zauberin führe.

Sie gesteht, dass sie auf dem Kreuzweg beim Berg Klek mit allen ihren Komplizinnen gegessen, getrunken und getanzt habe und gesprungen sei, auch mit ihrem Liebsten, der Hansl geheißen habe und mit dem sie geschlafen habe, sooft sie zusammengekommen seien. Und sie gesteht, wie sie Hagel gemacht hätten und wo sie damit überall Schaden angerichtet hätten.

Außerdem ist in dem Prozess auch ganz genau beschrieben, wann, wo und woraus sie diese Teufels-Salben gemacht hätten.

Sie gesteht frei und von sich aus vor, während und nach der Folter, dass sie mit folgenden Komplizinnen, nämlich Anna Lagkaiza, Gera Gregoritsch und Bora der alten Suppan, verschiedene Federn, Knochen, Teufelsschweif, Krallen, Ottern und Schlangen-Köpfe genommen hätten und auch Haare des gnädigen Herrn Grafen und der Frau Gräfin, die die Gera dem gnädigen Herrn Grafen in der Nacht, während sie geschlafen haben, ohne bemerkt zu werden, ausgerupft habe. Diese Dinge hätten sie mit teuflischen Künsten zusammengemischt, beschworen und damit gezaubert.

Außerdem hätten sie mit den Teufelssalben ein Blatt von einem Nussbaum für den Herrn Grafen, für die Frau Gräfin aber ein Blatt von einem Apfelbaum angeschmiert. All diese Dinge hätten sie im Namen ihres jeweiligen Lieblings-Teufels beschworen — die Gera Gregoritsch, Cathra Valetko, Anna Logkaiz, Nescha Anthans und Bora, die alte Verwalterin — und dem gnädigen Herrn Grafen und der Frau Gräfin ins Bett gelegt. Sie sind dort auch vom verstorbenen Herrn Pfarrer von Zirknitz gefunden und dann verbrannt worden.

Schloss Freyenthurn
Schloss Freyenthurn

Sie gesteht: Über die teuflischen Mixturen hätten sie die üblichen Sprüche gesprochen: Nur dann, wenn dieser Schlangenkopf weiter beißen sollte, soll der Herr Graf gesund werden. Vorher aber nicht. Und nur dann, wenn diese Haare auf dem Kopf der Gräfin wachsen sollten, soll sie gesund werden und vom Bett aufstehen, vorher aber nicht.

Sie gesteht weiters, dass sie mit dem Hagel beim Schloss herum keinen Schaden hätten anrichten können, weil man fest mit geweihtem Pulver dagegen geschossen habe.

Auf die Frage, warum und weswegen sie dieser so frommen Herrschaft so sehr nach dem Leben getrachtet hätten, antwortete sie, die Zauberinnen hätten die Bösen Geister deshalb so sehr angestiftet, die Herrschaft aus dem Weg zu räumen, weil diese die Hälfte der Herrschaft des Landgerichts Mattling übernommen hätten und dadurch sie (die Zauberinnen) mit der Zeit durch diese Herrschaft hingerichtet worden wären.

Sie sagt weiters aus, dass sich der Böse Feind, ihr liebster Hansl, des Öfteren, besonders ihrer Person angenommen hätte. Und anstatt ihre Arbeit zuhause und auf dem Feld zu verrichten, sei sie (Cathra persönlich) sowohl auf den Berg Klek als auch in die Wolken geflogen. In der Nacht habe sie ein Bündel Stroh neben ihrem Mann ins Bett gelegt. Der arme Mann habe gemeint, dass seine Frau neben ihm liege, obwohl dort nur Stroh gelegen sei.

Herrschaft Freyenthurn · 4. Dezember A.D. 1694 Agnes oder Nescha, die Frau des Anthans

gesteht, dass sie ebenfalls eine Zauberin sei und von den vorher genannten Komplizinnen vor eineinhalb oder zwei Jahren zum Leben als Zauberin verführt worden sei.

Sie bestätigt in gleicher Weise wie die vorher Verhörten die Zusammentreffen beim Kreuzweg und auf dem Klek und sie bestätigt auch, andere abscheuliche Taten gleich wie die anderen Frauen begangen zu haben.

Bezüglich der Frau Gräfin aber sagt sie folgendes: Sie gesteht, dass die Komplizinnen Cathra Voletki, Anna Lokaiz, Bora, die alte Verwalterin, und sie selbst ein weißes Pulver vorbereitet und zusammengemischt haben. Dieses Pulver haben sie durch das Zimmermädchen Gera zur herrschaftlichen Köchin ins Schloss und in die Küche gebracht, mit dem Auftrag, sie soll dieses Pulver heimlich der gnädigen Frau Gräfin in die Suppe geben. Was sie auch gemacht hat. Deswegen hat sie (Nescha) dem Herrn Grafen beim öffentlichen Banngericht wegen der begangenen Untaten um Verzeihung gebeten.

Schloss Freyenthurn
Schloss Freyenthurn

Weiters haben diese Zauberinnen auf Befragen vieler Leute geantwortet, dass sie der böse Feind einmal in der Gestalt ihrer Komplizinnen, das andere Mal in einer anderen Gestalt aufgefordert hat, das zu leugnen, und ihnen auch gedroht haben, ja nichts auszusagen oder zu gestehen, und dass sie von den bösen Geistern fortwährend dazu angetrieben worden seien, dieser frommen und gnädigen Herrschaft zu schaden und durch die Zauberei übel zuzusetzen. Das haben sie ohne irgendeinen Zwang, sondern ganz freiwillig öffentlich und oft ohne dazu gefragt worden zu sein, vor den dort tätigen Bediensteten ausgesagt und berichtet.

Sie haben auch auf andere Art und Weise dieser gnädigen Herrschaft Übles angetan und andere abscheuliche Handlungen durch Zauberei vollbracht. Weil aber solche beim kaiserlichen Bannrecht nicht alle vorkommen, sind sie nicht erwähnt worden. Etwa dieses, dass sich die Bora, die alte Suppan, bis zu ihrer letzten Stunde stumm gestellt hat und kein Wort sprechen noch gestehen wollte und dass sie durch die Gera eine mit Gift gemachte Pogatschen (eine Art Kuchen) über die Küche und die Köchin auf die herrschaftliche Tafel geschickt hat, wovon die Frau Gräfin gegessen, der gnädige Herr Graf aber nicht kosten wollte, sondern die Frau Gräfin davon abhalten wollte. Es hat jedoch alles nichts geholfen."

Landgerichtliche Herrschaft Freyenthurn, am 4. Dezember 1694
Joh. Bapt. Remigk
Vereidigter Banngerichtsschreiber in Krain

Quelle

Hinweis: Der Text des Protokolls wurde von Siegfried Kramer in unsere heutige Sprache übertragen. Bernhard Reismann sei an dieser Stelle für die Korrektur und die Anregungen gedankt.

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